Über dieses E-Book
"Adyton" bezeichnet das Unzugängliche, Unbetretbare, jenen Bereich des griechischen Tempels, in dem sich das Allerheiligste befand. Peter Trawny stellt das Unzugängliche in das Zentrum seiner Untersuchung zu Heidegger und zeigt ihn als politischen Esoteriker, der sich konsequent allen Diskursen der Öffentlichkeit zu entziehen versucht. Im beinahe intimen Akt, dem Geheimnis des Philosophierens wird sichtbar, dass Heideggers Philosophie auch von der erotischen Erfahrung lebt.
Peter Trawny
Peter Trawny, 1964 in Gelsenkirchen geboren, ist Philosoph und lehrte an den Universitäten Wuppertal, Wien und Shanghai. Er ist Mitherausgeber der Martin Heidegger-Gesamtausgabe und Autor zahlreicher Bücher.
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Buchvorschau
Adyton - Peter Trawny
Die esoterische Initiative
Es muss etwas geschehen sein mit der Philosophie, wenn ein öffentlich angesehener Philosoph schreibt, das »Sichverständlichmachen« sei ihr »Selbstmord« (435). Da wird brüsk eine Art von Verpflichtung aufgekündigt, eine angebliche Pflicht zur Klarheit, zur Verstehbarkeit, zur Vernunft. Möglich, dass auch das Begehren eines jeden Philosophen, anerkannt zu werden, gebremst werden soll. Noch möglicher aber wohl, dass hier implizit behauptet wird, eine »verstandene« Philosophie sei eine bereits tote. Das Ideal des Verständnisses führte dann unmittelbar zum Philosophie-Museum, zur Leichenhalle der Ideengeschichte. Bereits Kant unterschied in dieser Hinsicht zwischen einem »Schul-« und einem »Weltbegriff« der Philosophie.
Gewiss mag die Bemerkung auch das sagen. Sie sagt aber noch mehr. Es könnte nämlich sein, dass das Kriterium der »Verständlichkeit« vom Philosophen als ein solches betrachtet wird, das der Philosophie gleichsam von Haus aus gar nicht zu eigen ist. Für ihn könnte die Verständlichkeit im Dienste einer »Öffentlichkeit« stehen, die sich ein Recht anmaßt, dem sich die Philosophie nicht beugen könne. Die Pflicht zur Verständlichkeit wäre eine Idee der Öffentlichkeit, ein beanspruchtes Recht der Öffentlichkeit, sei es jener, die sich massenmedial, oder jener, die sich wissenschaftlich-akademisch organisierte; eine Differenz, die immer mehr aufhört, eine zu sein.
Die heute durch Kapital und Technik ungeheuer beschleunigte und vervielfältigte Öffentlichkeit war Heidegger noch unbekannt. Womöglich hat uns erst diese ungeahnte Explosion der Medien deutlich werden lassen, dass wir die Öffentlichkeit auf keinen Fall als eine Art von Riesen-Subjekt verstehen dürfen. Das wiederum bedeutet jedoch nicht, dass sie gänzlich jenseits der Elemente einer sich nach wie vor repräsentierenden Subjektivität geschieht. Heidegger reagiert in der Mitte der dreißiger Jahre auf ein neuartiges Phänomen.
Die Universität des Kaiserreichs und der Weimarer Republik war ein von der Öffentlichkeit separierter Sonderbereich. In seiner Rede von der »Wissenschaft als Beruf« (1917) geht Max Weber wie selbstverständlich davon aus, dass die Universität kein Ort der Diskussion, sondern der klaren hierarchischen Ordnung sei. Es sind die Ordinarien, die das Sagen haben. Wenn Weber die Öffentlichkeit im Blick hatte, dachte er an die »Straße«, nicht aber an den »Katheder«, den »Lehrstuhl«. Die Ablehnung der Politik in der Wissenschaft hängt bei Weber auch damit zusammen, dass er die Universität nicht für einen öffentlichen Raum hielt.
Diese Differenz von Öffentlichkeit und Universität gerät mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in eine erste Krise. Nicht nur, dass die Partei Opportunisten Aufstiegschancen bot, die sie vorher auf diese Weise nicht hatten. Vor dem Hintergrund einer »Weltanschauung« beginnt sie auch, neue Wissenschaften zu erfinden (Heidegger geht in den »Beiträgen zur Philosophie« auf die so genannte »Zeitungswissenschaft« ein, einer Vorläuferin der Kommunikations- und Medienwissenschaft) und so direkt in den Status der Universität einzugreifen.
Mit diesem Eingriff, mit dieser Grenzüberschreitung wurde die Universität einem Prozess unterworfen, in dem sie immer mehr zu einem integralen Bestandteil jener sozio-politischen Öffentlichkeit wird, der noch Kant im »Streit der Fakultäten« die »Freiheit« und »Gesetzgebung der Vernunft« als alleinige Orientierungspunkte der »philosophischen Facultät« opponiert. Heidegger wurde zum Zeugen einer Abdankung dieser Orientierung, in der vor allem ökonomische und ideologische Gesichtspunkte von Außen die Souveränität der Philosophie zu zersetzen begannen.
Seit jeher steht die Philosophie vor der Aufgabe, sich mit der Anwesenheit einer sozio-politischen Öffentlichkeit, auf die sie prinzipiell bezogen ist, da es ihr ja um das »Ganze« geht, auseinanderzusetzen. Sie hat diese Aufgabe unterschiedlich gelöst. Platon z.B. hat die Adressaten seines Denkens genau differenziert. Nicht jeder war geeignet, in die Möglichkeiten der Dialektik eingewiesen zu werden. Überhaupt hat er der Schrift – diesem unverzichtbaren Element einer Herstellung von Öffentlichkeit – wenig vertraut und dafür umso mehr die Unterredung favorisiert. Für ihn findet die Philosophie im unmittelbaren Verhältnis des Lehrers zu seinen Schülern statt, im gemeinsamen Leben des Philosophierens.
Platons bewusste Adressatendifferenzierung war in der Geschichte der Europäischen Philosophie durchaus einflussreich. Augustinus und die philosophierenden Theologen im Allgemeinen wussten über Jahrhunderte hinweg, dass sie über Wahrheiten verfügten, die für die Ohren der einfachen Gemeindemitglieder nicht geeignet waren. So schlug sich z.B. die Indizierung verschiedener Sätze des Meister Eckhart lediglich in dem Verbot nieder, diese nicht öffentlich predigen zu dürfen. In dieser selbstverständlichen Praxis einer Differenzierung von esoterischen und exoterischen Lehrgehalten befanden sich noch die Philosophen am Beginn der Neuzeit, die allerdings begannen, diese Differenz aufzulösen. In der Aufklärung wird sie zerstört.
So gab und gibt es natürlich gegen eine solche Differenzierung esoterischer und exoterischer Erkenntnisse kritische Bedenken. Hegels Einlassungen zu diesem Problem in der Vorrede zur »Phänomenologie des Geistes« stellen einen nachgerade paradigmatischen Einwand dar. Die »Wissenschaft« müsse dem Anspruch der »allgemeinen Verständlichkeit«⁵ genügen. Sie müsse vermeiden, »ein esoterisches Besitztum einiger Einzelner« zu sein. Esoterisch ist für Hegel, dass die Wahrheit »erst in ihrem Begriffe oder ihr Inneres vorhanden« sei. So gehöre sie nur Wenigen, »denn ihre unausgebreitete Erscheinung« mache »ihr Dasein zum Einzelnen«. Dagegen sei erst das, »was vollkommen bestimmt« sei, »zugleich exoterisch, begreiflich, und fähig, gelernt und das Eigentum Aller zu sein«. Hegel nennt es eine »gerechte Forderung des Bewußtseins«, dass sich das »Innere« der Wahrheit durch die »Arbeit des Begriffs« in die Welt
