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Buchvorschau
Ponys am Meer - Lise Gast
1
Ich schreibe im Zuge, und obwohl er sich D-Zug nennt, schwankt er so, daß meine Schrift aussieht, als wäre ich in der vorletzten Klasse der Volksschule sitzengeblieben. Das hat den Vorteil, daß jeder, der mein hiermit beginnendes Tagebuch – man könnte auch sagen: meine Reisechronik – vor die Nase bekommt, nach spätestens zwölf Zeilen aufgibt. Diese Aufzeichnungen sind auch nicht für neugierige Augen von Verwandten bestimmt, sondern nur für mich. Vermutlich werde auch ich sie nie wieder lesen, außer vielleicht später im Altersheim, wenn ich mich Sonntag nachmittags langweile und alle anderen Besuch bekommen.
Ich fliege also per Bundesbahn einer der Nordfriesischen Inseln entgegen. Seit ich sie im Atlas gefunden habe, bin ich auf eine lange Fahrt gefaßt. Von München bis Dagebüll – und dann geht es eigentlich erst los, denn dann löst man sich vom Festland – senkrecht nach oben, beinahe durch das ganze Westdeutschland. Da ist ein dickes Tagebuch mit vielen leeren Seiten die einzige Möglichkeit, die Zeit zu verbringen, nachdem alle Kreuzworträtsel liegengebliebener Zeitschriften fast ganz gelöst wurden. Einen Nebenfluß in Spanien und eine Adelsschicht im alten China (oder Peru, ich weiß es nicht mehr) hat mir niemand im Abteil nennen können. Ich habe herumgefragt.
Diese meine Nordlandreise mache ich nicht ganz freiwillig. Die Großfürstin legte mir nahe, München zu verlassen. Sie erlebt viel Kummer mit mir, obwohl sie, ladylike wie sie ist, das nie aussprechen würde. Eine andere Mutter hätte ihre Tochter heftig zur Rede gestellt: »Du bist das zweiundzwanzigste Mal unwahrscheinlich spät nach Hause gekommen, ohne mir mitzuteilen, warum, und ich ahne Furchtbares! Fort mit dir in Zwangserziehung!«
Das würde meine Altvordere nie sagen. Bei ihr heißt es etwa so:
»Du, Cor, meine Freundin in Wyk auf Föhr sucht eine Hilfe für die Hochsaison in ihrem Gästehaus. Und du hast diesen Winter manchmal gehustet. Ob Nordseeluft nicht gut für dich wäre? Geh, sei nett und hilf ihr ein paar Monate lang, sie zahlt gut, soviel ich weiß, und Trinkgelder gibt’s auch ...«
Worauf ich nach reiflichem Überlegen von zwei Minuten Dauer ja sagte. Zu Hause bei uns ist es nicht sehr ruhig, weil Mutter Schnauzer züchtet, es kläfft also von früh bis spät um unser reizendes Häuschen, und außerdem habe ich mich mit Peter verzankt, der sozusagen den Grund meines späten Nach-Hause-Kommens bildet. Bitte keine falschen Schlußfolgerungen: Peter ist Schauspieler, und unser Zusammensein kann eben nur nach der Vorstellung stattfinden, so daß es zwangsläufig spät werden muß, wenn man noch nach Waldtrudering hinaus muß.
Ich fuhr also ganz gern weg. Peter kann ruhig einmal ausprobieren, wie München ohne Corinna schmeckt, und die Nordsee hat mich schon immer gelockt. Außerdem soll es im Möwenhof, dem ich entgegeneile, Reitponys geben, auf denen die Gäste durch die Brandung sprengen. Da ich seit Jahren in München im Reitverein nicht nur förderndes, sondern auch aktives Mitglied bin, kommt mir das nicht ungelegen. Man kann Trinkgelder gut in Reitstunden anlegen, vielleicht aber darf man auch unentgeltlich ...
Eines freilich möchte ich nicht. Die Großfürstin, also Mutter, kurz gesagt, und die Besitzerin jenes Möwenhofes sind Freundinnen von früher her. Sie haben sich, sentimental wie man in ihrer lang, lang vergangenen Jugendzeit war, vorgenommen, später ihre Kinder miteinander zu verheiraten. Nun setzten sie tatsächlich alle beide auch eine ganze Menge in die Welt, Mutter drei, zwei wohlgeratene blonde Brüder und mich schwarzes Schaf – und die Möwe da oben in der salzigen Nordseeluft noch mehr, soviel ich weiß. Mir den Mann meines Lebens aber von der vorhergehenden Generation aussuchen und vorschreiben zu lassen, das mag ich nicht. Dazu bin ich wohl schon zu erwachsen und erfahren; ich hätte es übrigens mit siebzehn auch nicht gemocht. Und mein Zerwürfnis mit Peter ist nicht so tiefschürfend, daß es nicht eine nette Versöhnung nach sich ziehen könnte. Hier also, liebe Vorfahren von Anno dunnemals, spiele ich nicht mit. Und jetzt kommt Hamburg, und ich muß zum Fenster hinausgucken, denn allzuviel gereist bin ich in meinem jungen Leben noch nicht, vor allem nie im D-Zug, was ja viele Vorzüge hat, wenn Mutter es bezahlt.
Nun sitze ich schon wieder in einem neuen Zug; denn in Hamburg mußte ich umsteigen, was ich allerdings erst im letzten Moment merkte. Aber ich kam noch gut über. Soeben trank ich Kaffee im Speisewagen und kam mir vor wie eine Gräfin von und zu. Das Land ist flach, von heckenbestandenen Knicks unterteilt, hell und freundlich. Mir gegenüber sitzt ein junger Mann mit Vollbart. Ich sehe durch ihn hindurch; denn ich kann Vollbärte nicht leiden, noch dazu bei jungen Männern.
Die Großfürstin hat mir einen Prospekt von der grünen Insel Föhr aufgedrängt. Es ist an der Zeit, mich darin zu vertiefen. Wie bei allen derartigen Schriften ist der anzusteuernde Ort natürlich das Paradies auf Erden. Sanfter Wellenschlag, Jodwinde – ich bin bisher immer ohne Jodbefächelung ausgekommen und dabei so gut gediehen, daß ich beim Anprobieren von neuen Hosen dankbar aufatme, wenn die Verkäuferin die Umkleidekabine verläßt, ehe ich den Bund zuziehe – und dreizehn Dornröschendörfer. Na schön.
Schon wieder bin ich umgestiegen, diesmal mit Hinüberlaufen zu einer Kleinbahn, die aus zwei Waggons besteht. Himmel, wer da alles mit will! Frauen mit Kindern auf dem Arm und Körben, in denen Hühner gackern, bei Fuß, und Männer, die fürchterlichen Tabaksqualm von sich geben. Beim Umsteigen springt einen der Seewind an. Das Abenteuer beginnt.
Leider sitzt mir der Vollbart wieder gegenüber. Ich hoffte, er führe weiter nach Sylt und stürzte sich dort ins mondäne Badeleben. Mit solch einem Bart kann man unmöglich ein Dornröschendorf heimsuchen wollen, das ist ein Widerspruch in sich.
Wir zuckeln durchs Flachland. Eine Station heißt Blocksberg, wiederum ein Widerspruch. Und jetzt kommt Dagebüll. Alles greift alarmiert zum Gepäck, aber vom Meer sieht man noch nichts. Aha, der Deich ist davor. Unser Bähnlein nimmt dreimal Anlauf, um bis zum Hafen zu gelangen. Ich wäre nicht böse, wenn es aufgäbe und zurückführe – und ich mit ihm. Auf einmal erscheint mir das Ganze fragwürdig und dumm. Eine Insel. – Insel hat so etwas Endgültiges. Ob man eigentlich dort abreisen kann, wenn es einem nicht mehr paßt? Oder ob es dann lakonisch heißt: »Tut mir leid, geht kein Schiff ...«?
Endlich Meer, Weite, sanftes Schaukeln, salzige Luft. Ich sitze vorn auf dem Fährschiff und sauge die Lungen voll. Das ist schon etwas anderes als die Münchner Luft, wenn Föhn ist!
Dagebüll bleibt zurück, es entzieht sich dem Schiff auf jene merkwürdige Art, wie Festland es an sich hat, von dem man fortgeschippert wird. Früher spielten sie dabei »Muß i denn, muß i denn ...«, später eine Zeitlang »Freut euch des Lebens ...«. Hier wird nichts gespielt. Das Fährschiff ist ein nüchternes Transportmittel, ähnlich einer Straßenbahn, und die Möwen sind viel größer, als ich dachte. In dem Lustspiel »Dover-Calais« spielt Peter den Obermaat, oder möchte ihn spielen, zu blöd nur, daß er dazu einen Bart tragen muß ...
Hupp, da war etwas Hartes an meinem Kopf, besser: mein Kopf an etwas Hartem. Eine Kistenkante – Kisten sind hier überall aufgestapelt. Ich muß eingeschlafen und vornübergefallen sein. Das gibt eine bildschöne Beule an der Stirn. Egal, ich fahre nicht zum Möwenhof, um Eroberungen zu machen, sondern um zu arbeiten. Daß ich aber hier glatt eingeschlafen bin, wo es doch so interessant, auf jeden Fall aber neu für mich zu werden anfängt ...
»Warten Sie, es blutet. Ich hab’ ein sauberes Taschentuch da«, sagt jemand neben mir. Ich hatte instinktiv und, zugegeben, ziemlich töricht an meinem Kopf herumgewischt – Beulen kann man bekanntlich nicht wegwischen. Daß es aber bluten soll ... doch, jetzt merke ich es, es rieselt so warm. Danke. Ich finde es nett, umsorgt zu werden; daß der hilfreiche Geist allerdings – Gott steh’ mir bei! – der immer noch nicht ausgestiegene Vollbart ist, bedauere ich ein wenig. Das Fährschiff aber geht – ich erinnere mich jetzt – weiter nach Amrum. Vielleicht bleibt er an Bord, und ich steige aus.
Hilfreich ist er sehr, zart und geschickt. Als es zu bluten aufhört, klebt er mir ein Pflaster auf. Inzwischen hat sich die »Pidder Lüng« der Mole genähert und geht längsseits, wie das wohl heißt, Wyk auf Föhr, alles aussteigen!
2
Das war die Einleitung, die in jedes Buch gehört. Wenn ich sie überlese, kommt es mir vor, als seien hundert Jahre vergangen, seit ich sie schrieb. Damals kannte ich den Möwenhof noch nicht.
Wenn man von der Straße her kommt, ist er weiter nichts Besonderes. Ein langgestrecktes Haus, soweit ganz hübsch, reetgedeckt, jedenfalls in die Landschaft passend. Ich war mit einem Auto gekommen, dessen Fahrer mir aufmunternd zunickte, als er mich, meine beiden Gepäckstücke in den Händen und die verpappte Beule auf der Stirn, an der Landungsbrücke stehen sah. Ich muß wohl einen etwas verlorenen Eindruck gemacht haben, so was hat also auch seine Vorteile.
»Wohin?«
»Möwenhof.«
»Ich auch.«
Es stellte sich dann heraus, daß er nur etwas abzugeben hatte – außer mir. Niemand war da, und so legte er sein Paket auf die Schwelle, winkte mir zu und verschwand. Ich stellte meine Köfferchen ab und ging ums Haus herum. Und da, ja – da – – –
Da muß ich wohl etwas genauer werden. Wie die Zimmer im Möwenhof zueinander liegen, weiß ich noch nicht, es ist auch gleichgültig. Daß aber an das langgestreckte Gebäude des Möwenhofes ein anderes stößt, im rechten Winkel, so daß also eine Art Innenhof entsteht, das ist wichtig. Die Dächer beider Häuser sind vorgebaut, sie geben Schutz bei Regen oder Schnee – ich ahne nicht, ob es hier auf der Insel schneit, aber es könnte ja sein –, und darunter sind, die ganzen Wände entlang, kleine hölzerne Raufen angebracht. An denen standen, als ich, unschlüssig, was zu beginnen sei, um die Ecke schlenderte, viele kleine, dicke, runde Pferdchen nebeneinander und fraßen Heu. Auch ein paar größere waren da, das bemerkte ich aber erst später. Etwas zurückliegend, also nicht mehr im Schutz der Dächer, stand ein flacher, runder Holzbottich, neben dem sich ein Schlauchende schlangenartig ringelte.
Ich habe Pferde immer gern gemocht. Der Anblick dieser kauenden Winzigkeiten aber, denen dicke Haarbüschel über die schmalen und kecken Nasen fielen, dieser rundlichen Kruppen und schlagenden Schweifchen, versetzte mich augenblicklich in atemloses Entzücken. Mir war, als habe ich mein ganzes bisheriges Leben nur auf dieses »Vorhang auf!« gewartet. Jetzt erst beginnt der erste Akt.
Die Möwe erschien dann auch irgendwann einmal auf der Bühne. »Möwe« ist gleichbedeutend mit Besitzerin des Möwenhofes, Freundin der Großfürstin, meine Brötchengeberin ab heute. Aber auch sie ist nur ein Statist in diesem Stück. Wer könnte wohl bestehen oder Eindruck machen neben dieser kugelig runden, vielbeinigen Herde bezaubernder Hauptpersonen!?
Sie nannte mir, Stück für Stück, die Namen der Kleinen, angefangen beim Hengstchen Perkeo bis hin zur braven, breiten Zuchtstute Genofeva. Genofeva, um irgendwo anzufangen, ist goldfarben mit schwarzer Mähne und schwarzem Schweif, sehr breit, und hat den durchhängenden Bauch, den man oft bei guten Zuchtstuten findet. Ihr zur Seite knabberte ein schlanker Halbjähriger, ganz die Mutter, der vom Vater lediglich den kecken Stern auf der Stirn geerbt zu haben scheint. Perkeo ist ein Fuchs mit heller Mähne und weißen Beinen, bei Shetlandponys sehr selten, und trägt auf der Stirn einen asymmetrischen weißen Fleck, den er diesem Sohn vererbt hat. Übrigens scheint er ihn in kleinen Abwandlungen jedem Kind mitzugeben, jedenfalls allen diesjährigen, wie ich feststellen konnte. Alle unsere Fohlen haben den Stern auf der Stirn – ich sage schon »unsere«. Gedacht habe ich das übrigens von der ersten Sekunde an.
Ach, wo soll man anfangen, wo aufhören? Da sind zum Beispiel zwei ganz besonders nette Schimmelchen. Eins heißt Morchen. Das ist nicht ganz so idiotisch, wie es sich anhört. Alle Schimmelfohlen werden schwarz geboren, und dies heißt außerdem eigentlich Moritat, weil seine Mutter Morea heißt, und wurde von Anfang an in Morchen abgekürzt. Der andere Schimmel heißt Elfe, und das ist fast noch komischer. Denn unter Elfe stellt man sich doch meist etwas ätherisch Schlankes vor, unser Elfchen aber ist vielleicht das derbste und stämmigste Pony der ganzen Schar.
»Wir halten uns eine so große Menge kleiner Ponys, weil es auf Föhr unheimlich viele Kinderheime gibt«, erklärte die Möwe. »Die kleineren Pferde bringen das Geld. Kinder sind wie verrückt auf sie, all ihr Taschengeld geht drauf für Spazierfahrten und Ritte. Wir besitzen drei kleine Kutschen, die zweispännig gefahren werden und die ihre Anziehungskraft nie verlieren. Außerdem sind sie die einzige Freude mancher Kinder, die zeitweise oder auch für immer nicht laufen können. Du wirst hier manches erleben, Cor.«
Die Möwe duzt jeden Menschen, vom Briefträger bis zum Regierungsrat. Sie ist lang und hager und besitzt einen stillen Humor, einen »englischen« Humor, wie mir scheint. Ich habe diese Art von stillvergnügtem Schmunzeln bisher nur in englischen Romanen erlebt. Meist geht sie in Reithosen und Männerpullovern umher, und wenn es kühl wird, trägt sie Herrenjacketts dazu, die längst aus der Mode sind. Dazu hat sie sommers und winters, morgens und abends – nur in der Kirche, beim Essen und im Bett nicht, nehme ich an – eine kleine, flache Schlägermütze auf dem Kopf, schottisch kariert, ohne die sie einfach nicht sie selber wäre. Ich habe sie samt Mützchen sofort ins Herz geschlossen, obwohl ich ja mit einem ziemlichen Vorurteil herkam: Backfischfreundschaften von früher, die die beiderseitigen Kinder miteinander verheiraten wollen – brrr! Aber mit dieser Möwenfrau kann man ein Leben lang befreundet sein. Ich verstehe meine Altvordere, die Großfürstin, jetzt sehr gut.
Bleiben wir bei den Pferdchen. Da ist Blinka, eine Scheckstute, schwarz-weiß, ehrgeizig im Ziehen, schwierig zu reiten. Auf sie dürfen nur Kinder, die von Hause aus schon einige Reitkünste mitbringen, denn sie darf nicht verdorben werden. Daneben Beate, ihre Halbschwester. Beate ist das Pony, auf das man jedes Kind setzen kann: narrensicher, gutmütig bis zur Selbstaufgabe. Es fehlt nur noch, daß sie, wie ein Kamel, sich hinkniet, damit faule Jungen, die nicht aufspringen wollen, hinaufsteigen können. Eigentlich braucht Beate einen eigenen Pferdepfleger, der nur dazu
