Ich liebe dich, du Ekel!: Der neue Dr. Laurin 50 – Arztroman
Von Viola Maybach
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Über dieses E-Book
Die Familiengeschichte des Klinikchefs Dr. Leon Laurin tritt in eine neue Phase, die in die heutige moderne Lebenswelt passt.
Da die vier Kinder der Familie Laurin langsam heranwachsen, möchte Dr. Laurins Frau, Dr. Antonia Laurin, endlich wieder als Kinderärztin arbeiten. Somit wird Antonia in der Privatklinik ihres Mannes eine Praxis als Kinderärztin aufmachen.
Damit ist der Boden bereitet für eine große, faszinierende Arztserie, die das Spektrum um den charismatischen Dr. Laurin entscheidend erweitert.
»Was ist denn los?«, fragte Celine Achingers älterer Nachbar Burkhard Braunmühl, als sie an ihm vorbei zurück ins Haus fegte, das sie gerade erst verlassen hatte. »Er hat sein Auto schon wieder so abgestellt, dass ich nicht wegfahren kann!«, fauchte sie, während sie bereits die Treppe zum ersten Stock hinaufstürmte. »Celine!«, rief Burkhard ihr nach. »Er hat gesagt, er ist in zwei Minuten wieder unten, weil …« »Mir ist egal, was er gesagt hat, er soll seinen blöden Wagen auch nicht für zwei Minuten so stellen, dass er meinen blockiert!« Burkhard seufzte und schloss die Wohnungstür im Erdgeschoss auf. Seine Frau war krank, er war gerade im Supermarkt gewesen, die Milch hatte gefehlt – und ohne Milch trank Elli ihren Kaffee nicht. Er kriegte das mit der Organisation des Haushalts noch nicht so gut hin wie sie, oft ging er mehrmals am Tag einkaufen, weil er etwas vergessen hatte. So wie heute die Milch … Aber er war ja Rentner und hatte Zeit. Er schob die Tür auf und stellte die Milch ab, betrat aber die Wohnung noch nicht, sondern wartete ab. Er konnte sich denken, was jetzt passieren würde. Und richtig: Oben wurde eine Wohnungstür geöffnet, und schon hörte er Celine in scharfem Ton sagen: »Ich hab's eilig, aber Ihr Wagen steht wieder mal so, dass ich nicht wegfahren kann. Beim nächsten Mal lasse ich ihn abschleppen, dass Sie es nur wissen. Mir reicht's langsam!« »Bin schon unterwegs, verehrte Nachbarin!« Jonathan Vohrers Stimme klang amüsiert und völlig unbeschwert. »Ich hatte gehofft, Sie würden nicht ausgerechnet in diesen zwei Minuten …«
Viola Maybach
Viola Maybach war als Fernsehredakteurin und -produzentin tätig. Heute arbeitet sie als Autorin in verschiedenen Bereichen und lebt in Frankfurt.
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Buchvorschau
Ich liebe dich, du Ekel! - Viola Maybach
Der neue Dr. Laurin
– 50 –
Ich liebe dich, du Ekel!
Celine und Johnny können sich nicht leiden
Viola Maybach
»Was ist denn los?«, fragte Celine Achingers älterer Nachbar Burkhard Braunmühl, als sie an ihm vorbei zurück ins Haus fegte, das sie gerade erst verlassen hatte.
»Er hat sein Auto schon wieder so abgestellt, dass ich nicht wegfahren kann!«, fauchte sie, während sie bereits die Treppe zum ersten Stock hinaufstürmte.
»Celine!«, rief Burkhard ihr nach. »Er hat gesagt, er ist in zwei Minuten wieder unten, weil …«
»Mir ist egal, was er gesagt hat, er soll seinen blöden Wagen auch nicht für zwei Minuten so stellen, dass er meinen blockiert!«
Burkhard seufzte und schloss die Wohnungstür im Erdgeschoss auf. Seine Frau war krank, er war gerade im Supermarkt gewesen, die Milch hatte gefehlt – und ohne Milch trank Elli ihren Kaffee nicht. Er kriegte das mit der Organisation des Haushalts noch nicht so gut hin wie sie, oft ging er mehrmals am Tag einkaufen, weil er etwas vergessen hatte. So wie heute die Milch … Aber er war ja Rentner und hatte Zeit.
Er schob die Tür auf und stellte die Milch ab, betrat aber die Wohnung noch nicht, sondern wartete ab. Er konnte sich denken, was jetzt passieren würde. Und richtig: Oben wurde eine Wohnungstür geöffnet, und schon hörte er Celine in scharfem Ton sagen: »Ich hab’s eilig, aber Ihr Wagen steht wieder mal so, dass ich nicht wegfahren kann. Beim nächsten Mal lasse ich ihn abschleppen, dass Sie es nur wissen. Mir reicht’s langsam!«
»Bin schon unterwegs, verehrte Nachbarin!« Jonathan Vohrers Stimme klang amüsiert und völlig unbeschwert. »Ich hatte gehofft, Sie würden nicht ausgerechnet in diesen zwei Minuten …«
Celine unterbrach ihn, ihre Stimme klang jetzt noch zorniger. »Es waren mehr als zwei Minuten, und das wissen Sie auch ganz genau. Wenn Sie Ärger kriegen wollen, machen Sie nur so weiter! Und jetzt fahren Sie endlich Ihre Angeberkarre weg!«
Offenbar war sie bei ihren letzten Worten schon wieder auf dem Weg nach unten gewesen, denn nun tauchte sie an der Treppenbiegung auf, sodass Burkhard nicht mehr rechtzeitig in seiner Wohnung verschwinden konnte.
Celine blitzte ihn an. »War ja klar, dass du noch hier stehen würdest!«, schimpfte sie, bevor sie die Haustür aufriss und verschwand.
Gleich darauf erschien Jonathan Vohrer, lässig und gutaussehend wie immer, in Jeans, T-Shirt, Turnschuhen und Lederjacke. Die langen dunklen Haare gaben ihm etwas von einem Künstler, fand Burkhard. Dabei hatte Jonathan Vohrer einen ganz alltäglichen Beruf: Er war Friseur. Aber manche von denen waren natürlich auch irgendwie Künstler.
Jonathan, von allen nur Johnny genannt, hatte es deutlich weniger eilig als Celine. »Hallo, Burkhard«, sagte er. Er wohnte erst seit ein paar Wochen im Haus und kam mit allen gut zurecht, nur mit Celine nicht. Von Anfang an hatte es Reibereien zwischen den beiden gegeben, die die übrige Hausgemeinschaft teils amüsiert, teils genervt verfolgte.
Jonathan machte eine Kopfbewegung zur Tür hin. »Sie ist mal wieder auf hundertachtzig«, sagte er. »Ich glaube, ich habe sie noch nie freundlich und gelassen erlebt.«
»Ich schon«, erwiderte Burkhard. »Im Grunde genommen ist sie eine Seele von Mensch. Beeil dich besser, sonst machst du es nur noch schlimmer.«
»Eine Seele von Mensch? Willst du mich auf den Arm nehmen? Falls sich mal ein Mann finden sollte, der sich in diese Giftspritze verliebt, sollte man den armen Kerl warnen. Wie geht’s übrigens Elli?«
»Besser, vielen Dank, aber eine richtige Grippe ist eben doch etwas anderes als ein grippaler Infekt, das wissen wir inzwischen beide. Und in unserem Alter steckt man so eine Krankheit auch nicht mehr so einfach weg.«
»In eurem Alter? Ihr seid doch fit wie Turnschuhe, da kenne ich aber viele Sechzigjährige, die ganz anders dran sind als ihr.«
»Sechzigjährig, haha, schön wär’s! Ich werde nächstes Jahr siebzig.«
»Du siehst keinen Tag älter aus als neunundfünfzig, Burkhard! Grüß Elli von mir. Und wenn sie einen Haarschnitt braucht: Ich stehe zu Diensten!«
Mit einem fröhlichen Grinsen und noch immer keineswegs in Eile öffnete er die Haustür und ließ sie hinter sich zufallen.
Burkhard hörte Celine ungeduldig hupen und betrat endlich die Wohnung.
»Bobby?«, rief seine Frau. Sein alter Spitzname, den sie übernommen hatte.
Ellen lag nicht mehr im Bett, sondern tagsüber auf dem Sofa im Wohnzimmer, weil sie dort fernsehen und Musik hören konnte, wenn ihr danach war. Manchmal war sie zum Lesen zu müde, und sie sagte außerdem, dass sie sich im Bett kränker fühlte als auf dem Sofa. Er konnte das verstehen, ihm wäre es wahrscheinlich ähnlich gegangen.
Er ging zu ihr. »Alles in Ordnung?«
Sie nickte, aber es gab ihm einen Stich, dass sie immer noch so blass war, und ein richtig spitzes Gesicht hatte sie während der Krankheit bekommen. Seit drei Wochen plagte sie sich nun schon mit dieser Grippe. Ja, es wurde besser, aber nur langsam und mühsam.
»Ich habe Milch gekauft, jetzt koche ich uns erst einmal einen schönen Kaffee«, sagte er. »Und weil ich schon mal unterwegs war, habe ich uns noch ein Stück Käsekuchen mitgebracht. Nur eines, weil du nicht viel isst.«
Sie mühte sich ein Lächeln ab. »Das ist schön, auf Käsekuchen habe ich richtig Lust.«
Er verschwand in der Küche und kehrte bald darauf mit zwei Bechern Milchkaffee und dem bereits säuberlich geteilten Stück Käsekuchen zu seiner Frau zurück. Er half ihr, sich aufzusetzen und nahm neben ihr Platz.
»Was war denn wieder los?«, fragte sie, als sie den ersten Schluck Kaffee getrunken hatte. Immerhin, sie trank wieder Kaffee, das war in Burkhards Augen ein Zeichen dafür, dass sie sich besser fühlte, denn zwei Wochen lang hatte sie keinen angerührt. Aber da hatte sie sowieso fast nichts zu sich genommen, hatte keinen Appetit gehabt und immer nur schlafen wollen.
»Mit Celine, meine ich.«
Er erzählte es ihr.
Sie schüttelte leicht den Kopf. »Es sieht ihr nicht ähnlich, immer gleich so auszurasten. Hat sie mehr Stress als sonst?«
Er sah sie ratlos an. »Keine Ahnung«, sagte er.
Jetzt lächelte sie richtig. »Männer!«, erwiderte sie. »Hast du sie mal gefragt?«
»Nein, natürlich nicht. Ich will mich ihr doch nicht aufdrängen.«
»Was hat das mit ›aufdrängen‹ zu tun, wenn man sich erkundigt, ob jemand gerade Stress oder Kummer hat? Wir als Hausgemeinschaft haben uns doch immer umeinander gekümmert!«
»Du kennst mich doch, ich kann das nicht so gut wie du. Oder wie Miriam. Über Kummer können Frauen besser reden als Männer. Ich käme mir aufdringlich vor, wenn ich fragen würde.«
»Auch Männer können das lernen, wenn sie wollen«, stellte Ellen fest.
Die von Burkhard erwähnte Miriam wohnte im zweiten Stock, über Celine und Jonathan. Auf jeder Etage gab es zwei Wohnungen, nur im Erdgeschoss nicht. Miriam Kronhagen und ihr Mann Arndt waren in den Vierzigern, sie hatten zwei halbwüchsige Kinder, Luise und Timmy. Miriam war in den ersten beiden Wochen von Ellens Krankheit mindestens einmal am Tag erschienen, um sich zu vergewissern, dass
