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Baccara Collection Band 477
Baccara Collection Band 477
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eBook560 Seiten6 StundenBaccara Collection

Baccara Collection Band 477

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Über dieses E-Book

DAS CITY-GIRL UND DER RANCHER von CAT SHIELD

Rancher Lyle Drummond ist entsetzt: Seine Schwester hat ihn heimlich bei einer Dating-App angemeldet und eine Städterin auf die Ranch eingeladen! Eigentlich müsste er die schöne Kosmetikerin Giselle ignorieren, doch er verfällt sofort ihrem verführerischen Sex-Appeal …

... UND KÜSSE ZUM DESSERT von STACEY KENNEDY

Jessica plant das Menü für eine glamouröse Verlobungsfeier. Ein Traumjob! Hätte nicht der ebenfalls engagierte Designer Marcus Winters andere Vorstellungen. Zudem ist er nervenaufreibend arrogant. Darum sprühen bald die Funken der Wut. Oder ist das schon Leidenschaft?

BESCHÜTZE MICH UND LIEBE MICH von CYNTHIA EDEN

Er soll Jennifer beschützen, nicht verführen! Doch als Security-Boss Brody die geheimnisvolle Schönheit auf seiner Ranch vor ihrem Stalker versteckt, knistert es erregend zwischen ihnen. Eine heiße Nacht bringt nicht nur seine Mission in Gefahr, sondern auch sein Herz …

SpracheDeutsch
HerausgeberCORA Verlag
Erscheinungsdatum2. Nov. 2024
ISBN9783751523158
Baccara Collection Band 477
Autor

Cat Schield

<p>Cat Schield lebt gemeinsam mit ihrer Tochter, zwei Birma-Katzen und einem Dobermann in Minnesota, USA und ist die Gewinnerin des Romance Writers of America 2010 Golden Heart® für romantische Serienromane. Wenn sie nicht gerade neue romantisch-heiße Geschichten schreibt, trifft sie sie sich mit ihren Freunden um auf dem St. Croix River zu segeln. Auch in der Karibik und Europa ist sie gerne unterwegs und erkundet neue Gewässer.</p>

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    Buchvorschau

    Baccara Collection Band 477 - Cat Schield

    Cat Schield

    Das City-Girl und der Rancher

    1. KAPITEL

    „Reg dich bloß nicht auf, aber …"

    Lyle Drummond verspürte bei den Worten seiner Schwester urplötzlich heftige Anspannung. Was auch immer sie getan haben mochte, es musste sich um etwas wirklich Fürchterliches handeln, sonst hätte sie ihn nicht um halb sechs Uhr morgens in den Stallungen aufgestöbert.

    Er beendete das Auftragen von Wundsalbe auf eine Verletzung am Sprunggelenk seines Lieblingspferdes, bevor er sich aufrichtete. „Was hast du jetzt wieder angestellt?"

    Als seine Mutter bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam, war er mit seinen zweiundzwanzig Jahren nicht darauf vorbereitet gewesen, die Verantwortung für seine damals dreizehnjährige Schwester Jessica zu übernehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie nichts weiter als seine lästige kleine Schwester gewesen, die er je nach Laune ignorieren oder verwöhnen konnte.

    „Du kennst doch diese neue Dating-App, die letzten Monat eröffnet wurde?"

    Lyle runzelte die Stirn. Was für ein Spiel trieb seine Schwester da? Sie wusste doch genau, dass er die App kannte. Sein bester Freund, Trey Winters hatte die Entwicklung finanziell unterstützt. Die App war das geistige Kind von Misha Law. Misha hatte die App auf der Technologiemesse in Royal vorigen Monat der Öffentlichkeit vorgestellt.

    Alles war reibungslos verlaufen, bis die App Maggie Del Rio und Jericho Winters zusammenbringen wollte. Da die Familie Del Rio und die Winters seit Jahrzehnten verfeindet war, lief diese Neuigkeit wie eine Schockwelle durch die Familien und die ganze Stadt.

    Trey nahm an, dass die App eine Fehlfunktion hatte, weil sie seinen Bruder und eine Del Rio als ideales Paar erklärte. Er stürmte in Mishas Firma und verlangte Antworten. Während Misha und er gemeinsam daran arbeiteten, das Problem mit den Algorithmen zu lösen, hatten sie sich unsterblich ineinander verliebt.

    Genau wie Lyle hatte Trey die Frau verloren, die er geliebt hatte. Lyles Frau Chloe war ihm durch eine Krebserkrankung entrissen worden. Treys Frau hatte ihn und den gemeinsamen Sohn Dez verlassen. Während die Jahre ins Land gingen, hatte keiner der beiden Männer irgendein Interesse an einer neuen Partnerschaft gezeigt.

    Doch jetzt hatte Trey sich in eine Frau verliebt, die perfekt zu ihm passte. Lyle wunderte und freute sich gleichermaßen über das Glück seines Freundes, aber die Vorstellung, dass es auch ihm so ergehen könnte, ließ ihn völlig kalt.

    „Und was ist damit?", fragte Lyle seine Schwester.

    Um sie herum sattelten Rancharbeiter die Pferde, die damit beschäftigt waren, ihr Frühstück zu beenden. Die mahlenden Kaugeräusche der Pferde und die gedämpften Unterhaltungen der Arbeiter waren vertraut, konnten jedoch Lyles Anspannung nicht lösen.

    Jessicas braune Augen waren unverwandt auf seine gerichtet. „Ich habe dich angemeldet."

    Lyle spürte ein plötzliches Hämmern in den Schläfen. „Bei der Dating-App?"

    Was hatte sie sich nur dabei gedacht?

    „Das ist nicht nur eine einfache Dating-App, stellte Jessica klar. „Da wird auch soziale und geschäftliche Vernetzung angeboten.

    „Und mit wem, denkst du, soll ich mich vernetzen?" Lyle schraubte sorgfältig den Deckel auf die Salbendose, um sich davon abzuhalten, seine Schwester zu packen und kräftig zu schütteln.

    „Mit vielen Leuten. Diese App muss man einfach haben. Sie richtet sich nicht nur an Menschen aus Texas. Und auch nicht nur an die Reichen und Schönen, sondern an alle Mitglieder der Gesellschaft."

    Lyle versuchte, die Kinnmuskulatur zu entspannen. Offenbar musste seine Schwester daran erinnert werden, dass er sich seit dem abrupten Tod seiner Frau vor fünf Jahren nicht mehr als Teil der Gesellschaft betrachtete.

    „Jess?"

    „Ich weiß. Sie schüttelte betrübt den Kopf. „Aber ich kann die Vorstellung nicht ertragen, dass du den Rest deines Lebens allein verbringst.

    Er hingegen konnte sich nicht vorstellen, welche Frau in das Leben passen sollte, das Chloe und er für sich geschaffen hatten. Was das anbelangte, würde Jessica ihm vermutlich zustimmen. Tatsächlich gab es in Royal einige Frauen, die nur zu gern seine Frau werden wollten. Aber er hatte kein Interesse daran, Zeit aufzuwenden, um die Art von Vertrautheit zu entwickeln, die er mit seiner verstorbenen Frau geteilt hatte. Beziehungen kosteten Arbeit, und die Ranch saugte seine gesamte Energie auf wie ein Schwann.

    „Jess …"

    „Du verdienst es wirklich, glücklich zu sein."

    „Das kann ich nicht." Lyle war ein wenig schockiert über den Schmerz, der in seinem Ton mitschwang. Chloe und er hatten sechs wunderbare Jahre miteinander verbracht, bevor er sie an diese entsetzliche Krankheit verloren hatte.

    Von einem solchen Verlust konnte man sich nicht erholen. Und meistens hatte Lyle auch nicht das Bedürfnis danach.

    „Chloes Tod hat dich zugrunde gerichtet. Das Mitgefühl in ihrer Stimme befeuerte sein Unbehagen. „Aber du hast noch so viel Liebe zu geben. Verschließ dich nicht davor.

    Lyle schloss kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, hatte er seine Niedergeschlagenheit unter Kontrolle. „Lösch mein Konto bei dieser App."

    „Hast du eigentlich eine Vorstellung davon, wie schwer es ist, akzeptiert zu werden und ein Konto zu eröffnen?"

    Das hatte er. Trey hatte ihm berichtet, wie sorgfältig die Mitglieder ausgewählt wurden.

    „Lösch mein Konto", wiederholte er.

    Er hatte weder die Zeit noch den Wunsch, sich durch Hunderte von Profilen zu arbeiten, nur um dann alle als unpassend zurückzuweisen. Er hatte die Liebe seines Lebens gehabt. Eine zweite zu finden war ein Ding der Unmöglichkeit. Sein Herz forderte nicht mehr und nicht weniger als das, was Chloe und er geteilt hatten. Wenn ihn nach flüchtiger weiblicher Gesellschaft gelüstete, war er durchaus in der Lage, eine Frau zu finden, die diesen Wunsch teilte.

    „Aber für dich wurde bereits ein passendes Profil gefunden", eröffnete ihm Jessica.

    Lyle wurde es eng um die Brust. Etwas, das eine fatale Ähnlichkeit mit einer Panikattacke hatte, schnürte ihm die Kehle zu. Er wollte keine neue Frau kennenlernen. Er konnte es nicht riskieren, noch einmal jemanden zu verlieren, den er liebte.

    „Das spielt keine Rolle, erklärte er. „Trey sagte, die Algorithmen wurden sabotiert. Also rangiert die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Profil passend ist, gegen null.

    „Aber bist du nicht neugierig auf diese Frau?"

    „Nein."

    Er hatte sich noch nicht damit abgefunden, den Rest seines Lebens allein zu verbringen. Doch in den Jahren nach Chloes Tod hatte er nicht eine einzige Frau getroffen, die ihren Platz in seinem Herzen hätte einnehmen können.

    „Sie ist sehr hübsch", stieß seine Schwester hervor, zückte ihr Handy und hielt es ihm vor die Nase.

    Wider besseres Wissen schaute Lyle auf das Display und erblickte ein herzförmiges Gesicht, umrahmt von kastanienbraunem Haar und mit Augen versehen, in denen ein übermütiges Funkeln stand. Ein bezauberndes Lächeln umspielte sinnliche Lippen, und sein Pulsschlag beschleunigte sich.

    Er kam nicht dazu, seine Reaktion unter Kontrolle zu bringen, bevor Jessica über das Display wischte und das nächste Bild zum Vorschein brachte. Ein Blick auf einen schlanken weiblichen Körper in einem knallroten Bikini genügte, um Lyle in Erregung zu versetzen. Er spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach, und er widerstand dem Bedürfnis, sich über die feuchte Stirn zu wischen. Rasch wandte er den Blick ab.

    „Hübsch. Na und?"

    Auch wenn er sich noch so sehr von der Frau angezogen fühlte, die die Dating-App für ihn ausgesucht hatte, Lyle zog es doch vor, Frauen auf die altmodische Art kennenzulernen. So, wie er und Chloe sich getroffen hatten. Echt und persönlich. Jemanden nur nach seiner äußeren Erscheinung zu beurteilen, entsprach nicht seiner Vorstellung von Romantik.

    „Ich finde, das Foto von ihr im roten Bikini ist ein echter Hingucker, insistierte Jessica. „Wer würde sie nicht kennenlernen wollen?

    „Ich bin nicht interessiert." Das war eine glatte Lüge. Seine Hormone waren in Wallung geraten und schienen gerade eine Party zu feiern. Offenbar musste sein Körper etwas Dampf ablassen. Es war lange her, seit er zum letzten Mal …

    „Wirklich nicht? Jessica musterte ihn gründlich. „Du siehst nämlich aus, als wärst du sehr angetan.

    Mit finsterer Miene schob er ihre Hand und damit das Telefon beiseite. „Lösch mein Konto."

    Jessica ließ sich von seiner schlechten Laune nicht beeindrucken. „Ich gebe dir ein paar Tage, um darüber nachzudenken."

    Lyle beschloss, dass es an der Zeit war, eine Gegenattacke zu starten. „Warum konzentrierst du dich nicht auf dein eigenes Liebesleben, anstatt dir über meins den Kopf zu zerbrechen?"

    Diese Bemerkung erzielte die erhoffte Wirkung. Jessica senkte unbehaglich den Blick. „Ich konzentriere mich im Moment nur auf meine Karriere. Sie war eine talentierte Köchin und hatte erfolgreich eine renommierte Kochschule in Austin, Texas absolviert. Derzeit befand sie sich auf der Suche nach ihrem Traumjob. „Außerdem habe ich zu viel mit dem Campingunternehmen zu tun, um mich zu verabreden.

    Weder sie noch Lyle scheuten harte Arbeit. Das hatte ihnen ihre liebevolle, arbeitsame und alleinerziehende Mutter mit auf den Weg gegeben. Da sie der Arbeiterschicht entstammte, war es für sie eine Selbstverständlichkeit gewesen, die Ärmel hochzukrempeln und sich die Hände schmutzig zu machen. Vor einigen Jahren hatte Jessica auf der Ranch eine Firma für Luxus-Camping gegründet und viel Arbeit und Energie hineingesteckt. Das Unternehmen gedieh hervorragend und durch den erzielten Gewinn hatte sie sich die teure Kochschule leisten können.

    „Und ich muss eine Ranch führen, sagte Lyle. „Ich schätze, wir haben beide keine Zeit für Verabredungen. Außerdem, wer wäre so verrückt, einer App mit falschen Algorithmen zu vertrauen?

    „Ich, verkündete Jessica. „Ich habe das Feature für das soziale Netzwerk benutzt und jemanden kennengelernt, der für die nächsten zwei Wochen die Wohnung mit mir tauscht.

    „Hast du vollkommen den Verstand verloren?", fragte Lyle entsetzt.

    „Sieh mal, ich weiß, wie sehr du das Leben auf der Ranch magst. Aber ich habe die Nase voll von Rindern, Pferden und Dreck. Ich möchte auch mal ein hübsches, aber unpraktisches Kleid mit Sandalen tragen, ohne Angst haben zu müssen, dass es schmutzig wird. Ich will Einkaufsbummel machen und in schicken Restaurants essen. Die Frau, mit der ich tausche, hat ein Apartment in der Innenstadt von Dallas."

    „Wer ist das?, fragte Lyle argwöhnisch. Das Letzte, was er wollte, war eine Fremde, die eine Viertelmeile von ihm entfernt wohnte. „Was weißt du über sie?

    „Sie ist eine Unternehmerin genau wie ich."

    „Was sonst noch?"

    „Sie heißt Giselle Saito. Sie führt ihre eigene Kosmetikfirma. Sie bezeichnet sich selbst als Workaholic. Ihr zwei habt also viel gemeinsam. Jessica merkte, dass ihr Bruder alles andere als angetan von ihrem Vorhaben war und seufzte. „Warum musst du nur so misstrauisch sein? Jeder, der ein Konto bei der App hat, wird sicherheitsüberprüft. Sie ist bestimmt keine Serienmörderin.

    „Du hättest das mit mir besprechen müssen. Bevor du jemanden, den du gar kennst, auf die Ranch einlädst."

    „Oh, bitte. Jessica verdrehte die Augen. „Mit meinen Campingkunden hattest du noch nie Probleme. Und das sind ausnahmslos Fremde.

    „Das ist etwas anderes. Du bist hier und hast die Leute die ganze Zeit im Auge. Wenn du in Dallas bist, wer sorgt dann dafür, dass dieser Frau nichts zustößt?"

    „Was sollte ihr denn hier zustoßen?", fragte Jessica unbeeindruckt.

    Das Leben auf der Ranch war voller Gefahren. Besonders für einen ahnungslosen Neuling. Sie konnte von einer Rinderherde niedergetrampelt werden. Oder in ein Getreidesilo stürzen und ersticken. Von einem Traktor überfahren werden. Einen allergischen Schock durch einen Insektenstich erleiden. In Lyles Kopf überschlugen sich die möglichen Unglücksfälle.

    „Weiß sie etwas über das Leben auf einer Ranch?"

    „Nein. Sie ist ein Großstadtmensch durch und durch. Jessica lächelte ihn treuherzig an. „Wenn du so besorgt um sie bist, kannst du ja ein Auge auf sie haben.

    „Ich habe keine Zeit, den Babysitter zu spielen."

    „Dann beauftrage einen der Arbeiter damit, sie herumzuführen. Sie ist sehr erpicht darauf, einen echten Cowboy kennenzulernen. Und hier gibt es ja genug davon. Jessica deutete auf einen vorbeigehenden Arbeiter. „Wie wäre es mit Jacob? Ich wette, es würde ihm gefallen, ihr alles zu zeigen.

    Bei der Erwähnung seines Namens bedachte der gutaussehende Mann Jessica mit einem schiefen Lächeln. Lyle warf seinem Vorarbeiter einen kritischen Blick zu. Jacob war ein guter Arbeiter, hatte aber einen schillernden Ruf als Schürzenjäger. Lyle wollte auf keinen Fall, dass Jessicas Gast auch nur in seine Nähe kam.

    „Soll das ein Scherz sein? Lyle deutete mit dem Kinn auf die offene Stalltür und schickte Jacob damit seiner Wege. „Dies ist die arbeitsreichste Zeit. Wir müssen das Vieh zusammentreiben, um die Kälber zu wiegen und zu impfen. Ganz zu schweigen vom Tagesgeschäft wie Zaunreparaturen und Heuernte.

    „Dann gib ihr etwas zu tun."

    „Kommt nicht infrage. Sag ihr, sie soll sich aus dem Ranchbetrieb heraushalten. Solange sie in deinem Haus wohnt, will ich sie möglichst nicht zu Gesicht bekommen. Ist das klar?"

    Jessica warf das Haar zurück und wandte sich zum Gehen. „Glasklar."

    „Gut. Er beobachtete, wie Jessica aus dem Stall stapfte. „Und lösch mein Konto, rief er ihr hinterher.

    „Meinetwegen", gab sie wütend zurück.

    Erleichtert ließ er die Schultern sinken. Er wollte sich nicht verabreden. Er wollte sich nicht verlieben und Gefahr laufen, dass ihm noch einmal das Herz gebrochen wurde. Trotzdem konnte er die Einsamkeit, die er hin und wieder verspürte, nicht gänzlich ignorieren.

    Allein zu sein war manchmal nicht leicht.

    Aber einen Menschen zu verlieren, den er liebte, war eine schreckliche Erfahrung, die er nicht noch einmal machen wollte.

    Giselle Saito setzte die Sonnenbrille auf, als sie ihr Cabrio aus der Tiefgarage ihres Wohnhauses im historischen Viertel von Dallas in die helle Sonne lenkte. Vor drei Jahren hatte sie das Apartment im zwölften Stock gekauft. Damals war sie überzeugt davon, dass es sich um ihre Traumwohnung handelte. Das traf zum damaligen Zeitpunkt sogar zu. Besonders, wenn sie es mit der Wohnung verglich, in der sie gelebt hatte, bevor ihre Firma für ökologisch und ohne Tierversuche produzierte Kosmetik Erfolg hatte.

    Die drei Jahre waren schnell vergangen, und mittlerweile zweifelte sie wegen der überfüllten Straßen und den fehlenden Grünflächen ihre Entscheidung an. Vielleicht sollte sie in einen Vorort umziehen, in ein schönes Haus mit einem großen Garten. Ihr florierendes Unternehmen saugte jedoch ihre gesamte Energie auf. Daher wusste Giselle nicht recht, ob sie die Zeit und die Arbeit aufbringen konnte, die ein Haus mit Garten erforderte.

    Als sie die Auffahrt zur Interstate entlangfuhr, klingelte ihr Handy. Sie benutzte die Freisprechanlage, um den Anruf ihrer Schwester entgegenzunehmen.

    „Hallo, meldete sie sich, während sie sich in den Verkehr einfädelte. „Was gibt es?

    „Ich habe Neuigkeiten, erklärte Gabby in ihrem üblichen dramatischen Tonfall. „Lass uns zusammen zu Mittag essen.

    „Ich kann nicht." Offenbar hatte ihre Zwillingschwester Giselle Urlaubspläne vergessen.

    „Und wie sieht es abends aus?"

    Giselle seufzte. „Ich fahre gerade aus der Stadt. Ich mache zwei Wochen Urlaub." Sie widerstand der Versuchung, ihre Schwester daran zu erinnern, dass sie ihr das bereits erzählt hatte. Wenn sie ein Trinkspiel daraus machen und jedes Mal einen Schnaps trinken würde, wenn sie Gabby an etwas erinnern musste, bräuchte sie noch vor Ablauf des Jahres eine neue Leber.

    „Oh, wohin fährst du denn?", fragte Gabby erstaunt.

    Giselle hatte ihr bereits erklärt, dass sie für zwei Wochen die Wohnung mit einer Frau tauschen wollte, die sie auf einer App kennengelernt hatte.

    „Auf eine Ranch", antwortete Giselle mit überstrapazierter Geduld.

    „Auf eine Ranch? Gabby tat so, als würde sie zum ersten Mal davon hören. „Und was wirst du dort machen? Ich meine, sie werden wohl kaum von dir erwarten, dass du reitest und Vieh zusammentreibst, oder?

    „Natürlich nicht. Insgeheim hoffte Giselle jedoch, ein wenig vom Leben auf einer Ranch mitzubekommen. „Ich will nur einfach eine Zeit lang raus aus der Stadt und den Sternenhimmel sehen. Jessica, der das Haus gehört, in dem ich wohne, betreibt eine Firma für Luxus-Camping, und sie sagte …

    „Was für eine Firma?, fragte Gabby verständnislos. „Wie kann Zelten luxuriös sein?

    „Man schläft in Zelten, aber in richtigen Betten mit normalem Bettzeug. Die Mahlzeiten werden von Servicekräften zubereitet, und man hat überhaupt keine Arbeit", wiederholte Giselle, was Jessica ihr erzählt hatte.

    „Das hört sich furchtbar an."

    Das war eine typische Reaktion für Gabby. Ihre Vorstellung vom einfachen Leben gipfelte in der Übernachtung in einem Hotel, das nur drei Sterne hatte. Giselle hingegen betrachtete ihren Urlaub als ein aufregendes Abenteuer. Ihre Vorstellung von Camping, dem Leben auf einer Ranch und Cowboys stammte aus dem Fernsehen. Daher bezweifelte sie, dass diese Vorstellung der Realität entsprach.

    „Ich glaube, es wird Spaß machen."

    „Wie du meinst. Also wirst du die nächsten zwei Wochen nicht arbeiten?"

    „Du kennst mich doch. Natürlich werde ich arbeiten. Seit der Gründung vor zehn Jahren hatte Giselle ihre gesamte Energie in ihre Firma gesteckt. „Ich bin dabei, eine Produktpalette für Herrenkosmetik auf den Markt zu bringen, und es gibt noch sehr viel zu tun. Ich dachte, ich könnte mir dir Cowboys auf der Ranch genauer betrachten. Vielleicht ist jemand dabei, der als Model taugt.

    „Hast du nicht schon jemanden gefunden? Diesen Kerl, mit dem du ausgehst? Theo oder so?"

    Giselle umklammerte das Lenkrad, als die Erinnerung an eine große Demütigung sie heimsuchte. „Sein Name ist Thad. Und wir haben uns getrennt."

    „Er war ohnehin zu jung für dich, sagte Gabby mit der Überlegenheit einer älteren Schwester. Um genau zu sein, drei Minuten älter. „Ich wusste gleich, dass das nicht hält.

    Giselle fand es sehr schmeichelhaft, als der attraktive Sechsundzwanzigjährige sie um eine Verabredung gebeten hatte. Damals wäre es ihr nicht im Traum eingefallen, dass er mehr daran interessiert war, das Werbegesicht für ihre Kosmetikprodukte zu werden als an ihr. Sie investierte sechs Monate Zeit, Energie und Geduld in die Beziehung, bis sie herausfand, dass Thad einzig und allein daran gelegen war, seine Karriere voranzutreiben. Sie war nicht mehr gewesen als ein Mittel zum Zweck.

    „Du solltest dich bei dieser neuen Dating-App anmelden, riet Gabby. „Die Männer dort sind attraktiv, erfolgreich und reich. Viel begehrenswerter als dieser hübsche Junge mit Ambitionen zum Model.

    „Daran bin ich im Moment nicht interessiert." Und vor allem nicht daran, mir noch einmal das Herz brechen zu lassen, fügte Giselle im Stillen hinzu.

    „Schön. Dann bleibt mehr für mich."

    „Du bist ihnen bestimmt sehr willkommen", erwiderte Giselle. Sie wünschte ihrer Schwester aufrichtig Glück. Nicht dass Gabby Glück nötig hatte. Wenn es um Romanzen ging, konnte sie eine wahre Femme fatale sein. Eins von vielen Dingen, in denen sie sich von ihrer Zwillingsschwester unterschied.

    Erst als sie das Telefonat beendeten, fiel Giselle auf, dass Gabby ihre Neuigkeiten nicht preisgegeben hatte. Sie war schon dabei, die Nummer ihrer Schwester zu wählen, als ein weiterer Anruf einging. Auf dem Display erschien Jessica Drummonds Name. Giselles Herz machte vor Aufregung einen Satz.

    „Ich bin auf dem Weg nach Royal", sagte Giselle nach der Begrüßung.

    „Und ich bin auf dem Weg nach Dallas", gab Jessica zurück. Ihr Lächeln war förmlich in ihrer Stimme zu hören.

    Seit ihrer Begegnung in der App vor drei Wochen hatten sie sich durch etliche Chats ziemlich gut kennengelernt.

    „Ich hoffe, dir gefällt meine Wohnung. Giselle hatte ihr Apartment großzügig mit Lebensmitteln, alkoholischen Getränken und allerhand netten Kleinigkeiten ausgestattet. „Ich habe dir eine ganze Reihe von Kosmetikartikeln aus meiner Firma dagelassen. Und im Schrank des Gästezimmers hängen Kleider, die meine Schwester designt hat. Du kannst dich gern bedienen. Ich hoffe, du verwöhnst dich selbst in den nächsten zwei Wochen.

    „Ich komme mir ganz schrecklich vor, gestand Jessica. „Ich habe nur das Haus geputzt und dir ein paar Mahlzeiten in der Tiefkühltruhe hinterlassen. Oh, und meinen grantigen Bruder. Jessica lachte schuldbewusst. „Allerdings solltest du dich besser von ihm fernhalten."

    „Das hört sich merkwürdig an. Warum ist er grantig?" Nach Jessicas Beschreibung stellte Giselle sich einen ständig schmuddeligen Mann mit finsterem Blick in Jeans und T-Shirt vor. Soweit sie verstanden hatte, war er ein Workaholic, dem einzig und allein seine Ranch am Herzen lag.

    „Er arbeitet zu viel. Das macht ihn ziemlich unverträglich. Ich habe versucht, ihn dazu zu bewegen, auch mal an etwas anderes zu denken als an die Ranch. Aber daran ist er nicht im Geringsten interessiert."

    Giselle empfand Mitgefühl bei Jessicas frustriertem Ausbruch. Sie hatte schließlich selbst eine Schwester, die nicht gerade einfach war. „Es scheint, als würde er genauso wenig auf deinen Rat hören wie meine Schwester auf meinen."

    „Die beiden haben Glück, dass sie so großartige Geschwister haben. Aber sie wissen uns überhaupt nicht zu schätzen."

    Giselle lächelte in sich hinein. Ihre anfangs spontan gefasste Zuneigung zu Jessica bestätigte sich einmal mehr. „Genau."

    „Um Lyle brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Er ist so beschäftigt mit der Ranch, dass du ihn kaum zu Gesicht bekommen wirst. Das ist auch besser so, das kannst du mir glauben. Er verdient niemanden, der so lustig und nett ist wie du."

    Bei dieser Bemerkung wurde Giselle warm ums Herz. Eigentlich war Gabby diejenige, die besser mit anderen Menschen zurechtkam. Ihre Zwillingsschwester fand schnell Freunde und liebte es, im Rampenlicht zu stehen. Giselle hingegen hielt sich lieber im Hintergrund. Und sie stellte die Arbeit immer über ihr Privatleben. Deshalb hatte sie schon in der Highschool einen Videoblog über Kosmetik begonnen, der Tausende von Followern hatte.

    „Vielen Dank für deine freundlichen Worte, erwiderte Giselle und fragte sich, ob wohl die Hoffnung bestand, dass aus diesem Wohnungstausch eine echte Freundschaft wurde. „Ich wünsche dir viel Spaß in meinem Apartment. Und wenn du etwas brauchst, lass es mich bitte wissen.

    „Danke. Ich wünsche dir auch eine schöne Zeit auf der Ranch. Und wenn du etwas brauchst, musst du nur Rosie fragen. Sie ist Lyles Haushälterin. Ich habe ihre Telefonnummer an der Kühlschranktür befestigt."

    Nachdem Giselle sich nochmals bedankt und verabschiedet hatte, beendete sie das Gespräch. Sie folgte den Anweisungen des Navigationsgeräts, und auf dem Weg durch das hübsche Städtchen Royal und dann weiter auf einer Straße, die zur Royal Cattle Company Ranch führte, verstärkte sich ihr Gefühl von Ehrfurcht und Dankbarkeit. Sie hatte ihr ganzes Leben in der Stadt verbracht, und die weite unberührte Landschaft war wie eine Offenbarung. Weideland erstreckte sich, soweit das Augen reichte. Giselle kam zu dem Schluss, dass sie vermutlich in den nächsten zwei Wochen mehr Rinder als Menschen zu sehen bekommen würde.

    Bevor die Entscheidung für dieses Abenteuer gefallen war, hatte sie sich oft gefragt, wie ihr das Landleben wohl gefallen würde. Jetzt, da sie die Schönheit der Landschaft in sich aufnahm, war sie absolut gefesselt davon. Außerdem löste sich ihre Anspannung mit jeder Meile, die sie zurücklegte. Zum ersten Mal seit vielen Jahre fiel das Gewicht der Verantwortung von ihren Schultern. Giselle wusste, dass sie sich ihre Ängste und Sorgen selbst auferlegt hatte. In den letzten zehn Jahren hatte sie sich viel abverlangt, und es war kein Ende in Sicht. Es schien gar nicht mehr so erstrebenswert, sein eigener Chef zu sein. Ich habe meinen Von-neun-bis-fünf-Job gekündigt, damit ich rund um die Uhr arbeiten kann. Und das sieben Tage die Woche.

    Selbst jetzt, da ihr Unternehmen florierte, fiel es ihr schwer, es langsamer angehen zu lassen. Ein Teil von ihr befürchtete, alles käme dann zu einem abrupten Stillstand ohne die Chance, wieder in Schwung zu geraten.

    Giselle kehrte in die Gegenwart zurück, als das Navigationsgerät ankündigte, dass sie zwei Meilen weiter abbiegen musste. Ihr Pulsschlag beschleunigte sich vor Aufregung. Sie konnte es kaum abwarten, einen ersten Blick auf die Ranch zu werfen. Als sie sich der Abzweigung näherte, erblickte sie ein geöffnetes schmiedeeisernes Tor, das den Namenszug der Royal Cattle Company trug. Giselle nahm den Fuß vom Gaspedal und trat leicht auf die Bremse.

    Sie passierte das Tor und fuhr eine gut instand gehaltene Straße entlang. Die Ausmaße der Ranch wurden ihr bewusst, nachdem sie ungefähr eine Meile zurückgelegt hatte, bevor die ersten Gebäude in Sicht kamen. Nach einer Kurve erblickte sie über einen Hügel hinweg ihr Ziel. Ein großes zweistöckiges Wohnhaus. Während sie den Wagen ausrollen ließ, konnte sie den Blick nicht von dem aus Ziegelsteinen erbauten Haus wenden. Es war so groß, dass ihr Apartment ungefähr viermal hineingepasst hätte. Dies würde also für die nächsten zwei Wochen ihr Zuhause sein.

    Sie stieß einen Seufzer der Erleichterung aus und brachte den Wagen auf der kreisförmigen Auffahrt vor dem Haus zum Stehen. Nachdem sie ausgestiegen war, ging sie auf die Eingangstür zu. Auf der weitläufigen Veranda standen ein halbes Dutzend Schaukelstühle, und es gab nicht nur eine, sondern gleich zwei Schaukeln. Giselle stellte sich vor, wie sie in der Abenddämmerung auf einer der Schaukeln saß und den sich verdunkelnden Himmel betrachtete.

    Bevor sie einen Fuß auf die Stufen der Verandatreppe setzte, drehte sie sich um und nahm den Anblick der hügeligen Landschaft mit Weiden und Baumgruppen in sich auf.

    Sie hörte das Zirpen der Grillen und den Wind, der mit leisem Rauschen durch die Bäume wehte. Keine Polizeisirenen. Kein Verkehrslärm. Sie füllte ihre Lungen mit der frischen sauberen Luft, die nach Heu und den Rosen in dem Garten zu ihrer Rechten duftete.

    Schließlich betrat sie die Veranda und breitete die Arme aus, als wollte sie die ganze Welt umarmen. Vielleicht war dies doch kein Abenteuer. Jessicas Haus kam ihr vor wie eine luxuriöse Unterkunft und nicht wie das einfache Ranchhaus, das sie erwartet hatte.

    In freudiger Erwartung ging sie zu ihrem Cabriolet zurück, um ihre beiden Rollkoffer zu holen und die Stufen hinaufzuschleppen. Als sie atemlos vor der Eingangstür stand, kam ihr der Verdacht, dass sie möglicherweise viel zu viel eingepackt hatte.

    Eigentlich hatte sie vorgehabt, in den nächsten zwei Wochen viele Fotos zu machen und sie auf ihren Konten in den sozialen Medien zu posten. Während der Fahrt hatte sie jedoch ihre Meinung geändert. Sie wollte die Zeit nutzen, um die Werbekampagne für ihre Herrenkosmetik zu planen. Die Gelegenheit, Cowboys in ihrem Element zu beobachten, kehrte bestimmt nicht so bald wieder.

    Wie Jessica sagte, hatte die Eingangstür kein Schlüsselloch, sondern ein digitales Codeschloss. Giselle zückte ihr Handy und durchforstete ihre Textnachrichten, bis sie den vierstelligen Code fand, den Jessica ihr übermittelt hatte. Sie gab die Zahlen ein und öffnete die Tür.

    Das weitläufige Foyer verschlug ihr fast den Atem. Nachdem sie ihre Koffer über die Schwelle gerollt hatte, schloss sie die Tür und schaute sich in ihrem neuen Zuhause um.

    Als sie den großen Wohnbereich betrat, konnte sie ihr Glück kaum fassen. Die hohe Decke wurde von Holzbalken gestützt, und Licht flutete durch die riesigen Fenster an beiden Seiten des Raumes. Vor einem gemauerten Kamin standen ein komfortables Sofa und mehrere Sessel.

    Offensichtlich stand Jessica finanziell besser da, als sie angedeutet hatte. Nach ihrer Beschreibung hatte Giselle ein wesentlich bescheideneres Haus erwartet.

    Das Geräusch der sich öffnenden Eingangstür zeigte ihr an, dass sie nicht länger allein war. Nach den vielen Jahren in der Großstadt bestand ihre erste Reaktion auf einen fremden Eindringling in anschwellender Panik. Jemand hatte Jessicas Haus betreten, ohne vorher anzuklopfen.

    Giselle fasste in ihre Handtasche, um ihr Pfefferspray herauszuholen. Bisher hatte sie es nie benutzen müssen, weil sie gefährliche Situationen tunlichst vermied. Sie baute darauf, dass das Überraschungsmoment für sie arbeiten würde, verbarg die kleine Dose in den Falten ihres Kleides und drehte sich zu dem Eindringling um.

    Sie erwartete einen ungepflegten verschlagenen Kriminellen und war nicht vorbereitet auf den großen, halb nackten Gott, den sie erblickte. Sie war mit der vagen Vorstellung hierhergefahren, unter den Cowboys auf der Ranch vielleicht das Model für ihre neue Pflegelinie für Herren zu finden. Sie hätte jedoch im Traum nicht daran gedacht, dass der erste Kerl, den sie zu Gesicht bekam, so unverschämt gut aussehen würde.

    Wie gebannt hing ihr Blick auf seinen breiten Schultern und dem gebräunten muskulösen Oberkörper. Er war absolut perfekt. Sie schürzte die Lippen zu einem tonlosen Pfiff. Ihr Mund wurde trocken, und sie brachte nur einen ungläubigen Seufzer hervor.

    In der einen Hand hielt er ein kariertes Hemd, in der anderen einen schwarzen Stetson. Auf seinem Waschbrettbauch, der muskulösen Brust und den ausgeprägten Bizeps stand ein dünner Schweißfilm. Sein dunkles Haar war feucht. Er sah aus, als wäre er ins Wasser getaucht und hätte es dann mit einer nachlässigen Handbewegung abgestreift.

    Während sie wie gelähmt dastand und ihn bewunderte, richtete sich seine Aufmerksamkeit auf die Koffer im Foyer. Offenbar hatte er Giselles Anwesenheit noch nicht bemerkt. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sein Blick durch den Wohnbereich schweifte und an ihr haften blieb. Er blieb abrupt stehen und betrachtete Giselle verwirrt. Als ihre Blicke sich begegneten, schien die Zeit stillzustehen.

    Bis zu diesem Moment hatte sie nicht in Betracht gezogen, dass ihr Urlaub zu einer Affäre mit einem sexy Cowboy führen könnte. Das wäre genau das Richtige, um sich Thad ein für alle Mal aus dem Kopf zu schlagen.

    Mit seiner Ausstrahlung von ungezügelter männlicher Kraft war ihr Gegenüber wie eine Fantasie, die zum Leben erwacht war. Giselle verspürte einen leichten Schwindel, so eingenommen war sie von dem Fremden. Allerdings hatte sie keine Ahnung, wer er sein mochte. Sie wusste nur, dass er ungebeten hier eingedrungen war.

    Er könnte gefährlich sein. Dieser Gedanke schmälerte ihre Faszination jedoch keineswegs. Sie umklammerte das Pfefferspray und befahl ihren widerspenstigen Hormonen, sich zu benehmen.

    „Wer sind Sie?", fragte sie mit brüchiger Stimme.

    Er schüttelte ungläubig den Kopf. „Wer ich bin? Die Frage sollte wohl besser lauten, wer zur Hölle Sie sind."

    Abwartend stand er da. Angriffslustig und selbstbewusst.

    „Also?", drängte er ungeduldig, als sie ihn weiterhin nur benommen ansah.

    „Giselle Saito."

    „Nun, Giselle Saito, vielleicht können Sie mir jetzt erklären, was Sie in meinem Haus zu schaffen haben."

    2. KAPITEL

    Lyle schäumte vor Wut, während die Frau, die nach den Worten seiner Schwester durch die Dating-App für ihn ausgesucht worden war, ihn mit unverhohlenem sexuellem Interesse anschaute. Im ersten Moment war ihm der Gedanke gekommen, ob er sie vielleicht selbst herbeigezaubert hatte. Seit Jessica ihm die Fotos von ihr gezeigt hatte, konnte er nicht aufhören, an Giselle in dem roten Bikini zu denken. Weder ihre aufregenden Kurven noch ihre aufreizende Pose hatte er vergessen können.

    „Ihr Haus?", fragte sie fassungslos.

    „Ja."

    „Aber die Tür hat sich geöffnet, als ich den Code eingegeben habe, den Jessica mir mitgeteilt hat."

    „Normalerweise schließe ich tagsüber nicht ab."

    „Haben Sie keine Angst, dass jemand einbrechen könnte?", fragte sie mit schreckgeweiteten Augen.

    „Nein."

    Lyle musterte die Frau und versuchte, die Profilfotos mit der realen Person in Einklang zu bringen. Sie trug ein blaues gestuftes Rüschenkleid mit silbernem Gürtel und blaue Sandalen, deren Absätze ungefähr zehn Zentimeter zu ihrer Körpergröße hinzufügten. Außerdem lenkten sie die Aufmerksamkeit auf ihre gebräunten wohlgeformten Waden. Ihr langes Haar umspielte in weichen Wellen ihr herzförmiges Gesicht. Sie wirkte sehr feminin und schien auf einen Flirt aus zu sein.

    „Warum nicht?", hakte sie nach.

    „Weil das hier meine Ranch ist."

    Diese Antwort beruhigte sie offensichtlich. Alle Anzeichen von Unsicherheit verschwanden. „Das heißt wohl, dass Sie Jessicas Bruder sind. Dann bin ich hier richtig."

    Ihr plötzliches Vertrauen irritierte ihn. Offenbar hatten sie und seine Schwester sich verschworen, um ihn zu überrumpeln. Es konnte kein Zufall sein, dass seine Schwester ihm gestern ihre Profilfotos gezeigt hatte und sie heute höchstpersönlich in seinem Wohnzimmer stand. Weder eingeladen noch angekündigt.

    „Da irren Sie sich."

    „Nein, das tue ich nicht."

    „Klären Sie mich auf."

    Trotz seines Ärgers entwickelte sich ein seltsames Gefühl in ihm. Unwillkommen und verstörend. Bewunderung. Anfangs hatte sie erschrocken und ein wenig ängstlich gewirkt. Jetzt schien sie die Situation völlig im Griff zu haben.

    „Ich habe vor, die nächsten zwei Wochen hier zu verbringen. Es ist alles arrangiert."

    Er war sich der Koffer in seinem Foyer durchaus bewusst. Und auch der Gefahr, die sie bedeuteten. „Ich kann mich nicht erinnern, dem zugestimmt zu haben."

    „Haben Sie nicht?, fragte sie besorgt. „Ich dachte wirklich, es wäre alles arrangiert.

    „Hat Ihnen meine Schwester das erzählt?"

    Zwischen ihren Augenbrauen bildete sich eine Falte. „Ja, das hat sie."

    Er beschloss, sich ahnungslos zu geben. Vielleicht konnte er sie so dazu bewegen, ihren hinterhältigen Plan preiszugeben. „Woher kennen Sie meine Schwester?"

    „Wir haben uns mit der neuen Dating-App kennengelernt. Sie lächelte, und ein Grübchen erschien auf ihrer Wange. „Wir haben die Häuser getauscht.

    „Natürlich, murmelte er. „Aber leider befinden Sie sich im falschen Haus.

    „Also wohnt Jessica nicht hier?"

    „Nein."

    „Oh."

    „Oh?"

    „Nun ja, das ist ein bisschen enttäuschend."

    Er erahnte ihre Gedanken und wurde wieder zornig. Zweifellos hatte sie vorgehabt, in seinem Haus herumzustolzieren, viel nackte Haut zu zeigen und zu hoffen, dass er von Begierde überwältigt wurde. Und angesichts seiner Reaktion auf die Profilfotos wäre das vielleicht sogar geschehen.

    In den letzten vierundzwanzig Stunden hatte er Dutzende Male an die sexy Wölbung ihrer Brüste und die aufregenden Kurven ihrer Hüften denken müssen. Diese Frau war außerordentlich hübsch und wusste genau, welchen Eindruck sie auf Männer machte.

    Er schüttelte unwillig den Kopf. „Das glaube ich gern."

    Giselle wirkte völlig unbeeindruckt von seiner finsteren Miene. „Wo wohnt sie denn?"

    „Ihr Haus steht eine halbe Meile von hier entfernt an der Zufahrtsstraße."

    „Oh. In Ordnung. Vielen Dank. Sie machte Anstalten zu gehen, hielt aber nach ein paar Schritten inne. „Die Verwechslung tut mir leid.

    „Schon gut."

    Sie zögerte immer noch. Bestimmt hatte sie nicht damit gerechnet, so rüde zurückgewiesen zu werden, und suchte nach einem Trick, um die Unterhaltung aufrechtzuerhalten.

    „Ich habe zu tun. Also …" Er deutete auf die geöffnete Eingangstür hinter ihm.

    „Natürlich. Ich werde Ihnen nicht länger im Weg sein."

    Die Art, wie sie ihre Koffer nahm und mühsam durch die Tür und die Stufen hinunterschleppte, erweckte ein Schuldgefühl wegen seines Benehmens in ihm.

    Der Schreck, Giselle Saito in seinem Haus vorzufinden, war keine Entschuldigung für seine Unhöflichkeit. Niemand hätte ihm je vorwerfen können, ungehobelt zu sein. Bis heute.

    „Also, das war eine erbärmliche Vorstellung" erklang hinter ihm eine vertraute weibliche Stimme.

    Lyle drehte sich zu der besten Freundin seiner Mutter um. Rosie Masters warf ihm ein sauberes Hemd entgegen. Er fing es auf und setzte zu einer wortreichen Rechtfertigung an. Doch angesichts der offenkundigen Missbilligung in den Augen der älteren Frau überlegte er es sich anders.

    Ihre Beziehung gestaltete sich recht kompliziert. Seit Tallulah Drummonds tragischem Autounfall vor siebzehn Jahren war Rosie sowohl Haushälterin als auch Ersatzmutter für ihn. Lyle würde ihr für immer dankbar sein, denn die Freundin seiner Mutter hatte alles stehen und liegen lassen, um ihm den Haushalt zu führen und sich um seine jüngere Schwester zu kümmern. Nach dem plötzlichen Verlust seiner Mutter und dann seiner Frau war Rosie für ihn zu einem Fels in der Brandung geworden.

    Er schlüpfte in das frische Hemd. „Ich glaube, du verstehst nicht …"

    „Habe ich vielleicht

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