Frau Regine und ihre Kinder: Karin Bucha Classic 13 – Liebesroman
Von Karin Bucha
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Karin Bucha Classic ist eine spannende, einfühlsame geschilderte Liebesromanserie, die in dieser Art ihresgleichen sucht.
Frühlingssonne stand über dem Industriestädtchen Mattstädt. Im »Modesalon Berghaus« war ein ewiges Kommen und Gehen. Frau Lydia Berghaus' wasserblaue Augen, die gutmütig aus ihren Fettpolstern herausschauten, glänzten vor Befriedigung. Oh – die Mattstädter wußten, was sie dem Frühling schuldig waren. Die vorgeführten Modelle häuften sich zu Bergen, und die jungen Verkäuferinnen machten einen abgehetzten Eindruck. Nur Frau Berghaus verlor ihr Dauerlächeln nicht. Bis Lilo Riedel in Begleitung eines sehr hochgewachsenen, breitschultrigen Mannes erschien und alles erneut kopflos zu werden drohte. Frau Lydia Berghaus' Äuglein wollten fast aus den Fettpolstern treten, weil sie nirgends Hilfe für ihre beste Kundin sehen konnte. »Mein Gott, Lilo Riedel –«, flüsterte sie. Sie rauschte, trotz ihres Umfanges, flink davon. In der geräumigen Schneiderstube saß ein junges Mädchen, das sich fast andächtig über die Arbeit neigte. »Fräulein Regine!« Lydia Berghaus schnappte erst noch einmal nach Luft. Eine solche Hetzerei war doch nichts mehr für ihr Alter. »Sie müssen mir helfen!« Regine Baumgarten hob das feine Antlitz zu Lydia Berghaus auf. Ihre Blauaugen sahen fast furchtsam zu der resoluten Dame empor. Regine fürchtete nichts mehr als den Lärm und den Betrieb, der in den Verkaufsräumen herrschte.
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Frau Regine und ihre Kinder - Karin Bucha
Karin Bucha Classic
– 13 –
Frau Regine und ihre Kinder
Karin Bucha
Frühlingssonne stand über dem Industriestädtchen Mattstädt.
Im »Modesalon Berghaus« war ein ewiges Kommen und Gehen.
Frau Lydia Berghaus’ wasserblaue Augen, die gutmütig aus ihren Fettpolstern herausschauten, glänzten vor Befriedigung. Oh – die Mattstädter wußten, was sie dem Frühling schuldig waren.
Die vorgeführten Modelle häuften sich zu Bergen, und die jungen Verkäuferinnen machten einen abgehetzten Eindruck. Nur Frau Berghaus verlor ihr Dauerlächeln nicht.
Bis Lilo Riedel in Begleitung eines sehr hochgewachsenen, breitschultrigen Mannes erschien und alles erneut kopflos zu werden drohte.
Frau Lydia Berghaus’ Äuglein wollten fast aus den Fettpolstern treten, weil sie nirgends Hilfe für ihre beste Kundin sehen konnte.
»Mein Gott, Lilo Riedel –«, flüsterte sie.
Sie rauschte, trotz ihres Umfanges, flink davon. In der geräumigen Schneiderstube saß ein junges Mädchen, das sich fast andächtig über die Arbeit neigte.
»Fräulein Regine!« Lydia Berghaus schnappte erst noch einmal nach Luft. Eine solche Hetzerei war doch nichts mehr für ihr Alter. »Sie müssen mir helfen!«
Regine Baumgarten hob das feine Antlitz zu Lydia Berghaus auf. Ihre Blauaugen sahen fast furchtsam zu der resoluten Dame empor. Regine fürchtete nichts mehr als den Lärm und den Betrieb, der in den Verkaufsräumen herrschte. Und diese Furcht lag in den wunderschönen Augen des Mädchens.
»Vorn ist die Hölle los, Fräulein Regine. Sie müssen helfen, unsere schönsten Modelle vorzuführen.«
»Ich?« Das Wörtchen sprach Bände.
Frau Lydia nickte heftig mit dem Kopf.
»Sie brauchen sie nicht anzuziehen, nur vorlegen sollen Sie, Regine. Nicht wahr, Sie lassen mich nicht im Stich?« Dabei glitt ihr Blick über die zarte, ebenmäßige Gestalt Regine Baumgartens, die sich langsam erhoben hatte.
Mit gesenktem Kopf ging sie den Verkaufsräumen zu, verfolgt von den neidischen Blicken des kleinen Lehrmädchens Irmgard.
Na, ihr sollte einer kommen, sie würde sich keine Minute sträuben. Elegante Kleider vorführen war nämlich der Traum Irmgard Meiers. Als die Luft rein war, nahm sie eins der kostbaren Gebilde an sich, stelzte auf ihren mageren Beinen durch den Raum und kam sich bildschön vor.
*
Als Volkmar Tankred die Tür des kleinen Sitzungssaales schloß, schwirrten in seinem Kopf noch die Reden, die man anläßlich seiner Ernennung zum Chefingenieur gehalten hatte, durcheinander.
Langsam suchte er sein Arbeitszimmer auf, das er mit drei Kollegen teilte, und begann aufzuräumen.
Morgen schon nahm er den Arbeitsplatz des verstorbenen Doktor Steiner ein. Gleich neben dem Zimmer Arthur Riedels, seines verehrten Chefs, würde er fortan schaffen.
Was würde Regine, sein Lieb, dazu sagen? Sie mußte es wissen, unbedingt heute noch.
Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr: fünf Uhr vorbei. Um sechs Uhr machte Regine Schluß. Wenn er rasch heimfuhr, sich schnell umzog, konnte er Regine pünktlich bei Lydia Berghaus abholen.
Er schlüpfte in den leichten Sommermantel und verließ das Zimmer.
An der Treppe stieß er auf die Tochter seines Chefs. Lächelnd streckte sie ihm die Rechte entgegen.
»Grüß Gott, Herr Chefingenieur!«
»Sie wissen?« staunte er.
»Natürlich«, lachte sie unbefangen. »Papa hat es mir längst verraten.«
»Gewiß, wie konnte ich nur vergessen«, sagte Volkmar Tankred verlegen und ärgerte sich zugleich über diese Verlegenheit, die immer über ihn kam, sobald er mit Lilo Riedel sprach. Kam sie daher, weil er sie nicht besonders gern mochte und ihr nur den nötigen Respekt entgegenbrachte? Oder lag es daran, daß sie allzu deutlich merken ließ, daß sie an seiner Person mehr Interesse nahm, als ihm lieb war?
Wie selbstverständlich schritt Lilo Riedel an seiner Seite dem Ausgang zu und blieb auch neben ihm, als er den Garagen zuging, wo sein kleiner Sportwagen untergebracht war.
»Würden Sie mir einen Gefallen tun?« fragte sie unvermittelt.
»Gern, wenn es in meiner Macht steht«, antwortete er höflich.
»Nehmen Sie mich mit in die Stadt? Ich habe einige Besorgungen zu erledigen.«
»Selbstverständlich stehe ich Ihnen zur Verfügung.«
»Schön, dann fahren Sie bitte bei Lydia Berghaus vorbei«, sagte sie und sah ihm dabei ins Gesicht.
Mit einem langen Blick maß er sie.
»Sie kennen doch den ›Modesalon Berghaus‹, nicht wahr?« fragte sie harmlos.
Ach, es war besser, man ärgerte sich nicht über Lilo Riedel, dachte Volkmar. Was konnte sie von ihm und Regine wissen? Er vermochte sogar zu la-chen.
»Und ob«, erwiderte er und nahm hinter dem Steuer Platz. »Bitte!« Er wies neben sich.
Schweigsam fuhren sie der Stadt und dem Markt zu.
Äußerlich ruhig, lehnte Lilo Riedel neben Volkmar, der keinen Blick von der Fahrbahn ließ. Nur hinter ihrer Stirn drängten die Gedanken. Oh, sie wußte schon, was sie im Falle Volkmar Tankred wollte. Weshalb sollte es ihr nicht gelingen, die kleine Näherin aus dem Sattel zu heben?
Sie liebte Volkmar Tankred, und gerade seine kühle Gelassenheit reizte sie immer wieder.
»Wir sind am Ziel.«
Volkmar Tankred fuhr an die Bordkante heran.
Lilo Riedel hatte es durchaus nicht eilig auszusteigen.
»Wenn ich Sie nun bitte, mich zu Lydia Berhaus zu begleiten, sagen Sie sicher nein«, sagte sie und bemühte sich, recht unschuldig auszusehen.
Volkmar Tankred sah starr geradeaus. Das war wie eine Herausforderung. Nichts merken lassen, daß man ihre Absicht durchschaut hatte.
Er stieg aus, ging um den Wagen herum und öffnete den Schlag.
»Falsch geraten, gnädiges Fräulein, ich begleite Sie«, sagte er, und Lilo frohlockte.
*
Während Regine Baumgarten neben Lydia Berghaus dem Verkaufsraum zustrebte, schwatzte Frau Berghaus mitteilsam:
»Sie müssen nämlich wissen, Regine, daß Lilo Riedel soeben mit ihrem Verlobten gekommen ist. Es liegt mir viel daran, diese anspruchsvolle Kundin zur Zufriedenheit bedient zu wissen.«
»Ich gebe mir Mühe«, sagte Regine höflich, aber innerlich unbeteiligt. Was ging sie Lilo Riedel und ihr Verlobter an?
Lydia Berghaus öffnete die Tür zu Kabine zehn.
»So, gnädiges Fräulein, nun stehe ich Ihnen zur Verfügung«, sagte sie zu dem Mädchen, das in einem Sessel saß und ihr und Regine groß entgegenblickte.
Regine sah nur den Mann, der lässig, ein belustigtes Lächeln um den Mund, am Fenster lehnte. Sie fühlte, wie ihr alles Blut zu Herzen drängte. Volkmar Tankred war Lilos Verlobter?
Automatisch setzte sie die Füße. Lilo Riedels helles: »Wie interessant!« verhallte ungehört an ihrem Ohr.
Da traf sie ein aufmunternder Blick aus Volkmars grauen Augen, daß sie langsam wieder ruhig wurde.
Da ist die gute Lady Berghaus in ihrer Vermutung wieder einmal zu weit gegangen, dachte sie; aber die Angst wich doch nicht ganz. Sie saß in ihren Augen, als sie grüßend den schönen Kopf senkte.
Volkmar, ahnungslos, welche Rolle man ihm zugesprochen hatte, reichte Regine herzlich die Hand.
»Grüß Gott, Regine!«
Regines Gesicht bekam wieder Farbe. Leise antwortete sie:
»Grüß Gott, Volkmar.« Dann wandte sie sich hastig ab. Es war ihr unerträglich, vor den spöttisch funkelnden Augen mit Volkmar reden zu müs-
sen.
Lydia Berghaus war überrascht.
»Sie kennen sich?«
Wieder lachte Volkmar auf.
»Gewiß kennen wir uns.« Dabei blinzelte er Regine vergnügt zu, daß sich ein zaghaftes Lächeln über ihr Gesicht stahl. Sie begegnete nun auch der Situation mit Humor.
Lilo Riedel sah gelangweilt von Regine zu Volkmar. Da hatte sie ja eine riesengroße Dummheit begangen. Wie hatte sie nur glauben können, daß ein Volkmar Tankred seine Bekanntschaft mit Regine verleugnen würde.
Ihr war alle Lust am Einkauf vergangen; jäh erhob sie sich.
»Mir fällt eben ein, daß ich dringend erwartet werde. Bitte, schicken Sie mir in den nächsten Tagen Fräulein Baumgarten mit den bestellten Kostümen. Falls noch was zu ändern ist, könnte es gleich an Ort und Stelle gemacht werden.«
Lydia Berghaus sah verblüfft drein und stotterte, diesen Umschwung nicht begreifend.
»Ganz wie Sie wünschen, gnädiges Fräulein. Ich hätte aber ein paar ganz entzückende…«
»Danke, heute nicht«, schnitt Lilo ihr die Rede ab. »Ich habe wirklich keine Zeit.«
Volkmar Tankreds Lächeln vertiefte sich. Aha, daher wehte der Wind. Nun, er war es zufrieden. Er wollte heim und dann Regine abholen.
Im Vorbeigehen haschte er nach Regines Hand.
»Ich bin spätestens halb sieben wieder da. Wir fahren ein Stückchen ins Freie.«
Regine nickte und lächelte selig hinter Volkmar her, der Lilo Riedel rasch folgen mußte. Lydia Berghaus fiel entsetzt in den Sessel.
»Haben Sie das begriffen?«
»Ja«, sagte Regine und lächelte weiter. Sie hatte gut begriffen.
»So was Verrücktes! Das mußte sie doch vorher wissen, daß sie keine Zeit hat. Na, der Mann hat auch mal nichts zu lachen bei dieser launenhaften Frau«, erboste Lydia Berghaus sich.
An der Tür wandte sie sich nochmals an Regine:
»In den sauren Apfel müssen Sie aber beißen, Fräulein Regine. Die Sachen müssen Sie schon zu Fräulein Riedel tragen.«
Zustimmend neigte Regine den Kopf. »Sagen Sie mir Bescheid, wenn es soweit ist.«
Erfreut war sie aber nicht. Sie konnte die hochmütige Art des Mädchens nicht vertragen.
Volkmars Worte hatten sie aber in eine so glückliche Stimmung gebracht, daß sie alles Unangenehme weit von sich schob – und was mit Lilo Riedel zusammenhing, war ihr nun einmal unangenehm.
»Schönen Dank, Regine. Sie können wieder an Ihre Arbeit gehen.«
Regine dachte nur an Volkmars Worte; heimlich zählte sie die Minuten bis zum Geschäftsschluß.
Pünktlich um halb sieben hielt Volkmars hellgrauer Wagen wieder unweit des »Modesalons Berghaus«.
Endlich sah er Regine aus dem Haus treten.
Sie lächelte mit Mund und Augen.
»Tag, Liebling, bitte einsteigen, ich fiebere danach, ins Freie zu kommen!« rief er ihr unternehmungslustig zu und hielt die Tür offen.
Als sie die Häuser hinter sich hatten, verlangsamte Volkmar das Tempo und hielt.
Er nahm Regine in seine Arme und küßte sie.
»So, Liebes, das war die Begrüßung. Sind die Augen wieder blank?«
Er sah ihr tief in die klaren Blauaugen, die einen reizenden Kontrast zu dem dunklen Haar bildeten. »Hast einen schönen Schreck gehabt, als ich mit Lilo Riedel angerückt kam,
stimmt’s?«
Regine nickte, und ihre Augen feuchteten sich. Hastig sagte sie:
»Jetzt nicht mehr, Volkmar. Ich glaube an dich und an deine Liebe. Bloß das dumme Gerede…« Sie verstummte jäh, aber Volkmar gab sich nicht mit Andeutungen zufrieden.
»Was für Reden?« drängte er.
»Ach, Volkmar, Lydia Berghaus hielt dich für Lilo Riedels Verlobten.«
Volkmar Tankreds Lachen war ihr Antwort genug.
»Zuviel Ehre, mein Kind. Jetzt bin ich also schon Arthur Riedels Schwiegersohn geworden? Gar nicht übel.« Er blinzelte sie an.
»Volkmar, damit darfst du keinen Scherz treiben«, sagte Regine leise und wandte sich ab.
»Das ist doch Unsinn!« sagte er ärgerlich und setzte den Wagen wieder in Gang. »Mich lockt kein Geld.«
Regine glaubte ihm bedingungslos und schaute wieder fröhlich drein.
In einer netten Gartenwirtschaft stiegen sie aus und nahmen bei einem blühenden Fliederbusch Platz.
Eine leichte Brise wehte vom See herüber. Die letzten Sonnenstrahlen brachen sich in den Wellen.
»Gott, ist die Welt schön!« sagte Volkmar übermütig und suchte über den Tisch hinweg Regines Hand, die er sanft an seine Lippen führte.
Und nun erzählte er ihr von seiner Ernennung zum Chefingenieur, und Regine strahlte dabei das Glück aus den Augen.
Seine Freude war auch ihre Freude.
Lebhaft sprach er weiter:
»Morgen trete ich eine Geschäftsreise an, Regine. Es ist ein weiteres Zeichen des Vertrauens meines Chefs. Ich schreibe dir, wann ich zurückkomme.«
Ruhig lag ihre Hand in der seinen. Warum kam wieder die dumme Angst? Solange sie bei Volkmar war, gelang es
