Meine süße kleine Fee: Mami Bestseller 64 – Familienroman
Von Gisela Heimburg
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Über dieses E-Book
Mami ist als Familienroman-Reihe erfolgreich wie keine andere! Seit über 40 Jahren ist Mami die erfolgreichste Mutter-Kind-Reihe auf dem deutschen Markt!
Ein neues Menschlein, winzig klein und hilflos, aber mit großen, neugierigen Augen, blau wie der Himmel – ihr Kind! Eine Welle des Glücks, die tausend Ängste und Kümmernisse auslöschte, durchströmte Sandra. Behutsam nahm die blonde Zwanzigjährige das Baby, das die Schwester ihr reichte, in die Arme. Eine weiche, unwirkliche Zärtlichkeit erfüllte sie. »Mein Baby, meine kleine Kerstin, mein Stinchen…« Kerstin – das war der Name, den ihr tödlich verunglückter Mann ausgesucht hatte, noch vor der Hochzeit, an einem der vielen verzauberten Abende, als sie von der gemeinsamen Zukunft träumten. Aber Kerstin war Wirklichkeit, war atmendes Glück. Jetzt erst bemerkte Sandra Weidenhausen, daß die Stationsschwester noch immer abwartend im Raum stand. »Sie schauen so besorgt, Schwester Martina. Haben Sie Angst, daß ich mein Kindchen vor Liebe zerdrücke?« Die Schwester räusperte sich. »Ich – ich möchte Ihr Baby gleich wieder mitnehmen.« »Aber warum denn?« fragte Sandra erschrocken. »Ist das so üblich? Nein, da muß ich protestieren. Ich möchte mein Baby bei mir behalten, nicht nur ein paar Minuten, sondern lange.« »Aber der Doktor wünscht es nicht, Frau Weidenhausen, verstehen Sie?« »Nein, das verstehe ich nicht, und das finde ich auch nicht richtig. Ein Neugeborenes braucht die Nähe der Mutter, damit es sich nicht so einsam und verlassen fühlt in dieser fremden Welt.«
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Buchvorschau
Meine süße kleine Fee - Gisela Heimburg
Mami Bestseller
– 64 –
Meine süße kleine Fee
Gisela Heimburg
Ein neues Menschlein, winzig klein und hilflos, aber mit großen, neugierigen Augen, blau wie der Himmel – ihr Kind!
Eine Welle des Glücks, die tausend Ängste und Kümmernisse auslöschte, durchströmte Sandra.
Behutsam nahm die blonde Zwanzigjährige das Baby, das die Schwester ihr reichte, in die Arme. Eine weiche, unwirkliche Zärtlichkeit erfüllte sie.
»Mein Baby, meine kleine Kerstin, mein Stinchen…«
Kerstin – das war der Name, den ihr tödlich verunglückter Mann ausgesucht hatte, noch vor der Hochzeit, an einem der vielen verzauberten Abende, als sie von der gemeinsamen Zukunft träumten.
Vorbei… Nur ein Traum…
Aber Kerstin war Wirklichkeit, war atmendes Glück. Jetzt erst bemerkte Sandra Weidenhausen, daß die Stationsschwester noch immer abwartend im Raum stand.
»Sie schauen so besorgt, Schwester Martina. Haben Sie Angst, daß ich mein Kindchen vor Liebe zerdrücke?«
Die Schwester räusperte sich. »Ich – ich möchte Ihr Baby gleich wieder mitnehmen.«
»Aber warum denn?« fragte Sandra erschrocken. »Ist das so üblich? Nein, da muß ich protestieren. Ich möchte mein Baby bei mir behalten, nicht nur ein paar Minuten, sondern lange.«
»Aber der Doktor wünscht es nicht, Frau Weidenhausen, verstehen Sie?«
»Nein, das verstehe ich nicht, und das finde ich auch nicht richtig. Ein Neugeborenes braucht die Nähe der Mutter, damit es sich nicht so einsam und verlassen fühlt in dieser fremden Welt.«
»Sie können sich darauf verlassen, daß wir alles Notwendige tun, damit Ihr Baby sich wohl fühlt«, lächelte die Krankenschwester und beugte sich über das Bett, um ihr das Kind abzunehmen.
»Daran zweifle ich gar nicht, aber ich möchte Kerstin bei mir behalten. Am schönsten wäre es, wenn sie bei mir im Zimmer bleiben könnte, direkt neben meinem Bett.«
»Das ist leider ausgeschlossen!«
»Aber warum denn?«
»Bitte, geben Sie mir jetzt das Kind!« forderte die Schwester streng und dienstlich. »Ich befolge lediglich die Anordnungen der Ärzte. Bitte, Frau Weidenhausen.«
»Ist etwas mit meinem Baby?« flüsterte Sandra ahnungsvoll. »Ist es nicht gesund?« Mit fahrigen Bewegungen begann sie, den kleinen Körper abzutasten. »Meiner kleinen Kerstin fehlt doch nichts, oder?« Flehend sah sie zu der älteren Frau in die Höhe.
»Sie können ganz beruhigt sein. Aber jetzt wird es wirklich höchste Zeit, Ihr Kind zurückzubringen.«
»Höchste Zeit? Jetzt schon? Da stimmt doch irgend etwas nicht! Was verschweigen Sie mir?«
»Frau Weidenhausen, seien Sie doch nicht so unvernünftig!«
»Unvernünftig? Weil ich mich um mein Kind sorge? Um das einzige, was mir auf dieser Welt noch geblieben ist?«
»Ich verstehe Sie vollkommen. Aber ich bin dazu angehalten, meine Pflicht zu tun!«
»Schicken Sie mir den Doktor!« stieß Sandra angsterfüllt hervor. »Sie verheimlichen mir doch irgend etwas, ich spüre es ganz deutlich.«
»Ich werde den Doktor zu Ihnen schicken, sobald ich ihn erreiche«, versprach die Krankenschwester.
Sandra starrte in das Gesicht ihres Babys.
Das Kind wirkte quicklebendig und blühend. Es war sogar ausgesprochen schön mit seinen großen blauen Augen und dem dunklen Haarschopf.
»Aber Frau Weidenhausen, regen Sie sich doch nicht auf«, lächelte Schwester Martina sanft. »Sie sehen ja plötzlich weiß wie die Wand aus. Zu übergroßer Sorge besteht wirklich kein Grund.«
»Wissen Sie, woran ich denken mußte, Schwester Martina?«
»Nun?«
»Als Kind war ich bei meiner Großmutter in den großen Ferien zu Besuch. In der Nachbarschaft kam damals gerade ein Kind zur Welt, ein auffallend hübsches Baby. Da sagte meine Großmutter zu meinem Opa: ›Das Kind ist zu schön – das behält sie nicht.‹ Mein Großvater brummte nur etwas von ›Unsinn‹ und ›Altweibergeschwätz‹. Aber…« Sandras Stimme versagte ihr den Dienst.
»Sie müssen sich jetzt beruhigen, Frau Weidenhausen. Bitte, geben Sie mir Ihr Kindchen.«
»Wollen Sie denn gar nicht hören, wie die Geschichte ausging?«
»Ganz gleich, wie sie ausging, mit ihrem Baby hat das alles nichts zu tun.«
»Das auffallend schöne Kind der Nachbarin starb zwei Wochen später«, flüsterte Sandra mit heiserer Stimme.
»Sie glauben doch nicht im Ernst, daß da irgendein Zusammenhang bestand? So etwas habe ich noch nie in meinem Leben gehört!«
Sandra lag schlaff in den Kissen. Sie wehrte sich nicht, als Schwester Martina ihr das Baby wegnahm.
»Also, ich schicke Ihnen nachher den Doktor«, erklärte die Schwester noch einmal, wandte sich rasch ab und verließ merkwürdig bedrückt das Zimmer.
Sandra starrte wie betäubt an die Decke. So grausam konnte das Schicksal doch nicht sein! Kerstin war doch das Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes, die greifbare Erinnerung an seine große Liebe! Wenn ihr nun auch noch das Kind genommen wurde, wozu war sie dann noch auf der Welt? Nein, das durfte nicht sein!
Sie zuckte heftig zusammen, als die Schwester den Kopf durch den Türspalt steckte. »Besuch für Sie.«
Sandra ordnete rasch ihr Haar mit den Fingern.
Schon trat Clemens Hübner ins Krankenzimmer, groß und blond, breitschultrig und strahlend. In der Hand schwenkte er einen großen bunten Blumenstrauß.
Rasch kam er näher. Sein Gang war so sicher und zielstrebig wie der ganze Mann. Sandra bemühte sich, freundlich zu lächeln. Was wäre sie heute ohne Clemens Hübner, den älteren Freund ihres Mannes?
Sie hatte ihm soviel zu verdanken. Nach dem Tod ihres Mannes war sie völlig am Ende gewesen, doch der Architekt hatte sich rührend um sie gekümmert, ihr alle Wege und Formalitäten abgenommen, ihr beigestanden und sie immer wieder getröstet, so gut er es vermochte.
In der Klinik besuchte er sie fast jeden Tag und brachte kleine Aufmerksamkeiten mit. Blumen, Bücher, Obst.
»Guten Tag, Sandra«, begrüßte er sie aufgeräumt. »Die Schwester hat mich eben durch die Glasscheibe spähen lassen. Unsere kleine Kerstin wird ja von Tag zu Tag hübscher. Ganz die Mama!«
Sandra wurde blaß und unmittelbar darauf rot. Es erschien ihr wie ein böses Omen, daß auch der Mann erwähnte, wie hübsch die Kleine war. Andererseits rührte es sie, daß er von »unserer kleinen Kerstin« sprach. Sie fühlte sich nicht mehr so allein.
Er ließ sich auf einen Stuhl sinken, der neben dem Krankenbett stand. Erschrocken beugte er sich zu ihr und griff nach ihrer bleichen Hand.
»Geht es Ihnen nicht gut, Sandra?«
»Doch, doch, alles in Ordnung.« Sie strich sich ihr welliges, halblanges Haar zurück, eine Geste der Verlegenheit.
»Eben, das meine ich doch! Die Schwester sagte mir, daß Sie bald nach Hause dürfen.«
»Das Kinderkriegen ist eine Krankheit, die man rasch vergißt, wie meine Großmutter immer sagte.«
Noch immer hielt der Architekt ihre Hand fest. Er wirkte plötzlich angespannt und unsicher.
»Sandra, ich möchte etwas klären, bevor der Alltag wieder beginnt.«
»Ja?«
Er sah sie nicht an, als er wie gehetzt fortfuhr: »Hoffentlich lachen Sie mich nicht aus! Ich habe lange mit mir gekämpft. Es ist alles so schwierig.«
»Warum sind Sie denn plötzlich so aufgeregt, wie ich Sie gar nicht kenne, Clemens?«
»Entschuldigen Sie. Ich wollte Sie fragen…, da Sie doch mit Ihrem Baby ganz allein auf der Welt stehen und nicht einmal nähere Verwandte haben… Sie sind selbst noch sehr jung, gerade zwanzig Jahre. Außerdem ist es nicht gut, finde ich, wenn ein Kind ohne Vater aufwächst.«
Sandra unterdrückte ein Aufschluchzen und krallte die Finger in die Bettdecke.
Warm und zärtlich umfaßte der Mann ihre Hände. »Sandra, könnten Sie sich vorstellen, mich zu heiraten?« fragte er leise.
»Heiraten?« Sie hob ruckartig den Kopf und starrte ihn entgeistert an. Damit hatte sie nicht gerechnet! Er war ein verläßlicher, fürsorglicher Freund. Doch er war siebzehn Jahre älter als sie. Sein mittelblondes Haar färbte sich an den Schläfen bereits grau.
»Sandra, denken Sie wenigstens einmal in Ruhe darüber nach. Sie brauchen einen Menschen, brauchen einen Halt in dieser Welt, die Sie oft feindlich genannt haben.«
Sandra nickte bedrückt und blickte verloren ins Leere.
»Ich biete Ihnen eine gesicherte Existenz«, fuhr der Architekt eindringlich fort, »ein großes neues Haus mit allem Komfort – und meine ganze Zuneigung.«
Sandra war erschüttert. Tränen stürzten ihr in die Augen. Sie vermochte sich nicht gegen diesen Gefühlsausbruch zu wehren.
»Nicht weinen, Mädchen, nicht weinen…«
»Sie sind so gut zu mir. Aber der Tod meines Mannes…, alles ist noch so frisch. Bitte, verstehen Sie mich! Es kommt mir manchmal vor, als sei das Schreckliche erst gestern passiert!«
»Ich verstehe Sie sehr gut. Und ich will Sie nicht drängen. Mir ist
