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Angst in Nastätten
Angst in Nastätten
Angst in Nastätten
eBook274 Seiten3 StundenBlaues-Ländchen-Krimis

Angst in Nastätten

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Über dieses E-Book

Kommissar Reiner Nickich bekommt einen Drohbrief und hält das Ganze für einen schlechten Scherz. Seine Kollegin Jennifer nimmt die Drohung jedoch ernst und beginnt zu ermitteln.

Wie nicht anders zu erwarten war, mischen sich auch dieses Mal wieder die Hobby-Detektive Undine und Lene in den Fall ein. Als weitere Briefe auftauchen und ein stadtbekannter Mann verschwindet, glauben immer mehr Menschen an eine wirkliche Bedrohung.

Treibt hier nur ein Witzbold sein Unwesen oder gibt es einen echten Fall? Reiner ist hin und her gerissen …
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum14. Apr. 2019
ISBN9783748590668
Angst in Nastätten

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    Buchvorschau

    Angst in Nastätten - Ute Dombrowski

    1

    Angst

    in Nastätten

    Der zweite Fall

    Ute Dombrowski

    Die Personen und die Handlung des Buches sind frei erfunden.

    Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

    1. Auflage 2019

    Copyright © 2019 Ute Dombrowski

    Umschlag: Ute Dombrowski mit www.canva.com

    Lektorat/Korrektorat: Julia Dillenberger-Ochs

    Satz: Ute Dombrowski

    Verlag: Ute Dombrowski Niedertiefenbach

    Druck: epubli

    Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Autors und Selbstverlegers unzulässig.

    Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

    „Können wir jetzt endlich essen gehen?"

    „Ja, wir können."

    Nach zwei Wochen Papierkrieg war der Fall nun endgültig abgeschlossen und Undine war zum Kommissar ins Büro gegangen, nachdem sie eine Keramikschale bei einer Kundin in Sankt Goarshausen abgeliefert hatte. Im Flur war sie auf Jennifer getroffen, die gerade Feierabend gemacht hatte und auf dem Heimweg war. Die junge Kommissarin hatte sie zum Büro begleitet und durch die Tür geschoben. Wie beim letzten Mal saß Undine jetzt im Schreibtischstuhl und drehte sich, während Reiner aufräumte.

    „Fahren wir an den Rhein oder nach Limburg?"

    Undine hatte aufgehört sich zu drehen und sah den Kommissar ernst an. Reiner lehnte sich gegen den Türrahmen.

    „Wenn ich es mir genau überlege, dann möchte ich eigentlich richtig gut essen. Wie wäre es denn mit dem Bucher Hof? Das ist zwar nicht weit weg, aber auch nicht in Nastätten."

    „Damit kann ich leben. Du bezahlst. Ich bin übrigens Undine."

    „Hast du eine Ahnung, wie wenig ein Kommissar verdient?"

    „Das ist mir egal, ich will dich ja nicht heiraten. Dann auf! Ich sterbe vor Hunger."

    Undine stand auf und lief voraus zu ihrem Auto, wo er ihr galant die Tür aufhielt. Lachend stieg sie ein. Der Kommissar fuhr ihr in seinem eigenen Auto nach Buch hinterher.

    Reiner Nickich hatte den Fall des Toten am Bucher Pfädchen gelöst und zu seiner inneren Genugtuung gehörte auch, dass der Richtige verhaftet wurde und seine gerechte Strafe bekommen würde, nicht nur für den Mord. Die Bekanntschaft mit Undine Nithritz hatte, wie Jennifer immer sagte, etwas holprig begonnen, aber irgendwie war ihm die Frau, die so besonders war, nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Und jetzt hatte sie ihn tatsächlich zum zweiten Mal im Büro aufgesucht und ihn mit ihrem Lächeln entwaffnet.

    „Ich bin Reiner, sagte er und streckte ihr auf dem Parkplatz vor dem Restaurant unbeholfen die Hand hin. „Tut mir leid, ich bin ein bisschen aus der Übung mit Nettigkeiten.

    „Das habe ich längst bemerkt, also trainieren wir das heute Abend. Kein Wort über den Fall, klar?"

    „Ich habe Hunger, können wir reingehen?", fragte Reiner grinsend.

    Er lief hinter Undine her die Treppe hinauf, sprintete dann an ihr vorbei und hielt ihr zum zweiten Mal heute die Tür auf.

    „Danke, Reiner, den Rest kann ich allein. Kein Stuhl ran schieben, keine tausend Fragen, ob mir irgendetwas recht ist oder nicht. Ich muss nämlich zugeben, dass ich auch nicht mehr so viel weiß über Dates. Das ist doch ein Date, oder?"

    „Ja, so sagt man heutzutage dazu, glaube ich."

    Sie setzten sich an einen Tisch in einer gemütlichen Nische, die mehr einem Wohnzimmer ähnelte als einem Gastraum. Man fühlte sich unbeobachtet und hatte trotzdem einen guten Blick auf die übrigen Besucher des Bucher Hofes. Die Bedienung kam, Reiner orderte je eine Flasche Wein und Wasser und dann vertiefte er sich in die Karte. Undine tat es ihm gleich, so musste sie dem Kommissar wenigstens nicht in die Augen schauen. Sie fühlte sich wie ein pubertärer Teenager, der das erste Mal von einem Jungen eingeladen wurde.

    „Wir hätten vielleicht lieber ins Kino gehen sollen, brummte Reiner hinter der Karte. „Da kann man sich besser verstecken.

    „Hm."

    „Weißt du schon, was du isst?"

    „Nein, du?"

    „Ja, ich denke schon. Das Mettwörschtsche vorneweg und als Hauptgericht Jägerschnitzel, das ist was Gutes."

    „Da stimme ich dir zu, sagte Undine und legte die Karte beiseite. „Ich nehme den Lachs und das Roastbeef. Wie lange hattest du denn keine Frau mehr?

    „Lange, sehr lange. Ich bin gerne allein, da muss man niemandem Rechenschaft ablegen, das war nämlich das Problem, das meine Ehe gegen die Wand gefahren hat. Ich musste zu jeder Tages- und Nachtzeit immer genau sagen, wo ich bin und was ich mit wem mache. Leider hält man das in meinem Job nicht so gut aus."

    „Das kann ich verstehen. Ich war auch verheiratet, aber im Leben meines Mannes gab es noch weitere Frauen, das hält man auch nicht aus. Nachdem ich es entdeckt hatte, habe ich ihn vor die Tür gesetzt und lebe von da an so, wie ich es will. Allein. Ich weiß nicht, was mich jetzt geritten hat, dass ich so einen grummeligen Kerl wie dich mag."

    Sie wird tatsächlich rot, dachte Reiner und lächelte. Diese Frau hat einen Platz in meinem Leben verdient, einen kleinen wenigstens.

    „Mal sehen, ich brauche Freiraum und Unabhängigkeit, da müssen wir uns beide Mühe geben, wenn das klappen soll."

    „Wenn was klappen soll?", fragte Undine und kniff die Augen zusammen.

    „Naja, das mit den Dates und so. Ich kann es gar nicht glauben, aber ich finde dich auch ganz passabel."

    Jetzt trat die Kellnerin an ihren Tisch und nahm die Bestellungen auf. Sie zündete die Kerze an, die Reiner an den Rand geschoben hatte. Bis das Essen kam, redete Undine über ihre Töpferwerkstatt und ihre Kurse mit interessanten, kreativen Menschen und Reiner hörte aufmerksam zu.

    „Vielleicht möchtest du auch mal etwas mit deinen Händen machen?", hörte er Undine fragen.

    „Wenn du mir hilfst, gerne. Ich habe beschlossen ein netterer Kerl zu werden."

    Reiner legte eine Hand auf die von Undine, diese zog sie aber schnell wieder weg, denn von der Tür her hörte man die laute Stimme von Günther Betzberger, der die beiden entdeckt hatte und direkt auf ihren Tisch zusteuerte.

    „Na prima", murmelte Reiner und Undine nickte unmerklich.

    „So eine Überraschung! Der Kommissar! Ich habe gehört, der Fall ist gelöst? Meinen Glückwunsch, darauf müssen wir anstoßen. Fräulein, eine Flasche Sekt für unsere kleine Party!"

    Undine seufzte, wusste sie doch, dass der Abend jetzt gelaufen war, denn Günther würde sich nicht abschütteln lassen. Reiner schwieg und dachte sich: Wie konnte ich nur jemals denken, dass mich irgendetwas mit diesem Mann verbindet?

    2

    Jennifer wendete den weißen Briefumschlag in ihren Händen. Er war an Reiner adressiert, aber nicht mit seiner Privatadresse, sondern mit der Adresse des Präsidiums. Die Kommissarin beugte ihre Nase über das Papier und schnupperte vorsichtig daran, aber es war nichts Besonderes zu entdecken. Die Aufschrift war mit einem blauen Kugelschreiber geschrieben worden. Eine Marke klebte nicht darauf, also musste jemand den Brief eigenhändig in den Briefkasten an der Front des Hauses geworfen haben.

    „Ein Liebesbrief scheint es nicht zu sein", murmelte Jennifer und legte den Umschlag auf Reiners Platz.

    Sie hatte einen Bericht fertig getippt und beim Chef abgegeben. Reiner sollte sich nicht damit herumärgern, denn sie hoffte, dass er gestern Abend endlich mit Undine essen war. Bei dem Gedanken an sein Gesicht, das er gemacht haben musste, als Undine in seinem Büro aufgetaucht war, grinste sie.

    „Hoffentlich haben die beiden sich zusammengerauft."

    In dem Moment wurde die Tür schwungvoll aufgerissen und Reiner stürmte in seiner üblich rasanten Art ins Zimmer. Er pfiff vor sich hin und warf seine Jacke auf den Stuhl. Dann lief er an Jennifer vorbei zur Kaffeemaschine und setzte sie in Gang.

    „Einen wunderschönen guten Morgen, Frau Kollegin", schmetterte er ihr entgegen.

    „Den wünsche ich dir auch. War es denn schön?"

    „Du kannst dir nicht vorstellen, wie unser Abend war. Ich führe die Dame in ein schickes Restaurant, wir bestellen gutes Essen und einen edlen Wein. Wir kommen ins Gespräch und Undine gesteht mir, dass sie mich mag, da geht die Tür auf und Günther Betzberger stürmt herein, setzte sich an unseren Tisch, redet den ganzen Abend ununterbrochen über den Fall und das war es dann. Nichts mit Romantik und so. Als er endlich weg war, war auch die Stimmung futsch. Egal, es war trotzdem nett. Was ist das denn?"

    „Trefft ihr euch wieder?"

    „Wir wollen telefonieren."

    „Gut, das ist ein Anfang. Der Brief hat heute Morgen im Postfach gelegen. Kein Absender und er riecht nach nichts."

    „Wie sollte denn ein Brief riechen?"

    „Nach Parfüm zum Beispiel. Heiße Liebesgrüße von Undine oder so."

    „Quatsch."

    Reiner nahm einen Bleistift und öffnete den Umschlag. Ein schmales weißes Blatt Papier kam zum Vorschein. Es war mit derselben Schrift und mit blauem Kugelschreiber eng beschrieben. Der Kom­missar las schweigend, dann reichte er das Blatt kopfschüttelnd über den Tisch.

    „Da hat sich jemand einen Scherz erlaubt."

    Jennifer las laut: „In einem Haus in Nastätten befindet sich eine Überraschung für euch. Merkt euch: In einem Stein, den ihr nicht finden werdet, in einer Mauer, die ihr nicht kennt, in einem Haus, das ihr nicht benennen könnt, befindet sich eine Sprengladung. Wenn sie explodiert, werdet ihr diese Stadt verlassen müssen, denn das, was in der Bombe ist, wird euer Trinkwasser für alle Ewigkeit verseuchen. Wer davon trinkt, wird sterben. Versucht nicht, nach dem Stein zu suchen, denn auch, wenn ihr ihn entdeckt habt, wartet die zweite Überraschung auf euch: In einem weiteren Stein, den ihr nicht finden werdet, in einer Mauer, die ihr nicht kennt, in dem Haus, das ihr nicht benennen könnt, ist ein Sender. Wenn ihr die Bombe aus dessen Reichweite entfernt, wird sie ebenfalls explodieren. Ihr glaubt mir nicht? Dann lasst euch überraschen."

    „So ein Blödsinn. Es ist unfassbar, worauf die Leute kommen, wenn sie Langeweile haben. Schmeiß den Mist weg und dann fangen wir mit unserer Arbeit an. Das Protokoll muss fertiggemacht werden."

    „Das Protokoll liegt schon oben."

    „Oh, vielen Dank."

    „Wir müssen den Brief ernstnehmen."

    „Es ist MEIN Brief und so einen Quark darf man nicht ernstnehmen. Gib her!"

    Reiner nahm den Brief, ohne ihn noch einmal zu lesen und warf ihn in den Papierkorb.

    „Ich lasse mir doch von einem Spinner keine Angst machen. Und jetzt sag mir, was anliegt. Was war denn noch mal mit dem Diebstahl des Bootes am Hafen?"

    „Reiner, du kannst diesen Brief nicht einfach wegwerfen. Wir müssen ihn wenigstens in die Spusi bringen."

    „Papperlapapp, ich fahre jetzt zu dem Bootsbesitzer. Wenn du mitkommen willst, dann los."

    „Ich muss noch auf einen Rückruf wegen der Schlägerei am Bahnhof warten."

    Reiner griff nach seiner Jacke, verabschiedete sich und verließ pfeifend den Raum. Jennifer wartete, bis sie ihn nicht mehr hörte und ging zu seinem Schreibtisch. Sie nahm den Briefumschlag aus dem Papierkorb, strich den Briefbogen mit dem Ärmel glatt, steckte ihn zurück in den Umschlag und versteckte ihn in ihrem Schreibtisch.

    3

    Jasmin saß weinend vor der Remise und zitterte am ganzen Körper. Auf dem Tisch lagen ein weißer Umschlag und ein weißes schmales Blatt, eng beschrieben mit blauem Kugelschreiber. Es war niemand zuhause, nur Zorro hockte neben ihr und sah sie an. Er legte eine Pfote auf ihren Oberschenkel, als wolle er sie trösten.

    Sie streichelte den Hund und sagte: „Du passt auf mich auf, ich weiß. Wo bleibt nur Undine? Sie wollte schon längst wieder hier sein."

    Zorro bellte kurz und legte sich auf Jasmins Füße. Undine war zu einem Töpferkurs in die Schule gefahren. Das war ein neues Projekt und sie hatte sich entschieden, wieder regelmäßig mit den Kindern zu arbeiten. Der Unterricht endete kurz vor vier Uhr, aber jetzt war es schon fast fünf.

    Jasmin, die seit einigen Tagen beim Optiker arbeitete, war eben heimgekommen und hatte die Post durchgesehen. Ein weißer Umschlag mit ihrem Namen, auf dem keine Briefmarke klebte, hatte ihre Aufmerksamkeit geweckt. Wer hatte ihr denn da eine nette Einladung in den Kasten geworfen?

    Nachdem sie den Brief gelesen hatte, war sie weinend auf die Bank gesunken. Da wollte jemand Nastätten, ihre Heimatstadt, ins Verderben stürzen. Aber warum hatte ausgerechnet sie diese Nachricht bekommen? Sie sah noch einmal die Post durch. Nein, Undine hatte keinen solchen Brief erhalten.

    Jasmin war hier aufgewachsen, aber ihre Mutter war bald sehr krank geworden. Ihren Vater hatte sie nie kennengelernt. Vor ein paar Jahren war ihre Mutter, die sie lange gepflegt hatte, an Krebs gestorben.

    Jetzt öffnete sich die Tür und Undine kam mit Lene herein. Sie trugen eine Tüte mit frischen Brötchen vor sich her und waren guter Dinge.

    „Entschuldige, meine Liebe, dass wir so spät sind, wir wollten pünktlich kommen, aber dann haben wir Karla getroffen und uns festgequatscht", sagte Undine.

    Lene setzte fort: „Ach, wenn du wüsstest, wie gut es Karla und Lina geht, nur Julius kann nicht so gut damit umgehen, dass er jetzt keinen Vater mehr hat. Sag mal, was ist denn mit dir los? Hast du geweint? Du zitterst ja!"

    Undine legte die Brötchen auf den Tisch und setzte sich zu Jasmin. Lene nahm gegenüber Platz.

    Undine fragte leise: „Hast du eine schlimme Nachricht erhalten? Ist jemand gestorben?"

    Jasmin schüttelte den Kopf und schob das Blatt Papier über den Tisch. Undine las genau denselben Text vor, den auch Reiner und Jennifer heute Morgen gelesen hatten. Dann ließ sie das Papier sinken und die drei Frauen schwiegen betroffen. Lene öffnete die Brötchentüte, holte eines heraus und biss hinein. Sie aß immer, wenn sie verwirrt war.

    „Und was jetzt?", fragte Jasmin in die Stille.

    Undine nahm den Poststapel und blätterte ihn durch.

    „Für mich ist so ein Brief nicht gekommen."

    „Ich weiß, ich habe schon nachgeschaut. Lene, du musst heimgehen und nachsehen, ob du auch Post hast."

    Lene nickte und lief mit dem Brötchen in der Hand nach Hause. Fünfzehn Minuten später war sie wieder zurück und zitterte nun genauso wie Jasmin.

    „Ich habe auch einen. Warum bekommen wir denn solche Post? Ist irgendwo ein Absender drauf? Erkennst du die Schrift? Will uns da jemand veräppeln oder in Angst versetzen?"

    Undine schlug auf den Tisch und rief: „Polizei! Wir brauchen die Polizei. Ich rufe sofort Reiner an. Wir wollten sowieso telefonieren, nachdem uns Günther das Essen gestern Abend versaut hat."

    Sie holte ihr Handy aus der Tasche und wählte Reiners Nummer.

    „Hallo, hier ist Undine. Kannst du schnell herkommen? Jasmin und Lene haben einen schlimmen Brief erhalten und wir haben Angst."

    Am anderen Ende wurde gesprochen.

    „Denkst du wirklich?"

    Wieder wurde gesprochen.

    „Na, wenn du meinst, dann werfen wir die Dinger in den Müll. Bis bald. Jasmin, Reiner sagt, wir sollen die Briefe wegwerfen und uns keinen Kopf machen."

    Jasmin schaute ihre Mitbewohnerin entgeistert an.

    „Was? Ich kann den doch nicht wegwerfen und einfach zur Tagesordnung übergehen. Was ist, wenn das wahr ist, was dort steht? Oh mein Gott, wir können doch nicht durch die Stadt rennen und jeden Stein in jedem Haus ansehen!"

    „Das stimmt, erklärte Lene, die sich wieder im Griff hatte, „wir müssen planvoll vorgehen. Ich denke, es ist mal wieder Zeit für Detektivarbeit.

    Undine nickte. Im Gegensatz zu Reiner fühlte sie, dass sie den Brief ernstnehmen sollten. Sie mussten dem Kommissar mit Argumenten kommen, um ihn zu überzeugen. Vielleicht würde es auch Sinn machen, wenn sie zuerst mit Jennifer reden würden, denn dem Spürsinn der Frau traute sie mehr als Reiners rationalem Männerverstand.

    Jasmin hatte die beiden entsetzt angesehen und rief jetzt: „Nicht schon wieder! Es geht um das Leben aller Nastätter, da könnt ihr nicht so tun, als wäre es ein Spiel. Und Lene … wie kannst du so ruhig bleiben? Hast du denn gar keine Angst? Was haben wir getan, dass wir so einen Brief bekommen?"

    Lene antwortete gelassen: „Es nützt ja nichts, wenn wir uns verrückt machen. Auf deine Frage kann ich nur sagen: Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Also denke ich, es ist Zufall, dass ausgerechnet wir so einen Brief bekommen haben."

    In diesem Moment betrat Herbert den Hof durch den Vordereingang, was Zorro zu lautem Gebell animierte. Er rannte dem Besucher entgegen und stoppte erst, als Undine ihn zurückrief.

    „Herbert, rief sie, „du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.

    „Oh, es ist furchtbar! Seht mal, das habe ich heute in der Post gefunden."

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