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Im Bann des Millionärs
Im Bann des Millionärs
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eBook216 Seiten2 Stunden

Im Bann des Millionärs

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Über dieses E-Book

Die Malerin Mary Duvall kehrt nur nach Eastwick zurück, um ihr Erbe anzutreten - nicht um ihre leidenschaftliche Affäre zu dem attraktiven Millionär Kane Brentwood wieder aufleben zu lassen! Vor Jahren genoss sie ihr sorgloses Leben als seine geheime Geliebte. Bis er aus heiterem Himmel eine andere Frau heiratete - und sie tief verletzt schwor, sich ihm niemals mehr hinzugeben. Doch kaum sieht sie ihn jetzt wieder, gerät sie sofort in den Bann seiner starken erotischen Anziehungskraft. Immer schwerer fällt es ihr, seinen fantasievollen Verführungsversuchen zu widerstehen ...

SpracheDeutsch
HerausgeberCORA Verlag
Erscheinungsdatum2. Sept. 2007
ISBN9783863490515
Im Bann des Millionärs
Autor

Katherine Garbera

USA-Today-Bestsellerautorin Katherine Garbera hat schon mehr als neunzig Romane geschrieben. Von Büchern bekommt sie einfach nicht genug: ihre zweitliebste Tätigkeit nach dem Schreiben ist das Lesen. Katherine lebt mit ihrem Mann, ihren Kindern und ihrem verwöhnten Dackel in England.

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    Buchvorschau

    Im Bann des Millionärs - Katherine Garbera

    Katherine Garbera

    Im Bann des Millionärs

    1. KAPITEL

    Mary Duvall beugte sich über den offenen Sarg ihres Großvaters David Duvall. Tränen brannten ihr in den Augen, aber sie zwang sich, nicht zu weinen. Zu genau erinnerte sie sich, wie sehr David Duvall es verabscheut hatte, wenn sie sich in der Öffentlichkeit gehen ließ. Deshalb hatte sie auch die Tür zu dem kleinen Extraraum geschlossen, in dem er aufgebahrt war.

    Die Mary von früher hätte sich vollkommen anders verhalten. Sie hätte laut geweint und geschluchzt und sich nicht gezwungen, ihre Gefühle zu verbergen. Doch die Mary von heute hatte gelernt, ihre Emotionen in sich zu verschließen. Dennoch wollte sie noch ein letztes Mal sein Gesicht berühren. Das musste sie einfach.

    Als sie vorsichtig die Finger auf die kalte Haut legte, fuhr sie innerlich zusammen. Noch nie hatte sie sich so allein gefühlt, so einsam. Denn sie war allein, jetzt, da auch der Großvater nicht mehr lebte. Ihre Eltern waren bereits vor Jahren bei einem Autounfall umgekommen, zusammen mit Marys Bruder, den die Eltern vergöttert hatten. Weder zu den Eltern noch zu ihrem Bruder hatte sie ein besonders enges Verhältnis gehabt.

    So war ihr nur der Großvater geblieben. Um seinetwillen war sie vor nicht allzu langer Zeit aus Paris nach Eastwick in Connecticut zurückgekehrt. Mit seiner Gesundheit stand es nicht zum Besten, und er hoffte, dass Mary inzwischen zu einer vernünftigen jungen Frau herangewachsen war. Wenn sie ihm beweisen könne, dass sie nicht mehr das aufsässige wilde Mädchen von früher war, würde er sie als seine Erbin einsetzen, das hatte er ihr versprochen.

    „Du wirst stolz auf mich sein, flüsterte sie. „Du brauchst dich meiner nicht zu schämen, das schwöre ich dir. Sie küsste ihn auf die kalte, trockene Stirn. Wenn er sie doch nur noch einmal umarmen könnte! Ihre Kindheit war alles andere als einfach gewesen, und Großvater David war, wie auch der Rest des Duvall-Klans mit ihrem Verhalten keineswegs einverstanden gewesen. Aber als sie nach Paris ging, hatte er sie immerhin zum Abschied umarmt. Er würde ihr sehr fehlen.

    Es klopfte.

    Mary blickte schnell auf die Uhr. Es wurde Zeit, dass sie die Tür öffnete, damit die Leute von David Duvall Abschied genommen werden konnte. Sicher lauerten die Verwandten schon vor der Tür, um tränenreich Lebewohl zu sagen, obgleich sie den Onkel nur wegen seines Geldes geschätzt hatten.

    Mary wollte ihr Erbe zum Wohl anderer einsetzen. Sie hatte vor, mit dem Geld Krankenhäuser in einkommensschwachen Vierteln zu unterstützen, die damit Spezialabteilungen für Neugeborene einrichten konnten. Außerdem dachte sie daran, sich finanziell für bestimmte Sommerlager zu engagieren. Dort sollten Kinder die Gelegenheit haben, sich künstlerisch zu betätigen, Kinder, deren Eltern dazu weder Zeit noch Geld hatten. Mary selbst war als Kind nie von ihren Eltern dazu ermutigt worden, obgleich sie schon früh jede Gelegenheit zum Malen genutzt hatte.

    Inzwischen hatte sie als Malerin in Europa Erfolg gehabt. Einige ihrer Bilder waren sogar als Drucke vervielfältigt worden und hatten so eine weite Verbreitung gefunden.

    Aber darüber würde sie später nachdenken. Jetzt musste sie erst einmal die Trauerfeier überstehen. Bevor sie die Tür für die Allgemeinheit öffnete, steckte sie dem Großvater schnell noch ein Briefchen in die Brusttasche, das sie gestern geschrieben hatte. Sie schob den kleinen weißen Umschlag unter das Taschentuch, direkt über sein Herz.

    Dann trocknete sie sich die Augen und öffnete die Tür. Channing und Lorette Moorehead, die Kinder von David Duvalls Schwester, stürzten herein.

    „Wie rührend!, spottete Channing sofort, während er mit seiner Schwester vor den Sarg trat. „Man könnte ja fast glauben, du hättest für den alten Mann was übrig gehabt.

    „Ich hatte ihn sehr gern."

    „Warum hast du ihm denn dann mit deinem unmöglichen Lebenswandel fast das Herz gebrochen?", fragte Lorette spitz.

    Mary hielt sich zurück. Sie wollte nicht Gleiches mit Gleichem vergelten, das hätte Großvater ganz sicher nicht gefallen. So sagte sie nur: „Wir haben unseren Frieden miteinander gemacht, Großvater und ich."

    „Vielleicht hast du dem armen Onkel David etwas vormachen können. Aber wir fallen darauf nicht herein. Ich bin sicher, du hast dich überhaupt nicht verändert!, stieß Channing böse hervor. „Nimm dich in Acht. Ich werde dich sehr genau beobachten.

    Channing war fast zehn Jahre älter als Mary, und solange sie sich erinnern konnte, war er ein unerträglicher Angeber gewesen. Sie hatte ihn nie gemocht. Aber Lorette, die nur zwei Jahre älter als Mary war, hatte sie sich immer eng verbunden gefühlt. Als Kindern hatte sie oft zusammen gespielt, vor allem, wenn sie beim Großvater zu Besuch waren und alles Mögliche anstellten. Mit zehn jedoch hatte Lorette erklärt, dass sie nun zu alt für solchen „Kinderkram" sei.

    „Ich lasse euch jetzt allein." Mary zog die Tür hinter sich zu. Im Vorraum hatten sich lediglich ihre alten Freundinnen, die sogenannten Debs, versammelt. Sie kannten sich seit ihrer Schulzeit und waren dank ihrer regelmäßigen Treffen auch immer in engem Kontakt geblieben.

    Alle schienen kurz davor zu sein, sich zu verloben oder zu heiraten. Nur Mary nicht. Sie hatte einen Mann geliebt, der sie schließlich wegen einer Frau verlassen hatte, die aus der „richtigen" Gesellschaftsschicht kam. Danach hatte Mary sich geschworen, sich nie wieder an einen Mann zu binden, um so etwas nicht noch einmal durchmachen zu müssen.

    Das war nur ein weiteres Beispiel dafür, dass Marys wilder Lebenswandel, der im Grunde gar nicht so wild gewesen war, dazu geführt hatte, dass sie nun allein war. Sie hatte immer Schwierigkeiten gehabt, sich den allgemeinen Verhaltensregeln zu unterwerfen. Im Gegensatz zu ihrem eher braven Namen war Mary schon als Rebellin auf die Welt gekommen.

    Aber das hatte sich drastisch geändert. Sie hatte bitter für ihren unkonventionellen Lebensstil zahlen müssen. Nun hatte sie sich durch ihr Versprechen, das sie dem Großvater auf dem Totenbett gab, endgültig zu einem anderen Leben bekannt.

    Mary ging auf ihre Freundinnen zu, die alle schwarz gekleidet waren. Wie schön, dass sie gekommen waren! Das zeigte ihr, dass sie doch nicht ganz allein war. Sie hatte ihre Freundinnen, die bereits bewiesen hatten, dass sie treu auf ihrer Seite standen. So etwas hatte Mary noch nie in ihrem Leben erfahren.

    Gerade als Mary die Freundinnen in die Arme schließen wollte, öffnete sich die Tür zum Vorraum. Mary drehte sich um, um den Neuankömmling zu begrüßen, und blieb wie erstarrt stehen. Die Röte stieg ihr ins Gesicht, ihr Herz klopfte wie verrückt. Denn da stand er vor ihr, der Mann, den sie hier nie und nimmer vermutet hätte. Sie war sogar überzeugt gewesen, dass sie ihn nie wieder sehen würde.

    Aber da war er. Lord Kane Brentwood. Ihr ehemaliger Geliebter.

    „Kane?"

    „Mary …"

    Mehr brauchte er nicht zu sagen. Schon überlief sie bei seiner dunklen Stimme ein heißer Schauer.

    Sie konnte sich jetzt nicht um ihn kümmern. Nicht heute, wo sie ihre ganze Kraft aufwenden musste, um Haltung zu bewahren. Bei seinem Anblick war alles wieder da. Das, was sie in der Vergangenheit erlebt hatten, aber auch das quälende Geheimnis. Sie musste es unbedingt vor Kane und der ganzen Welt verbergen, sonst würde sie alles verlieren. Die Erbschaft, Kanes Respekt und ihren so mühsam erworbenen inneren Frieden.

    Sie versuchte, die Fassung zu bewahren. Aber als er auf sie zukam, tanzten plötzlich Sterne vor ihren Augen. Dann wurde alles schwarz.

    Kane Brentwood konnte Mary gerade noch auffangen, bevor sie auf den Boden aufschlug. Er nahm zwar leise Stimmen hinter sich wahr, achtete aber nicht weiter darauf. Wichtig war nur die Frau in seinen Armen. Seine Frau. Offenbar hatte sie nicht gut auf sich Acht gegeben, denn sie hatte an Gewicht verloren und war sehr blass. Wahrscheinlich hatte sie versucht, zu ihrem Großvater wieder eine Beziehung aufzubauen. Und das war offenbar ein hartes Stück Arbeit gewesen.

    Er strich ihr zärtlich über die Wange. „Mary", flüsterte er.

    Sie öffnete ihre Augen, die blaugrün waren wie das Meer, und sofort musste er an den Monat denken, den sie in seinem Ferienhaus auf den Jungferninseln in der Karibik verbracht hatten. „Mary-Belle, alles wieder in Ordnung?" Mary-Belle war sein Kosename für sie.

    „Kane?"

    „Ja, Darling."

    Sie runzelte die Stirn. „Ich bin nicht mehr dein Darling."

    Am liebsten hätte er sie fest an sich gedrückt und geküsst, um ihr zu zeigen, dass sie immer noch zu ihm gehörte. Und um sich zu vergewissern, dass Mary auf ihn immer noch so reagierte, wie sie es vom ersten Augenblick an getan hatte. Leidenschaftlich und voll Verlangen. Aber sie war jetzt verheiratet, und er wusste, was sie von außerehelichen Affären hielt.

    „Darüber können wir später sprechen."

    Etwas blitzte in ihren Augen auf, so wie früher, wenn sie einen Streit hatten, der normalerweise im Bett endete. „Zusammen mit deiner Frau?"

    „Ich bin geschieden. Aber was ist mit deinem Mann?"

    Ihre bleichen Wangen röteten sich. „Ich bin nicht verheiratet."

    Sie war nicht verheiratet. Sie war frei. Worauf wartete er noch? Sie lag hier in seinen Armen, und er wusste nur eins: Er würde sie nie wieder gehen lassen. Er hatte seine Pflicht getan, der Familie gegenüber und als Träger des Namens. Das hatte ihm viel abverlangt, mehr als Mary jemals wissen durfte. Aber jetzt waren sie beide wieder frei, und er war entschlossen, nicht wieder den gleichen Fehler zu machen. Er würde sie nicht wieder verlieren.

    „Mary? Was ist mit dir?"

    Kane wandte den Kopf. Vier Frauen kamen auf ihn zu, ein paar Männer folgten ihnen. Er umfasste Mary fester.

    „Es geht mir gut, Emma. Ich habe letzte Nacht nur nicht besonders gut geschlafen."

    Ob ihr Kind daran schuld war? Kane hatte nicht viel Ahnung von Kindern, aber so viel wusste auch er. Eine Mutter kam nicht viel zum Schlafen.

    Mary hatte dunkle Ringe unter den Augen, und Kane wünschte, er hätte das Recht, sie hochzuheben und einfach mitzunehmen. Aber das hatte er nicht, noch nicht. So ließ er sie vorsichtig auf den Boden nieder, wobei er sie absichtlich an seinem Körper entlanggleiten ließ, sodass er sie spürte, Folter und Seligkeit zugleich.

    Sie mussten sich unbedingt aussprechen, aber nicht hier. Hier waren zu viele Menschen. Aber er wollte sie nicht loslassen, diese geliebte Frau, die so zerbrechlich aussah. So hielt er sie fest bei der Hand, auch als sie einen Schritt zurücktrat.

    „Was soll das?", fragte sie unwillig.

    „Du gehörst zu mir." Deshalb war er nach Eastwick gekommen, obgleich er davon ausgehen musste, dass sie verheiratet war. Als er die Todesanzeige von David Duvall im Wall Street Journal gesehen hatte, achtete er erst nicht weiter darauf. Doch dann entdeckte er Marys Namen.

    Seit einem Jahr suchte er schon nach ihr. Der Privatdetektiv, den er auf sie angesetzt hatte, fand keine Spur von ihr in dem Pariser Mietshaus, in dem sie zuletzt gewohnt hatte.

    Ich gehöre nicht mehr zu dir", sagte sie leise und machte sich mit einem kräftigen Ruck frei.

    „Komm mit mir."

    „Warum?"

    „Ich muss mit dir reden." Er blickte sie beschwörend an, ohne ihren Freunden Beachtung zu schenken.

    „Wir reden doch gerade miteinander, Mr. Brentwood."

    „Allein. Ich muss allein mit dir sprechen." Mit einer schnellen Bewegung legte er ihr den Arm um die Taille und zog Mary an sich. Am liebsten hätte er sie sich über die Schulter geworfen. Seltsam, in Marys Gegenwart vergaß er zu leicht seine gute Erziehung. Er reagierte weniger als Lord denn als Mann.

    „Das ist keine gute Idee."

    Warum hatte er sie nur abgesetzt. Er hätte sie nie aus den Armen lassen sollen, denn dort gehörte sie hin. „Reize mich nicht, Mary-Belle. Das kann ich im Augenblick nicht gut vertragen."

    Bei der Erwähnung des Kosenamens versteifte sie sich kurz, dann blickte sie ihm schweigend in die Augen. Sofort neigte er den Kopf und strich ihr zärtlich mit den Lippen über den Mund. Wie früher öffnete sie daraufhin leicht die Lippen, und Kane wurde es heiß vor Erregung. Er drang mit der Zunge vor. Endlich konnte er sie wieder spüren, schmecken! Wie sehr hatte er sich danach gesehnt.

    Hinter ihnen räusperte sich jemand, und Mary löste sich schnell von ihm. Doch Kane hielt sie weiterhin umfangen, während er den Kopf hob und den Mann musterte, der sie fassungslos anstarrte.

    „Wer ist denn das?", fragte der Mann. Er hatte schütteres Haar und blickte Mary so verächtlich an, dass Kane sie fester an sich zog. Wer es wagte, ihr etwas anzutun, würde es mit ihm zu tun kriegen.

    Mary stieß ihn in die Seite, doch er ließ sie nicht los. Diesmal nicht.

    „Channing, dies ist Kane Brentwood. Ich kenne ihn aus London. Kane, das sind mein Großcousin Channing Moorehead und seine Schwester Lorette."

    Kane gab beiden die Hand. „Mein herzliches Beileid."

    „Wir haben uns Onkel David sehr eng verbunden gefühlt, sagte Lorette und betupfte sich kurz die Augen mit einem winzigen Spitzentuch. „Und wir haben immer so gelebt, dass er nichts zu beanstanden hatte. Auf diese Weise wollten wir ihm unsere Liebe und unseren Respekt zeigen.

    „Sehr eindrucksvoll, Lorette", sagte Emma leicht sarkastisch.

    Mary lächelte ihre Freundin dankbar an. Kane begriff auf einmal, dass er wohl in dem ungünstigsten aller Momente hier aufgetaucht war. Die Spannung zwischen Mary und ihren Verwandten war unübersehbar. Dafür hatte er ein gutes Gespür, denn ihm ging es mit seiner Familie ähnlich.

    Lorette sagte irgendetwas zu Emma, und Mary nutzte die Gelegenheit, sich mit ein paar vorsichtigen Schritten von den anderen zu entfernen. Was war mit ihr los? Die Mary, die er kannte, hätte sich nicht so schnell einschüchtern lassen. Aber die Trauer um ihren Großvater machte sie wahrscheinlich verwundbar.

    Er nahm sie beim Ellenbogen und zog sie in eine Ecke. „Was ist denn mit denen los?"

    „Mach dir keine Gedanken, Kane. Das hat nichts mit dir zu tun."

    „Da bin ich nicht so sicher, Mary-Belle. Aber eins weiß ich genau. Ich werde nicht so einfach aus deinem Leben verschwinden, jetzt, wo wir beide frei und ungebunden sind."

    „Ich bin nicht mehr die Mary von früher. Ich habe mich geändert. Ich habe einen Ruf zu verlieren. Mary sah sich kurz um. „Ich kann nicht mehr deine Geliebte sein.

    „Was für einen Ruf? Als Malerin? Ich habe deine Arbeiten im letzten Frühling in einer Londoner Galerie gesehen und war überwältigt."

    „Danke. Nein, nicht mein Ruf als Malerin macht mir Sorgen. Die Leute hier wissen nichts von meinem Leben in Paris und London."

    Das konnte doch nicht wahr sein! Wie konnte sie so etwas Entscheidendes geheim halten? Malen war nicht nur ihr Beruf, sondern ihre Leidenschaft. Eine Leidenschaft, die ihr ganzes Leben bestimmte. Fast zehn Jahre waren sie zusammen gewesen, und in dieser Zeit war sie von ihrer Kunst so besessen, dass er manchmal schon eifersüchtig geworden war. Einige Male hatte er sich als Modell angeboten, nur um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

    „Um was für einen Ruf machst du dir dann Sorgen, Darling? Um dein Ansehen als Mutter?"

    „Nein. Mein Kind kam tot zur Welt", flüsterte sie kaum hörbar. Ihm wurde das Herz schwer, als er den Schmerz in ihren Augen erkannte. Er wollte sie tröstend in die Arme ziehen, aber sie wehrte ihn ab. „Ich meine den Ruf, den ich den Duvalls schuldig bin. Es geht hier

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