Neues Glück auf Montblanche: Fürstenkrone Classic 21 – Adelsroman
Von Laura Martens
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Über dieses E-Book
In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkrone" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt.
Romane aus dem Hochadel, die die Herzen der Leserinnen höherschlagen lassen. Wer möchte nicht wissen, welche geheimen Wünsche die Adelswelt bewegen? Die Leserschaft ist fasziniert und genießt "diese" Wirklichkeit.
Madeleine Norwich warf einen kurzen Blick auf das kleine Mädchen, das ihr am Schreibtisch gegenübersaß, erhob sich und trat an eines der hohen Fenster, die auf den hinteren Teil des Schlossparks hinausgingen. Ihr Blick glitt zum Pico de Aneto, dem höchsten Berg der Pyrenäen. Selbst von hier aus konnte sie die Gletscher sehen, die weite Teile von ihm bedeckten. Fröstelnd zog die junge Frau die Schultern zusammen. Trotz des Kachelofens, der erst vor einer halben Stunde von einem der Dienstmädchen nachgeheizt worden war, empfand sie es im Schulzimmer ausgesprochen kühl. Nicht nur im Schulzimmer war es kühl. Auf Schloss Montblanche, wo sie seit zwei Monaten lebte, wurde es selbst im Sommer, wie sie gehört hatte, niemals richtig warm. Und jetzt war erst April! »Mademoiselle Madeleine«, wurde die junge Frau aus ihren Gedanken gerissen. Sie wandte sich um. »Ja, Prinzessin Pauline.« Sie kehrte an den Schreibtisch zurück und beugte sich über das kleine Mädchen. »Das haben Sie ganz wunderbar gemacht«, lobte sie, als sie die beiden Reihen sorgfältig gemalter »M« begutachtete. »Und nun versuchen wir ›Maman‹ zu schreiben.« Sie griff nach dem Übungsblock und zeichnete die Buchstaben vor. Pauline Prinzessin von Raimont-Lynes griff nach ihrem Stift. »Wann gehen wir in den Park hinunter, Mademoiselle?«
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Buchvorschau
Neues Glück auf Montblanche - Laura Martens
Fürstenkrone Classic
– 21 –
Neues Glück auf Montblanche
Wie Madeleine der Traumprinz begegnete
Laura Martens
Madeleine Norwich warf einen kurzen Blick auf das kleine Mädchen, das ihr am Schreibtisch gegenübersaß, erhob sich und trat an eines der hohen Fenster, die auf den hinteren Teil des Schlossparks hinausgingen. Ihr Blick glitt zum Pico de Aneto, dem höchsten Berg der Pyrenäen. Selbst von hier aus konnte sie die Gletscher sehen, die weite Teile von ihm bedeckten.
Fröstelnd zog die junge Frau die Schultern zusammen. Trotz des Kachelofens, der erst vor einer halben Stunde von einem der Dienstmädchen nachgeheizt worden war, empfand sie es im Schulzimmer ausgesprochen kühl.
Nicht nur im Schulzimmer war es kühl. Auf Schloss Montblanche, wo sie seit zwei Monaten lebte, wurde es selbst im Sommer, wie sie gehört hatte, niemals richtig warm. Und jetzt war erst April!
»Mademoiselle Madeleine«, wurde die junge Frau aus ihren Gedanken gerissen.
Sie wandte sich um. »Ja, Prinzessin Pauline.« Sie kehrte an den Schreibtisch zurück und beugte sich über das kleine Mädchen. »Das haben Sie ganz wunderbar gemacht«, lobte sie, als sie die beiden Reihen sorgfältig gemalter »M« begutachtete. »Und nun versuchen wir ›Maman‹ zu schreiben.« Sie griff nach dem Übungsblock und zeichnete die Buchstaben vor.
Pauline Prinzessin von Raimont-Lynes griff nach ihrem Stift. »Wann gehen wir in den Park hinunter, Mademoiselle?«, fragte sie und blickte zum Fenster. »Ich mag nicht mehr schreiben. Das ist so schwer.«
»In zwanzig Minuten ist die Schulstunde zu Ende, Pauline«, antwortete die junge Lehrerin. »Haben Sie bitte noch etwas Geduld.« Obwohl sie sich sagte, dass es einfach zu viel von einem fünfjährigen Kind verlangt war, sich vormittags drei Stunden auf seinen Unterricht zu konzentrieren, durfte sie von dem Plan, den man für die Prinzessin aufgestellt hatte, nicht abweichen. Victor Fürst von Montblanche, der Großvater der Prinzessin, hatte, was die Erziehung seiner Enkelin betraf, strikte Prinzipien, von denen er keinen Millimeter abweichen wollte.
Pauline machte sich gehorsam an ihre Aufgabe. Sie dachte gar nicht daran aufzubegehren. Manchmal erschreckte es Madeleine regelrecht, wie gefügig die Kleine war. Sie benahm sich nur selten wie ein Kind und war stets darauf bedacht, sich niemals schmutzig zu machen. Selbst hier im Schulzimmer trug
sie ein Designerkleidchen mit schwarzen Strumpfhosen und Silberballerinas.
Endlich konnten sie in den Park hinuntergehen. Madeleine hatte sich einen Mantel aus ihrem Zimmer geholt, und auch die kleine Prinzessin trug einen Mantel, dessen Weiß der jungen Frau völlig ungeeignet für ein Kind schien.
Sie wandten sich dem Wildgehege zu, das nahe dem Wald ein ausgedehntes Areal des Parks einnahm. Der Wildhüter, ein großer bärtiger Mann, erwartete sie. Ehrerbietig begrüßte er Prinzessin Pauline. Für Madeleine hatte er nur ein kurzes Nicken übrig.
»Auf dem Hügel sind Steinböcke, Hoheit«, sagte er und reichte Pauline ein eingestelltes Fernglas.
»Und Bären?«, fragte Pauline, während sie durch das Fernglas schaute. »Mein Papa sagt, dass es bei uns auch Bären gibt.«
»Ja, in den Pyrenäen gibt es Braunbären, Hoheit, doch gesehen habe ich in unseren Wäldern noch keinen«, erwiderte der Wildhüter. Er wies zum Himmel hinauf. »Schauen Sie, ein Habichtsadler.«
Pauline richtete ihren Blick nach oben. »Wo fliegt er hin?«, wollte sie wissen.
»Vermutlich fliegt er zu seinem Horst, der sich in den Bergen befinden wird.«
»Kann man den Horst besuchen?«, fragte die Kleine.
»Das kommt darauf an, wo der Adler seinen Horst gebaut hat.« Der Wildhüter lenkte die Aufmerksamkeit des Kindes auf zwei Murmeltiere, die aus ihrem Bau gekommen waren und sich an den Menschen, die sie beobachteten, überhaupt nicht störten. Er gab Pauline ein Päckchen mit Futter, das sie den Tieren zuwerfen konnte.
Den größten Teil des Nachmittags verbrachte Pauline mit ihrem Kindermädchen, einer jungen Spanierin, die sich mit der Prinzessin auf Katalanisch unterhielt, neben Französisch die zweite Landessprache in Montblanche.
Madeleine nutzte die freie Zeit, um sich auf den Unterricht in Familien- und Landeskunde vorzubereiten, den ihre Schülerin am nächsten Vormittag erhalten sollte. Dazu hatte sie vom Bibliothekar einige kopierte und bearbeitete Seiten aus der Familienchronik der Montblanches erhalten.
Um halb fünf wurde Prinzessin Pauline wie jeden Tag zu ihrer Mutter, Elaine Prinzessin von Raimont-Lynes, gebracht, um mit ihr Tee zu trinken. Danach blieb sie gewöhnlich bis zum Abendessen bei ihr, aber an diesem Nachmittag holte Madeleine das kleine Mädchen eine Stunde eher wieder ab. In drei Tagen fand die Hochzeit der jüngsten Fürstentochter, Prinzessin Anne Marie, mit dem Bankier Pierre d’Rohan statt, und Paulines Mutter hatte keine Zeit, sich mit ihr zu beschäftigen.
Begleitet von dem Golden Retriever des Fürsten machten sie einen Spaziergang zum Turm der Infantin, der sich auf einem Hügel am Ende des Parks erhob. Bei dem Turm handelte es sich um ein viereckiges, hohes Bauwerk, dessen Dach von acht Säulen getragen wurde. Der Legende nach war hier vor mehreren hundert Jahren eine spanische Prinzessin gefangen gehalten worden.
Der Golden Retriever rannte ihnen voraus die Treppe aus grauen Feldsteinen hinauf, die zum Hügel hinaufführte. Madeleine und die kleine Prinzessin folgten ihm.
Die junge Frau hatte Mühe, die schwere Eichentür aufzuschieben, die den Eingang des Turms versperrte. Sie war schon öfters mit Pauline hier gewesen, da die Kleine gern vom Söller aus über das Hochtal blickte, an dessen Rand Schloss Montblanche lag.
»Du bleibst hier, Jacques«, befahl sie dem Hund, als dieser ihnen zum Söller hinauf folgen wollte.
Mit einem bedauernden Aufseufzen ließ sich der Golden Retriever am Fuß der Treppe nieder.
Im letzten Jahrhundert hatte sich Fürst Gerald, Paulines Urgroßvater, oft in den Turm der Infantin zurückgezogen, um dort in Ruhe seinen Studien nachzugehen, wie er es nannte. Aus diesem Grund gab es hier auch elektrisches Licht, was den Aufgang zum Söller erheblich erleichterte.
Im vierten Stockwerk des Turms befand sich ein großer, luxuriös ausgestatteter Raum. Der obere Teil seiner Wände war mit herrlichen, inzwischen leicht verblassten Fresken und Stuckschnitzereien bedeckt. Sein Fußboden bestand aus einem Mosaik bunter Fliesen, das den Garten Eden darstellte. Das Licht, das durch die schmalen, mit kunstvollen Gittern versehenen Halbbogenfenstern fiel, zauberte regenbogenfarbene Kreise auf die schwere dunkle Seidentapete im unteren Teil der Wände.
Es standen nur wenige Möbelstücke in diesem Zimmer. Ein Himmelbett aus schwarzem Ebenholz mit leichten weißen Vorhängen, ein mit vergoldeten Schnitzereien verzierter Schrank und eine Eichentruhe. Unterhalb des einen Fensters gab es noch einen Schreibtisch mit einem gepolsterten Stuhl. Ihm gegenüber nahm ein bodenlanger Spiegel fast ein Achtel der Wand ein. Er stammte aus dem fünfzehnten Jahrhundert und musste damals ein Vermögen gekostet haben.
Prinzessin Pauline erklomm die Stufen zum Söller.
»Mademoiselle Madeleine!«, rief sie, als sie vor der Tür angekommen war, die ins Freie führte.
Madeleine warf einen letzten Blick in das Turmzimmer, dann folgte sie der Kleinen und entriegelte die Tür.
Pauline drängte sich an ihr vorbei. »Wie schön es hier ist«, meinte sie und drehte sich mit ausgebreiteten Armen im Kreis. »Ich würde gern im Turm wohnen. Hier gefällt es mir besser als im Schloss.«
»Sie würden sich schon bald einsam fühlen, Prinzessin Pauline«, erwiderte die junge Gouvernante,
