Wenn es besser ist zu schweigen: Familie Dr. Norden - Neue Edition 4 – Arztroman
()
Über dieses E-Book
Weiterhin bleibt die Familie für Daniel Norden der wichtige Hintergrund, aus dem er Kraft schöpft für seinen verantwortungsvollen Beruf und der ihm immer Halt gibt. So ist es ihm möglich, Nöte, Sorgen und Ängste der Patienten zu erkennen und darauf einfühlsam einzugehen.
Familie Dr. Norden ist der Schlüssel dieser erfolgreichsten Arztserie Deutschlands und Europas.
»Wenn das so weitergeht, sind wir innerhalb des nächsten halben Jahres pleite«, murmelte Gregor Werner vor sich hin, den Kopf in die Hände gestützt und über eine Vielzahl von geöffneten Ordnern, Tabellen und Umsatzlisten gebeugt. Die Tür zu seinem Büro im hinteren Teil des exklusiven Starnberger Herrenausstatters stand halb offen, und seine Tochter Teresa schnappte seine Worte auf. Überrascht steckte sie den Kopf zur Tür herein. »Was hast du da gesagt, Papa?« Aus seinen wenig ermutigenden Gedanken gerissen, schreckte Gregor hoch. »Ach, du bist es, Tessa. Kannst du nicht anklopfen?« »Entschuldige, aber die Tür war offen«, maßregelte sie ihren Vater mit strengem Blick. »In Zukunft solltest du mit deinen Selbstgesprächen etwas vorsichtiger sein. Diesmal habe nur ich gehört, was du gesagt hast. Das nächste Mal ist es vielleicht ein Kunde. Kein guter Eindruck, der da entstehen kann.« »Ja, ja, du hast ja recht«, seufzte er schuldbewußt, klappte entschieden die Ordner zu und schob die Unterlagen zusammen. »Ist Kundschaft da?« »Nein, gähnende Leere, schon den ganzen Vormittag. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich noch anstellen soll. Die neue Lieferung ist ausgepackt, alle Regale aufgeräumt.
Andere Titel in Wenn es besser ist zu schweigen Reihe ( 11 )
Deine Liebe tut so weh: Familie Dr. Norden - Neue Edition 1 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Leben ist kein Wunschkonzert: Familie Dr. Norden - Neue Edition 2 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWelcher Mann für welches Leben?: Familie Dr. Norden - Neue Edition 3 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWenn es besser ist zu schweigen: Familie Dr. Norden - Neue Edition 4 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEine Frau mit Charme und Stolz: Familie Dr. Norden - Neue Edition 9 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFang mich auf, wenn ich falle: Familie Dr. Norden - Neue Edition 5 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Schatten der Vergangenheit: Familie Dr. Norden - Neue Edition 8 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIn bester Freundschaft: Familie Dr. Norden - Neue Edition 6 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWie Fremde in der Nacht: Familie Dr. Norden - Neue Edition 7 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZurück im Leben: Familie Dr. Norden - Neue Edition 11 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAlle sind verrückt nach Linda: Familie Dr. Norden - Neue Edition 10 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Mehr von Patricia Vandenberg lesen
Ähnlich wie Wenn es besser ist zu schweigen
Titel in dieser Serie (11)
Deine Liebe tut so weh: Familie Dr. Norden - Neue Edition 1 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Leben ist kein Wunschkonzert: Familie Dr. Norden - Neue Edition 2 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWelcher Mann für welches Leben?: Familie Dr. Norden - Neue Edition 3 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWenn es besser ist zu schweigen: Familie Dr. Norden - Neue Edition 4 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEine Frau mit Charme und Stolz: Familie Dr. Norden - Neue Edition 9 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFang mich auf, wenn ich falle: Familie Dr. Norden - Neue Edition 5 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Schatten der Vergangenheit: Familie Dr. Norden - Neue Edition 8 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIn bester Freundschaft: Familie Dr. Norden - Neue Edition 6 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWie Fremde in der Nacht: Familie Dr. Norden - Neue Edition 7 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZurück im Leben: Familie Dr. Norden - Neue Edition 11 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAlle sind verrückt nach Linda: Familie Dr. Norden - Neue Edition 10 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Ähnliche E-Books
Wenn es besser ist zu schweigen: Dr. Norden Extra 133 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAuf dem Parkett der Liebe: Dr. Norden Bestseller 436 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie geheimnisvolle Frau in Schwarz: Familie Dr. Norden 771 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSo muss ich dich wiedersehen: Dr. Norden Aktuell 10 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Klinik: Die Wahrheit tötet dich Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAlexas gewagter Racheplan: Dr. Norden 169 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLeidenschaft und Eifersucht: Dr. Norden Gold 82 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Liebe kann mich mal Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVertrauen ist nicht nur ein Wort: Dr. Norden Extra 166 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer geteilte Liebhaber: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSo muss ich dich wiedersehen: Dr. Norden Bestseller 573 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVerführerische Augenblicke: Familie Dr. Norden 766 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenOlivia steht sich selbst im Weg: Dr. Norden – Unveröffentlichte Romane 9 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGerechtigkeit Für Belle Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Königin der Nacht: Der neue Dr. Laurin 27 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLass dir helfen!: Dr. Norden 65 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLeidenschaft und Eifersucht: Dr. Norden Extra 67 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLeidenschaft und Eifersucht: Familie Dr. Norden 780 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSommer, Sonne, Leidenschaft: Dr. Norden Bestseller 475 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWenn der Augenschein trügt: Der neue Dr. Laurin 142 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNeid und Eifersucht: Dr. Norden 14 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEmmy: Liebesschnulze mit Hindernissen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVerführerische Augenblicke: Dr. Norden Bestseller 422 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIn bester Absicht …: Dr. Norden Bestseller 416 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWenn Männer tun, was Frauen wollen: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSo muss ich dich wiedersehen: Dr. Norden – Die Anfänge 16 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Fünf-Sterne-Kuss: Ein Romantic-Kiss-Roman - Band 9 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNele muss leben!: Mami 1849 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAbgeworben Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDr. Lammers in Bedrängnis: Dr. Norden Extra 247 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Allgemeine Belletristik für Sie
Das Schloss Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Kinder- und Hausmärchen Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Der Struwwelpeter - ungekürzte Fassung: Der Kinderbuch Klassiker zum Lesen und Vorlesen Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Die Frau ohne Schatten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Schnupfen Bewertung: 3 von 5 Sternen3/5Das Kreuz mit den Präpositionen: Welche Präposition ist richtig? Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGermanische Mythologie: Vollständige Ausgabe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFaust (German Edition) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDienstanweisung für einen Unterteufel Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Zauberberge: Ein Jahrhundertroman aus Davos Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpanisch lernen in kürzester Zeit Sparpaket Teil 1,2,3,4,5 zusätzlich Anfängerteil mit schriftlicher Aussprache Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Welle: In Einfacher Sprache Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Prozeß: - mit Leitfaden zur Interpretation - Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenBegegnungen mit Büchern Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Peperl Mutzenbacher - Tochter der Josefine Mutzenbacher (Ein Erotik, Sex & Porno Klassiker) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie schönsten Erzählungen von Lew Tolstoi Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Das große Buch der Verschwörungen: Vom 11. September bis zu den Schwarzen Koffern Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie schönsten Weihnachtsgedichte (Über 100 Titel in einem Band): Adventlyrik von deutschen Klassikern: Poetische Feier der Weihnachtszeit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenImmanuel Kant: Gesammelte Werke: Andhofs große Literaturbibliothek Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHeinrich Heine: Gesammelte Werke: Anhofs große Literaturbibliothek Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Aristoteles: Gesammelte Werke: Andhofs große Literaturbibliothek Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGrimms Märchen: Gesamtausgabe - 211 Kinder- und Hausmärchen Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Das Nibelungenlied: Vollständige Ausgabe der Nibelungensage Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIm Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque (Lektürehilfe): Detaillierte Zusammenfassung, Personenanalyse und Interpretation Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAndersens Märchen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHandbüchlein der Moral Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSigmund Freud: Gesammelte Werke: Andhofs große Literaturbibliothek Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSternstunden der Menschheit: Historische Miniaturen. Klassiker der Weltliteratur Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5
Verwandte Kategorien
Rezensionen für Wenn es besser ist zu schweigen
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
Wenn es besser ist zu schweigen - Patricia Vandenberg
Familie Dr. Norden - Neue Edition
– 4 –
Wenn es besser ist zu schweigen
Alinas brennendes Geheimnis
Patricia Vandenberg
»Wenn das so weitergeht, sind wir innerhalb des nächsten halben Jahres pleite«, murmelte Gregor Werner vor sich hin, den Kopf in die Hände gestützt und über eine Vielzahl von geöffneten Ordnern, Tabellen und Umsatzlisten gebeugt. Die Tür zu seinem Büro im hinteren Teil des exklusiven Starnberger Herrenausstatters stand halb offen, und seine Tochter Teresa schnappte seine Worte auf. Überrascht steckte sie den Kopf zur Tür herein.
»Was hast du da gesagt, Papa?«
Aus seinen wenig ermutigenden Gedanken gerissen, schreckte Gregor hoch.
»Ach, du bist es, Tessa. Kannst du nicht anklopfen?«
»Entschuldige, aber die Tür war offen«, maßregelte sie ihren Vater mit strengem Blick. »In Zukunft solltest du mit deinen Selbstgesprächen etwas vorsichtiger sein. Diesmal habe nur ich gehört, was du gesagt hast. Das nächste Mal ist es vielleicht ein Kunde. Kein guter Eindruck, der da entstehen kann.«
»Ja, ja, du hast ja recht«, seufzte er schuldbewußt, klappte entschieden die Ordner zu und schob die Unterlagen zusammen. »Ist Kundschaft da?«
»Nein, gähnende Leere, schon den ganzen Vormittag. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich noch anstellen soll. Die neue Lieferung ist ausgepackt, alle Regale aufgeräumt. In meiner Verzweiflung habe ich sogar die Kaffeemaschine geputzt.«
»Dann muß dir wirklich langweilig sein«, warf Gregor mit einem sarkastischen Lächeln ein. Er kannte seine älteste Tochter Teresa schließlich gut genug, um zu wissen, daß ihr jede Form von Hausarbeit höchst zuwider war. »Was sollen wir denn nur tun, um mehr Kunden in den Laden zu locken?« kam er dann auf das im Moment drängendste Problem zurück. Sein Blick schweifte durch das noble Ambiente des Geschäfts, über den glänzenden Marmorboden, die funkelnden Vitrinen, die wohlsortierten Ständer voll edler Anzüge und Kombinationen bis hinüber zur freischwebenden Treppe, die hinauf auf eine imposante Galerie führte. In besseren Tagen hatten sich hier hübsche männliche und weibliche Models ein Stelldichein gegeben und eine gutsituierte Schar an Gästen mit herrlichen Kleiderschauen zum Kauf animiert. Aber diese Zeiten waren längst vorbei, die Kundenschar zu anderen, teuren Pflastern wie Rottach-Egern und Bad Wiessee weitergewandert. Teresa las im Gesicht ihres Vaters und lachte hart.
»Mit Träumereien von besseren Zeiten holst du sie auf jeden Fall nicht zurück. Wir müssen uns was einfallen lassen, Einkaufsgutscheine, Blumensträuße beim Besuch, Champagner, was weiß ich. Du bist doch der Marketing-Fachmann. Bisher ist dir doch noch immer was eingefallen.«
»Schon, aber da war noch genug Geld in der Kasse. Jede Maßnahme verschlingt Unsummen. Wenn ich allein an das Porto für die Mailings denke…, da führt im Moment kein Weg hin.« Ratlos zuckte Gregor mit den Schultern, als die kleine Messingglocke an der Glastür eifrig durch den Laden klingelte und Kundschaft ankündigte. Schnell strafften sich Gregors hängende Schultern. Auch Teresa strich sich unauffällig über den kurzen Rock, ehe sie sich mit einem gewinnenden Lächeln umdrehte, um die ersten Kunden des Tages, ein offenbar gutsituiertes Paar mittleren Alters zu empfangen.
Von den geschäftlichen Sorgen, die sich drohend wie dunkle Wolken über ihrer Familie zusammenbrauten, ahnte Elsbeth Werner nichts. Offenbar zufrieden mit sich und der Welt kochte sie Teewasser in ihrer Küche des riesigen, altbackenen Einfamilienhauses und war stolz auf ihren Mann und die älteste Tochter, die zielstrebig ihren Weg verfolgte. Nach einem Studium der Betriebswirtschaft war die intelligente, ehrgeizige Teresa zum Stolz ihres Vaters in das in dritter Generation bestehende Geschäft eingestiegen. Elsbeth goß den Tee auf und mußte unwillkürlich lächeln, wenn sie an ihre jüngere Tochter Alina dachte, die das genaue Gegenteil ihrer Schwester zu sein schien. Statt sich wie Teresa mit Feuereifer auf ihr berufliches Fortkommen zu konzentrieren, legte Alina nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr ein und begann dann ein Kunstgeschichte-Studium, das sie in aller Seelenruhe und nicht mit übertriebenem Ernst verfolgte.
»Woran denkst du denn, Schätzchen?« Noch während sie dampfend heißen Tee in zierliche Porzellantassen einschenkte, wurde Elsbeth von ihrer Freundin Doris, einem seltenen Gast, aus ihren Gedanken gerissen.
»Ach, ich dachte nur gerade an die beiden Mädchen«, antwortete Elsbeth unbefangen und ließ sich auf der anderen Seite der üppigen Couchgarnitur nieder. Sie schob ein großes Tortenstück auf den Teller ihrer Freundin und bediente sich dann selbst. »Wie kommt es, daß zwei Schwestern nur so unterschiedlich sein können? Auf der einen Seite Teresa, die schon immer wußte, was sie wollte und fleißig für ihre Ziele arbeitet. Und auf der anderen Seite Alina, verträumt, kreativ, auch intelligent, aber auf eine ganz andere Art als Teresa.«
»Hast du schon mal drüber nachgedacht, daß sie sich unbewußt von der übermächtigen Schwester abgrenzt?«
»Wie meinst du das?« Milde lächelnd hob Elsbeth ihre Tasse und nahm einen vorsichtigen Schluck, ehe sie mit gutem Appetit ein großes Stück Torte in den Mund schob. Sie kannte die Vorliebe ihrer Freundin für psychologische Deutungen, teilte sie aber ganz und gar nicht. Dafür hielt sie sich schlicht für zu bodenständig, lauschte aber trotzdem mit freundlicher Aufmerksamkeit, um Doris nicht zu verstimmen.
»Ganz einfach. Wenn ich keine Chance habe, jemandem auf seinem Gebiet das Wasser zu reichen, mache ich eben was anderes. Das hat noch nicht mal was mit höherer Psychologie zu tun«, las Doris amüsiert die Gedanken ihrer Freundin. »Was treibt Alina denn im Moment?«
»Sie studiert im dritten Semester Kunstgeschichte«, atmete Elsbeth heimlich erleichtert auf, diesem für sie ungreifbaren Thema entkommen zu sein. »Wir haben ja nie in der Familie darüber gesprochen, aber Kunstgeschichte war immer mein heimlicher Traum. Wenn ich Gregor nicht so früh getroffen hätte, wer weiß…«, begann sie mit offenen Augen zu träumen, und Doris lächelte wieder.
»Die Gene lassen sich nicht verleugnen. Aber wenn es immer dein Traum war, warum hast du ihn dann nie in die Tat umgesetzt? Jetzt, wo die Kinder groß sind, hättest du doch alle Zeit der Welt.«
»Ich und Zeit?« Elsbeth lachte. Es sollte ein freudiges, belustigtes Lächeln sein, aber zu ihrer Verwunderung klang es hart und schrill. »Schau dich doch mal um, dieses riesige Haus, der große Garten. Ich bin jeden Tag viele Stunden mit der Pflege beschäftigt. Und dann die Einkäufe, meine Besuche bei Frau Dürer, der alten, pflegebedürftigen Dame, das alles nimmt viel Zeit in Anspruch.«
»Warum leistest du dir keine Haushaltshilfe? Dein Mann verdient mit dem Laden in Starnberg sicherlich gut.«
»Natürlich, das Geschäft läuft brillant. Ich bin sehr stolz auf Gregor und Teresa. Aber eine Haushaltshilfe kommt nicht in Frage. Gregor will nicht, daß eine Fremde in seinem Haus und seinen Sachen herumschnüffelt.«
Doris betrachtete ihre Freundin kopfschüttelnd. Das Lächeln auf ihrem Gesicht war festgefroren. Was war nur aus ihrer Busenfreundin, der temperamentvollen, lebenslustigen Elsbeth aus früheren Jahren geworden? Während sie selbst, Doris, nach dem allzu frühen Tod ihres geliebten Ehemannes ein wie immer unabhängiges, erfülltes Leben führte, schien Elsbeth in ihrer Familie und den damit verbundenen Konventionen erstarrt zu sein. Darüberhinaus machte sie keinen besonders gesunden Eindruck. Die einst glänzenden Augen waren stumpf geworden, Arme und Beine streichholzdünn, während sich ein deutlicher Bauch unter dem Pullover abzeichnete.
»Na schön, aber soviel Schmutz wird doch nicht anfallen, wenn dein Mann den ganzen Tag außer Haus ist, Teresa alleine lebt und Alina nur hin und wieder hier aufkreuzt«, machte sie einen letzten Versuch.
»Ich sagte doch schon, die Einkäufe, die alte Frau Dürer, das alles braucht Zeit«, wiederholte Elsbeth hartnäckig und deutlich verstimmt. Ohne sagen zu können warum, rührte diese Diskussion an einen ihrer wunden Punkte, über die sie lieber nicht so gründlich nachdachte. »Außerdem, wenn ich mir vorstelle, ich alte Schachtel inmitten dieser ganzen zwanzigjährigen Hüpfer, wie käme ich mir denn da vor?« fiel ihr in letzter Sekunde eine abschließende Ausrede ein,
