Thorsten stiller Kummer: Kinderärztin Dr. Martens Classic 34 – Arztroman
Von Britta Frey
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Über dieses E-Book
Kinderärztin Dr. Martens ist eine weibliche Identifikationsfigur von Format. Sie ist ein einzigartiger, ein unbestechlicher Charakter – und sie verfügt über einen liebenswerten Charme.
Alle Leserinnen von Arztromanen und Familienromanen sind begeistert!
Fröstelnd zog die junge Frau die Schultern hoch und sah hinauf zu dem wolkenverhangenen Himmel. Der November ging langsam seinem Ende zu, und bald würde wohl der erste Schnee fallen. Hatte sie sich richtig entschieden, gerade diese Jahreszeit zu wählen, um für immer in die Heimat zurückzukehren? Camilla Drewes war eine attraktive junge Frau von sechsundzwanzig Jahren. Nach einem großen Streit hatte sie, als sie noch nicht ganz neunzehn gewesen war, ihren Vater und damit ihr Elternhaus verlassen und war zu Tante Hetty, einer entfernten Verwandten, nach Frankfurt gefahren. Bei Tante Hetty, die allein in der großen Stadt wohnte, hatte sie liebevolle Aufnahme gefunden. Auch als sie Tante Hetty nach ein paar Wochen gestanden hatte, daß sie ein Kind erwartete, fand sie viel Verständnis, denn sie hatte vor dem Streit mit dem Vater eine Beziehung beendet und wollte, auch des Kindes wegen, das sie erwartete, auf keinen Fall zurück. Thorsten wurde geboren, und er erinnerte sie mit jedem Tag, mit jeder Woche und mit jedem Jahr, das verging, an seinen Vater. Karsten, wie sehr und wie bedingungslos hatte sie ihn geliebt, und wie sehr war sie damals von ihm enttäuscht worden. Das Schlimmste war jedoch, daß Thorsten kein Kind wie alle anderen war. Er war nicht gesund. Ihren Jungen behinderte ein Hüftleiden, das bei der Geburt übersehen worden war. Ein Gebrechen, das ihn als einsames Kind aufwachsen ließ, denn vor allen Dingen Kinder konnten sehr grausam sein. Seine heile Welt waren nur sie, seine Mutter und Tante Hetty gewesen. Während Tante Hetty Thorsten über Tag versorgt hatte, hatte Camilla den Beruf der Krankenschwester erlernt und in einem Krankenhaus gearbeitet. Soweit hatte alles seinen gewohnten und geregelten Gang genommen, bis Tante Hetty ihr vor einiger Zeit gestanden hatte, daß sie über all die Jahre mit dem Vater in Verbindung gestanden hatte, und daß es ihm gesundheitlich nicht gerade gutging. Fast zwei Monate war das nun schon her, und Camilla hatte lange mit sich gekämpft, ehe sie sich dazu entschloß, in die Lüneburger Heide zurückzukehren. Das waren die Gedanken, mit denen sich Camilla beschäftigte, während sie langsam den oberen Mainkay entlangschritt. Sie zögerte, heim zu Tante Hetty zu fahren. Was würde die Gute dazu sagen, wenn sie von ihr erfuhr, daß sie mit Thorsten zurück in die Heide fahren wollte, um wieder in ihrem Elternhaus zu leben und für den Vater zu sorgen?
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Thorsten stiller Kummer - Britta Frey
Kinderärztin Dr. Martens Classic
– 34 –
Thorsten stiller Kummer
Warum konnte ihm bisher kein Arzt helfen?
Britta Frey
Fröstelnd zog die junge Frau die Schultern hoch und sah hinauf zu dem wolkenverhangenen Himmel. Der November ging langsam seinem Ende zu, und bald würde wohl der erste Schnee fallen. Hatte sie sich richtig entschieden, gerade diese Jahreszeit zu wählen, um für immer in die Heimat zurückzukehren?
Camilla Drewes war eine attraktive junge Frau von sechsundzwanzig Jahren. Nach einem großen Streit hatte sie, als sie noch nicht ganz neunzehn gewesen war, ihren Vater und damit ihr Elternhaus verlassen und war zu Tante Hetty, einer entfernten Verwandten, nach Frankfurt gefahren.
Bei Tante Hetty, die allein in der großen Stadt wohnte, hatte sie liebevolle Aufnahme gefunden. Auch als sie Tante Hetty nach ein paar Wochen gestanden hatte, daß sie ein Kind erwartete, fand sie viel Verständnis, denn sie hatte vor dem Streit mit dem Vater eine Beziehung beendet und wollte, auch des Kindes wegen, das sie erwartete, auf keinen Fall zurück.
Thorsten wurde geboren, und er erinnerte sie mit jedem Tag, mit jeder Woche und mit jedem Jahr, das verging, an seinen Vater.
Karsten, wie sehr und wie bedingungslos hatte sie ihn geliebt, und wie sehr war sie damals von ihm enttäuscht worden.
Das Schlimmste war jedoch, daß Thorsten kein Kind wie alle anderen war. Er war nicht gesund. Ihren Jungen behinderte ein Hüftleiden, das bei der Geburt übersehen worden war. Ein Gebrechen, das ihn als einsames Kind aufwachsen ließ, denn vor allen Dingen Kinder konnten sehr grausam sein. Seine heile Welt waren nur sie, seine Mutter und Tante Hetty gewesen.
Während Tante Hetty Thorsten über Tag versorgt hatte, hatte Camilla den Beruf der Krankenschwester erlernt und in einem Krankenhaus gearbeitet. Soweit hatte alles seinen gewohnten und geregelten Gang genommen, bis Tante Hetty ihr vor einiger Zeit gestanden hatte, daß sie über all die Jahre mit dem Vater in Verbindung gestanden hatte, und daß es ihm gesundheitlich nicht gerade gutging.
Fast zwei Monate war das nun schon her, und Camilla hatte lange mit sich gekämpft, ehe sie sich dazu entschloß, in die Lüneburger Heide zurückzukehren.
Das waren die Gedanken, mit denen sich Camilla beschäftigte, während sie langsam den oberen Mainkay entlangschritt.
Sie zögerte, heim zu Tante Hetty zu fahren. Was würde die Gute dazu sagen, wenn sie von ihr erfuhr, daß sie mit Thorsten zurück in die Heide fahren wollte, um wieder in ihrem Elternhaus zu leben und für den Vater zu sorgen? Wie wohl der Vater reagieren würde, wenn sie plötzlich mit ihrem Sohn vor ihm stehen würde?
Camilla zog erneut fröstelnd die Schultern hoch und sah auf ihre Uhr. Es wurde langsam Zeit, den Heimweg anzutreten. Tante Hetty war immer gleich so besorgt, wenn sie mal länger ausblieb. Eine weitere halbe Stunde verging, bis Camilla die große Wohnung erreichte, in der sie mit Tante Hetty und Thorsten lebte.
Hetty Schreiber atmete erleichtert auf, als Camilla endlich die Wohnung betrat.
»Wo warst du nur so lange, Camilla? Ich habe mir schon Sorgen gemacht.«
»Ich war ein wenig spazieren, Tante Hetty. Mir geht in letzter Zeit soviel im Kopf herum, ich mußte ein wenig allein sein und noch einmal alles überdenken. Ich habe einen Entschluß gefaßt und möchte heute abend, wenn Thorsten schläft, mit dir reden.«
Prüfend betrachtete Hetty die mittelgroße, schlanke junge Frau. Das schmale Gesicht mit den dunklen Augen wirkte so ernst. Es mußte schon etwas Wichtiges sein, was Camilla so beschäftigte.
»Gut, Camilla, ich warte bis heute abend, obwohl du mich sehr neugierig gemacht hast. Hat es mit deiner Arbeit im Krankenhaus oder mit dem Jungen zu tun?«
»Nicht nur, Tante Hetty, frag mich jetzt bitte nicht weiter. Wo steckt Thorsten überhaupt?«
»Er spielt in seinem Zimmer, Camilla. Du weißt ja, er ist kaum aus dem Haus gekommen. Es ist immer wieder das gleiche mit ihm.«
»Ich sehe sofort nach ihm, Tante Hetty.«
Als Camilla das kleine Zimmer betrat, das sie und Tante Hetty liebevoll für Thorsten eingerichtet hatten, blickte sie zärtlich auf ihren Jungen, der so sehr in sein Spiel mit seinen Autos vertieft war, daß er sie nicht sofort bemerkte. Wie sehr sie den kleinen Buben doch liebte. Er war ihr ein und alles, und daran würde sich auch niemals etwas ändern. Einen Moment betrachtete sie ihn schweigend. Die dunklen Locken fielen ihm beim Spielen in die Stirn.
Er schien ihre Blicke zu spüren, denn bevor sie etwas sagen konnte, sah er hoch und war schon auf den Beinen.
»Mutti, wie schön, ich habe schon auf dich gewartet. Wo warst du nur so lange?«
»Ich habe noch einen Spaziergang gemacht, mein Liebling. Jetzt bin ich ja da«, antwortete Camilla weich.
Liebevoll zog sie den Siebenjährigen in ihre Arme und hauchte einen sanften Kuß auf seine Stirn.
»Schau mal in meine Tasche, ich habe dir etwas mitgebracht. Es wird dir ganz bestimmt gefallen«, sagte sie lächelnd.
»Was denn, Mutti?«
»Ich habe doch gesagt, du mußt in meiner Tasche nachsehen.«
Einen Moment später fiel Thorsten seiner Mutti jubelnd um den Hals.
»Ein neues Auto, Mutti, wie schön. So eins wollte ich schon so lange. Danke, Mutti, vielen, vielen Dank. Darf ich gleich damit spielen?«
»Natürlich, Liebling. Ich geh dann wieder zu Tante Hetty ins Wohnzimmer. Wenn du zum Spielen keine Lust mehr hast, kommst du auch zu uns herüber.«
Thorsten gab schon keine Antwort mehr darauf. Er hatte nur noch Augen für sein neues Spielzeug.
Einen Moment sah Camilla dem Kleinen noch mit einem weichen Lächeln zu, danach ging sie zu Hetty zurück.
*
Nach dem Abendbrot, Camilla hatte Thorsten zu Bett gebracht, saßen sie und Hetty im Wohnzimmer.
Mit forschenden Blicken sah Hetty Camilla an und fragte:
»Wolltest du heute abend nicht mit mir über einen wichtigen Entschluß, den du gefaßt hast, reden, Camilla?«
»Ja, Tante Hetty, das habe ich vor. Ich weiß, was ich dir zu sagen habe, wird dich traurig stimmen, doch du kannst mir glauben, daß ich sehr lange über alles nachgedacht habe.«
»Bitte, Camilla, rede nicht länger drumherum, sondern sag mir klar und deutlich, was los ist.«
»Es geht um meine und Thorstens Zukunft, und es geht um meinen Vater, Tante Hetty. Seit du mir gesagt hast, daß es meinem Vater gesundheitlich nicht gutgeht, finde ich innerlich keine Ruhe mehr. Er ist doch nicht mehr der Allerjüngste, und ich kann und darf nicht vergessen, daß er jetzt vielleicht meine Hilfe braucht. Es sind so viele Jahre vergangen, seit ich ihn nach unserem Streit verlassen habe. Ich möchte endlich einen Strich unter die Vergangenheit ziehen. Es geht mir aber nicht allein um meinen Vater. Ich muß an erster Stelle an Thorsten denken. Du weißt genauso gut wie ich selbst, daß er die kurze Zeit, die er jetzt hier die Schule besucht, nicht mit den Kindern zurechtkommt, die ihn ständig verspotten und hänseln. Bei uns in der Heide, in Wismor, würde es für den Jungen nicht so hart sein, denke ich. Also, Tante Hetty, ich habe mich dazu entschlossen, mit Thorsten in mein Elternhaus zurückzukehren.«
»Ist das wirklich dein Ernst, Mädel?«
»Ja, Tante Hetty, ich denke es muß sein. Du darfst nicht so traurig sein. Wir werden einen Weg finden, daß du nachkommen kannst, damit wir auch in Wismor zusammen sein können.«
»Das wäre zu überlegen, Camilla, denn ich werde dich und den Jungen ganz schrecklich vermissen. Du und Thorsten seid in den vergangenen Jahren meine Familie geworden. Es wird also ohne euch für mich recht einsam werden. Doch ich werde dir nicht dreinreden. Du mußt das tun, was du für richtig hältst. Hast du schon mit Thorsten über dein Vorhaben gesprochen?«
»Nein, Tante Hetty, das werde ich erst morgen nachmittag tun. Ich wollte es zuerst dir sagen.«
»Und deine Arbeit im Krankenhaus, Camilla?«
»Ich habe schon gekündigt, Tante Hetty. Wenn du erst bei uns in der Heide bist, werde ich mir dort in der Nähe etwas suchen. Vielleicht kann man mich in der neuen Kinderklinik in Ögela gebrauchen. Immerhin habe ich hier lange genug auf der Kinderstation gearbeitet. Doch um schon neue Pläne zu schmieden, dazu ist es noch viel zu früh.«
»Alles soweit schön und gut, Camilla. Deine guten Absichten sind anerkennenswert. Doch hast du dabei auch bedacht, daß es keineswegs sicher ist, ob dich dein Vater mit offenen Armen empfängt?«
»Daran habe ich selbstverständlich gedacht. Ich
