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Der Henker von Rothenburg: Inquisiton in Rothenburg: Inquisition in Rothenburg
Der Henker von Rothenburg: Inquisiton in Rothenburg: Inquisition in Rothenburg
Der Henker von Rothenburg: Inquisiton in Rothenburg: Inquisition in Rothenburg
eBook453 Seiten5 Stunden

Der Henker von Rothenburg: Inquisiton in Rothenburg: Inquisition in Rothenburg

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Über dieses E-Book

Rothenburg, 1526

Nachdem Marie die Wahrheit über ihre Herkunft erfahren hat, macht sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Matthias auf die Suche nach Beweisen, um diese dem Vogt Bernhard Steiner vorzulegen. Jedoch wurde inzwischen der einzige Zeuge, der die Wahrheit kennt, ermordet.

Während ihrer Abwesenheit trifft die Inquisition unter der Führung des Inquisitors Ferdinand von Ravensburg in Rothenburg ein und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Matthias wird von ihm gezwungen, ihn bei der Durchführung der Befragungen zu helfen. Als der Henker sich weigert, ein Kind zu foltern, wird die Situation beinahe aussichtslos und sie müssen beide um ihr Leben fürchten.
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum18. Aug. 2016
ISBN9783741839870
Der Henker von Rothenburg: Inquisiton in Rothenburg: Inquisition in Rothenburg
Autor

Werner Diefenthal

Was schreib ich über mich? Baujahr 1963, der Oldie im Team. Ich bin der Mann in dem Trio. Also der im Hintergrund. Der Ideentüftler, der sich tagelang über mögliche Wendungen und Fortschritte in den Geschichten das Hirn zermartert. Dabei wandele ich auch auf Solopfaden mit eigenen Projekten, habe aber in den letzten Jahren hauptsächlich mit Martina zusammen die Romane verfasst. Seit einiger Zeit haben wir uns mit unsere Bilder-Zauberin Sandra zusammengetan und mischen als Trio Ars Sistendi die Literaturwelt ein wenig auf.

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    Buchvorschau

    Der Henker von Rothenburg - Werner Diefenthal

    Der Henker von Rothenburg: Inquisition in Rothenburg

    Der Henker von Rothenburg: Inquisition in Rothenburg

    Von Martina Noble und Werner Diefenthal

    Buchbeschreibung:

    Rothenburg, 1526

    Nachdem Marie die Wahrheit über ihre Herkunft erfahren hat, macht sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Matthias auf die Suche nach Beweisen, um diese dem Vogt Bernhard Steiner vorzulegen. Jedoch wurde inzwischen der einzige Zeuge, der die Wahrheit kennt, ermordet.

    Während ihrer Abwesenheit trifft die Inquisition unter der Führung des Inquisitors Ferdinand von Ravensburg in Rothenburg ein und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Matthias wird von ihm gezwungen, ihn bei der Durchführung der Befragungen zu helfen. Als der Henker sich weigert, ein Kind zu foltern

    Über die Autoren:

    Martina Noble:

    Geboren 1979 in Mainz, liebt sie seit frühester Kindheit, Geschichten zu erzählen und zu schreiben. Seit 2014 schreibt sie gemeinsam mit Werner Diefenthal und hat mehrere Bücher mit ihm veröffentlicht.

    Werner Diefenthal

    Geboren 1963 im Rheinland, schreibt seit mehreren Jahren und veröffentlichte 2010 seinen ersten Roman. Seit 2014 hat er mit Martina Noble eine Schreibpartnerin, mit der er gemeinsam mehrere Romane veröffentlicht hat.

    Der Henker von Rothenburg: Inquisition in Rothenburg

    Von Martina Noble und Werner Diefenthal

    Annaweg 12

    96215 Lichtenfels

    Telefon: +49 175 2672918

    wdiefenthal@wdiefenthal.de

    www.wdiefenthal.de; www.martina-noble.com

    Titelmodels:

    Valerie Matthey

    https://www.facebook.com/The-art-of-Valley-409182422597077/

    Marco Röhlich

    https://www.facebook.com/Bradley-Blackwater-742119889205680/?fref=ts

    Titelbild, Grafikdesign und Covergestaltung:

    Sandra Limberg

    http://www.sollena-photography.de

    Logo- und Webseitengestaltung für Werner Diefenthal

    monikakloeppelt – agentur für werbung, marketing & pr

    http://monikakloeppelt.jimdo.com/

    2. Auflage 2016

    1. Auflage erschienen bei Moon House Publishing, 2014

    © Werner Diefenthal / Martina Noble – alle Rechte vorbehalten.

    Jeglicher Nachdruck, auch auszugsweise, bedarf der vorherigen Zustimmung durch die Autoren.

    Printed in Germany

    Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

    Teil 3:

    Inquisition in Rothenburg

    Alle Personen und Begebenheiten in dieser Geschichte sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

    Frei erfunden ist der Vogt zu Rothenburg nebst Gattin. Der Henker ist ein Produkt unserer Fantasie. Trotz intensiver Recherche haben wir keinen wirklich fundierten Beweis für einen Henker in Rothenburg finden können. Tatsache ist die Vertreibung der Menschen aus dem jüdischen Viertel um 1520. Was danach dort geschieht, ist reine Fiktion.

    Die örtlichen Begebenheiten wurden nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben, wurden teilweise jedoch für den Lauf der hier aufgeschriebenen Geschichte ein wenig angepasst. So existierte z.B. keine Vogtei, auch der ›Goldene Schwan‹ ist fiktiv. Bei der Benennung der Straßen, Plätze und Tore haben wir uns an alten Karten der Stadt orientiert. Sollten diese nicht in allen Punkten der Wirklichkeit entsprechen, so bitten wir, dies zu entschuldigen.

    Soweit möglich, wurden geschichtliche Abläufe und Ereignisse wahrheitsgemäß verwendet. In einigen Fällen wurden diese jedoch so weit verändert, dass sie zum Kontext des Romans passen.

    Die hier durch den Henker bzw. im weiteren Verlauf durch die Inquisition angewandten Verhörmethoden und Strafen entsprechen weitestgehend der zu dieser Zeit üblichen Rechtsprechung bzw. der vorherrschenden Auffassung von Gerechtigkeit. Die beschriebenen Folterwerkzeuge waren zu jener Zeit durchaus gebräuchlich, auch wenn teilweise der Einsatz mittlerweile stark von Geschichtswissenschaftlern angezweifelt wird. Die im Roman verhängten Strafen spiegeln in keiner Weise die Meinung oder Auffassung der Autoren wieder.

    Empfindliche Gemüter seien daher gewarnt: Es wird Blut fließen.

    Bei unseren Recherchen über das Leben zu dieser Zeit sind wir des Öfteren überrascht worden. Insbesondere über die gar nicht so prüde Lebensweise zu jener Zeit. Diesem mussten wir zwangsläufig Rechnung tragen und haben dementsprechend auch diesen Teil des Lebens mit in die Handlung einfliessen lassen.

    Ferner haben wir, des leichteren Verständnisses wegen, die Sprache der Neuzeit angepasst. Bei Versuchen, so zu reden, wie die Menschen zu der Zeit, in welcher der Roman spielt, haben wir feststellen müssen, dass uns niemand mehr versteht. Daher haben wir uns dazu entschieden, eine für die heutige Allgemeinheit verständliche Ausdrucksweise zu wählen. Auch dafür bitten wir um Verständnis.

    Hinweis zur Neuauflage:

    Die hier vorliegende Fassung wurde sorgfältig überarbeitet. Insbesondere wurden dabei Szenen, welche sexuelle Handlungen enthalten, sprachlich und inhaltlich so angepasst, dass sie weniger deutlich sind. Auch bei den Szenen, in denen Matthias Bestrafungen durchführt, haben wir die drastische Darstellung aus der ursprünglichen Fassung entschärft.

    Die meisten Änderungen beziehen sich jedoch auf Formatierungen und Aussehen, da wir, die Autoren, mit dem Erscheinungsbild der ersten Auflage nicht zufrieden waren. Wir hoffen, jetzt auch optisch einen Lesegenuss geschaffen zu haben.

    Personenverzeichnis:

    Bernhard Steiner

    Vogt von Rothenburg

    Elsa Steiner

    Die Frau des Vogtes

    Eckhart Steiner

    Vater des Vogtes, früherer Vogt

    Matthias Wolf

    Henker von Rothenburg

    Marie Wolf

    Frau des Henkers, frühere Magd bei Vogt Steiner

    Popolius Harthrath

    Schreiber

    Magdalena Holzapfel

    Wirtin des ›Goldenen Schwans‹

    Greta Dinkelsbraun

    Freundin von Marie

    Helga Bonnekamm

    Freundin von Marie

    Klaus Bonnekamm

    Bäckermeister, Vater von Helga Bonnekamm

    Agatha Bonnekamm

    Mutter von Helga Bonnekamm

    Meginhard von Scharfenstein

    Oberhaupt einer reichen Familie, Vater von Jakob

    Margarethe von Scharfenstein

    Mutter von Jakob

    Jakob von Scharfenstein

    Sohn von Meginhard und Margarethe von Scharfenstein

    Karl Schwattner

    Freund von Helga Bonnekamm, Knecht beim Vogt

    Nikolaus von Brümme

    Arzt und Chirurg, Heilkundiger

    Pater Remigius

    Pfarrer von Rothenburg

    Heinrich Meisner

    Hauptmann der Stadtwache

    Markus

    Gehilfe bei Matthias Wolf

    Irmtraud Wallner

    Hure im ›Goldenen Schwan‹

    Ferdinand von Ravensburg

    Inquisitor

    Lotte Lambrecht

    Frau des Pächters auf dem Gutshof der Steiners

    Max

    Soldat der Stadtwache

    Silvanus

    Gaukler, Anführer einer Jahrmarkttruppe

    Anna

    Mädchen in einer Jahrmarkttruppe

    Bandit, Donner, Luna

    Drei Wolfswelpen

    Prolog

    Nachdem Matthias Wolf, der Henker von Rothenburg, die Magd des Vogtes, Marie, vor dem Schafott gerettet und geheiratet hat, sind die Zeiten für die beiden nicht leichter geworden.

    Elsa Steiner, die Frau des Vogtes, trachtet Marie immer noch nach dem Leben, da Marie die uneheliche Tochter ihres Schwiegervaters ist und durch ein Testament, von dem sie erfahren hat, einen Teil des Vermögens erbt.

    Um zu verhindern, dass dieses gut gehütete Geheimnis ans Licht kommt und Marie ihre Erbschaft antritt, beschuldigte Elsa Marie des Mordes an Eckhard Steiner und stellte sie als Hexe dar. Matthias Wolf, der Henker von Rothenburg, rettet Marie vor dem sicheren Tod, indem er sie heiratet. Elsa Steiner jedoch versucht weiterhin, Marie bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu diskreditieren und sie als Hexe darzustellen.

    Als auf dem Gutshof, auf dem Marie geboren wurde, ein Wolf sein Unwesen treibt, schickt Vogt Steiner seinen Henker dorthin, um die Angelegenheit zu klären. Da Marie unter Strafe verboten wurde, Rothenburg zu verlassen, muss der Vogt eine Entscheidung treffen, die seiner Frau alles andere als Recht ist.

    Doch Bernhard Steiner vertraut seinem Henker mehr als seiner Frau und lässt Marie mit Matthias auf das Gut reisen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Dort erfährt Marie die Wahrheit über ihre Herkunft. Sie kann es nicht begreifen, aber es scheint wahr zu sein, dass der Vogt ihr Bruder ist und seine Frau ihr nach dem Leben trachtet.

    Mittlerweile hat sich jedoch bereits herumgesprochen, dass in Rothenburg einige seltsame Dinge geschehen, welche die Inquisition auf den Plan rufen.

    Matthias und Marie geraten in einen tödlichen Kreislauf aus Gewalt und Verrat, den sie nur mit viel List, Glück und der Hilfe ihrer Freunde durchbrechen können.

    Juli 1526

    1. Kapitel

    Als Marie vor die Tür trat, wurde ihr Schwindel etwas schwächer. So viel Wein hatte sie noch nie getrunken. Sie schüttelte den Kopf, als ob sie damit ihren Gedanken wieder eine geordnete Richtung geben könnte.

    Zu viel war auf sie eingestürmt. Das Wiedersehen mit den Menschen, bei denen sie aufgewachsen war. Dann noch der Besuch am Grab ihrer Mutter, als sie und Matthias im Rauschen der Blätter einen Namen zu erkennen glaubten. ›Elsa‹, so hatte es sich angehört.

    Aber am schlimmsten war die Offenbarung der alten Lotte gewesen. Eckhard Steiner, der ehemalige Vogt von Rothenburg, war ihr Vater!

    Ausgerechnet der Mann, den sie nach den Beschuldigungen von Elsa Steiner, der Frau des jetzigen Vogtes, mittels Hexenkraft getötet haben sollte. Diese Wahrheit hatte Marie im Wein zu ertränken gesucht, aber der einzige Erfolg, den sie hatte, war, dass sie von Schwindel geplagt wurde. Und dass ihr schlecht war. Sie hielt sich an einer Mauerecke fest. In ihrem Kopf drehte sich alles.

    »Ich bin die Schwester des Vogtes«, brabbelte sie. »Die Schwester des Kerls, der mich köpfen lassen wollte.«

    Sie rülpste laut vernehmlich.

    »Scheißwein«, plapperte sie. »Aber der Vogt kann es nicht gewusst haben. Glaub ich nicht. Es war nur seine Frau.«

    Zumindest hoffte Marie das. Der Gedanke, dass der Vogt vielleicht ebenfalls eine unliebsame Miterbin hatte loswerden wollen, war zu viel. Sie beugte sich vor und übergab sich.

    »Matthias, wo bist du?«, wimmerte sie, nachdem sie sich den Mund abgewischt hatte. »Ich brauch dich jetzt!«

    Der Henker war seiner Frau gefolgt, er machte sich Sorgen um sie. Zu viel war an diesem Abend auf sie eingestürzt, dazu der Wein, dem sie mehr als reichlich zugesprochen hatte.

    An der Hausecke sah er sie, wie sie sich nach vorne beugte und hörte, wie sie würgte. Schnell eilte er zu ihr, hörte, wie sie nach ihm rief.

    »Ich bin hier«, sagte er leise und streichelte ihren Rücken.

    Marie richtete sich auf.

    »Da bist du ja, mein geliebter Henker.«

    Sie kicherte.

    »Ich glaub, ich bin betrunken.«

    Matthias lachte.

    »Nein, du bist nicht betrunken, du bist besoffen wie ein Maultiertreiber.«

    Sie drohte ihm schelmisch mit dem Finger.

    »Das lass mal nicht meinen Bruder hören, den ollen Vogt von Ri… Ra… Rothenburg.«

    Matthias starrte sie an. War sie wirklich nur betrunken? Oder was steckte dahinter?

    »Was soll das, Marie? Komm, ich bring dich in dein Bett.«

    Sie richtete sich auf.

    »Du meinst in dein Bett. In das mein eigener Bruder mich gelegt hat.«

    Er wich zurück. Es war wie ein Stich ins Herz. Aber Marie war noch nicht fertig.

    »Matthias, ich liebe dich … aber«, sie kicherte wieder, »ein wenig mehr Respekt bitte.«

    »Marie, hör jetzt auf. Was wird das?«

    Sie starrte ihn an. In ihrem Kopf arbeitete es. Die Situation, in der sie sich befand, überforderte sie.

    »Was das wird? DU fragst mich, was das wird? Ich sage dir, was das wird: Wir werden schön unsere Klappe halten und keinem Menschen etwas von dem, was wir heute Abend herausgefunden haben, sagen.«

    »Marie!«, rief Matthias erstaunt. »Das können wir nicht tun! Wenn das nicht klargestellt wird, haben wir nie Ruhe. Elsa wird immer hinter uns her sein und versuchen, uns zu beseitigen.«

    Die Blonde winkte ab.

    »Mit Elsa werden wir schon fertig. Aber was ist, wenn der Vogt selbst genauso raffgierig ist wie sein Weib? Dann überlegt er es sich womöglich noch einmal anders mit der gewährten Gnade und befiehlt dir, es zu Ende zu bringen.«

    Matthias erkannte, dass seine Frau nicht mehr Herr ihrer Sinne war, und trat auf sie zu, wollte sie in den Arm nehmen. Sie stieß ihn von sich.

    »Marie, bitte. Ich würde dich niemals hinrichten.«

    »Niemals?«

    Sie starrte ihn an. In ihrem Kopf war alles durcheinander.

    »Wem willst du denn das erzählen? Wenn der Vogt dem Gnadengesuch nicht nachgegeben oder ich nicht eingewilligt hätte, dann hättest du mir ohne zu zögern den Kopf abgeschlagen. Obwohl du nicht geglaubt hast, dass ich schuldig war. Wenn das überhaupt so stimmt. Vielleicht ist das auch alles nur gelogen! Geh doch weg von mir!«

    Sie schwankte, beugte sich vor und erbrach sich erneut. Matthias traute seinen Ohren nicht. Er kniff die Augen zusammen. Er erkannte seine eigene Frau nicht wieder, die ihn beschimpfte und ihn der Lüge bezichtigte.

    »Marie. Ist es wirklich das, was dich beschäftigt, oder ist das eine Ausrede? Willst du mir eigentlich sagen, dass ich nicht mehr gut genug für dich bin? Ist es das, was du mir erklären willst? Dass du jetzt, wo du zu den Vornehmen gehörst, den Henker aus dem Bett und deinem Leben wirfst? Wenn das so ist, dann geh einfach.«

    Ihm stiegen die Tränen in die Augen. Marie sah ihn wieder an. Die Gedanken wirbelten in ihrem Kopf, wollten sich nicht einfangen lassen. Sie machten keinen Sinn.

    »Denk doch, was du willst«, schrie sie ihn an.

    Damit drehte sie sich um und rannte davon. Einen Moment lang blieb Matthias schockiert stehen, dann folgte er ihr, so schnell er konnte. Trotz seiner Eile war sie verschwunden. Er suchte zuerst in ihrem Zimmer, doch dort war sie nicht. Auch in allen anderen Räumen des Gutes war sie nicht zu finden.

    »Marie! Wo bist du?«, rief er in die Dunkelheit, aber er bekam keine Antwort.

    Sie stürzte durch die Nacht. Als die junge Frau in ihrer betrunkenen Verwirrung davongestürzt war, hatte sie völlig vergessen, dass sich in der Nähe des Gutes immer noch ein Wolf herumtrieb und dass es in der Finsternis draußen für sie gefährlich werden konnte. Langsam wurde sie wieder klar im Kopf und begriff, was sie getan hatte.

    Sie hatte ihren Mann, der sie über alles liebte, vergrault. Ihn beschimpft, ihn angeschrien, ihn der Lüge bezichtigt. Sie war nicht besser als die Weiber, die sie immer verachtet hatte, führte sich auf wie die vornehmen Herrschaften, die Matthias und sie von oben herab behandelten. Wie hatte sie ihm etwas vorwerfen können, über das er keine Kontrolle gehabt hätte?

    Wenn jetzt ein Wolf käme, wäre es ihr im Grunde genommen egal! Wenn sie Matthias verlor, dann konnte auch der Wolf sie töten!

    Mit tränenverschleiertem Blick lief sie immer weiter, bis sie sich auf einmal am Grab ihrer Mutter wiederfand. Sie sank auf die Knie, ließ ihrer Trauer freien Lauf.

    »Mama! Warum will er mich nicht mehr? Wieso sagt er, dass ich gehen soll?«

    Dass sie selber nur wenige Augenblicke vorher das Gleiche getan hatte, verdrängte sie. Sie verdrehte das, was geschehen war, zu einer Tatsache, an die sie selber glaubte.

    Marie weinte hemmungslos. Der Wein und ihre Trauer, dazu die plötzliche Angst vor der Zukunft, forderten ihren Tribut. Sie sank zu Boden und fiel in einen unruhigen Schlaf, in dem sie von Träumen verfolgt wurde.

    Marie stand vor den Toren Rothenburgs, mitten in einem Gewitter. Es stürmte, der Wind pfiff ihr um die Ohren und peitschte ihr Regen ins Gesicht. Ihre Kleider waren durchgeweicht, sie fror erbärmlich, aber von fern konnte sie das warme Licht hinter den Fenstern des Henkershauses sehen, das ihr einladend entgegen leuchtete.

    Sie wollte ihrem Zuhause entgegen hasten, aber plötzlich hielt sie etwas zurück. Sie sah an sich herunter. An ihren Füßen waren schwere Ketten befestigt. Als sie die Arme hob, sah sie auch dort die Glieder der Kette.

    Plötzlich zog sie jemand mit sich fort, weg von ihrem Heim, weg von dem Haus, in dem sie wohnte, zerrte sie hoch zum Schafott, auf dem Matthias mit einer langstieligen Axt stand. Sein Blick war finster, das Gesicht ausdruckslos.

    »Köpf sie endlich, die Hure des Teufels«, hörte sie eine Stimme. Elsa Steiner stand links von Matthias, neben ihr der Vogt. Er legte Matthias die Hand auf die Schulter, sein Lächeln war kalt.

    »Denk daran, was ich dir versprochen habe. Du bekommst ein Stück Land, ein Haus, fern von Rothenburg. Du musst nicht mehr der Henker sein, kannst ein normales, ehrbares Leben führen und jedes Mädchen heiraten, das dir gefällt.«

    Er wies auf eine Reihe junger Frauen, die schon mit entzückten Gesichtern warteten. Marie erkannte Helga, Greta, sogar Magdalena.

    Matthias nickte. Kein Muskel zuckte in ihrem Gesicht. Er würde sie töten. Panisch schrie Marie um Hilfe.

    »Markus! Wo bist du?«

    »Ich helfe dir nicht«, hörte sie seine Stimme und erkannte, dass er es war, der sie zum Schafott gezogen hatte. »Ich gehorche nur meinem Herrn!«

    Markus zwang sie in die Knie, drückte ihren Oberkörper nach vorne, bis ihr Kopf den Hauklotz, auf dem er immer das Holz gespalten hatte, berührte.

    »Schlag ihr endlich die Rübe ab«, geiferte Elsa und Marie sah aus den Augenwinkeln, wie Matthias die Axt hob.

    ›Wieso nimmt er eine Axt‹, schoss es ihr noch durch den Kopf, als das Mordinstrument nach unten fiel und sich in ihren Hals biss.

    Keuchend und schweißgebadet fuhr Marie hoch, sah sich panisch um. Sie lag neben dem Grab ihrer Mutter, war immer noch auf dem Gutshof, zu dem sie mit Matthias gereist war. Es war nur ein Traum gewesen!

    Marie wartete auf die einsetzende Erleichterung, aber die wollte nicht kommen. Sie sah wieder Matthias, der die Axt hob. Sah wieder den Vogt, hörte Elsa keifen. War es ihr Schicksal, doch geköpft zu werden?

    Marie taumelte auf die Füße, rannte einige Schritte zur Seite und erbrach sich stöhnend. Da spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter, hörte die Erleichterung in Matthias´ Stimme.

    »Da bist du ja! Ich habe dich überall gesucht.«

    Sie stand da, hilflos vornübergebeugt und erbrach sich erneut.

    »Marie«, sagte er. »Was ist denn?«

    Sie sah ihn an.

    »Matthias«, flüsterte sie. »Ich habe Angst.«

    »Wovor?«

    Stockend erzählte sie ihm von seinem Traum, immer wieder von Tränen unterbrochen. Er nahm sie in den Arm. Es war tröstlich, ihn zu fühlen.

    »Es war nur ein Traum, ein böser Traum.«

    »Und wenn nicht?«, antwortete sie.

    Matthias wusste nicht, was er sagen sollte.

    »Ich liebe dich, das weißt du. Und niemals werde ich zulassen, dass dir etwas Böses geschieht. Und jeder, der Hand an dich legt, wird dafür büßen.«

    Zum ersten Mal, seit sie ihn kannte, wurde Marie wütend auf ihn.

    »Zum Teufel, Matthias!«, fauchte sie den erstaunten Mann an. »Verstehst du es denn nicht? Liebe! Darum geht es doch gar nicht!«

    »Worum geht es denn dann?«

    Jetzt wurde Marie noch zorniger.

    »Verdammt! Du hast mich geheiratet, weil du keine bessere Option hattest. Aber wenn mich jetzt der Vogt würde loswerden wollen, und dir dafür ein besseres Leben bietet - ich bin mir nicht so sicher, dass du das ablehnen würdest.«

    Matthias wich einen Schritt zurück.

    »Das stimmt nicht …«

    Marie war nicht zu bremsen.

    »Ach, das stimmt nicht? Wem willst du das erzählen? Ich weiß doch, was du denkst. Du willst nicht mehr Henker sein! Du willst wie jeder andere auch die Frau heiraten, die du liebst, und nicht eine, die zufällig auf dem Schafott auftaucht. Warum solltest du die Gelegenheit nicht ergreifen, wenn sie dir geboten wird?«

    Er griff nach ihr, doch sie schlug seine Hand weg.

    »FASS MICH NICHT AN!«

    »Marie! Das ist nicht wahr! Wenn der Vogt das macht, dann brenne ich mit dir durch, egal, was kommen sollte. Und das weißt du genau!«

    Sie sah zu Boden. Konnte das stimmen? Aber ihr immer noch vom Wein umnebeltes Gehirn ließ es nicht zum, dass sie ihm glaubte, für sie wurde es immer mehr zur Wahrheit.

    Anklagend sah sie Matthias an.

    »Du redest und redest und redest. Du tust immer so, als ob du alles verstehst. Aber du verstehst nichts! Gar nichts! Warum hast du mir nicht einfach den Kopf abgeschlagen? Das wäre nicht so schmerzhaft gewesen!«

    Matthias wusste nicht mehr, was er tun sollte. Marie gab ihm die Schuld daran, dass sie noch lebte, dass sie nicht im Grab lag. Wie sollte er das verstehen?

    »Marie, Herrgottnochmal! Was soll das? Ich habe dich gerettet. Mehr als einmal. Und ich habe mich in dich verliebt. Am Ende ist es doch egal, wie es dazu gekommen ist! Glaubst du wirklich, ich könnte dich jetzt noch töten? Aber vielleicht willst du jetzt MICH loswerden. Du gehörst ja jetzt zur feinen Gesellschaft und kannst etwas Besseres bekommen!«

    Marie winkte ab.

    »Denk doch, was du willst. Du hast mir in der letzten Zeit zu oft gesagt, dass du am liebsten weggehen würdest. Und jetzt willst du mir erzählen, dass du die Gelegenheit dazu nicht ergreifen würdest meinetwegen? Das glaube ich nicht. Wenn du nicht der Henker wärst, die Frauen würden dir die Türe einrennen. Du hättest schnell eine Neue gefunden, eine, die du wirklich willst und nicht eine Notlösung!«

    Damit ließ sie ihn stehen, rannte einfach davon.

    Matthias stand da, als wenn ihn der Blitz getroffen hatte. Er wurde wütend. Wütend auf Marie, wütend auf sich selber. Sollte er hinterherlaufen? Nein! Er hatte auch seinen Stolz.

    »Kaum erfährt sie, dass sie vielleicht eine feine Dame sein könnte, schon bin ich ihr nicht mehr gut genug«, brummte er. Er schüttelte den Kopf. Die Tränen stiegen ihm in die Augen, aber er würde nicht weinen.

    Er ging langsam zum Hof zurück, in die Werkstatt, in der er sein Schwert und seine Axt liegen hatte. Er nahm sie, dazu ein paar Fackeln und ein Seil, und marschierte in den Wald. Seine Gedanken waren klar, sein Entschluss stand fest: Er würde sich diese Nacht den Wolf holen. Und wenn er dabei umkommen würde, das war ihm jetzt egal.

    Seine Frau, seine Seele, hatte ihn stehen lassen. Und das war etwas, womit er nicht fertig wurde. Ohne Marie war es alles sinnlos.

    2. Kapitel

    Lautlos schlich sich der Henker in den Wald. Immer wieder lauschte er. Von Ferne hörte er leises Geheul. Das mussten die Wölfe sein!

    Der Mond schien mittlerweile hell genug, sodass er die Spur der Meute fand und sie verfolgen konnte. Es dauerte nicht lange, bis das Geheul lauter wurde. Und dann spürte Matthias, wie ihn mehrere Augenpaare beobachteten. Langsam ging er weiter.

    Auf einmal stand er vor ihm, mitten auf dem Weg. Der Leitwolf! Er hatte die Lefzen nach oben gezogen, zeigte messerscharfe Zähne. Seine Augen glühten in der Dunkelheit.

    »Komm her, du Teufel. Du oder ich!«, murmelte Matthias, während er furchtlos einen Fuß vor den anderen setzte.

    Er fühlte sich müde, traurig und alleine. Aber gleichzeitig strömte eine Wut durch seine Adern, die durch nichts zu beschreiben war.

    Vor wenigen Stunden noch, da wollte er alles für Marie tun. Er hatte ihr gesagt, er würde für sie sterben. Und wenn es heute Nacht so sein sollte, dann war er bereit. Er hatte das Gefühl, sie verloren zu haben. Und ohne sie wollte er nicht mehr leben.

    Nur noch wenige Meter trennten ihn von dem Wolf. Ein Rascheln zu seiner Linken verriet ihm, dass das Tier nicht allein war. Matthias wirbelte herum, sah einen zweiten Wolf aus dem Dickicht schnellen und schlug mit der Axt zu. Ein Winseln zeigte ihm, dass er getroffen hatte. Der Körper des Tieres flog durch die Luft, fiel zu Boden. Er wollte sich erheben, aber er knickte immer ein, das Rückgrat war gebrochen.

    Ein heißer Schmerz durchfuhr das linke Bein des Henkers. Ein weiterer Wolf hatte sich in seinen Oberschenkel verbissen. Matthias ließ die Axt fallen, griff mit beiden Händen nach dem Tier, riss es von seinem Bein und drückte ihm die Kehle zu.

    Der Wolf biss um sich, knurrte, aber Matthias kannte keine Gnade. Es knackte, als bräche ein Ast, und der pelzige Körper erschlaffte. Das Genick des Tieres war gebrochen.

    Der Henker nahm seine Axt wieder in die Hand, humpelte auf den Leitwolf zu. Der heulte einen lang gezogenen Ton. Und dann brachen fünf weitere Wölfe durch das Gebüsch. Aber Matthias ließ sich nicht beeindrucken.

    Er wirbelte die Axt, spaltete dem Ersten den Schädel, zertrümmerte dem Zweiten die Schnauze und hieb dem Dritten die Vorderbeine ab.

    Die letzten beiden nahmen Reißaus, klemmten die Rute zwischen die Hinterbeine und suchten das Weite. Sie hatten scheinbar begriffen, dass Matthias keine leichte Beute war.

    »Feiglinge«, rief Matthias ihnen hinterher. Dann richtete er seinen Blick auf den Leitwolf, der jetzt nur noch wenige Armlängen entfernt vor ihm stand. Er kauerte sich zu Boden, dann sprang er mit einer Kraft, die selbst Matthias überraschte, den Henker an. Nur durch einen Reflex konnte Matthias verhindern, dass der Wolf ihm die Kehle zerfetzte - er hob den linken Arm und der Wolf verbiss sich darin. Sofort schoss das Blut aus der tiefen Wunde, aber Matthias spürte keinen Schmerz. Der Wolf ließ von ihm ab, zog sich zurück und griff erneut an. Wieder konnte der Henker den Arm heben. Eine weitere tiefe Wunde blieb zurück. Jetzt zog Matthias sein Schwert, er hatte genug.

    »Nur einer wird das hier überleben, Wolf!«, brüllte er.

    Das Tier schlich um Matthias herum, suchte eine gute Angriffsposition. Dann sprang es ihn an. Doch dieses Mal war es vorbei, Matthias schwang sein Schwert und traf genau den Hals des Tieres. Tief drang die Schneide in das weiche Fleisch ein, zerriss die Adern und durchtrennte das Genick. Mit einem letzten Winseln brach der Wolf zusammen und starb.

    Matthias musste sich jetzt setzen. Der Blutverlust aus den zahlreichen Bisswunden schwächte ihn. Aber noch war seine Mission nicht erledigt.

    Er ging von einem Tier zum anderen, prüfte, ob sie verendet waren. Die noch Lebenden erlöste er. Schließlich griff er das Seil und band alle Tiere an den Hinterläufen zusammen fest. Dann schleppte er seine Last durch den Wald zum Gutshof. Er spürte, dass ihm kalt wurde, aber gleichzeitig brach ihm der Schweiß aus. Der Weg kam ihm unendlich lang vor, viel länger als sein Gang in den Wald hinein.

    Der Morgen graute, als er endlich die Häuser vor sich auftauchen sah. Er mobilisierte seine letzten Kräfte, um das Gut zu erreichen.

    Vor dem Haupthaus ließ er das Seil los, sah sich um. Er bildete sich ein, hinter einem der Fenster seine Frau zu sehen. Er hob die linke Hand zum Gruß, dann schloss er die Augen und fiel zu Boden.

    3. Kapitel

    Zu der Zeit, als Matthias in den Wald ging, um die Wölfe zu jagen, hatte Marie sich in ihrem gemeinsamen Zimmer eingeschlossen und weinte sich die Augen aus. Es tat ihr schon wieder leid, Matthias angeschrien zu haben.

    Wenn sie nur niemals hierher gekommen wären. Alles in ihrem Leben war eine einzige Lüge. Sogar ihre Ehe.

    Matthias hatte sie ja nicht einmal geheiratet, weil er sie begehrt hatte, sondern weil Magdalena es ihm gesagt hatte. Und nun war er vielleicht froh, eine Gelegenheit zu bekommen, sie wieder loszuwerden. In Maries Kopf wirbelten die wildesten Verschwörungstheorien, die alle zum Ergebnis hatten, dass Matthias ihr Leben gegen seine eigene Freiheit eintauschte. Im Kopf der Blonden war die Idee, dass Matthias Rothenburg verlassen würde, bereits zur Tatsache herangereift. Verzweifelt weinte sie sich in einen erschöpften Schlaf.

    Als Marie später aus wirren Träumen hochschreckte, graute draußen der Morgen. Matthias war nicht gekommen, hatte nicht an die Tür geklopft. Vielleicht bereitete er schon eine Nachricht an den Vogt vor, dachte Marie bitter. Sie erhob sich, spürte die Nachwirkungen des Weins im Kopf und wankte ans Fenster.

    Was sie dort sah, sorgte dafür, dass sich ihr alle Haare sträubten – Matthias taumelte aus dem Wald, zog an einem Seil eine graue Masse hinter sich hier, die Marie erst beim zweiten Hinsehen als die Kadaver einer Wolfsgruppe identifizieren konnte. Eines seiner Hosenbeine sowie ein Hemdsärmel waren blutdurchtränkt. Marie starrte ihn an. War dieser Verrückte tatsächlich ganz alleine mitten in der Nacht auf die Jagd nach dem Wolfsrudel gegangen und hatte es auch noch erledigt?

    Er hob den Kopf, sah zu ihr hinauf und winkte. Dann brach er ganz plötzlich zusammen.

    Marie schrie auf vor Entsetzen. Er durfte nicht sterben! Sie war sicher, dass er diese Irrsinnstat nur begangen hatte, weil sie ihn so angefahren hatte! Sämtliche Ängste waren auf einen Schlag verschwunden. Laut nach dem Chirurgen rufend hetzte Marie die Treppen hinunter und aus dem Haus.

    Als Matthias wieder zu sich kam, konnte er kaum die Augen öffnen vor Schwäche. Sein Arm und sein Oberschenkel pochten dumpf, aber erträglich. Marie saß zusammengesunken an seinem Bett und schluchzte leise, während Nikolaus von Brümme gerade seine Tasche schloss.

    »Na na, jetzt reg dich doch nicht so auf!«, brummte der Chirurg beruhigend. »Er wird ja wieder. Die Wunden sind gesäubert und genäht und werden schnell verheilen. Wer stark genug ist, ein ganzes Wolfsrudel auszuschalten, den bringen ein paar Liebesbisse so schnell nicht unter die Erde.«

    Marie versuchte zu lächeln, aber es wurde nur eine Grimasse daraus.

    »Ich danke Euch für Eure Hilfe!«

    »Ist doch selbstverständlich. Wenn er aufwacht, gib ihm den Trank, den ich ihm gemischt habe. Das gibt Kraft.«

    Damit verließ der Arzt das Zimmer. Marie und Matthias waren allein.

    Als er leise stöhnte, bemerkte Marie, dass er wach war, und beugte sich ängstlich über ihn.

    »Matthias … was machst du nur für Sachen? Tut es sehr weh? Wie geht es dir?«

    Matthias sagte nichts. Er wollte nicht reden, wollte niemanden sehen. Er schloss die Augen wieder. Doch Marie gab nicht nach, plapperte immer weiter.

    »Lass mich«, brummte er nur. Was wollte sie noch? Sie hatte ihn letzte Nacht einfach stehen lassen, so wie die vornehmen Menschen in Rothenburg es taten, wenn sie ihn nicht mehr brauchten. Er fühlte sich verletzt. Nicht am Körper, sondern in seiner Seele.

    Er hörte, wie die Tür sich öffnete. Ließ sie ihn in Ruhe? Doch dann hörte er eine andere Stimme.

    »Na, Marie, hast du es wieder mal geschafft?«

    Es war Lotte, die in das Zimmer gekommen war. Marie wollte etwas sagen, aber Lotte fuhr sie an.

    »Halt einfach mal deinen dummen Schnabel. Ich weiß, was letzte Nacht geschehen ist. Ich bin alt, aber nicht blöde.«

    »Woher … woher weißt du … ?«, stammelte Marie.

    »Ich schlafe doch nur noch wenig und muss ständig pissen. Und da hab ich gehört, wie du ihn angebrüllt hast, ihm Vorwürfe gemacht hast. Bist du noch ganz bei Trost? Das ist nicht die Marie, die ich mit großgezogen habe. Und du warst besoffen wie ein Kutscher zur Brunftzeit der Waldesel! Schäm dich.

    Statt froh zu sein, dass du einen solchen Mann hast, jagst du ihn beinahe in den Tod!«

    Lotte ächzte und setzte sich zu Matthias auf das Bett.

    »Und du, mein Freund«, sie stach mit einem Finger in seinen Bauch, »du lässt dir nicht einfallen, jetzt zu sterben!«

    Matthias schlug die Augen auf. Dieser Frau konnte er sich nicht widersetzen.

    »Warum nicht? Wenn Marie bald eine der feinen Damen ist, dann will sie mit einem Mann wie mir nichts mehr zu tun haben. Ich bin nicht ihr Stand. Ich bin der Henker, der Schinder. Und wenn ich Marie verliere, dann will ich einfach nicht mehr leben!«

    Er schloss die Augen wieder. Marie saß mit offenem Mund auf dem

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