Kaminkehrer im Glück: Sophienlust - Die nächste Generation 73 – Familienroman
Von Simone Aigner
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Über dieses E-Book
Denise hat inzwischen aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle geformt, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt.
Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren.
Ricarda Scheffer saß an ihrem Nähtisch, über ihre Arbeit gebeugt. Hochkonzentriert ließ sie den schimmernden weißen Brautsatin durch die Nähmaschine gleiten. Die Nadel ratterte gleichmäßig auf und ab und durchdrang mit feinsten Stichen das edle Material. Auf ihrem Schoß bauschte sich der Stoff. Sie zuckte zusammen, als das Telefon läutete, und konnte gerade noch verhindern, dass die Naht schief wurde. Sie hangelte nach dem mobilen Hörer, der auf einem Regal seitlich des Nähtisches stand, und drückte auf Gesprächsannahme. »Änderungsschneiderei Scheffer«, meldete sie sich. Helles Lachen drang durch die Leitung. »Ricci, Liebes. Ich bin es, Doro. Warum so förmlich?« »Ah, Doro.« Nun musste auch Ricarda lachen. »Ich war so vertieft in die Arbeit, ich habe gar nicht darauf geachtet, wer anruft. Nein, Süße, dein Brautkleid ist noch nicht fertig, falls du deswegen anrufst.« Sie streckte den Rücken durch und legte den Kopf weit in den Nacken, um die Verspannungen zu lösen, die sie stets plagten, wenn sie allzu lange über ihren Näharbeiten saß. »Deswegen rufe ich nicht an«, versicherte Doro. »Es geht um den Junggesellinnen-Abschied, den ich eigentlich gar nicht wollte.
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Buchvorschau
Kaminkehrer im Glück - Simone Aigner
Sophienlust - Die nächste Generation
– 73 –
Kaminkehrer im Glück
Ein Happyend mit Hindernissen …
Simone Aigner
Ricarda Scheffer saß an ihrem Nähtisch, über ihre Arbeit gebeugt. Hochkonzentriert ließ sie den schimmernden weißen Brautsatin durch die Nähmaschine gleiten. Die Nadel ratterte gleichmäßig auf und ab und durchdrang mit feinsten Stichen das edle Material. Auf ihrem Schoß bauschte sich der Stoff. Sie zuckte zusammen, als das Telefon läutete, und konnte gerade noch verhindern, dass die Naht schief wurde. Sie hangelte nach dem mobilen Hörer, der auf einem Regal seitlich des Nähtisches stand, und drückte auf Gesprächsannahme.
»Änderungsschneiderei Scheffer«, meldete sie sich.
Helles Lachen drang durch die Leitung. »Ricci, Liebes. Ich bin es, Doro. Warum so förmlich?«
»Ah, Doro.« Nun musste auch Ricarda lachen. »Ich war so vertieft in die Arbeit, ich habe gar nicht darauf geachtet, wer anruft. Nein, Süße, dein Brautkleid ist noch nicht fertig, falls du deswegen anrufst.« Sie streckte den Rücken durch und legte den Kopf weit in den Nacken, um die Verspannungen zu lösen, die sie stets plagten, wenn sie allzu lange über ihren Näharbeiten saß.
»Deswegen rufe ich nicht an«, versicherte Doro. »Es geht um den Junggesellinnen-Abschied, den ich eigentlich gar nicht wollte. Aber nun liegen Bea, Christa und Greta mir ständig in den Ohren. Und ich dachte, ehe sie hinter meinem Rücken was organisieren, mache ich einen Vorschlag zur Güte. Ich würde mich gerne mit euch allen nächstes Wochenende in ›Oskars Schlemmerparadies‹ treffen. Samstagabend um 19 Uhr. Ich bitte dich sehr, auch zu kommen. Bestimmt findet sich jemand, der ein paar Stunden auf Ella aufpasst.«
Ricarda warf einen sorgenvollen Blick auf sämtliche anstehenden Arbeiten. Eigentlich hätte sie Nachtschichten einlegen müssen, um alles zu schaffen. Und nun auch noch eine Einladung, die sie einen ganzen Abend kosten würde. Zwar war Doros Hochzeit erst in fünf Wochen, aber ihr Kleid war ja nicht der einzige Auftrag, den sie hatte. Mittlerweile stapelten sich die Änderungsarbeiten, mit denen Ricarda ihren Lebensunterhalt verdiente, und sie kam kaum mehr hinterher. Zwei Stühle seitlich ihres Arbeitsplatzes verschwanden beinahe unter Kleidung, die zu ändern oder auszubessern war, und auch auf dem freistehenden Kleiderständer gingen Röcke, Blusen und ein Sakko. Für Ellas Beaufsichtigung brauchte sie auch jemanden.
»Ich komme gerne«, erwiderte sie schließlich und merkte, wie wenig überzeugend sie klang.
»Sicher?« Doro lachte leise. »Ich weiß, du gehst nicht gerne abends aus, aber ich hoffe, ich heirate nur einmal. Tu mir den Gefallen, bitte. Du würdest mir wirklich fehlen.«
»Ich komme wirklich gerne«, bekräftigte Ricarda ihre Zustimmung. »Außerdem stimmt es gar nicht, dass ich nicht ausgehen will«, verteidigte sie sich. »Es ist doch nur, weil ich dann immer jemanden für die Kleine brauche.« Und weil ihr die Arbeitszeit fehlte. Die Kunden kamen gern zu ihr, worüber Ricarda sehr froh war. Sie lehnte nie einen Auftrag ab. Doch Vollzeit zu arbeiten und gleichzeitig für Ella da zu sein, ohne Unterstützung zu haben, kostete viel Kraft und Energie.
»Hast du jemanden für Ella? Wenn nicht, könnte ich Ronja fragen. Sie verdient sich sicher gerne ein paar Euro als Babysitter«, schlug Doro vor.
»Das ist lieb, aber nicht nötig. Ich frage Frau Gärtner, meine Nachbarin. Sie hat jetzt schon zwei Mal auf sie aufgepasst. Das klappt gut, die beiden mögen sich.« Zudem hatte Frau Gärtner drei Töchter großgezogen und kümmerte sich auch regelmäßig um ihre vier Enkel. Sie hatte reichlich Erfahrung mit Kindern. Ronja dagegen, eine Klavierschülerin von Doro, war gerade 15 Jahre alt und hatte keine Geschwister. Ein liebes Mädchen zwar, sie hatte sie einmal kennengelernt, als sie Doro auf einen Kaffee besucht hatte, doch für ihre Begriffe verträumt und selbst noch ein Kind. Ihr wollte sie ihre fünfjährige Schwester lieber nicht anvertrauen.
»Prima. Wenn Frau Gärtner nicht kann, sag mir Bescheid, ja? Bis Samstag, ich freu mich«, verabschiedete sich Doro fröhlich.
»Ich mich auch. Bis dann«, erwiderte Ricarda, und nun freute sie sich wirklich ein bisschen. Sie würde die Arbeit schon schaffen, und ausgegangen war sie wirklich lange nicht mehr, schon wegen ihrer kleinen Schwester. Seit ihre Eltern vor drei Jahren kurz nacheinander verstorben waren, kümmerte sie sich um Ella, als wäre sie ihre Tochter. Sie tat es von Herzen gerne, doch viel Zeit für sich selbst hatte sie nicht. Während das Schwesterchen im Kindergarten war, ging sie ihrer Arbeit als Änderungsschneiderin nach. Am Nachmittag machte sie meist den Haushalt und beschäftigte sich mit der Kleinen. Am Abend war sie oft ziemlich erschöpft, setzte sich aber doch häufig noch an Näharbeiten, wenn Ella schlief.
Manchmal, wenn sie mehr aus Versehen als aus Absicht über ihr Leben nachdachte, hatte sie Sorge, es zu verpassen. Sie steckte fest, zwischen Arbeit und Fürsorge für die Kleine ...
Für einen Augenblick ließ Ricarda die Hände in den Schoß sinken, auf dem sich noch immer die Röcke von Doros Kleid bauschten. Weich und seidig fühlte sich der edle Stoff an. Eigentlich war es ja das, was sie machen wollte: Maßgeschneiderte Kleidung herstellen und die Schnitte dafür selbst entwerfen. Doch das war ein Traum, der einer bleiben würde. Heutzutage wurde das meiste günstig in Ladengeschäften großer Modeketten gekauft oder im Internet bestellt. Nur ganz selten bekam sie einen Auftrag für ein spezielles Wunsch-Modell. So bestand ihre Alltagsarbeit aus Kürzen oder Verlängern von Säumen, Auslassen von zu eng gewordenen Hosen oder Kleidern, oder Ausbessern von schadhafter Garderobe, die ihrem Besitzer lieb und wert war.
Ricarda schob ihre trüben Gedanken beiseite und wandte sich wieder dem Brautkleid zu. Irgendwann würde sie sich ihren Traum erfüllen und maßgeschneiderte Kleidung anfertigen und verkaufen. Vielleicht konnte sie sich auf etwas spezialisieren, das dennoch gefragt war. Eventuell konnte sie für Schwangere nähen, die nicht so viel Auswahl in den Läden oder im Internet fanden. Oder für etwas kräftigere Kunden? Ab bestimmten Größen war es schwierig, schicke, moderne Mode zu finden, die mit ein wenig Geschick und Raffinesse sogar ein paar Pfündchen wegmogelte.
Spätestens wenn Ella nach der Grundschule eine weiterführende Schule besuchte, würde sie mehr Zeit haben. Dann konnte sie ihre Pläne umsetzen, für den Anfang parallel zu den Änderungsarbeiten. Und wenn es dann gut lief …
Ricarda schüttelte den Kopf. Träumereien. Die konnte sie sich nicht erlauben, sie musste vorwärtskommen. Vielleicht konnte ihr Schwesterchen heute Nachmittag für zwei oder drei Stunden zu ihrer Kindergartenfreundin Saskia. Dort war Ella gut aufgehoben, und sie konnte weiterarbeiten.
*
Kritisch betrachtete Ricarda sich im Spiegel. Das ärmellose rote Kleid stand ihr sehr gut. Die blonden Haare fielen in weichen Wellen über ihre Schultern, und mit einem dezenten Make-up hatte sie ihre Augen betont. Ja, so konnte sie zu Doros Junggesellinnen-Abend gehen.
»Du bist hübsch«, versicherte Ella, die ein paar Schritte hinter ihr stand, die Hände hinter dem Rücken verschränkt und das Köpfchen zur Seite geneigt. »Das kommt von dem neuen Kleid. Darf ich es auch mal anziehen, wenn ich groß bin?«
Ricarda lachte.
»Sicher, Ella-Schätzchen. Aber bis dahin dauert es noch eine Weile.« Neu war das Kleid nicht. Sie hatte nur schon lange keine Gelegenheit mehr gehabt, es zu tragen.
»Und deine Haare sind so schön. Bekomme ich auch solche Haare?« Ella zog an ihren braunen Löckchen und musterte sie mit gerunzelter Stirn.
»Du hast wunderschöne Haare Ella, auch wenn sie nicht blond sind. Aber du hast Locken! Das ist was ganz Tolles. Ich habe keine«, sagte Ricarda. Ihre Haare fielen eigentlich immer glatt. Sogar die Wellen für den heutigen Abend hatte sie nur mühsam mit Föhn und Bürste hinbekommen. Eine gute Portion Haarspray fixierte die Anstrengung.
»Hm«, machte Ella und seufzte schwer. »Ich mag ja lieber keine Locken und dafür deine Farbe. Du, Ricci, Saskias Mama hat neue Haare. Die sind jetzt rot. Sie hat sie gef–gef …« Ella brach ab und rieb mit einem Finger über ihre Stirn.
»Gefärbt?«, schlug Ricarda vor.
»Genau.« Erleichtert nickte die Kleine. »Kann ich meine Haare auch gefärben?«
»Färben«, korrigierte Ricarda. »Vielleicht wenn du groß bist«, stellte sie in Aussicht. »Guck doch mal nach draußen, Ella, und sag mir, ob Frau Gärtner schon kommt.«
Ella nickte und hüpfte zum Fenster. Sie schob einen Stuhl davor und kletterte hinauf. »Ja. Sie ist gleich da«, informierte sie Ricarda.
»Fein. Du bist schön artig, und wenn sie dich nachher ins Bett bringt, wird auch gleich geschlafen, hörst du, Schätzchen?«, ermahnte Ricarda ihre kleine Schwester. Gerade die Bettgehzeiten versuchte die Kleine gerne in die Länge zu ziehen. Immer wieder fiel ihr etwas ein, was noch unbedingt sein musste. Eine zweite Gute-Nacht-Geschichte zum Beispiel, oder sie brauchte noch etwas zu trinken. Oder ihr Teddy war verschwunden. Meist fand er sich dann unter dem Bett wieder oder im Kleiderschrank.
»Ich bin ganz artig«, versicherte Ella. »Frau Gärtner liest mir bestimmt wieder ganz viele Geschichten vor, bis ich doll müde bin.«
Es läutete an der Haustür.
»Ich mach auf«, rief Ella, rannte aus dem Schlafzimmer und eilte die Stufen hinunter. Ricarda hielt sekundenlang die Luft an und folgte der Kleinen.
