Über dieses E-Book
Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren.
Es war eine mondhelle Maiennacht. Eine jener Nächte, die das Herz mit einer unbestimmten Sehnsucht erfüllen und Träume nach Glück und Liebe erwecken.
Auch Regine Nielsen fand nicht den ersehnten Schlaf. Mit offenen Augen lag sie im Bett und überließ sich ihren Gedanken. Seit dem Tod ihres Mannes und ihres damals zweijährigen Töchterchens Elke fürchtete sie sich vor diesen schlaflosen Nächten. Glücklicherweise waren sie, seit sie als Kinderschwester im Kinderheim Sophienlust tätig war, sehr selten geworden. Aber manchmal, wie in dieser Nacht, überfielen sie die quälenden Erinnerungen an ihre kurze glückliche Ehe wieder mit aller Macht. Dann schien ihr Herz eine einzige blutende Wunde zu sein.
Mann und Tochter waren Schwester Regine in diesem Moment so nah, dass sie glaubte, die Stimmen der beiden zu hören. Deutlich sah sie alle beide vor sich. So greifbar nahe, dass sie das Gefühl hatte, sie seien in ihrem Zimmer.
Heiße Tränen rannen über Regines Wangen, benetzten das Kopfkissen. Um diesem Wachtraum zu entfliehen, knipste sie die Nachttischlampe an. Das Licht verscheuchte die Schatten der Vergangenheit.
Dankbarkeit stieg in ihr auf, als sie sich in dem gemütlichen Zimmer umblickte. Die weißen Schleiflackmöbel, der blaue Teppich und die farblich dazu abgestimmten Vorhänge schufen eine so anheimelnde Atmosphäre, dass die Kinderschwester das Bewusstsein hatte, daheim zu sein.
Regines Gedanken wandten sich nun der Gegenwart zu. Dabei breitete sich ein tiefes Glücksgefühl in ihr aus. Musste sie dem Schicksal nicht unendlich dankbar sein, dass es sie in dieses Kinderparadies verschlagen hatte? Es war eine lohnende Aufgabe, leidgeprüften Kindern den Weg in eine
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Buchvorschau
Eltern unbekannt - Judith Parker
Sophienlust
– 115 –
Eltern unbekannt
Judith Parker
Es war eine mondhelle Maiennacht. Eine jener Nächte, die das Herz mit einer unbestimmten Sehnsucht erfüllen und Träume nach Glück und Liebe erwecken.
Auch Regine Nielsen fand nicht den ersehnten Schlaf. Mit offenen Augen lag sie im Bett und überließ sich ihren Gedanken. Seit dem Tod ihres Mannes und ihres damals zweijährigen Töchterchens Elke fürchtete sie sich vor diesen schlaflosen Nächten. Glücklicherweise waren sie, seit sie als Kinderschwester im Kinderheim Sophienlust tätig war, sehr selten geworden. Aber manchmal, wie in dieser Nacht, überfielen sie die quälenden Erinnerungen an ihre kurze glückliche Ehe wieder mit aller Macht. Dann schien ihr Herz eine einzige blutende Wunde zu sein.
Mann und Tochter waren Schwester Regine in diesem Moment so nah, dass sie glaubte, die Stimmen der beiden zu hören. Deutlich sah sie alle beide vor sich. So greifbar nahe, dass sie das Gefühl hatte, sie seien in ihrem Zimmer.
Heiße Tränen rannen über Regines Wangen, benetzten das Kopfkissen. Um diesem Wachtraum zu entfliehen, knipste sie die Nachttischlampe an. Das Licht verscheuchte die Schatten der Vergangenheit.
Dankbarkeit stieg in ihr auf, als sie sich in dem gemütlichen Zimmer umblickte. Die weißen Schleiflackmöbel, der blaue Teppich und die farblich dazu abgestimmten Vorhänge schufen eine so anheimelnde Atmosphäre, dass die Kinderschwester das Bewusstsein hatte, daheim zu sein.
Regines Gedanken wandten sich nun der Gegenwart zu. Dabei breitete sich ein tiefes Glücksgefühl in ihr aus. Musste sie dem Schicksal nicht unendlich dankbar sein, dass es sie in dieses Kinderparadies verschlagen hatte? Es war eine lohnende Aufgabe, leidgeprüften Kindern den Weg in eine glücklichere Zukunft zu ebnen.
Ein tiefer Atemzug hob die Brust der Kinderschwester. Ein kleines Lächeln huschte wie ein Sonnenstrahl über ihr schmales Gesicht mit den tiefblauen Augen, als sie das Licht wieder ausknipste.
Schwester Regine spürte, wie sie sich entspannte und ins Traumland hinüberdämmerte. Doch kurz darauf wurde sie unsanft aus ihrem Schlaf gerissen. Verwirrt richtete sie sich auf und lauschte. Hatte es nicht geläutet?, überlegte sie und knipste die Nachttischlampe wieder an. Sie stand auf und zog sich ihren Hausmantel über. Dann verließ sie das Zimmer.
Als Schwester Regine an Nicks Schlafzimmertür vorbeikam, blieb sie unschlüssig stehen. Vielleicht sollte sie den Jungen wecken und ihn bitten, sie zu begleiten?
Kurz entschlossen trat sie in Nicks Zimmer und machte Licht. Der Junge war sofort wach. »Was ist los, Schwester Regine?«, fragte er und fuhr sich mit beiden Händen glättend über sein lockiges schwarzes Haar. Dabei sah er die Kinderschwester erschrocken an.
»Es hat geläutet, Nick. Ich glaube kaum, dass ich mich verhört habe. Und weil es schon fast drei ist, ist es mir lieber, wenn du mit hinunterkommst.«
»Klar, Schwester Regine.« Der Fünfzehnjährige war sofort einverstanden und stand auf. Rasch schlüpfte er in seinen weinroten Bademantel und folgte der Kinderschwester. »Ein Glück, dass ich heute hier geblieben bin«, meinte er, als die beiden nebeneinander die Treppe hinuntergingen.
»Ja, das ist es, Nick.« Schwester Regine lächelte den Jungen an.
Nick, der mit vollem Namen Dominik von Wellentin-Schoenecker hieß, war der Erbe und Besitzer von Sophienlust. Er hatte das Gut von seiner Urgroßmutter Sophie von Wellentin geerbt, deren Wunsch es gewesen war, das Herrenhaus in ein Heim für heimatlose und in Not geratene Kinder umzugestalten. Bis zu seiner Großjährigkeit verwaltete seine Mutter, Denise von Schoenecker, das Erbe.
Nick wohnte mit seiner Mutter und seinem Stiefvater Alexander von Schoenecker eigentlich auf Gut Schoeneich. Er konnte jedoch jederzeit in Sophienlust übernachten, da er auch hier ein eigenes Zimmer hatte.
Schwester Regine wusste, dass Nick ein sehr vernünftiger Junge war, auf den man sich stets verlassen konnte. Das war auch der Grund, weshalb sie ihn kurzerhand geweckt hatte. Jetzt schloss sie die Haustür auf und blickte hinaus. Unter der erleuchteten Lampe am Parktor sah sie einen Mann stehen.
»Ich habe mich also doch nicht verhört«, stellte Schwester Regine sichtlich erleichtert fest, weil sie Nick damit nicht umsonst geweckt hatte. »Sieh doch, der Mann hat etwas auf den Armen. Ein Bündel? Vielleicht ein kleines Kind? Bestimmt ist es ein Kind!«, rief sie erregt.
Ehe Nick es sich versah, war die Kinderschwester bereits die Freitreppe hinuntergelaufen und ging nun mit schnellen Schritten auf das Parktor zu. Nick sah, dass der Mann sich plötzlich umwandte und davoneilte.
Schwester Regine schloss eiligst das Tor auf und hatte den Fremden bald eingeholt. Als er weitergehen wollte, hielt sie ihn am Arm fest und fragte: »Warum haben Sie uns zuerst aus dem Schlaf geläutet, wenn Sie nun doch wieder fortgehen wollen?« Ihr Blick heftete sich auf das Bündel. Also doch, dachte sie. Es ist tatsächlich ein kleines Kind.
Schwester Regine sah wieder den Mann an, dessen Gesicht vom Mondlicht übergossen war, so dass sie den verstörten Ausdruck in seinen Augen erkennen konnte.
»Ich …, ich hatte geglaubt, es würde niemand aufmachen. Außerdem habe ich … Gut, ich komme mit zurück«, stotterte der Unbekannte.
»Nicht wahr, Sie wollten das Kind zu uns bringen?«, fragte die Kinderschwester mitfühlend. »Ist es krank?« Sie blickte in das runde Kindergesicht mit den geschlossenen Augen. Ein gehäkeltes Mützchen verdeckte nur halb das helle Haar.
»Evi scheint Prellungen davongetragen zu haben. Ich habe kurz vor Wildmoos einen Autounfall gehabt und erfahren, dass ganz in der Nähe ein Kinderheim ist. Ich heiße Rösler. Bernd Rösler«, stellte sich der Mann leise vor.
»Kommen Sie erst einmal mit ins Haus«, bat Schwester Regine. »Dort können Sie mir alles erzählen. Ich bin die Kinderschwester Regine. Und das ist Dominik von Wellentin-Schoenecker«, stellte sie Nick vor, der ihnen entgegengekommen war.
»Guten Abend«, sagte der Junge. »Oh, Sie haben ein kleines Kind. Ist es ein Mädchen oder ein Junge?«
»Ein Mädchen. Evi ist eineinhalb Jahre alt. Es tut mir leid, dass ich Sie mitten in der Nacht aufgeweckt habe. Aber ich wusste mir einfach keinen Rat mehr. Das …« Er stockte.
»Ja?«, fragte Schwester Regine und überlegte, ob sie nicht doch lieber Frau Rennert wecken sollte. Aber dann dachte sie daran, dass sich die Heimleiterin den ganzen Tag sehr angegriffen gefühlt hatte und dringend ihren Schlaf benötigte. Außerdem war ja Nick bei ihr.
Als sie die Halle betraten, machte Nick das große Licht an. Schwester Regine entging nicht das verhärmte Aussehen des unerwarteten Besuchers und auch nicht das unstete Flackern in seinen Augen. Ihr Gefühl sagte ihr, dass sich dieser Mann in irgendwelchen Schwierigkeiten befand. War er vielleicht auf der Flucht? Genauso sah er aus.
Das Interesse der Kinderschwester wandte sich nun wieder dem kleinen Mädchen zu, das jetzt die großen tiefblauen Augen aufschlug und sich erstaunt umblickte. Dann aber verzog sich sein Mündchen weinerlich. »Geben Sie mir bitte das Kind«, bat Schwester Regine.
Bernd Rösler reichte es ihr sichtlich erleichtert.
»Nick, bitte geh voraus zum Krankenzimmer und mache Licht. Ich will die Kleine zuerst untersuchen. Vielleicht ist es nötig, dass wir sie ins Krankenhaus bringen müssen.«
»Auf keinen Fall!«, rief Bernd Rösler heftig.
Erstaunt richteten sich die Augen von Schwester Regine und Nick auf ihn. Dann warfen die beiden sich einen verstohlenen Blick zu.
Bernd Rösler entging die stille Zwiesprache zwischen der hübschen blondhaarigen Kinderschwester und dem dunkellockigen großen Jungen nicht. »Ich habe eine Abneigung gegen Krankenhäuser«, erklärte er leise. »Wenn Evi nicht viel geschehen ist, möchte ich sie lieber hierlassen.«
Das Krankenzimmer war mit weißen Stahlrohrmöbeln ausgestattet. Es gab darin zwei Betten und Nachtkästchen, einen Tisch und zwei Stühle.
Die Kinderschwester legte das Kind auf ein Bett und wickelte die Kleine aus der Decke. An der sauberen Kleidung erkannte Schwester Regine, dass das kleine Mädchen in keiner Weise vernachlässigt war. Es war auch wohlgenährt. Bernd Rösler war dagegen auffallend mager. Auch seine Kleidung ließ zu wünschen übrig.
»Also, Evi heißt du«, stellte die Kinderschwester lächelnd fest, als sie das Kind auszog und genau untersuchte. »Sie hat leichte Prellungen am linken Bein und am linken Arm«, stellte sie nach der Untersuchung fest. »Ich wäre doch dafür, dass Sie das Kind in ein Krankenhaus bringen, Herr Rösler.«
In den dunklen Männeraugen blitzte es erregt auf. »Bitte, Schwester, behalten Sie Evi hier. Ich komme auch für alle Unkosten auf.«
Nick, der bis dahin still zugesehen hatte, mischte sich nun ein. »Schwester Regine, tun Sie doch Herrn Rösler den Gefallen. Frau Dr. Frey kann Evi morgen früh untersuchen. Wo steht denn Ihr Wagen, Herr Rösler? Weit von Wildmoos entfernt?«
»Nein, nicht weit«, murmelte er. »Ich werde jetzt gehen, um mich um das Auto zu kümmern.«
»Vor morgen früh können Sie doch nichts unternehmen«, meinte Nick. »Sie können doch hierbleiben. Morgen früh rufen wir dann die Werkstatt an und …«
»Auf keinen Fall bleibe ich hier!«, rief der Mann nervös. »Der Morgen graut doch schon. Ich nehme mir ein Zimmer in Wildmoos.«
»Im Gasthof ›Zum grünen Krug‹ bekommen Sie bestimmt noch ein Zimmer«, sagte Schwester Regine rasch. Es war ihr lieber, dass der Besucher wieder ging. Irgendwie kam er ihr undurchsichtig vor.
»Gut, dann gehe ich.« Bernd Rösler strich dem bereits wieder schlafenden Kind leicht über das spärliche rötlich schimmernde Haar. »Dein Vati kommt bald wieder«, sagte er
