Geheimnis um ein Waisenkind: Fürstenkrone Classic 62 – Adelsroman
()
Über dieses E-Book
In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkrone" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt.
Romane aus dem Hochadel, die die Herzen der Leserinnen höherschlagen lassen. Wer möchte nicht wissen, welche geheimen Wünsche die Adelswelt bewegen? Die Leserschaft ist fasziniert und genießt "diese" Wirklichkeit.
Von Freude war bei Andreas Ankunft auf dem Ulmenhof wenig zu merken. Oberst von Britten hat das nervöse Mädchen an seinen Bestimmungsort gefahren und beim Aussteigen mitleidig den kleinen Handkoffer betrachtet, in dem die gesamte Habe der kleinen Waise enthalten war. Das Herz tat ihm weh, wenn er dabei an Gräfin Julias forschenden Blick dachte. Ihr Urteil über die Menschen hing sehr viel von Äußerlichkeiten ab. »Kopf hoch, Fräulein Andrea! Ich lasse mich bald einmal hier sehen!« Das junge bezaubernde Mädchen dankt ihm bewegt für alle Fürsorge und lächelt ihm mit blassen Lippen zu, als müsse es ihn noch trösten. Tapferes Kerlchen, denkt Thomas gerührt und kann gut verstehen, daß die beiden Freundinnen bedrückt und stumm im Wagen sitzen, als er zurückkommt. Das Schicksal hat die erste aus ihrer Mitte genommen. Nun ist die Trennung wirklich wahr geworden. Andrea schaut sich währenddessen in der großen getäfelten Halle, in die man sie geführt hat, scheu um. Endlich erscheint ein alter grauhaariger Diener und führt sie in den dritten Stock. Das Zimmer, in das sie nun eintritt, ist klein und äußerst sparsam möbliert. Aber dafür ist die Aussicht prächtig. Entzückt öffnet Andrea, nachdem man sie allein gelassen, eine schmale Tür, und tritt auf einen winzigen Balkon hinaus. Herrlich dieser Ausblick in den Park und auf das ferne Gebirge. Hier wird sie nun abends, wenn man ihre Dienste im Schloß nicht mehr benötigt, sitzen und träumen können. Träumen? Andrea lächelt ein wenig müde. Das Leben hält nicht viele bunte Bilder für sie bereit!
Ähnlich wie Geheimnis um ein Waisenkind
Titel in dieser Serie (32)
Liebe, sanft wie der Abendwind …: Fürstenkrone Classic 1 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEr schenkte ihr sein Schloss – und ging: Fürstenkrone Classic 7 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNeues Glück auf Montblanche: Fürstenkrone Classic 21 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTanja, die Herrin von Schloß Meerseck: Fürstenkrone Classic 5 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie einsame Schlossherrin: Fürstenkrone Classic 43 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGlaub' an das Glück, Charlotte!: Fürstenkrone Classic 39 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie große Liebe für Komtess Regina: Fürstenkrone Classic 13 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Schloss ohne Frauen: Fürstenkrone Classic 49 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWir beide auf der Fahrt ins Glück: Fürstenkrone Classic 31 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWeil meine Sehnsucht dir gehört, Mariella!: Fürstenkrone Classic 38 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEinsam und ein Herz voller Sehnsucht: Fürstenkrone Classic 35 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Blumenkomtess: Fürstenkrone Classic 52 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIn deinen Armen tanz ich ins Glück: Fürstenkrone Classic 32 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Märchenschloss voll Traurigkeit: Fürstenkrone Classic 54 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWas zählt, ist nur die Liebe: Fürstenkrone Classic 42 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSie spielte die Rolle der Braut: Fürstenkrone Classic 59 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Erbtante: Fürstenkrone Classic 66 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGeheimnis um ein Waisenkind: Fürstenkrone Classic 62 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVerbotene Nächte im Schlosshotel: Fürstenkrone Classic 95 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch warte auf dich: Fürstenkrone Classic 55 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenRätsel um ein Findelkind: Fürstenkrone Classic 68 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTrubel im Schlosshotel: Fürstenkrone Classic 67 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWarum hast du mich verlassen?: Fürstenkrone Classic 99 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEifersucht in Adelskreisen: Fürstenkrone Classic 56 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenJulianes Prinzenmärchen: Fürstenkrone Classic 60 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Prinz und die Skandal-Komtess: Fürstenkrone Classic 83 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWo ist er – der Mann für Mama?: Fürstenkrone Classic 80 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMein Herz sagt: Ich liebe dich!: Fürstenkrone Classic 89 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMorgen ist es zu spät: Fürstenkrone Classic 86 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLiebesgeheimnisse in Schloss Lichtenau: Fürstenkrone Classic 100 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Ähnliche E-Books
Die getilgte Schuld: Fürstenkinder 97 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNur Iris ist die Frau für Papi: Fürstenkinder 57 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Heilung des einsamen Fürsten: Fürstenkinder 94 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenArme kleine Koteß: Fürstenkinder 55 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWo du bist, kann ich nicht sein: Leni Behrendt 31 – Liebesroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie beliebtesten Liebesromane und Novellen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer verlorene Sohn: Band I–V Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWo du bist, kann ich nicht sein: Leni Behrendt Bestseller 68 – Liebesroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZwischen den Welten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch hol dich auf mein Schloss: Fürstenkrone 136 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMorgen ist es zu spät: Fürstenkrone Classic 86 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Trotzkopf: Eine Pensionsgeschichte für erwachsene Mädchen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDu sollst Mutterliebe nicht vermissen: Sophienlust Extra 200 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer König Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDu bist die Sonne meines Lebens: Fürstenkinder 99 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLebenssucher Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEugenie Marlitt: Gesammelte Werke Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTante Hetty: Ingwer und Intrige Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Mätresse aus dem Hurenhaus: Teil 1 - Der Weg zum Kaiser Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie graue Macht Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAnna und der Kurfürst Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Eulenhaus Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMutter Marie Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMein Bruder ist mein Cousin: und andere Geschichten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Enkel der Gräfin Neuenriedt: Fürstenwelt 1 – Adelsroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie weiße Sklavin: Band 9 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenUnschuldig-schuldig? Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Frau mit den Karfunkelsteinen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHerzroman Doppelband 1004 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEine Prinzessin weint Tränen in der Einsamkeit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Zeitgenössische Romantik für Sie
Vom Milliardär gekauft Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Mr. Wrong (Küsse nicht den Falschen) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenPopstar Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Weiße Nächte: Aus den Memoiren eines Träumers (Ein empfindsamer Roman) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAlphas Versuchung: Bad-Boy-Alphas-Serie, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEine gefährliche Frau: Ein Milliardär Liebesromane Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie verbotene Babysitterin: Ein Milliardär - Liebesroman: Nachtclub-Sünden, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMafia Daddy: Vom Silberlöffel zur Silberschnalle: Unterwelt von Las Vegas, #2 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLiebesheirat nur zum Schein? Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Der verbotene Vertrag des Alphas: Eine Werwolf-Romanze voller Macht und Verlangen: Buch der Rebellen, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGeheimnisse der Sehnsucht: Milliardär Liebesromane: Die Assistentin des Milliardärs, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEgotistical Puckboy Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWohin das Schicksal führt: Sophienlust - Die nächste Generation 67 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKüssen nach Rezept: Kurzroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin besonderes Praktikum Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMein zärtlicher Verführer: Die Rinucci Brüder 2 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGefährliches Vorspiel: Black Light Roulette: Chicago Bratwa, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZum ersten Mal im Leben Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenStrand im Herz: Romantische Komödie Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Rettung des Dr. Marian: Das Vermächtnis der Marians, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFalscher Bräutigam - wahre Liebe? Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Regenbogen: Milliardär Liebesromane: Gefährliche Gewässer, #4 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHitzkopf Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Ein Milliardär für Cinderella? Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Romana Gold Band 53 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLoving the Boss: Milliardär Liebesroman: Fokus, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSei mein: Milliardär Liebesromane: Unwiderstehliche Brüder, #1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenJulia Ärzte zum Verlieben Band 54 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Rezensionen für Geheimnis um ein Waisenkind
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
Geheimnis um ein Waisenkind - Karola von Wolffhausen
Fürstenkrone Classic
– 62 –
Geheimnis um ein Waisenkind
Karola von Wolffhausen
Von Freude war bei Andreas Ankunft auf dem Ulmenhof wenig zu merken. Oberst von Britten hat das nervöse Mädchen an seinen Bestimmungsort gefahren und beim Aussteigen mitleidig den kleinen Handkoffer betrachtet, in dem die gesamte Habe der kleinen Waise enthalten war. Das Herz tat ihm weh, wenn er dabei an Gräfin Julias forschenden Blick dachte. Ihr Urteil über die Menschen hing sehr viel von Äußerlichkeiten ab.
»Kopf hoch, Fräulein Andrea! Ich lasse mich bald einmal hier sehen!«
Das junge bezaubernde Mädchen dankt ihm bewegt für alle Fürsorge und lächelt ihm mit blassen Lippen zu, als müsse es ihn noch trösten.
Tapferes Kerlchen, denkt Thomas gerührt und kann gut verstehen, daß die beiden Freundinnen bedrückt und stumm im Wagen sitzen, als er zurückkommt.
Das Schicksal hat die erste aus ihrer Mitte genommen. Nun ist die Trennung wirklich wahr geworden.
Andrea schaut sich währenddessen in der großen getäfelten Halle, in die man sie geführt hat, scheu um. Endlich erscheint ein alter grauhaariger Diener und führt sie in den dritten Stock. Das Zimmer, in das sie nun eintritt, ist klein und äußerst sparsam möbliert. Aber dafür ist die Aussicht prächtig.
Entzückt öffnet Andrea, nachdem man sie allein gelassen, eine schmale Tür, und tritt auf einen winzigen Balkon hinaus. Herrlich dieser Ausblick in den Park und auf das ferne Gebirge. Hier wird sie nun abends, wenn man ihre Dienste im Schloß nicht mehr benötigt, sitzen und träumen können.
Träumen? Andrea lächelt ein wenig müde. Das Leben hält nicht viele bunte Bilder für sie bereit!
Sorgsam packt sie ihre wenigen Habseligkeiten aus. Der Wandschrank ist viel zu groß für ihre spärliche Garderobe. Ganz verloren hängen die paar Kleider darin.
Der Diener sagte ihr, daß Graf Ulmen erst in einer Stunde zu sprechen sei. Schnell also einmal einen kleinen Erkundungsgang angetreten. Leichtfüßig eilt Andrea die vielen Treppen hinab. Niemand begegnet ihr auf den stillen langen Gängen. Wirklich ein verwunschenes Schloß.
Eine kleine Seitentür weist ihr schließlich den Weg ins Freie.
Herrlich, dieser Park mit seinen uralten Bäumen und den gepflegten Wegen. Wenn doch jetzt die Freundinnen bei ihr sein könnten. Wie wäre es zusammen so schön hier.
Tapfer setzt Andrea ihren Weg fort. Immer tiefer führt er in den Park hinein. Das einfache bunte Sommerkleid, in dem sie entzückend aussieht, bauscht sich bei jedem der weit ausholenden Schritte um die wohlgeformten, langen Beine.
Endlich bleibt sie stehen. Der Wald ist zu Ende, und vor ihr dehnt sich eine kleine Lichtung. An ihrem Rande steht ein stämmiges Blockhaus.
Von der Wiese herüber kommt ein kleines Mädchen gelaufen. Nein, es ist schon mehr ein Torkeln. Der kleine unförmige Körper mit dem viel zu großen Kopf vermag sich kaum auf den dünnen Beinen zu halten. Alles an dem Kind ist abstoßend häßlich, alles, bis auf seine wunderbar dunklen Augen.
Jetzt hat die Kleine Andrea entdeckt. Sie will etwas sagen, aber was über die Lippen kommt, ist nur unverständliches Lallen.
Andrea ist über das unglückliche Wesen so erschüttert, daß sie wie gelähmt auf ihrem Platz verharrt. Aus dem Laufen des Kindes wird ein Stolpern, und dann fällt der kleine Körper auf den Kiesweg.
Alle Erstarrung weicht von Andrea. Hilfsbereit und voller Mitleid eilt sie zu dem Mädchen.
Da ertönt hinter ihr eine herrische Stimme: »Geben Sie nächstens auf das Ihnen anvertraute Kind acht!«
Erschrocken fährt Andrea herum. Sie blickt in ein Paar zornige, herrische Augen, die zu einem schlanken eleganten Mann gehören. Mit finsterer, hochmütiger Miene sieht er auf sie hinab. Allem Anschein nach kam er aus dem Blockhaus, wo auch die Kleine herüberlief.
»Ich dachte, ich…«, stottert Andrea und versteht nichts mehr.
»Kümmern Sie sich jetzt endlich um das Kind, und machen Sie, daß Sie hier wegkommen, verstanden? Hier ist kein Spielplatz!«
Erschrocken preßt Andrea das Kind an sich und eilt den Weg zurück. Endlich ist sie in der Nähe des Schlosses angelangt. Keuchend setzt sie das viel zu schwere Kind ab.
»Fräulein Wester?« fragt da eine angenehme Stimme neben ihr.
»Ja?« Schwer atmend sieht Andrea sich um und schaut in das gütige Gesicht eines weißhaarigen gebückten Herrn.
»Ich bin Graf Ulmen. Wie kommen Sie zu dem Kind?«
»Verzeihen Sie bitte, Herr Graf, wenn ich nicht pünktlich zur Stelle war. Ich wollte mich ein wenig im Park umsehen, fand statt dessen aber die arme Kleine hier und…«
»Therese ist mein Enkelkind«, entgegnet der alte Herr gelassen und streicht dem unglücklichen Geschöpf über den Kopf.
»Verzeihung«, sagt Andrea und beißt sich auf die Lippen. Sie wollte nicht taktlos sein.
Der Graf beachtet ihren Einwurf nicht. »Im Hause herrscht schon große Aufregung. Die Kleine ist davongelaufen, ohne daß jemand etwas bemerkte.« Er winkt dem Diener. »Führen Sie Therese zu der Pflegerin. Nächstens soll man besser auf das Kind achten.«
»Jawohl, Herr Graf!«
Aber so leicht ist dem Wunsch nicht nachzukommen. Therese reißt sich mit aller Kraft von der Hand des alten Dieners los und klammert sich an Andrea. Wieder kommt über ihre Lippen das unverständliche Lallen.
Ein heißes Erbarmen befällt Andrea. In plötzlicher Aufwallung zieht sie das häßliche kleine Körperchen an sich.
Armes Kind, wieviel Lieblosigkeiten mochte es schon in den wenigen Jahren seines kurzen Lebens zu spüren bekommen haben.
Der Graf betrachtet sie mit warmen Blicken. »Wenn Sie Therese nicht abstößt, wollen wir sie mit hinaufnehmen. Sie kann sehr eigensinnig sein. Ich fürchte, wenn wir sie jetzt mit Gewalt zwingen, wird sie wieder Krämpfe bekommen.«
»Ich mag Kinder«, sagt Andrea schlicht und legt schützend den Arm um das mißgestaltete Körperchen.
»Ich bitte zu entschuldigen, Herr Graf«, setzt Andrea die Unterhaltung fort, »wenn ich zu einer ungelegenen Zeit komme. Herr Oberst von Britten erzählte mir von dem schweren Leid, das Sie betroffen. Darf ich Ihnen mein herzlichstes Beileid aussprechen?«
Stumm dankt der Graf durch ein kurzes Senken des Kopfes.
»Herr von Britten meinte, der Zeitpunkt meiner Ankunft sei sehr ungünstig, und ich solle für ein paar Tage auf sein Gut kommen. Ich wollte Sie aber darüber vorher befragen.« Unbefangen sehen ihn die herrlichen Blauaugen an.
Der Graf hat ihr aufmerksam zugehört. »Soso, der kluge Thomas meint, Sie kämen ungelegen? Er ist mal wieder allzu klug, will mir scheinen! Keine Sorge, Fräulein Wester. Sie kommen mir im Gegenteil gelegen. So«, er stößt eine hohe Flügeltür auf. »Hier ist ihr neuer Wirkungskreis, die Bibliothek.«
Andrea erblickt einen großen behaglichen Raum, dessen vier Wände mit hohen Bücherregalen bedeckt sind. Weiche Polstergarnituren laden zu geruhsamem Verweilen ein.
»Und hier«, Graf Ulmen durchschreitet den langgestreckten Raum und öffnet eine schmale Tapetentür, »befindet sich Ihr ganz persönlicher Arbeitsplatz.«
»Oh, wie schön!« Begeistert tritt Andrea näher. Ein helles elegantes Zimmer mit einem barocken Damensekretär aus poliertem Kirschbaumholz. Dazu ein behaglicher Sessel. Eine Einrichtung, die ganz und gar von dem bescheidenen Zimmer abweicht, das man ihr zum Schlafen angewiesen hat.
»Ich hoffe, Sie werden hier ein gutes Schaffen haben!«
Andreas Augen werden feucht. »Sie sind sehr gütig, Herr Graf. Auf so viel freundliches Entgegenkommen war ich nicht gefaßt.«
Der alte Herr lächelt. »Nun, kleines Fräulein, wer wie Sie schon so früh auf eigene Beine gestellt wird, verdient es, ein wenig verwöhnt zu werden.«
Er tut, als bemerke er Andreas Rührung nicht, und öffnet eines der hohen Fenster, durch das der Duft der blühenden Linden hereinströmt.
»Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, daß Sie mir diese Stelle gegeben haben, Herr Graf«, kommt es leise von Andreas Lippen.
»Wir werden schon gut auskommen, Fräulein Wester! Ihre Lehrerinnen sagen nur das Beste über Sie aus. Besonders, daß Sie ein pflichtbewußtes Mädchen seien. Ihr Vormund schrieb mir das, bevor ich mich entschloß.«
»Fräulein Dr. Ammer hatte uns alle sehr gern.« Andreas Lippen zittern ein wenig. Das Internat war fast eine Heimat für sie geworden.
»So, das wäre
