Die Verführung kam auf langen Beinen: Familie Dr. Norden 775 – Arztroman
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Die Familie bleibt für Daniel Norden der wichtige Hintergrund, aus dem er Kraft schöpft für seinen verantwortungsvollen Beruf und der ihm immer Halt gibt. So ist es ihm möglich, Nöte, Sorgen und Ängste der Patienten zu erkennen und darauf einfühlsam einzugehen.
Familie Dr. Norden ist der Schlüssel dieser erfolgreichsten Arztserie Deutschlands und Europas.
»Ich habe sämtliche mir zur Verfügung stehenden Diagnose-möglichkeiten ausgeschöpft. Leider ohne Ergebnis. Weder der Verdacht auf Herzprobleme noch der auf Leberzirrhose hat sich erhärtet oder gar bestätigt«, erklärte Dr. Daniel Norden ratlos mit einem Blick auf die Berichte in seiner Hand. »Das Allerschlimmste für mich an der Sache ist diese Ungewißheit. Irgendeinen Grund muß meine Kurzatmigkeit doch haben. Ich kann kaum noch drei Treppen steigen, ohne stehenbleiben zu müssen. Seit Monaten kann ich nicht mehr richtig schlafen. Wenn Jonas nicht wäre, hätte ich schon längst aufgegeben«, antwortete Lea Monheim verzweifelt. »Nur ihm zuliebe und um meinen Zustand vor den Kollegen zu verbergen, spiele ich dieses Spiel noch mit.« »Ich möchte Sie in die Behnisch-Klinik einweisen. Eine Computertomographie wird uns darüber Aufschluß geben, an welcher Krankheit Sie leiden«, teilte Daniel der Kollegin seinen Beschluß schließlich sehr ernst mit. Lea starrte ihn einen Moment lang ungläubig an. »Glauben Sie wirklich, daß das nötig ist?« »Sie sollten es positiv sehen. Wenn wir erst wissen, was Ihnen fehlt, können wir entsprechend handeln.« »Alle Kollegen werden erfahren, daß ich krank bin«
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Buchvorschau
Die Verführung kam auf langen Beinen - Patricia Vandenberg
Familie Dr. Norden
– 775 –
Die Verführung kam auf langen Beinen
Zerstört Yvonne ein Leben?
Patricia Vandenberg
»Ich habe sämtliche mir zur Verfügung stehenden Diagnose-möglichkeiten ausgeschöpft. Leider ohne Ergebnis. Weder der Verdacht auf Herzprobleme noch der auf Leberzirrhose hat sich erhärtet oder gar bestätigt«, erklärte Dr. Daniel Norden ratlos mit einem Blick auf die Berichte in seiner Hand.
»Das Allerschlimmste für mich an der Sache ist diese Ungewißheit. Irgendeinen Grund muß meine Kurzatmigkeit doch haben. Ich kann kaum noch drei Treppen steigen, ohne stehenbleiben zu müssen. Seit Monaten kann ich nicht mehr richtig schlafen. Wenn Jonas nicht wäre, hätte ich schon längst aufgegeben«, antwortete Lea Monheim verzweifelt. »Nur ihm zuliebe und um meinen Zustand vor den Kollegen zu verbergen, spiele ich dieses Spiel noch mit.«
»Ich möchte Sie in die Behnisch-Klinik einweisen. Eine Computertomographie wird uns darüber Aufschluß geben, an welcher Krankheit Sie leiden«, teilte Daniel der Kollegin seinen Beschluß schließlich sehr ernst mit.
Lea starrte ihn einen Moment lang ungläubig an.
»Glauben Sie wirklich, daß das nötig ist?«
»Sie sollten es positiv sehen. Wenn wir erst wissen, was Ihnen fehlt, können wir entsprechend handeln.«
»Alle Kollegen werden erfahren, daß ich krank bin«, dachte Lea laut nach. »Und wer soll sich um Jonas kümmern, solange ich fort bin?«
»Vielleicht die Großmutter oder eine Tante.«
Lea lächelte schmerzlich.
»Seit mein Mann vor ein paar Jahren verstorben ist, ist Jonas der einzige Mensch in meinem Leben.«
»Wer kümmert sich um Ihren Sohn, wenn Sie in der Klinik sind, um zu arbeiten?«
»Ich versuche, meine Dienste tagsüber zu legen, so daß Jonas bei Anja, meiner Haushälterin sein kann. Die beiden verstehen sich prächtig.«
»Wäre das keine Lösung während Ihres Krankenhausaufenthaltes?« brachte Daniel die Gedanken der Ärztin behutsam auf den rechten Pfad.
Leas Blick wanderte in die Leere, wie er es so oft tat, wenn sie nicht hochkonzentriert arbeitete.
»Zumindest könnte ich sie um diesen Gefallen bitten. Sie ist eine zuverlässige und fleißige junge Frau, wie man sie heutzutage nicht mehr oft findet. Ich mache mir keine Sorgen um Jonas, wenn er in ihrer Obhut ist, obwohl er unter starken Allergien leidet, wie Sie ja wissen.«
»Sie haben mir immer berichtet, daß Anja sehr sorgsam und bedacht mit Jonas umgeht. Ich glaube, Sie können ihr wirklich Vertrauen schenken«, machte Daniel Norden Lea Monheim Mut, zumal es wirklich keinen anderen Ausweg aus diesem Dilemma zu geben schien.
»Etwas anderes bleibt ja wohl nicht übrig«, seufzte Lea bedrückt. »Aber was, wenn sich mein Verdacht bestätigt und ich nicht mehr gesund werde? Was soll dann aus Jonas werden?« sprach sie den Gedanken aus, der sie im Augenblick am meisten beschäftigte und ängstigte.
Doch davon wollte Dr. Norden nichts hören.
»Sie sind eine gesunde, junge Frau und sehen aus wie das blühende Leben. Außer dieser unerklärlichen Gewichtszunahme und der Kurzatmigkeit haben wir keine Anhaltspunkte für eine schwerwiegende Erkrankung. Ich denke, Sie werden bald wieder gesund und munter sein und über die trüben Gedanken lachen, die Sie sich jetzt machen.«
Lea sagte nichts mehr. Statt dessen lächelte sie vielsagend und schmerzlich und erhob sich, um sich von Dr. Norden zu verabschieden.
»Ich werde Sie davon unterrichten, sobald ich alle Vorkehrungen getroffen habe und bereit für die Untersuchung bin. Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute«, erklärte sie mit warmer, trauriger Stimme, als sie sich an der Tür von ihm verabschiedete.
»Tun Sie das. Und grüßen Sie Jonas schön von mir. Janni freut sich, wenn er wieder einmal zum Spielen vorbeikommt.«
»Ich werde es ihm ausrichten. Bestimmt findet Anja in den nächsten Tagen Zeit, ihn zu Ihrer Frau nach Hause zu bringen.« Damit wandte sich Dr. Lea Monheim ab und verließ endgültig die Praxis Dr. Norden.
Obwohl der Arzt nicht halb so schwarz sah wie seine Kollegin, die diskreten Rat bei ihm gesucht hatte, fühlte er eine unbestimmte Trauer auf der Seele, die er mit einer ungeduldigen Handbewegung fortwischte. Noch war nicht aller Tage Abend und er wollte sich nicht damit abfinden, daß der hübschen, ehemals so lebensfrohen Kollegin nicht zu helfen sein sollte.
Entnervt verdrehte Gabriel Sander die Augen gen Himmel, während sich seine Schülerin an immer derselben Stelle der Etüde von Leopold Mozart verspielte.
»Tu mir den Gefallen und konzentriere dich ein einziges Mal, Elsa«, bat er sichtlich gepeinigt und demonstrierte ein weiteres Mal, wie das Musikstück wirklich zu klingen hatte. »So schwer ist das doch nicht.«
»Das meinst du. Ich finde es grauenhaft«, jammerte das durchaus willige aber nicht sonderlich begabte Kind. Wieder legte Elsa die Hände auf die Tasten, und wieder geschah das Malheur.
»Das hat keinen Sinn mehr heute. Ich glaube, du hast soviel Angst vor der Stelle, daß du gar nicht anders kannst als dich zu verspielen. Dabei beißen die Noten doch gar nicht«, seufzte Gabriel und klappte das Notenheft zu.
»Vielleicht doch«, lachte Elsa erleichtert ein fröhliches Kinderlachen und schlug den Deckel des Klaviers zu.
Dieses Geräusch informierte ihre Mutter, die im angrenzenden Salon auf das Ende der Stunde wartete. Strahlend wie immer betrat Yvonne von Posen auf atemberaubend hohen Stöckelschuhen das Klavierzimmer.
»Und? Wie war mein kleiner Engel heute?« fragte sie mit süßlicher Stimme und strich ihrer Tochter über das weizenblonde, seidenweiche Haar.
Elsa behagte das gar nicht, und mit hüpfenden Schritten stob sie davon, um sich in der Küche vom Hausmädchen ein Glas Limonade zur Belohnung für die überstandenen Mühen abzuholen.
Gabriel blickte ihr freundlich nach, ehe er sich an Yvonne wandte.
»Ich finde Elsa entzückend. Sie ist ein freundliches, fröhliches Mädchen mit Humor und zahlreichen Begabungen. Klavier spielen scheint aber leider nicht dazuzugehören«, erklärte er schließlich ehrlich, und machte sich nicht die Mühe, Yvonnes forschendem Blick auszuweichen. »Es wundert mich, daß Sie als Musikagentin das noch nicht bemerkt haben.«
Als sie diesen Satz hörte, brach Yvonne in schallendes Gelächter aus.
»Sie sind ein recht forscher junger Mann.«
»Ich finde, es ist meine Aufgabe als Lehrer, ehrlich mit meinen Kunden umzugehen. Immerhin bezahlen Sie mich für meine Arbeit.«
»Einen Hungerlohn«, stellte Yvonne lässig fest, ohne Gabriel aus den Augen zu lassen. Sie führte irgend etwas im Schilde an diesem Nachmittag, das spürte er instinktiv.
»In Ihren Augen mag das richtig sein. Für mich ist es ein anständiges Zubrot, um meinen Traum von einem Leben als Künstler verwirklichen zu können«, ließ er sich jedoch nicht einschüchtern und verteidigte seinen Beruf verhement.
Yvonne nickte anerkennend.
»Haben Sie noch nie darüber nachgedacht, ganz groß rauszukommen? Die ganz große Karriere zu machen?«
»Natürlich träumt man immer wieder davon. Doch ein kleiner Pianist wie ich, noch dazu mit einer mäßigen Stimme und einem nicht gerade playboyhaften Auftreten hat nur wenig Chancen in diesem Haifischbecken, das sich Musikbranche nennt«, antwortete Gabriel unbeeindruckt.
Yvonne musterte ihn von oben bis unten und nippte an ihrem Glas Champagner.
»Warum so bescheiden? Vielleicht liegt die große Chance gerade in Ihrem Typ. Sie sind so erfrischend anders, so natürlich und unverdorben. Es könnte sein, daß gerade Sie neue Glanzlichter in diesem verbrauchten Markt setzen.«
Gabriel warf einen Blick auf die Uhr. Er fand durchaus Gefallen an diesem Gespräch, doch der nächste Schüler wartete auf ihn, und die Zeit
