Über dieses E-Book
Der gut aussehende Viscount Chepstow erlaubt sich mit seinem weihnachtlichen Heiratsantrag nur einen Scherz mit mir, dessen ist Honey sich sicher. Eine einfache Gouvernante wie sie ist passt schließlich nicht zu einem Mann wie ihm, oder?
Annie Burrows
<p>Annie Burrows wurde in Suffolk, England, geboren als Tochter von Eltern, die viel lasen und das Haus voller Bücher hatten. Schon als Mädchen dachte sie sich auf ihrem langen Schulweg oder wenn sie krank im Bett lag, Geschichten aus. Ihre Liebe zu Historischem entdeckte sie in den Herrenhäusern, die sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester besichtigte. Weil sie so gern las und sich Geschichten ausdachte, beschloss sie, Literatur zu studieren. An der Universität lernte sie ihren Mann, einen Mathematikstudenten, kennen. Sie heirateten, und Annie zog mit ihm nach Manchester. Sie bekamen zwei Kinder, und so musste sie zunächst ihren Traum von einer Karriere als Schriftstellerin vergessen. Doch ihr Wunsch zu schreiben blieb, und nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde ihr Roman "His Cinderella Bride" angenommen und veröffentlicht. Inzwischen sind weitere Regency-Romane von ihr erschienen.</p>
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Buchvorschau
Die skandalöse Gouvernante - Annie Burrows
IMPRESSUM
Die skandalöse Gouvernante erscheint in der HarperCollins Germany GmbH
© 2011 by Annie Burrows
Originaltitel: „Governess To Christmas Bride"
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
© Deutsche Erstausgabe in der Reihe HISTORICAL SAISON
Band 13 - 2012 by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg
Übersetzung: Barbara Kesper
Umschlagsmotive: JAMES O’NEILL/iStockphoto, AKaiser/Shutterstock, marilyna/Thinkstock
Veröffentlicht im ePub Format in 10/2015 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.
E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 9783733742928
Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.
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BACCARA, BIANCA, HISTORICAL, JULIA, ROMANA, TIFFANY
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1. KAPITEL
Erst als er den vom Waldrand hervorschallenden Kinderlärm hörte, fiel Lord Chepstow plötzlich ein, warum unterschwellig die Überlegung an ihm genagt hatte, die Weihnachtseinladung der Budworths vielleicht besser nicht anzunehmen.
Pippas frühere Schulfreundin Miss Honeysuckle Miller arbeitete dort als Gouvernante.
Honeysuckle – nun ja, sie hatten sie stets Honey genannt –, aber dennoch, wenn je ein Mädchen weniger passend benannt war, musste es ihm erst noch begegnen. Honey beschwor Erinnerungen an warme Sommerabende herauf, an zarte, nach Honig duftende Blüten. Doch Pippas Freundin war mollig und spitzzüngig. Die wenigen Male, die er sie in den letzten Jahren gesehen hatte, war es ihr jedes Mal gelungen, ihm zu vermitteln, dass sie missbilligend über ihre Brille von oben herab auf ihn hinabschaue – ein ziemliches Kunststück, da sie ihm gerade einmal bis zum Kinn reichte.
Oh ja, Miss Miller konnte er sich sehr gut als Gouvernante vorstellen! Während Pippa Jahr um Jahr aufgeblüht und zu einer hübschen jungen Frau herangewachsen war, die in die Gesellschaft einzuführen nachgerade ein Vergnügen bedeutete, hatte Miss Miller sich zu einem wahren Drachen entwickelt.
Dennoch zügelte er nun seinen Hengst und ließ den Rest der Gesellschaft vorausgaloppieren. Obwohl er es nicht verstand, betrachtete seine Schwester Miss Miller immer noch als ihre beste Freundin, und sie pflegten einen regen Briefwechsel, auch wenn die beiden jungen Frauen nun verschiedenen Milieus angehörten. Und falls Pippa herausbekam, dass er auf dem Familiensitz Lord Bedfords geweilt hatte, würde sie es sehr seltsam finden, dass er sich nicht wenigstens nach Honeys Wohlergehen erkundigt hatte.
Also sollte er es besser so bald wie möglich hinter sich bringen. In der Tat konnte er sich kaum einen besseren Moment vorstellen, sie zu treffen. Denn solange er hoch zu Ross saß – noch dazu auf einem so prachtvollen Tier wie Diamond, auf dem er wirklich eine schneidige Figur abgab –, musste sie ihn doch bestimmt bewundern? Nun, wenigstens ein kleines bisschen.
Bis heute konnte er nicht verstehen, worauf ihre kritische Haltung ihm gegenüber beruhte, vor allen Dingen, da es ihm ein Leichtes war, alle anderen weiblichen Wesen mit seinem Charme zu bezirzen. Er schüttelte den Kopf. Eigentlich sollte es ihm völlig gleichgültig sein, trotzdem würde er es auf jeden Fall vorziehen, dieses erste Treffen hinter sich zu bringen, während er hoch zu Ross saß und sie am Boden stand, damit er sich die Illusion erhalten konnte, dieses eine Mal derjenige zu sein, der hinabschaute.
Wie auch immer, selbst wenn sie willens war, Missbilligung zu verströmen, würde sie doch zu einem Gast ihres Arbeitgebers nicht unhöflich sein können, nicht unter den Augen ihrer kleinen Schutzbefohlenen. Unwillkürlich lächelte er bei dem Gedanken, Miss Miller endlich einmal eindeutig im Nachteil zu wissen.
Als er sein Pferd in Richtung der Kinder lenkte, die er schon zwischen den Bäumen ausmachen konnte, hörte er hinter sich Hufschlag, und ein weiterer Reiter schloss sich ihm an.
„Wohin wollen Sie, Lord Chepstow?"
Ein Blick über die Schulter zeigte ihm, dass es Lady Amanda Springfield auf ihrer hübschen kleinen Stute war.
„Nur mal hinüber zu den Kindern. Er ließ sich ihre neugierige Frage nur gefallen, weil Lady Amanda selbst kaum aus dem Schulzimmer entlassen war. „Das heißt, eigentlich zu ihrer Gouvernante. Die ist eine gute Freundin meiner Schwester. Sie besuchten dasselbe Internat. Sollte sie begrüßen, da ich schon einmal hier bin.
Lady Amanda verzog das Gesicht. „Oh, Gouvernanten! Eine grässlich langweilige Sorte."
Sein Lächeln verblasste. Obwohl er eben noch wesentlich unnettere Gedanken über Miss Miller gehegt hatte, war es doch etwas ganz anderes, von jemandem, der überhaupt nichts über sie wusste, derart geringschätzige Äußerungen zu hören.
„Miss Miller ist keineswegs langweilig", wehrte er entschieden ab. Nein, was Miss Miller war, würde er lästig nennen. Bei ihrem ersten Besuch in einem seiner Domizile hatte er noch angenommen, sie sei schüchtern und vielleicht ein wenig in Ehrfurcht vor dem großen Bruder ihrer Freundin befangen, da sie nicht ein Wort hervorbrachte, ohne blutrot anzulaufen.
Bei den folgenden Besuchen musste er seine Meinung ändern. Letztendlich hatte er dann Pippa einmal geradeheraus gefragt, warum sie andauernd ein solch mürrisches, unfrohes Geschöpf ins Haus bringe. „Warum kannst du nicht wenigstens einmal ein hübsches, liebenswertes Mädchen einladen?" Anstatt einem, das von Jahr zu Jahr in sich gekehrter und unansehnlicher wurde.
Zu seinem Erstaunen hatte Pippa die Schultern gestrafft, tief eingeatmet und mit der Haltung einer Märtyrerin, die sich den Löwen zum Fraß hinwirft, kämpferisch verkündet: „Mir ist ihr Aussehen gleichgültig. Sie ist meine beste Freundin. Wenn sie nicht wäre, wüsste ich nicht, wie ich in der Schule zurechtkäme."
Das mochte durchaus stimmen. Pippa war, was die Schule anging, nicht die größte Leuchte. Die kleine Miller hatte ihr vermutlich beim Lernen geholfen. Er konnte sie sich durchaus als eine jener unauffälligen Schülerinnen vorstellen, die sich mit Fleiß und Eifer an jede Aufgabe machten. In dem Zimmer, das sie während der Ferien auf einem seiner Landsitze innegehabt hatte, hing immer noch ein kleines Aquarell von ihrer Hand. Sie hatte den Garten drunten gemalt, und jedes Blatt wirkte so naturgetreu, dass man es für ein Lehrbuch hätte verwenden können.
Im Übrigen waren die Mädchen gleichzeitig in das Institut Moulsham Lodge eingetreten, nachdem sie beide gerade ihre Eltern verloren hatten. Auch dadurch war vermutlich ein enges Band zwischen ihnen entstanden. So eng sogar, dass Pippa bei ihrem Debüt in London Miss Miller während ihrer ersten Saison an ihrer Seite sehen wollte. Als das Mädchen ablehnte, weil es, wie es sagte, sich derartige Ausgaben nicht leisten konnte, war sie sehr betrübt gewesen, so sehr, dass er Miss Miller großzügig angeboten hatte, alle Kosten zu übernehmen.
Nachdenklich schaute er zu dem Baumgürtel hinüber. Sie hatte mit Dank abgelehnt, sich freihalten zu lassen, und dafür hatte er sie damals sehr bewundert. Worauf auch immer die Freundschaft der beiden Mädchen beruhte, Habgier und geldliche Vorteile spielten bei Miss Miller keine Rolle. Was eine seltene weibliche Tugend war in einer Gesellschaft, in der das eigene Interesse normalerweise vorherrschte.
Und während Pippa ihren Platz in der Gesellschaft eingenommen hatte, war Miss Miller nichts anderes übrig geblieben, als in dem Institut, in dem die Mädchen ihre Jugend verbracht hatten, als unbezahlte Lehrkraft zu arbeiten, nur gegen Kost und Unterkunft.
„Wissen Sie, bemerkte er, an Lady Amanda gewandt, „in keinem Fall könnte ich eine junge Frau von guter Abstammung verachten, nur weil sie sich gezwungen sieht, für ihren Lebensunterhalt einer Arbeit nachzugehen.
Dass das ein verzogenes, verhätscheltes Geschöpf wie Lady Amanda Springfield verstehen würde, konnte er sich allerdings auch nicht vorstellen, doch Miss Miller diese Anstellung zu verschaffen war das Klügste und Gütigste, was Pippa je vollbracht hatte. Irgendwie hatte sie ihren Gatten überreden können, seine Verbindungen spielen zu lassen, um ihrer Freundin eine bezahlte Stellung zu verschaffen, und so war sie hier gelandet und betreute Lord Budworths Sprösslinge.
Lady Amanda hob ihre fein gestrichelten Brauen. „Aber deshalb müssen wir doch sicher nicht ausdrücklich Umgang mit ihr pflegen?"
Er fand es ein wenig irritierend, dass er nun eine Haltung missbilligte, die er wenige Minuten zuvor noch selbst eingenommen hatte. Er hatte nicht einmal in Erwägung gezogen, aus dem Sattel zu steigen oder mehr als einen kurzen Augenblick darauf zu verschwenden, eine lästige Pflicht hinter sich zu bringen. Aber immerhin war er bereit gewesen zu tun, was sich gehörte, wenn auch widerwillig, und er würde sich nicht davon abbringen lassen, nur weil so ein gerade aus dem Schulzimmer entlassener Fratz nicht einverstanden war.
„Wir?"
