Ein Sommer auf Gut Wulfsen: Fürstenkinder 91 – Adelsroman
Von Manuela Jensen
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Über dieses E-Book
Ihre Lebensschicksale gehen zu Herzen, ihre erstaunliche Jugend, ihre erste Liebe – ein Leben in Reichtum, in Saus und Braus, aber oft auch in großer, verletzender Einsamkeit.
Große Gefühle, zauberhafte Prinzessinnen, edle Prinzen begeistern die Leserinnen dieser einzigartigen Romane und ziehen sie in ihren Bann.
Renate Gontard saß am Küchentisch, das Kinn auf die Handflächen gestützt, und starrte auf das vor ihr liegende Schreiben. Aus – alles aus. Der Brief ihres Rechtsanwaltes bestätigte es ihr. Zwei Jahre war ihr Mann nun tot, und sie hatte sich bemüht, das kleine Fahrradgeschäft weiterzuführen, aber es war immer weiter bergab gegangen. Nun wollten die Gläubiger nicht mehr tatenlos zusehen, wie das winzige Restkapital vielleicht auch noch dahinschmolz. Sie drangen darauf, daß der Konkurs angemeldet wurde. Renate fuhr sich über die Augen. Christoph durfte nicht merken, daß sie geweint hatte. Er mußte gleich aus der Schule heimkommen. Was sollte nun aus Christoph und ihr werden? Christoph war sieben Jahre alt, aber was würde sein, wenn er erst zehn war? Würde sie je wieder festen Boden unter die Füße bekommen, damit sie ihn aufs Gymnasium schicken, ihm ein Studium ermöglichen konnte? Die Suppe mußte noch einmal umgerührt werden. Renate wollte aufstehen und an den Herd gehen, als drau-ßen auf der Straße ein ohrenbetäubender Lärm zu hören war. Das durchdringende Quietschen heftig gebremster Autos, das Scheppern von Blech, das Klirren berstender Glasscheiben übertönten die Geräusche des normalen Straßenverkehrs. dann fraß sich ein Ungeheuer durch die Küchenwand, Mauersteine flogen durch die Gegend, Schutt wirbelte auf. Ein Auto schob den Küchentisch vor sich her bis fast an den Herd heran, kam endlich zum Stehen. Renate spürte einen heftigen Schmerz durch ihren Körper jagen, ehe sie bewußtlos zusammensank. Menschen schrien auf, drängten sich heran, andere wichen zurück. Es war ein chaotisches Durcheinander.
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Buchvorschau
Ein Sommer auf Gut Wulfsen - Manuela Jensen
Fürstenkinder
– 91 –
Ein Sommer auf Gut Wulfsen
Unveröffentlichter Roman
Manuela Jensen
Renate Gontard saß am Küchentisch, das Kinn auf die Handflächen gestützt, und starrte auf das vor ihr liegende Schreiben.
Aus – alles aus. Der Brief ihres Rechtsanwaltes bestätigte es ihr.
Zwei Jahre war ihr Mann nun tot, und sie hatte sich bemüht, das kleine Fahrradgeschäft weiterzuführen, aber es war immer weiter bergab gegangen. Nun wollten die Gläubiger nicht mehr tatenlos zusehen, wie das winzige Restkapital vielleicht auch noch dahinschmolz. Sie drangen darauf, daß der Konkurs angemeldet wurde.
Renate fuhr sich über die Augen. Christoph durfte nicht merken, daß sie geweint hatte. Er mußte gleich aus der Schule heimkommen. Was sollte nun aus Christoph und ihr werden? Christoph war sieben Jahre alt, aber was würde sein, wenn er erst zehn war? Würde sie je wieder festen Boden unter die Füße bekommen, damit sie ihn aufs Gymnasium schicken, ihm ein Studium ermöglichen konnte?
Die Suppe mußte noch einmal umgerührt werden. Renate wollte aufstehen und an den Herd gehen, als drau-ßen auf der Straße ein ohrenbetäubender Lärm zu hören war. Das durchdringende Quietschen heftig gebremster Autos, das Scheppern von Blech, das Klirren berstender Glasscheiben übertönten die Geräusche des normalen Straßenverkehrs.
Im nächsten Moment gab es einen ganz furchtbaren Knall, ein peinigendes Knirschen und Knacken, und
dann fraß sich ein Ungeheuer durch die Küchenwand, Mauersteine flogen durch die Gegend, Schutt wirbelte auf. Ein Auto schob den Küchentisch vor sich her bis fast an den Herd heran, kam endlich zum Stehen.
Renate spürte einen heftigen Schmerz durch ihren Körper jagen, ehe sie bewußtlos zusammensank.
Menschen schrien auf, drängten sich heran, andere wichen zurück. Es war ein chaotisches Durcheinander.
Jetzt heulte die Sirene eines Polizeiwagens. Polizei und Krankenwagen waren fast zu gleicher Zeit zur Stelle.
Völlig verstört stieg ein Mann aus dem Auto, das auf so ungewöhnliche Weise mitten in einer Küche gelandet war.
»Sind Sie verletzt?« fragte einer der Beamten.
Mechanisch tastete er seinen Kopf, seine Arme, seinen Körper ab. »Nein, ich glaube nicht«, antwortete er, »nur ich bin wie benommen.« Beunruhigt beobachtete er den Arzt, der sich um die bewußtlose junge Frau bemühte. »Aber sie – mein Gott, ist ihr viel passiert?«
»Das läßt sich so schnell nicht feststellen«, antwortete der Arzt über die Schulter hinweg. Er gab den Krankenwärtern seine Anweisungen, die Renate vorsichtig auf eine Trage hoben und sie zum Krankenwagen brachten.
»Sind Sie in der Lage, uns einige erste Fragen zu beantworten?« wandte der Polizeibeamte sich wieder an den Autofahrer.
»Selbstverständlich.«
»Zunächst bitte Ihre Papiere.«
»Sven Graf Wulfsen«, stellte der Mann sich vor, während er dem Beamten seine Papiere reichte.
Die erste Vernehmung am Unfallort ergab, daß Graf Wulfsen schuldlos war. Um dem Zusammenstoß mit einem sich rücksichtslos durch die Autos schlängelnden Motorradfahrer auszuweichen, hatte er scharf bremsen und nach rechts steuern müssen. Bei diesem Manöver fuhr ihn ein großer Lastwagen von hinten an und schob ihn mit gehörigem Schwung über den Bürgersteig gegen die Hauswand, die dem Anprall nicht standhielt und nachgegeben hatte.
Es waren genug Zeugen vorhanden, die den Vorgang beschreiben konnten. Wie durch ein Wunder war keiner der Fahrer verletzt.
Nur Renate Gontard hatte es getroffen.
»Was ist denn hier los?« fragte plötzlich eine frische Jungenstimme. »Wieso kommt das Auto in unsere Küche?«
»Ein Unfall, wie du siehst«, antwortete der Beamte. »Du wohnst hier?«
»Ja, ich bin Christoph Gontard«, sagte der Junge.
Gontard – der Name versetzte Graf Wulfsen einen Stich. War das nur ein Zufall, oder bestand eine Verbindung zu jenem Gontard, dessen Name im Herrenhaus Wulfsen nie erwähnt werden durfte?
Der Beamte hatte dem Jungen einige Fragen gestellt, die dieser präzise beantwortete. Graf Wulfsen entnahm daraus, daß Christoph mit seiner Mutter allein lebte, keine Verwandten weiter hatte, die sich um ihn hätten kümmern können, und ein besonders enger nachbarlicher Kontakt schien auch nicht zu bestehen, jedenfalls nicht so eng, daß der Bub für eine Zeitlang eine Bleibe hatte.
»Meine Mutter wurde verletzt? Sie liegt im Krankenhaus?« fragte Christoph jetzt ungläubig und erschrocken zugleich. Seine braunen Augen begannen zu funkeln. »Sie haben schuld!« schrie er Graf Wulfsen mit einer Laut-stärke an, die seine ganze Verzweiflung über etwas, das er noch nicht ganz begriffen hatte, preisgab.
»Nein, Christoph, Graf Wulfsen ist völlig schuldlos an dem Unfall«, klärte der Beamte das Kind sachlich und ruhig auf. »Wenn er nicht so rasch reagiert hätte, wäre vielleicht noch mehr passiert.«
»Noch mehr?« schrie Christoph und zeigte auf die zerstörte Hauswand. »Ich finde, das ist ganz schön genug. Meine Mutter – meine Mutter, die überhaupt nichts mit den Autos zu tun hatte, die ist verletzt. Warum haben sich nicht die gegenseitig totgefahren, die schuld hatten?«
Betreten schauten sich Graf Wulfsen und der Polizeibeamte an. Es war eine nur allzu berechtigte Frage, aber wer konnte sie beantworten? Wer wollte ergründen, warum das Schicksal hier zugeschlagen hatte?
Sven von Wulfsen wandte sich ab und entdeckte auf dem Küchentisch das Schreiben des Rechtsanwalts. Unwillkürlich las er es und erkannte, welchen Schwierigkeiten die Mutter des Jungen, Renate Gontard, gegenüberstand. Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mußte das Unglück passieren.
Ohne sich über seine Handlungsweise Rechenschaft abzulegen, steckte er das Schreiben ein. Vorher vergewisserte er sich, ob der Beamte ihn auch nicht beobachtete.
Aber dessen Interesse galt voll und ganz dem Jungen.
»Christoph«, hörte er ihn sagen, »es ist ganz natürlich, daß du so erregt bist. Aber schau, an dem, was geschehen ist, ist nichts zu ändern. Du wirst noch nicht verstehen, was ich jetzt sage, aber es passiert sehr oft im Leben, daß jemand etwas erdulden muß, an dem er keine Schuld trägt. Man muß versuchen, es zu meistern.«
»Nein, nein, nein! Das verstehe ich nicht!« Christoph stampfte mit dem Fuß auf. »Ich will zu meiner Mutter. Ich will, daß derjenige ins Gefängnis kommt, der an dem Unfall schuld hat!«
»Er wird seine Strafe bekommen, darauf kannst du dich verlassen«, beruhigte ihn der Beamte.
»Für Christoph muß gesorgt werden«, mischte sich Graf Wulfsen ein. »Ist etwas dagegen einzuwenden, daß ich mich um ihn kümmere?«
Der Beamte überlegte nur kurz.
»Nein, durchaus nicht«, entgegnete er dann. Auf Christophs Zügen zeigte sich Feindseligkeit. Er warf den Kopf in den Nacken, daß seine Haartolle nur so flog. »Ich kann mich um mich allein kümmern. Ab morgen haben wir Sommerferien, da bin ich den ganzen Tag zu Hause. Meine Mutter hat mich ein paar Dinge kochen gelehrt, und einkaufen und saubermachen kann ich auch. Und ich werde sie jeden Tag
im Krankenhaus besuchen. Vielleicht kommt sie ja auch schon bald wieder nach Hause.«
Ein anderer Polizeibeamter trat hinzu. Er hatte inzwischen mit dem Krankenhaus telefoniert und das erste Untersuchungsergebnis erfahren. Renate Gontard hatte eine Gehirnerschütterung, mehrere Rippenbrüche und einen komplizierten Oberschenkelbruch davongetragen. Sie würde zwölf Wochen, vielleicht länger, ans Bett gefesselt sein.
»Deiner Mutter geht es, den Umständen entsprechend, ganz gut«, sagte er, »aber es wird eine ganze Weile dauern, bis sie wieder ganz gesund ist.«
Christophs Mundwinkel zuckten. Man sah, daß er dem Weinen nahe war.
Begütigend legte Graf Wulfsen, der bei den Worten des Beamten heimlich aufgeatmet hatte, ihm die Hand auf die Schulter.
»Komm mit mir, Christoph«, sagte er. »Du kannst deine Sommerferien auf Gut Wulfsen verbringen, kannst reiten lernen und spielen, soviel du willst. Du brauchst nicht selber zu kochen und auch nicht sauberzumachen, sondern kannst immer gerade das tun, was dir gefällt.«
»Nein, ich will nicht«, kam es störrisch zurück.
»Du solltest es dir überlegen«, meinte einer der Beamten. »Du bist erst sieben Jahre alt, da dürfen wir es gar nicht zulassen, selbst wenn wir wollten, daß du allein bleibst. Wir müßten dich in einem Heim unterbringen.«
»In einem Heim?« vergewisserte sich Christoph entsetzt.
Der Beamte nickte. »Ja, so ist es.«
Prüfend schaute der Junge Graf Wulfsen an. Eigentlich war das ein ganz netter Mann, fand er. Und der Polizeibeamte hatte gesagt, daß er an dem Unfall schuldlos war. Außerdem: Ferien auf einem Gut mit der Aussicht, reiten lernen zu dürfen – nun ja, das war schließlich etwas. Es war ganz einfach verlockend. Und mit Sicherheit verlockender, als in ein Heim gebracht zu werden.
»Ist das Gut weit weg?« fragte er.
»Ungefähr zehn Kilometer von hier entfernt«, antwortete Graf Wulfsen durchaus ernsthaft, denn er erriet die Gedankengänge des Jungen.
»Ist Ihr Auto kaputt?«
»Dieses ja, fürchte ich. Aber ich habe noch zwei weitere.«
»Und Sie hätten auch Zeit, daß ich meine Mutter besuchen kann und nicht bloß immer den ganzen Tag spiele?«
»Aber das ist doch selbstverständlich, Christoph.«
Christoph schielte zu den Beamten empor. »Sie haben es gehört«, sagte er ein wenig altklug. »Ich glaube, mir ist das Gut lieber als ein Heim.«
Die beiden Beamten nickten. Derjenige, der das Protokoll aufgenommen hatte, steckte sein Notizbuch ein. »Unsere Mission ist fürs erste erledigt. Natürlich wird dafür Sorge getragen werden, daß das Haus vor Einbruch gesichert wird, bevor der Schaden repariert wird. Für weitere
