Raum und Zeit sind relativ: Ein gewohntes Weltbild wird relativiert
Von Jörg Becker
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Jörg Becker
Diplomkaufmann Jörg Becker, Managementerfahrungen u.a.: IKT-Wirtschaft, Internationale Consultingfirmen, Wissensintensive Unternehmen, Softwaremarketing. Managementinformation, Projektmanagement, Führungsseminare. SpG Business Intelligence und Wissensmanagement
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Buchvorschau
Raum und Zeit sind relativ - Jörg Becker
Raum und Zeit sind relativ
Titel
Prolog
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Impressum
Titel
Raum und Zeit sind relativ
Ein gewohntes Weltbild wird suspendiert
Homepage:
www.beckinfo.de
www.rheinmaingeschichten.de
www.derStandortbeobachter.de
Business-Netzwerke:
Linkedin (Englisch)
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Prolog
Corona suspendiert ein gewohntes Weltbild
Nicht nur für den Staat, sondern auch für jeden Einzelnen stellen sich plötzlich grundsätzliche Fragen: Worauf kann man sich eigentlich stützen, wenn man einschätzen will, was verhältnismäßig, was gefährlich, was notwendig oder was überhaupt real ist. Wie verlässlich sind Aussagen der Wissenschaftler, die sich wegen der Neuartigkeit des Virus und auch sonst noch vielen Unbekannten laufend ändern?
Das andere ist, was aus diesen Einsichten für das Leben folgen soll, wie sie in ein Verhältnis zu dessen anderen Elementen zu bringen sind. In ruhigen Zeiten darf man die Konventionen und Gewohnheiten des Lebens ruhig auch mit diesem selbst gleichsetzen und auf seine Pläne, seine Ansichten, d.h. seine Identität bauen. Doch in einer Zeit der unmittelbaren Bedrohung des Lebens ist das so einfach nicht möglich. Man sieht sich gezwungen, gewohnte Schemata zu vergessen, um einzelne Facetten -so unterschiedliche, aber eng zusammenhängende Aspekte wie Gesundheit, Arbeit, Schule, Geld, Sicherheit, Beziehungen zu anderen- in ein neues Verhältnis zueinander zu bringen.
Was ist notwendig, was ist verzichtbar? Wie wirken die einzelnen Teile aufeinander ein? Auch die Gesellschaft als Ganzes muss plötzlich Prioritäten setzen, an sie gerade noch nicht denken zu müssen meinte und die vieles vermeintlich Selbstverständliche in Frage stellen.
Wie beim Klimawandel kommt es darauf an, die Natur als eine Wirklichkeit jenseits von Denkschablonen zu akzeptieren und das Leben neu darauf einzustellen. Der individualistischen Gesellschaft wird nicht nur eine Umstellung vieler einzelner Lebensgewohnheiten abverlangt, sondern auch eine zumindest zeitweise Suspendierung ihres gewohnten Selbstbildes.
Tatsächlich gab es noch im neunzehnten Jahrhundert Unklarheiten darüber, wie Seuchen übertragen werden. Mit einem einfachen Modell versuchte man die für die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit relevanten Faktoren mathematisch zu erfassen. Durch Einteilung der Bevölkerung in drei Gruppen: die Empfänglichen, die Infizierten und die Immunisierten. Mit Hilfe von Differentialgleichen konnte man beschreiben, wie sich die Zahl der Personen in diesen Gruppen mit der Zeit ändert, wenn die Ansteckung Gesunder durch Infizierte von Dauer und Grad der Infektiosität sowie der Kontakte beider Gruppen gesteuert wird. Modelle dieser Art werden heute als SIR-Modelle bezeichnet, sind mit relativ geringem Rechenaufwand zu nutzen und erfordern nur wenige Eingangsparameter. Angesichts ihrer langjährigen Verwendung ist über sie ein großes Erfahrungswissen verfügbar.
Und nicht erst seit Corona weiß man, dass die komplexe Netzwerkstruktur sozialer Kontakte eine große Rolle für die Ausbreitungsdynamik einer Epidemie spielt, ebenso wie die geographische Verteilung der Bevölkerung. Komplexe Simulationen, die länderspezifische Informationen wie die regionale Bevölkerungsdichte, mittlere Länge von Arbeitswegen, typische Reisewege, Haushaltsgrößen oder auch das jeweilige Ausbildungssystem abbilden können, sind jedoch rechnerisch sehr aufwendig. Um beispielsweise zu analysieren, welche Auswirkungen bestimmte Maßnahmen wie die Isolation und Quarantäne von Infizierten und deren Kontaktpersonen haben.
Jedes Modell, welches auch immer, hat Schwachstellen. Die Kunst ist, ein Modell so zu nutzen, dass solche Schwachstellen für die resultierenden Prognosen möglichst wenig ins Gewicht fallen. Das gilt nicht nur für die Abbildung einer Pandemie, sondern genauso und in noch stärkerem Maß für die Vermessung und deren Erzählung des Standortgeschehens: Regional genauso wie lokal direkt vor Ort.
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Die Macht der Algorithmen wächst, sie steuern unser Leben, stehen mit uns auf, gehen mit uns schlafen. Algorithmen machten die Handlungen eines jeden Einzelnen berechenbar und vorhersagbar. Wenn
