Auf der Suche nach der verlorenen Kindheit: Lebenserinnerungen
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Über dieses E-Book
Mit packender Intensität schildert die Autorin eine Lebensgeschichte, die fassungslos macht und tief berührt. Ihr gelingt, was sich nur wenige Menschen trauen: Sie holt Erinnerungen hervor, die wehtun und doch ausgesprochen werden müssen. Nach einem langen, stillen Kampf gilt es zurückzublicken, um wieder nach vorne schauen zu können. Ein intimer Einblick, der erschütternd und zugleich voller Hoffnung ist. Er erinnert daran, was im Leben wirklich zählt.
Francesca del Sarde
Francesca del Sarde wuchs mit vielen Geschwister in Armut und Gewalt auf. Sie absolvierte eine Ausbildung im Einzelhandel und arbeitete später in Privathaushalten. Schon als Kind interessierte sie sich für Bücher, was man in ihrem familiären Umfeld verhindern wollte, aber ohne Erfolg. Ihre Beziehungen zu Männern scheiterten an deren Dominanz und Gewalt, die auch ihre vier Kinder erlebten mussten. Die gläubige Christin lebt heute allein, liebt Wanderungen in der Natur, besucht gerne die Oper und erfreut sich der Literatur. Dieses Buch schrieb sie, um sich von der Last ihrer Vergangenheit zu befreien.
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Buchvorschau
Auf der Suche nach der verlorenen Kindheit - Francesca del Sarde
Kapitel 1
Womit anfangen? Was gehört zum Lebensumfeld eines Kindes? Familie, Eltern, Geschwister, Freunde, Schule. Beginne ich also mit der Schule.
Schule. Das ging ungefähr so: In den fünfziger Jahren gab es immer sehr viel Schnee und es war sehr kalt. Ich habe immer gefroren. Es gab keine Kohle zum Heizen und auch nichts zum Essen. Ich musste sehr oft hungrig in die Schule gehen. Mein Bauch knurrte vor Hunger und ich habe mich geschämt. Geschämt habe ich mich auch wegen meiner Schuhe, sie waren uralt und mit Nägeln an den Sohlen beschlagen. Beim Laufen machte es klick, klack. Meine Strümpfe waren voller Löcher. Ich habe mich geschämt.
Wutausbrüche des Lehrers. Ganz plötzlich, wie aus dem Nichts brüllte der Lehrer los, donnerten seine Schimpf- und Schmähtiraden auf uns nieder. Wir könnten nichts, wir seien dumm und würden es immer bleiben. Es sei alles vertane Zeit mit uns und überhaupt wüssten wir nicht, was Disziplin bedeute. Und was wir nicht begriffen, müsste uns eingehämmert werden. Und wenn wir uns dumm anstellten, müssten wir bestraft werden. Und wenn wir aus der Reihe tanzen wollten, würden wir schon wieder dahin gestellt, wo wir hingehörten. Jeder hatte seinen Platz, jeder hatte die Familie, aus der er kam, jeder hatte seinen bestimmten Weg vor sich, da gab es kein Wenn und kein Aber.
Wutausbrüche des Lehrers, körperliche Gewalt, Demütigungen. Daraus bestand der Alltag in der Schule.
Ich war sechs Jahre alt. Den Lehrer hielt das nicht davon ab, mich immer mit einem dünnen Stock zu schlagen. Ich musste mich mit dem Bauch nach unten auf die Bank legen. Er hat mich auf den Rücken und Hintern geprügelt. Ich hatte höllische Schmerzen. Aber noch schlimmer war die Scham. Er riss an meinen Haaren und setzte mich dem Spott der Mitschüler aus. Der Lehrer schlug mit der Faust ins Gesicht. Ich konnte mich nicht auf den Schlag einstellen. Der Lehrer schlug aus dem Hinterhalt.
Da war niemand, der sich an meine Seite stellte, niemand, der mich tröstete, und schon gar niemand, der mich beschützte und versuchte, gegen den Lehrer Stellung zu beziehen.
Das gab es nicht. Lehrern wurde nicht widersprochen. Das war zu der Zeit nichts Besonderes. Anfang der fünfziger Jahre hatte es noch nicht die große Freiheit gegeben, die später mit den Studenten übers Land schwappte. Man gehorchte. Angst und Gehorsam, es war noch nicht sehr lange her, da war ein ganzes Land so regiert worden. Ich entwickelte Strategien. Nicht auffallen, den Blick gesenkt halten, nicht bewegen, nicht husten, nicht weinen und vor allem nicht lachen.
Wer lacht hier? Das hat sich gleich ausgelacht. Warte nur!
Was heute undenkbar ist und selbst in der Phantasie jeglichen Rahmen sprengt, gehörte damals zum täglichen Grauen. Es wurde gelacht, aber nicht aus Freude. Vielleicht ist Boshaftigkeit ansteckend, vielleicht wollten sich die Mitschüler auch nur einen Vorteil verschaffen und sich selbst ins rechte Licht rücken. Viele passten sich an, um nicht unterzugehen, um nicht selbst in den Mittelpunkt von Beschimpfung und Gewalt zu geraten. Ich gehörte nicht zu ihnen, ich sollte nicht dazugehören. Als Kind wurde ich in der Schule gemobbt. Man hatte sich auf mich eingeschossen. Das ging recht schnell. Man machte mich zur Außenseiterin. Wenn ich etwas nicht wusste, dann wurde gelacht, lauthals. Wenn ich etwas nicht verstanden hatte und nachfragte, wurde ich verhöhnt und wieder ausgelacht. Wenn wir uns in einen Kreis stellen sollten, wollte niemand neben mir stehen, geschweige denn mich anfassen. Einfach nur an die Hand nehmen, einfach einen Kreis bilden, mit allen, die in der Klasse waren, eine Gemeinschaft, eine Einheit bilden, zu der jedes Kind gehört hätte. Ich nicht.
Der Lehrer stand da, beobachtete uns, die Kinder seiner Klasse. Er hatte ein bösartiges Grinsen im Gesicht, so als ob sich seine Mission erfüllte. Ich sollte nicht dazugehören. Das hatten alle schnell begriffen. Ich auch. Ich nahm diese Rolle an. Das schüchterne, zurückhaltende, ängstliche Mädchen. Die aus dieser schrecklichen Familie.
Das ist die, guck mal, die, mit der niemand spricht. Mit der will ich nichts zu tun haben. Wie die schon aussieht. Und wie die guckt.
Die Klasse machte einen Ausflug in den Wald. Der Lehrer erklärte uns viel. Ich stand abseits und wurde übersehen. Als eine Ringelnatter aus dem Laub hervorkam, spielte ich wieder eine Rolle. Der Lehrer hatte bemerkt, dass ich Ekel hatte. Ich sollte die Natter anfassen. Ich weigerte mich. Er wurde böse und gab mir eine Ohrfeige. Ich wurde zurück in die Schule geschickt. Allein.
Man sah mir an, woher ich kam. Man kannte sich im Dorf. Es wurde getuschelt, hinter vorgehaltener Hand, Blicke wurden ausgetauscht, man verdrehte die Augen. Jeder wusste, was sich bei uns zu Hause abspielte.
Zu beißen haben die nichts. Aber ausgehen abends, das können sie. Und jedes Jahr ein neues Balg. Wer weiß, wer da der Vater ist?
Wir waren bekannt und keineswegs beliebt. Wir hatten unseren Ruf weg im Dorf. Wir Kinder bekamen das am meisten zu spüren. Die Eltern interessierte das nicht. Die Schule war da kein Schonraum. Im Gegenteil, da passierte im Kleinen, was in der dörflichen Gemeinde im Großen geschah. Ausgrenzung, böse Blicke, verletzende Worte, Verurteilungen, wofür auch immer.
Bei jedem Schuljahreswechsel bekam die Klasse einen neuen Lehrer. Es änderte sich fast nie etwas. Es wurde weitergeprügelt, geschlagen, an den Haaren gezogen und mit Verachtung
