Nur ein Hauch Glückseligkeit: Fürstenkrone 109 – Adelsroman
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Über dieses E-Book
Romane aus dem Hochadel, die die Herzen der Leserinnen höherschlagen lassen. Wer möchte nicht wissen, welche geheimen Wünsche die Adelswelt bewegen? Die Leserschaft ist fasziniert und genießt "diese" Wirklichkeit.
"Fürstenkrone" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
In den Straßen der Leinenstadt am Teutoburger Wald setzte bereits der übliche Autoverkehr ein, als sich die hübsche, junge Krankenschwester Gisela Lühnen auf den Tagdienst vorbereitete.
Während sie ihr frisch gestärktes blütenweißes Häubchen auf dem goldblonden Lockenkopf befestigte, wanderten ihre Gedanken zu der liebenswürdigen Komteß von Reedberg.
Wie oft hatte Schwester Gisela in den letzten Wochen am Bett der Siebzehnjährigen gesessen und ihr über die langen Nachtstunden hinweggeholfen.
Auf den besonderen Wunsch des Professors, der ein alter Freund der gräflichen Familie von Reedberg war, hatte man Gisela mit der Nachtwache beauftragt.
Ihres schwachen Herzens wegen, das die zarte Komteß Ariane mit auf die Welt gebracht hatte, mußte man auf Schlafmittel jeder Art verzichten.
Es gab so vieles, worauf die junge Komteß mit den langen kastanienbraunen Haaren verzichten mußte.
Da Arianes Mutter bei ihrer Geburt gestorben war und auch ihr Vater vor fünf Jahren das Zeitliche gesegnet hatte, wachte ihr weitaus älterer Bruder Peter mit fürsorglicher Liebe über das Leben seiner jungen Schwester.
Doch als er an einem strahlendschönen Julimorgen in Bielefeld zu tun hatte, war es der zierlichen Komteß gelungen, ihres Bruders Reitpferd aus dem Stall zu holen und nach langer Zeit durch den Wald zu reiten.
Den Reitunterricht hatte ihr noch der verstorbene Vater erteilt, der auf dem Standpunkt stand, daß Reiten nun einmal zum guten Ton gehörte. Graf Peter hatte es seiner Schwester später nur noch ganz selten erlaubt und nur in seiner Begleitung.
Ihren Ungehorsam mußte Komteß Ariane auch prompt mit einem komplizierten Beinbruch und einigen Blutergüssen, die sie sich bei dem Sturz vom Pferd zugezogen
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Buchvorschau
Nur ein Hauch Glückseligkeit - Diane von Hohenberg
Fürstenkrone
– 109 –
Nur ein Hauch Glückseligkeit
Graf Peters Liebe stand unter keinem guten Stern
Diane von Hohenberg
In den Straßen der Leinenstadt am Teutoburger Wald setzte bereits der übliche Autoverkehr ein, als sich die hübsche, junge Krankenschwester Gisela Lühnen auf den Tagdienst vorbereitete.
Während sie ihr frisch gestärktes blütenweißes Häubchen auf dem goldblonden Lockenkopf befestigte, wanderten ihre Gedanken zu der liebenswürdigen Komteß von Reedberg.
Wie oft hatte Schwester Gisela in den letzten Wochen am Bett der Siebzehnjährigen gesessen und ihr über die langen Nachtstunden hinweggeholfen.
Auf den besonderen Wunsch des Professors, der ein alter Freund der gräflichen Familie von Reedberg war, hatte man Gisela mit der Nachtwache beauftragt.
Ihres schwachen Herzens wegen, das die zarte Komteß Ariane mit auf die Welt gebracht hatte, mußte man auf Schlafmittel jeder Art verzichten.
Es gab so vieles, worauf die junge Komteß mit den langen kastanienbraunen Haaren verzichten mußte.
Da Arianes Mutter bei ihrer Geburt gestorben war und auch ihr Vater vor fünf Jahren das Zeitliche gesegnet hatte, wachte ihr weitaus älterer Bruder Peter mit fürsorglicher Liebe über das Leben seiner jungen Schwester.
Doch als er an einem strahlendschönen Julimorgen in Bielefeld zu tun hatte, war es der zierlichen Komteß gelungen, ihres Bruders Reitpferd aus dem Stall zu holen und nach langer Zeit durch den Wald zu reiten.
Den Reitunterricht hatte ihr noch der verstorbene Vater erteilt, der auf dem Standpunkt stand, daß Reiten nun einmal zum guten Ton gehörte. Graf Peter hatte es seiner Schwester später nur noch ganz selten erlaubt und nur in seiner Begleitung.
Ihren Ungehorsam mußte Komteß Ariane auch prompt mit einem komplizierten Beinbruch und einigen Blutergüssen, die sie sich bei dem Sturz vom Pferd zugezogen hatte, bezahlen.
Das und vieles, was mit dem Gut, auf dem die junge Komteß aufgewachsen war, zu tun hatte, erzählte sie der aufmerksamen Schwester Gisela in den warmen Sommernächten, in denen Komteß Ariane oft erst in den letzten Morgenstunden ein klein wenig Schlaf fand.
Die Gespräche der einen und die Hilfsbereitschaft der anderen hatten die Standesunterschiede zwischen den jungen Mädchen verwischt.
Nachdenklich blickte Schwester Gisela, die heute zum ersten Mal wieder zum Tagdienst eingeteilt worden war, ihr Spiegelbild an.
Die Schwesterntracht, auf die sie so stolz war, sah sie heute gar nicht.
Gisela Lühnen dachte an den Grafen Peter von Reedberg, der ihr mit Blumen und Konfekt seine Dankbarkeit bewies, den sie aber noch nie gesehen hatte. Sie hörte nur, wie die anderen Schwestern von dem blendend aussehenden Bruder der kleinen Komteß schwärmten.
Doch dann schüttelte die junge Schwester die Gedanken von sich ab, strich eine vorwitzige Locke aus der hohen Stirn und trank im Vorübergehen von dem inzwischen ein wenig abgekühlten starken Kaffee.
Während sie zum Haus 5 hinüberging, versuchte sie, sich auf ihre Pflichten zu konzentrieren.
Mit schnellen Schritten eilte sie die frisch gebohnerten Treppen hinauf.
Gisela erkundigte sich, wie die Patientinnen die Nacht verbracht hatten.
»Und wie geht es der Komteß von Reedberg?« wollte Schwester Gisela wissen. »Ist der Streckverband noch in Ordnung?«
»Die Komteß erträgt ihr Leiden mit bewundernswerter Geduld«, antwortete die Gefragte versonnen. »Wenn ich dagegen an meine anderen Patientinnen denke, die wegen jeder Kleinigkeit klagen…«
»Sie haben meine Frage nicht beantwortet, Schwester Erika«, sagte Gisela ungeduldig und wiederholte sie.
»Komteß von Reedberg fühlt sich den Umständen entsprechend gut«, erklärte Schwester Erika, die sich nach ihrem Bett sehnte. »Sooft ich zu ihr ins Zimmer trat, fand ich sie schlafend.«
Danach klärte sie Gisela noch kurz über die anderen Patientinnen auf und überreichte ihr deren Krankenberichte.
*
Während sich die jungen Mädchen im Schwesternzimmer unterhielten, gelangte Peter Graf von Reedberg mit weit ausholenden Schritten ungesehen durch die Abteilung und klopfte leise an die Tür mit der Nummer 7.
Auf das leise »Herein«, das ein wenig erstaunt klang, betrat der ungewöhnlich große Mann das Zimmer seiner Schwester.
Ehe die junge Komteß etwas sagen konnte, legte ihr Graf Peter einen Strauß taufrischer leuchtendroter Rosen auf die Bettdecke.
»Die gesamte Dienerschaft von Gut Reedberg entbietet dir hiermit ihre besten Genesungswünsche«, erklärte er humorvoll. »Denen ich mich von ganzem Herzen anschließe.«
Damit beugte sich Graf Peter über das blasse schmale Gesicht seiner kleinen Schwester und küßte behutsam ihre Stirn.
»Bestell der Belegschaft«, entgegnete Ariane mit schelmischem Lächeln, »daß ich mich sehr über die herrlichen Rosen und die Grüße gefreut habe.«
Obgleich beide wußten, daß das Ganze nur ein Scherz war – denn eine Dienerschaft gab es schon lange nicht mehr im Herrenhaus –, spielten sie dieses Spiel immer wieder.
Außer den drei Getreuen – Luise, Arianes früherem Kindermädchen, das jetzt sozusagen Mädchen für alles war, dem Diener Theo und dem alten Gärtner Florian – hatten alle anderen das Gut längst verlassen.
Es stand schlecht um Gut Reedberg, das wußten die Geschwister.
Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wie lange der tatkräftige Peter, dem keine Arbeit zuviel wurde, den uralten Familienbesitz noch halten konnte.
Trotz seiner Sorgenlast versuchte er seiner Schwester das Leben so schön wie möglich zu gestalten und ihr stets mit frohem Gesicht zu begegnen.
»Wunderst du dich gar nicht, daß ich so früh hier bei dir eingedrungen bin?« Graf Peter hatte sich inzwischen neben dem Bett niedergelassen und ein Paket ausgewickelt. »Luise hat mir frische Wäsche für dich mitgegeben«, fügte er erklärend hinzu und verstaute sie in Arianes Nachtschränkchen.
»Die gute Luise«, meinte sie versonnen. »Sag ihr, daß ich mich gefreut habe, Peter. Jetzt aber zu dir. Weshalb bist du so früh hergekommen?«
Fragend blickten die braunen Augen mit den Goldpünktchen zu ihrem großen Bruder auf, der ganz zart die durchscheinend blassen Hände seiner kleinen Schwester streichelte.
»Weil ich am Tage nicht mehr dazu komme, nach meinem kranken Spätzchen zu sehen«, sagte Peter zärtlich. »Wir stecken doch mitten in der Ernte.«
»Du sagst wir?« unterbrach ihn Komteß Ariane. »Hast du denn Hilfskräfte organisieren können?«
»Gewiß, du kleines Dummchen«, lächelte ihr Bruder. »Allein würde ich die Arbeit wohl kaum schaffen. Das mußt du doch noch vom letzten Jahr wissen. Einige unserer früheren Leute haben…«
In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet, und eine klare Stimme sagte freundlich: »Guten Morgen, Komteß Ariane… Oh, Verzeihung! Ich wußte nicht, daß Sie schon so früh Besuch…«
Vor dem Blick der aufleuchtenden grauen Augen stockte Schwester Gisela und hätte fast ihren Stapel Bettwäsche fallen lassen, doch da sprang der große Mann mit dem vollen dunklen Haar und dem markanten Gesicht schon auf, nahm ihr den Wäschestapel ab und legte ihn auf einen abseits stehenden Tisch.
»Vielen Dank.« Sekundenlang ruhte Blick in Blick. Das sonst so beherzte junge Mädchen senkte verlegen die langen dunklen Wimpern, als sich Peter Graf von Reedberg ihr rasch wieder zuwandte.
Ein verzaubertes Schweigen umgab die beiden.
Bis Komteß Ariane, der die ineinanderversunkenen Blicke nicht entgangen waren, das Schweigen brach.
»Jetzt kann ich dir endlich meinen guten Engel vorstellen«, wandte sie sich an ihren Bruder, der leicht zusammenfuhr. »Das ist Schwester Gisela. Ich habe dir ja so viel von ihr erzählt, daß du sie wohl auch ohne meinen Hinweis erkannt hast.« Und zu dem jungen Mädchen gewandt, meinte Ariane lächelnd: »Mein lieber Bruder Peter ist wohl kaum zu übersehen.«
Spontan drückte dieser die kleine feste Mädchenhand.
»Ich freue mich, Sie endlich kennenzulernen, Schwester Gisela.« Der sonore Klang seiner Stimme ließ Giselas Herz höher schlagen. »Ich danke Ihnen,
