Niemals darf es zu spät sein: Karin Bucha Classic 51 – Liebesroman
Von Karin Bucha
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Über dieses E-Book
Karin Bucha Classic ist eine spannende, einfühlsame geschilderte Liebesromanserie, die in dieser Art ihresgleichen sucht.
Rudolf Hermann hat noch nie einen Chauffeur benötigt. Auch jetzt steuert er den schweren Wagen durch die Toreinfahrt, hält vor dem langgestreckten Gebäude, in dem seine Geschäftsräume untergebracht sind, und ehe er aussteigt, verharrt er eine Weile regungslos hinter dem Lenkrad. Der Mann, der immer in Bewegung ist, von dem man nur rastloses Schaffen gewohnt ist, sitzt zusammengeduckt hinter der Windschutzscheibe und starrt aus brennenden, todernsten Augen ins Leere. Eine grenzenlose Gleichgültigkeit ist über ihn gekommen, und nur der eine Wunsch beherrscht ihn, einmal die Augen zu schließen, nichts denken zu müssen und ruhen – ruhen. Aber da sind Gedanken wie tausend Ameisen, die sein Gehirn durchwühlen. Immer wieder laufen sie auf das eine zu: Ich bin erledigt! Ich bin restlos fertig! Alles Schaffen, das aufreibende Schuften war umsonst. Es ist zu Ende mit mir. Er schließt die Augen. Jetzt müßte ein Mensch neben ihm stehen, der ihm sanft über die heiße Stirn streift. Kühle, wohltuende Hände müßten da sein. Ein weicher Mund müßte gute, sanfte Worte zu ihm sagen und ihm bestätigen, daß er nichts versäumt hat, daß er schuldlos ist an diesem geschäftlichen Zusammenbruch. Ja – und dieser Mensch mußte Stefanie, seine Frau, sein, die er doch als blutjunger, unerfahrener Mensch geheiratet hat, weil er sie sinnlos liebte. Nur für sie und für die rasch aufeinander folgenden Kinder hat er geschuftet. Ihnen hat er ein sorgloses Leben bieten wollen. Alles, was er einst als Sohn eines Maurerpoliers entbehren mußte, hat er seiner Frau und den Kindern geschaffen. Er hat schweigend zugesehen, wie sie das Geld sinnlos zum Fenster hinauswarfen, weil er spürte, daß sie nur dann glücklich waren. Und er hat in dieser seltsamen Ehe das Lachen immer mehr verlernt. Langsam steigt er die Stufen zum Eingang empor, geht den langen Korridor und an den Glastüren vorüber.
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Niemals darf es zu spät sein - Karin Bucha
Karin Bucha Classic
– 51 –
Niemals darf es zu spät sein
Karin Bucha
Rudolf Hermann hat noch nie einen Chauffeur benötigt. Auch jetzt steuert er den schweren Wagen durch die Toreinfahrt, hält vor dem langgestreckten Gebäude, in dem seine Geschäftsräume untergebracht sind, und ehe er aussteigt, verharrt er eine Weile regungslos hinter dem Lenkrad.
Der Mann, der immer in Bewegung ist, von dem man nur rastloses Schaffen gewohnt ist, sitzt zusammengeduckt hinter der Windschutzscheibe und starrt aus brennenden, todernsten Augen ins Leere. Eine grenzenlose Gleichgültigkeit ist über ihn gekommen, und nur der eine Wunsch beherrscht ihn, einmal die Augen zu schließen, nichts denken zu müssen und ruhen – ruhen.
Aber da sind Gedanken wie tausend Ameisen, die sein Gehirn durchwühlen. Immer wieder laufen sie auf das eine zu: Ich bin erledigt! Ich bin restlos fertig! Alles Schaffen, das aufreibende Schuften war umsonst. Es ist zu Ende mit mir.
Er schließt die Augen. Jetzt müßte ein Mensch neben ihm stehen, der ihm sanft über die heiße Stirn streift. Kühle, wohltuende Hände müßten da sein. Ein weicher Mund müßte gute, sanfte Worte zu ihm sagen und ihm bestätigen, daß er nichts versäumt hat, daß er schuldlos ist an diesem geschäftlichen Zusammenbruch.
Ja – und dieser Mensch mußte Stefanie, seine Frau, sein, die er doch als blutjunger, unerfahrener Mensch geheiratet hat, weil er sie sinnlos liebte.
Nur für sie und für die rasch aufeinander folgenden Kinder hat er geschuftet. Ihnen hat er ein sorgloses Leben bieten wollen. Alles, was er einst als Sohn eines Maurerpoliers entbehren mußte, hat er seiner Frau und den Kindern geschaffen. Er hat schweigend zugesehen, wie sie das Geld sinnlos zum Fenster hinauswarfen, weil er spürte, daß sie nur dann glücklich waren. Und er hat in dieser seltsamen Ehe das Lachen immer mehr verlernt.
Langsam steigt er die Stufen zum Eingang empor, geht den langen Korridor und an den Glastüren vorüber. Schemenhaft sieht er helle und dunkle Köpfe über Schreibmaschinen und Schreibtisch gebeugt. Sonst hat er freundlich hier und da gegrüßt. Heute geht er mit zusammengepreßten Lippen und todernsten Augen vorüber, die nichts sehen. Die nichts sehen wollen.
Grußlos durchquert er das Zimmer seiner Sekretärin und verschwindet in seinem Zimmer. Stöhnend, noch im leichten Sommermantel, läßt er sich am Schreibtisch nieder. Seine Hand zuckt vorwärts und bleibt zögernd in der Luft hängen.
Sekunden vergehen, dann drückt er einen der Knöpfe, und wenig später klopft es an seine Tür.
Emil Weber, sein Prokurist und Freund, tritt ein. Er ist zehn Jahre älter als Hermann. Sie waren als junge Menschen zusammen bei einer Firma. Hermann als Maurer und Weber als junger Angestellter. Als er dann von Stefanies Geld das Bauunternehmen gründete, holte er ihn in sein junges Unternehmen und hat es nie zu bereuen brauchen.
»Nun?« Lautlos tritt Emil Weber näher. Er trägt ein Bündel Akten unter dem Arm und betrachtet das mutlose Gesicht seines Chefs und Freundes besorgt. »Hat es geklappt?«
Hermann macht eine leichte Handbewegung, dann birgt er stöhnend das Gesicht in den Händen. Emil Weber weiß alles. Ihm ist ganz elend zumute. Er spürt einen Schmerz in sich wie damals, als ihn die gute, geliebte Frau für immer verließ. Ganz schnell, aus einem stillen, aber großen Glück hat der Tod sie herausgerissen. Seither hat er sich dem Unternehmen mit Haut und Haaren verschrieben.
»Es ist aus«, reißt Hermanns rauhe Stimme ihn aus seinen schmerzlichen Gedanken. »Alles vorbei. Wir müssen das Objekt weitergeben und werden alles Geld bis auf einen winzigen Rest verlieren.«
Weber tritt näher an den Schreibtisch heran. Seine Hand ruht auf der Schulter Hermanns. Wenn sie unter sich sind, sagen sie »du« zueinander.
»Wir werden mit dem Rest, und sei er noch so klein, von vorn beginnen«, tröstet er begütigend.
Hermann fährt herum. Er starrt den Freund und Vertrauten an. Dann lacht er bitter auf.
»Auf den Rest wartet bereits meine Frau. Sie braucht das Geld. Sie kann und will nicht verzichten, wie sie sagt.« Er stöhnt abermals auf. »Ich bin ein entsetzlicher Feigling. Ich kann es ihr nicht sagen, daß sie mir damit die letzte, die allerletzte Chance nimmt, das Unternehmen zu retten.«
»Dann werde ich es ihr sagen!« Durch die hagere Gestalt Webers geht es wie ein Ruck. »Du warst bisher viel zu gutmütig deiner Familie gegenüber.«
»Ich weiß es ja, Emil«, unterbricht Hermann ihn verzweifelt. »Ich brachte es niemals übers Herz, ihnen nur einen Wunsch abzuschlagen. Ich bin ja an allem schuld.«
»Natürlich bist du schuld«, sagt Weber bitter. »Du hast gearbeitet wie ein Pferd, du hast nur an das Wohl und Wehe deiner Frau, deiner Kinder gedacht. Du hast nicht einmal Dankbarkeit gefordert. Es war eine Selbstverständlichkeit für dich, bescheiden zu leben, während die anderen, ach…« Er macht eine ziellose Bewegung mit der Hand durch die Luft. »Und nun quälst du dich noch mit den Gedanken herum, alles verschuldet zu haben. Sprich noch einmal mit deiner Frau. Sie wird es einsehen und dir helfen. Menschenskind, man kann doch eine Firma, die nahezu fünfundzwanzig Jahre besteht, nicht einfach vor die Hunde gehen lassen, Rudolf! So viel Vernunft muß doch wohl deine Frau haben.«
Hermann wirft einen schmerzlichen Blick zu Weber auf. Lieber, guter Freund, sinnt er hinter dessen Worten her. Was weißt du von meiner Frau? Etwas wohl – aber nicht alles. Was weißt du von dem aufreibenden Leben, das ich an Stefanies Seite geführt habe. Du hast sie erkannt, aber nur zu einem kleinen Teil. Du kennst nicht ihre Habgier und den Götzen Geld, dem allein sie huldigt.
Langsam erhebt er sich, löst den Gürtel seines Mantels und wirft ihn über den nächsten Sessel.
»Es ist sinnlos, mit Stefanie zu reden«, sagt er kurz und entschlossen. »Laß uns noch einmal rechnen. Vielleicht langt es nicht einmal, um Stefanie das zurückzugeben, was sie mit in die Ehe gebracht hat.«
Hermann geht zum Fenster hinüber. Er schweigt, und Weber wagt ihn nicht in seinen Gedanken zu stören.
»Rudolf«, sagt er mit aller Wärme, »was auch kommen mag, auf mich kannst du jederzeit rechnen. Ich bin dein Freund. Wir werden das Kommende gemeinsam tragen.«
Hermann schluckt, dann dreht er sich um. Er blickt dem Freund stumm in die Augen.
»Danke«, würgt er hervor, und sich fangend setzt er hinzu: »Laß uns noch einmal die Bücher durchgehen.«
*
Die Räume der Angestellten liegen in Dunkelheit. Nur in Rudolf Hermanns Zimmer brennt bis tief in die Nacht hinein das Licht. Sie sind beide todmüde und haben Schatten unter den Augen. Vielleicht kommt es auch von der entsetzlichen Gewißheit. Hermann wird gerade noch das Geld für seine Frau aufbringen können. Er ist arm, bettelarm.
Als der Fernsprecher anschlägt, zucken sie beide zusammen. Emil Weber nimmt den Hörer ab und meldet sich. Er wird noch einen Schein bleicher und wirft einen scheuen Blick auf Hermann, der, den Kopf in der Hand gestützt, Zahlen auf das Papier malt.
»Du wirst verlangt, Rudolf«, sagt er endlich.
»Stefanie?« flüstert Hermann.
»Nein«, preßt Weber hervor, »das Städtische Krankenhaus – es ist – du sollst –«
Hermann nimmt dem völlig verstörten Mann den Hörer aus der Hand und meldet sich. Eine Frauenstimme, kühl und unpersönlich, spricht zu ihm.
Ein Schauer überläuft ihn. Sein Mund öffnet sich und zittert hilflos, dann hängt er langsam an.
»Lothar«, stößt er hervor, »verunglückt – es steht schlimm um ihn. Man erwartet – mich.«
Wortlos geht Emil Weber zu dem Sessel, wo immer noch Hermanns Mantel liegt, und trägt ihn herbei. »Ich begleite dich selbstverständlich«, sagt er.
Wenig später verlassen sie das Büro und fahren durch die Nacht. Schweigen herrscht zwischen ihnen. Manchmal kommt ein Laut wie tiefes Stöhnen aus Rudolf Hermanns Brust, dann wieder ist nichts als das Summen des Motors zu hören.
Nie wird Rudolf Hermann diese Fahrt zum Krankenhaus vergessen. Zu den sonstigen Vorwürfen, die er sich macht, kommt noch die Erkenntnis: Ich habe mich zu wenig um meine Kinder gekümmert! Ich habe sie völlig dem Einfluß ihrer Mutter überlassen. Es mußte ja einmal mit Lothar so kommen. Von einer Party zur anderen, berauscht und in toller Fahrt dann heimwärts. Was hat er auf seine Vorhaltungen zur Antwort bekommen? Nur ein gleichgültiges Achselzucken. »Das verstehst du nicht, Vater«, war der immer wiederkehrende Reim.
Und nun liegt sein Ältester schwerverletzt im Krankenhaus. Wieder dieses tiefe, qualvolle Stöhnen. Sacht legt Emil Weber seine Hand auf die Hermanns, die das Steuerrad führt, trotz aller Verzweiflung ruhig und sicher.
»Noch lebt Lothar, und wo Leben ist, ist auch Hoffnung«, raunt er leise.
Im Krankenhaus ist man auf Hermanns Besuch schon vorbereitet. Eine Schwester geleitet sie über einen schwach erhellten Korridor, an hohen weißen Türen vorbei.
Der Gang macht eine Biegung. Schon von weitem hört er unbeherrschtes Weinen. Er kennt dieses Weinen, das sich von Minute zu Minute steigern kann. Es ist ein hysterisches Weinen, das auf die Nerven wirkt.
»Stefanie!« Er legt seine Hand auf die Schulter der Frau, die auf der weißen Bank hockt. Ein Kopf ruckt empor. Die Tränen haben eine verheerende Wirkung auf diesem Frauengesicht angerichtet. Tusche und Schminke haben sich gelöst und das Gesicht verschmiert.
Die Augen sind dick verquollen. Als sie den Gatten erkennt, fährt sie mit einem schrillen Schrei empor.
»Psst!« mahnt die Schwester. Sie schüttelt leise den Kopf. Selten hat sie eine so unbeherrschte Frau und Mutter an einem Krankenbett erlebt.
»Sie lassen mich nicht zu ihm, Rudolf. Nimm mich mit, ich werde sonst verrückt. Ich bin die Mutter, ich gehöre an die Seite meines Sohnes.«
Ratlos sieht Rudolf Hermann sich nach dem abseits stehenden Arzt um, der wohl auf ihn gewartet hat. Er tritt etwas heran.
»Es tut mir leid, gnädige Frau«, sagt er bestimmt. »In diesem Zustand kann ich Sie nicht zu dem Kranken lassen. Es sei denn, Sie verhalten sich äußerst ruhig.«
»Ja, ja, alles was Sie wollen, tue ich«, stammelt die Frau und klammert sich an den Gatten.
Gemeinsam betreten sie das schmale, stille Zimmer. Seit Jahren erstmals wieder Seite an Seite, aber es schwingt nichts zwischen ihnen, keine Wärme, keine Liebe. Im Augenblick verbindet sie nur die gemeinsame Sorge um den Sohn.
Rudolf Hermann stutzt, als er das wächserne, von Verbänden umhüllte Gesicht seines Sohnes in den Kissen gewahrt. Eine Schwester erhebt sich und tritt bescheiden seitwärts.
Stefanie Hermann will wieder in lautes Weinen ausbrechen. Da fühlt sie die Hand des Gatten auf ihrem Mund.
»Sei still«, herrscht er sie an, mit rauher, ihm selbst fremd vorkommender Stimme. Da sinkt sie auf den Stuhl und jammert. »Mir wird schlecht, Rudolf.«
Im Nu ist die Schwester neben ihr, nimmt ihren Arm und führt die Wankende hinaus.
Rudolf Hermann ist mit seinem Sohn allein. Lieber Gott, laß ihn nicht sterben! geht es ihm unaufhörlich durch den Kopf. Seine Hand tastet sich vor, legt sich behutsam auf den Arm, das einzige unverletzte Glied, das nicht in Gips liegt und bandagiert ist.
»Lothar, mein Junge!« flüstert er. Die breiten Schultern des einsamen Mannes zucken. Wie sehr er ihn liebt, seinen Ältesten. Jetzt erst kommt ihm das richtig zum Bewußtsein, jetzt, da der Todesengel um das Bett schleicht und die Hände nach dem jungen, blühenden Leben ausstreckt.
Verzeih mir, Lothar, ich war ein Schwächling. Ich habe dich und auch deine Geschwister deiner Mutter überlassen. Sie hat euch zu dem gemacht, was ihr geworden seid.
Schlag noch einmal die Augen auf, Lothar. Sag mir, daß ich nicht alles falsch gemacht habe. Wenn du willst und wenn du mir erhalten bleibst,
