Hin und her gerissen: Dr. Norden Bestseller 388 – Arztroman
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Über dieses E-Book
Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration.
»Seit wann genau sind Ihre Lymphknoten geschwollen?«, erkundigte sich Dr. Daniel Norden bei seiner langjährigen Patientin Emilia Krämer und musterte sie aufmerksam. Er hatte bereits die Schwangerschaften der ehemaligen Konzertpianistin begleitet und ihre Kinder aufwachsen sehen. Daher wusste er, dass sie weder wehleidig noch hypochondrisch veranlagt war und ihr Besuch bei ihm einen guten Grund hatte. Emilia hatte sich zurückgelehnt und dachte nach. »Seit ungefähr einer Woche. Das allein hätte mich aber nicht in Ihre Arme getrieben«, lächelte sie. Offenbar hatte sie ihren Sinn für Humor nicht verloren. »Viel lästiger ist, dass ich mich kaum mehr für längere Zeit konzentrieren kann. An Klavierspielen ist momentan überhaupt nicht zu denken. Außerdem bin ich ständig müde. Das zerrt an meinen Nerven. Ich kann ja schlecht den ganzen Tag schlafen.« »Gut, dann wollen wir uns mal auf die Suche nach dem Übeltäter machen.« Daniel bat sie hinüber ins Behandlungszimmer und begann mit seinen Untersuchungen. »Tja, was soll ich sagen?«, seufzte er, als er nach getaner Arbeit wieder an seinem Schreibtisch saß. »Augenscheinlich sind Sie kerngesund.
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Hin und her gerissen - Patricia Vandenberg
Dr. Norden Bestseller
– 388 –
Hin und her gerissen
Doch jetzt geht es um ein Leben!
Patricia Vandenberg
»Seit wann genau sind Ihre Lymphknoten geschwollen?«, erkundigte sich Dr. Daniel Norden bei seiner langjährigen Patientin Emilia Krämer und musterte sie aufmerksam.
Er hatte bereits die Schwangerschaften der ehemaligen Konzertpianistin begleitet und ihre Kinder aufwachsen sehen. Daher wusste er, dass sie weder wehleidig noch hypochondrisch veranlagt war und ihr Besuch bei ihm einen guten Grund hatte.
Emilia hatte sich zurückgelehnt und dachte nach.
»Seit ungefähr einer Woche. Das allein hätte mich aber nicht in Ihre Arme getrieben«, lächelte sie. Offenbar hatte sie ihren Sinn für Humor nicht verloren. »Viel lästiger ist, dass ich mich kaum mehr für längere Zeit konzentrieren kann. An Klavierspielen ist momentan überhaupt nicht zu denken. Außerdem bin ich ständig müde. Das zerrt an meinen Nerven. Ich kann ja schlecht den ganzen Tag schlafen.«
»Gut, dann wollen wir uns mal auf die Suche nach dem Übeltäter machen.« Daniel bat sie hinüber ins Behandlungszimmer und begann mit seinen Untersuchungen. »Tja, was soll ich sagen?«, seufzte er, als er nach getaner Arbeit wieder an seinem Schreibtisch saß. »Augenscheinlich sind Sie kerngesund. Die Lunge ist frei, Ihre Reflexe funktionieren einwandfrei und auch sonst gibt es keinerlei Hinweise auf eine Erkrankung.«
»Und was machen wir jetzt?« Emilia schickte dem Arzt ihres Vertrauens einen ratlosen Blick.
»Ich werde Ihre großzügige Blutspende gleich im Anschluss ins Labor der Behnisch-Klinik schicken«, scherzte Dr. Norden, um Emilia Krämers Sorgen wenigstens ein bisschen zu zerstreuen. »Dann wissen wir hoffentlich bald mehr.«
»Das wäre hilfreich. Mein Mann wird nämlich für ein Jahr ins Ausland versetzt. Jetzt, da die Kinder groß sind, möchte ich ihn gern begleiten«, erzählte Emilia von ihren spannenden Plänen.
Daniels Augen leuchteten auf. Wie immer bei solchen Gelegenheiten musste er an seine Zeit im Orient denken. Der Aufenthalt im Palast von Scheich Ahmed gehörte zu den aufregendsten Erinnerungen seines Lebens, die er nicht missen wollte. Im Nachhinein hatten die Erlebnisse den Schrecken, den sie mitunter gehabt hatten, verloren. Zurückgeblieben waren nur die Bilder des herrlichen Gartens voll mit blühenden Orangenbäumen und üppigen Palmen. Auch der Duft der fremden orientalischen Speisen war ihm in lebhafter Erinnerung, ganz abgesehen von den Freundschaften, die dort entstanden waren.
Doch jetzt war nicht Zeit, sich solchen Gedanken hinzugeben, und schnell kehrte Dr. Nordens Aufmerksamkeit wieder zu seiner Patientin zurück.
»Das ist eine fantastische Gelegenheit, andere Menschen und Kulturen hautnah kennenzulernen«, machte er keinen Hehl aus seiner Begeisterung über diese Pläne. »Wohin soll die Reise denn gehen?«
»An die Westküste Amerikas.«
»Oh, da ist mein Schwager auch gerade. Er ist sehr begeistert.«
Emilia lächelte.
»Ich freue mich auch schon sehr darauf. Mein einziges Problem ist, dass ich nicht weiß, was ich mit meinem Klavier anfangen soll. Es ist ein altes Liebhaberstück, und ich möchte nicht, dass es so lange ungespielt herumsteht. Das bekommt solchen Instrumenten nicht so gut«, erklärte sie, als ihr ein Gedanke in den Sinn kam. »Aber Sie kennen doch jede Menge Leute. Vielleicht wissen Sie jemanden, der sich kein eigenes Klavier leisten kann, aber trotzdem gern spielen würde. Es ist durchaus üblich, Klaviere zu verleihen …«
Bedauernd schüttelte Daniel Norden den Kopf.
»Spontan fällt mir da niemand ein. Aber ich werde mich umhören und Ihnen bei Ihrem nächsten Besuch Bescheid sagen«, versprach er, als er seine Patientin aus dem Zimmer und vor zum Tresen begleitete.
Dort saßen die beiden Assistentinnen und unterhielten sich über die Werbung einer Cocktail-Bar, die mit der Post in die Praxis geflattert war.
»Da spielt jeden Abend ein Pianomann«, las Wendy mit leuchtenden Augen aus dem Prospekt vor. »Das sollten wir uns nicht entgehen lassen.«
»Ich hab auch mal Klavier gespielt«, erinnerte sich Janine, als Emilia Krämer an den Tresen trat.
Sie hatte den letzten Satz der ehemaligen Krankenschwester aufgeschnappt.
»Dann könnte ich Ihnen ja mein Klavier leihweise zur Verfügung stellen«, machte sie sofort einen Vorschlag, den Janine jedoch bedauernd ablehnen musste.
»Sie kennen meine Wohnung nicht. Mal abgesehen davon, dass die anderen Hausbewohner sicher nicht begeistert wären.«
»Schade«, seufzte Emilia und steckte den Zettel mit dem neuen Termin ein, den Wendy ihr über den Tresen zugeschoben hatte. »Aber ein bisschen Zeit habe ich ja noch. Jetzt muss ich erst einmal wieder gesund werden.« Mit einem strahlenden Lächeln verabschiedete sie sich von ihrem Arzt und den beiden Assistentinnen.
»Aber den Pianomann können wir uns ja trotzdem mal anschauen«, bemerkte Wendy, als die Tür hinter der Patientin ins Schloss gefallen war.
»Unbedingt«, stimmte Janine zu und stand auf, um die Röhrchen mit dem Blut für den Versand fertig zu machen. »Warum nicht gleich heute Abend?«
*
»… der Burgherr zu einem Fest geladen hatte, ging es hoch her. Musikanten spielten auf, Diener brachten kräftige Wildgerichte auf die mit glänzenden Silberleuchtern geschmückte Tafel. Die prächtig gewandeten Damen mussten sich nicht über schlechte Manieren ihrer Tischherren beklagen. Entgegen der landläufigen Meinung galt richtiges Benehmen als gebildet und fortschrittlich.«
In Lennis Stimme hinein zischte und fauchte das Dampfbügeleisen, das Felix mechanisch über den zerknitterten Stoff schob. In Gedanken war er immer noch in der Behnisch-Klinik, wo er in der Ergotherapie ein freiwilliges soziales Jahr ableistete. Eine neue Patientin, die elfenhafte Muriel Laroche, ließ ihn nicht mehr los. Immer wieder musste er an ihr fein geschnittenes Gesicht und die langen schlanken Finger der jungen Musikstudentin denken, die nach einem Unfall die Beweglichkeit ihres Rückens schulen musste.
Doch Lenni war ohnehin am Ende des Absatzes angelangt und sie ließ das Geschichtsbuch sinken, aus dem sie Felix vorgelesen hatte. Ihr versonnener Blick ruhte auf dem zweitältesten Sohn der Familie, der sich gerade an einem Hemd abquälte.
»Die Gesellschaft bei Hofe lebte wirklich in Saus und Braus damals«, seufzte die Haushälterin der Familie Norden, die nach einer Knieoperation noch immer nicht wieder voll einsatzfähig war. Besonders langes Stehen war schwierig, sodass die Familienmitglieder diese Aufgaben unter sich verteilt hatten. Diesmal war Felix mit Bügeln an der Reihe, und seine Begeisterung darüber hielt sich in Grenzen.
»Die reichen Damen hatten ein feines Leben«, fuhr Lenni fort. »Aber die hatten ja auch genügend Personal.«
»Was für ein Glück für sie«, gab Felix ironisch zurück.
Doch Lenni war so vertieft in ihre Gedanken, dass sie den feinen Unterton nicht hörte.
»Das stimmt allerdings«, gab sie zurück, als sich ein Schlüssel im Schloss drehte.
Gleich darauf war es vorbei mit der himmlischen Ruhe.
»Was gibt’s zu essen? Ich sterbe gleich vor Hunger!«, rief der jüngste Sohn der Familie, Janni, schon im Flur.
»Das wäre ein großes Glück. Dann wären wir nämlich ein Problem los«, scherzte seine Zwillingsschwester Dési.
»Wie auch immer sollte dich dein Hunger aber nicht daran hindern, deine Jacke an die Garderobe zu hängen, statt sie auf den Boden zu werfen«, ging Felicitas Norden geistesgegenwärtig dazwischen, bevor die Zwillinge ernsthaft aneinander
