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156 De Geheimis Der lady Olivia
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Über dieses E-Book

Lady Olivia Vyne, die 13jaehrige Tochter des Marquis von Staverley, wird von einem Rundkopf zu einer heimlichen Ehe überredet – der bestialische Steuereintreiber Christian Drysdale. Im Gegenzug verspricht er ihren Bruder Richard vorm Schafott zu retten.
Wie sie nach der Trauungszeremonie durch die Nacht fahren, vertraut sich Olivia, verängstigt durch Drysdales Avancen und seiner brutalen Behandlung ihres Hündchens, dem notorischen Highwayman Weißkragen instinktiv an als er ihre Kutsche anhält. Er erzählt ihr, dass Richard bereits gehängt wurde für seine Rolle, die er bei der Flucht des Königs gespielt hat. Weißkragen fordert Drysdale zum Duell, nachdem er von der Hochzeit erfahren hat. Der Rundkopf wird getötet und Weißkragen bringt Olivia nach Hause.
Fünf Jahre danach, nachdem Charles II triumphierend nach London zurückgekehrt ist, kehrt das Glück und die Sorglosigkeit der Restoration in England ein. Olivia ist nun die Lieblingszofe der Königin und ihr Pfad kreuzt sich wieder mit dem des Highwayman…
SpracheDeutsch
HerausgeberM-Y Books
Erscheinungsdatum14. Apr. 2015
ISBN9781788674805
156 De Geheimis Der lady Olivia
Autor

Barbara Cartland

Barbara Cartland war die produktivste Schriftstellerin der Welt. Sie schrieb zu Lebzeiten 723 Bücher, von denen nicht weniger als 644 Liebesromane waren, die sich weltweit über eine Milliarde Mal verkauften und in 36 Sprachen übersetzt wurden. Neben Liebesromanen schrieb sie außerdem historische Biografien, Theaterstücke und Ratgeber. Ihr erstes Buch schrieb sie im Alter von 21 Jahren – es wurde auf Anhieb ein Bestseller. Ihr letztes Buch schrieb sie im Alter von 97 Jahren und es trug den vielleicht prophetischen Titel »Der Weg zum Himmel«. Zwischen den 1970er und 1990er Jahren wurde Barbara Cartland dank zahlreicher Fernsehauftritte und ihrer Beziehung mit der jungen Lady Diana zu einer Medienikone, doch ihr großes Vermächtnis werden ihre vielen inspirierenden Liebesromane bleiben. Barbara Cartlands offizielle Website: www.barbaracartland.com Bei dotbooks erscheinen von Barbara Cartland mehrere historische Liebesromane in der der HIGHLAND SKY-Reihe sowie in der REGENCY SCANDALS-Serie und Exotikromane in der Reihe TRÄUME UNTER FERNER SONNE.

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    Buchvorschau

    156 De Geheimis Der lady Olivia - Barbara Cartland

    I ~ 1658.

    Die Räder ratterten und stießen auf der steinigen Straße. Im Innern der Kutsche war es dunkel und das zuckende Licht der Laterne schien die Dunkelheit nur noch undurchdringlicher zu machen.

    Aber draußen, über den bewaldeten Hügeln, ging langsam der Mond auf, und nach einer Weile war das Gesicht des Mannes, der neben Olivia saß, deutlich zu erkennen.

    Er hatte den breitrandigen Federhut abgesetzt und lehnte scheinbar gelassen in den Polstern der Sitzbank. Er schien nach vorne zu blicken, doch es entging Olivia nicht, daß er aus den Augenwinkeln unverwandt in ihre Richtung schaute.

    Unwillkürlich zog sie die Schultern ein und drückte sich noch mehr in die Ecke der Kutsche. Am liebsten hätte sie sich unsichtbar gemacht, und sie flehte verzweifelt zum Himmel, die Dunkelheit möge sich wieder verstärken und sie in ihren schützenden Mantel hüllen.

    Er beobachtete sie.

    Seit Antritt der Reise hatten seine Augen sie nicht mehr losgelassen.

    Olivia litt Folterqualen unter diesen starrenden Augen, und sie vermochte den Anblick des Mannes an ihrer Seite kaum noch zu ertragen.

    Es bedurfte weder des Mondlichts noch der flackernden Kerze, um Olivia die abstoßende Häßlichkeit seines Gesichtes zu zeigen. Inzwischen kannte sie es viel zu gut: die Hakennase, den harten, grausamen und doch sinnlichen Mund. Sie kannte das breite Kinn, das den Ausdruck der Kälte und Rohheit noch hervorhob, die buschigen Brauen über den mißtrauischen, durchdringend blickenden Augen, denen nichts in ihrer Umgebung entging.

    Ja, sie kannte dieses Gesicht, wie sie ihr eigenes kannte. In den letzten zwei Monaten hatte es sie verfolgt. Tag für Tag, vom Morgen bis zum Abend, ja sogar bis hinein in ihre Träume.

    Schon bei der ersten Begegnung hatte Olivia gewußt, daß dieser Mann sie besitzen wollte und daß es für sie kein Entrinnen geben würde. Sie hatte den kalten, hungrigen Ausdruck seiner Augen gesehen, als er zum ersten Mal die große Halle auf Staverley betrat. Angst und Abscheu hatten sie erfaßt, aber schon von diesem Moment an war ihr klargewesen, daß sie ihm hilflos ausgeliefert sein würde.

    Sein zweiter Besuch auf Staverley war nur ein Vorwand gewesen, sie zu sehen. Und er war wiedergekommen, immer und immer wieder. Stets unter demselben fadenscheinigen Vorwand. Zum Ärger ihres Vaters und zum Schrecken der Dienerschaft.

    Olivia hatte ihre ganze Willenskraft aufbieten müssen, um die geheiligten Gesetze der Gastfreundschaft nicht zu verletzen, während sie sich verzweifelt gegen die Zudringlichkeit des Mannes zur Wehr setzte. Erschreckt stellte sie fest, welches Vergnügen es ihm bereitete, sie zu quälen. Sie sah das bösartige Lächeln in seinen Mundwinkeln, das kalte Funkeln auf dem Grund seiner Augen, die sie belauerten wie die Katze eine Maus.

    Und dann endlich hatte er ihr seine Absicht kundgetan.

    Bei der Erinnerung an diese Stunde zuckte Olivia unwillkürlich zusammen.

    Augenblicklich beugte der Mann neben ihr sich vor. Schattenrißartig zeichnete er sich vor dem helleren Viereck des Wagenfensters ab, und sie sah den runden Kopf, das an den Schläfen bereits ergraute, borstige Haar.

    »Ist dir kalt?« Seine Stimme klang tief und dröhnend.

    »Nein, nein. Mir ist warm. Danke, Sir«, erwiderte Olivia schnell.

    »Wir haben noch eine lange Reise vor uns. Wäre es nicht klüger, du legtest dir einen Schal um die Schultern?« Der Mann griff nach den Mänteln und Umschlagtüchern, die gegenüber auf der Sitzbank lagen.

    Olivias Augen verfolgten die Bewegung voller Entsetzen. Sie sah die groben, behaarten Finger und stieß einen unbeherrschten Schrei aus.

    Dann stammelte sie hastig: »Nein, nein, ich danke Ihnen, Sir, aber ich brauche wirklich nichts.«

    Das Gesicht, ihr immer noch zugewandt, lehnte er sich zurück.

    »Du solltest dich beruhigen«, sagte er. »Du hast doch gar keinen Grund, dich aufzuregen.«

    »Sie können kaum von mir erwarten, daß ich diesen Rat beherzige«, widersprach sie mit plötzlicher Heftigkeit. »Morgen früh wird mein Vater die Botschaft finden, die ich ihm hinterlassen habe. Und er wird unglücklich darüber sein, in tiefster Seele unglücklich und verzweifelt.«

    «Im Gegenteil, er wird glücklich sein, daß sein Sohn außer Gefahr ist.«

    »Ja, natürlich«, entgegnete Olivia. »Falls Richard wirklich außer Gefahr ist. Sind Sie sicher, daß Sie ihn retten können?«

    »Ich habe dir mein Wort gegeben.«

    »Aber Richard ist bereits in Haft«, wandte Olivia ein. »Haben Sie genug Macht . . . werden Sie einflußreich genug sein, ihn aus dem Kerker zu befreien?«

    »Ich versichere dir, daß Christian Drysdale über ein beträchtliches Maß an Macht und Einfluß verfügt«, war die seltsam gleichgültig klingende Antwort. »Jedermann weiß, daß der Lord-Protektor mein Freund ist. Es wird leicht für mich sein, die Freilassung eines jungen Royalisten zu erwirken, der eher ein Narr als ein Verräter ist.«

    Olivia hob das Kinn.

    »Wieso ist ein Narr, wer dem rechtmäßigen König die Treue hält?« rief sie empört.

    Christian Drysdale schnaufte zornig.

    »Deine Worte verraten eine gefährliche Gesinnung«, sagte er warnend. »Ich muß dich ernstlich bitten, jetzt, da du meine Frau bist, deine Zunge besser im Zaum zu halten!«

    »Und wenn ich hundertmal Ihre Frau wäre«, begehrte Olivia auf, »ich könnte nie vergessen, daß Charles Stuart unser gottgewollter König ist und daß auf dem Thron seines feige hingemordeten Vaters ein Usurpator, ein Thronräuber, sitzt.«

    Sie hatte voller Leidenschaft gesprochen, und alle Furcht war aus ihrer Stimme gewichen.

    Die Straße beschrieb einen Bogen, und das Mondlicht fiel voll auf ihr Gesicht. Es beschien zwei große, ungewöhnlich ausdrucksvolle Augen, eine entzückende, kleine Stupsnase über dem feingeschwungenen Mund und das weiße Oval einer makellos geformten Stirn, die von hellblondem, in weichen Wellen fallendem Haar umrahmt wurde.

    Es war ein liebliches Gesicht, das Gesicht eines Kindes. Aber der Mann, der es betrachtete, wurde von der Unschuld der kindlichen Züge nicht berührt. Seine Augen hatten sich verengt. Er konnte die Begierde darin nicht verbergen, als er die Hand ausstreckte und Olivias bebende Finger umschloß.

    »Heute nacht werden wir diesen ganzen Unsinn vergessen«, sagte er. »Wir werden nur noch daran denken, daß du jetzt mit mir verheiratet bist.«

    Seine Stimme hatte einen abstoßend lüsternen Unterton angenommen, und Olivia wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen, die bei ihrem gefangenen Bruder geweilt hatten. Mit schmerzhafter Deutlichkeit wurde sie daran erinnert, wo sie sich befand und an wessen Seite sie saß. Wieder wich sie erschreckt zurück und drückte sich zitternd in den dunklen Schatten der Sitzecke.

    Vergeblich, wie sie feststellen mußte.

    »Komm näher!« befahl Christian Drysdale.

    Olivia rührte sich nicht. Das Herz schlug ihr bis in den Hals.

    »Hast du gehört, was ich gesagt habe?« fragte Drysdale unwillig. »Sind deine Ehegelübde schon vergessen? Hast du nicht versprochen, mir in allem untertan zu sein?«

    »Ich . . . ich bin doch ganz nahe bei Ihnen«, flüsterte Olivia.

    Er lachte unterdrückt, und sie spürte, wie er sich an ihren Qualen weidete.

    »Komm näher!« wiederholte er.

    Olivia holte tief Atem, so als wollte sie all ihren Mut zusammennehmen, dann erwiderte sie mit fester Stimme: »Ich sitze nahe genug bei Ihnen, und Ihre Frau bin ich nur geworden, weil Sie mir versprochen haben, meinen Bruder zu retten. Mitten in der Nacht hab' ich mich von zu Hause fortgeschlichen und bin Ihnen gefolgt. Heimlich, ohne Wissen und ohne Zustimmung meines Vaters. Obwohl ich wußte, wie beschämend und wie empörend für ihn die Vorstellung ist, daß ein Mitglied seiner Familie einen Rundkopf heiratet. All das habe ich widerspruchslos getan, aber Sie können nicht . . . Nein! Sie können nicht von mir erwarten, daß ich etwas anderes als Haß und Abscheu für Sie empfinde!«

    Die letzten Worte flüsterte sie nur noch. Die Furcht vor dem Mann, den sie geheiratet hatte, schien Olivia zu lähmen. Sie wagte nicht einmal, ihn anzuschauen. Mit leerem Blick starrte sie zu Boden.

    Während sie dasaß voller Entsetzen über ihren Mut, der ihr solche Worte eingegeben hatte und seinen Zornesausbruch erwartete, drang ein Lachen an ihr Ohr. Das amüsierte, wilde Lachen eines Mannes, der keine Minderwertigkeitsgefühle kennt und der an der Durchsetzung seines Willens keine Zweifel hegt.

    »Du empfindest also nur Haß für mich!« sagte er endlich. »Nun, es wird mir ein Vergnügen sein, dich die Liebe zu lehren.«

    Er streckte die Hand nach ihr aus.

    Olivia schrie auf, als seine Finger sie berührten.

    Unter dem großen Muff aus kostbarem Zobel, der auf ihren Knien lag, ertönte ein warnendes Knurren, das sich jäh verstärkte und dann ebenso jäh wieder verstummte.

    Mit einem gotteslästerlichen Fluch zog Christian Drysdale seine Hand zurück.

    »Zum Teufel, was hast du da auf deinem Schoß?« stieß er wütend hervor.

    »Das . . . das ist nur Bobo mein Hund«, stotterte Olivia.

    »Das kleine Biest hat mich gebissen«, tobte Drysdale. »Du hast mir nichts davon gesagt, daß du ihn mitnehmen willst.«

    »Wieso hätte ich Ihnen das sagen sollen! Ich trenne mich nie von ihm.«

    »Aber er kommt mir nicht in mein Haus«, schrie Drysdale. »Ich mag keine Tiere. Erst recht keine, die nach mir schnappen und mich blutig beißen.«

    »Es tut mir leid, wenn Bobo Sie verletzt hat«, entschuldigte sich Olivia. »Er wollte mich beschützen, weil ich geschrien habe.«

    »Nimm das Miststück von deinem Schoß herunter, und setz es auf den Boden!« knirschte Drysdale.

    »Da, wo er sitzt, hat er es bequem genug«, entgegnete Olivia. Sie streichelte das Fell des Hundes, der immer noch ein leises, tief aus der Kehle kommendes Grollen hören ließ.

    »Du hast gehört, was ich dir gesagt habe.« Drysdale schnaufte wütend auf. »Gehorche mir also gefälligst!«

    »Weshalb sollte ich Ihnen gehorchen?« fragte Olivia. »Bobo ist mein Hund. Ich liebe ihn. Und er bleibt auf meinem Schoß sitzen, weil er dort immer sitzt.« Ihre Worte klangen trotzig, aber sie gab sich Mühe, ihren Haß zu unterdrücken.

    »Du sollst endlich tun, was ich dir befehle!« schrie Drysdale, dessen Wut mit jedem Wort zu wachsen schien. »Ich sage dir jetzt zum letzten Mal, setz den verdammten Hund auf den Boden.«

    Die Kutsche nahm eine Steigung, und die Pferde gingen im Schritt. Stumm, den Kopf stolz erhoben, saß Olivia auf ihrem Platz und machte keine Anstalten, der Aufforderung ihres Ehemanns Folge zu leisten.

    Sie spürte, wie die Spannung zwischen ihnen immer unerträglicher wurde. Trotzdem nahm sie Bobo in beide Hände, hob ihn hoch und legte die Wange zärtlich an seinen Kopf.

    Es war, als brächte diese Geste der Liebkosung das Faß zum Überlaufen. Der Mann neben ihr verlor die Beherrschung. Ein unartikulierter Laut, halb Fluch, halb Ausdruck äußerster Gereiztheit, drang über seine Lippen. Sein Arm zuckte vor, und mit einer gewaltsamen Bewegung riß er ihr den Hund aus den Händen.

    Wieder war ein zorniges Knurren zu hören. Die scharfen Zähne des Hundes gruben sich in die dicken Finger des Mannes, der einen Moment lang wie erstarrt war. Dann erscholl das dumpfe Geräusch eines Stockhiebs, gefolgt von Olivias Schreckensschrei und dem Aufprall eines kleinen leblosen Tierkörpers auf dem Boden der Kutsche.

    »Sie haben ihn getötet! Sie haben ihn getötet!«

    Olivia wollte sich neben Bobo auf die Knie werfen, aber Drysdale hielt sie mit hartem Griff zurück.

    Sie hatte alles um sich herum vergessen. Sie dachte nur noch an das Furchtbare, das ihrem Liebling zugefügt worden war.

    »Sie haben ihn getötet. Sie Unhold!« rief Olivia wieder außer sich vor Schmerz und blickte den Mann aus tränennassen Augen an.

    Erst in dieser Sekunde bemerkte sie voller Entsetzen, daß Drysdale seinen Arm um ihre Hüfte schlang und mit der freien Hand - die Blutstropfen von den scharfen Hundezähnen leuchteten scharlachrot im Mondlicht - nach ihrem Kinn griff, um sie zu küssen.

    »Du dummes Kind! Vergiß doch den kleinen Kläffer! Ich werde dir ein anderes, viel interessanteres Spielzeug dafür geben.«

    Seine Stimme klang leise und schmeichelnd, die Klammer um ihren Leib verstärkte sich, und dann preßten sich seine Lippen heiß und gierig auf Olivias Mund.

    Verzweifelt versuchte sie, ihn wegzustoßen und sich aus seiner Umarmung zu befreien. Vergeblich. Seine Arme hielten sie wie in einem Schraubstock. Schwindel überfiel Olivia. Die Luft wurde ihr abgedrückt, und ihr Herz krampfte sich zusammen in namenloser, nie gekannter Angst.

    Sie fühlte seine Lippen, seine Hände, die ekelerregende Nähe seines Körpers. Vor ihren Augen drehten sich dunkle Kreise, das Schwindelgefühl wurde stärker, und eine furchtbare Übelkeit stieg in ihr hoch.

    Dann plötzlich, als sie glaubte, die Qual und Erniedrigung nicht länger ertragen zu können, ging ein Ruck durch den Wagen. Für einen Moment lockerte sich die Umklammerung von Drysdales Armen, und es gelang Olivia, den Kopf zu drehen und ihre Lippen von den seinen zu befreien. Keuchend rang sie nach Luft.

    Doch, bevor sie begriff, was geschehen war, wurde die Tür aufgerissen, und eine scharfe, gebieterische Stimme hallte durch die Nacht: »Hände hoch, keine Bewegung!«

    Olivia hörte, wie Drysdale einen gemeinen Fluch ausstieß, und dann sagte dieselbe klare, befehlsgewohnte Stimme: »Ich darf sie bitten auszusteigen, während mein Mann die Kutsche durchsuchen wird.«

    Wieder begann Drysdale zu fluchen, doch diesmal erschien der Lauf einer Pistole im Türrahmen, und der schwere Mann verstummte abrupt.

    Schließlich gewann er die Fassung zurück und stieß wütend hervor: »Das ist eine Unverschämtheit, die Sie mir büßen werden. Sie bringen sich um Kopf und Kragen, Mann, wenn Sie uns nicht auf der Stelle weiterfahren lassen!«

    »Steigen Sie aus, und beeilen Sie sich!« war die knappe Antwort.

    Zähneknirschend ergriff Drysdale den breitrandigen Hut, den er neben sich auf der Sitzbank abgelegt hatte, und kletterte aus der Kutsche.

    Es war eine warme, windstille Februarnacht, aber auf den kahlen Ästen der Bäume und auf der Erde zwischen den dicken Stämmen lagen die letzten Schneereste.

    Sie befanden sich am Rand einer schmalen Lichtung, und Christian Drysdale brauchte nicht lange, um zu erkennen, in welch eine mißliche Lage er geraten war.

    Der Kutscher und sein Begleitmann hätten die Arme gehoben und saßen vor Schreck erstarrt auf dem Kutschbock. Das Pferdegespann stand still. Ein Wegelagerer hoch zu Roß, das Gesicht hinter einer Ledermaske verborgen, versperrte drohend die Fahrbahn. Ein zweiter Gentleman hatte direkt neben der Kutschentür Aufstellung genommen. In jeder Hand hielt er eine Pistole, deren Mündungen unmißverständlich auf Drysdales Brust gerichtet waren, während im Hintergrund, unbeweglich wie ein Standbild, ein herrlicher Rapphengst wartete.

    Mit einem Blick stellte Drysdale fest, daß der Straßenräuber, der ihn mit den beiden Pistolen bedrohte, sich in der Eleganz der Kleidung deutlich von dem Reiter auf der Fahrbahn unterschied. Der schwarze Samtrock war mit kunstvollen Stickereien verziert, er trug Reitstiefel aus feinstem Leder, und das rüschenbesetzte Hemd aus kostbarer venezianischer Seide wurde am Hals von einer funkelnden Diamantbrosche gehalten.

    Einen Moment lang verschlug es Drysdale den Atem, dann brach es wütend aus ihm hervor: »Weißkragen! Sie sind's also schon wieder!«

    »Zu Ihren Diensten, Mister Drysdale«, sagte der Wegelagerer mit höhnischem Lächeln und deutete eine Verbeugung an. »Als wir uns das letzte Mal sahen, versprach ich Ihnen, daß es bis zu unserer nächsten Begegnung nicht allzu lange dauern würde.«

    »Sie haben mich verfolgt?« fragte Drysdale.

    »Sagen wir lieber, ich habe Sie im Auge behalten«, gab der Mann zur Antwort. »Wie ich Ihnen schon einmal erklärte, hab' ich nichts übrig für Steuereintreiber. Vor allem dann nicht, wenn sie ihre Stellung dazu mißbrauchen. Unschuldige und Wehrlose auszubeuten.«

    »Unverschämter Bursche! Dafür werden Sie mir noch büßen!« knurrte Drysdale.

    »Wenn ich mich recht erinnere, versuchten Sie bei unserem letzten Treffen, mich mit den gleichen Drohungen einzuschüchtern.« Der Highwayman lächelte. »Bei dieser Gelegenheit machte ich übrigens einen schwerwiegenden Fehler. Leider entging es mir, daß Sie einen Großteil der eingetriebenen Steuergelder bei sich führten. Diesmal wird mir eine solche Unachtsamkeit nicht mehr unterlaufen.«

    Christian Drysdales Haltung spannte sich, aber mit einem schnellen Schritt war der Straßenräuber neben ihm.

    »Meine Pistolen sind geladen, Sir«, sagte er warnend.

    Dann blickte er zu den beiden Fahrern auf dem Kutschbock hinüber und rief: »Runter mit euch! Es gibt Arbeit. In den nächsten zwei Minuten habt ihr euren Herrn zu einem reglosen Bündel zusammengeschnürt!«

    »Er ist nicht unser Herr«, antwortete einer der beiden. »Er hat uns nur angeheuert, damit wir ihn und seine Braut zur Kirche und anschließend in die Flitterwochen kutschieren.«

    »Eine Hochzeit also!« rief der Highwayman mit einem erstaunten Unterton in der Stimme. »Welche Teufelei führen Sie nun schon wieder im Schilde, Mister Drysdale? Ich wette hundert Guineas, daß an dieser Sache etwas faul ist.«

    Die beiden Männer waren vom Kutschbock heruntergeklettert. »Fesselt ihn!« befahl der Mann, den Drysdale Weißkragen genannt hatte. Dann wandte er sich an seinen Gefährten.

    »Kümmere dich um die drei, Jack!« sagte er knapp.

    Der Reiter gab seinem Pferd die Sporen und trieb den schweren Mann rückwärts vor sich her, bis er gegen, einen mächtigen Eichenstamm stieß.

    Dann warf er den beiden Fahrern einen Strick zu und befahl ihnen, den fluchenden Steuereintreiber an den Baum zu binden.

    Der Highwayman beobachtete die Szene sekundenlang mit amüsiertem Lächeln, dann drehte er sich zur Kutsche um. Er blickte hinein und fand Olivia, die immer noch zwischen den Sitzbänken auf dem Boden kniete und den leblosen Körper ihres kleinen Hundes in den Armen hielt.

    Sie schien nichts von den Ereignissen, die sich draußen abgespielt hatten, bemerkt zu haben. Tränen rannen über ihr kindliches Gesicht, während die zitternden Finger unablässig über den Kopf des kleinen Hundes glitten, auf den der schwere, mit Blei gefüllte Spazierstock herniedergesaust war.

    *

    Erstaunt blickte der Highwayman auf die zusammengekauerte Gestalt des Mädchens.

    Dann zog er den Hut und sagte ruhig: »Kann ich Ihnen helfen, Madame?«

    Olivia sah zu ihm auf. Die Maske vor seinem Gesicht schien sie nicht zu beunruhigen. Vielmehr hielt sie ihm, so als habe sie einen alten Freund vor sich, vertrauensvoll den erschlafften Körper des Hundes entgegen.

    »Ist er auch wirklich tot?« fragte sie mit tränenerstickter Stimme. »Er soll nicht noch weiter leiden müssen.«

    Der Wegelagerer nahm den Hund und trat aus dem Schatten der Kutsche ins Mondlicht hinaus. Er betrachtete den grausam zerschmetterten Tierschädel und versuchte mit kundigen Fingern Bobos Herzschlag zu ertasten.

    »Wer hat das getan?« fragte er und kannte im selben Moment die Antwort auf seine Frage. Sein Blick wanderte über die Lichtung zu dem inzwischen gefesselten Drysdale, der die beiden Kutscher mit wilden Drohungen und Flüchen überschüttete.

    Olivia bemerkte den Blick des Mannes. »Mein Hund hat ihn gebissen », sagte sie und stieg aus der Kutsche.

    Im Schein des Mondlichtes sah der Wegelagerer erstaunt, daß sie fast noch ein Kind war.

    Tränen liefen über ihre Wangen, schimmerten auf den langen, seidigen Wimpern und verstärkten den rührenden Eindruck ihrer noch unerblühten Mädchenhaftigkeit. Der Fremde sah die zarten Knospen ihrer Brüste unter dem spitzenverzierten Mieder ihres Gewandes, die grazilen Handgelenke, die zarten Hände. Sie war schlank und zerbrechlich, und als sie sich über den kleinen Hundekörper beugte, den er in der Armbeuge hielt, fiel ihr das flachsblonde Haar ins Gesicht und streifte sekundenlang seine Hände.

    »Ich fürchte, Ihr Hund ist tot«, sagte er sanft.

    Ein erstickter Seufzer drang über ihre Lippen, dann streckte sie die Hände aus und nahm den leblosen Körper wieder auf ihre Arme.

    »Könnten wir . . . könnten wir ihn begraben?« fragte sie, und die Frage schien den Highwayman nicht im geringsten zu erstaunen.

    »Ja, natürlich«, erwiderte er bereitwillig.

    Er ging zur Kutsche und zog einen Spaten unter der hinteren Wagenachse hervor. In dieser Jahreszeit war es nötig, ein solches Gerät mit sich zu führen, denn es kam oft vor, daß man das schwere Gefährt aus einer Schneeverwehung oder aus einem aufgeweichten Straßengraben freischaufeln mußte.

    Das Mondlicht schien durch die kahlen Äste der Bäume. Vor einer Silberbirke blieb Olivias Retter stehen und begann ein tiefes Loch auszuwerfen. Er benötigte dazu nur wenige Minuten, denn der Boden war nicht gefroren. Danach trat er wortlos auf Olivia zu, nahm ihr den Hund aus den Armen, legte ihn in das Grab und bedeckte den Tierleichnam mit der losen Erde.

    Als er seine Arbeit beendet hatte, kniete Olivia neben dem kleinen Hügel nieder. Sie wirkte sehr hilflos und bemitleidenswert. Der Saum ihres Samtkleides umgab sie in weiten, weichfallenden Falten und unterstrich auf rührende Weise die Zerbrechlichkeit der zarten Märchengestalt. Geduldig wartete der Highwayman, bis Olivia sich erhob.

    Als sie mit einer unwilligen und zugleich verschämten Handbewegung die Tränen von den Wangen wischte, fragte er: »Warum nur haben Sie diesen Mann geheiratet?«

    »Ich mußte es tun. Mir blieb keine andere Wahl«, antwortete sie ohne Zögern. Dann blickte sie auf das kleine Grab und fügte zornig hinzu: »Ich habe ihn schon vorher gehaßt, aber nun, da er Bobo getötet hat, werde ich ihn hassen bis ans Ende meines Lebens.«

    Ihr Zorn hatte etwas Verwundbares, das dem Fremden nicht entging.

    Dennoch wiederholte er seine Frage: »Weshalb haben Sie ihn geheiratet?«

    Olivia hob das Gesicht und sah ihn an. Er erkannte den Ausdruck einer namenlosen Verzweiflung auf ihren Zügen.

    »Mein Bruder wurde verhaftet und in den Kerker geworfen. Mister Drysdale versprach, ihn dort herauszuholen, unter der Bedingung, daß ich seine Frau würde.«

    »Sind Sie wirklich sicher, daß er Ihren Bruder befreien wird, jetzt, da Sie das getan haben, was er von Ihnen verlangte?« wollte der Mann wissen.

    Olivia machte eine zaghafte Handbewegung.

    »Er hat es versprochen«, sagte sie leise.

    Der Fremde blickte schweigend auf sie nieder. Als er nicht weitersprach, hob sie erneut den Kopf, und es schien das erste Mal zu sein, daß sie ihn bewußt und mit erwachender Neugier betrachtete.

    Es war nicht viel, was sie von seinem Gesicht erkennen konnte: das männliche feste Kinn; der sensible, edel geformte Mund, der keine Spur von Grausamkeit erkennen ließ; die hinter der schwarzen Maske lebhaft funkelnden Augen. Seine Hände waren feingliedrig und doch kraftvoll, und an einem Finger trug er einen Siegelring mit einem grünen Stein.

    Etwas Beeindruckendes ging von ihm aus, eine Vornehmheit des Charakters, die Olivia verriet, daß sie es mit einem Gentleman von ihrem Rang und ihrer Herkunft zu tun hatte.

    Während sie dastand und den Fremden anschaute, hörte sie in der Ferne Drysdales wutbebende Stimme. Ein Schauder ergriff sie und schüttelte ihren ganzen Körper.

    Unwillkürlich machte Olivia einen Schritt auf den Fremden zu, so als suchte sie Schutz bei ihm.

    »Haben Sie denn keine Verwandten?« fragte er fast ein wenig erzürnt. »Weshalb haben diese Leute nichts getan, um Sie von einem solch unsinnigen Entschluß zurückzuhalten?«

    »Ich habe nicht gewagt, mit meinem Vater über diese Dinge zu reden«, gestand Olivia. »Er war lange Zeit sehr krank. Wenn ich ihm erzählt hätte, daß mein Bruder im Kerker ist, wäre das der sichere Tod für ihn gewesen. Jetzt wird er zwar erfahren, daß Richards Leben in großer Gefahr schwebte, aber gleichzeitig wird er wissen, daß die Gefahr gebannt und Richard in Sicherheit ist.«

    »Dann sind Sie also von zu Hause weggelaufen, um ihn zu heiraten, wie?« fragte der Edelmann.

    »Ja. Ich habe gewartet, bis alles im Haus ruhig war«, berichtete Olivia. »Dann bin ich die Treppe hinuntergeschlichen und zur Hintertür hinaus. Und er . . . er wartete draußen beim Torhaus auf mich.«

    »Er wartete draußen«, wiederholte der Highwayman ihre Worte. »Er, Mister Christian Drysdale, der Steuereintreiber. Der Mann, der Witwen und Waisen das Blut aus den Adern saugt, der von den Royalisten Geld erpreßt, weil sie das Verbrechen begehen, dem König die Treue zu halten, und der sie sofort schamlos denunziert, wenn sie sie nicht mehr zahlen können!«

    *

    Olivia stieß einen leisen Schrei aus.

    »Wollen Sie damit sagen, daß er zuerst so tut, als würde er ihnen helfen, und daß er sie dann auf die gemeinste Weise hintergeht und verrät?«

    »Ja. Und das nicht nur einmal, sondern in Dutzenden von Fällen«, erwiderte der Fremde grimmig.

    Olivias Augen weiteten sich vor Entsetzen, und der Fremde hielt besorgt den Atem an.

    »Aber was ist, wenn er auch meinen Bruder im Stich läßt?« brach es gequält aus ihr hervor.

    Der Edelmann preßte die Lippen zusammen.

    »Vielleicht meint er es in Ihrem Fall ausnahmsweise einmal aufrichtig«, sagte er, doch seine Worte klangen nicht sehr überzeugend. Olivia spürte, daß er sie nur beruhigen wollte.

    Sie barg das Gesicht in beide Hände.

    »Tief in meinem Inneren habe ich gewußt, daß ich ihm nicht trauen kann«, gestand sie leise.

    Der Mann stieß einen Seufzer aus.

    »Sie sind noch viel zu jung für all diese Dinge. Darf ich fragen, wie alt Sie sind?«

    »An meinem letzten Geburtstag wurde ich dreizehn«, antwortete Olivia ernsthaft. »Aber es geht jetzt nicht um mich. Es ist mein Bruder, an den ich denke!«

    »Werden Sie mir den Namen Ihres Bruders verraten?« fragte der Fremde und fügte rasch hinzu: »Seien Sie unbesorgt, es spricht keine gewöhnliche Neugier aus mir. Mein Bote kam gestern aus London zurück und brachte eine Liste der Inhaftierten mit. Es könnte möglich sein, daß sich darunter auch der Name Ihres Bruders befindet.«

    »Mein Bruder ist Richard Evelyn, Viscount von St. Claire«, sagte Olivia.

    Der Fremde zuckte kaum merklich zusammen, aber Olivia war seine Reaktion nicht entgangen. Rasch fügte sie hinzu: »Ist Ihnen dieser Name bekannt?«

    »Ja, er ist mir bekannt«, entgegnete der Highwayman gepreßt. »Ihr Vater ist der Marquis von Staverley.«

    »Ja.«

    Einen Augenblick lang schien der Fremde unentschlossen, dann streckte er den Arm aus, und seine Hand umschloß warm die des Mädchens.

    »Hören Sie mir zu, kleine Olivia«, sagte er, und ihr Name floß ihm wie selbstverständlich von den Lippen. »Ich muß Ihnen jetzt etwas sagen, das Sie sehr unglücklich machen wird. Aber Sie müssen tapfer sein und es mit Stärke ertragen!«

    »Bitte, sprechen Sie!« sagte Olivia, während ihre Stimme zu einem kaum vernehmlichen Flüstern herabsank.

    Sie spürte den festen Druck seiner Finger, und es war ihr, als ginge eine starke Kraft von dieser Berührung aus. Sie fühlte sich sicher und geborgen in seiner Nähe. Ein Gefühl der gelassenen Ruhe strömte zu ihr herüber, und sie entdeckte in ihrem Inneren plötzlich einen Mut und eine Entschlossenheit, von der sie nie zuvor etwas gewußt hatte.

    »Ihr Bruder ist gestern mit einigen anderen Männern auf dem Charing Cross hingerichtet worden.« Die Stimme des Mannes klang ruhig, und doch konnte er die innere Erregung, die ihn ergriffen hatte, nicht ganz verbergen, als er fortfuhr: »Er starb mit einem Lächeln auf den Lippen, furchtlos und ungebrochen. Als man ihm die Schlinge um den Hals legte, rief er mit fester Stimme: »Gott segne King Charles! Lang möge er über England herrschen, nachdem der Tyrann den verdienten Tod gefunden hat!««

    Olivia ließ einen unterdrückten Schrei hören. Dann barg sie den Kopf an der Brust des Fremden, umschlang ihn mit den Armen und brach in ein herzzerreißendes Schluchzen aus. Sanft strich der Mann über das blonde Haar und legte schützend seinen Arm um die schmalen zuckenden Schultern.

    Wie lange sie in dieser Haltung verharrten, wußte Olivia nicht. Nur langsam versiegte ihr Tränenstrom, und sie spürte, daß der Fremde ihr mit einem seidenen Tuch über die feuchten Wangen fuhr.

    »Wenn Richard noch mit Ihnen reden könnte, würde er von Ihnen verlangen, stark zu sein und auf der Stelle zu Ihrem Vater zurückzukehren, der Sie in diesem Moment nötiger braucht als je zuvor.«

    »Aber wie kann ich das tun?« fragte Olivia, deren Worte immer wieder von Schluchzen unterbrochen wurden.

    »Ich werde das für Sie erledigen. Ich spreche mit dem Mann, der Sie mit Lügen und falschen Versprechungen zur Ehe gezwungen hat«, sagte der Fremde. »Warten Sie hier, bis ich wieder bei Ihnen bin. »

    Immer noch lag sein Arm um ihre Schultern. Mit einem ermutigenden Lächeln schaute er auf sie nieder. Als er den Arm schließlich sinken ließ und sich zum Gehen wandte, hielten ihre Hände ihn fest.

    »Was haben Sie vor?« fragte Olivia mit Furcht in der Stimme.

    Der Fremde hob ihre Fingerspitzen an seine Lippen.

    »Seien Sie unbesorgt«, sagte er. »Wenn ich zurück bin, wird er Ihrer Heimreise nach Staverley keine Hindernisse mehr in den Weg legen.«

    Sie vertraute ihm. Ohne weitere Fragen zu stellen, zeigte sie sich mit seinem Vorschlag einverstanden. Doch während er sich mit klirrenden Sporen entfernte, fragte sie sich, was sie anfangen sollte, wenn er aus ihrem Leben genauso plötzlich verschwinden würde, wie er aufgetaucht war. Was wäre, wenn er davonritt und sie allein mit Christian Drysdale, ihrem Gatten, zurückließ.

    Ein Gefühl der Ohnmacht beschlich Olivia. Sie hatte den Rundkopf auf Grund seines Versprechens geheiratet, daß er Richard aus der Haft befreite. Dabei mußte er längst gewußt haben, daß Richard zum Tode verurteilt war und niemand, mochte er auch noch so mächtig und einflußreich sein, die Begnadigung ihres Bruders erwirken konnte.

    Plötzlich wurde ihr bewußt, daß schon die ganze Zeit über die Ahnung eines drohenden Unheils in ihr geschlummert hatte. Eigentlich schon von der Stunde an, in der Richard ihr zum ersten Mal von seinem mutigen Vorhaben

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