Dr. Norden Bestseller 69 – Arztroman: Was ist die Wahrheit, Ines?
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Über dieses E-Book
"Wieder nichts", sagte Veronika traurig, als Dr. Norden den Kopf schüttelte. "Heute ist unser siebter Hochzeitstag", sagte sie leise. "Nun kann ich den Wunsch nach einem Kind wohl begraben." Dr. Norden konnte ihr keinen Trost spenden, und er wollte auch keine falschen Hoffnungen erwecken, da sein Freund, der Gynäkologe Dr. Hans-Georg Leitner, ihm auch erklärt hatte, daß Veronika Krauß keine Kinder würde bekommen können. "Sie könnten sich entschließen, ein Kind zu adoptieren ", schlug Dr. Norden vor. "Ich werde mit meinem Mann darüber sprechen", sagte sie. Mit niedergeschlagenem Gesicht verließ sie die Praxis, und Dr. Norden blieb ebenfalls deprimiert zurück. Veronika Krauß wäre bestimmt eine gute, zärtliche Mutter geworden. Es war schon manchmal schlimm eingerichtet, daß gerade solche Frauen keine Kinder bekommen konnten, und andere, die keine haben wollten, oder denen sie bald lästig wurden, bekamen sie trotz aller Verhütungsmittel. Bei Veronika kam noch hinzu, daß sie sich in den Gedanken verrannt hatte, daß nur ein Kind ihre Ehe in dem "verflixten" siebten Jahr retten konnte.
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Buchvorschau
Dr. Norden Bestseller 69 – Arztroman - Patricia Vandenberg
Es regnete mal wieder in Strömen, als Dr. Norden das Haus von Regierungsrat Appel verließ, dessen junge Frau in dieser Woche schon den dritten Ohnmachtsanfall bekommen hatte. Zuerst hatte Dr. Norden eine Schwangerschaft vermutet, aber das hatte sich als Fehlanzeige erwiesen.
Sie hatte sich geweigert, in eine Klinik zur gründlichen Durchuntersuchung zu gehen, auch diesmal wieder. Dr. Daniel Norden war indessen zu der Überzeugung gekommen, daß der labile Zustand der jungen Frau psychische Hintergründe hätte. Werner Appel hatte ihm jedoch versichert, daß es keinerlei Anlaß gäbe, daß seine Frau sich auch nur die geringsten Sorgen machen müsse.
Wenn Dr. Norden keine Diagnose stellen konnte, beschäftigte ihn ein Fall unentwegt. Er war in Gedanken versunken, als er zu seinem Wagen ging. Es war eine stille Seitenstraße, und bei solchem Wetter jagte man nicht mal einen Hund auf die Straße. Ja, diese anhaltende Regenperiode konnte einem sensiblen Menschen schon zu schaffen machen, aber doch nicht einer jungen hübschen Frau, die in glücklicher Ehe lebte und eine süße kleine Tochter hatte.
Dr. Norden hatte schon die Wagentür geöffnet, als er das Geräusch von Schritten vernahm, dann auch heisere, atemlose Laute.
»Hilfe, fahren Sie nicht weg! Helfen Sie mir!« Und schon nahte keuchend und torkelnd eine schmale Gestalt, dunkel gekleidet, im strömenden Regen kaum erkennbar.
Es war ein Mädchen, das ihm buchstäblich in die Arme fiel. Ganz automatisch schob Dr. Norden dieses Geschöpf in seinen Wagen. Er hatte schon allerhand erlebt und lauschte schon wieder ganz gespannt, aber es war kein einziger Laut mehr zu vernehmen. Nicht der geringste Anlaß zu der Annahme bestand, daß das Mädchen verfolgt wurde.
Aber das Mädchen war patschnaß und zitterte. Große dunkle Augen blickten Dr. Norden voller Schrecken an, als er sich neben sie setzte.
Es sah auch nicht so aus, als suchte sie nur Gesellschaft oder gar vielleicht ein Abenteuer, vielleicht auch nur jemanden, der sie im Auto mitnahm.
»Ich danke Ihnen«, stammelte sie. »Er verfolgt mich überallhin.«
»Wer?« fragte Dr. Norden.
»Ich kenne ihn nicht. Seinen Namen kenne ich nicht«, flüsterte sie, »und ich weiß auch nicht, was er will. Er verfolgt mich Tag und Nacht.«
Ein Fall von Verfolgungswahn? Dr. Norden überlegte. »Wohin darf ich Sie bringen?« fragte er.
»Irgendwohin«, flüsterte sie, und dann sank sie plötzlich in sich zusammen.
Du liebe Güte, dachte Daniel Norden, wieder eine Ohnmacht. Wird das auch zu einer ansteckenden Krankheit? Aber er war Arzt. Er konnte und wollte einem hilflosen Mädchen seine Hilfe nicht versagen. In diesem Fall aber blieb ihm nichts anderes übrig, als die Fremde mit nach Hause zu nehmen, denn dort wurde er sicher schon mit brennender Ungeduld erwartet.
Anne Cornelius war nämlich für zwei Tage von der Insel der Hoffnung gekommen, um mal wieder dringende Besorgungen zu machen, aber auch, um ihre Lieben zu besuchen.
Und wie sehnlich wurde er erwartet.
Doch die Kinder standen mit weit aufgerissenen Augen da, als er die immer noch triefende Gestalt ins Haus trug. Auch Fee Norden und Anne waren konsterniert.
»Ich erkläre es euch später. Sie muß erstmal aus den nassen Klamotten«, sagte Daniel.
»Wer ist sie?« Obgleich das Mädchen ein Leichtgewicht war, war Daniel doch aus der Puste gekommen.
»Verschnauf dich«, sagte Anne Cornelius resolut. »Wir machen das.«
Daniel trug das Mädchen noch bis zum Gästezimmer. Dort breitete Anne schnell eine Decke über die Couch und dann, als Daniel die Ohnmächtige niedergelegt hatte, knöpfte sie auch schon den Mantel auf.
»Zieh dich auch um«, sagte sie zu Daniel.
Fee hatte ihren treuen Hausgeist Lenni Behnisch herbeigerufen, damit sie sich um die Kinder kümmere, denn Danny und Felix waren nun schrecklich aufgeregt, und es war vorauszusehen, daß sie ihren Papi mit Fragen bestürmen würden, die er nicht beantworten konnte.
Fee ging zu Anne, um ihr zu helfen, während Daniel im Bad verschwand.
»Teure Kleidung«, sagte Anne. »Ein hübsches Ding. Kein Straßenmädchen.« Das schien ihr zumindest eine Beruhigung zu sein.
Blondes Haar umfloß ein feines Gesicht. Fee nahm es wahr, während sie Anne beim Entkleiden half. Bis auf die Haut durchnäßt war das junge Ding, und eiskalt war der feingliedrige Körper. »Mach du bitte schon ein paar Wärmflaschen«, sagte Anne. »Sie muß ja stundenlang durch den Regen gelaufen sein.«
Sie wurde dann in wärmende Decken gehüllt, und Wärmflaschen wurden ihr unter die Beine und auf den Körper gelegt.
Daniel hatte geduscht und sich umgekleidet. Dann ging er zu dem Mädchen und untersuchte es.
»Hat sie Papiere bei sich?« fragte Daniel.
»Ich habe noch nicht nachgeschaut«, erwiderte Fee. »Eine Tasche hatte sie jedenfalls nicht.«
»Hat sie dir gar nichts gesagt?« fragte Anne.
»Nur, daß sie von einem Mann verfolgt würde, aber davon habe ich nichts gemerkt.«
Er konnte nicht wissen, daß es einen solchen Mann tatsächlich gab. Und dieser Mann hatte sich sein Autokennzeichen notiert. Er war auf weichen Sohlen gegangen, aber auch in gemessener Entfernung. Immerhin hatte er gesehen, wie das Mädchen in den Wagen geschoben wurde.
Und dieser Mann ließ keine Zeit verstreichen, um den Besitzer des Wagens ausfindig zu machen.
Nachdem der Körper des Mädchens durchwärmt war, ging die Ohnmacht in einen tiefen Schlaf über.
»Sie muß sehr erschöpft sein«, stellte Fee, die ja auch Ärztin war, fest. Die Diagnosen überließ Fee aber lieber ihrem Mann.
»Ich habe heute schon mit einer erschöpften Frau zu tun gehabt, die auch unter Angstpsychosen mit Ohnmachten leidet«, sagte er. »Da sind mir handfeste Grippen lieber, gegen die man wenigstens etwas unternehmen kann.«
»Man könnte sie tatsächlich verfolgt und bestohlen haben«, sagte Anne. »Jedenfalls konnte ich nicht den geringsten Hinweis auf Personalien oder nur eine Adresse finden. Zwei Papiertaschentücher in den Manteltaschen sind alles. Keine Geldbörse, kein Schlüssel, nichts. Die Kleidung ist nicht in Europa gekauft, aber was sie am Leib trug, würde bei uns sehr viel Geld kosten. Modelle erster Qualität. Im übrigen werden wir warten müssen, bis sie ausgeschlafen hat.«
»Ausgerechnet wenn du mal in München bist, muß uns so was passieren«, sagte Fee.
»Ihr führt halt ein aufregendes Leben«, meinte Anne. »Mach dir keine Gedanken, Fee. Das Mädchen interessiert mich.«
»Anne wittert ein Abenteuer«, bemerkte Daniel.
»Ist doch auch mal eine Abwechslung«, meinte Anne lächelnd. »Bei uns geht immer alles so hübsch im Trott.«
Anne war mit Fees Vater, Dr. Johannes Cornelius, in zweiter Ehe verheiratet. Im Sanatorium »Insel der Hoffnung« waren sie während der letzten Monate von aufregenden Ereignissen verschont geblieben. Sie hatte nichts dagegen, wenn es mal wieder ein bißchen Nervenkitzel gab.
Ihre Gegenwart wirkte aber auch beruhigend auf Daniel und Fee. Anne konnte so schnell überhaupt nichts aus der Ruhe bringen, seit sie Frau Cornelius war. Sie hatte genug durchgemacht, bis sie in diesem großartigen Mann den Lebensgefährten gefunden hatte, der sie eine traurige Vergangenheit vergessen ließ.
Danny, Felix und die kleine Annekatrin, Dr. Nordens Kinder, schliefen längst, als die junge Frau erwachte. Da saß Anne an ihrem Bett, und das war gut so. Ein Männergesicht hätte das Mädchen wohl erschreckt.
»Wo bin ich?« fragte sie, und Anne war solche Frage vertraut, wenn sich ein Mensch nach langer Bewußtlosigkeit in einer ihm fremden Umgebung wiederfand.
»Bei meinem Schwiegersohn Dr. Norden«, erwiderte sie ruhig. »Er hat Sie in seinem Wagen mitgenommen. Sie waren völlig durchnäßt und erschöpft. Dr. Norden ist Arzt.«
»Und der Mann?« fragte das Mädchen.
»Ich weiß von keinem Mann«, erwiderte Anne, »aber Dr. Norden wird Ihnen einige Fragen stellen wollen, wenn Sie wieder okay sind.«
»Ich bin müde«, murmelte das Mädchen.
»Aber ein paar Fragen können Sie uns doch beantworten«, sagte Anne freundlich. »Sie brauchen keine Angst zu haben. Hier sind Sie völlig sicher.«
»Ich kann mich erinnern, daß ein Mann mich in seinem Auto mitgenommen hat«, sagte das Mädchen schleppend.
Daniel trat in den Lichtkreis der Lampe. »Der Mann bin ich«, sagte er.
Das Mädchen sah ihn an, sehr lange, schwer atmend. »Ja, ich erkenne Sie«, erwiderte sie.
Anne räumte ihm ihren Platz ein. Sie war schon richtig steif geworden vom Stillsitzen, das ihrem Temperament ohnehin nicht lag. Sie mußte immer in Bewegung bleiben. Außerdem traute sie Daniel zu, daß er das Mädchen viel besser und diplomatischer ausfragen könnte als sie, denn sie neigte dazu, sehr impulsiv zu sein.
»Würden Sie mir bitte sagen, wie Sie heißen?« fragte Daniel ruhig.
»Ines Alberto.« Die Antwort kam schnell. »Ich komme aus Brasilien, möchte hier studieren. Bitte, glauben Sie mir, Herr Doktor.«
»Ich glaube Ihnen ja«, erwiderte Daniel. »Wie alt sind Sie?«
»Einundzwanzig.«
»Und wo wohnen Sie hier in München?«
»In der Pension König.«
Die war Dr. Norden nicht unbekannt. Man mußte schon gut betucht sein, wenn man dort wohnen konnte. Zu Fuß konnte man sie von seinem Wohnhaus in einer Viertelstunde erreichen.
Er fragte sich, warum dieses Mädchen, dieser Pension doch so nahe, so lange im Regen herumgeirrt sein mochte.
Aber mit seinen Fragen war er weiterhin vorsichtig.
»Sind Sie allein hier?« wollte er wissen.
Ines nickte. »Papa stammt aus Deutschland, aus Bayern«, sagte sie leise.
»Er wollte abwarten, ob es mir hier gefallen würde. Es gefällt mir nicht.«
»Warum nicht?« fragte Dr. Norden.
»Der Mann jagt mir Angst ein. Eigentlich sind es zwei Männer. Sie verfolgen mich abwechselnd. Der eine
