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Buchvorschau
Das Leben findet heute statt - Lise Gast
Suche beherzte Abiturientin
zu vier ungezogenen Kindern. Beaufsichtigung von Schularbeiten, Klavierüben und Halswaschen. Mutter berufstägig, Großmutter im Haus. Wenig Taschengeld, dafür viel Famienanschluß und Freizeit. Zuschriften unter: „Mit uns durch dick und dünn" an die Redaktion dieses Blattes.
„Na, ich muß ja sagen", murmelte Aki. Sie saß im Waschsaal auf dem Fensterbrett, die Beine auf einen Schemel gestemmt, ein Handtuch als Turban um den Kopf. Was sie sonst noch anhatte, war nicht der Rede wert. Auf ihrem Schoß immerhin befand sich ein Zeitungsblatt, das sie gerade glattstrich. Eine Tube Schampun war darin eingewickelt gewesen, die Mechtild diesmal hatte bezahlen müssen. Sie und Mechtild wetteten immer um Schampun und verbrauchten es dann gemeinsam. Auf diese Weise tat es nicht so weh, wenn man verlor.
„Was hast du denn?" fragte Mechtild. Sie war noch beim Kopfwaschen, stand, in Turnhemd und Sporthose, über das Becken gebeugt und massierte ihre Seifenmütze.
„Ach, hier, eine Anzeige. Ob da jemand drauf antwortet?"
„Heirats ...?"
„Bewahre. Du denkst immer dasselbe. Ich glaube, wenn du in Geschichte mit der Politik Maria Theresias drankommst ... „Die war aber auch eine tüchtige Frau! Und weißt du, warum sie alle Leute verheiratete? Weil sie selber ...
„’türlich. Sie wollte alle Welt um sich her glücklich sehen. Kann ich nachfühlen. Nein, diesmal handelt es sich nicht ums Heiraten, sondern um dessen Konsequenzen. Um vier ungezogene Kinder, die ungern Schularbeiten machen, sich vor dem Klavierüben drücken, obwohl die schuftende Mutti die teuren Stunden bezahlt, und die sich ihre Hälse nicht waschen. Toll, so was zuzugeben. Mütter sind da doch gewöhnlich total verblendet."
„Wer gibt was zu? Du sprichst in Rätseln, holde Sphinx, sagte Mechtild. Sie hatte jetzt den Kopf unter den warmen Hahn gesteckt und bewegte ihn hin und her. Es sah aus wie die Vorübung zu einem Schlangentanz. Dann drehte sie zu, warf die vor Nässe dunkle Mähne, klatsch, zurück, wischte sich das Gesicht ab und die Augen aus und kam herübergetappt. „Zeige mal! Was bewegt dein Herz?
„Bitte. Aki hielt das Zeitungsblatt so, daß das spärliche Licht der Deckenlampe drauffiel. „Vorsicht, tropf’ es nicht voll! Vielleicht ...
„Willst du hinschreiben? Klar! Student mit Auto, Reise nach Südfrankreich, getrennte Kassen ..."
„Du bist gemütskrank. Drunter! Hier! Student mit Auto – was denkst du denn! So was täte ich doch nie ..."
„Eben. Wahrscheinlich ist er klein und schielt oder hat einen Sprachfehler. Sonst brauchte er doch nicht zu annoncieren. Drunter? Zwergdackel, auf den Namen Schnucki hörend, entl ..."
„Quatsch, hier! Abiturientin – vorsichtshalber steht davor ‚beherzte‘ – Aki las, ungeduldig und ein wenig ärgerlich über Mechtilds Begriffsstutzigkeit, die Anzeige nun selbst vor. „Mach’ schon, daß du fertig wirst. Es wird gleich gongen.
„Eile mit Weile, sagt die Lene immer. Ich eile also weilend. Du, ich find’ das gar nicht unflott. Wenn ich Klavier spielen könnte, würde ich hinschreiben. Wenig Taschengeld, hm – aber der reichliche Familienanschluß macht alles wett. Vielleicht ist da auch ein größerer Sohn. An den könnte man sich anschließen."
„Ach, Mechtild. Du mit deinem ewigen Kehrreim! Aber Taschengeld, etwas wenigstens, ehe man gar nichts verdient. Und freie Station hätte man doch auch, könnte also alles sparen. Freilich, vier ungezogene Gören ..."
Aki lag an diesem Abend noch lange wach, als alle andern im Schlafsaal schon schliefen. Sie dachte an Onkel Erich, ihren Vormund, den sie heiß verehrte.
Er hatte ihr die Schule finanziert, nun kam also das Studium. Wie oft hatte sie diesen Zeitpunkt herbeigesehnt, und jetzt, da es fast soweit war, wünschte sie beinah, in Unterprima sitzengeblieben zu sein. Was sollte nun aus ihr werden?
Die andern wußten es alle. Wer nicht sofort in den Beruf startete, ging nach Hause. Sie hatten alle ein Zuhause, manche zwar nur noch die Mutter, doch alle Geschwister. Bis auf sie. Sie hatte kein „Wir", sie hatte nur Onkel Erich.
Übrigens war es gemein, „nur" zu denken, geschweige denn, es je zu sagen im Zusammenhang mit Onkel Erich. Dr. Erich Brückner, Freund und bester Kamerad ihrer Eltern, war der geliebteste und beste Patenonkel unter der Sonne, nein, unter Sonne, Mond und sämtlichen Fixsternen und Planeten. Aki wußte nicht mehr, wie es war, Eltern zu haben, eins aber wußte sie genau: sie würde Onkel Erich für keine der Mütter ihrer Klassenkameradinnen hergeben. Er war einmalig und das Große Los. Das hatte ihr auch jede aus der Klasse neidlos zugestanden, als er sie einmal hier besuchte. Alle fanden ihn prima.
Er praktizierte nicht mehr. Ganz plötzlich hatte er damit aufgehört, war nach München gegangen und hatte dort bei einem Bildhauer viele Wochen verbracht. Hatte ihr nichts davon geschrieben und sie nicht angerufen, nur ein kurzer herzlicher Gruß stand immer auf dem Abschnitt ihrer Taschengeld-Überweisung. Jetzt lebte Onkel Erich wieder in seinem Haus, das er bis auf das Dachgeschoß an seinen Nachfolger vermietet hatte. Dort arbeitete er.
Aki wußte, woran. Deshalb war er ja auch bei dem Bildhauer gewesen. Er hatte seine Frau früh und den einzigen Sohn im Krieg verloren. Das Gesicht dieses Sohnes zu modellieren, war sein Wunsch. Es war kein besessener Ehrgeiz, kein verrückter Versuch, etwas wieder lebendig zu machen, was der Vergangenheit angehörte. Er modellierte auch andere Dinge, Tiere, Kinderköpfe, Hände. Aber immer wieder kehrte er zu dieser Aufgabe zurück.
Aki war glücklich, wenn sie die Sachen sehen durfte, an denen er sich mühte. Er war still, versunken in das, was ihm wichtig schien; immer freundlich, wenn man kam, immer beschäftigt, wenn man wieder fort mußte. Aki fühlte eine plötzliche erstickende Sehnsucht, ihn wiederzusehen, schnell, am liebsten gleich. Er war nicht mehr jung, älter als ihr Vater jetzt sein würde, er konnte ihr heute oder morgen genommen werden. Sie hatte schon die Beine aus dem Bett und angelte nach den Hüttenpatschen. Bademantel an und los. Die „Lene" war sicher noch wach. Aki sauste die Treppe lautlos, obwohl immer drei Stufen auf einmal nehmend, hinauf.
Die Lene, Frau Dr. Helene Ludwig, war wirklich noch wach. Aki klopfte, nachdem sie tief Luft geholt hatte, und trat ein. Es roch nach Äpfeln, Zentralheizung und Zigaretten.
„Na, so später Besuch? Was gibt’s denn Besonderes?" fragte die Lene und legte das Buch weg, in dem sie gelesen hatte. Sie saß nicht etwa korrigierend am Schreibtisch, sondern lag auf ihrer Couch, ein Buch in der Hand, bei abgeschirmter Lampe, sehr behaglich.
„Ja. Ich möchte morgen gern – ich hätte gern Sonntagsurlaub", sagte Aki. Sie stand, ein wenig linkisch, vor der Couch der Gestrengen, die absolut nicht streng guckte; der Kragen ihres Bademantels bauschte sich um ihr Gesicht und ließ es schmaler erscheinen als sonst. Es war länglich und mehr gescheit als hübsch, jetzt sah es gespannt und anziehend aus.
Die Lene betrachtete Aki wohlwollend. Sie mochte diese Art von jungen Mädchen besonders – uneitel, zielbewußt, gescheit und voller Pläne, eine Jugend, an der man seine Seele weiden konnte.
„Skilaufen? Freilich, bei dem Schnee!"
„Nein, nicht skilaufen. Ich möchte zu meinem Onkel." Einen Augenblick war vor Aki die Vision von blendenden Hängen, von stiebendem Pulver und knarrendem Harsch. Warum eigentlich nicht? Onkel Erich lief ihr nicht weg, dieser Schnee aber blieb nicht ewig.
Sie strich das durch. Wußte sie, was ihr nächsten Sonntag dazwischenkommen konnte?
„Ich habe ihn so lange nicht gesehen."
„Gut, fahr! – Übrigens ..."
Aki hatte sich sofort verabschieden wollen, das war so Sitte im Heim. Man konnte jederzeit zur Lene, mußte sich aber so kurz fassen, daß man eigentlich schon wieder draußen war, ehe man recht zur Besinnung kam. Nur auf diese Weise war es möglich, daß tatsächlich jeder mit einer Wichtigkeit bis zur höchsten Instanz gelangen konnte.
„Ja?" fragte Aki und bremste.
„Hast du Fahrgeld? Dann komm, hier, zwei Mark. Das übrige mußt du selbst auftreiben. Still, bitte. Gute Nacht."
Nun war Aki wirklich draußen. Toll, diese Lene, großartig! Zwei Mark! Damit kam man per Bummelzug bis zu Onkel Erich, um die Rückfahrt machte man sich noch keine Gedanken. Wundervoll! Der erste Zug ging gleich nach sechs in der Frühe. Schnell noch den Wecker stellen.
Als sie im Bett war, fiel ihr ein, daß sie Onkel Erich doch etwas mitbringen müßte. Im Werkunterricht hatten sie jetzt schöne Kästchen hergestellt, Holz, wunderbar geschliffen, das sich anfaßte wie Seide. Aki sprang aus dem Bett und kramte ihres hervor, wickelte es in Seidenpapier und suchte dann nach etwas Festerem, um es richtig einzupacken. Dort lag ein Bogen Zeitungspapier. Schön, in die Mappe damit. Und nun ins Bett, Augen zu, die Nacht war kurz.
In dieser Nacht hatte Aki einen Traum. Sie dachte später oft daran zurück, ihr war, als habe sie Andrea Kohlschreiber damals schon kennengelernt, in diesem Traum. Jedenfalls floß ihr das Bild der Frau, die sie kennenlernen sollte, mit dem des Traumes zusammen. Natürlich lag das nahe, denn sie hatte von je die Angewohnheit, sich Leute auszumalen, die sie nie gesehen hatte. Wie sie wohl aussehen würden, wie sie wohnten und was sie trieben, worüber sie sich freuten und was sie erlitten. Nach dieser etwas merkwürdigen Anzeige war es relativ leicht, sich das Richtige auszumalen. Keinen Mann mehr, berufstätig, Kinder, ein großzügiger Haushalt. Sie selbst resolut und nicht ohne Humor. Stichwort: Mit uns durch dick und dünn.
Später schüttelte Aki oft insgeheim den Kopf, wenn sie an diesen Traum zurückdachte. Sie hatte damals schon gespürt, daß diese Frau eine starke, eine ausschlaggebende Rolle in ihrem Leben spielen würde. Die Rolle einer Mutter, einer Freundin, eines Kameraden – beinah undenkbar, dies alles in einer Person zu vereinen. Aber schon im Traum spürte Aki, daß man diese Frau die Hauptrolle ohne Bedauern, ja ausgesprochen gern übernehmen ließ ...
Es saß sich himmlisch-schön hier, gemütlich in einem völlig unspießigen Sinne. Mit Onkel Erich hätte man es auf einem zugigen Bahnsteig ohne Dach, auf einer regennassen Bank inmitten fremder Leute mit Koffern und Reiseunruhe gemütlich gefunden. Er gehörte zu der Art Menschen, die einfach der Pol sind, um den das Leben kreist, in ruhigen, schwingenden Rhythmen. Ob man jemals auch so werden würde? „Was hast du Neues da, Onkel Erich? fragte Aki brennend vor Interesse. „Wie ist der Kopf des Musikers geworden, den du neulich modelliertest? Schön? Darf ich ihn sehen?
„Ich habe jetzt wenig daran getan, Aki, sagte Erich Brückner und lächelte ihr zu mit jenem Lächeln, das sein breites braunes Gesicht so überraschend verschönte. „Ich habe jetzt etwas anderes vor. Glaube nicht, daß ich mich überschätze, Kind, bitte! Aber ich habe so viel in meinem Leben gesehen und erlebt, das möchte ich nicht verlorengehen lassen. Es gibt ein Buch, das heißt ‚ich – kleingeschrieben‘. Das finde ich nett. Mein Buch – oder meine Aufzeichnungen, ich will wahrhaftig nichts weiter, als Interessantes vor dem Vergessenwerden bewahren – müßte eigentlich heißen: ‚ich – nicht dabei‘. Ich bin nur die Linse des Fotoapparates, durch den das Licht fällt, verstehst du? Aber was sich da sammelte, das möchte ich festhalten. Kurz und schlecht, ich schreibe meine Erinnerungen.
„Onkel Erich! rief Aki leise. Ihre Augen glänzten. „Da kommen auch meine Eltern drin vor?
„Natürlich. Er legte seine große warme Hand auf ihre beiden. „Selbstverständlich. Deine Eltern waren mir sehr wichtig und teuer. Aki, es ist schön, ein solch reiches Leben gehabt zu haben wie ich.
„Bestimmt! Sie sah zu ihm auf. Ihr ganzes Herz lag in ihrem Blick. „Onkel Erich, aber sag nicht: gehabt zu haben. Sag: zu haben. Du bist doch noch mittendrin.
„Meinst du? Er sah sie nachdenklich an. „Ich meine – ich persönlich meine – vielleicht irre ich mich –, aber ich habe das Gefühl, als stünde ich an einem neuen Anfang. Immer wieder gibt es neue Anfänge im Leben. Versuch dir das zu merken, Aki. Bei dir ist das wohl klar, daß immer wieder etwas Neues anfängt, aber später ...
„Und nun erzähl von dir. Vom Abitur. Das Schriftliche bestanden? – Angst vor dem Mündlichen?" fragte er nach einem kleinen Schweigen freundlich.
„Nein, keine, Onkel Erich. Erzähl lieber du. Erzähl weiter! „Was soll ich denn erzählen, Kind. Daß ich täglich viele Stunden lang sitze und schreibe? In Schulhefte? Drei sind schon voll. Da, wenn es dich glücklich macht ...
Aki klappte das erste blaue Heft auf. Sie liebte Onkel Erichs Schrift. Er schrieb deutsch, halbgroß, klar und doch so eigenartig, daß nur die wenigsten Menschen es fließend lesen konnten. Mechtild hatte einmal einen Brief von ihm gesehen und gesagt, sie könnte nicht ein Wort entziffern. Aki war beinah tätlich geworden. „Jetzt wird aber hier nicht gesessen und gelesen, sagte Onkel Erich, „wir wollen ein Stück Spazierengehen. Es ist so herrlich draußen, und mein Hausarzt hat mir frische Luft verordnet.
Aki lachte. Onkel Erich, dieser von ihr so heiß geliebte und innig bewunderte Mann, diese Persönlichkeit, zu der man aufblicken mußte, hatte zwei Schwächen. Er lief nicht gern, obwohl es ihm gutgetan hätte, und er aß gern, obwohl es ihm nicht guttat. Diese beiden Dinge wirkten Hand in Hand und hatten aus dem einstigen Hünen einen – leider mußte sie es zugeben – etwas schwerfälligen Riesen gemacht. „Mann mit Bauch", sagte er selbst und lachte, wenn sie wütend protestierte. Jetzt wäre sie lieber hier sitzen geblieben, in diesem Zimmer mit der schrägen Wand, das warm war und sehr heimelig, aber er sollte sich ja bewegen. So legte sie die Hefte schnell auf den kleinen Rauchtisch mit der Messingplatte und stand auf.
„Gern, Onkel Erich. Es ist wunderschön draußen bei diesem Schnee."
Das war es wirklich. Kalt, aber windstill – ein wunderbarer Sonntag. Aki fühlte einen verborgenen Stolz, als Onkel Erich nach einigen Schritten ihren Arm nahm. „Komm, Kind, und sei mir eine Stütze."
Sie gingen durch die Stadtanlagen, in denen überall kleines Volk in bunter Wolle mit Rodelschlitten umherwimmelte. Die Sonne blendete auf dem Schnee und malte die Schatten himmelblau. Aki und Onkel Erich gingen langsam, guckten um sich und schwatzten oder schwiegen.
Eben wollten sie die Straße überqueren, die hier eine Biegung machte. Von oben her kam ein Auto, das keine Schneeketten hatte und entsprechend langsam fuhr. Hier aber war die Fahrbahn glatt durch die Schlitten der Kinder, die immer wieder über den Bürgersteig hinaus ein Stück auf den Fahrdamm rutschten. Das war verboten, ließ sich aber nicht vermeiden. Auch jetzt wieder geschah es, daß ein kleiner buntwolliger Schlittenfahrer über die Grenze des Erlaubten hinaus auf die Fahrbahn schoß, gerade auf das Auto zu. Der Fahrer sah das und bog aus. Aber auf der glatten Straße schleuderte der Wagen und glitt, ungesteuert, seitlich auf den kleinen Rodler zu.
Das alles begab sich in Bruchteilen einer Sekunde, und Aki und Onkel Erich sahen es beide.
Aki starrte wie gebannt auf die ungleichen Fahrzeuge, die einander anzuziehen schienen. Sie verstand sich hinterher selbst nicht, daß sie dagestanden, die Fäuste geballt und die Zähne zusammengebissen und sich nicht gerührt hatte. Onkel Erich aber, der Mann mit Bauch, war, so unwahrscheinlich das klang, nicht still stehengeblieben. Mit einer Behendigkeit, die keiner ihm zugetraut hätte, hatte er Akis Arm losgelassen und war über die Straße gelaufen, um den kleinen Rodler am Genick zu packen. Ruck, riß er ihn aus der Fahrbahn des Wagens, der im selben Augenblick nur noch den Schlitten erwischte. Onkel Erich bekam einen Stoß vom Kotflügel des Wagens ab, der ihn aber nicht umwarf, sondern nur gegen einen an der Straße stehenden Hydranten drückte. Das alles ging so schnell, daß alle, die es gesehen hatten, noch den Atem anhielten, als Onkel Erich den kleinen Rodler – es war ein Mädchen in Trainingsanzug und Bommelmütze – wohlbehalten auf die Beine stellte.
„Das ist noch mal gut gegangen!" sagte Onkel Erich und bückte sich nach seinem Hut. Nicht einmal dabei war ihm Aki zuvorgekommen. Sie mußte heute wahrhaftig von allen guten Geistern verlassen sein und im Schneckentempo schalten. Der Autofahrer hatte seinen Wagen zum Stehen gebracht und stieg aus, blaß und verstört.
„Nein, nein, nichts als der Schlitten, der drüben angebumst ist, ging kapee, sagte Onkel Erich. Auch das hatte er schon registriert. „Natürlich ist der kleine Kerl hier schuld, es ist ja verboten, auf der Fahrstraße zu rodeln. Aber ebenso natürlich wären Sie und ich in diesem Alter hier auch gerodelt.
Er hatte den Fahrer mit einem seiner unaufdringlich scharfen, freundlich-klaren Blicke abgeschätzt. Der sah nicht aus, als ob ihn die Ausgabe für einen neuen Rodelschlitten ernsthaft erschüttern könnte.
„Na, nun weine nur nicht, kleine Olympiasiegerin in spe, du kriegst einen neuen. Dazu sind alte Onkels da. Nein, Kloppe bekommst du auch nicht. Der Schreck war wohl so auch heilsam genug. Wollen wir ihn nicht gemeinsam begießen?"
Aki war jetzt wieder so weit, daß sie sich um das Mädchen kümmern konnte. Sie hatte den zerbrochenen Schlitten von der Fahrbahn geräumt und jenseits des Fußsteiges in den Graben geworfen, so daß er keinem Auto mehr gefährlich werden konnte. Jetzt nahm sie das Mädchen an der Hand, wischte ihm die Nase und rückte die verrutschte Mütze zurecht. Das Kind machte große, erwartungsvolle Augen. Es hatte ein rundes Gesicht mit zwei Grübchen in den Wangen und einem dritten im Kinn und so unwahrscheinlich rote Backen, daß man kaum widerstehen konnte, einen Kuß drauf zu schmatzen.
„Du goldiger Affe! dachte Aki und richtete sich schnell auf. Onkel Erich hatte sich wieder bei ihr„eingeöst
, wie eres nannte.
„Los, ein Versöhnungstrunk. Ich spendiere. Ihr Kinder bekommt Schokolade mit Schlag, wir etwas Besseres. Wo ist die nächste Konditorei?"
Natürlich! Aki hätte es sich denken können, daß der Gesundheits- und Bewegungsausflug in den Besuch eines Cafés ausarten würde. Allerdings hatte Onkel Erich jetzt einen triftigen Grund gefunden. Sie lachte. Erwachsene machen sich also mitunter auch etwas vor. Sie blinzelte zu Onkel Erich auf.
„Bitte, Kind, leg nicht immer den Finger auf die wundeste Stelle meiner Seele, sagte er halblaut und schuldbewußt, „du bist in dieser Beziehung geradezu brutal. Ich wollte wahrhaftig spazierengehen und die schöne Winterluft genießen. Kann ich dafür, daß dieser Herr hier die Absicht hatte, unschuldige kleine Englein zu überfahren? Und ich ihn dran hindern durfte? Also – das erfordert einen Besuch im Café. Mir zittern noch die Knie.
„Das ist nicht wahr, Onkel Erich, du schummelst, sagte Aki und lachte zärtlich. „Dich kann doch nichts erschüttern ...
„Onkel Erich, du blutest ja! sagte sie nach einer Weile erschrocken. Sie saßen in einer warmen, gemütlichen Konditorei, und ein Fräulein mit freundlichem Gesicht brachte eben wahre Kuchenberge angeschleppt. Sie hatte seine rechte Hand gesehen, die auf seinem Knie lag. „Ist es schlimm? Zeig!
„I wo, Kind, nicht der Rede wert. Ich muß an den Hydranten gekommen sein. Weiter nichts als ein Riß. Die Finger sind intakt." Er bewegte die Hand mit gespreizten Fingern, öffnete und schloß die Faust. Alle Gelenke gehorchten. Aki seufzte erleichtert.
„Aber es blutet. Soll ich in die Apotheke springen und Verbandszeug holen?"
„Warum nicht die Rettungswache anläuten? Den Krankenwagen bestellen? Aki, sei vernünftig! Wir gehen nachher zu Dr. Brückner, vielleicht ist der alte Trottel zu Hause. Aber er wird Sonntagstaxe verlangen ..."
Onkel Erichs Zimmer war mächtig geheizt, der kleine Ofen bullerte, es schlug einen zunächst zurück, wenn man aus der frischen, kalten Spätnachmittagsluft hereinkam. Schnell aber gewöhnte man sich. Aki meinte, man spüre richtig, wie man auftaue, nur die Haut begann zu brennen.
„Ich sehe wohl aus wie angestrichen", sagte sie ein wenig verlegen und hielt den Handrücken an die Backe. Onkel Erich sah sie an.
„Wie gemalt, lächelte er in ihre Augen hinein, „aber nicht wie angemalt. Wie alt bist du jetzt, Aki? Achtzehn? Achtzehn. Komm, setz dich! Wie schön, daß dein Zug erst spät geht.
„Du mußt aber jetzt deine Hand verbinden, erinnerte Aki, „damit sie nicht noch schlimm wird, nachdem alles gut ausgelaufen ist.
„Ja, tu ich. Aber du setzt dich und tust nichts als zusehen. Nein, bitte, nichts helfen wollen!"
Ach, es war wundervoll, es war unbeschreiblich schön und beglückend, hier sitzen zu dürfen und zu wissen: es war nichts passiert. Es gibt ja kaum ein schöneres Gefühl als das, einem Unfall entgangen zu sein. Nie ist man dankbarer für jede Kleinigkeit, aufgeschlossener für seine Umgebung und glücklicher über den andern, den man nicht verlor.
„Das hatte mir noch gefehlt", sagte Aki lächelnd und schnupperte, als Onkel Erich das Köfferchen aufschnappen ließ. Sie roch so gern alles, was an Arzt und Sprechstunde erinnerte: Jod, Äther, Alkohol, kurzum, diesen schwachen, aber unvergeßlichen Onkel-Doktor-Geruch. Eifrig war sie jetzt dabei, ihm doch zur Hand zu gehen. Es war ja seine Rechte, die verbunden werden mußte. Lächelnd ließ er es sich gefallen.
„Ich habe dir überhaupt was mitgebracht, sagte sie plötzlich, sich erinnernd. „Nein, daß ich nicht dran dachte! Etwas Selbstgemachtes, aus dem Werkunterricht.
Sie hatte die Mappe auf den Tisch gelegt und nahm das Kästchen heraus. Vorsichtig wickelte sie das Papier ab. „Da!"
„O schön. So etwas kannst du? Kind, Kind, das
