Über allem steht die Liebe: Dr. Norden – Retro Edition 15 – Arztroman
()
Über dieses E-Book
Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben.
Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen.
Es war ein kühler, windiger Morgen. Zwanzig Minuten vor acht Uhr trat Dr. Daniel Norden aus einem Miethaus auf die Straße. Kinder strebten in kleinen und größeren Gruppen zur Schule. Dr. Norden hatte schon eine schwere Stunde hinter sich. Die alte Frau Petruschke hatte ihre gütigen Augen für immer geschlossen. Sie war eine seiner treuesten Patientinnen gewesen, und mit ihren letzten Worten hatte sie ihm gedankt und ihm viel Glück für die Zukunft gewünscht. Als er seinen Wagen besteigen wollte, raste ein grünes Mofa knapp an ihm vorbei. Er sah nur flüchtig die Gestalt eines mageren halbwüchsigen Jungen, dann war der schon seinen Blicken entschwunden, als wäre der Teufel hinter ihm her. Da kann man reden, was man will, da kann man sie belehren, diese jungen »Helden«, ging es ihm durch den Sinn. Es nützt alles nichts. So oder so müssen sie ihre Aggressionen abbauen. Dr. Daniel Norden dachte immer menschlich, doch plötzlich hörte er eine laute drohende Stimme, die seine Aufmerksamkeit weckte. »Du Diebin, du falsches kleines Biest, endlich habe ich dich ertappt«, brüllte eine raue Männerstimme aus dem Lebensmittelgeschäft, das seit kurzem »Supermarkt« hieß. »Scher dich zum Teufel«
Andere Titel in Über allem steht die Liebe Reihe ( 18 )
Hat das Leben seinen Sinn verloren?: Dr. Norden – Retro Edition 2 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDr. Daniel Norden: Dr. Norden – Retro Edition 1 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEine gefährlich Verwechslung: Dr. Norden – Retro Edition 3 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFast wäre es zu spät gewesen: Dr. Norden – Retro Edition 4 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMit der Vergangenheit leben: Dr. Norden – Retro Edition 12 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer schwierige Patient: Dr. Norden – Retro Edition 5 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMan nahm ihr das Kind: Dr. Norden – Retro Edition 10 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSaskia und der Fremde: Dr. Norden – Retro Edition 6 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenErkenne die Wahrheit, Christina: Dr. Norden – Retro Edition 8 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDu darfst nicht verzweifeln: Dr. Norden – Retro Edition 11 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenBegegnung im Unfallkrankenhaus: Dr. Norden – Retro Edition 9 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWer ist Vanessa Hunter?: Dr. Norden – Retro Edition 7 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Hilferuf einer Mutter: Dr. Norden – Retro Edition 13 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpäte Sühne: Dr. Norden – Retro Edition 14 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWenn Dr. Norden Urlaub macht: Dr. Norden – Retro Edition 17 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenÜber allem steht die Liebe: Dr. Norden – Retro Edition 15 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin gewagtes Spiel: Dr. Norden – Retro Edition 18 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWie es das Schicksal will: Dr. Norden – Retro Edition 16 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Mehr von Patricia Vandenberg lesen
Ähnlich wie Über allem steht die Liebe
Titel in dieser Serie (18)
Hat das Leben seinen Sinn verloren?: Dr. Norden – Retro Edition 2 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDr. Daniel Norden: Dr. Norden – Retro Edition 1 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEine gefährlich Verwechslung: Dr. Norden – Retro Edition 3 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFast wäre es zu spät gewesen: Dr. Norden – Retro Edition 4 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMit der Vergangenheit leben: Dr. Norden – Retro Edition 12 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer schwierige Patient: Dr. Norden – Retro Edition 5 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMan nahm ihr das Kind: Dr. Norden – Retro Edition 10 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSaskia und der Fremde: Dr. Norden – Retro Edition 6 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenErkenne die Wahrheit, Christina: Dr. Norden – Retro Edition 8 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDu darfst nicht verzweifeln: Dr. Norden – Retro Edition 11 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenBegegnung im Unfallkrankenhaus: Dr. Norden – Retro Edition 9 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWer ist Vanessa Hunter?: Dr. Norden – Retro Edition 7 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Hilferuf einer Mutter: Dr. Norden – Retro Edition 13 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpäte Sühne: Dr. Norden – Retro Edition 14 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWenn Dr. Norden Urlaub macht: Dr. Norden – Retro Edition 17 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenÜber allem steht die Liebe: Dr. Norden – Retro Edition 15 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin gewagtes Spiel: Dr. Norden – Retro Edition 18 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWie es das Schicksal will: Dr. Norden – Retro Edition 16 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Ähnliche E-Books
Über allem steht die Liebe: Dr. Norden Bestseller 558 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenÜber allem steht die Liebe: Dr. Norden Bestseller 15 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Wiedersehen nach vielen Jahren: Dr. Norden Bestseller 275 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWer kann Andrea helfen?: Dr. Norden Bestseller 67 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Patientin mit dem falschen Namen: Dr. Norden Bestseller 87 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin schwerer Tag für Dr. Norden: Dr. Norden Gold 40 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDu darfst nicht verzweifeln: Dr. Norden – Retro Edition 11 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin schwerer Tag für Dr. Norden: Dr. Norden Bestseller 334 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVergiss, was geschehen ist: Dr. Norden Bestseller 215 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungenunlebbar Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie schwierige Tochter: Dr. Norden Bestseller 292 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer verlorene Sohn: Dr. Norden Bestseller 563 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWas ist die Wahrheit, Ines?: Dr. Norden Bestseller 69 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAngst um Almut: Dr. Norden Bestseller 20 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWer hilft diesem Kind: Dr. Norden Aktuell 27 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWer hilft diesem Kind: Dr. Norden Bestseller 47 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin schlimmer Tag für Manuela: Dr. Norden Bestseller 567 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDu darfst nicht verzweifeln: Dr. Norden Bestseller 554 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEs begann in einer dunklen Nacht: Dr. Norden Aktuell 34 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin weiter Weg zum Glück: Dr. Norden Bestseller 89 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSchwestern und Rivalinnen: Dr. Norden 115 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDu darfst nicht verzweifeln: Dr. Norden – Die Anfänge 11 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVergiss, was in jener Nacht geschah: Dr. Norden Bestseller 43 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDr. Norden Bestseller 98 – Arztroman: Sybil kennt die Wahrheit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNur ein Glück auf Zeit?: Dr. Norden Extra 39 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Lächeln hat ihn verzaubert: Dr. Norden Bestseller – Neue Edition 10 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDr. Nordens guter Geist: Dr. Norden Bestseller 562 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDr. Norden – mein Lebensretter: Dr. Norden Bestseller 255 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Glück in Gefahr: Dr. Norden Bestseller 22 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVergiss, was in jener Nacht geschah: Dr. Norden Bestseller 586 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Allgemeine Belletristik für Sie
Das Schloss Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Kinder- und Hausmärchen Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Der Struwwelpeter - ungekürzte Fassung: Der Kinderbuch Klassiker zum Lesen und Vorlesen Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Die Frau ohne Schatten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Schnupfen Bewertung: 3 von 5 Sternen3/5Das Kreuz mit den Präpositionen: Welche Präposition ist richtig? Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGermanische Mythologie: Vollständige Ausgabe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFaust (German Edition) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDienstanweisung für einen Unterteufel Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Zauberberge: Ein Jahrhundertroman aus Davos Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpanisch lernen in kürzester Zeit Sparpaket Teil 1,2,3,4,5 zusätzlich Anfängerteil mit schriftlicher Aussprache Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Welle: In Einfacher Sprache Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Prozeß: - mit Leitfaden zur Interpretation - Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenBegegnungen mit Büchern Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Peperl Mutzenbacher - Tochter der Josefine Mutzenbacher (Ein Erotik, Sex & Porno Klassiker) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie schönsten Erzählungen von Lew Tolstoi Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Das große Buch der Verschwörungen: Vom 11. September bis zu den Schwarzen Koffern Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie schönsten Weihnachtsgedichte (Über 100 Titel in einem Band): Adventlyrik von deutschen Klassikern: Poetische Feier der Weihnachtszeit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenImmanuel Kant: Gesammelte Werke: Andhofs große Literaturbibliothek Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHeinrich Heine: Gesammelte Werke: Anhofs große Literaturbibliothek Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Aristoteles: Gesammelte Werke: Andhofs große Literaturbibliothek Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGrimms Märchen: Gesamtausgabe - 211 Kinder- und Hausmärchen Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Das Nibelungenlied: Vollständige Ausgabe der Nibelungensage Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIm Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque (Lektürehilfe): Detaillierte Zusammenfassung, Personenanalyse und Interpretation Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAndersens Märchen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHandbüchlein der Moral Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSigmund Freud: Gesammelte Werke: Andhofs große Literaturbibliothek Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSternstunden der Menschheit: Historische Miniaturen. Klassiker der Weltliteratur Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5
Verwandte Kategorien
Rezensionen für Über allem steht die Liebe
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
Über allem steht die Liebe - Patricia Vandenberg
Dr. Norden – Retro Edition
– 15 –
Über allem steht die Liebe
Patricia Vandenberg
Es war ein kühler, windiger Morgen. Zwanzig Minuten vor acht Uhr trat Dr. Daniel Norden aus einem Miethaus auf die Straße. Kinder strebten in kleinen und größeren Gruppen zur Schule.
Dr. Norden hatte schon eine schwere Stunde hinter sich. Die alte Frau Petruschke hatte ihre gütigen Augen für immer geschlossen. Sie war eine seiner treuesten Patientinnen gewesen, und mit ihren letzten Worten hatte sie ihm gedankt und ihm viel Glück für die Zukunft gewünscht.
Als er seinen Wagen besteigen wollte, raste ein grünes Mofa knapp an ihm vorbei. Er sah nur flüchtig die Gestalt eines mageren halbwüchsigen Jungen, dann war der schon seinen Blicken entschwunden, als wäre der Teufel hinter ihm her.
Da kann man reden, was man will, da kann man sie belehren, diese jungen »Helden«, ging es ihm durch den Sinn. Es nützt alles nichts. So oder so müssen sie ihre Aggressionen abbauen.
Dr. Daniel Norden dachte immer menschlich, doch plötzlich hörte er eine laute drohende Stimme, die seine Aufmerksamkeit weckte.
»Du Diebin, du falsches kleines Biest, endlich habe ich dich ertappt«, brüllte eine raue Männerstimme aus dem Lebensmittelgeschäft, das seit kurzem »Supermarkt« hieß. »Scher dich zum Teufel«, schrie die Stimme weiter. »Geh mir aus den Augen!«, Und er sah einen grobschlächtigen Mann, der ein dürres junges Mädchen vor sich her trieb und diesem Ohrfeigen versetzte.
So was konnte nun den guten Dr. Norden doch in Rage bringen, was immer auch der Anlass zu solcher Tat sein mochte. Das Mädchen taumelte vorwärts, knickte zusammen und fiel fast vor seine Füße. Er riss es empor und zurück, sonst wäre es noch von einem Auto gestreift worden.
Der Mann dagegen war schnell wieder in seinem Laden verschwunden. Daniel Norden schob das zitternde Mädchen schnell in seinen Wagen. »Du wartest hier«, sagte er energisch, aber freundlich. »Ich bin Dr. Norden. Du wirst mir nachher erzählen, was da geschehen ist, jetzt pack’ ich mir erst den Burschen.«
»Ich hab’s nicht getan«, wimmerte das Mädchen. »Ich habe kein Geld genommen. Ich sollte den Laden saubermachen, bevor die Kunden kommen. Herr Zielke verdächtigt mich zu Unrecht.«
»Es ist in Ordnung, Kleine«, sagte Dr. Norden. »Ich rede jetzt mit ihm. Du bleibst schön hier sitzen.«
Das Mädchen nickte. »Die Frau Petruschke hat immer so lieb von Ihnen gesprochen«, flüsterte sie.
Er wollte ihr jetzt nicht sagen, dass Frau Petruschke vor vierzig Minuten gestorben war. Daniel Norden konnte es auf den Tod nicht ausstehen, wenn sich ein kräftiger Mann an einem hilflosen Kind vergriff, und dieses Mädchen war noch ein Kind.
Mit der ihm eigenen Selbstsicherheit und Furchtlosigkeit betrat er den modernen Laden. Alles roch noch neu.
Er hatte das Geschäft schon gekannt, als die Fassade grau war und bröckelte und der Laden im Innern kein sehr appetitliches Durcheinander aufwies. Und dann hatte man darüber gesprochen, dass der Zielke plötzlich zu Geld gekommen sei. Frau Petruschke hatte ihm so manches erzählt, wenn er Krankenbesuche bei ihr machte, und er hatte die alte Dame reden lassen. Sie war eine Dame gewesen und hatte es sehr fein ausgedrückt, dass sie den Zielke nicht mochte. Nun betrat er also den Supermarkt. Der wuchtige Mann baute sich vor ihm auf.
»In einer halben Stunde wird aufgemacht«, knurrte er.
»Die Tür war offen, und ich möchte Sie sprechen. Ich bin Dr. Norden und sah soeben, dass Sie ein junges Mädchen geschlagen haben. Sie haben sich strafbar gemacht.« Deutlicher konnte er sich nicht ausdrücken.
»Und was mischen Sie sich ein?«, fragte Zielke gereizt. »Sie hat gestohlen.
Sie ist an die Ladenkasse gegangen. Endlich habe ich sie ertappt, wie sie vor der Kasse stand und sie gerade noch zuschieben wollte. Durchgefüttert habe ich das Krott. Jetzt ist Schluss. Ich werde wohl das Recht haben, eine Kriminelle rauszuschmeißen, und an ihr habe ich noch mehr auszusetzen.«
»Sie werden Ihre Behauptungen beweisen müssen, Herr Zielke«, sagte Dr. Norden ruhig. »Wie viel Geld fehlt Ihnen in der Kasse?«
»Mindestens zweihundert Euro. Ich kann’s noch nicht überblicken. Das Wechselgeld bleibt über Nacht immer drin«, erwiderte Zielke nun schon ein bisschen gemäßigter. »Aber ich weiß, dass die Rena sie genommen hat.«
»Das Mädchen sitzt in meinem Wagen. Sie kommen jetzt mit, und wir werden feststellen, ob sie das Geld bei sich hat.«
»Ich denke gar nicht dran. Ich muss hier für Ordnung sorgen. Ich muss noch eine finden, die sauber macht. Hören Sie auf mit Ihrem Getue.«
»Dann werde ich Anzeige gegen Sie erstatten wegen tätlicher Misshandlung. Ich werde mit dem Mädchen sofort zur Polizei fahren.«
»Tun Sie’s doch. Ist so ein Fürsorgezögling. Entfernte Verwandte von meiner Frau. Hat man ihr was Gutes tun wollen und jetzt dankt sie es einem so. Der Herr Doktor will sich aufspielen«, spottete er. »Werden ja sehen, wer Recht kriegt.«
»Ja, das werden wir sehen«, sagte Dr. Daniel Norden und ging zu seinem Wagen zurück, in dem das Mädchen angstbebend zusammengekauert saß.
»Ich war’s nicht«, wimmerte sie wieder. »Nicht zur Polizei. Dann treiben sie den Dieter auch noch ins Unglück, und Tante Martha kann sowieso nicht gegen ihn an.«
»Frau Zielke ist Ihre Tante?«, fragte Daniel.
»Ja, so etwas ähnliches«, erwiderte das Mädchen stockend.
»Und wie heißt du?«
»Renate Lauterbach. Bitte, Herr Doktor, lassen Sie mich laufen.«
»Nein, mein Kind, du kommst jetzt mit in meine Praxis, und ich werde dich erst mal untersuchen.«
»Er macht Ihnen nur Ärger. Ich will das nicht. Frau Petruschke hat mir immer erzählt, wie gut Sie sind und dass ich doch ruhig mal zu Ihnen gehen könnte, wenn ich Schmerzen habe. Sie hätte ja nicht beim Zielke gekauft. Nur weil der Laden im gleichen Haus war und ich ihr die Sachen immer raufbringen konnte.«
Wie hatte Frau Petruschke in ihrer Sterbestunde gesagt? »Die Rena, wenn sich doch einer ein bisschen um die Rena kümmern würde, sie ist so ein gutes Kind.«
Jetzt klang es wieder in seinen Ohren. Jetzt wusste er, wen sie gemeint hatte.
»Frau Petruschke ist heute Morgen gestorben«, sagte er leise. »Ich kam gerade von ihr.«
Rena begann zu schluchzen. Leise, jammervoll, als hätte sie den liebsten Menschen der Welt verloren.
»Sie hätte nie geglaubt, dass ich stehle«, stammelte sie.
»Ich glaube es auch nicht, Rena«, sagte Dr. Norden, und da sah ihn das Mädchen aus tränenvollen Augen mit einem Blick an, der ihm durch und durch ging.
»Danke, Herr Doktor.«
Molly schaute sehr verwundert, als Dr. Norden mit dem Mädchen kam. Helga Moll, die überaus verlässliche Hilfe, fragte leise: »Unfall?«
Dr. Norden schüttelte den Kopf. Er schob Rena mit sanfter Gewalt in das Sprechzimmer, als sie verschüchtert zur Tür zurückwich, weil ein Mann mittleren Alters aus dem Wartezimmer kam und hastig sagte: »Bitte, geben Sie mir meine Spritze, Herr Doktor. Ich halte es heute gar nicht mehr aus.«
Ein paar Minuten musste Rena warten. Herr Popp litt unter heftigen Ischiasschmerzen, und er übertrieb nicht, wenn er so kläglich sagte, dass er es kaum noch aushalten könne.
»Sie müssen zur Kur, Herr Popp«, erklärte Dr. Norden, »unbedingt.«
»Kann ich nicht, Herr Doktor. Nachher verliere ich meine Stellung. In der jetzigen Situation wird man doch ganz rasch abserviert, wenn einem was fehlt.«
Ja, die Existenzangst! Es war noch gar nicht so lange her, dass die Angestellten wegen der geringfügigsten Beschwerden krankgeschrieben werden wollten, jetzt schleppten sie sich sogar mit starken Schmerzen und manchmal auch mit Fieber an ihre Arbeitsplätze.
Herr Popp war immer ein gewissenhafter Buchhalter gewesen. Dr. Norden kannte auch seinen Chef, und er beschloss, einmal mit dem zu sprechen.
Die Spritze verschaffte Erleichterung, heilen konnte sie nicht. Herr Popp enteilte. Dr. Norden konnte sich Rena zuwenden. Molly bedeutete ihm zwar, dass das Wartezimmer voll sei, aber Daniel wollte das verängstigte Mädchen nicht länger auf die Folter spannen.
»Wie alt bist du, Rena?«, fragte er.
»Achtzehn«, erwiderte sie leise.
Dr. Norden war bestürzt. Sie sah aus wie eine Fünfzehnjährige. »Dann muss ich Sie sagen«, meinte er, sich zu einem Lächeln zwingend.
»Nein, nein, alle sagen du«, flüsterte sie.
Sie war voller Hemmungen, wurde abwechselnd rot und blass, als sie ihre Kleidung ablegte. Sie schlug die Augen nieder. Ihre Arme und ihr Rücken wiesen eine ganze Anzahl blauer Flecke auf.
»Im Laden stößt man sich oft«, erklärte sie bebend, als er fragte, wie sie dazu gekommen sei.
Man konnte dieses Mädchen nicht in ein paar Minuten ausfragen. Dazu brauchte es Zeit und Diplomatie. Man konnte sie auch nicht wegschicken. Wohin sollte sie gehen? Das alles musste er in Erfahrung bringen.
Er telefonierte zu seiner Wohnung hinauf. Fee meldete sich. Sie fragte sofort nach Frau Petruschke, und er spürte, wie bekümmert auch sie war, als er ihr die traurige Nachricht geben musste. Dann fragte er sie, ob er ihr einen Schützling hinaufschicken könne.
Fee fragte nie viel, wenn er eine Bitte äußerte. Ein paar Stichworte genügten ihr. Selbst Ärztin war sie zu jeder Hilfeleistung sofort bereit.
Molly begleitete das Mädchen hinauf zum Penthaus, während Dr. Norden schon den nächsten Patienten versorgte.
Fee begrüßte das Mädchen freundlich, das die bezaubernde junge Frau andächtig anblickte.
»Herr Doktor war so nett«, flüsterte Rena, »aber ich möchte Sie nicht belästigen, gnädige Frau.«
»Sie belästigen mich nicht«, erwiderte Fee. »Wenn es Ihnen nichts ausmacht, können Sie mir sogar ein bisschen helfen.«
»Ja, gern«, sagte Rena. Fee hatte immer das richtige Gefühl, wie
