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Die Schöne und der Graf: Der neue Dr. Laurin 9 – Arztroman
Die Schöne und der Graf: Der neue Dr. Laurin 9 – Arztroman
Die Schöne und der Graf: Der neue Dr. Laurin 9 – Arztroman
eBook108 Seiten1 StundeDer neue Dr. Laurin

Die Schöne und der Graf: Der neue Dr. Laurin 9 – Arztroman

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Über dieses E-Book

Diese Serie von der Erfolgsschriftstellerin Viola Maybach knüpft an die bereits erschienenen Dr. Laurin-Romane von Patricia Vandenberg an.
Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt.
Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen.
Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert.

Antonia Laurin konnte nicht atmen. Sie konnte sich auch nicht mehr bewegen. Wie zur Salzsäule erstarrt saß sie da und starrte auf die Bühne, die vor wenigen Augenblicken ihr Sohn Konstantin betreten hatte, etwa eine Viertelstunde nach Beginn des Stücks. Bis dahin hatte sie das Geschehen ein wenig zerstreut verfolgt. Die Jugendlichen der Theater-AG des Gymnasiums, das ihre vier Kinder besuchten, gaben sich redliche Mühe. Einige spielten munter und unbefangen, anderen merkte man die Nervosität an, wieder andere wirkten ein wenig hölzern und sagten ihre Texte so, dass man merkte, wie mühsam sie sie auswendig gelernt hatten. Das Stück war von den Jugendlichen selbst geschrieben worden, es bildete die Lebenswirklichkeit vieler Teenager gut ab. Das Publikum jedenfalls hatte seinen Spaß, immer wieder brandete Gelächter in der Aula auf. Und jetzt stand plötzlich Konstantin da und schien die Bühne auszufüllen. Er sagte nur einen einzigen Satz, noch nicht einmal mit erhobener Stimme. Danach wurde es mit einem Schlag ganz still. Wieso eigentlich, fragte sich Antonia verwirrt. Was hatte er anders gemacht als die anderen? Kein Darsteller hatte bislang eine ähnliche Wirkung erzeugt wie Konstantin, auch das muntere Mädchen nicht, das bis jetzt für die meisten Lacher gesorgt hatte. »Ach, halt bloß die Klappe, du Angeber«, sagte einer der anderen Jungen zu Konstantin auf der Bühne. Konstantin richtete sich kerzengerade auf und sah ihn nur an – und dann entwickelte sich ein zunehmend bedrohlicher werdender Streit zwischen ihm und dem anderen Jungen, dem nicht nur Antonia, sondern auch alle anderen im Saal atemlos folgten. Sie vergaß ihre Umgebung, sah nur noch das Geschehen auf der Bühne und ertappte sich bald dabei, dass sie die Figur, die ihr Sohn spielte, von ganzem Herzen verabscheute. Sie sah nicht mehr, wer sie spielte, sondern nur noch diesen Jungen, der versuchte, den anderen seinen Willen aufzuzwingen und dem für die Erreichung dieses Ziels jedes Mittel recht war. Als am Ende des ersten Aktes der Vorhang fiel, setzte tosender Applaus ein, aber sie konnte die Arme nicht heben, um ebenfalls zu klatschen.
SpracheDeutsch
HerausgeberBlattwerk Handel GmbH
Erscheinungsdatum15. Okt. 2019
ISBN9783740956370
Die Schöne und der Graf: Der neue Dr. Laurin 9 – Arztroman
Autor

Viola Maybach

Viola Maybach war als Fernsehredakteurin und -produzentin tätig. Heute arbeitet sie als Autorin in verschiedenen Bereichen und lebt in Frankfurt.

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    Buchvorschau

    Die Schöne und der Graf - Viola Maybach

    Der neue Dr. Laurin

    – 9 –

    Die Schöne und der Graf

    Aber Liebe lässt sich nicht befehlen

    Viola Maybach

    Antonia Laurin konnte nicht atmen. Sie konnte sich auch nicht mehr bewegen. Wie zur Salzsäule erstarrt saß sie da und starrte auf die Bühne, die vor wenigen Augenblicken ihr Sohn Konstantin betreten hatte, etwa eine Viertelstunde nach Beginn des Stücks.

    Bis dahin hatte sie das Geschehen ein wenig zerstreut verfolgt. Die Jugendlichen der Theater-AG des Gymnasiums, das ihre vier Kinder besuchten, gaben sich redliche Mühe. Einige spielten munter und unbefangen, anderen merkte man die Nervosität an, wieder andere wirkten ein wenig hölzern und sagten ihre Texte so, dass man merkte, wie mühsam sie sie auswendig gelernt hatten. Das Stück war von den Jugendlichen selbst geschrieben worden, es bildete die Lebenswirklichkeit vieler Teenager gut ab. Das Publikum jedenfalls hatte seinen Spaß, immer wieder brandete Gelächter in der Aula auf.

    Und jetzt stand plötzlich Konstantin da und schien die Bühne auszufüllen. Er sagte nur einen einzigen Satz, noch nicht einmal mit erhobener Stimme. Danach wurde es mit einem Schlag ganz still. Wieso eigentlich, fragte sich Antonia verwirrt. Was hatte er anders gemacht als die anderen? Kein Darsteller hatte bislang eine ähnliche Wirkung erzeugt wie Konstantin, auch das muntere Mädchen nicht, das bis jetzt für die meisten Lacher gesorgt hatte.

    »Ach, halt bloß die Klappe, du Angeber«, sagte einer der anderen Jungen zu Konstantin auf der Bühne.

    Konstantin richtete sich kerzengerade auf und sah ihn nur an – und dann entwickelte sich ein zunehmend bedrohlicher werdender Streit zwischen ihm und dem anderen Jungen, dem nicht nur Antonia, sondern auch alle anderen im Saal atemlos folgten. Sie vergaß ihre Umgebung, sah nur noch das Geschehen auf der Bühne und ertappte sich bald dabei, dass sie die Figur, die ihr Sohn spielte, von ganzem Herzen verabscheute. Sie sah nicht mehr, wer sie spielte, sondern nur noch diesen Jungen, der versuchte, den anderen seinen Willen aufzuzwingen und dem für die Erreichung dieses Ziels jedes Mittel recht war.

    Als am Ende des ersten Aktes der Vorhang fiel, setzte tosender Applaus ein, aber sie konnte die Arme nicht heben, um ebenfalls zu klatschen. Als sie es endlich schaffte, den Kopf ihrem Mann zuzuwenden, der neben ihr saß, und sie seinem Blick begegnete, las sie darin die gleiche Erschütterung, die sie selbst verspürte. Sie mussten sich nicht mit Worten verständigen, sie wussten beide, dass die Entscheidung bereits gefallen war.

    Sie waren ja hier, um sich ein Bild von Konstantins schauspielerischer Begabung zu machen. Der Regisseur Oliver Heerfeld war auf ihn aufmerksam geworden und wollte ihn als Hauptdarsteller seines neuen Films verpflichten. Nur die Einwilligung der Eltern fehlte noch: ihre und Leons. Würden sie ihrem sechzehnjährigen Sohn erlauben, wochenlang einen Film zu drehen und dafür der Schule und seinem gewohnten Umfeld fernzubleiben? Er würde natürlich unterrichtet werden, aber niemand konnte vorhersagen, wie sich diese Erfahrung auf sein weiteres Leben auswirken würde. Erst seit kurzem wussten sie, dass Konstantins Zukunftspläne sich geändert hatten: Er wollte nicht länger Medizin studieren, sondern Schauspieler werden.

    Bis zu diesem Abend hatten sie gehofft, das werde sich vielleicht noch einmal ändern. Diese Hoffnung, musste sich Antonia eingestehen, war in dem Augenblick zerstoben, da Konstantin die Bühne betreten und seinen ersten Satz gesagt hatte. Sie verstand nichts von Schauspielerei, aber sie hatte einen Blick dafür, wann ein Mensch am richtigen Platz war.

    »Er muss das machen«, hörte sie Leon leise sagen.

    Sie konnte nur nicken, seine Worte waren wie ein Echo ihrer eigenen Gedanken.

    Kyra, ihre Jüngste, die neben ihr saß, tastete nach ihrer Hand. »Er ist toll, Mama«, flüsterte sie.

    »Ja, das ist er, Mäuschen.«

    Auch auf den Gesichtern ihrer anderen beiden Kinder, Kaja und Kevin, konnte Antonia lesen, was sie in ihnen vorging. Keiner von ihnen, dachte sie, nicht einmal Kaja, die Konstantins Zwillingsschwester war, hatte erwartet, dass er sich auf der Bühne so vollkommen in einen anderen Menschen verwandeln würde. Konstantin Laurin war hinter seiner Rolle verschwunden.

    Es war vorher viel von seiner großen Begabung die Rede gewesen – Ariane Tornow, seine Lehrerin, und der Regisseur Oliver Heerfeld hatten immer wieder darauf hingewiesen, aber sie hatten sich nichts darunter vorstellen können, Leon und sie. ›Begabung‹ war schließlich nur ein Wort, aber was bedeutete es letztlich? Begabt waren wahrscheinlich viele, aber wie groß musste eine Begabung sein, um zwingend einen Weg zu einem ganz bestimmten Beruf zu weisen?

    Jetzt wusste sie es besser. Konstantin musste Schauspieler werden, auch wenn es ihn vielleicht unglücklich machen würde, denn offenbar verliefen ja die wenigstens Karrieren in diesem Bereich erfolgreich.

    Plötzlich war sie sehr müde, am liebsten wäre sie mit Leon nach Hause gefahren, hätte sich das Stück gar nicht weiter angesehen. Was sie hatte wissen wollen, hatte sie erfahren – wozu also noch bleiben?

    Zugleich wusste sie natürlich, dass sie nicht gehen konnte, ohne Konstantin zu verletzen und Unverständnis bei ihren anderen Kindern zu ernten. Aber sie wusste auch, wie es sie schmerzen würde, Konstantin weiterhin zuzusehen. Er war so vollkommen zu dieser unangenehmen Figur geworden, die er spielte, dass es sie erschreckte. Wo holte er das her? Trug er Charakterzüge dieses Menschen in sich, den er darstellte? Sie bekam Angst bei dieser Vorstellung.

    Sie spürte Leons Hand auf ihrer und wandte sich ihm zu. »Es ist schrecklich und schön zugleich«, flüsterte er ihr zu. »Und völlig anders als erwartet. Wir haben keine Wahl, Antonia.«

    Das war es: Sie hatten keine Wahl, denn auch Konstantin hatte keine.

    Ihr Vater fiel ihr ein, der ja noch nicht wusste, dass Konstantins Pläne sich geändert hatten. Ihr Vater war Professor Dr. Joachim Kayser, Gründer der Kayser-Klinik, die heute von seinem Schwiegersohn, Dr. Dr. Leon Laurin, geleitet wurde, dem irgendwann seine Kinder Kaja und Konstantin an der Spitze der Klinik folgen würden – so zumindest hatte es bis vor kurzem ausgesehen. Doch daraus würde nichts werden, wie sie jetzt wusste.

    Der Vorhang hob sich erneut, der zweite Akt begann.

    *

    Maja Vonstetten hatte darauf bestanden, ihren Bruder Robert und ihre Schwägerin Ella zur Schultheateraufführung zu begleiten, schließlich spielte ihre dreizehnjährige Nichte Mia, ihr Patenkind, eine Rolle in dem Stück. Mia spielte munter und unbefangen, es war eine Freude, ihr zuzusehen. Sie spielte, dachte Maja, ein bisschen sich selbst, und das machte ihr erkennbar wenig Schwierigkeiten. Andere hatten es da schwerer: Sie mussten Charaktere darstellen, die ihnen nicht einmal ähnelten, und das gelang den meisten nicht ganz überzeugend.

    Eine große Ausnahme allerdings gab es: Der unangenehmste Charakter des Stücks wurde von Konstantin Laurin dargestellt, und er war so … ja, so echt, dass sein Spiel bei Maja Gänsehaut erzeugte. Ob er wirklich so ein Ekel war? Oder war er der geborene Schauspieler? Sie kannte nur seine Mutter, weil sie mit Mias kleinem Bruder Benny schon mehrmals bei ihr in der Praxis gewesen war – am Montag stand der nächste Besuch an. Das war

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