Von zu Hause fortgelaufen: Sophienlust 191 – Familienroman
Von Marisa Frank
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Über dieses E-Book
Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren.
Denise von Schoenecker bog in den Park von Gut Schoeneich ein. Zum Glück hatte sie das Tempo schon gedrosselt, denn Henrik, ihr neunjähriger Sprössling, flitzte ungeniert über die Fahrbahn.
»Mutti, Mutti! Hast du Jens gesehen?«
Kopfschüttelnd brachte Denise ihr Auto zum Stehen. Sie wollte schimpfen, als sie aber in Henriks aufgeregtes Gesicht sah, dessen Haarschopf wieder einmal wild in die Höhe stand, fragte sie nur: »Wer ist Jens?«
»Mein Freund«, lautete die Antwort. Vorwurfsvoll ruhten Henriks graue Augen auf der Mutter. »Erinnerst du dich nicht? Ich habe dir doch schon viel von ihm erzählt. Seit Schulbeginn geht er in meine Klasse. Er ist mit seinen Eltern während der Sommerferien nach Wildmoos gezogen. Er wohnt in einem tollen Bungalow. Ich war schon oft bei ihm. Heute kommt er nun zu mir. Ich habe ihm versprochen, ihm die Pferdekoppeln zu zeigen.« Henrik nahm sich kaum Zeit, Luft zu holen, so schnell sprudelte er alles hervor. »Hattest du Jens wirklich vergessen?«
Denise hatte es. Jetzt fiel ihr auch wieder ein, dass sie Henrik für diesen Nachmittag Kuchen und Sahne versprochen hatte. Da musste sie schnell Martha Bescheid sagen.
Henrik erriet ihre Gedanken. »Du hast es vergessen«, stellte er fest. »Aber mach dir keine Sorgen, ich habe Martha bereits heute früh, bevor ich in die Schule ging, Bescheid gesagt. Ich kann mich doch vor Jens nicht blamieren.«
»Du bist wirklich ein gescheiter Junge. Außerdem glaube ich deinen Freund gesehen zu haben. Jedenfalls überholte ich einen Jungen, der auf einem Fahrrad fuhr.« Denise wollte Henrik über den Haarschopf streichen, aber sie
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Buchvorschau
Von zu Hause fortgelaufen - Marisa Frank
Sophienlust
– 191 –
Von zu Hause fortgelaufen
… als seine heile Welt zerbrach
Marisa Frank
Denise von Schoenecker bog in den Park von Gut Schoeneich ein. Zum Glück hatte sie das Tempo schon gedrosselt, denn Henrik, ihr neunjähriger Sprössling, flitzte ungeniert über die Fahrbahn.
»Mutti, Mutti! Hast du Jens gesehen?«
Kopfschüttelnd brachte Denise ihr Auto zum Stehen. Sie wollte schimpfen, als sie aber in Henriks aufgeregtes Gesicht sah, dessen Haarschopf wieder einmal wild in die Höhe stand, fragte sie nur: »Wer ist Jens?«
»Mein Freund«, lautete die Antwort. Vorwurfsvoll ruhten Henriks graue Augen auf der Mutter. »Erinnerst du dich nicht? Ich habe dir doch schon viel von ihm erzählt. Seit Schulbeginn geht er in meine Klasse. Er ist mit seinen Eltern während der Sommerferien nach Wildmoos gezogen. Er wohnt in einem tollen Bungalow. Ich war schon oft bei ihm. Heute kommt er nun zu mir. Ich habe ihm versprochen, ihm die Pferdekoppeln zu zeigen.« Henrik nahm sich kaum Zeit, Luft zu holen, so schnell sprudelte er alles hervor. »Hattest du Jens wirklich vergessen?«
Denise hatte es. Jetzt fiel ihr auch wieder ein, dass sie Henrik für diesen Nachmittag Kuchen und Sahne versprochen hatte. Da musste sie schnell Martha Bescheid sagen.
Henrik erriet ihre Gedanken. »Du hast es vergessen«, stellte er fest. »Aber mach dir keine Sorgen, ich habe Martha bereits heute früh, bevor ich in die Schule ging, Bescheid gesagt. Ich kann mich doch vor Jens nicht blamieren.«
»Du bist wirklich ein gescheiter Junge. Außerdem glaube ich deinen Freund gesehen zu haben. Jedenfalls überholte ich einen Jungen, der auf einem Fahrrad fuhr.« Denise wollte Henrik über den Haarschopf streichen, aber sie kam nicht mehr dazu. Wie ein Wirbelwind drehte sich der Junge herum und stürzte mit einem wahren Indianergebrüll der Straße zu.
Lächelnd fuhr Denise die paar Meter bis zum Gutshaus, das mitten in einem großen Park lag und ein schlossähnlicher Bau mit einem großen Turm war. Schoeneich, der Stammsitz der Familie von Schoenecker, war ein wunderschöner Besitz. An den dunklen Mauern rankte sich wilder Wein empor. Das Haus glich einem Märchenschloss und entlockte den Besuchern immer wieder Entzückensrufe.
Dafür hatte Denise, die schlanke, noch sehr jugendlich aussehende Frau, im Moment keinen Blick. Sie eilte ins Haus und machte sich sofort auf die Suche nach der Köchin Martha. Sie wollte auf Nummer Sicher gehen. Henrik sollte seinen Kuchen haben. Falls Martha keinen hatte, würde sie rasch zurück nach Sophienlust fahren, denn dort hatte es an diesem Tag zum Nachtisch Kuchen gegeben. Obwohl die Kinder tüchtig zugelangt hatten, waren doch einige Stücke übrig geblieben.
Als Denise das Martha sagte, war die gute Seele zutiefst empört. »Für Schoeneich bin noch immer ich zuständig. Da Henrik mir heute Morgen von seinem Besuch erzählte, habe ich natürlich sofort einen Kuchen gebacken«, erklärte sie energisch. »Magda mag eine gute Köchin sein, aber vom Kuchenbacken versteht sie nicht viel. Das hat unsere Mutter schon immer gesagt.« Sie stemmte die Hände in die Seiten und sah Denise von Schoenecker herausfordernd an.
»Ich dachte ja nur …«, wagte Denise einzuwenden, wurde aber sofort unterbrochen.
»Ich habe Magda erst kürzlich mein bestes Kuchenrezept verraten. Kann sein, dass ihr der Kuchen heute besser gelungen ist.«
Nun musste Denise herzlich lachen. Sie kannte die Rivalität, die zwischen den beiden Schwestern herrschte. Magda war Köchin in Sophienlust, in dem Kinderheim, das an Schoeneich grenzte und von ihr, Denise, verwaltet wurde. Sonst waren die beiden Schwestern ein Herz und eine Seele, wenn es aber um ihre Kochkunst ging, konnten sie einander ganz schön in die Haare geraten.
»Magdas Kuchen habe ich nicht gekostet, aber deinen würde ich ganz gern probieren. Vielleicht hebst du ein Stück für mich auf.«
»Es ist genügend da«, brummte die Köchin, schon wieder halbwegs versöhnt, und schlurfte in ihre Küche zurück.
Da hörte Denise auch schon Henriks helle Stimme, und als sie einen Blick aus dem Fenster warf, sah sie, dass Henriks Freund bereits angekommen war.
Der Junge gefiel Denise auf Anhieb. Er war etwas größer als ihr Sohn, schien aber der ruhigere der beiden Jungen zu sein. Als er sie sah, grüßte er höflich zu ihr herauf.
»Mutti, das ist Jens. Du kannst ihn dir später genau anschauen. Jetzt will ich ihm die Ponys zeigen. Stell dir vor, er ist noch nie auf einem Pferd gesessen.« Für Henrik, dessen Vater und Halbbruder begeisterte Reiter waren, war das ein unvorstellbarer Gedanken.
»Wenn Janosch auf der Koppel ist, dann könnt ihr es ja versuchen.«
»Sie meinen das Reiten?« Jens riss die Augen auf. »Ich soll wirklich reiten dürfen?«
»Warum nicht? Du wirst sehen, es ist kinderleicht. Alle Kinder von Sophienlust können reiten. Für den Anfang suche ich das zahmste Pony für dich aus«, antwortete Henrik gelassen.
»Wirklich?« Plötzlich machte Jens einen Luftsprung und zeigte damit, dass auch er ein richtiger Junge war. »Ich darf reiten, hurra«, brüllte er, sah dann aber sofort erschrocken auf Denise.
»Du kannst hier schreien, so viel du willst«, meinte Henrik. »Meine Mutti ist so etwas gewöhnt. Sie schimpft auch nur höchst selten.«
Das war ein Kompliment. Denise wusste es, aber trotzdem mahnte sie: »Seid aber vorsichtig und vergesst nicht, Janosch Bescheid zu geben. Er soll für Jens das Pony aussuchen.«
»Gut!« Henrik wandte sich an Jens. »Du wirst sehen, Janosch ist große Klasse.« Er ergriff die Hand seines Freundes und rannte mit ihm davon.
»In zwei Stunden gibt es Kuchen!«, rief Denise hinter den Jungen her, war aber nicht sicher, ob sie das noch gehört hatten.
Für Jens war alles neu. Bis vor Kurzem hatte er noch mitten in der Kreisstadt Maibach gelebt und war selten aufs Land gekommen. Er bestaunte die Pferde, betastete zaghaft die Ponys, und als dann der alte Janosch in sein Blickfeld geriet, brachte er vor Staunen den Mund nicht mehr zu.
Henrik grinste. Er war auf diese Reaktion seines Freundes gefasst. Janosch war ein ehemaliger Pferdehirt aus der Puszta, der noch immer die Tracht der Pusztahirten trug. Eine weiße Leinenhose, hohe schwarze Schaftstiefel, ein hochgeschlossenes weißes Leinenhemd, dazu eine dunkle Weste.
Henrik stieß Jens in die Seite. »Das ist Janosch. Er besitzt sehr viel Pferdeverstand. Du solltest ihn einmal in seiner Sonntagstracht sehen. Mit seinem weißgrundierten, buntbestickten Mantel wirkt er noch toller.«
Jens sagte nichts. Der alte Mann sah auch so für ihn abenteuerlich genug aus. Er war hager, hatte ein wettergebräuntes Gesicht, weißes Haar und buschige Augenbrauen. Das Eigenartigste an ihm aber waren die Koteletten und der hängende Lippenbart.
Bald hatte Jens jedoch zu dem Siebzigjährigen Vertrauen gefasst. Er ließ sich von ihm auf den Rücken eines Ponys setzen und herumführen.
Jens war begeistert. »Ich komme wieder«, versicherte er immer wieder.
»Wird auch Zeit«, sagte Henrik. »Bisher war immer nur ich bei dir zu Gast. Janosch wohnt im Tierheim Waldi & Co. Er ist ein vortrefflicher Betreuer der Tiere und kennt viele Wundermittel.«
»Waldi & Co? Was ist denn das schon wieder?«
»Ach so, das kennst du ja auch noch nicht.« Henrik kratzte sich am Hinterkopf. »Ich muss dir wirklich noch viel zeigen.« Dann erklärte er aber: »Waldi & Co. ist ein Tierheim. Dort werden herrenlose, kranke oder vernachlässigte Tiere aufgenommen. Meine Schwester wohnt dort. Sie ist mit einem Tierarzt verheiratet.«
»Aha«, sagte Jens. Mehr wusste er nicht zu sagen. Damit kam er jedoch bei Henrik schlecht an. »Nichts aha! Wir haben dort ein Bambi, das im Freigehege lebt, den Esel Fridolin, der aus Italien stammt, und dann lebt dort seit kurzem Mogli. Das ist ein junger Schimpanse, der mit der Flasche aufgezogen wurde.«
»Mensch!«, sagte Jens staunend.
»Ich zeige dir morgen alles«, erklärte Henrik und kam sich dabei sehr wichtig vor. Schließlich war Jens’ Vater Galeriebesitzer in Maibach.
Henrik hatte sich inzwischen erklären lassen, was dies war, und es imponierte ihm mächtig. »Wenn wir Glück haben, erzählt Janosch uns dann eine Geschichte. Er hat sehr viel erlebt«, meinte er.
Daran zweifelte Jens keine Sekunde. Herzlich streckte er dem alten Pferdehirten zum Abschied die Hand entgegen.
Auch Henriks Mutter gefiel dem kleinen Besucher sehr gut. Denise hatte sich zu den beiden Jungen gesetzt und aß nun mit ihnen den herrlichen Apfelkuchen. Jens vergaß beinahe das Heimgehen. Erst als Henriks Vater, Alexander von Schoenecker, heimkam, sah er auf die Uhr, wobei ihm einfiel, dass er seiner Mutter versprochen hatte, spätestens um sechs Uhr zu Hause zu sein.
»Bis dahin schaffe ich es nicht mehr, aber wenn ich meiner Mama erzähle, was ich hier alles erlebt habe, wird sie nicht schimpfen.«
»Ich hoffe, du kommst bald wieder«, sagte Denise. Henriks neuer Freund gefiel ihr. Er war höflich und hatte gute Manieren. Henrik, der etwas wild war, konnte von ihm nur lernen.
»Das ist Ehrensache«, meldete sich ihr Jüngster sofort zu Wort. »Ich muss Jens ja noch so viel zeigen. Du brauchst dir um uns keine Sorgen zu machen. Wir sind und bleiben die besten Freunde.«
Das war wieder typisch Henrik. Denise versetzte ihm einen liebevollen Klaps.
*
Die Freundschaft der beiden Jungen vertiefte sich in den nächsten Tagen
