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Julia Collection Band 149: Ein Königreich für dich
Julia Collection Band 149: Ein Königreich für dich
Julia Collection Band 149: Ein Königreich für dich
eBook514 Seiten6 StundenJULIA COLLECTION

Julia Collection Band 149: Ein Königreich für dich

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Über dieses E-Book

DIE PRINZESSIN UND IHR BODYGUARD von LUCY MONROE
Tag und Nacht soll er Prinzessin Lina beschützen! Eine überraschend sinnliche Herausforderung für Sebastian Hawke. Denn die exotische Schönheit ist ebenso unschuldig wie sexy - und scheint sich in den Kopf gesetzt zu haben, ausgerechnet ihren attraktiven Bodyguard zu verführen …

HEISS WIE DIE SONNE DER WÜSTE von LUCY MONROE
Eigentlich hat Scheich Amir seine Assistentin Grace nur in seine Heimat mitgenommen, damit sie ihm eine Liste mit Heiratskandidatinnen aufstellt. Aber unter der heißen Wüstensonne entdeckt er plötzlich eine ganz neue, höchst sinnliche Seite an ihr. Ist etwa sie die Richtige?

LEIDENSCHAFT UNTERM WÜSTENMOND von LUCY MONROE
Zu einem Scheich sagt man nicht Nein! Das wird Zahir der schönen Angele beweisen. Sie glaubt, er hätte sie betrogen, und will deshalb die Verlobung lösen. Doch vorher erbittet er noch eine Nacht mit ihr. Denn wenn sie ihn nicht aus Liebe heiraten will, dann eben aus Leidenschaft …

SpracheDeutsch
HerausgeberCORA Verlag
Erscheinungsdatum21. Aug. 2020
ISBN9783733715397
Julia Collection Band 149: Ein Königreich für dich
Autor

Lucy Monroe

<p>Die preisgekrönte Bestsellerautorin Lucy Monroe lebt mit unzähligen Haustieren und Kindern (ihren eigenen, denen der Nachbarn und denen ihrer Schwester) an der wundervollen Pazifikküste Nordamerikas. Inspiration für ihre Geschichten bekommt sie von überall, da sie gerne Menschen beobachtet. Das führte sogar so weit, dass sie ihren späteren Ehemann bei ihrem ersten Treffen auf einer Tanzveranstaltung so aus der Fassung brachte, dass er glaubte, sie sei an ihm nicht interessiert, da sie ständig die anderen Paare beobachtete, anstatt ihm ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Was für ein Irrtum! Natürlich war sie interessiert. Sie glaubt, dass es keine stärkere Kraft als die Liebe gibt, mit deren Hilfe man auch tiefen Schmerz überwinden und trotz der harten Herausforderung des Lebens sein Glück finden kann. Liebesromane können ihrer Meinung nach die intensiven Gefühle der Liebe freisetzen. Für sie sind leidenschaftliche und sinnliche Liebesromane ein wunderschöner Ausdruck für die Wahrhaftigkeit der Liebe, verpackt in einer fantasievollen Geschichte, die man als Leser auf dem Sofa genießen kann. Wenn sie nicht schreibt, liest Lucy gerne – welche Überraschung. Sie kennt sich nicht mit aktuellen TV-Shows aus, mag aber romantische und abenteuerliche Filme und geht gern ins Theater. Die Familie ist für sie das Größte. Seit ihrer ersten Veröffentlichung bei Harlequin im Jahr 2002 wurden mehr als 30 ihrer Bücher herausgebracht, und sie hat nicht vor, ihr Arbeitspensum in der Zukunft zu drosseln.</p>

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    Buchvorschau

    Julia Collection Band 149 - Lucy Monroe

    Lucy Monroe

    JULIA COLLECTION BAND 149

    IMPRESSUM

    JULIA COLLECTION erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

    Zweite Neuauflage in der Reihe JULIA COLLECTION

    Band 149 - 2020 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg

    © 2008 by Lucy Monroe

    Originaltitel: „Forbidden: The Billionaire’s Virgin Princess"

    erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London

    Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

    Übersetzung: SAS

    Deutsche Erstausgabe 2010 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,

    in der Reihe JULIA EXTRA, Band 314

    © 2008 by Lucy Monroe

    Originaltitel: „Hired: The Sheikh’s Secretary Mistress"

    erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London

    Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

    Übersetzung: SAS

    Deutsche Erstausgabe 2010 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,

    in der Reihe JULIA EXTRA, Band 315

    © 2011 by Lucy Monroe

    Originaltitel: „For Duty’s Sake"

    erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London

    Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

    Übersetzung: Rita Koppers

    Deutsche Erstausgabe 2012 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,

    in der Reihe JULIA EXTRA, Band 343

    Abbildungen: Harlequin Books S. A., alle Rechte vorbehalten

    Veröffentlicht im ePub Format in 08/2020 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

    E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

    ISBN 9783733715397

    Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

    CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

    Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

    BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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    Die Prinzessin und ihr Bodyguard

    PROLOG

    Mit geschlossenen Augen stand Lina Marwan am Rand der Brücke und konzentrierte sich auf ihre innere Mitte.

    Eine leichte Brise streichelte ihre sonnenwarme Haut. Was für ein glorreicher Tag, um zu springen!

    Sie ließ das Geländer los. Nichts als der freie Fall – fünfzig Meter tief, auf das schäumende Wasser des Flusses unter ihr!

    Pures Adrenalin pumpte durch ihre Adern, ihr Atem ging in kurzen flachen Stößen, ihre Hände wurden feucht, und ein feiner Schweißfilm bildete sich an ihren Schläfen. Lina ballte abwechselnd die Fäuste und lockerte sie wieder. Sie zwang sich, ruhiger und regelmäßiger zu atmen.

    Hinter ihr wurden Stimmen laut und störten die Konzentration und Ruhe, die sie brauchte. Verärgert öffnete sie die Augen und sah über ihre Schulter zurück.

    Sebastian Hawke.

    Er war der Letzte, den sie in diesem Moment zu sehen erwartet hatte. Und der absolut Letzte, den sie überhaupt je wieder in ihrem Leben sehen wollte. Oder im Leben nach dem Tod.

    Der Schöpfer konnte unmöglich so grausam sein und sie und diesen infamen Heuchler und Betrüger in dasselbe Paradies holen.

    Nun, vorerst war wohl nichts daran zu ändern. Er war hier, und es würde sicher nicht mehr lange dauern, bevor er die Leute, die ihm den Weg auf die Brücke versperrten, überzeugt hatte, ihn durchzulassen.

    Lina drehte sich wieder nach vorn, breitete ihre Arme wie Flügel aus und ließ sich fallen. Sebastians Schrei hallte an den Felswänden der Schlucht wider.

    Während sie wie ein Raubvogel auf Beutezug durch die Luft stieß, stürzten die Erinnerungen auf sie ein – Erinnerungen an die Zeit vor acht Jahren.

    An ihre Zeit mit Sebastian …

    1. KAPITEL

    Acht Jahre zuvor …

    Lina hastete über den Innenhof zum Hauptgebäude der Universität. Sie kam zu spät zum Anmeldetermin, aber sie hatte erst ihren Leibwächter abhängen müssen. Mal wieder. Er saß unten in der Bücherei und las ein Buch über das Alte Ägypten, in der festen Überzeugung, dass sie mit ihrer Studiengruppe in einem der Räume im zweiten Stock zusammensaß. Wenn der arme Mann wüsste, wie viele Stunden er in der Bücherei zugebracht hatte, während sie ganz woanders steckte, würden sie beide erhebliche Probleme bekommen.

    Dieser Trottel war viel zu leicht zu überlisten. So leicht, dass es an ihrem Ego nagte. Für ihn bewiesen ihre guten Noten eindeutig stundenlanges Lernen. Natürlich lernte sie, aber längst nicht so intensiv, wie er glaubte. Doch wie ihr Vater und viel zu viele Männer in ihrem Land, war auch ihr Leibwächter der felsenfesten Überzeugung, eine Frau könne derart gute Noten nur mit enormer Anstrengung und außerordentlichem Einsatz erzielen. Alle ihre Leibwächter dachten so. Nachdem Lina das herausgefunden hatte, war sie ihrem Vater regelrecht dankbar, dass er darauf bestanden hatte, ihr Leibwächter aus Marwan zuzuteilen.

    Bereits seit ihrem sechsten Lebensjahr lebte Lina in Amerika, und sie hatte sich oft über die Einstellung ihrer marwanischen Leibwächter aufgeregt. Dann war sie an die Universität gekommen und hatte festgestellt, wie mühelos sie für eine gewisse Zeit ihre Freiheit genießen konnte, alles unter dem Deckmantel des Politikstudiums. Sie lächelte. Das Leben mochte nicht perfekt sein, aber es machte auf jeden Fall Spaß.

    Ihr Lächeln erlosch, als sie gegen eine harte Felswand prallte, die sich als Mann verkleidet hatte. Sie stolperte und landete rückwärts mit dem Po im Gras. „Uff!"

    „Alles in Ordnung?"

    Wow! Die Felswand hatte auch eine Stimme. Eine Stimme, die ihr ein Prickeln über die Haut jagte.

    Sie sah auf, an fast zwei Metern reiner Muskelmasse empor, bis ihre Augen aufeinandertrafen. Seine waren grau, dunkel und geheimnisvoll. Im Moment jedoch war alles in ihnen deutlich zu erkennen. Sorge stand darin. Sorge um sie.

    Nett.

    Ihr Lächeln kehrte zurück, sie streckte ihre Hand aus. „Sicher. Hilfst du mir auf?"

    „Klar." Er ergriff ihre Hand.

    Vielleicht hatten Funken gesprüht, als ihre Hände sich berührten, das konnte Lina nicht mit Sicherheit sagen. Denn als er sie mit Schwung vom Boden hochzog, landete sie an seiner Brust, und ihre Sinne explodierten. Ihr überrumpelter Geist registrierte nur noch den halb verzogenen Mund, und sie fragte sich, wie er aussehen mochte, wenn er richtig lächelte. Wahrscheinlich würde sie das nicht überleben.

    „Ist wirklich alles in Ordnung mit dir?" Jetzt wirkte er ehrlich besorgt.

    Was ihr unglaublich gut gefiel. „Mir geht’s großartig", versicherte sie.

    „Kannst du allein stehen?"

    Sah sie etwa aus, als bräuchte sie Hilfe?

    „Natürlich."

    „Könntest du dann vielleicht loslassen? Ich meine, nicht, dass ich mich über engen Körperkontakt beschwere …", meinte er amüsiert.

    „Ja, ich sollte jetzt wohl loslassen", nickte sie, doch ihr Körper wollte nicht gehorchen.

    Er lachte. „Ich heiße Sebastian Hawke."

    Sein Lachen jagte einen weiteren Schauer über ihren Rücken. Lina starrte wie hypnotisiert auf seinen Mund. Schön, sie hatte also sein Lächeln überlebt, ihr Verstand aber offensichtlich nicht.

    Ganz eindeutig übte dieser Mann eine zerstörerische Wirkung auf ihr Hirn aus.

    „Und du heißt?"

    „Oh, ich … Eine überaus zerstörerische Wirkung! „Lina Marwan. Ihren vollen Namen, Lina bin Fahd al Marwan, benutzte sie schon lange nicht mehr.

    „Schön, dich kennenzulernen, Lina." Sanft schob er sie von sich.

    Mit Mühe und Not schaffte sie es, nicht wieder auf ihn zuzutreten und Körperkontakt zu suchen. So war das also, wenn man sich zu einem Mann hingezogen fühlte. Da konnte sie nur froh sein, dass sie auf eine Mädchenschule gegangen war.

    Kontakt zu gleichaltrigen Jungen hatte Lina nie gehabt, dazu wachte ihre Familie zu streng über sie. In den anderthalb Jahren, die sie jetzt an der Uni war, hatte sie zwei Freunde gehabt. Mit ihnen hatte sie sich in ihrer erstohlenen Freizeit getroffen und Händchen gehalten, aber keiner der beiden hatte eine solche Wirkung auf sie ausgeübt wie Sebastian Hawke. Trotzdem hatte sie sich oft gefragt, wie es sich wohl anfühlte, einen Jungen zu küssen. Nur in Gedanken, natürlich. Jetzt wollte sie sehr konkret wissen, wie es war, Sebastian Hawke zu küssen.

    Der Wunsch war so stark, dass ihre Lippen kitzelten. Und die grauen Augen musterten sie wissend, so als könnte Sebastian ihre Gedanken lesen.

    Die Turmuhr schlug zur Viertelstunde. Lina zuckte zusammen. „Mist. Ich komme viel zu spät. Hoffentlich erwische ich noch einen Platz für den Kajak-Trip." So ganz hatte sie noch nicht ausgeknobelt, wie sie ihren Leibwächtern und ihrer Familie in drei Wochen für ein ganzes Wochenende entkommen sollte, aber sie war fest entschlossen, den Kajak-Ausflug mitzumachen.

    „Du fährst Kajak?", fragte er verblüfft.

    „Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Leider komme ich nicht oft dazu." Entschieden marschierte sie auf das Hauptgebäude zu.

    Wie selbstverständlich lief er neben ihr her. „Wo hast du das gelernt?"

    „Auf der High School." Manchmal hatte es auch Vorteile, das weibliche Kind eines Königs im Mittleren Osten zu sein.

    Zuerst hatte sie sich schrecklich gefühlt, als ihre Eltern sie im zarten Alter von sechs Jahren zu Verwandten nach Amerika geschickt hatten. Doch später war ihr klar geworden, dass das Desinteresse ihrer konservativen Eltern Töchtern gegenüber für sie einen Vorteil bedeutete. Zu Hause hätte sie noch weniger Freiheiten gehabt. Kajak fahren, was sie in dem Eliteinternat für Mädchen gelernt hatte, wäre in Marwan undenkbar gewesen.

    „Dauert dieser Kajak-Trip nicht das ganze Wochenende?"

    „Richtig. Nimmst du auch daran teil?" Die Hoffnung in ihrem Blick ließ sich nicht verbergen, als sie den großen, dunkelhaarigen Mann neben sich ansah.

    Sebastian verkniff sich einen Fluch. Die süße kleine Prinzessin steckte voller Überraschungen. Die erste Überraschung hatte er erlebt, als er seine neue Schutzbefohlene über den Hof hatte rennen sehen, obwohl sie doch angeblich mit ihrer – ausschließlich weiblichen – Studiengruppe zusammensitzen sollte. Nur gut, dass er sie überhaupt gesehen hatte, sonst wäre er ebenso ahnungslos über ihren wahren Aufenthaltsort wie ihr unfähiger Leibwächter. Der Mann brauchte dringend Training von Hawke Investigations!

    „Ich bin noch nie Kajak gefahren, erklärte er. „Aber ich würde es gern lernen. Das war eine glatte Lüge, denn er verspürte nicht die geringste Lust dazu. Aber er hatte schon einmal in einem Kanu gesessen. Auch wenn es nicht unbedingt sein Ding war, so würde er doch eine gute Figur auf dem Wasser abgeben.

    Ein Mann musste eben tun, was ein Mann tun musste, um einen Auftrag zu erledigen. Und sein Auftrag lautete, ständig in der Nähe von Prinzessin Lina bin Fahd al Marwan zu bleiben.

    Ihr Lächeln war umwerfend. „Wenn wir uns beeilen, sind vielleicht noch zwei Plätze frei."

    In Gedanken listete Sebastian alle Optionen auf, die sich anboten. Erstens: Er konnte sie so lange hier festhalten, bis sie den Termin verpasste. Zweitens: Mit einem einzelnen Anruf konnte er dafür sorgen, dass sie nicht an diesem Trip teilnahm. Drittens: Er konnte seinem Instinkt folgen und mit ihr zusammen den Großteil des Wochenendes auf einem Kajak verbringen.

    Da er sie offensichtlich faszinierte, wäre es nicht weiter schwer, sie den Termin verpassen zu lassen. Aber Lina Marwan, wie sie sich nannte, würde mit Sicherheit eine Möglichkeit finden, um doch noch an dem Ausflug teilzunehmen. Sie war keineswegs der schüchterne, ruhige, neunzehnjährige Bücherwurm, wie man ihn hatte glauben machen wollen.

    Wusste eigentlich irgendjemand aus dem Umkreis der Prinzessin, wer sie war und wie sie sich amüsierte?

    Ganz sicher nicht. Weshalb er dahin tendierte, diesen Ausflug nicht ausfallen zu lassen.

    Er war als zusätzliche Sicherheit in einer Zeit der erhöhten Bedrohung für die königliche Familie von Marwan angeheuert worden. Er musste herausfinden, wie es Lina immer wieder gelungen war, den Sicherheitsgürtel um sie herum zu durchbrechen, damit dies in Zukunft vermieden werden konnte. Mit ihr Kajak zu fahren, wäre eine erste Chance.

    All diese Überlegungen liefen innerhalb von Sekundenbruchteilen in seinem Kopf ab.

    „Dann geh voraus", sagte er lächelnd.

    Sie nickte und rührte sich nicht, sondern starrte stattdessen auf seine Lippen.

    „Lina …"

    „Oh, ja, natürlich … Ihr langer dunkler Pferdeschwanz wippte, als sie sich umdrehte und auf das Gebäude zulief. „Die Anmeldung ist oben.

    Es bereitete Sebastian keine Mühe, mit ihrem Tempo mitzuhalten. Beunruhigend war allerdings, wie sein Körper auf die verlockenden Bewegungen ihrer weiblichen Rundungen reagierte. Die Anziehung beruhte eindeutig auf Gegenseitigkeit. Was es ihm erleichtern sollte, in ihrer Nähe zu bleiben. Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, eine kameradschaftliche Freundschaft zu ihr aufzubauen. Wenn die Freundschaft jedoch nicht nur kameradschaftlich blieb, wäre das sogar ein noch besserer Zugang zum Leben der Prinzessin.

    Nur durfte er es nicht zu weit treiben. Zum einen pflegte er grundsätzlich keine langfristigen Beziehungen, zum anderen gab es ausreichend gute Gründe, die gegen eine kurzfristige Affäre mit Lina sprachen. Sie war die Tochter eines Klienten, sein Auftrag und zudem eine königliche Prinzessin aus einem Teil der Welt, in dem die Jungfräulichkeit einer Frau enorme Bedeutung besaß.

    Nun, er besaß genügend Ehrgefühl, um ihre Unschuld nicht auszunutzen. Aber er war durchaus bereit, ihr sichtbares Interesse an ihm für seine Zwecke einzusetzen.

    Lina blieb vor einem athletischen blonden Hünen stehen, der die Außentreppe herunterkam. „Hi, Bob. Haben wir den Termin verpasst?"

    „Schon, aber das macht nichts. Bisher haben wir nur die Infoblätter ausgeteilt und die ersten Namen auf die Teilnehmerliste gesetzt."

    „Heißt das, wir können uns noch eintragen?"

    Der blonde Hüne legte eine Hand auf ihre Schulter und lächelte sie an. „Du immer, Süße."

    Sebastian musste den nächsten Fluch unterdrücken. Hatte sie etwa auch einen Freund, von dem ihre Familie nichts wusste?

    „Toll. Die zierliche Prinzessin wippte begeistert auf den Fußballen. „Sebastian ist neu. Ich möchte gern, dass er mit mir eingeteilt wird. Sie drehte sich zu Sebastian um. „Ich meine, wenn es dich nicht stört, von einer Frau eingewiesen zu werden."

    „Nein, ganz im Gegenteil, es würde mir gefallen."

    „Wayne könnte den Neuen einweisen, und dann könnten wir Partner sein", schlug Bob vor.

    „Der Neue, betonte Sebastian, „würde lieber mit seiner neuen Freundin in einem Boot sitzen. Das war die einzige Art, um gemeinsam mit der Prinzessin aufs Wasser zu kommen. Ein Leibwächter konnte seine Arbeit schlecht vom Ufer oder einem anderen Boot aus erledigen.

    „Entschuldige, wir hätten nicht über dich reden sollen, als wärst du nicht da. Linas dunkle Rehaugen schimmerten betroffen. „Ich hasse es, wenn man das mit mir macht.

    „Schon gut. Bei der Familie, aus der sie stammte, hatte sie wahrscheinlich ausreichend Erfahrung damit. „Kein Problem. Der Blick jedoch, mit dem er den blonden Hünen ansah, warnte den Studenten davor, so etwas noch einmal zu versuchen.

    „Gut, ich trage euch beide ein, aber ich brauche deine Adresse, damit ich dich kontaktieren kann, sagte Bob zu Sebastian. „Linas habe ich schon. Um genau zu sein, ich habe dich auch schon eingeschrieben, Süße. Wieder lächelte er Lina an. „Ich hätte dir das Infoblatt nachher im Seminar für Internationale Politik gegeben."

    Sie strahlte. „Bob, du bist der Beste. Danke."

    Er nahm seinen Rucksack von der Schulter und zog einen Block hervor. „Hier, schreib alles auf. Als Sebastian danach griff, ließ Bob nicht gleich los. „Du bist doch Student hier, oder? Der Trip ist nur für Studenten der Uni gedacht.

    Lina runzelte die Stirn, doch ihre Falten glätteten sich, als Sebastian antwortete: „Ich bin drüben im MBA-Programm eingeschrieben."

    „Na dann." Erst jetzt ließ Bob den Block los.

    Sebastian zog einen Kugelschreiber aus der Tasche und schlug den Block auf. Blitzschnell merkte er sich die Namen der Teilnehmer. Bei Hawke Investigations würde jemand überprüfen, ob einer dieser Namen eine potenzielle Gefahr für Lina bedeutete. Dann schrieb er seine Kontaktadresse auf.

    Insgeheim fragte er sich, wie sie ihren Leibwächter für ein ganzes Wochenende abhängen wollte, aber er zweifelte nicht daran, dass es ihr gelingen würde. Die Tochter eines Wüstenkönigs, die auf dem Internat Kajak fahren gelernt hatte, ohne dass ihre Familie davon wusste, und die ihren Leibwächter regelmäßig an der Nase herumführte, würde schon einen Weg finden, um ihren Kopf durchzusetzen.

    2. KAPITEL

    Im Laufe der nächsten Woche fand Sebastian heraus, dass niemand aus Linas riesigem Bekannten- und Freundeskreis ihre wahre Identität kannte. Um genau zu sein, gab es niemanden unter den jungen Leuten, den er als enge Freundin oder engen Freund bezeichnen würde. Zumindest das war korrekt in dem Bericht, den er über Lina bekommen hatte. Alles andere jedoch hatte nur wenig mit der Realität zu tun.

    Und von der wachsenden Anziehung zwischen ihnen hatte natürlich auch kein Wort in dem Bericht gestanden. Mochte Sebastian anfangs gedacht haben, sie würde ihm die Aufgabe, in ihrer Nähe zu bleiben, erleichtern, so stellte er nun fest, dass sie eher eine Behinderung als ein Vorteil war.

    Wie sollte er sie beschützen, wenn er ständig abgelenkt war? Wenn er viel mehr darauf achtete, wie die Sonne ihr schwarzes Haar zum Glänzen brachte? Er war absolut hingerissen gewesen, als er sie zum ersten Mal mit dem offenen hüftlangen Haar gesehen hatte. Es glänzte und fühlte sich an wie Seide. Woher er das wusste? Weil er sich nicht zurückhalten konnte, es ständig zu berühren. Und Lina schien nichts dagegen zu haben. Bei allen anderen versuchte sie Körperkontakt zu meiden und hielt Umarmungen selbst mit ihren Freundinnen kurz, aber bei ihm … sie schmiegte sich geradezu in seine Berührungen. Nicht, dass er sie berühren würde, nicht so, zumindest. Auch wenn er es wollte. Seine Finger schmerzten regelrecht vor Verlangen, die weiblichen Kurven unter dem Stoff ihrer Kleider zu ertasten.

    Dabei trug sie keineswegs aufreizende Kleidung. Doch in jeder ihrer Bewegungen lag eine Sinnlichkeit, der sie sich wahrscheinlich gar nicht bewusst war.

    Wie zum Beispiel jetzt: Sie saß ihm im Café gegenüber und hörte zu, was er erzählte. Die Art, wie sie dabei ihren Kopf hielt, betonte die schlanke Linie ihres Halses und lenkte seinen Blick unwillkürlich auf ihren Busen, der sich unter dem T-Shirt abzeichnete. Sebastian war ziemlich sicher, dass Lina keinen BH trug. Wenn sie einen trug, dann war er so fein, dass sie genauso gut darauf hätte verzichten können. Denn schon seit Minuten zeichneten sich die harten Spitzen ihrer Brüste durch die weiche Baumwolle des T-Shirts ab. Ihm lief das Wasser im Munde zusammen, als er sich den süßen Geschmack ihres Fleisches vorstellte.

    „Sebastian?", fragte sie leise, fast zögernd.

    Ertappt flogen seine Augen von ihrem Busen zu ihrem Gesicht, und er errötete zu seinem Entsetzen. Wann war ihm das zum letzten Mal passiert? Er war ein siebenundzwanzigjähriger Selfmade-Millionär. Die Zeit des knabenhaften Rotwerdens hatte er so lange hinter sich, dass er sich nicht einmal mehr daran erinnerte. Er bezweifelte sogar, dass er diese Phase je durchgemacht hatte.

    „Ja?", erwiderte er.

    „Ich … äh … ich frage mich, ob du vielleicht …"

    „Ja?"

    Sie schwieg mehrere Sekunden und kaute an ihrer Unterlippe. Noch eine Geste, die ihn fast in den Wahnsinn trieb. Dann sprudelte sie heraus: „Hast du vielleicht Lust, über die State Street zu bummeln?"

    „Sicher. Wenn du Zeit hast."

    Auch heute glaubte ihr regulärer Leibwächter wieder, sie würde zu Hause sitzen und lernen.

    Als Sebastian herausfand, wie oft Lina trotz der Anstandsdame, mit der sie zusammenwohnte, unbemerkt von allen die Wohnung verließ und unbewacht allein unterwegs war, wäre er am liebsten jemandem an die Gurgel gegangen. Vor allem den Sicherheitsleuten.

    Noch hatte er die Familie nicht informiert, da er den Verdacht hatte, dass die Bedrohung aus den eigenen Reihen kam, und kein Risiko eingehen wollte. Er würde einen vollständigen Bericht einschließlich Verbesserungsvorschlägen vorlegen, sobald die akute Gefahr gebannt und die Situation geklärt war. Ein zuverlässiger Mitarbeiter von Hawke Investigations übernahm die Beobachtung von Linas Wohnung, wenn er schlief – und die Prinzessin auch schlafen sollte. Aber bei ihr konnte man ja nie wissen …

    Normalweise hätte er den gesamten Fall an seine Leute delegiert. Doch die Reputation seiner internationalen Agentur beruhte vor allem auf Sebastians Instinkt, der ihm immer wieder sagte, wann es besser war, die Interessen eines Kunden persönlich zu vertreten. Dieses Mal hatte er damit hundertprozentig richtig gelegen.

    Lina hielt sich nah an seiner Seite, als sie über die Allee beim Capitol schlenderten, und wie aus eigenem Willen legte sich sein Arm um ihre schmale Taille.

    Zog man die Rolle in Betracht, die er spielte, war es eine völlig natürliche Geste. Und es fühlte sich einfach zu gut an. Dabei hatte Sebastian sich in seinem Leben bisher weder auf zärtliche Gesten noch romantische Gefühle eingelassen. Seine Beziehungen zum anderen Geschlecht dienten einzig dem Austausch annehmlicher Vergnügungen, ohne leere Versprechen oder tiefgehende Emotionen. Er hatte nicht vor, sich mit einer Frau je auf etwas Ernstes einzulassen. Niemals.

    Jede Frau, die er kannte, war auf ihre eigene Art berechnend gewesen. Seine eigene Mutter hatte ihre mütterlichen Gefühle genau bis zu dem Tag vorgetäuscht, an dem sie einen Mann fand, der ihr mehr bieten konnte als sein Vater. Zweimal hatte sie sich später noch bei ihm gemeldet – beide Male, weil sie etwas von ihm wollte. Das erste Mal hatte sie ihr Ziel erreicht, beim zweiten Mal wusste er genug über sie, um sie ihrer Wege zu schicken.

    Seine Großmutter war ebenso egoistisch gewesen, auch wenn sie ihren Mann nicht verlassen hatte. Sebastian wusste nicht, ob die Männer in seiner Familie sich absichtlich solche Frauen aussuchten oder ob sie einfach nur Pech hatten. Und er hatte die Familientradition fortgesetzt, zweimal. Danach hatte er sich geschworen, nie wieder eine feste Beziehung einzugehen, weder mit den Frauen, die mit ihm verwandt waren, noch mit denen, die hin und wieder das Bett mit ihm teilten.

    Und obwohl seine Gefühle für Lina schwerer zu kontrollieren waren, würde er sie kontrollieren müssen. Lina war nicht anders als alle anderen. Sie belog die Sicherheitsleute und ihre Familie regelmäßig. Warum sollte sie sich in einer Beziehung anders verhalten?

    Daran zweifelte er ernsthaft. Schließlich hatte sie ihm auch noch nichts von ihrer wahren Identität erzählt. Natürlich hatten sie keine Beziehung miteinander, sie war nicht einmal eine potenzielle Kandidatin. Das wusste sie allerdings nicht. Ihrer Meinung nach war in dieser knisternden Freundschaft alles möglich. Und doch hielt sie die Täuschung über ihr wahres Leben aufrecht.

    Nicht nur war sie Klientin, Prinzessin und Jungfrau – alles Dinge, die eine Beziehung undenkbar machten –, hinzu kam auch noch, dass sie eine Frau war, die sich niemals mit weniger als der ewigen Liebe und dem ganzen Drumherum zufriedengeben würde. Und er war nicht der Mann, der ihren Traum zerstören würde. Das würde das Leben schon besorgen.

    Gegen das Leben war nicht einmal eine Prinzessin gefeit.

    Sebastian hatte ihr angeboten, sie in seinem Wagen zu der Kajak-Exkursion mitzunehmen. Eine Dodge Viper, dunkelgrau wie seine Augen. In dem rassigen Sportwagen gab es nur Platz für zwei. Also würden sie die neunzigminütige Fahrt bis zum Treffpunkt allein verbringen. Lina stellte fest, dass sein Profil und die muskulösen Schenkel ihre Aufmerksamkeit komplett beanspruchten, für die vorbeifliegende Landschaft hatte sie keinen einzigen Blick übrig.

    Stunden hatte Lina damit zugebracht, sich zu fragen, ob Sebastian an ihr ebenso interessiert war wie sie an ihm. Dabei hatte sie weder eigene Erfahrungen noch eine Freundin zurate ziehen können. Also musste sie sich auf sich selbst verlassen, und das war ohne die geringste Kenntnis in Liebesdingen schwierig. Sicher, sie hatte den Mädchen auf der High School zugehört, aber alles, was da besprochen worden war, passte hier nicht. Weder drängte Sebastian auf Sex noch begrapschte er sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

    Wahrscheinlich, weil er älter war, ein Examensstudent mit ersten Erfahrungen in der Geschäftswelt.

    Trotzdem war sie ziemlich sicher, dass er sie begehrte. So, wie er sie manchmal anschaute … dann wollten ihre Knie sofort nachgeben. Und anderes in ihr auch.

    Also las Lina Frauenzeitschriften. Doch die predigten ständig offene Kommunikation. Hieß das, dass sie ihn einfach fragen sollte?

    Ihr Gefühl hielt sich lieber an die lautlosen Hinweise.

    Manchmal glühte ein Leuchten in seinen Augen auf, wie sie es auch in ihrem Bauch fühlte. Doch mehr als diese Blicke hatte es bisher nicht gegeben, dabei sahen sie sich seit drei Wochen ständig. Richtige Verabredungen konnte man das eigentlich nicht nennen, aber irgendwie war Sebastian immer in ihrer Nähe. Vorher hatte er nie Studententreffen und – veranstaltungen besucht. Die Tatsache, dass sie ihn jetzt immer dort sah, legte den Schluss nahe, dass er ihretwegen kam. Was doch bedeuten musste, dass er an ihr interessiert war, oder?

    Schon erstaunlich, dass ein Mann wie Sebastian Hawke an Lina Marwan interessiert sein sollte. Sie war eher daran gewöhnt, dass es ihr königlicher Status war, der die Leute anzog. Doch wie der Rest ihrer Kommilitonen ahnte er ja nichts von ihrer Herkunft. Aber wenn er sie mochte, wirklich mochte … dann vielleicht …

    Lina seufzte. Sebastian warf ihr einen fragenden Blick zu. Darauf zuckte sie lächelnd mit den Schultern. Glücklicherweise fragte er nicht, woran sie gedacht hatte. Sonst würde sie sich vielleicht verplappern und endlos blamieren.

    Er sah umwerfend aus, war entschieden, ohne herrisch zu sein. Und er hörte ihr zu. Vielleicht sogar besser als ihr Bruder. Außerdem war er intelligent und ehrgeizig, was sein MBA-Studium bewies. Vor allem aber war er so intensiv, auf diese wirklich sexy Art. Kein Wunder, dass sie sich immer mehr in Sebastian Hawke verliebte.

    Das Problem war nur, dass sie mitunter glaubte, dass er gar nicht mehr als Freundschaft von ihr wollte.

    Verdammt, sie hatte eben überhaupt keine Erfahrung mit diesem ganzen Mann-Frau-Ding. Dieser Mangel erwies sich jetzt als echtes Ärgernis. Wäre sie wie die anderen Mädchen auf dem Internat gewesen, hätte sie wenigstens die Chance gehabt, Bekanntschaft mit dem anderen Geschlecht zu machen. Dann wüsste sie wenigstens, wie man flirtete. Aber ihre Familie hatte ihr einen gewaltigen Argwohn gegenüber Männern eingeflößt, sodass sie weder auf dem Internat noch auf der Uni auf Annäherungsversuche einging. Bis Sebastian aufgetaucht war.

    Es half natürlich, dass er bereit war, all die Dinge mitzumachen, an denen sie teilnehmen wollte. Sie würde auch alles mitmachen, nur um diesen Mann sehen zu können. Wenn sie nur wüsste, was sie mit ihm machen sollte!

    Sebastian war so ganz anders als die Männer in ihrer Familie. Nie hielt er ihre Meinung für unwichtig, nur weil sie niemals den Thron besteigen würde. Ihre Intelligenz verblüffte ihn nicht, und er schien ihr Politikstudium auch nicht für reine Zeitverschwendung zu halten. Er verhielt sich, als könnte und würde sie etwas Sinnvolles mit ihrer Ausbildung anfangen.

    Und das hoffte sie ja auch. Ihre Kindheit hatte Lina weit von zu Hause verbracht, sie war nur regelmäßig für eine Woche pro Jahr nach Marwan geflogen und hatte im königlichen Palast zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern gelebt. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass ihre Eltern sie je liebevoll umarmt hätten. Dafür wusste sie mit Sicherheit, dass ihr Vater nie etwas anderes in ihr gesehen hatte als wertlosen weiblichen Nachwuchs.

    Doch sie hatte nicht vor, sich ihr Leben lang wertlos zu fühlen oder es sinnentleert zu verbringen. Sie wollte etwas in der Welt erreichen und verändern und nicht nur als attraktive Dekoration am Arm eines Mannes enden.

    „Du bist ziemlich still", bemerkte Sebastian.

    „Ich dachte nur gerade daran, wie sehr du dich von den Männern in meiner Familie unterscheidest."

    „Tatsächlich? Inwiefern denn?"

    „Du betrachtest mich nicht als unwichtig, nur weil ich eine Frau bin."

    „Wer tut das?"

    „Mein Vater. Mein Onkel. Und andere."

    „Dein Bruder auch?"

    Zwar erinnerte sie sich nicht daran, ihren Bruder erwähnt zu haben, aber scheinbar hatte sie es getan. Lina lächelte. „Mein Bruder ist anders. Er wurde erzogen, um wie mein Vater zu sein, doch das ist er nicht. Auf den ersten Blick erkennt man es vielleicht nicht, aber da sind diese kleinen Dinge, mit denen er es mich wissen lässt."

    „Nämlich?"

    Sebastians offensichtlich ehrliches Interesse brachte sie dazu, offener als sonst zu sein. „Er verbringt Zeit mit mir."

    „Deine Eltern nicht?"

    „Meine Mutter schon … in gewisser Hinsicht. Obwohl man den Benimmunterricht, der sie auf ihre spätere Rolle vorbereiten sollte, wohl kaum als inniges Mutter-Tochter-Verhältnis bezeichnen konnte. „Mein Vater ist zu beschäftigt, um seine Zeit mit so etwas Unwichtigem wie einer Tochter zu verschwenden. Obwohl er Zeit für ihre Schwester hatte, die noch in Marwan lebte.

    „Und das ärgert dich?"

    „Würde es dich nicht ärgern?"

    „Doch, vermutlich. In meinem Falle war es meine Mutter, die keine Zeit für mich hatte. Obwohl … auch mein Dad hatte eigentlich immer viel geschäftlich zu tun."

    „Und das ärgert dich nicht?"

    „Warum sollte es? Ich habe selbst genug zu tun."

    „Du findest also nicht, dass eine Familie Zeit zusammen verbringen sollte?"

    „Meinst du damit zusammen zu Abend zu essen und der alljährliche gemeinsame Campingurlaub?"

    „Ja, so etwas in der Art."

    „Wenn man in eine solche Familie hineingeboren wird … schön. Wenn nicht, muss man seine Umstände eben akzeptieren und weitermachen."

    „Oder man muss sie ändern", widersprach sie.

    Überrascht über ihren Kommentar, sah er sie an. „Und wie?"

    „Ich will jemanden heiraten, für den Familie ebenso wichtig ist wie für mich, ansonsten heirate ich nicht. Ich will meine Kinder kennen, sonst bekomme ich keine. Kein Sohn und keine Tochter von mir werden aufwachsen und sich minderwertig fühlen."

    „Du glaubst, deine Eltern halten dich für minderwertig?"

    „Ich weiß es. Ich kam in die Staaten, als ich sechs war. Weil die ältere Schwester meiner Mutter keine eigenen Kinder bekommen konnte, wurde ihr die Ehre gewährt, mich aufzuziehen. Meine Eltern sehe ich nur einmal im Jahr, für eine Woche." Solche Details hatte sie bisher noch niemandem erzählt, aber Sebastian war anders. Sie vertraute ihm.

    „Und dein Bruder?"

    Als Lina an ihn dachte, erhellte ein Lächeln ihr Gesicht. „Wenn ich zu Hause bin, achtet Hasim darauf, dass wir wenigstens eine Mahlzeit am Tag zusammen einnehmen. Er fragt mich nach meinem Leben und hört mir zu, wenn ich antworte. Er lobt mich für das, was ich erreicht habe. Er ist übrigens der Einzige in der Familie, der weiß, dass ich Kajak fahre. Wann immer er in Amerika ist, kommt er mich besuchen. Mein Vater fliegt regelmäßig nach Washington, aber er nimmt sich nie die Zeit, um mich zu sehen."

    „Er muss überzeugt sein, dass deine Tante und dein Onkel sich gut um dich kümmern."

    „Das tun sie auch. Meine Tante ist eine wunderbare Frau, wenn auch ein wenig zurückhaltend, und mein Onkel ist viel offener als mein Vater. Er ist nämlich in Kanada aufgewachsen – als drittgeborener Sohn. Er war es auch, der durchgesetzt hat, dass ich studieren darf. Wäre es nach meinen Eltern gegangen, hätte ich eine Benimmschule in Europa besucht."

    An ihrem achtzehnten Geburtstag hatte Lina die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt. Von ihrem amerikanischen Pass wusste ihre Familie nichts.

    „Das Verhältnis zu deinen Eltern macht dich also unglücklich?"

    „Das nicht existierende Verhältnis, korrigierte sie. „Wie gesagt, sollte ich Kinder haben, dann wünsche ich mir ein anderes Leben für sie.

    „Ich bin sicher, du wirst erreichen, was immer du dir vornimmst."

    Sie lächelte ihn strahlend an. „Danke."

    Oh ja, sie war definitiv dabei, sich in diesen Mann zu verlieben!

    Als Lina und Sebastian beim Camp ankamen, stand nur ein weiterer Wagen vor den Hütten – Bobs Auto. Bob und drei andere Mitglieder der Gruppe luden gerade das Gepäck aus. Sebastian achtete darauf, dass er ein Zimmer in der gleichen Hütte bekam, in der auch Lina schlief. So landete er mit Bob in einem Zimmer. Was ihm nur recht war. So hatte er gleichzeitig

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