Aus Feuer und Asche: Das Katzenmädchen
()
Über dieses E-Book
Ohne die Liebe der Mutter, aber mit einem starken Überlebenswillen und der Gabe, Tiere zu verstehen, wächst die kleine Fanny zu einem aufgeweckten Mädchen heran.
Dieser Roman ist eine Hommage an das Schicksal unzähliger Frauen der Kriegs- und Nachkriegszeit.
Hannelore Deinert
Hannelore Deinert ist in Kelheim an der Donau geboren und wuchs ohne Vater auf, er ist im Krieg geblieben. Nach einigen Wanderjahren und einem sehr intensiven Familien- und Berufsleben, sie betrieb in Münster bei Dieburg ein Spielwaren- und Bastelgeschäft, fand sie die Zeit, ihrer Leidenschaft, dem Schreiben, nachzukommen. Sie absolvierte erfolgreich ein Literatur Fern-Studium und schreibt Romane, Kurzkrimis, Gedichte, Jugend- und Kindergeschichten. Ihr Motto ist: Licht blendet zu sehr, zum Glück gibt es den Schatten.
Mehr von Hannelore Deinert lesen
Der Graf von Transsilvanien: Eine zufällige Begegnung Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWie der Hase zu den Ostereiern kam: Ferdi sucht den Osterhasen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAn einem Weihnachstag Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin anderer Horizont, ein anderes Leben: Wer bist du, Fremder? Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHoppla, da kommt Anika Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFrederik Wolf: Im Tal der Erdmänner Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLasst die Kinder fliegen: Von Eltern und Ihren Kindern Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGeliebtes und verfluchtes Land: Schicksal und Flucht einer schlesischen Familie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Luftpost: Das Ende der Zivilisation Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch leih mir Sterne vom Himmel: Was ich Dir schon immer sagen wollte Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Mühle an der Mordach: Der Verrat Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Brot der Schwarzen Erde Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer gute Hilfs-Nikolaus: Zwei fast wahre weihnachtliche Geschichten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEmma Stadlbauer: Des Kindermordes angeglagt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Ähnlich wie Aus Feuer und Asche
Ähnliche E-Books
Nina spielt Vermittler: Sophienlust Bestseller 25 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKleine Adoptivschwester: Sophienlust Bestseller 127 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch gebe mein Brüderchen nicht her: Sophienlust 118 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNadine – das Findelkind: Dr. Norden Bestseller 287 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Baby vor der Praxistür: Dr. Norden Extra 3 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFür Mutti tue ich alles: Sophienlust Bestseller 206 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNur ein einziger Augenblick ...: Mami 1903 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFür euch will ich leben: Sophienlust (ab 351) 403 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMeine süße kleine Fee: Mami Bestseller 64 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMutti, Vita, holt mich heim: Sophienlust Bestseller 120 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMissbraucht!: Familie Dr. Daniel 4 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenPflegekind Mila: Sophienlust - Die nächste Generation 63 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpatz im fremden Nest: Sophienlust Bestseller 103 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenJenseits von Oberhessen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGute Reise, Tante Britta Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHeike weiß, was sie will: Sophienlust 283 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEinst war sie seine große Liebe: Kurfürstenklinik 20 – Arztroman Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Nur noch diesen einen Kuss …: Kurfürstenklinik 36 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpuren des Bösen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZu jung für ein Kind?: Sophienlust - Die nächste Generation 8 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch wusste, dass du kommst: Sophienlust Extra 191 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Betrüger im Spiel: Dr. Laurin – Neue Edition 15 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEinst war sie seine große Liebe: Kurfürstenklinik 120 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKein Leben ohne Lia Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWeihnachten im ganzen halben Haus Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMissbraucht!: Dr. Daniel 102 – Arztroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenStudentenehe: Sophienlust 157 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenStudentenehe: Sophienlust Bestseller 158 – Familienroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpannende Begegnung in den Bergen: Toni der Hüttenwirt 371 – Heimatroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSpannende Begegnung in den Bergen: Toni der Hüttenwirt Extra 84 – Heimatroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Biografien / Autofiktion für Sie
Der Mann ohne Eigenschaften Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Idiot: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKrieg und Liebe: Erich Maria Remarque und die Frauen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenStolz und Vorurteil: Vollständige deutsche Ausgabe mit neuer Rechtschreibung Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen33 Länder, 33 Wochen, 33 Jobs: Als Jobhopper unterwegs von Aalborg bis Zagreb Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHinter Frack und Fliege: Intime Geschichten um die Wiener Symphoniker 1977 bis 1988 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMontaigne Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSeelenTanz: John Cranko und das Wunder des Balletts Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGanz normale Tage: Geschichten von Träumen und Traumata Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Neurochirurg, der sein Herz vergessen hatte: Eine wahre Geschichte Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDIE SEELE IM JENSEITS. Erleuchtung geschieht, wenn von uns nichts als Liebe übrig ist Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Bahnwärter Thiel Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMao Zedong. ›Es wird Kampf geben‹: Eine Biografie Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Im Familiengericht mit einem Narzissten: Russisches Roulette in deutschen Behörden Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWolfgang Borchert: Alle Werke, alle Schriften: Die Gesamtausgabe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMagellan Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Tochter des Bildhauers Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Trinker: - Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAchterbahn - Eine Biografie Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Limonow Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Kundalini und die Lehren eines Meisters Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Warum nur einen lieben, wenn ich alle haben kann?: Bekenntnisse einer Nymphomanin Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWie das Jugendamt wirklich tickt: Meine Erfahrungen mit dem Jugendamt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEiserner Wille: Mein Leben und die Lektionen von Cus D'Amato Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDraußen vor der Tür Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenYo es otro. Septología III-V: Septología III-V Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Rezensionen für Aus Feuer und Asche
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
Aus Feuer und Asche - Hannelore Deinert
Inhalt
Nur ein kleiner Fehltritt
Das unerwünschte Kind
Der Tod wohnt nebenan
Meinen herzlichsten Dank an
alle, die zum Gelingen des Werks
beigetragen haben.
Impression:
Ein Menschenkind verirrt sich schutzlos in einer bedrohlichen, ihm feindlich gesinnten Welt. Es ist ein ungebetener Eindringling, den man wie eine junge, lästige Katze beseitigen will, weil man glaubt, es stände dem Glück im Wege.
Aber es hat einen Fürsprecher, einen guten Stern, nur wenn er erlischt, dann wird es allzu dunkel und kalt.
Aus Feuer und Asche erblüht neues Leben, irgendwann und unaufhaltsam. Das ist die Hoffnung.
Diese Geschichte beruht auf wahre Begebenheiten, die sich während des zweiten Weltkriegs zugetragen haben.
Die Namen der Protagonisten wurden geändert.
Nur ein kleiner Fehltritt
Maikäfer flieg’!
Dein Vater ist im Krieg.
Deine Mutter ist in Pommerland,
Pommerland ist abgebrannt.
Maikäfer flieg’."
(Wiegenlied aus den Kriegsjahren)
Eigentlich war dieser herrliche Maimorgen im Jahre 1941 wie geschaffen für Glücksgefühle, aber Karin Gruber wurde, als mit dem etwas schwergängigen Herrenfahrrad, das sie sich von ihren Wirtsleuten ausgeliehen hatte, den langgezogenen Hügel hinauf strampelte, von Angst und Ratlosigkeit getrieben. Endlich oben, stieg sie vom Rad, zog das selbstgehäkelte Jäckchen aus und legte es hinter sich in den Fahrradkorb. Es war ihr trotz der Morgenkühle warm geworden und es lag noch ein weiter Weg vor ihr.
Sie hatte die Eltern schon lange nicht mehr besucht, denn es machte keinen besonderen Spaß, das schwarze Schaf der Familie zu sein. Sie war das siebte von den acht Kindern der Bauersleute Alois und Eva Niederhammer, die in der Niederbayrischen Gemarkung Train einen Hopfenbauernhof bewirtschafteten.
Zwei Militärsjeeps kamen Karin entgegen. Die Soldaten darin winkten der hübschen, jungen Frau übermütig zu, Karin winkte zurück. So ein fescher Soldat auf Krankenurlaub war es gewesen, der für das Dilemma, in dem sie sich jetzt befand, verantwortlich war.
Während Karin einen Hügel hinunter raste, wobei ihr dunkelbraunes, langes Haar wie eine Fahne hinter ihr her wehte und ihr Rock heftig im Fahrwind flatterte, tauchten schon die ersten Hopfengärten auf, der junge Hopfen rankte sich bereits an den dicken Drähte zu dem Gerüst hinauf, welches von dicken Balken getragen wurde.
Karins Gedanken aber schweiften zu jenem Abend zurück, an dem sie mit ihrer Freundin Hilde im Cafe Amman gesessen hatte:
Es war das beliebteste Tanzkaffee in Kelheim und an den Wochenenden immer gut besucht. Abends tanzten die jungen Leute gern nach den besinnlichen oder flotten Klängen eines elektrischen Klaviers.
Auch an jenem Abend saßen Karin und Hilde an ihrem Lieblingstisch, ganz hinten am Fenster, wo man weitgehendst ungestört war und das Lokal gut überschauen konnte. Während sie Lale Andersons gefühlvolles Lili Marlene lauschten, wurde Karin auf die jungen Männer am Nebentisch aufmerksam. Sie waren in Zivil, rauchten und unterhielten sich leise miteinander, wobei sie, wie Karin belustigt bemerkte, verstohlene Blicke zu ihr und Hilde herüberwarfen. Als einer von ihnen, ein fast nobel aussehender junger Mann mit rotblondem Haar, herüberkam und sie mit einer leichten Verbeugung um einen Tanz bat, sah sie keine Veranlassung, dies abzulehnen. Sie stand lächelnd auf und ging ihm voran zur Tanzfläche. Weitere Paare folgten, auch Hilde mit einem jungen Mann mit einer Augenbinde. Die kleine Tanzfläche füllte sich.
Sie wiegten sich im Takt und Karin lauschte der leisen, angenehmen Stimme ihres Tanzpartners dicht an ihrem Ohr. Er sprach von einem verirrten Granatsplitter, der ihm eine Woche Fronturlaub beschert hatte, aber schon morgen früh müsse er zurück zu seiner Einheit. Ob er jemals wiederkehren würde, das weiß nicht einmal der liebe Gott. Während er Karin sanft an sich zog und sie von Fritz, ihrem Mann, erzählte, von dem sie seit Monaten nichts mehr gehört, geschweige denn gesehen hatte und den sie so sehr vermisste, überkam beide eine große Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Nähe. Karin blickte in zwei sehnsüchtige Augen, sie ließ es zu, dass er den Arm um sie legte und hinausführte. Sie schlenderten Arm in Arm durch eine stille Gasse, am „Alten Markt" bogen sie hinter dem Brauhaus in den schmalen Weg zum Kanal ein. Dort küssten sie sich, an der Uferböschung breitete er seine Jacke aus und einen seligen Moment lang gaben sie sich ihrem Hunger nach Nähe hin, sie vergaßen den Krieg und die Sorgen, sie vergaßen die Welt um sich.
Danach brachte der Fremde Karin, zärtlich einen Arm um sie gelegt, nach Hause. Sie wohnte am ‚Alten Markt’, in einem kleinen Haus, in dem sich ein Milchlädchen befand, einige abgetretene, in das Haus gebaute Steinstufen führten zu ihm hinauf. Ein hoher Lattenzaun verband das Haus mit dem zweistöckigen Nachbargebäude und grenzte einen Innenhof zur Straße hin ab.
Karin und der Soldat blieben vor der Lattentür stehen, er nahm ihr Gesicht in die Hände und flüsterte: „Wenn es mir dreckig geht, schöne Unbekannte, dann denk ich an dich, dann werde ich alles überstehen können."
Dann schritt er schnell Richtung Donaustraße davon. Karin sah seiner aufrechten, von den Straßenlaternen schwach beschienenen Gestalt nach, bis sie, sich noch einmal umwendend und zurückwinkend, an der Hausecke des Cafés Amman verschwand.
Karin ging durch den Innenhof zum Abort, er befand sich am Ende des Hofs, in einem niedrigen Gebäude, das plan an die kahle Wand des zweistöckigen Nachbargebäudes grenzte. Unter dem zum Hof hin leicht abfallendem Dach befanden außer dem Abort noch ein Schuppen und eine Waschküche. Die Bretterwand an der Straßenseite gegenüber schloss den Hof hermetisch von der Außenwelt ab.
Obwohl Obermüllers, die Vermieter, hier regelmäßig für Sauberkeit sorgten, die Sitzfläche mit dem runden, abnehmbaren Holzdeckel und der Bretterboden wurden jeden Tag geschruppt, legte Karin die Sitzfläche sorgfältig mit Zeitungspapier aus, davon lag reichlich bereit, denn Herr Obermüller war ein fleißiger Zeitungsleser. Aus der Setzgrube roch es streng, Karin war froh, als sie wieder draußen war und tief die frische Nachtluft einatmen konnte. Sie betrachtete kurz den klaren Sternenhimmel, dann betrat sie das Haus durch die seitlich gelegene Haustür und stieg die schmale Holzstiege zum Taubenschlag hinauf. So hatten Fritz und sie die kleine Mansarde, in die sie schon vor ihrer Heirat eingezogen waren, getauft.
Die Kammer, die sie betrat, wurde vom übrigen Dachboden durch eine Bretterwand abgetrennt, sie war geräumig und niedrig. Unter die Dachschräge hatte Fritz ein offenes, grobes Regal eingebaut, in dem Küchenutensilien und Lebensmittel untergebracht waren. Die zwei kleinen Fenster gingen zu den Gärten der Häuser hinaus, davor stand ein noch recht ansehnliches, bequemes Kanapee, das Hilde, Karins Freundin, irgendwo organisiert hatte. In der Raummitte stand ein schlichter Holztisch mit einer hübschen Tischdecke darauf, er war von vier Stühlen umgeben. Von der Decke hing ein Kabel mit einer nackten Glühbirne herab, einen Schirm konnte Karin noch nicht auftreiben. Links neben der Tür befand sich der Herd mit den drei Ofenplatten und rechts eine Bretterwand mit einer Tür, die in einen schmalen Raum, kaum größer als eine Abstellkammer, führte. Zwei Betten standen darin und unter der Dachschräge ein schäbiges, viertüriges Seitboard und ein Bretterregal, in denen die Wäsche der kleinen Familie Platz fand. Fritz‘ geliebte Gitarre lag in einem Leinenbeutel auf dem Seitboard.
Unter dem winzigen Fensterchen stand ein Bett, indem Karins vierjähriges Söhnchen Andi friedlich schlief. Karin hatte die bloße Glühbirne, die von der Decke hing, brennen lassen und mit einem Tuch abgedeckt, sodass ein sanftes Schlummerlicht den Raum schwach erhellte, die Obermüllers hatte sie gebeten, ein Auge und ein Ohr auf das schlafende Kind zu haben. Obermüllers taten es gern, sie hatten Verständnis für die junge Frau, wenn sie gelegentlich ausgehen wollte.
Nun galt Karins erster Blick ihrem schlummernden Söhnchen. Sein kurzes Blondhaar war verwuselt und sein freches Sommersprossengesichtchen gerötet und gelöst im Schlaf. Wieder stellte Karin gerührt fest, wie unwahrscheinlich er seinem Vater ähnelte.
Müde ging sie in den Wohnraum zurück, schöpfte aus dem Warmwasserbehälter des Herds warmes Wasser in eine Schüssel und wusch sich sorgfältig, wobei sie darauf achtete, sparsam mit der nach Veilchen duftenden Seife umzugehen. Sie und das ebenfalls nach Veilchen duftende Badesalz waren Hochzeitsgeschenke von Horst und Arnold, ihren Trauzeugen, sie waren Raritäten, denn in der Seifenfabrik, in der sie arbeitete, wurde nur gewöhnliche Kernseife hergestellt.
Danach legte sich Karin in das zweite Bett in der Schlafkammer und dachte an Fritz, ihrem Mann.
„Mein Gott, dachte sie, „wie konnte mir das nur passieren? Welcher Teufel hat mich nur geritten?
Sie schämte sich, aber sie hatte nicht wirklich das Gefühl etwas Schlechtes getan zu haben. Sie sah nicht wirklich einen Grund, dieses Erlebnis zu vergessen oder zu verdrängen, denn es war Fritz gewesen, den sie geliebt hatte. Aber Fritz durfte trotzdem nie etwas davon erfahren. Nie und nimmer.
Natürlich war sie nie ein Kind von Traurigkeit gewesen, und als sie Fritz Gruber vor fünf Jahren begegnete, da hatte sie nicht lange nach seinem Woher und Wohin gefragt. Er war von Anfang an ihre große Liebe gewesen, bis heute, daran konnte auch die Ablehnung der Eltern und der Geschwister nichts ändern. Erst recht nicht die verfluchte Schwangerschaft.
Wieder fühlte Karin eine ohnmächtige Wut in sich aufsteigen. „Der Fremde ist weg", dachte sie bitter, „und spielt irgendwo in Frankreich oder sonst wo den Helden. Sie durfte nun allein diesen winzigen Moment der Schwäche ausbaden. War das gerecht?
Nun war sie nach all den Jahren auf dem Weg zu den Eltern. Es würde ein Canossagang werden, das wusste Karin, aber sie würde nicht reumütig und demütig zurückkommen, sie brauchte keine Vergebung für dass, was sie getan hatte, sie brauchte nur ein wenig Zuwendung, brauchte Verständnis und Rat, vielleicht auch ein wenig Hilfe. Sie fühlte sich so allein.
Währenddessen war es Mittag geworden und Karin hatte einen Großteil ihres Weges, von Kelheim nach Train waren es etwa zwanzig Kilometer, zurückgelegt. Gelegentlich kam ihr ein Militärfahrzeug oder ein Pferde- oder Ochsengespann entgegen, die hauptsächlich von Frauen oder Burschen oder älteren Männern, die für den Wehrdienst zu jung oder zu alt waren, gelenkt wurden. Karin hoffte, dass ihr Vater noch nicht eingezogen worden war.
Auf den Äckern arbeiteten junge Frauen, die ihren Arbeitsdienst bei den Bauern ableisten mussten. Natürlich auch polnische Zwangsarbeiterinnen, die froh waren, nicht in einer Rüstungsfabrik arbeiten zu müssen, die überall wie Pilze aus dem Boden wuchsen. Sie winkten Karin zu, die schon mühsamer in die Pedale ihres schweren Fahrrades treten musste, Karin winkte zurück.
Sie hatte nie viel mit Stall- und Feldarbeit am Hut gehabt, wusste sich immer erfolgreich davor zu drücken, was bei den Geschwistern natürlich nicht gut ankam.
Karin hatte es geliebt, beim Vater zu sitzen, wenn er abends mit den anderen Bauern der kleinen Gemarkung beim Ochsenwirt saß, einen zünftigen Schafskopf drosch, dabei seinen Schoppen Bier trank und sich gerne eine Prise Schnupftabak reinzog. Schon mit neun Jahren war sie ein ernstzunehmender Gegner für die alte Schafskopfriege gewesen, worauf Bauer Niederhammer natürlich immer mächtig stolz war. Ihr gelang es zur Freude der Mutter auch, den Vater meist beizeiten, wenn auch schon mit leichter Schlagseite nach Hause zu manövrieren.
Sie war gerade vierzehn Jahre alt und hatte eben die Volksschule hinter sich, als sie schon beim Ochsenwirt beim Bedienen mithelfen durfte und sich bei ihm zunehmend unentbehrlich machte. Natürlich kam sie nicht ganz davor herum, auf den Feldern und Wiesen beim Ernten mitzuhelfen oder der Mutter im Haus zur Hand zu gehen, aber sie brauchte zum Beispiel nicht wie die Geschwister morgens um fünf im Stall zu stehen, auszumisten und die Kühe zu melken, denn sie hatte ja bis spät in die Nacht hinein bedient und nebenbei reichlich Trinkgelder kassiert.
Bislang hatten die Geschwister, zuerst Eva, die ältere, dann Lenz und dann Sepp im Ochsenwirt geheiratet und waren danach weggezogen. Als Karins Lieblingsbruder Georg seine Elisabeth heiratete, platzte der Ochsenwirt aus allen Nähten. Ein Schlagzeuger, ein Saxophonist und ein Gitarrist, der auch sang, sorgten für Stimmung und brachten die Hochzeitsgesellschaft ordentlich in Schwung, sie wurden von der anwesenden Weiblichkeit kräftig angehimmelt.
Karin half beim Bedienen und hatte alle Hände voll zu tun. Den Gitarristen allerdings konnte sie trotzdem weder überhören, schon gar nicht übersehen. Er spielte und sang wie ein junger Gott und sah auch so aus. Er hatte eine sportliche Figur, ein freches, hübsches Gesicht und blondes Haar, das ihm bei jeder seiner rhythmischen Bewegungen in die breite Stirn fiel.
Bald bemerkte Karin geschmeichelt, dass er ihr mit seinen blauen Augen überallhin folgte und sie schenkte ihm dafür, wann immer sich ihre Blicke begegneten, ihr allerliebstes Lächeln.
Fritz Gruber aber sang und spielte nur für das Mädchen im engen, schwarzen Kleid mit dem weißen Kragen und dem weißen Schürzchen. Traumhaft sicher und mit katzenhafter Geschmeidigkeit balancierte sie die Tabletts mit den überschäumenden Bierkrügen durch die Tanzenden, von Tisch zu Tisch, unglaublich bei der knabenhaft zarten Figur. Er bewunderte ihr dunkles, seidiges Haar, welches zu einem Pferdeschwanz gebunden, bei jeder ihrer Bewegungen lustig wippte, und die dunklen Löckchen, die aufs lieblichste ihr ovales, hübsches Gesicht und ihren Nacken umspielten. Wenn sie ihm und seinen Kameraden einen Schoppen Bier brachte, verliebte er sich in ihre sanften, rehbraunen Augen und in ihr bezauberndes Lächeln, das offensichtlich nur ihm galt.
Nun, es kam wie es kommen musste, nicht die Braut wurde in dieser Hochzeitsnacht entführt, sondern Karin vom Gitarristen.
Das war schlimm genug, dachte Karin und quälte sich wieder einen Buckel hinauf, aber was dann kam, konnten ihr die Eltern nicht verzeihen.
Drei Tage war sie bei Fritz, in seiner winzigen Junggesellenbude gewesen. Sie feierten ihre Liebe, sie scherzten, lachten und Fritz kochte Rührei und Bratkartoffeln.
Dann war sie mit Fritz nach Hause gegangen, sie wollte ihn in ihrer Naivität den Eltern vorstellen und Fritz wollte um ihre Hand anhalten. Aber die Eingangstür war verschlossen gewesen, Karin wusste bis dato gar nicht, dass es einen Schlüssel dafür gab, ein kleiner Koffer stand davor.
Sie trommelte mit beiden Fäusten an die Tür und rief nach den Eltern, da war der Vater mit verkniffenem Gesicht herausgekommen. Sie wollte ihm erklären, ihm von ihrer Liebe erzählen, vielleicht sich auch entschuldigen, aber er hatte nur mit starrem Blick an ihr vorbeigeschaut und gesagt: „Nein, Karin, es ist vorbei. Du hast einen Schlussstrich gezogen, du hast uns das Herz gebrochen. Erwarte nichts mehr von uns."
Dann hatte er die Tür zugemacht, ohne Fritz überhaupt wahrgenommen zu haben.
Karin stand da, als wäre sie vom Blitz getroffen worden, ungläubig hatte sie die verschlossene Haustür angestarrt. Fritz nahm sie tröstend in die Arme und drückte ihren Kopf an seine Brust. Sie hatte sich unwillig freigemacht und war mit steifen Knien zu Hector, dem Hofhund, gegangen, hatte ihn gestreichelt, ein letztes Mal. Dann hatte sie wie um Abschied zu nehmen über den Hof geschaut, alles war so still und traulich gewesen, so als wäre nichts passiert. Die Geranien vor den kleinen Fenstern im Erdgeschoss blühten, sie waren Mutters Stolz, die angebauten Stallungen mit der Tenne darüber lagen völlig friedlich da. Auf der Anhöhe dahinter wusste Karin den Apfelhain, den sie so mochte, ein stabiler Holzsteg, über den die Ernten eingefahren werden, verbindet ihn mit der Tenne.
Sie schaute in den überdachten Durchgang hinein, der zum Abort und dem Kräutergärtchen der Mutter führt, er war wie immer reinlich gefegt. Er verbindet die Stallungen mit dem längst stehenden Geräteschuppen mit dem großen, zweiflügligen Tor. Das angebaute Gewölbe, ehemals ein Schweinestall, grenzt an die Dorfstraße und dient jetzt als Schlafplätze für die Saisonarbeiter. Gegenüber schließt die fensterlose Fassade des Ochsenwirts den Hof wie ein Atrium ab. Zwei Zufahrten von der Dorfstraße herkommend, dazwischen ein ummauerter, im Boden eingelassener Misthaufen, erlauben ein problemloses Ein- und Ausfahren der Fuhrwerke, ohne dass gewendet werden muss.
Fritz hatte Karin ein wenig Zeit gelassen, dann hatte er seinen Arm um ihre Schultern gelegt, ihren Koffer aufgenommen und sie sachte aus dem Hof geführt. Karins Herz war so schwer wie ein Stein gewesen, willenlos ließ sie sich leiten. Beim Ochsenwirt wollte sie in die Gaststube laufen, um sich zu verabschieden, aber Fritz hatte sie weitergezogen, zur Bushaltestelle, einige Bauersleute hatten ihnen verwundert nachgeschaut. Als der Bus kam, waren sie eingestiegen und durch einige Dörfer gefahren, bis zu dem Ort, in dem Fritz und seine Freunde wohnten. Dort, in einer Dorfkneipe, in der die jungen Männer oft einkehrten und zu Mittag aßen, hatten sie auf Fritz‘ Freunde, Horst und Arnold, gewartet.
Karin hatte wie ein aus dem Nest geschubster, kleiner Vogel ausgesehen. Fritz hatte versuchte, ihre Tränen und ihren Kummer einfach wegzuküssen. Dann waren Horst und Arnold gekommen und es wurden eifrig Zukunftspläne geschmiedet. Dabei hatten Karins Bauernstolz und ihr frecher Egoismus endlich wieder Oberhand gewonnen
Zuerst wollten sie es in Kelheim versuchen, dort, in der Kreisstadt, rechneten sie sich die besten Chancen aus, um sich in den zahlreichen Lokalen und Tanzkaffees bekannt zu machen.
„Kannst du singen, Karin?", hatte Arnold gefragt.
„Wie eine Krähe, hatte Karin lachend geantwortet, „aber ich mag Musik.
Fritz‘ Sachen hatten in einem kleinen Koffer gepasst. Er bezahlte seine Zimmermiete, dann fuhren sie noch am gleichen Tag voller Zuversicht mit einem Bus nach Kelheim.
Das Städtchen Kelheim liegt am Ende eines Jura-Berglandes, zwischen dem Fluss Donau und dem kleineren Flüsschen Altmühl, sie hatten sich in Jahrmillionen ihre Betten durch die felsigen Hügel des Jura-Berglands gegraben. Einige Kilometer nach Kelheim mündet die Altmühl in die Donau, davor erstreckt sich ein nur wenig von Menschen besiedeltes Sumpfgebiet, in dem sich Reiher, Störche, Wildgänse, Enten und zahllose Amphibien, wie Frösche, Kriechtiere, Echsen heimisch fühlen.
Kelheim ist eine lebendige Kleinstadt, deren Hauptstraße von schönen Bürgerhäusern gesäumt und von einer gut
