Eine Melodie des Glücks: Der junge Norden 18 – Arztroman
Von Carolin Grahl
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Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern.
Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern!
»Na, dann mal los!«, murmelte Alex vor sich hin, während er, seinen Motorradhelm in der einen und seine Lederjacke in der anderen Hand, vom Personalparkplatz der Behnisch-Klinik zur Eingangspforte lief. Er war nach Beendigung seiner Sanitätsschicht von der Rettungszentrale aus sofort in Richtung Behnisch-Klinik aufgebrochen, um hier seinen nächsten Dienst anzutreten. Trotzdem war die Zeit knapp. Bis zum Beginn seiner Praktikumsschicht blieb ihm gerade noch eine gute Viertelstunde, um seine Sachen in seinem Spind zu verstauen und sich einen Becher Kaffee aus der Cafeteria zu holen. Er winkte dem Krankenpfleger Chris und wenige Minuten später der jungen Lernschwester Emma zu, die, ebenfalls winkend, in entgegengesetzter Richtung an ihm vorbeieilten, um in ihren wohlverdienten Feierabend zu starten. Alex rieb sich die brennenden Augen. Er war müde. Fast beneidete er Chris und Emma ein wenig, wenn er es sich auch nicht eingestehen wollte. Führte er nicht genau das Leben, das er sich wünschte? Wie konnte er sich also derart ausgelaugt fühlen? Wahrscheinlich lag es daran, dass er während der Semesterferien vergessen hatte, wie es sich anfühlte, wenn der Alltag des Studiums mit seinen zahlreichen Vorlesungen und Seminaren mit dem Sanitätsdienst und dem Praktikum in Einklang gebracht werden musste. Ob sein Onkel Daniel doch Recht hatte mit seiner vehementen Weigerung, ihm nach dem Ende seiner Praktikumszeit zusätzlich eine Ausbildung zum Krankenpfleger zuzugestehen? In der Tat würde es, das Lernen für das Vorphysikum eingerechnet, ziemlich eng werden und … Alex blieb abrupt stehen, als er beim Betreten der Eingangshalle der Behnisch-Klinik das ein wenig schräg klingende Klimpern einer Gitarre vernahm. Er runzelte die Stirn. Das konnte doch wohl nicht sein! Was hatten Gitarrenklänge in der Behnisch-Klinik zu suchen? War er mittlerweile schon so müde, dass er halluzinierte? Verwirrt sah er sich um. Es dauerte nicht lange, bis er eine junge Frau entdeckte, die auf einem der Stühle an der Fensterfront vor der Cafeteria saß und in der Tat an einer Gitarre herumzupfte.
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Eine Melodie des Glücks - Carolin Grahl
Der junge Norden
– 18 –
Eine Melodie des Glücks
Alex lernt eine erstaunliche Patientin kennen
Carolin Grahl
»Na, dann mal los!«, murmelte Alex vor sich hin, während er, seinen Motorradhelm in der einen und seine Lederjacke in der anderen Hand, vom Personalparkplatz der Behnisch-Klinik zur Eingangspforte lief. Er war nach Beendigung seiner Sanitätsschicht von der Rettungszentrale aus sofort in Richtung Behnisch-Klinik aufgebrochen, um hier seinen nächsten Dienst anzutreten. Trotzdem war die Zeit knapp. Bis zum Beginn seiner Praktikumsschicht blieb ihm gerade noch eine gute Viertelstunde, um seine Sachen in seinem Spind zu verstauen und sich einen Becher Kaffee aus der Cafeteria zu holen.
Er winkte dem Krankenpfleger Chris und wenige Minuten später der jungen Lernschwester Emma zu, die, ebenfalls winkend, in entgegengesetzter Richtung an ihm vorbeieilten, um in ihren wohlverdienten Feierabend zu starten.
Alex rieb sich die brennenden Augen.
Er war müde.
Fast beneidete er Chris und Emma ein wenig, wenn er es sich auch nicht eingestehen wollte. Führte er nicht genau das Leben, das er sich wünschte? Wie konnte er sich also derart ausgelaugt fühlen?
Wahrscheinlich lag es daran, dass er während der Semesterferien vergessen hatte, wie es sich anfühlte, wenn der Alltag des Studiums mit seinen zahlreichen Vorlesungen und Seminaren mit dem Sanitätsdienst und dem Praktikum in Einklang gebracht werden musste.
Ob sein Onkel Daniel doch Recht hatte mit seiner vehementen Weigerung, ihm nach dem Ende seiner Praktikumszeit zusätzlich eine Ausbildung zum Krankenpfleger zuzugestehen?
In der Tat würde es, das Lernen für das Vorphysikum eingerechnet, ziemlich eng werden und … Alex blieb abrupt stehen, als er beim Betreten der Eingangshalle der Behnisch-Klinik das ein wenig schräg klingende Klimpern einer Gitarre vernahm. Er runzelte die Stirn.
Das konnte doch wohl nicht sein!
Was hatten Gitarrenklänge in der Behnisch-Klinik zu suchen?
War er mittlerweile schon so müde, dass er halluzinierte?
Verwirrt sah er sich um.
Es dauerte nicht lange, bis er eine junge Frau entdeckte, die auf einem der Stühle an der Fensterfront vor der Cafeteria saß und in der Tat an einer Gitarre herumzupfte.
Sie trug eine graue Jogginghose, weiße Turnschuhe und ein dunkelblaues Kapuzenshirt und beugte sich so versunken über ihr Instrument, als würde die Welt um sie herum überhaupt nicht existieren.
Alex‘ Blicke saugten sich an der jungen Frau fest, ob er wollte oder nicht.
Ihre zarte Figur und ihr fein gezeichnetes Gesicht, das von schulterlangen rotblonden Kringellocken umrahmt war, standen, wie er fand, in krassem Gegensatz zu der betont leger-sportlichen Kleidung. Die junge Frau wirkte auf Alex ein bisschen wie eine Elfe, die ihr blumengemustertes, bodenlanges weißes Kleid versehentlich mit dem falschen Outfit vertauscht hatte.
Neugierig hörte Alex ihrem Gitarrenspiel zu.
Dabei stellte er fest, dass die Fingerfertigkeit, mit der sie die Saiten zupfte, beachtlich war und auf eine durchaus fortgeschrittene Spielerin schließen ließ. Während die junge Frau mit dem Daumen ihrer rechten Hand die Melodie von »Greensleeves« intonierte, hüllten die anderen Finger mit flinken Bewegungen die langsamen, etwas schwermütigen Tonfolgen in fluoreszierende Harmonien ein, die die linke Hand geschickt auf dem Griffbrett vorgab. Alex erkannte bald, dass das Spiel der jungen Frau ihm auf Anhieb nur deshalb ein bisschen seltsam vorgekommen war, weil die Lautstärkeabstufungen vor allem zwischen den Melodietönen nicht ganz exakt waren. Dadurch wurde das Fließen der Musik beeinträchtigt und bekam etwas leicht Abgehacktes.
Trotzdem lag in dem Spiel der rotblonden jungen Frau so viel Gefühl und so viel Inbrunst, dass es Alex unwillkürlich ans Herz rührte.
Ohne sich dessen bewusst zu werden, verharrte er an Ort und Stelle und lauschte weiter.
Als die junge Frau geendet hatte, lächelte sie verträumt, rückte ihre Gitarre zurecht und strich sich ihre lockigen Haare hinter die Schulter. Dabei stellte Alex zu seiner Verblüffung fest, dass sie ein Hörgerät trug.
Einen Moment lang war Alex versucht, die junge Frau anzusprechen, ließ es dann aber sein, da sie bereits wieder zu spielen begann. »You raise me up« war die nächste Melodie, an der sie sich versuchte. Sie spielte ohne Noten, aber es wirkte keineswegs, als hätte sie die Musikstücke auswendig gelernt. Stattdessen gewann Alex mehr und mehr den Eindruck, dass sie von vorneherein keiner Notenblätter bedurfte. Sie schien die Begleitformen ihrer Lieder komplett zu improvisieren. Und zwar mit scheinbar müheloser Leichtigkeit.
Alex‘ Erstaunen wuchs von Minute zu Minute.
Wie kam eine offenbar schwerhörige junge Frau auf die Idee, ausgerechnet am Musizieren Freude zu finden und es darin, soweit die Umstände es zuließen, sogar zu einer gewissen Meisterschaft zu bringen? Hätte sie gemalt oder Gedichte geschrieben, wäre Alex das nicht weiter verwunderlich erschienen. Aber wie war sie der Musik verfallen? Ausgerechnet der Musik?
Das nächste Stück, das die junge Frau intonierte, war kein Lied. Es schien Alex irgendetwas Klassisches zu sein, hatte aber einen leicht spanischen Einschlag.
Hatte er nicht etwas Ähnliches in seiner Kinderzeit …
»Sind Sie Frau Merle? Belinda Merle?«, drängte sich in diesem Moment eine kräftige, ziemlich dunkle Frauenstimme zwischen die perlenden Töne. Es fiel Alex nicht schwer, die Stimme einer der älteren Krankenschwestern der Behnisch-Klinik zuzuordnen.
Richtig stand die Schwester auch bereits in voller Größe vor ihm und Belinda.
Sie schaute Belinda auffordernd an, worauf diese nickte, das Gitarrenspiel abbrach und sich erhob.
»Die Gitarre können Sie auf keinen Fall mit ins Untersuchungszimmer nehmen, Frau Merle«, erklärte die Krankenschwester im nächsten Augenblick. Da sie offenbar befürchtete, nicht verstanden zu werden, unterstrich sie ihre Worte mit einer deutlich verneinenden Geste beider Hände und schüttelte dazu noch den Kopf.
Belinda Merle nickte wieder, wirkte aber unschlüssig.
Sie sah sich ein wenig hektisch nach einem Ort um, an dem sie ihre Gitarre sicher verwahren konnte, wobei ihre Blicke und Alex‘ Blicke sich trafen.
»Ich … ich könnte Ihre Gitarre in meinen Spind sperren, Frau Merle«, bot Alex spontan an. »Ich gebe Ihnen den Schlüssel. Dann können Sie das Instrument später, nach Ihrer Untersuchung …«
Alex verstummte unter dem skeptischen Blick der Krankenschwester, die, ohne lange zu fackeln, nach der Gitarre griff und sie Belinda Merle aus der Hand nahm.
»Ich bewahre die Gitarre für Sie auf, Frau Merle«, versprach sie. »Und jetzt begeben Sie sich bitte zu Ihrer Untersuchung. Es geht nicht an, dass Sie den Arzt warten lassen.« Wieder unterstrich die Krankenschwester ihre Worte sicherheitshalber mit einer Geste in Richtung Untersuchungszimmer.
Belinda Merle nickte ein weiteres Mal.
Mit eiligen Schritten folgte sie der ausgestreckten Hand der Krankenschwester, drehte sich aber nach ein paar Metern noch einmal um und lächelte Alex zu. Ihr Lächeln war so warmherzig, dass Alex es einfach erwidern musste.
Die Krankenschwester registrierte die stumme Kommunikation mit hochgezogenen Augenbrauen.
»Beginnt nicht in fünf Minuten Ihr Dienst, Alex?«, mahnte sie und setzte, als sie Alex‘ erschrockenes Gesicht sah, mit einem Augenzwinkern hinzu: »Ich hatte im Übrigen nicht die geringste Ahnung, dass Sie musikbegeistert sind. Wie schön für Sie. Musik ist bekanntlich die Sprache der Engel. Trotzdem sollten Sie die Oberschwester lieber nicht mehr allzu lange warten lassen.«
»Selbstverständlich nicht«, erwiderte Alex wie ein bei einer Missetat ertappter Schuljunge und machte sich unverzüglich auf den Weg zu seinem Spind.
Dabei hob er kurz die Nase, schnupperte sehnsüchtig den Kaffeegeruch aus der Cafeteria und seufzte bei dem Gedanken, dass er sich das belebende Getränk wohl bis zur nächsten Pause würde versagen müssen.
*
»Papierkörbe leeren«, maulte Alex. »Ich fasse es nicht: Papierkörbe leeren. Und das wegen einer klitzekleinen Verspätung von zehn Minuten. Damit hat sie sich selbst übertroffen. Diese Oberschwester steht, wenn sie weiß, dass ich Schicht habe, garantiert schon in aller Morgenfrühe mit der Stoppuhr da und misst auch noch die Nanosekunden bis zu meiner Ankunft.« Er verdrehte ärgerlich die Augen. »Und nach dem Leeren der Papierkörbe darf ich doch tatsächlich das Essen ausfahren. Welch unverdiente Ehre! Wahrscheinlich hat die liebe Oberschwester sogar allen Ernstes erwartet, dass ich ihr vor Dankbarkeit die Füße küsse, weil sie gnädig davon abgesehen hat, mich auch noch den Boden der Krankenzimmer schrubben zu lassen. Am besten auf den Knien.«
Mit zusammengepressten Lippen betrat Alex das erste Zimmer.
Seine
