Liebe und andere Irrtümer: Der junge Norden 15 – Arztroman
Von Carolin Grahl
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Über dieses E-Book
Alexander kennt nur ein Ziel: Er will Arzt werden und in die riesigen Fußstapfen seines berühmten Onkels, des Chefarztes Dr. Daniel Norden, treten. Er will beweisen, welche Talente in ihm schlummern. Dr. Norden ist gern bereit, Alexanders Mentor zu sein, ihm zu helfen, ihn zu fördern.
Alexander Norden ist ein charismatischer, unglaublich attraktiver junger Mann. Die Frauenherzen erobert er, manchmal auch unfreiwillig, im Sturm. Seine spannende Studentenzeit wird jede Leserin, jeden Leser begeistern!
Der junge Norden Nr. »Noch ein Bierchen zum Abschied, Alex?« Der junge Krankenpfleger Chris hob fragend die Augenbrauen und griff, als Alex nach kurzem Zögern nickte, nach einer weiteren Flasche dunklem Craftbier. »Und du, Sina? Mit Blutorange oder lieber mit Holunder?« »Hmm. Ich nehme Blutorange«, entschied Sina. »Ich auch«, erklärte Sandra, Chris' Freundin, spontan und ließ sich neben Sina auf die Couch fallen. »Danke übrigens für eure Einladung. War eine tolle Party«, sagte Sina und stieß mit Sandra an. »Echt super.« »Finde ich auch«, pflichtete Alex bei. »Sina und ich haben die Fete richtig genossen.« Er grinste. »Deshalb sind wir jetzt auch die letzten, die kurz vor Morgengrauen noch immer nicht den Absprung geschafft haben.« »Irgendwer muss immer der letzte sein«
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Buchvorschau
Liebe und andere Irrtümer - Carolin Grahl
Der junge Norden
– 15 –
Liebe und andere Irrtümer
Carolin Grahl
»Noch ein Bierchen zum Abschied, Alex?« Der junge Krankenpfleger Chris hob fragend die Augenbrauen und griff, als Alex nach kurzem Zögern nickte, nach einer weiteren Flasche dunklem Craftbier. »Und du, Sina? Mit Blutorange oder lieber mit Holunder?«
»Hmm. Ich nehme Blutorange«, entschied Sina.
»Ich auch«, erklärte Sandra, Chris‘ Freundin, spontan und ließ sich neben Sina auf die Couch fallen.
»Danke übrigens für eure Einladung. War eine tolle Party«, sagte Sina und stieß mit Sandra an. »Echt super.«
»Finde ich auch«, pflichtete Alex bei. »Sina und ich haben die Fete richtig genossen.« Er grinste. »Deshalb sind wir jetzt auch die letzten, die kurz vor Morgengrauen noch immer nicht den Absprung geschafft haben.«
»Irgendwer muss immer der letzte sein«, grinste Chris zurück. »Der andere vielversprechende Kandidat wäre mein Papa gewesen. Leider hat er das Ziel knapp verfehlt. Trotzdem finde ich, dass es für einen Greis Mitte Fünfzig ganz ordentlich ist, auf einer Homewarming-Party mit lauter jungen Leuten und Techno- Musik bis drei Uhr morgens durchzuhalten.«
»Greis Mitte Fünfzig?«, wiederholte Alex kopfschüttelnd. »Wenn ich mir vorstelle, dass mein Onkel in deinen Augen ebenfalls schon ein Greis ist …«
»Tja, ja«, kicherte Sandra und nahm einen großen Schluck aus ihrer Bierflasche, »Chris verwendet gern flapsige Formulierungen, wenn es um seinen Daddy geht. Und er hat auch einen guten Grund dafür, Alex, weißt du. Chris macht das nämlich, damit niemand checkt, was für ein Papakind er mit seinen zwanzig Jahren immer noch ist.«
»So ein Quatsch«, ereiferte sich Chris. »Du hättest bei der letzten Runde Wodka mit Gisi, Alfi und Bert lieber passen sollen, Sandra. Dann würdest du jetzt nicht wirres Zeug reden.«
Er raufte sich mit gespreizten Fingern die Haare und fingerte dann an der Stereoanlage herum, um die Musik, die immer noch im Hintergrund lief, abzuschalten.
Sina sah ihm zu und dachte mit leisem Bedauern an die Wohnung in der Glockenbachstraße, wo sich die Nachbarn längst telefonierend, klingelnd oder an die Wände klopfend über den Lärm beschwert hätten.
Das Mietshaus, in das Chris und Sandra vor einer guten Woche eingezogen waren, war, wie Sina fand, wirklich nicht übel.
Außer der Wohnung der beiden im obersten Stockwerk gab es im ganzen Haus nur ein Ladengeschäft und etliche Büroräume, sodass man abends in puncto Lärm keinerlei Rücksicht zu nehmen brauchte.
Zwar war die Wohnung der beiden nicht sehr groß, aber für zwei Personen, die ohnehin in jeder freien Minute zusammensteckten, groß genug: eine kleine Küche, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, ein Bad und ein weiteres winziges Zimmer, das man, wenn Chris und Sandra in absehbarer Zeit heiraten und eine Familie gründen wollten, problemlos als Kinderzimmer nutzen konnte …
»Ich rede kein wirres Zeug. Und ich habe auch nicht zu viel getrunken. Ich fürchte nur, dass dein Papa irgendwann auf Dauer in dem Kinderzimmer logiert, das du als Gästezimmer bezeichnest«, gab Sandra ungerührt zurück, erntete aber von Chris nur ein missmutiges Brummen als Antwort.
Er war immer noch mit dem Abschalten der Stereoanlage beschäftigt, was ihm sichtlich Mühe bereitete. Erst als Alex hinzutrat und ihm half, schafften die beiden es mit vereinten Kräften, die Tücken der Technik zu besiegen.
»Das wäre gebongt. Wenn man weiß, wie es geht, ist es eigentlich gar nicht so schwer«, stellte Chris nach getaner Tat erleichtert fest.
»Du hattest kompetente Hilfe, vergiss das nicht«, erinnerte Sandra.
Chris schaute sie schweigend mit gerunzelter Stirn an.
»Womit bewiesen wäre, dass man mit Teamwork und Zusammenhalt so ziemlich alles hinkriegt«, sagte Alex an Chris‘ Stelle und fügte augenzwinkernd hinzu: »Ihr solltet euch das, nachdem ihr nun schon eine gemeinsame Wohnung bezogen habt, zu Herzen nehmen.«
Chris stutzte, dann war er mit ein paar raschen Schritten bei Sandra. »Hast du gehört, was Alex gesagt hat? Vergiss meinen Vater und freu dich, dass wir beide endlich ganz zusammen sind.« Er setzte sich zu Sandra, zog sie an sich und küsste sie leidenschaftlich.
Sandra drängte sich an ihn und erwiderte seinen Kuss mit derselben Intensität.
»Ich glaube, wir sollten uns allmählich auf den Nachhauseweg machen«, wandte Alex sich an Sina, die ihm verständnisvoll zunickte und sich erhob.
»Wir … wir wollen euch aber auf keinen Fall vertreiben«, sagte Chris, während er die zufrieden schnurrende Sandra weiter küsste.
»Mich vertreibt lediglich die Tatsache, dass um acht Uhr meine Praktikumsschicht beginnt«, erklärte Alex.
»Himmel, da beginnt ja auch meine Schicht«, stöhnte Chris, während Sandra sich auf seinen Schoß setzte.
»Dann nutz die restlichen Stunden der Nacht«, grinste Alex. »Im Übrigen brauchst du uns nicht zur Tür zu begleiten. Wir finden den Ausgang ganz alleine.«
Chris zuckte die Schultern. »Na gut. Also ciao, ihr beiden. Und einen angenehmen Nachhauseweg«, meinte er. »Ja, ciao. War schön, dass ihr zu unserer Homewarming-Party gekommen seid«, pflichtete Sandra Chris bei und schlang ihre Arme um seinen Hals. »Und danke für die Vase, Sina. Sie passt wirklich perfekt in unser Wohnzimmer.«
»Finde ich auch. Freut mich, wenn sie euch gefällt«, erwiderte Sina, schlang ihr Schaltuch um sich und folgte Alex auf den Flur und in den Lift.
Als sie ins Freie traten, atmeten beide tief die frische Morgenluft ein.
»Kannst du nicht heute ausnahmsweise einmal dein Praktikum schwänzen?«, meinte Sina. »Du könntest zum Beispiel Kopfweh vorschützen. Oder du könntest deinem Onkel sagen, dass du …«
Ein vielsagender Blick aus Alex‘ blauen Augen brachte sie zum Schweigen.
»Dann eben nicht«, seufzte sie. »Aber die Party hat mir wirklich gefallen. Und die Wohnung von Chris und Sandra auch. Sie ist so richtig gemütlich. Das Sofa mit den vielen plüschigen Kissen, das Schlafzimmer mit dem Dachfenster, durch das sie von ihrem Bett aus direkt in den Sternenhimmel sehen können …«
»Und was ist mit den Regentagen?«, gab Alex zu bedenken.
Sina verdrehte die Augen. »Sei doch nicht so schrecklich unromantisch! Vielleicht bräuchten wir auch so eine kleine, schnuckelige Wohnung, nur für uns zwei?«
»Bist du sicher?«
»Warum nicht? Und du?«
Alex blieb einen Moment stehen, scheinbar um nachzudenken. »Ich weiß nicht«, meinte er. »Wenn du abends weiterhin so oft bei deinen Eltern bist wie in den vergangenen Wochen, würde ich mich ohne Alissa und Elvis und ohne die turbulenten Stippvisiten von Bernd und Mona ganz schön alleine fühlen. So häufig wie du in letzter Zeit durch Abwesenheit geglänzt hast, ist schon ein bisschen schwer zu schlucken. Ich habe, ehrlich gesagt, nicht einmal damit gerechnet, dass du mich auf Chris‘ und Sandras Party begleiten würdest.«
Sina senkte schuldbewusst den Kopf und fing an, verlegen an den Fransen ihres Schaltuchs herum zu zupfen. »Du weißt ja, die Sache mit Tonio und …«
»Alles gut. Mir ist durchaus klar, dass du ein Familienmensch bist«, lenkte Alex ein. »Und ich habe mich ja auch schon so ziemlich daran gewöhnt. Nur manchmal fällt es mir eben noch ein bisschen schwer.«
Sina schob ihre Hand unter Alex‘ Lederjacke und legte ihren Arm um seine Hüften. »Es … es geht bei meinen Besuchen daheim in der Villa Manolo nicht nur um mich«, sagte sie. »Meine Eltern… Es ist alles irgendwie so schwierig geworden. Und genau genommen nicht erst seit Tonios zweitem MS-Schub. Es fing schon mit dem Ausbruch seiner Krankheit an. Damals, als Tonio und Julia von ihrer Hochzeitsreise zurückgekommen sind.«
Alex schlang wortlos seinen Arm um Sinas Schultern.
Eine Weile liefen sie schweigend die noch menschenleeren Straßen entlang.
»Eigentlich besuche ich gar nicht meine Eltern, sondern nur meine Mama«, begann Sina schließlich wieder. »So ist es zumindest meistens.«
»Ach ja? Und wo ist dein Vater?«, wunderte sich Alex.
Sina seufzte. »Mama sagt, dass er viele, viele Abende bis in die Puppen in seinem Büro sitzt, um zu arbeiten. Und dass er, wenn er denn ausnahmsweise einmal rechtzeitig heimkommt, nach spätestens einer Stunde wieder verschwindet, um
