Eine Trennung kommt selten allein: Der neue Dr. Laurin 124 – Arztroman
Von Viola Maybach
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Über dieses E-Book
Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt.
Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen.
Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert.
»Mann, war das gut!«, schnaufte Mick Schuster. Er drückte seiner Freundin Klara Kehlmann noch einmal sein schweißnasses Gesicht in die Halsbeuge und biss zu, bevor er sich langsam von ihr rollte. Neben ihr auf dem Rücken im Bett liegend, schnaufte er noch eine Weile weiter. Sie war bei seinem Biss zusammengezuckt, hatte aber nichts gesagt. Jetzt lag sie mit geschlossenen Augen da und überlegte wieder einmal, ob sie ihm nicht endlich sagen sollte, dass es für sie keineswegs gut war, wenn sie miteinander schliefen. Es war nämlich leider so, dass Mick keine Ahnung hatte, was sie brauchte, sich wünschte, was sie erregte. Er zog seine Show ab, jedes Mal, hielt sich hinterher für den Größten und kam nicht einmal auf die Idee, sie zu fragen, ob auch sie den Liebesakt genossen hatte. Überhaupt: Liebesakt. War es das? Für sie schon längst nicht mehr. Mit Liebe hatte das nichts zu tun, mit Leidenschaft schon gar nicht, jedenfalls nicht, was sie selbst betraf. Er rollte sich zu ihr herum und patschte mit seiner linken Hand auf ihre rechte Brust. Gleich darauf kniff er unangenehm zu. »Aua, lass das bitte, das tut mir weh!«, fuhr sie ihn wütend an. An seine Bisse hatte sie sich gewöhnt, da hielt er sich auch meistens zurück, aber wenn er sie kniff, tat er das meistens so wie jetzt: ziemlich fest. Er war höchst erstaunt. »Ich dachte, das gefällt dir.« »Es gefällt mir nicht«
Viola Maybach
Viola Maybach war als Fernsehredakteurin und -produzentin tätig. Heute arbeitet sie als Autorin in verschiedenen Bereichen und lebt in Frankfurt.
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Buchvorschau
Eine Trennung kommt selten allein - Viola Maybach
Der neue Dr. Laurin
– 124 –
Eine Trennung kommt selten allein
Gibt es denn keine Liebe mehr?
Viola Maybach
»Mann, war das gut!«, schnaufte Mick Schuster. Er drückte seiner Freundin Klara Kehlmann noch einmal sein schweißnasses Gesicht in die Halsbeuge und biss zu, bevor er sich langsam von ihr rollte. Neben ihr auf dem Rücken im Bett liegend, schnaufte er noch eine Weile weiter.
Sie war bei seinem Biss zusammengezuckt, hatte aber nichts gesagt. Jetzt lag sie mit geschlossenen Augen da und überlegte wieder einmal, ob sie ihm nicht endlich sagen sollte, dass es für sie keineswegs gut war, wenn sie miteinander schliefen. Es war nämlich leider so, dass Mick keine Ahnung hatte, was sie brauchte, sich wünschte, was sie erregte. Er zog seine Show ab, jedes Mal, hielt sich hinterher für den Größten und kam nicht einmal auf die Idee, sie zu fragen, ob auch sie den Liebesakt genossen hatte.
Überhaupt: Liebesakt. War es das? Für sie schon längst nicht mehr. Mit Liebe hatte das nichts zu tun, mit Leidenschaft schon gar nicht, jedenfalls nicht, was sie selbst betraf. Mick freilich schien jedes Mal ziemlich begeistert zu sein …
Er rollte sich zu ihr herum und patschte mit seiner linken Hand auf ihre rechte Brust. Gleich darauf kniff er unangenehm zu.
»Aua, lass das bitte, das tut mir weh!«, fuhr sie ihn wütend an. An seine Bisse hatte sie sich gewöhnt, da hielt er sich auch meistens zurück, aber wenn er sie kniff, tat er das meistens so wie jetzt: ziemlich fest.
Er war höchst erstaunt. »Ich dachte, das gefällt dir.«
»Es gefällt mir nicht«, sagte sie und setzte in Gedanken hinzu: ›Und es hat mir auch noch nie gefallen. Keine Ahnung also, wieso du das gedacht hast.‹ Er hatte natürlich noch nie gefragt, was ihr gefiel und was nicht, aber sie war so ehrlich, sich einzugestehen, dass sie es ihm von sich aus auch noch nie gesagt hatte.
Mick machte ein beleidigtes Gesicht, als er seine Hand zurückzog. Normalerweise hätte sie jetzt versucht, ihn zu besänftigen, doch heute stand ihr nicht der Sinn danach. Tatsächlich fragte sie sich zum ersten Mal ernsthaft, warum sie eigentlich noch mit ihm zusammen war.
Mick war ohne Zweifel ein Frauentyp, das war schon auf der Schule so gewesen, und es war immer noch so. Er war groß und schlank, hatte hellblonde Haare und Augen, deren Farbe irgendwo zwischen grün und blau lag. Er hatte ein ganz klassisch geschnittenes Gesicht, in dem einfach alles am richtigen Platz saß und die richtige Größe hatte. Er war, dachte Klara wieder einmal, ein schöner Mann, der in Hollywood wahrscheinlich schon längst für die Leinwand entdeckt worden wäre. Im Grunde genommen blieb einer Frau nichts anderes übrig, als sich in ihn zu verlieben. Jedenfalls in sein Äußeres. Was den Rest betraf: Der war, fand Klara nun, weniger liebenswert. Warum also lag sie dann hier mit ihm im Bett, nach einem weiteren Liebesakt, bei dem sie rein gar nichts empfunden hatte?
Sie selbst sah auch gut aus, aber sie war längst nicht so schön wie Mick, jedenfalls empfand sie das so. Sie war ebenfalls blond, der schmale, zierliche Typ, der in Romanen manchmal als ›elfenhaft‹ beschrieben wurde. Ihre Augen waren von einem ziemlich hellen Blau, die Haut war ebenfalls hell. Sie nahm auch im Sommer kaum Farbe an, höchstens rötete sie sich, wenn Klara einmal nicht aufpasste und ein paar Minuten zu lange in der Sonne saß. Ja, sie war hübsch, aber neben dem großen, strahlenden Mick hatte sie sich eher als unscheinbar empfunden. Nicht, dass ihr das viel ausgemacht hätte, es mangelte ihr nicht an Selbstbewusstsein. Sonst hätte sie sich gar nicht erst in jemanden wie Mick verliebt, der einfach alle anderen überstrahlte.
Die Erkenntnis, dass sie nicht mehr in ihn verliebt war, stellte sich im nächsten Moment schlagartig ein. Das war es: Der attraktive Mick Schuster war entzaubert. Deshalb brachte sie es plötzlich fertig, ihn zu betrachten wie ein Forscher ein Insekt unter dem Mikroskop: mit Interesse, aber eher distanziert.
Sie stand auf. Es war das erste Mal, dass sie ernsthaft darüber nachdachte, sich von Mick zu trennen. Irgendwie war sie wohl von seiner Schönheit so geblendet gewesen, dass sie gemeint hatte, von einem Mann wie ihm könne sich keine Frau freiwillig trennen. Aber genau das, dämmerte ihr jetzt, war die Lösung, sonst lag sie noch in einem Jahr nach dem Sex neben ihm und fühlte – nichts.
Er stützte sich auf einem Ellenbogen ab und sah sie an. »Was ist denn los mit dir?«, fragte er misstrauisch geworden. »Sag schon, da ist doch was! Ich habe dich gestern mit Justus gesehen, wie ihr geredet und gelacht habt …«
Nicht das auch noch, dachte Klara. Man sollte es ja nicht glauben, aber sein gutes Aussehen hielt Mick nicht davon ab, der eifersüchtigste Mensch zu sein, den sie kannte. Er war krankhaft eifersüchtig. Vor ihren Freundinnen und Freunden verbarg er das gut, weil er natürlich wusste, dass das eine Schwäche war, aber wenn sie allein waren, machte er ihr regelmäßig Szenen, wenn sie zu lange mit diesem oder jenem ihrer Freunde gesprochen hatte.
»Er hat sich in eine Kollegin verliebt, die ein Kind hat«, sagte Klara. »Darüber haben wir gesprochen. Er ist ziemlich verwirrt.«
»Das glaube ich dir nicht.« Mick kniff die Augen zu. »Du bist irgendwie komisch heute, das ist mir gleich aufgefallen.«
Klara bewegte sich in Richtung Bad. »Ich bin nicht komisch«, sagte sie. »Das bildest du dir nur ein.« Sie zog die Badezimmertür hinter sich zu und stellte sich unter die Dusche.
Als sie das Bad wieder verließ, war Mick eingeschlafen. Er lag da, nackt und lang ausgestreckt, die Bettdecke zu seinen Füßen. Kalt war ihm offenbar nicht. Er schlief nach dem Sex fast immer ein, offenbar verausgabte er sich dabei so, dass er den anschließenden Schlaf brauchte. Sie betrachtete ihn noch eine Weile nachdenklich. Wieso hatte sie so lange gebraucht, um zu der einfachen Erkenntnis zu gelangen, dass sie sich von ihm trennen musste?
Sie ahnte, was auf sie zukam. Mick würde natürlich überall erzählen, dass er es war, der sich von ihr getrennt hatte, und alle würden es glauben, denn einen wie Mick verließ eine Frau nicht. Sie würde also bedauert und mitleidig, aber auch ein bisschen schadenfroh behandelt werden. Nur Alma, ihre beste Freundin, würde sagen: ›Na endlich, hab‘ ich’s dir nicht schon immer gesagt, dass er nichts für dich ist?‹ Das hatte sie tatsächlich, aber Alma war in allem eine Ausnahme, und sie hatte bei Weitem nicht immer Recht. Bei Mick jedenfalls war Klara fest davon ausgegangen, dass Alma falsch lag.
Sie zog ihre Jacke an und verließ leise die Wohnung. Dass sie nicht mehr seine Freundin sein wollte, würde sie Mick an einem der nächsten Tage mitteilen. Das musste nicht unbedingt heute passieren.
Sie lief zu Fuß zu ihrer Wohnung, die sie sich mit Alma teilte. Eigentlich hatte sie die Nacht bei Mick verbringen wollen, aber seit sie plötzlich klarsah, fand
