Über dieses E-Book
Der raue Schrei der Flamingos hallt über die Camargue, als Dianne mit bebendem Herzen nach Südfrankreich zurückkehrt. Vor drei Jahren fand sie hier bei Manoel St. Salvador zärtliche Liebe. Mit Folgen, die sie ihm jetzt gestehen muss...
Anne Mather
<p>Ich habe schon immer gern geschrieben, was nicht heißt, dass ich unbedingt Schriftstellerin werden wollte. Jahrelang tat ich es nur zu meinem Vergnügen, bis mein Mann vorschlug, ich solle doch meine Storys mal zu einem Verlag schicken – und das war’s. Mittlerweile habe ich über 140 Romances verfasst und wundere mich manchmal, wie schnell alles ging. Obwohl ich als Kind und auch als Teenager praktisch ständig geschrieben habe, habe ich keine Story wirklich beendet. Wenn mein Zimmer zu chaotisch aussah, kam meine Mutter herein, sammelte alle bekritzelten Blätter ein und warf sie in den Müll. So kam es, dass das Buch, das ich verfasste, als meine Tochter ein Baby war, das erste Werk war, das ich tatsächlich abschloss. Ich fand es schwierig, zwischen dem Haushalt und dem Kind genug Zeit zu finden und schrieb in jeder freien Minute auf ein Stück Papier – nicht gerade professionell, aber so war es halt damals. Mittlerweile sind meine beiden Kinder erwachsen, und ich habe zwei entzückende Enkel, die vier und sechs Jahre alt sind. <br/></p>
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Rezensionen für Im Schatten der Vergangenheit
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Buchvorschau
Im Schatten der Vergangenheit - Anne Mather
IMPRESSUM
Im Schatten der Vergangenheit erscheint in der HarperCollins Germany GmbH
© 1974 by Anne Mather
Originaltitel: „The Night of the Bulls"
erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA
Band 19 - 1974 by CORA Verlag GmbH, Hamburg
Umschlagsmotive: shevtsovy / Shutterstock
Veröffentlicht im ePub Format in 07/2017 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.
E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 9783733778804
Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.
Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY
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1. KAPITEL
Wenn Anfang April der Mistral das Rhônetal hinunterfegt und die kalten Böen von den eisbedeckten Bergen der Haute Provence mit ungezähmter Wildheit über die weiten Marschen der Camargue stürmen, dann wagen weder Mensch noch Tier, sich der grimmigen Herrschaft des Windes zu widersetzen.
Aber wenn der zornige Wind sich ausgetobt hat, vertreibt die Sonnenwärme jede Erinnerung an die eisbedeckten Wüsteneien. Das ganze Flussdelta erwacht mit einer Farbenpracht, die es im Hochsommer nie wiedergewinnt, da dann die Hitze die Marschen ausdörrt und weite Strecken in schlickige und schlammige Watten verwandelt.
Im Frühling jedoch wimmeln die stillen Lagunen und die blauen Marschen vor Leben. Der vorlaute Teichrohrsänger wiegt sich auf hohen Gräsern, es glänzt das bunte Gefieder des Bienenspechts, und rosafarbene Flamingos stolzieren anmutig und elegant durch die schimmernden Lagunen.
Das war die Jahreszeit, die Dianne so gut kannte. Die Zeit, in der sie schon einmal in die Provence gekommen war, in jenen eigenwilligen Winkel Frankreichs, der für sie so sehr von Bedeutung war. Jetzt kehrte sie hierher zurück, und es quälten und beunruhigten sie die gleichen verworrenen Gefühle wie vor drei Jahren, als sie das Land so überstürzt verlassen hatte. Doch wie hätte es auch anders sein sollen … unter diesen Umständen.
Der Zug legte sich in eine weite Kurve, und das unerwartete Schwanken warf Dianne gegen die Lehne des Sitzes zurück. Sie umklammerte die Armstützen und spürte Übelkeit in sich aufsteigen. Sie durfte einfach nicht von der Vergangenheit träumen. Sie musste daran denken, dass sie, obwohl sie die Camargue so liebte, in Arles von niemandem erwartet wurde und sie niemand willkommen heißen würde.
Ein junger Mann, der ihr gegenübersaß, beugte sich besorgt vor. Sie hatte schon auf der ganzen Fahrt gemerkt, dass er sie immer wieder nachdenklich ansah. Aber ihre eisige Miene hatte ihn bisher daran gehindert, sie anzusprechen.
Sie wollte von Männern nichts mehr wissen!
Doch jetzt spürte er ihre Angst. Diese an Hysterie grenzende Angst, die sie überfiel, wenn sie ernsthaft darüber nachdachte, was sie tat.
„Pardon, Mademoiselle, sagte er und berührte leicht ihren Arm, „fühlen Sie sich nicht wohl?
Er hatte einen unverkennbar französischen Akzent, und sie fragte sich, woher er wusste, dass sie Engländerin war. Aber vielleicht hatte er sie im Speisewagen mit dem Kellner sprechen gehört.
Sie richtete sich auf und lächelte ein wenig mühsam. „Danke, Monsieur, sagte sie, „aber mir geht es gut. Ich bin nur ein bisschen nervös.
Der junge Mann nickte verständnisvoll. Vielleicht glaubte er, sie würde in Marseille von einem Mann erwartet. Aber er irrte sich. Verstohlen betrachtete sie sein Profil und stellte fest, dass er gut geschnittene, klare Züge hatte. Er sah wirklich sehr gut aus, und Clarry würde sagen, sie sei eine Närrin, weil sie jeden Mann abwies, der sich für sie interessierte.
Aber Clarry war nicht hier. Sie war allein und im Augenblick mit Problemen eingedeckt. Um jede weitere Unterhaltung im Keim zu ersticken, wandte sie sich ab und blickte aus dem Fenster. Unzählige Schienenstränge liefen neben dem Zug her, verflochten sich, teilten sich wieder. Die große Bahnhofshalle tauchte auf, und der Zug fuhr hinein wie in einen Tunnel. Dianne schloss die Augen, es gab einen leichten Ruck, sie standen.
Tastend griff Dianne nach ihrem locker geschlungenen Nackenknoten, dann stand sie auf und sammelte ihre Habseligkeiten ein. Sie nahm den Mantel über den Arm und griff nach den Bügeln ihrer Reisetasche.
„Kann ich Ihnen helfen, Mademoiselle?"
Es war wieder der junge Mann. Die meisten Reisenden stiegen aus und entfernten sich in Richtung des Ausgangs, doch der junge Mann hatte offensichtlich auf sie gewartet.
Dianne lächelte abwehrend, schüttelte den Kopf und ging, ohne noch einmal zurückzublicken, hinter den anderen Reisenden her. Auf dem Bahnhofsvorplatz blieb sie einen Augenblick stehen. Die Luft war unglaublich warm. Es roch nach Staub und Benzin. Aber nicht einmal das hektische Treiben um sie herum, die drängenden, rufenden Menschen und das schrille Hupkonzert der vorüberflitzenden Wagen vermochten ganz die wehmütigen Gedanken zu verjagen, die in ihr aufstiegen.
Doch entschlossen schüttelte sie alle sentimentalen Gefühle ab und ging weiter. Sie fragte sich, wo sie wohl den Wagen finden würde, den sie von England aus gemietet hatte und der irgendwo auf dem Bahnhof auf sie warten sollte. Ein wenig hilflos schlängelte sie sich zwischen unzähligen parkenden Wagen und Bussen hindurch.
Dann tauchte abermals der junge Mann aus dem Zug auf und schlenderte lässig auf sie zu. Dianne biss sich ungeduldig auf die Unterlippe. Sie hoffte, er würde nicht aufdringlich werden. Als er sie ansprach, wandte sie sich ihm mit unverhohlener Gereiztheit zu. Sie runzelte die Stirn, und ihre seegrünen Augen funkelten unwillig.
„Ja, Monsieur?"
„Werden Sie abgeholt, Mademoiselle?, erkundigte er sich, und Dianne zögerte nur unmerklich, bevor sie nickte. Das war keine Lüge, sondern lediglich eine leichte Entstellung der Wahrheit. „Dann kann ich mich Ihnen also nicht als Chauffeur anbieten, Mademoiselle?
„Nein danke." Dianne ging ein paar Schritte weiter und suchte die am Bordstein parkenden Wagen nach jenem ab, der dem Autoverleih Inter-France-Reisen gehörte.
Sie griff in ihre Reisetasche, holte die Sonnenbrille heraus und setzte sie auf. Ein ununterbrochener Strom von Autos glitt an ihr vorüber, die Sonne glitzerte auf Lack und Chromverzierungen. Sie hoffte, der junge Mann würde den Wink mit dem Zaunpfahl endlich verstehen und seiner Wege gehen. Aber kurz darauf tauchte er schon wieder neben ihr auf.
„Ich glaube, Sie haben das fallen gelassen, Mademoiselle."
Dianne fuhr herum und wollte ihm eine eisige Bemerkung an den Kopf werfen, schnappte jedoch überrascht nach Luft, als sie sah, dass er die Bestätigung ihrer Hotelbuchung in der Hand hielt.
„Oh – ich danke Ihnen, stammelte sie verlegen. „Sie – sie muss mir heruntergefallen sein, als ich die Sonnenbrille herausholte. Danke.
Der junge Mann lächelte. „Es war mir ein Vergnügen, Mademoiselle, erwiderte er höflich. „Auf diese Weise konnte ich wenigstens feststellen, dass Sie nach Arles wollen. Eine schöne Stadt. Ich wohne ganz in der Nähe.
Dianne hielt den Atem an. „Tatsächlich?, fragte sie. „Ich muss Ihnen recht geben, es ist wirklich eine schöne Stadt.
Der junge Mann runzelte die Stirn. „Kann ich Sie wirklich nicht in meinem Wagen mitnehmen?"
„Nein! Dianne hob abwehrend die Hand. „Ich habe mir einen Wagen gemietet. Er müsste hier irgendwo stehen.
Der junge Mann hörte aufmerksam zu und überflog die Reihe der wartenden Autos mit geübtem Blick. „Kommen Sie, sagte er, „ich glaube, ich weiß, wo wir Ihren fahrbaren Untersatz finden.
Er schien wirklich Bescheid zu wissen, und da er sich ihrer Koffer bemächtigte, hatte Dianne keine andere Wahl, als ihm zu folgen. In kürzester Zeit hatte er den kleinen Citroën entdeckt, stellte sie dem Angestellten der Autoverleihfirma vor und brachte es auf diese Weise fertig, ihren Namen zu erfahren. Dianne war darüber nicht eben erfreut, konnte jedoch nichts sagen, da er noch so hilfsbereit war, ihr Gepäck im Kofferraum zu verstauen.
„Vielleicht sehen wir uns wieder, Mademoiselle, bemerkte er leichthin, als sie sich von ihm verabschiedete. „Ich bin oft in Arles und wäre sehr glücklich, wenn Sie mir erlauben würden, Sie einmal am Abend zum Essen einzuladen.
Dianne lächelte vage und ließ die Einladung unbeantwortet. Schließlich war es logisch, wenn er annahm, sie wolle nur ihren Urlaub hier verbringen. Wie hätte er auch ahnen sollen, warum sie wirklich nach Arles fuhr, zumal ihr selbst noch völlig unglaublich schien, was sie tat.
Sie fuhr ab und sah ihn noch lange im Rückspiegel. In diesem Augenblick wünschte sie sich verzweifelt, sie wäre wirklich nur als Urlauberin hierhergekommen.
Nachdem sie von Marseille ein Stück nach Westen gefahren war, bog sie nach Norden ab und folgte der Straße nach Arles quer durch die weite Plaine de la Crau. Das war ein unwirtliches Gebiet, kahl und öd und nur wenig kultiviert. Sie erinnerte sich, dass Manoel ihr erzählt hatte, in der Mythologie sei Herkules hier auf ein Volk von Riesen gestoßen und habe Zeus um Hilfe angerufen. Der Gott habe es Felsen und Steine regnen lassen und den Helden vom Tode errettet, doch seither sei die Ebene mit den Trümmern aus dieser Schlacht übersät.
Manoel!
Ein Schauer durchlief sie. Zum ersten Mal, seit sie London verlassen hatte, erlaubte sie sich, an ihn zu denken, und es war verheerend, was allein dieser Gedanke ihr antat. Sie streckte die Hand aus, tastete nach ihrer Tasche und holte ein Päckchen Zigaretten heraus. Sie steckte eine Zigarette zwischen die Lippen und zündete sie mit zitternden Fingern an. Sie rauchte nur selten, nur dann, wenn sie unter einer starken inneren Spannung stand. Im Augenblick aber brauchte sie etwas, das sie beruhigte.
Als sie in Arles ankam, war es schon nach sechs. Sie kam sich nach der langen Reise schmutzig und staubig vor, und sie war müde. Sie fuhr direkt zu ihrem Hotel, trug sich ein, bestellte sich ein belegtes Brot auf das Zimmer und ging hinauf. Sie sehnte sich nach einer Dusche. Hinterher schlüpfte sie in ihren Hausmantel, setzte sich ans Fenster, das auf einen kleinen Platz hinausblickte, aß ihr belegtes Brot und trank zwei Tassen ausgezeichneten Kaffees, den ihr die Besitzerin des Hotels mit heraufgeschickt hatte.
In den Platanen raschelte ein leichter Wind, und unter dem Fenster tollten ein paar Jugendliche auf Fahrrädern herum. Sonst war alles ruhig und friedlich. Diannes innere Verkrampfung löste sich ein wenig. Dass sie Manoel rein zufällig begegnete, war sehr unwahrscheinlich, und wenn sie ihn traf, würde das unter ihren, nicht unter seinen Bedingungen geschehen. Falls er bereit war, sich mit ihr zu treffen …
Peinigende Erinnerungen bedrohten ihren eben erst wiedergewonnenen Frieden, und sie schob den Teller mit dem halb gegessenen Sandwich beiseite. Was, wenn er sich weigerte, mit ihr zu sprechen? Das war sehr gut möglich. Schließlich sollte er die Wahrheit nicht erfahren, das hatte sie fest beschlossen.
Sie lehnte sich in ihrem Sessel zurück und stellte die leere Kaffeetasse auf die Untertasse. Sie griff nach ihrer Handtasche, holte eine lederne Brieftasche heraus und öffnete sie. Ein paar Fotos rutschten heraus, sie fing sie auf und betrachtete sie liebevoll.
Das Gesicht des kleinen Jungen, das ihr vertrauensvoll und aufrichtig entgegenblickte, weckte ein Gefühl tiefer Zärtlichkeit in ihr. Völlig unerwartet füllten sich ihre Augen mit Tränen. Sie hatte schon lang nicht mehr geweint, Tränen waren ein Luxus, den sie sich nicht erlauben durfte. Sie fragte sich, was der Kleine jetzt wohl tat und ob er Clarry gehorchte.
Impulsiv neigte sie den Kopf und küsste das Foto. „Gute Nacht, Jonathan", flüsterte sie mit etwas rauer Stimme, legte die Fotos in die Brieftasche zurück und verstaute sie in dem größeren ihrer beiden Koffer. Auf alle Fälle, dachte sie bedauernd.
Am Morgen wurde sie von der strahlenden Sonne geweckt, die durch die geschlossenen Vorhänge fiel. Im ersten Augenblick wusste sie nicht mehr, wo sie war, und wunderte sich, dass Jonathans Bettchen nicht neben ihrem Bett stand. Allmählich jedoch wurde sie sich mit einem beklemmenden Gefühl ihrer augenblicklichen Umgebung wieder bewusst.
Sie zwang sich, die Niedergeschlagenheit abzuschütteln, die sie nur selten verließ, stieg aus dem Bett, ging zum Fenster, öffnete die Vorhänge und blickte hinaus. In dem kleinen Park inmitten des Platzes spielten ein paar Kinder Ball. Der Anblick der fröhlich umhertollenden kleinen Bande verursachte ihr einen heftigen Schmerz in der Herzgegend. Sie wandte sich brüsk vom Fenster ab und ging ins Bad.
Später musterte sie sich kritisch im Spiegel des Toilettentisches. Sie trug eine eng sitzende marineblaue Hose und eine weiße Hemdbluse. Sie wirkte kühl, schlank und sachlich. Das dunkle Haar hatte sie im Nacken zu einem lockeren Knoten geschlungen. Die Frisur diente einzig und allein dem Zweck, sie reifer und würdiger aussehen zu lassen. Doch trotz all ihrer Bemühungen verrieten ihre leicht schräg gestellten schönen Augen und ihr empfindsamer Mund, wie jung und unsicher sie noch war. Mit einem Gefühl von Hilflosigkeit ging sie hinunter in
