Liebesglück und Liebesleid: Der Bergpfarrer (ab 375) 381 – Heimatroman
Von Toni Waidacher
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Toni Wiesinger drückte Claudia an sich und gab ihr einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange. »Gratuliere«, sagte der Arzt lächelnd, »du bist schwanger.« »Nein!« »Doch!« Mit einem Jubelschrei hing die Schwägerin des Bergpfarrers an Tonis Hals. »Na, bloß gut, dass unsre bessren Ehehälften uns net so seh'n …«, schmunzelte er. Indes gab es keinen Grund zu Eifersüchteleien zwischen den beiden Paaren. Max Trenker, Claudias Mann, war mit dem Arzt befreundet, seit Toni sich in St. Johann niedergelassen hatte, und ebenso fest war die Freundschaft zwischen der Journalistin und Elena Wiesinger, die, zusammen mit einer anderen Freundin, die Tierarztpraxis im Dorf betrieb. »Setz' dich noch mal«, deutete Dr. Toni Wiesinger auf den Stuhl vor seinem Tisch und nahm selbst Platz, »ich stell' dir eben noch den Mutterpass aus, und dann kannst' Max von der Neuigkeit erzählen.« Claudia nickte und wischte ein paar Freudentränen ab. »Wie weit bin ich denn?« »Noch ganz am Anfang, achte Woche.« Also doch! Die Anzeichen waren dagewesen, aber Claudia hatte es nicht glauben wollen. Zu oft hatten sie und Max sich in den vergangenen Monaten auf ein weiteres Kind gefreut – und waren dann doch enttäuscht worden.
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Buchvorschau
Liebesglück und Liebesleid - Toni Waidacher
Der Bergpfarrer (ab 375)
– 381 –
Liebesglück und Liebesleid
Wessen Träume werden wahr?
Toni Waidacher
Toni Wiesinger drückte Claudia an sich und gab ihr einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange.
»Gratuliere«, sagte der Arzt lächelnd, »du bist schwanger.«
»Nein!«
»Doch!«
Mit einem Jubelschrei hing die Schwägerin des Bergpfarrers an Tonis Hals.
»Na, bloß gut, dass unsre bessren Ehehälften uns net so seh’n …«, schmunzelte er.
Indes gab es keinen Grund zu Eifersüchteleien zwischen den beiden Paaren. Max Trenker, Claudias Mann, war mit dem Arzt befreundet, seit Toni sich in St. Johann niedergelassen hatte, und ebenso fest war die Freundschaft zwischen der Journalistin und Elena Wiesinger, die, zusammen mit einer anderen Freundin, die Tierarztpraxis im Dorf betrieb.
»Setz’ dich noch mal«, deutete Dr. Toni Wiesinger auf den Stuhl vor seinem Tisch und nahm selbst Platz, »ich stell’ dir eben noch den Mutterpass aus, und dann kannst’ Max von der Neuigkeit erzählen.«
Claudia nickte und wischte ein paar Freudentränen ab.
»Wie weit bin ich denn?«
»Noch ganz am Anfang, achte Woche.«
Also doch! Die Anzeichen waren dagewesen, aber Claudia hatte es nicht glauben wollen. Zu oft hatten sie und Max sich in den vergangenen Monaten auf ein weiteres Kind gefreut – und waren dann doch enttäuscht worden. Den Termin heute hatte sie gemacht, weil die morgendliche Übelkeit durchaus auch andere Ursachen haben konnte, als eine Schwangerschaft.
Claudia freute sich schon auf das Gesicht ihres Mannes, wenn sie ihm die freudige Nachricht überbrachte. Aber ganz gewiss würde sie es ihm nicht zwischen Tür und Angel sagen, sondern einen romantischen Zeitpunkt auswählen. Sie stellte sich eine Abendstunde vor, im Garten hinter dem Haus, wo sie Max ein Bier kredenzte und sie selbst würde, anstelle eines Glases Wein, einen Saft trinken …
Ob er wohl stutzig würde?
Und Sebastian erst! Der kleine Sebastian, wohlgemerkt, der nach seinem Onkel benannt worden war, was würde er wohl sagen, wenn er erfuhr, dass er ein Brüderchen oder Schwesterchen bekam?
Claudia wischte sich wieder über das Gesicht. Überhaupt, was würde es wohl sein?
Max und sie wünschten sich schon lange ein Madel, aber freilich wäre es auch kein Beinbruch, wenn noch ein Bub dazukäme.
»Alles in Ordnung?« Dr. Wiesinger schaute seine Patientin fragend an.
Sie nickte. »Ist bloß die Freude.«
Der Arzt lächelte. »Das kann ich versteh’n, Elena, und mir ging es net anders, als unsre Toni unterwegs war.«
Antonia Wiesinger war auf den Namen ihres Papas getauft worden und wurde genau wie er, nur Toni gerufen.
»So, da ist noch ein Rezept dabei. Folsäure solltest’ nehmen, zumindest in den ersten Monaten der Schwangerschaft.«
Der Arzt reichte Claudia ihren Mutterpass und das Rezept, dann brachte er sie zur Tür.
»In vier Wochen seh’n wir uns wieder, hier in der Praxis, mein’ ich, zum Kochen oder auf dem Tanzabend freilich schon eher.«
Ein kleiner Kreis hatte sich zusammengefunden, zu denen, neben den Wiesingers und Trenkers, inzwischen auch Laura Carpenter, wie sie seit ihrer Hochzeit hieß, und ihr Mann James, genannt Jimmy, gehörten. Und es kamen, – je nach Zeit, Lust und Laune, – die einen oder anderen Freunde und Bekannten dazu, und reihum wurde bei einer der Familien gemeinsam gekocht und gegessen. Dankbar nahmen die Hobbyköche dabei die Tipps und Ratschläge Sophie Tapperts entgegen, der Haushälterin des Bergpfarrers.
Gegenüber dem Sprechzimmer, in dem der Arzt seine Patienten empfing, lag das Wartezimmer, dessen Tür geöffnet war. Aus dem Augenwinkel heraus nahm Claudia Maria Erbling wahr, die neugierig den Hals reckte und förmlich die Ohren spitzte.
Maria war die Witwe des letzten Poststellenleiters in St. Johann und im Dorf als ärgste Klatschtante gefürchtet …
Die Schwägerin des Bergpfarrers atmete innerlich auf, zum Glück hatte sie den Mutterpass in ihre Handtasche gesteckt, ehe sie das Sprechzimmer verließ. Nicht auszudenken, wenn Maria Erbling das hellblaue Dokument in Claudias Hand gesehen hätte – ganz St. Johann hätte eher von ihrer Schwangerschaft gewusst, als sie es Max hätte sagen können!
Die Journalistin nickte der Witwe zu.
»Grüß dich, Maria.«
»Grüß dich, Claudia. Bist’ doch wohl net etwa krank?«, kam es zurück.
Claudia schüttelte den Kopf.
»Nein, nein, alles in Ordnung, reine Routine«, antwortete sie und machte, dass sie hinauskam.
Puh, gerade noch mal gut gegangen!
Die Journalistin eilte zum Polizeirevier, über dem sie wohnten, und holte ihren Wagen aus der Garage. Ein Segen, dass sie den frühen Arzttermin genommen hatte, so kam sie nicht ganz so spät in die Redaktion, aber bis nach Garmisch-Partenkirchen, wo der ›Kurier‹ entstand, war es doch noch ein gutes Stück zu fahren.
Max trat vor die Tür, als sie das Garagentor gerade geschlossen hatte und wieder eingestiegen war. Er eilte zu ihr. »Was sagt Toni?«
Claudia hatte die Seitenscheibe heruntergelassen und steckte den Kopf durch das Fenster.
»Alles in Ordnung«, antwortete sie lächelnd. »Ich erzähl’s dir heut’ Abend, jetzt muss ich los.«
Der Bruder des Bergpfarrers beugte sich zu ihr herunter und gab seiner Frau einen Kuss.
»Fahr’ vorsichtig, Spatzl!«
»Na klar«, antwortete sie und fuhr an.
›Ich fahr’ doch immer vorsichtig‹, dachte Claudia, als sie das Ortsschild passierte. ›Und – ab heute – noch viel vorsichtiger!‹
Gut gelaunt fuhr sie ins Büro und setzte sich an ihren Schreibtisch. Laufend kamen Meldungen von Nachrichtenagenturen, aus aller Welt, herein. Heinz, ein Kollege, hatte die ersten Agenturmeldungen bereits auf Claudias Schreibtisch gelegt. Sie hatte sich einen Tee aufgebrüht und schaute die Papiere durch. Beim letzten Blatt stutzte sie, las den Text noch einmal und griff zum Telefon.
»Max, du glaubst net, was gescheh’n ist«, sagte die Journalistin, als ihr Mann am anderen Ende abgenommen hatte.
»Was denn? Mach’s net so spannend.«
»Stell’ dir vor, Nathalie Baumann ist in England festgenommen worden!«, rief Claudia atemlos. »Sie sitzt in London in Untersuchungshaft, die Meldung kam über Reuters.«
»Was? Das gibt’s doch gar net!« Max war völlig aus dem Häuschen. »Hat das Theater mit dieser Frau endlich ein Ende? Das muss ich sofort Sebastian erzählen! Dank’ dir, Spatzl, für den Anruf.«
*
Für Nathalie Baumann war es ein wahr gewordener Alptraum. Die Französin saß in ihrer Zelle und starrte auf das vergitterte Fenster, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können.
Jahrelang hatte sie, unter dem Namen Clarissa Belfort, in Freiheit gelebt und mehr oder minder schmutzige Geschäfte im Auftrag des steinreichen Amerikaners, George Whitaker, getätigt. Niemand hatte sie in dieser Zeit erkannt, und sie war von den Behörden unbehelligt geblieben.
Angefangen hatte ihr Pech erst, als Yvonne Metzler in St. Johann auftauchte, wo Nathalie unter ihrem falschen Namen angeblich eine Unternehmensberatungsfirma betrieb. Freilich war das nur eine Tarnung, unter der sie für den Boss, der zuweilen auch ins Wachnertal kam, daran arbeitete, den Diebstahl der Madonnenfigur aus der Kirche zu organisieren und dem Bergpfarrer dessen Jagdschloss abzujagen, das zu einer internationalen Begegnungsstätte für Jugendliche geworden war. Beides war ihr bisher nicht gelungen.
Die Madonna war wieder in den Schoß der Kirche zurückgekehrt, und das Schloss ›Hubertusbrunn‹ gehörte dem guten Hirten von St. Johann immer noch, trotz aller angezettelten Intrigen und Skandale.
Nathalie war indessen der Boden in St. Johann zu heiß geworden und sie hatte sich nach Salzburg
