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Marion flieht vor ihrer Vergangenheit: Der Bergpfarrer (ab 375) 479 – Heimatroman
Marion flieht vor ihrer Vergangenheit: Der Bergpfarrer (ab 375) 479 – Heimatroman
Marion flieht vor ihrer Vergangenheit: Der Bergpfarrer (ab 375) 479 – Heimatroman
eBook113 Seiten1 StundeDer Bergpfarrer (ab 375)

Marion flieht vor ihrer Vergangenheit: Der Bergpfarrer (ab 375) 479 – Heimatroman

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Über dieses E-Book

Als Philipp Deininger in St. Johann auf dem Gelände der Deininger Bräu Baustelle erscheint, ist Jürgen Deininger ­erfreut, denn Philipp war immer sein Lieblingsneffe. Aber angesichts der Zwistigkeiten mit dem anderen Zweig der Deininger-Brauerei, befürchtet Jürgen, dass Philipp ihn nur ausspionieren soll. Der Bergpfarrer ›begutachtet‹ den ­jungen Mann auf einer Wanderung und gibt Entwarnung, er hält ihn für ehrlich. Und so soll Philipp den Job als Braumeister bekommen. Dazu passt auch, dass der junge Mann sich in Nicole verliebt hat. Philipps Zukunft in St. Johann sieht rosig aus. Doch ausgerechnet Nicole ertappt ihn bei ­einem verdächtigen Gespräch …

Als die sechsundzwanzigjährige Marion Winter an diesem Abend auf dem Bahnhof in Rosenheim in den Zug stieg, war sie fest entschlossen, sämtliche Brücken hinter sich abzubrechen und irgendwo in den Bergen ein neues Leben zu beginnen. Ihr Verlobter, mit dem sie seit mehr als drei Jahren zusammen gewesen war, hatte sie betrogen. Nicht mit irgendwem. Es war ihre beste Freundin, mit der er sich eingelassen hatte. Marion wusste nicht, wie lange das schon gegangen war mit den beiden. Zunächst war sie zutiefst enttäuscht gewesen, sie hatte sich gedemütigt gefühlt, war bis in ihr Innerstes verletzt. Jetzt war sie drüber hinweg, es interessierte sie nicht mehr. Sie hatte die beiden in flagranti ertappt, die Situation war eindeutig gewesen, und für sie hatte es nur eine Konsequenz gegeben. Im ersten Moment war sie natürlich am Boden zerstört gewesen. Sie war verzweifelt, hatte geweint, und für kurze Zeit hatte das Leben für sie jeden Sinn verloren. Nach der Trauer aber war der Zorn gekommen, doch auch diese Phase hatte Marion überwunden, und sie war zu kühler Sachlichkeit zurückgekehrt. Drei Wochen waren seitdem vergangen. In dieser Zeit hörte sie weder etwas von Rolf, dem Mann, in den sie verliebt gewesen war, noch von Ines, der sie blind vertraut hatte. Sie war, als sie die beiden ertappte, unverzüglich aus der Wohnung, in der sie mit Rolf lebte, ausgezogen, hatte sich in einer Pension ein Zimmer genommen und sich dort regelrecht verkrochen. Marion hatte niemand auf dieser Welt. Ihren Vater hatte sie niemals kennengelernt, ihre Mutter war vor drei Jahren dem Krebs zum Opfer gefallen, ohne dass sie ihr, Marion, verraten hätte, wer ihr Erzeuger war. Ihre Großeltern lebten auch nicht mehr, Geschwister hatte sie nicht. Hier hielt sie also nichts und sie wollte nur noch weg und Rosenheim aus ihrer Erinnerung löschen. Als der Zug anfuhr, atmete Marion wie erlöst auf. Der letzte Rest von Anspannung fiel von ihr ab.
SpracheDeutsch
HerausgeberBlattwerk Handel GmbH
Erscheinungsdatum6. Aug. 2019
ISBN9783740953058
Marion flieht vor ihrer Vergangenheit: Der Bergpfarrer (ab 375) 479 – Heimatroman

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    Buchvorschau

    Marion flieht vor ihrer Vergangenheit - Toni Waidacher

    Der Bergpfarrer (ab 375)

    – 479 –

    Marion flieht vor ihrer Vergangenheit

    Ist sie die geeignete Vertretung für Sophie Tappert?

    Toni Waidacher

    Als die sechsundzwanzigjährige Marion Winter an diesem Abend auf dem Bahnhof in Rosenheim in den Zug stieg, war sie fest entschlossen, sämtliche Brücken hinter sich abzubrechen und irgendwo in den Bergen ein neues Leben zu beginnen.

    Ihr Verlobter, mit dem sie seit mehr als drei Jahren zusammen gewesen war, hatte sie betrogen. Nicht mit irgendwem. Es war ihre beste Freundin, mit der er sich eingelassen hatte. Marion wusste nicht, wie lange das schon gegangen war mit den beiden. Zunächst war sie zutiefst enttäuscht gewesen, sie hatte sich gedemütigt gefühlt, war bis in ihr Innerstes verletzt. Jetzt war sie drüber hinweg, es interessierte sie nicht mehr. Sie hatte die beiden in flagranti ertappt, die Situation war eindeutig gewesen, und für sie hatte es nur eine Konsequenz gegeben.

    Im ersten Moment war sie natürlich am Boden zerstört gewesen. Sie war verzweifelt, hatte geweint, und für kurze Zeit hatte das Leben für sie jeden Sinn verloren. Nach der Trauer aber war der Zorn gekommen, doch auch diese Phase hatte Marion überwunden, und sie war zu kühler Sachlichkeit zurückgekehrt.

    Drei Wochen waren seitdem vergangen. In dieser Zeit hörte sie weder etwas von Rolf, dem Mann, in den sie verliebt gewesen war, noch von Ines, der sie blind vertraut hatte. Sie war, als sie die beiden ertappte, unverzüglich aus der Wohnung, in der sie mit Rolf lebte, ausgezogen, hatte sich in einer Pension ein Zimmer genommen und sich dort regelrecht verkrochen.

    Marion hatte niemand auf dieser Welt. Ihren Vater hatte sie niemals kennengelernt, ihre Mutter war vor drei Jahren dem Krebs zum Opfer gefallen, ohne dass sie ihr, Marion, verraten hätte, wer ihr Erzeuger war. Ihre Großeltern lebten auch nicht mehr, Geschwister hatte sie nicht. Hier hielt sie also nichts und sie wollte nur noch weg und Rosenheim aus ihrer Erinnerung löschen.

    Als der Zug anfuhr, atmete Marion wie erlöst auf. Der letzte Rest von Anspannung fiel von ihr ab. Sie hatte sich vorgenommen, nicht zurück, sondern nur noch nach vorne zu schauen. Der Zug verließ das Bahnhofsgelände und nahm sehr schnell Fahrt auf. Von der Gegend, durch die er fuhr, war nichts zu erkennen, weil es dunkel war. Ab und zu huschte ein Licht vorbei.

    Die junge Frau, die fest entschlossen war, ein neues Kapitel im Buch ihres Lebens zu beginnen, hatte ein Billet bis München gelöst. In der Landeshauptstadt wollte sie dann entscheiden, wohin sie sich wenden würde. Sie hatte mit dem Verlassen Rosenheims ihre Enttäuschung und ihren Frust abgeschüttelt wie eine zweite Haut. Es war ihr gelungen, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Ihre seelischen Wunden würden heilen. Sie war jung und stark …

    In München angekommen stand sie eine Weile unschlüssig vor dem Bahnhof. Dann lief sie zum Zentralen Omnibusbahnhof und sah dort den Fernbus stehen, der nach Garmisch-Partenkirchen fuhr. Einer spontanen Eingebung folgend stieg sie in ihn hinein, kaufte eine Fahrkarte und setzte sich auf einen freien Platz.

    Es dauerte nur kurze Zeit, dann fuhr der Bus los. Um diese Zeit waren es nur wenige Fahrgäste, die ihn benutzten. Eine gute Stunde später stieg Marion in Garmisch aus dem Bus. Es war kurz vor elf Uhr.

    Marion fühlte sich hilflos. Im Moment war sie wohl der einsamste Mensch auf der Welt. Sie hatte so ziemlich alles verloren, was ihr bisheriges Leben ausgemacht hatte. Sogar ihre finanziellen Mittel waren ziemlich begrenzt. Sie und Rolf hatten ihr Geld in einen Topf geworfen und jede Anschaffung gemeinsam finanziert. Sie hatten gemeinsam ein Restaurant eröffnet, es neu eingerichtet und sich vor einem halben Jahr ein Auto angeschafft. Denn sie hatte es nie bezweifelt, dass sie und Rolf bis an ihr Lebensende zusammenbleiben würden. Für diesen Irrtum musste sie nun bitter bezahlen.

    Aber ihr Bruch mit der Vergangenheit war dermaßen endgültig, dass sie von Rolf nicht einmal Schadenersatz fordern wollte.

    Sollte er glücklich werden mit dem Restaurant, dem Auto, und mit Ines.

    Es war eine fast schon Gleichgültigkeit, mit der Marion das Zurückliegende betrachtete. Sie verspürte keinen Zorn mehr, aber auch keine Trauer oder Enttäuschung. Das sagte ihr, dass weder Rolf noch Ines künftig eine Rolle spielen würden in ihrem Leben; nicht einmal in ihren Gedanken.

    Aber wohin jetzt? Es ging auf Mitternacht zu.

    Am Rand der Bushaltestelle standen einige Taxis und andere Fahrzeuge. Zu einem dieser wartenden Pkw ging eine Frau mittleren Alters, die ebenfalls in Garmisch aus dem Bus gestiegen war. Marion folgte ihr schnell. Die Frau hörte die Schritte hinter sich und schaute etwas beunruhigt über die Schulter nach hinten.

    »Entschuldigen Sie«, rief Marion. »Ich bin fremd hier und hab’ keine Ahnung, wohin ich mich wenden kann. Kennen Sie sich hier aus?«

    Die Frau hatte angehalten und sich umgedreht. Im Licht einer Straßenlaterne konnte sie Marions Gesicht sehen. »Sie haben auch im Bus gesessen, gell?«, fragte sie.

    »Ja. Haben Sie eine Ahnung, ob ich hier um diese Zeit noch irgendwo ein Zimmer bekommen kann?« Marion zögerte ein wenig, dann fügte sie hinzu: »Es sollt’ net allzu teuer sein …«

    »Es gibt hier einige Hotels und Pensionen«, antwortete die Frau. »Aber was Näheres kann ich Ihnen auch net sagen. Ich stamm’ aus St. Johann. Das liegt im Wachnertal. Ich war in München bei meiner Tochter zu Besuch, und dort in dem Wagen wartet mein Mann, um mich abzuholen.«

    »Können S’ mich mitnehmen?«, fragte Marion spontan.

    Die Frau musterte Marion forschend. Sie sah ein gleichmäßiges, etwas blasses Gesicht, das von einer Flut blonder Haare eingerahmt wurde und in dem die blauen Augen auffielen. »Was ist denn los mit Ihnen?«, fragte die Frau spontan. »Haben Sie denn kein Ziel?«

    »Nein. Es war mehr oder weniger Zufall, dass ich in den Bus nach Garmisch gestiegen bin.«

    »Ich kann mir net vorstellen, dass Sie von daheim ausgerissen sind«, murmelte die Frau. »Das tun nur missverstandene Teenager. Dazu sind S’ aber zu alt. Sind S’ vielleicht Ihrem Mann davongelaufen? Oder vor was sonst sind S’ auf der Flucht?«

    »Das ist keine schöne Geschichte«, antwortete Marion. »Am Ende war ich die Dumme, und ich will irgendwo einen Neuanfang machen. Keine Sorge, niemand ist hinter mir her. Aber dort, wo ich herkomme, wär’ die Erinnerung immer wieder lebendig geworden, und ich will einen Schlussstrich ziehen.«

    »Wahrscheinlich möchten S’ darüber auch gar net reden. Nun ja, so hat jeder sein Packerl zu tragen. Meinetwegen können S’ schon mitfahren nach St. Johann. Aber um diese Zeit kriegen S’ dort auch nirgendwo mehr ein Zimmer. Wie heißen S’ denn?«

    »Marion – Marion Winter.«

    »Mein Name ist Karla Hallmoser. Wenn S’ möchten, können S’ bei uns die Nacht verbringen, nämlich im Zimmer meiner Tochter, die in München arbeitet und nur noch unregelmäßig heimkommt.«

    Marion war von diesem Angebot geradezu überwältigt.

    Sie spürte es heiß in sich aufsteigen. »Das – würden Sie wirklich tun, Frau Hallmoser. Das – das wär’ ja … Ich weiß net, was ich sagen soll.«

    »Was soll ich denn mit Ihnen machen? Mir scheint, Sie sind ein armes Hascherl, das irgendeine schlechte Erfahrung ein bissel aus der Bahn geworfen hat. Man rennt net einfach mir nix dir nix davon. Also war’s was Gravierendes. Sie sind mir im Bus schon so verloren, so in sich gekehrt vorgekommen. Irgendwie hab’ ich geahnt, dass mit Ihnen war net stimmt.«

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