Nathalie, das Schmeichelkätzchen: Sophienlust Extra 205 – Familienroman
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In der Reihe Sophienlust Extra werden die schönsten Romane dieser wundervollen Erfolgsserie veröffentlicht. Warmherzig, zu Tränen rührend erzählt von der großen Schriftstellerin Patricia Vandenberg.
»Hm, das duftet aber besonders verführerisch!« Carola schaute der Köchin Magda über die Schulter, die eifrig dabei war, den Sonntagsbraten zu beschöpfen. »Da werden unsere Trabanten aber wieder futtern.« Als Magda nicht antwortete, fragte Carola: »Warum machst du denn so ein böses Gesicht, Magda?« »Morgen kommt die Neue! Nur weil ich mal ein paar Tage nicht so konnte, brauchte man mir doch nicht gleich eine Fremde vorzusetzen.« »So darfst du das nicht auffassen«, tröstete Carola. »Den Kochlöffel wird Frau Weymar dir niemals aus der Hand nehmen. Sie kommt doch zur Entlastung von Frau von Schoenecker.« Aber so ganz einerlei war auch Carola die Neuerung auf Sophienlust nicht. Daran, dass immer wieder neue Kinder kamen, daran waren sie gewöhnt. Dass aber eine neue Arbeitskraft eingestellt worden war, das verursachte allgemeine Unruhe. Jeder fragte sich, ob dadurch nicht die Harmonie gestört werde, die bisher unter ihnen geherrscht hatte. »Neue Besen kehren gut«, brummelte Magda vor sich hin. »Hoffentlich fegt der Besen uns nicht alles weg!« »Was du für Gedanken hast«, lachte Carola nun. »Das brauchen wir doch wohl nicht zu befürchten.
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Rezensionen für Nathalie, das Schmeichelkätzchen
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Buchvorschau
Nathalie, das Schmeichelkätzchen - Patricia Vandenberg
Sophienlust Extra
– 205 –
Nathalie, das Schmeichelkätzchen
Ihre Fröhlichkeit wirkt Wunder
Patricia Vandenberg
»Hm, das duftet aber besonders verführerisch!« Carola schaute der Köchin Magda über die Schulter, die eifrig dabei war, den Sonntagsbraten zu beschöpfen. »Da werden unsere Trabanten aber wieder futtern.«
Als Magda nicht antwortete, fragte Carola: »Warum machst du denn so ein böses Gesicht, Magda?«
»Morgen kommt die Neue! Nur weil ich mal ein paar Tage nicht so konnte, brauchte man mir doch nicht gleich eine Fremde vorzusetzen.«
»So darfst du das nicht auffassen«, tröstete Carola. »Den Kochlöffel wird Frau Weymar dir niemals aus der Hand nehmen. Sie kommt doch zur Entlastung von Frau von Schoenecker.«
Aber so ganz einerlei war auch Carola die Neuerung auf Sophienlust nicht. Daran, dass immer wieder neue Kinder kamen, daran waren sie gewöhnt. Dass aber eine neue Arbeitskraft eingestellt worden war, das verursachte allgemeine Unruhe. Jeder fragte sich, ob dadurch nicht die Harmonie gestört werde, die bisher unter ihnen geherrscht hatte.
»Neue Besen kehren gut«, brummelte Magda vor sich hin. »Hoffentlich fegt der Besen uns nicht alles weg!«
»Was du für Gedanken hast«, lachte Carola nun. »Das brauchen wir doch wohl nicht zu befürchten. Kannst du nicht verstehen, dass Herr von Schoenecker seine Frau öfter in Schoeneich haben möchte?«
»Wenn sie nicht mehr so oft hier ist, wird alles anders werden«, orakelte Magda. »Die Huber-Mutter hat prophezeit, dass durch die Neue viel Unruhe nach Sophienlust kommt.«
»Was für dich noch lange kein Grund sein sollte, so schwarz in die Zukunft zu sehen. Frau Weymar besitzt ein Kind. Vielleicht bringt das die Unruhe nach Sophienlust.«
»Was sollte denn ein dreijähriges Kind für Unruhe bringen?«, widersprach Magda.
»Vergiss nicht, dass Sophienlust das Haus der fröhlichen Kinder sein soll. So hat es Dominiks Urgroßmutter bestimmt. Ihr verdanke auch ich, dass ich hier eine Heimat gefunden habe. Und nun lass uns lieber an die hungrigen Kinder denken.«
»Hetzt mich nur recht, damit die Neue sagen kann, ich sei alt und klapprig.«
»Warum bist du nur so renitent, Magda?«, fragte Frau Rennert, die eben zur Tür hereintrat. »Frau Weymar ist eine sehr nette, und außerdem sehr sympathische, junge Frau. Ich will nicht hoffen, dass du ihr den Anfang schwer machen willst. Wir sind eine große Familie, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Damit lasst uns das Thema beenden.«
*
Elfie Weymar, um die es bei diesem Gespräch ging, saß zu dieser Stunde ihrem Bruder Gregor gegenüber. Nervös rückte er immer wieder seine dunkle Hornbrille zurecht.
»Ich bin dir dankbar, dass du zu mir gekommen bist, Elfie«, sagte er froh. »Nach allem, was du mir vorwerfen könntest, habe ich nicht zu hoffen gewagt, dich noch einmal zu sehen.«
»Dein Brief machte mir Sorgen«, erwiderte sie leise. »Du hast also Schwierigkeiten in deiner Ehe.«
»Ja«, entgegnete er knapp.
»Möchtest du mir nicht sagen, wie ich dir helfen könnte?«
Die Antwort fiel ihm sichtlich schwer. Sehr redselig war er allerdings noch nie gewesen. Manchmal hatte Elfie sich gewundert, dass er Astrid, eine so kapriziöse Frau, geheiratet hatte. Konnte eine Ehe zwischen zwei so verschiedenen Menschen überhaupt gut gehen?
»Ich wollte dich bitten, zu mir zu ziehen«, antwortete er.
Ein abweisender Zug legte sich um ihren Mund. »Warum? Du hast doch eine Hausangestellte«, entgegnete sie.
Gregor Weymar sah seine Schwester verlegen an. »Du missverstehst mich völlig, Elfie. Ich habe sehr viel nachgedacht. Dabei ist mir bewusst geworden, wie sehr wir dir alle Unrecht getan haben. Lieber ein Kind und keinen Mann als eine unglückliche Ehe! Natürlich sollst du Nathalie mitbringen. Dann kann ich vielleicht einiges gutmachen.«
Elfie betrachtete ihren Bruder mitleidig.
»Es ist doch auch besser für das Kind, wenn du immer mit ihm zusammen sein kannst«, fuhr er hastig fort. »Hast du dir das nicht gewünscht?«
»Ja, ich habe es mir sehr gewünscht«, erwiderte sie, »und endlich geht dieser Wunsch in Erfüllung.«
»Dann werdet ihr bleiben?«, fragte er hoffnungsvoll.
»Nein, Greg! Ich trete morgen eine Stellung an, die mir gestattet, Nathalie bei mir zu behalten. Ich arbeite in einem Kinderheim.«
»Dort wird man dich nur ausnützen«, begehrte er auf. »Frauen in deiner Situation sind ein gefundenes Fressen für solche Institutionen.«
»So ist es in Sophienlust nicht«, unterbrach sie ihn kühl. »Dort hat man mir größtes Verständnis entgegengebracht.«
»Womit du mir wohl zu verstehen geben willst, dass du es mir nicht verzeihen kannst, dass ich dir damals heftige Vorhaltungen gemacht habe. Mein Gott, Elfie, ich habe dabei doch nur an dich gedacht! Warum musstest du dich an einen Mann hängen, der dich dann sitzen ließ?«
Sie legte den Kopf stolz in den Nacken. »Du bist darüber nicht informiert, und ich gestatte dir keine Kritik«, antwortete sie aggressiv.
»Wer ist überhaupt Nathalies Vater? Warum gibst du nicht seinen Namen preis? Ich hätte ihn schon zur Rede gestellt.«
»Du hast genug mit dir und deiner Ehe zu tun«, bemerkte sie anzüglich. »Vielleicht verrätst du mir erst einmal, warum es so weit kommen konnte. Astrid hat dich doch um den Finger gewickelt.«
»Ich hatte wenig Zeit, und da tauchte ihr Jugendfreund Norström wieder auf. Er hat sie regelrecht umprogrammiert.«
»Das kannst du mit deinen Computern machen, aber bei einer Frau gelingt das nicht«, widersprach Elfie. »Und was ist mit Betsy?«
»Natürlich will Astrid das Kind, aber noch gebe ich nicht auf. Darum ist mir viel daran gelegen, dass du hierbleibst, Elfie. Astrid behauptet, dass ich mit dem Kind nicht fertig werde. Kannst du diese Anstellung nicht rückgängig machen?«
»Nein, das kann ich nicht.« Bitter stieg eine Erinnerung in ihr auf. Vor drei Jahren hatte sie mit ihrem Schicksal auch allein fertig werden müssen. Gerade als sie das ihrem Bruder sagen wollte, klopfte es leise an die Tür.
Ein zierliches blondes, etwa sechs Jahre altes Mädchen trat ein. Ihr folgte ein braunhaariger Knirps, von dem man auf den ersten Blick nicht sagen konnte, ob es ein Junge oder ein Mädchen war.
»Nathalie wollte zu ihrer Mutti«, sagte Betsy leise. »Entschuldige bitte, wenn wir stören, Vati!«
Nathalie beachtete den Onkel, der ihr fremd war, nicht. Sie kletterte ihrer Mutter auf den Schoß.
»Will bei dir bleiben, Mutti«, flüsterte sie.
Über ihren Kopf hinweg sah Elfie, wie sich Betsys Augen mit Tränen füllten.
»Meine Mutti soll auch wiederkommen«, stieß Betsy trotzig hervor. »Vati hat ja so wenig Zeit.«
Hilflos blickte Gregor Weymar seine Schwester an. Er las einen heimlichen Vorwurf in ihren Augen.
»Warum ist Betsys Mutti nicht da?«, fragte Nathalie flüsternd. »Betsy ist doch so brav. Schön hat sie mit mir gespielt.«
»Möchtet ihr nicht weiterspielen?«, fragte Elfie. »Ich habe etwas mit Onkel Greg zu besprechen.«
»Komm doch, Nathalie!«, drängte Betsy. »Du darfst auch meine Ingepuppe haben.«
»Du gehst aber nicht fort, Mutti«, bettelte die Kleine. »Du lässt mich nicht hier! Ich will lieber zu den vielen Kindern.«
Betsy sah ihren Vater an. »Ich möchte auch lieber in das Kinderheim«, flüsterte sie, »wenn Mutti noch länger fortbleibt.«
Das Schweigen, das nun folgte, schien die Kinder zu bedrücken. Sie gingen wieder hinaus.
»Dass Astrid das dem Kind antun kann«, stieß Greg Weymar zornig hervor.
»Ist dieser Jugendfreund der einzige Grund, warum Astrid dich verlassen will?«, fragte Elfie.
Gregor Weymar wurde merklich unsicher, erwiderte aber nichts.
»Vielleicht wäre es gar kein schlechter Gedanke, Betsy vorerst mit nach Sophienlust zu nehmen«, meinte Elfie. »Sofern man dort einverstanden ist.«
»Damit Astrid mir zum Vorwurf machen kann, ich hätte keine Zeit für das Kind?«
»Aber das stimmt doch. Betsy fühlt sich verlassen, Greg. Versuch doch, mit Astrid ins Reine zu kommen, aber so, dass Betsy nicht von euren Differenzen merkt. Sie macht sich bestimmt ihre eigenen Gedanken. In Sophienlust wäre sie abgelenkt. Überleg es dir. Ich gehe mit den Kindern inzwischen spazieren.«
*
Davon waren beide Mädchen begeistert. Nathalie plapperte unentwegt, sodass es gar nicht auffiel, dass Betsy immer nachdenklicher wurde.
»Wie ist es in einem Kinderheim, Tante Elfie?«, fragte sie, als Nathalie mal eine Pause einlegte.
»In Sophienlust ist es sehr schön«, versicherte Elfie. »Es ist ein großes Gut mit vielen Tieren.«
»Aber auch vielen Kindern«, ergänzte Betsy eifrig. »Man braucht nicht immer allein zu spielen. Mutti ist noch nie allein verreist«, fuhr sie zusammenhanglos fort. »Sie war zornig auf Frau Effner, und Vati war zornig auf Onkel Olaf.«
So ist das also, dachte Elfie traurig. Wahrscheinlich haben sie beide Grund zur Eifersucht.
»Würdest du mich mitnehmen, Tante Elfie?«, fragte Betsy. »Ich habe dich schon sehr gern. Nathalie auch. Warum habt ihr uns früher nie besucht?«
Weil eine uneheliche Mutter für die vornehme Familie Weymar indiskutabel ist, dachte Elfie. Aber sie konnte keine Schadenfreude darüber empfinden,
