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Die Primadonna: Der neue Dr. Laurin 30 – Arztroman
Die Primadonna: Der neue Dr. Laurin 30 – Arztroman
Die Primadonna: Der neue Dr. Laurin 30 – Arztroman
eBook107 Seiten1 StundeDer neue Dr. Laurin

Die Primadonna: Der neue Dr. Laurin 30 – Arztroman

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Über dieses E-Book

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an.
Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt.
Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen.
Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert.

Julian Petterson beobachtete das junge Paar am Rande der Bühne unauffällig. Er studierte mit seinem Ballettensemble »Schwanensee« von Tschaikowski ein, zur Abwechslung wieder einmal ein klassisches Ballett. Sie brachten vornehmlich moderne Stücke zur Aufführung, aber das Publikum liebte nun einmal die Klassiker, und er konnte das sogar verstehen. Die Musik von ›Schwanensee‹ war betörend, die Tänze waren es auch. Dabei fand er eigentlich, dass auch eine Kunst wie das Ballett die Gegenwart abbilden sollte, aber diese war eben nicht so verführerisch wie das Märchen von der in einen Schwan verzauberten Prinzessin, die schließlich durch die Liebe erlöst wird. Seine Idee für die nächste Produktion war hingegen eher bedrückend: Ihm schwebte eine Liebestragödie zwischen einem schwarzen Flüchtling und einer weißen Frau vor, die in gesicherten Verhältnissen lebte. Er sah die Bilder bereits vor sich … Sie würden eindrucksvoll sein, aber eher verstörend als verzaubernd. Mit dieser Verstörung waren sein Ensemble und er berühmt geworden. Aber gelegentlich machten sie Ausflüge in die Klassik, um zu beweisen, dass sie diese ebenfalls beherrschten und auch, um sich ein größeres Publikum zu erschließen, was ihnen regelmäßig gelang. Sein Ensemble war dasjenige mit der größten Bandbreite, sie traten in der ganzen Welt auf. Er stellte sehr hohe Anforderungen, bevor er jemanden aufnahm. Wenn er vortanzen ließ, kam es regelmäßig zu Zusammenbrüchen abgelehnter Bewerberinnen und Bewerber. Aber der Erfolg gab ihm Recht. Es gab keine zweite Ballettkompanie wie seine. Er versuchte, diese Gedanken abzuschütteln und sich wieder auf die vor ihm liegende Aufgabe zu konzentrieren. Es würde eine glanzvolle Aufführung von ›Schwanensee‹ werden. Er hatte, wie jeder Künstler, natürlich auch Kritiker, und denen würde er schon zeigen, dass er nicht nur verstören, sondern auch verzaubern konnte. Die Premiere war schon in zwei Wochen, bis dahin lag noch viel Arbeit vor ihnen, aber er hatte ein klares Ziel vor Augen, und er gedachte, es zu erreichen. Das Paar, auf dem seine Augen noch immer ruhten, bestand aus Jana van Eyck, einer zwanzigjährigen Tänzerin mit vermutlich großer Zukunft und dem ebenfalls sehr talentierten André Baum, der zwei Jahre älter war als sie.
SpracheDeutsch
HerausgeberBlattwerk Handel GmbH
Erscheinungsdatum4. Aug. 2020
ISBN9783740969189
Die Primadonna: Der neue Dr. Laurin 30 – Arztroman
Autor

Viola Maybach

Viola Maybach war als Fernsehredakteurin und -produzentin tätig. Heute arbeitet sie als Autorin in verschiedenen Bereichen und lebt in Frankfurt.

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    Buchvorschau

    Die Primadonna - Viola Maybach

    Der neue Dr. Laurin

    – 30 –

    Die Primadonna

    Wie geht es weiter, Beatrice?

    Viola Maybach

    Julian Petterson beobachtete das junge Paar am Rande der Bühne unauffällig. Er studierte mit seinem Ballettensemble »Schwanensee« von Tschaikowski ein, zur Abwechslung wieder einmal ein klassisches Ballett. Sie brachten vornehmlich moderne Stücke zur Aufführung, aber das Publikum liebte nun einmal die Klassiker, und er konnte das sogar verstehen. Die Musik von ›Schwanensee‹ war betörend, die Tänze waren es auch.

    Dabei fand er eigentlich, dass auch eine Kunst wie das Ballett die Gegenwart abbilden sollte, aber diese war eben nicht so verführerisch wie das Märchen von der in einen Schwan verzauberten Prinzessin, die schließlich durch die Liebe erlöst wird. Seine Idee für die nächste Produktion war hingegen eher bedrückend: Ihm schwebte eine Liebestragödie zwischen einem schwarzen Flüchtling und einer weißen Frau vor, die in gesicherten Verhältnissen lebte. Er sah die Bilder bereits vor sich … Sie würden eindrucksvoll sein, aber eher verstörend als verzaubernd.

    Mit dieser Verstörung waren sein Ensemble und er berühmt geworden. Aber gelegentlich machten sie Ausflüge in die Klassik, um zu beweisen, dass sie diese ebenfalls beherrschten und auch, um sich ein größeres Publikum zu erschließen, was ihnen regelmäßig gelang.

    Sein Ensemble war dasjenige mit der größten Bandbreite, sie traten in der ganzen Welt auf. Er stellte sehr hohe Anforderungen, bevor er jemanden aufnahm.

    Wenn er vortanzen ließ, kam es regelmäßig zu Zusammenbrüchen abgelehnter Bewerberinnen und Bewerber. Aber der Erfolg gab ihm Recht. Es gab keine zweite Ballettkompanie wie seine.

    Er versuchte, diese Gedanken abzuschütteln und sich wieder auf die vor ihm liegende Aufgabe zu konzentrieren. Es würde eine glanzvolle Aufführung von ›Schwanensee‹ werden. Er hatte, wie jeder Künstler, natürlich auch Kritiker, und denen würde er schon zeigen, dass er nicht nur verstören, sondern auch verzaubern konnte. Die Premiere war schon in zwei Wochen, bis dahin lag noch viel Arbeit vor ihnen, aber er hatte ein klares Ziel vor Augen, und er gedachte, es zu erreichen.

    Das Paar, auf dem seine Augen noch immer ruhten, bestand aus Jana van Eyck, einer zwanzigjährigen Tänzerin mit vermutlich großer Zukunft und dem ebenfalls sehr talentierten André Baum, der zwei Jahre älter war als sie. Jana war eine zierliche Blondine mit biegsamem Körper, in dem mehr Kraft steckte, als man zunächst vermutete. Sie hatte ein hübsches, etwas puppenhaftes Gesicht, das dazu verleitete, sie für harmlos zu halten. Julian wusste es besser. Hinter ihrer glatten Stirn und ihrem Lächeln verbarg sich ein stahlharter Wille, es bis ganz nach oben zu schaffen. Er zweifelte nicht daran, dass sie ihr Ziel erreichen würde, aber vermutlich nicht in seinem Ensemble.

    Jana tanzte einen der Schwäne, zugleich war sie die Zweitbesetzung für die Doppelrolle der verzauberten Prinzessin einerseits und der Tochter des bösen Zauberers andererseits. Sie würde in einigen späteren Aufführungen in der Doppelrolle auftreten, wenn Beatrice Medo, der Star des Ensembles, eine Pause brauchte – also frühestens in zwei, drei Monaten. Sie würden einige Aufführungen hier in München haben und dann in anderen großen europäischen Städten gastieren.

    Jana war sehr gut, aber ihm fehlte bei ihr etwas, das ihm, neben technischer Brillanz, besonders wichtig war: Es mangelte ihr an Gefühl und Ausdruck. Beides vermochte Beatrice mühelos in jede ihrer Rollen zu legen. Es war nicht nur ihre besondere Ausstrahlung, die sie berühmt gemacht hatte, sondern neben der technischen Perfektion auch ihre Fähigkeit, sich so tief in ihre Rollen zu versenken, dass sie quasi damit verschmolz. Wenn sie tanzte, wusste man sofort, ob sie Freude oder Trauer ausdrückte. Man fühlte es, weil sie es fühlte.

    Technisch war auch Jana nahezu perfekt, aber er hatte sich schon oft gefragt, ob sie überhaupt imstande war, Glück oder Verzweiflung zu empfinden, geschweige denn, das dann auch zum Ausdruck zu bringen. Vielleicht war sie noch zu jung, sie hatte ja noch nicht viel erlebt. Möglich, dass ihre immergleiche Mimik und Gestik darauf zurückzuführen waren. Trotzdem: Er würde sie auf jeden Fall an ein paar Abenden tanzen lassen. Sie hatte hart gearbeitet und sich diese Belohnung verdient.

    Er wusste, sie würde alles daransetzen, Beatrice auszustechen. Gut so, denn so würde sie sich noch mehr anstrengen und vielleicht noch besser werden, vor allem da, wo sie seinen Ansprüchen noch nicht genügte.

    André Baum, der Tänzer, der den Prinzen darstellte, war so verliebt in Jana, dass Julian ihn schon jetzt bedauerte. André sah gut aus mit seinen dichten braunen Locken und dem klassisch geschnittenen Gesicht. Julian war sicher, dass die Frauen es ihm leicht machten, aber er hatte nur Augen für Jana. Armer Kerl, dachte Julian, sieht er denn nicht, dass ihr ihre Karriere wichtiger ist als alles andere? Sie wird ihn vernaschen und dann fallenlassen, alles andere würde mich wundern.

    Sein Blick wanderte weiter zu Alina Altmann, auch sie stellte einen der Schwäne dar. Alina war eine weitere Zukunftshoffnung seines Ensembles, wäre sie nur nicht so schüchtern gewesen! Ihre Schüchternheit ließ sie oft genug geradezu unscheinbar wirken, dabei war er sicher, dass sie über weit mehr Ausdrucksmöglichkeiten verfügte als Jana. Aber etwas schien sie zu hemmen, und er hatte noch nicht herausgefunden, was es war. Wenn sie eine größere Rolle spielen wollte in seinem Ensemble, würde sie jedenfalls mehr aus sich herausgehen und an ihrer Bühnenpräsenz arbeiten müssen.

    In diesem Augenblick betrat Beatrice die Bühne, und sofort war es so, als richtete sich alles an ihr aus. Sie musste sich um Aufmerksamkeit nicht bemühen, sie schien sich ihr, wo auch immer sie erschien, ganz von selbst zuzuwenden. Beatrice Medo, die große Liebe seines Lebens. Schmal, dunkelhaarig, mit diesen riesigen dunklen Augen, in die er sich zuerst verliebt hatte. Ein Blick hatte genügt, er erinnerte sich genau daran, und im selben Moment spürte er den altbekannten Schmerz in der Brust, weil diese Liebe nicht gelebt werden konnte. Beatrice war auf dem Höhepunkt ihres Könnens, eine Primadonna, die alle großen Rollen des klassischen Balletts getanzt hatte, bevor sie zu ihm gekommen war und sein Ensemble erst zu dem gemacht hatte, was es heute war. Sie war schon mit siebzehn berühmt gewesen, alle hatten sich um sie gerissen, dieses ›Wunderkind des Balletts‹.

    Er wusste sehr wohl, dass er ohne ihr außergewöhnliches Können längst nicht so berühmt geworden wäre, wie er es heute war. Und seine Version von ›Schwanensee‹ würde ohne Beatrice nicht so glanzvoll sein können, wie es ihm vorschwebte – und auch nicht so modern.

    Er sah den Blick, den Jana Beatrice zuwarf. Knapp zehn Jahre trennten die beiden Frauen – die eine war auf dem Sprung nach oben, wo die andere schon fast ihr halbes Leben lang war. Ein paar Jahre blieben Beatrice noch, nicht mehr viele, dann würden ihre hohen Sprünge weniger hoch sein, ihr Körper würde anfangen, ihr Grenzen zu setzen. Er hatte sich schon oft gefragt, ob er ihr dann endlich würde sagen können, was er für sie empfand. Und wie sie darauf reagieren würde.

    Andere in seiner Position waren da weniger zurückhaltend, aber

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