Deine Augen können nicht lügen: Fürstenkrone 154 – Adelsroman
Von Birke May-Bergen
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Über dieses E-Book
Romane aus dem Hochadel, die die Herzen der Leserinnen höherschlagen lassen. Wer möchte nicht wissen, welche geheimen Wünsche die Adelswelt bewegen? Die Leserschaft ist fasziniert und genießt "diese" Wirklichkeit.
"Fürstenkrone" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken.
»Herr Ober, bitte bringen Sie dem Herrn da drüben am Ecktisch auch ein Eis mit Früchten. Aber ohne Sahne und auf meine Kosten, damit er endlich aufhört, mich wie ein Weltwunder anzustarren«, sagte Luana von Woerden. Über das olivfarbene Gesicht des jungen Aushilfskellners glitt ein Grinsen. Die gleichfalls am Tisch sitzende Anke Wiebrecht wurde verlegen. »Das kannst du doch nicht tun, Luana«, stammelte sie entsetzt. Dabei blickte sie verstohlen zu dem Ecktisch hin, an dem ein einzelner Herr saß. Dessen wachsbleiches Gesicht und seine korrekte dunkle Kleidung fiel unter den braungebrannten Touristen auf. Es ging etwas von dem Fremden aus, das Anke beeindruckte. War es seine Haltung? War es der Blick, mit dem er unentwegt zu Luana herüberstarrte? »Du machst mir angst«, murmelte das blonde Mädchen, das neben Luana wie eine hübsche, überaus schlanke Riesin wirkte. »Angst? Dieses Wort kenne ich nicht mehr«, behauptete Luana. Mit schmalen Augen beobachtete sie nun, wie der Kellner das Eis am Ecktisch servierte. Er beugte sich ein wenig vor, sprach ein paar Worte und deutete dann mit einer leichten Kopfbewegung und einem verschwörerischen Lächeln in ihre Richtung. »Du wirst Schwierigkeiten bekommen, wenn du einen Fremden so herausforderst«
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Buchvorschau
Deine Augen können nicht lügen - Birke May-Bergen
Fürstenkrone
– 154 –
Deine Augen können nicht lügen
Wie Baron Tiber das Herz der schönen Laura gewann …
Birke May-Bergen
»Herr Ober, bitte bringen Sie dem Herrn da drüben am Ecktisch auch ein Eis mit Früchten. Aber ohne Sahne und auf meine Kosten, damit er endlich aufhört, mich wie ein Weltwunder anzustarren«, sagte Luana von Woerden.
Über das olivfarbene Gesicht des jungen Aushilfskellners glitt ein Grinsen. Die gleichfalls am Tisch sitzende Anke Wiebrecht wurde verlegen.
»Das kannst du doch nicht tun, Luana«, stammelte sie entsetzt. Dabei blickte sie verstohlen zu dem Ecktisch hin, an dem ein einzelner Herr saß. Dessen wachsbleiches Gesicht und seine korrekte dunkle Kleidung fiel unter den braungebrannten Touristen auf. Es ging etwas von dem Fremden aus, das Anke beeindruckte. War es seine Haltung? War es der Blick, mit dem er unentwegt zu Luana herüberstarrte?
»Du machst mir angst«, murmelte das blonde Mädchen, das neben Luana wie eine hübsche, überaus schlanke Riesin wirkte.
»Angst? Dieses Wort kenne ich nicht mehr«, behauptete Luana. Mit schmalen Augen beobachtete sie nun, wie der Kellner das Eis am Ecktisch servierte. Er beugte sich ein wenig vor, sprach ein paar Worte und deutete dann mit einer leichten Kopfbewegung und einem verschwörerischen Lächeln in ihre Richtung.
»Du wirst Schwierigkeiten bekommen, wenn du einen Fremden so herausforderst«, bemerkte Anke.
»Noch mehr Schwierigkeiten?« höhnte Luana. »Ich glaube kaum, daß mir noch mehr zustoßen kann, Anke.«
»Du bist mit schuld – an allem«, warf ihr das blonde Mädchen vor. »Sicher magst du es nicht hören, aber sagen muß ich es dir endlich – daß ich nicht mit dir übereinstimme.«
Luana schien nicht hinzuhören. In ihren grünbraunen Augen glitzerte es kurz auf, als der Mann am Ecktisch endlich den Blick abwandte und das Eis zu löffeln begann. »Siehst du?« frohlockte sie grimmig. »Es schmeckt ihm sogar. Möge er daran ersticken!«
»Luana!« rief Anke erschrocken.
»Ja, alles ist meine Schuld«, bestätigte das braunhaarige Mädchen voller Bitterkeit und Spott. »Es liegt allein an mir, daß mein Erbonkel mich hinausgeworfen hat. Und es ist auch nur mir zuzuschreiben, daß ich die schöne Stellung plötzlich verloren habe. Was meinen lieben Freund Julian betrifft, so lag es ebenfalls nur an mir, daß er mich im Stich gelassen hat. Und dann dieser…«
»Hör auf! Ich kenne die Geschichte bereits«, unterbrach Anke sie schnell. »Du hättest deinen Erbonkel ja nicht so vor den Kopf zu stoßen brauchen. Es ist doch verständlich, daß er dir einen guten Ehemann aussuchen wollte.«
»Sehe ich aus, als würde ich dabei Unterstützung brauchen?« fauchte Luana. Nun war sie es, die den Mann am Ecktisch anstarrte. Immer mehr zeichnete sich Verblüffung auf ihrem rassig schönen Gesicht ab. »Wie der reinhaut!« staunte sie. »Nicht einmal bedanken tut er sich.«
»Ich schäme mich für dich, Luana«, flüsterte Anke und senkte kurz den Kopf. Als sie ihn hob, fuhr sie fort: »Er hatte einen netten jungen Mann für dich gefunden. Daß du ihn nicht mochtest, war ebenso bedauerlich wie das, was dann folgte. Da jener junge Mann der Sohn und Erbe deines Chefs war, ist es doch verständlich, daß er sich durch diese schnelle Kündigung für deine Abfuhr zu revanchieren suchte.«
»Nachträglich ist manches zu begreifen«, gab Luana mürrisch zu, »aber nicht zu verzeihen.«
Nun schauten sie beide zu dem Fremden hin, der so gelassen dasaß und sein kostenloses Eis verspeiste.
»Das hat ihn umgehauen, daß ich ihm ein Eis mit Früchten spendierte«, sagte Luana.
»Drück dich nicht so gewöhnlich aus«, tadelte die blonde Freundin. »Es imponiert mir nicht, wenn eine Luana von Woerden sich derart benimmt.«
»Dann solltest du zum Bahnhof gehen und mich allein lassen.«
»Mein Zug fährt erst in zwei Stunden. Bis dahin wirst du meine Gesellschaft wohl oder übel ertragen müssen.«
»Und warum sollte ich das tun?« fragte Luana in herausforderndem Ton. »Weil du zufällig die einzige bist, die mir gegenüber ein bißchen Mitleid geheuchelt hat?«
»Wie redest du nur, Luana?«
»Oder weil du mir Geld leihen mußtest, damit ich die erste Zeit besser überstehe?« ereiferte sich das Mädchen weiter. Es griff nach der blauen Schultertasche, die an der Stuhllehne hing, öffnete sie mit einem Ruck, zerrte Geldscheine hervor, warf sie vor der erblassenden Anke auf den Tisch und sagte: »Hier, nimm alles zurück! Ich will nicht behalten, was man mir unter Vorbehalt gab. Ich will keine bedauernden Blicke und keine pastoralen Reden. Ich will keine Vorwürfe und Anklagen. Ich will endlich meine Ruhe haben und die Freiheit genießen!«
»Das meinst du doch nicht im Ernst, Luana?« sagte Anke und hatte schon tränenfeuchte Augen.
Einen Herzschlag lang nur zögerte das braunhaarige Mädchen, dann sagte es trotzig: »Laß mich allein! Ich bin das alles so leid, daß mir übel wird, wenn ich euch sehe.«
Das war für Anke Wiebrecht zuviel. Wie eine Maske wirkte ihr hübsches Gesicht, als sie hochmütig erklärte: »Ich werde dich jetzt deinem Schicksal überlassen. Ich bin ja nur deshalb so schnell gekommen, weil dein Anruf so verzweifelt klang. Die paar Geldscheine darfst du behalten, Luana. Dein Onkel, den ich noch immer sehr schätze, hat früher einmal so viel für meine Familie getan, daß ich froh bin, auf diese Weise etwas gutmachen zu können. Du wirst das Geld brauchen. Du bist fremd hier, kannst keinem vertrauen. Es wird nicht leicht für dich sein, hier Fuß zu fassen. Doch du wirst es schaffen. Nur hüte dich, in deinem Zorn auf alle Männer zu weit zu gehen. Es könnte dir schaden.«
»Pah, was könnte mir jetzt noch schaden?« stieß Luana hervor. Sie lachte, um nicht zu zeigen, wie weh ihr ums Herz war. Die Tränen, die in ihren Augen glitzerten, sah Anke nicht.
Anke schwieg und schaute die Freundin abwartend an. Doch deren Augen blieben auf den leeren Eisbecher gerichtet. »Es ist also dein Ernst, daß ich gehen soll, Luana?« fragte sie leise.
»Seit wann bist du schwerhörig?« kam es grollend zurück.
Da stand das blonde Mädchen mit einem Ruck auf. Es war blaß und zitterte ein wenig. Doch mit fester Stimme sagte sie: »Eines tut mir nicht leid, daß Julian sich von dir abgewandt hat.«
»Wie lieb von dir!« höhnte Luana, hob den Blick und grinste. »Zwar habe ich ihn geliebt, aber das macht ja nichts. Ich kann mich hier jederzeit mit dem erst besten trösten. Vielleicht sogar mit dem da drüben. Er sieht nicht übel aus. Und wenn er auch mein Eis löffelt, so scheint er doch nicht mittellos zu sein.«
So etwas zu hören, verschlug Anke die Sprache. Entsetzt glitt ihr Blick zwischen Luana und dem Fremden hin und her. Der Mann hatte sich zurückgelehnt und schaute wieder zu Luana herüber. Doch die grinste zu Anke hinauf und fragte:
»Worauf wartest du noch? Auf ein Abschiedsküßchen?«
Das gab Anke den Rest. Sie schien zu wachsen in dem Bemühen, sich einen ruhigen, würdevollen Abgang zu verschaffen.
»Leb wohl«, sagte sie. »Hoffentlich tut dir nichts leid, wenn du in der Lage bist, deine Situation so zu sehen, wie sie ist.«
»Nie wird mir etwas leid tun! Nie!« erwiderte Luana.
Da wandte sich Anke ab und ging mit erhobenem Kopf über die Terrasse des Restaurants. Tränen liefen über ihre Wangen. Vom Ausgang blickte sie noch einmal zu Luana zurück. Doch die schaute nicht zu ihr hin. Sie lächelte gerade dem Kellner zu und schien mit ihrem neuen, so unsicher gewordenen Leben zufrieden zu sein. Anke seufzte und ging auf den kleinen Bahnhof zu.
Unterdessen bezahlte Luana von Woerden die drei Eisbecher und hoffte vergebens darauf, der junge Kellner möge verraten, wie sich der Fremde am Ecktisch zu ihrer Spende geäußert hatte. Doch sie fragte auch nicht. Sie verbot sich, noch einmal zu dem dunkelgekleideten Fremden hinzusehen, rauchte nervös zwei Zigaretten und saß da wie ein Mensch, der kein Ziel mehr hat, dem alles recht gleichgültig geworden ist.
Nach dem durchstandenen Aufruhr der Verzweiflung war es seltsam leer und still in ihr – wie ausgebrannt von den Erlebnissen, die sie fortgetrieben hatten.
Von den fernen Bergen her wehte es kühl. Ein paarmal zog Luana fröstelnd die Schultern zusammen. Sie wollte vor sich selbst nicht zugeben, daß sie schon bereute und der Freundin am liebsten nachgelaufen wäre. Als sie schließlich einen Blick auf die Uhr warf, verzog sie bitter den Mund. Es war auch dazu zu spät:
