Über dieses E-Book
Barbara Cartland
Barbara Cartland war die produktivste Schriftstellerin der Welt. Sie schrieb zu Lebzeiten 723 Bücher, von denen nicht weniger als 644 Liebesromane waren, die sich weltweit über eine Milliarde Mal verkauften und in 36 Sprachen übersetzt wurden. Neben Liebesromanen schrieb sie außerdem historische Biografien, Theaterstücke und Ratgeber. Ihr erstes Buch schrieb sie im Alter von 21 Jahren – es wurde auf Anhieb ein Bestseller. Ihr letztes Buch schrieb sie im Alter von 97 Jahren und es trug den vielleicht prophetischen Titel »Der Weg zum Himmel«. Zwischen den 1970er und 1990er Jahren wurde Barbara Cartland dank zahlreicher Fernsehauftritte und ihrer Beziehung mit der jungen Lady Diana zu einer Medienikone, doch ihr großes Vermächtnis werden ihre vielen inspirierenden Liebesromane bleiben. Barbara Cartlands offizielle Website: www.barbaracartland.com Bei dotbooks erscheinen von Barbara Cartland mehrere historische Liebesromane in der der HIGHLAND SKY-Reihe sowie in der REGENCY SCANDALS-Serie und Exotikromane in der Reihe TRÄUME UNTER FERNER SONNE.
Ähnlich wie 95. Atemlos aus Lauter liebe
Titel in dieser Serie (100)
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Rezensionen für 95. Atemlos aus Lauter liebe
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Buchvorschau
95. Atemlos aus Lauter liebe - Barbara Cartland
1 ~ 1817
Prunellas erster Gedanke beim Aufwachen galt ihrer Schwester Nanette. Normalerweise sprach sie um diese Zeit ein Gebet. An diesem Morgen schien aber das Problem, das sie beim Einschlafen bewegt hatte, bereits auf sie zu warten.
Was soll ich nur tun? fragte sie sich.
Im Grunde hatte sie doch alles Menschenmögliche getan.
Sie hatte es für eine gute Idee gehalten, daß die hübsche und gescheite Nanette mit siebzehn bei Hofe vorgestellt wurde.
Viele Mädchen aus der Gesellschaft erlebten in diesem Alter ihr Debüt.
Da die Trauerzeit um ihren Vater im März endete, kam ein Brief von Lady Camworth, Nanettes Patin, wie gerufen. Darin schlug sie vor, ihre Patentochter Ende April der Königin im Buckingham Palast vorzustellen.
Es blieb also noch genügend Zeit, um Nanette mit der eleganten Garderobe zu versorgen, die für eine Londoner Saison unerläßlich war, und die Schwester in die gesellschaftlichen Regeln einzuführen.
Prunella hatte Lady Camworths freundliche Einladung akzeptiert und Nanette in Begleitung ihrer Zofe und eines erfahrenen Couriers nach London geschickt.
»Ich weiß wirklich nicht, weshalb du mich nicht selbst begleitest«, wandte Nanette ein.
Dieser Gedanke war Prunella bisher nicht gekommen. Ihr war klar, daß Lady Camworth sicherlich keinen Wert darauf legen würde, gleich zwei Mädchen unter ihre Fittiche zu nehmen. Prunella selbst hatte ihre Chance schon vor einigen Jahren versäumt.
»Ich bin viel zu alt«, erwiderte sie mit einem Lachen, das den Ernst ihrer Worte überspielen sollte.
»Unsinn! Du bist doch nicht zu alt«, protestierte Nanette.
Sie war nicht noch einmal auf dieses Thema zurückgekommen. Nanette dachte nicht gern daran, wie trübsinnig und langweilig das Leben ihrer älteren Schwester während der vergangenen drei Jahre verlaufen sein mußte.
Prunella sorgte sich aber weniger um sich, als um Nanette.
Das Mädchen kam in der zweiten Juniwoche nach Hause, nachdem der Prinzregent Carlton House verlassen hatte, um nach Brighton House zu fahren. Die Saison näherte sich bereits dem Ende.
»Du mußt mir alles erzählen, Liebes«, bat Prunella an ihrem ersten gemeinsamen Abend.
So lebhaft und heiter Nanette auch plauderte, Prunella kannte sie gut genug, um zu wissen, daß sie ihr etwas verheimlichte. Worum es sich dabei handelte, erfuhr Prunella, noch ehe Nanette mit der Sprache herausrückte.
Lady Camworth schrieb nämlich in einem Brief:
»Ich muß wohl nicht betonen, daß Nanette ein großer Erfolg war. Jeder war entzückt von ihrem Aussehen, von ihrer eleganten Garderobe deren Auswahl ich mir hoch anrechne, ihrer liebenswürdigen Art und den exzellenten Manieren.
Natürlich hat die Tatsache, daß sie eine Erbin ist, ihr den Weg geebnet und ihr Einladungen verschafft, die sie sonst vielleicht nicht erhalten hätte. Aber eine junge, vermögende Frau ist auch gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt. Eine davon heißt im Vertrauen gesagt Pascoe Lowes.
Er ist der Sohn Lord Lowestofts und wurde seit seiner Kindheit von einer überaus nachgiebigen Mutter verwöhnt Dazu kommt, daß er für den Seelenfrieden eines jungen Mädchens bei weitem zu gut aussieht. Als er anfing, sich an Nanettes Fersen zu heften, bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich habe mich nach Kräften bemüht, Nanette begreiflich zu machen, daß Lowes allgemein als Mitgiftjäger verschrien ist und nicht als ernstzunehmender Bewerber angesehen werden kann. Natürlich hoffe ich, daß er sie vergißt, wenn sie erst wieder aufs Land zurückgekehrt ist. Ich halte es aber für meine Pflicht, dich zu warnen, da er sie mit Aufmerksamkeiten förmlich überschüttet hat. Ich fürchte nun, daß sie deswegen zwei durchaus passenden Herren die kalte Schulter gezeigt hat. Beide hätten ihr, dessen bin ich sicher, mit ein bißchen Entgegenkommen ihrerseits einen Antrag gemacht.
Du mußt mir verzeihen, liebste Prunella, daß ich diese Situation nicht schon zu Beginn verhindert habe. Aber ich wußte wirklich nicht, wie ich die beiden, nachdem sie sich kennengelernt hatten, voneinander hätte fernhalten sollen. Ich hoffe nun sehr, du bringst das Mädchen zur Vernunft. Sie darf ihre Zeit nicht an einen Pascoe Lowes verschwenden.«
Prunella las den Brief mehrmals durch, sagte aber vorerst noch nichts. Klugerweise wartete sie, bis Nanette sich ihr anvertraute. Das geschah ziemlich bald. Denn Nanette blieb gar nichts anderes übrig, als ein Mietwagen aus London eintraf, der ein riesiges Blumengebinde und einen Brief für sie brachte.
Nanette war außer sich vor Entzücken über diese extravagante Geste.
»Kannst du dir vorstellen, daß einem ein Mann von so weit her Blumen schickt?« rief sie begeistert.
»Dein Verehrer muß sehr reich sein«, bemerkte Prunella.
Daraufhin erzählte Nanette die ganze Geschichte.
»Die Patin meinte, Pascoe sei ein Glücksjäger«, erzählte Nanette, »aber das stimmt nicht. Er hat ganz offen zugegeben, kein Geld zu haben. Ich bin ganz sicher, daß er mich auch lieben würde, wenn ich keinen Penny besäße.«
»Liebling, du bist sehr reich«, wandte Prunella ein. »Ich halte es für einen Fehler, in deiner Lage einen Mann ohne Vermögen zu heiraten.«
»Er kann mein Geld ausgeben«, erwiderte Nanette sorglos.
»Wenn er ein Ehrenmann ist, dürfte ihm das kaum behagen.«
Prunella redete mit Engelszungen auf ihre jüngere Schwester ein, bis sie merkte, daß Nanette ihr gar nicht zuhörte, sondern mit leuchtenden Augen den großen Blumenstrauß bewunderte. Dabei faßte sie mit der Hand nach dem Brief in der Schärpe ihres Kleides.
Eine Woche später schon quartierte sich der Ehrenwerte Pascoe Lowes in einem kaum fünf Meilen entfernten Haus ein. Prunella wunderte sich, daß er Leute in der Gegend kannte. Doch dann fiel ihr ein, daß Lowes Mutter ja die ältere Tochter des verstorbenen Earl of Winslow war.
Sie hatte seinem Namen nicht viel Bedeutung zugemessen. Jetzt erinnerte sie sich, daß Lady Anne einen Lord Lowestoft geheiratet hatte, dessen Familienname Lowes lautete.
Im Geiste hörte sie wieder den Earl, der ein guter Freund ihres Vaters gewesen war, sagen, wie unerträglich langweilig er seinen Schwiegersohn fand. Als Folge davon waren Lord und Lady Lowestoft selten zu Besuch in Winslow Hall gewesen.
Während ihrer Kinderzeit mußte das aber häufiger der Fall gewesen sein. Später hörte sie, daß Lord Lowestoft durch eine schwere Krankheit ans Bett gefesselt war. Der Earl pflegte kaum noch Leute einzuladen, nur ihr Vater schien sein einziger Gast zu sein.
Seit Prunella wußte, daß sich Nanette für seinen Enkelsohn interessierte, tat es ihr leid, daß er nicht mehr lebte. Der alte Earl, ein aufbrausender und furchterregender Mann, hätte solch unpassendes Benehmen bestimmt nicht befürwortet. Nichts konnte schlimmer sein, als den Ruf eines Glücksjägers zu tragen.
Es dauerte nicht lange, bis Pascoe Lowes den Schwestern einen Besuch abstattete. Prunella erkannte auf den ersten Blick, daß es schwierig sein würde, Nanette davon zu überzeugen, daß sie es lediglich mit einem zwar gutaussehenden aber etwas übertrieben eleganten, jungen Mann zu tun hatte.
Prunella war noch nie in London gewesen. Sie wußte daher nicht, wie die Beaus und Dandys dort tatsächlich aussahen. Der junge Mann, der auf sie zukam, gehörte offenkundig zu beiden Kategorien. Seine phantastische Erscheinung beeindruckte sie so sehr, daß sie sich wie ein nach Luft schnappender Goldfisch vorkam.
»Ich bin entzückt, Ihre Bekanntschaft zu machen, Miss Broughton«, schmeichelte er Prunella. »Ihre Schwester hat mir ihre tugendvolle Schönheit in so leuchtenden Farben beschrieben, daß es mir schwerfiel, an die Existenz eines solchen Musterbildes zu glauben. Wie ich nun sehe, hat sie keineswegs übertrieben.«
Er zieht wirklich alle Register seines Charmes, dachte Prunella.
Gleichzeitig wirkte Pascoe sehr bezaubernd und sprach mit solcher Ernsthaftigkeit, daß sie sein Kompliment, ohne es zu wollen, mit einem Lächeln quittierte.
Ganz offensichtlich aber hörte er ihr während seines Besuches gar nicht zu. Er beobachtete stattdessen Nanette. Seine Blicke, die auf ihr ruhten, waren so feurig und bedeutungsvoll, daß sie wohl jedem Mädchen den Kopf verdreht hätten, ganz besonders einem so unerfahrenen wie Nanette.
Nach Beendigung des Besuches, den Pascoe Lowes klugerweise nur kurz gestaltete, war Prunella mehr als beunruhigt.
Der junge Mann entsprach in keiner Beziehung den Vorstellungen, die sie sich von ihrem zukünftigen Schwager gemacht hatte. Und sie konnte sich des Gefühls nicht erwehren, daß er Nanette sehr unglücklich machen würde.
Wie sollte ein Mädchen, das auf dem Lande aufgewachsen war, einen Ehemann ertragen, der Stunden damit zubrachte, seine Krawatte so schwierig und kunstvoll zu schlingen, daß ihn die anderen Dandys darum beneideten.
Die Spitzen seines Hemdkragens erreichten genau die vorgeschriebenen Stellen unter seinem Kinn. Die Haare waren zu einer Windstoßfrisur gebürstet, die der Prinzregent in Mode gebracht hatte.
Seine feinen Lederstiefel verdankten ihren Glanz, wenn man Nanette Glauben schenken konnte, dem Champagner.
Letzteres ärgerte Prunella besonders. Der junge Mann hatte kein Geld und war zudem offenbar im Begriff, einen Berg von Schulden anzuhäufen!
Er verließ das Haus, nachdem er Prunella mit weiteren extravaganten Komplimenten bedacht und Nanettes Hand länger als notwendig gehalten hatte. Der Eindruck, den er hinterließ, würde sich nicht so leicht auslöschen lassen.
Nanette blickte den ganzen Abend mit verklärten Augen in die Welt. Was immer Prunella auch gegen Pascoe sagen würde, es stieße nur auf taube Ohren.
Was soll ich nur tun? dachte sie, als sie am Abend zu Bett ging. Eine Frage, die sie sich während der ganzen Woche immer wieder stellte.
Die Tür zu Prunellas Schlafzimmer ging auf. Charity, schon seit Kindertagen ihre Dienerin, kam herein und ging zum Fenster. Charity war im Waisenhaus aufgewachsen und kam mittlerweile langsam in die Jahre. Trotz ihres Alters bewegte sie sich noch genauso geräuschlos wie zu der Zeit, als sie ihren Dienst im Haus angetreten hatte. Im Laufe der Jahre war sie vom Haus- zum Kindermädchen und schließlich, nach Nanettes Geburt, zur Kinderfrau avanciert.
Inzwischen war Charity Zofe und Haushälterin zugleich. Als Sir Frederick starb, ernannte sie sich außerdem selbst zur Anstandsdame für Prunella und Nanette.
Prunella hatte mit dem Gedanken gespielt, eine ältere Dame zu bitten, bei ihnen zu wohnen. Doch erstens kannte sie keine geeignete Person und zweitens wußte sie, daß sie Einschränkungen ihrer Freiheit nicht ertragen konnte.
Wir führen ein ruhiges Leben, hatte sie sich gesagt. Außerdem dürfte es kaum etwas geben, was in der Grafschaft nicht bereits über uns geredet wurde.
Ihre Augen nahmen einen harten Ausdruck an, die Lippen zuckten vor Bitterkeit. Sie bemühte sich, ihren Gedanken eine andere Richtung zu geben, welche unweigerlich zu Nanette führte.
Als Charity die Vorhänge zurückzog, strömten die Sonnenstrahlen durchs Fenster. Dann drehte sie sich zum Bett herum. Prunella wußte, bevor sie den Mund öffnete, daß Charity etwas mitzuteilen hatte.
»Was ist los, Charity?« fragte Prunella, die instinktiv fühlte, daß es sich um nichts Gutes handeln konnte.
»Heute morgen ist wieder ein Brief für Miss Nanette eingetroffen. Anscheinend hat sie hellseherische Fähigkeiten und wußte, daß er kommen würde. Sie war schon unten an der Eingangstür, ehe Bates dort anlangte.«
»War sie bereits angezogen?« wollte Prunella wissen.
»Nein, sie trug ihren Morgenmantel. Ich sagte ihr, sie solle sich schämen, in solch einem Aufzug die Treppe hinunterzugehen. Eine Lady würde so etwas niemals tun.«
»Was hat sie geantwortet?«
»Ich hätte genauso gut gegen eine Wand reden können. Sie preßte den Brief gegen ihre Brust und lief an mir vorbei in ihr Schlafzimmer. Ich hörte nur noch, wie sie von innen den Schlüssel herumdrehte.«
Prunella seufzte tief.
»O Charity, was sollen wir nur mit ihr machen?«
»Ich habe keine Ahnung, was wir tun können, Miss Prunella. Nicht auszudenken, was Ihr Vater zu diesem Vorfall gesagt hätte. Miss Nanette im Nachtgewand auf dem Weg zur Eingangstür, ohne sich um die Anwesenheit männlicher Diener zu kümmern!«
Charity war zutiefst schockiert, ein Gefühl, das Prunella teilte.
Nicht, daß der alte Bates wirklich zählte. Er war schon fast so lange bei ihnen wie Charity. Und der einzige weitere Diener, den sie im Augenblick hatten, war Bates’ Enkelsohn. Er
