Über dieses E-Book
Barbara Cartland
Barbara Cartland war die produktivste Schriftstellerin der Welt. Sie schrieb zu Lebzeiten 723 Bücher, von denen nicht weniger als 644 Liebesromane waren, die sich weltweit über eine Milliarde Mal verkauften und in 36 Sprachen übersetzt wurden. Neben Liebesromanen schrieb sie außerdem historische Biografien, Theaterstücke und Ratgeber. Ihr erstes Buch schrieb sie im Alter von 21 Jahren – es wurde auf Anhieb ein Bestseller. Ihr letztes Buch schrieb sie im Alter von 97 Jahren und es trug den vielleicht prophetischen Titel »Der Weg zum Himmel«. Zwischen den 1970er und 1990er Jahren wurde Barbara Cartland dank zahlreicher Fernsehauftritte und ihrer Beziehung mit der jungen Lady Diana zu einer Medienikone, doch ihr großes Vermächtnis werden ihre vielen inspirierenden Liebesromane bleiben. Barbara Cartlands offizielle Website: www.barbaracartland.com Bei dotbooks erscheinen von Barbara Cartland mehrere historische Liebesromane in der der HIGHLAND SKY-Reihe sowie in der REGENCY SCANDALS-Serie und Exotikromane in der Reihe TRÄUME UNTER FERNER SONNE.
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Rezensionen für 172 Verzaubert in Paris
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Buchvorschau
172 Verzaubert in Paris - Barbara Cartland
Erstes Kapitel ~ 1869
Der Marquis von Darleston trank einen Schluck Champagner. Eigentlich gab es dafür keinen Anlaß, denn der Seegang war ruhig. Tagsüber trank er nur selten Champagner, es sei denn aus einem triftigen Anlaß.
Er befand sich in einer Luxuskabine des Dampfers, der den Passagierverkehr zwischen Dover und Calais versah. Sein Blick fiel auf die Dokumententasche, und er beschloß, die Zeit für die Lektüre der Memoranden zu nutzen, die der Premierminister ihm übergeben hatte.
Gerade als er die Hand nach seiner Tasche ausstreckte, wurde die Tür aufgerissen, zu seinem nicht geringen Erstaunen von einer Frau.
Der Marquis wollte ihr bedeuten, daß sie irrtümlich eine Privatkabine betreten hatte, als er den erschrockenen Ausdruck ihres noch so jungen Gesichts bemerkte.
Auch fiel ihm ihre ungewöhnliche Schönheit auf.
„Es tut mir leid, sagte die Frau leise, fast atemlos, „aber dürfte ich mich hier einen Augenblick lang aufhalten?
Sie sah sich noch einmal um, als wollte sie sich vergewissern, daß die Tür, die sie soeben geöffnet hatte, wieder geschlossen war, und fügte hinzu: „Ein Mann verfolgt mich, er läßt mich nicht aus den Augen."
Der Marquis erhob sich.
„Nehmen Sie doch erst einmal Platz, sagte er. „Jeder Aufdringling bekommt es mit mir zu tun. Darauf können Sie sich verlassen.
Er wollte zur Tür gehen, doch die junge Frau hob abwehrend die Hand.
„Nein, bitte nicht, sagte sie. „Ich möchte Ihnen keine Unannehmlichkeiten bereiten. Es war einfach ein Fehler von mir, an Deck zu kommen, aber viele Leute unten sind seekrank, obwohl das Meer doch ganz ruhig ist.
Der Marquis deutete auf einen Stuhl.
„Machen Sie es sich bequem, sagte er, „und trinken Sie ein Glas Champagner. Das wird Ihnen bestimmt guttun.
Sie erhob keinen Einwand. Er nahm die Flasche aus dem Eiskübel und füllte ein Glas, das auf dem Tablett daneben stand.
Dann wandte er sich um und reichte es ihr. Sein erster Eindruck hatte ihn nicht getrogen: diese Frau war schön, außergewöhnlich schön.
Sie war schlicht und unauffällig gekleidet.
„Sie reisen doch sicherlich nicht allein? Jemand begleitet Sie, nicht wahr?"
„Nein, das war nicht möglich", antwortete die junge Frau verlegen.
Sie nahm das Glas entgegen und sah es unsicher an.
„Ich habe noch nie Champagner getrunken, sagte sie zögernd, „aber Mama hat häufig davon gesprochen.
Sie glaubte, dem Marquis eine Erklärung zu schulden, und fügte hinzu: „Meine Mutter war Französin."
„Wir sollten uns miteinander bekannt machen, lächelte er und setzte sich wieder. „Ich bin der Marquis von Darleston.
„Mein Name ist Linetta Falaise."
„Ich bin sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mademoiselle Falaise", sagte der Marquis mit jenem Lächeln, das auf die meisten Frauen eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübte.
Linetta neigte leicht den Kopf. Er fand diese sanfte Bewegung hinreißend graziös und gestand sich ein, daß alle ihre Gesten von bezaubernder Anmut waren.
Vielleicht lag es an ihrer schmalen Gestalt, die sie einem eben erst heranwachsenden Kind gleichen ließ. Das kleine ovale Gesicht mit den übergroßen Augen und der winzigen geraden Nase war ein Abbild zarter Jugend und Unberührtheit.
Wie eine Französin sieht sie nicht aus, dachte der Marquis, jedoch auch nicht wie eine Engländerin, trotz ihres hellen Haars.
Die Farbe ihrer Augen glich überraschend dem dunklen Graublau einer stürmischen See. Offenbar hatten die französischen Vorfahren ihr das gegensätzliche Erbe aus nachtschwarzen Wimpern und tag hellem Haar übereignet.
Als erriete Linetta seine Gedanken, sagte sie hastig: „Meine Mutter kam aus der Normandie. Ihr helles Haar unterschied sie von den meisten Französinnen. Und mein Vater war ebenfalls blond."
„Sie waren schon einmal in Frankreich?"
Die Frage des Marquis war eher eine Feststellung.
„Nein." Linetta schüttelte den Kopf.
„Aber jetzt wollen Sie Ihre Verwandten in der Normandie besuchen?"
„Ich habe keine Angehörigen mehr. Ich fahre zu einer Freundin nach Paris."
„Dann werden Sie also in Calais erwartet?"
Wieder schüttelte Linetta den Kopf.
„Nein. Ich befinde mich auf der Suche nach einem neuen Lebensweg. Wenn ich ihn erst einmal gefunden habe, wird sich alles regeln."
Dem Marquis entging keineswegs der leise Zweifel in ihrer Stimme.
Dann aber sagte er sich, daß ihn das eigentlich alles gar nicht betraf. Es wäre ein Fehler, sich in die Angelegenheiten eines fremden Menschen zu mischen. Darüber hinaus mußte er sich auf die etwas heikle diplomatische Aufgabe vorbereiten, die ihn in Paris erwartete.
Trotzdem hatte Linetta Falaise sein Interesse erregt, und das lag nicht allein an ihrer Ausstrahlung. Sie hob sich auf unerklärliche Weise von allen anderen Frauen ab, denen er in London und auf seinen Reisen begegnet war.
Nach einigen vorsichtigen Kostproben sagte sie: „Mama hatte recht. Sie sagte immer, daß Champagner einen besonders anregenden Geschmack hätte."
„Das hört sich ja an, als sei sie Kennerin auf diesem Gebiet", lächelte der Marquis.
„Vielleicht klingt es anmaßend, sagte Linetta schüchtern, „aber Mama wußte sehr gut über Wein Bescheid, und sie lehrte mich, einen guten von einem weniger guten zu unterscheiden, obwohl wir nur selten etwas anderes getrunken haben als Wasser.
Sie lächelte ihn an, als hätte sie nur einen kleinen Scherz gemacht, und der Marquis hielt es für groben Leichtsinn, daß eine so schöne Frau diese Reise allein unternahm.
Es stand außer Zweifel, daß sie die beleidigende Aufmerksamkeit fremder Männer auf sich zog, die eine so auffallende, alleinreisende Frau als Freiwild betrachteten.
„Aus welchem Grund sind Sie in diese Kabine gekommen?" fragte er.
Linetta schlug die Augen nieder. Eine leichte Röte schien ihre blassen Wangen zu überfliegen.
„Ich sah Sie an Bord kommen, Mylord, sagte sie, „und Sie wirkten so vornehm auf mich.
Linetta zögerte, und ihre Gesichtsfarbe vertiefte sich.
„Irgendwie glaubte ich, in Ihrer Nähe sicher zu sein."
„Ihr Gefühl hat Sie nicht getäuscht, erwiderte der Marquis ernst. „Aber davon abgesehen finde ich es höchst unvorsichtig von Ihnen, ohne Begleitung nach Paris zu reisen.
„Ich weiß sehr wohl, daß es unschicklich ist, sagte Linetta, „aber mir blieb keine andere Wahl.
Es war unfaßbar, was Mademoiselle Antigny ihr mit müder, kaum hörbarer Stimme gesagt hatte.
„Ich habe über dich nachgedacht, Linetta. Du wirst nach Paris übersiedeln müssen, zu meiner Nichte. Es gibt keine andere Möglichkeit. Nur diese eine."
„Bitte, Mademoiselle, so dürfen Sie nicht reden, hatte Linetta gefleht. „Sie werden sich wieder erholen. Ganz bestimmt. Sie müssen nur daran glauben.
Trotz ihres leidenschaftlichen Wunsches fühlte sie aber, daß es keine Hoffnung mehr gab.
Sie hatte es dem Gesichtsausdruck des Arztes abgelesen, als er nach der ersten Untersuchung aus dem Krankenzimmer kam.
Obwohl er versuchte, ihre Gefühle so weitgehend wie möglich zu schonen, wußte sie, daß ihre Erzieherin, die sie von Kindheit an gekannt und verehrt hatte, im Sterben lag.
„Ich muß dir etwas sagen." Allein diese Worte bereiteten Mademoiselle Antigny unsagbare Mühe, das spürte Linetta.
„Was ist denn? fragte sie vorsichtig. „Aber bitte, überanstrengen Sie sich nicht.
„Ich wollte es dir schon seit langem sagen, erwiderte Mademoiselle, „aber ich habe es immer wieder hinausgezögert, weil ich glaubte, es eilte nicht. Aber jetzt bleibt mir nicht mehr viel Zeit.
Linettas Finger umschlossen die auf der Decke liegende Hand der alten Frau. Sie beugte den Kopf vor, um Mademoiselle das Sprechen zu erleichtern, und wartete.
„Als deine Mutter vor zwei Jahren starb, sagte Mademoiselle, „hörten die Geldzuwendungen, von denen sie lebte, plötzlich auf.
„Hörten auf?" rief Linetta überrascht aus.
„In einem amtlichen Brief wurde mitgeteilt, daß die Anweisungen, die deine Mutter nach dem Tod deines Vaters in vierteljährlichem Abstand erhalten hatte, eingestellt würden. Das Schriftstück liegt im mittleren Schubfach meines Schreibtischs."
Diese wenigen Sätze hatten Mademoiselles Kraft derart beansprucht, daß sie nach Atem ringen mußte.
Nach einer Weile fragte Linetta: „Aber von welchem Geld haben wir seitdem gelebt?"
„Von meinen Ersparnissen."
„Aber Mademoiselle! Warum sind Sie denn nur so großzügig gewesen, so gütig? Ich hätte mich doch nach einer Arbeit umsehen können. Niemals hätte ich zugelassen, daß Sie Ihr eigenes Geld für mich ausgeben."
„Du hättest es ohnehin bekommen, nach meinem Tod, erwiderte Mademoiselle. „Aber jetzt, mein liebes Kind, ist nichts mehr davon übrig.
Sie atmete schwer.
Dann sagte sie: „Nach meinem Ableben solltest du alles verkaufen und mit dem Geld, das du für das Haus und die Möbel bekommst, nach Paris reisen. Ich bin nicht mehr imstande, meiner Nichte zu schreiben, aber du könntest es an meiner Stelle tun; und ich werde den Brief unterzeichnen."
„Aber woher wissen Sie, daß ich ihr willkommen wäre?" fragte Linetta.
„Marie-Ernestine ist ein liebes Mädchen. Sie wird sich um dich kümmern und dir behilflich sein, eine Anstellung zu finden", erwiderte Mademoiselle.
Atemnot überkam sie, und Linetta erhob sich schnell, um eine Tablette und ein Glas Wasser vom Waschtisch zu holen.
Der Arzt hatte dieses Medikament nur für den Ernstfall verordnet. Diese Notlage war eingetreten, als Mademoiselle die Absicht bekundete, ihr einen Brief zu diktieren.
Geschickt stützte Linetta mit einer Hand die Schulter der Gouvernante, gab ihr die Arznei und hielt das Wasserglas an ihre Lippen.
Nachdem sie einen Schluck getrunken hatte, lehnte Mademoiselle Antigny sich einen Augenblick lang in die Kissen zurück und schloß die Augen.
Linetta holte Schreibpapier und einen Bleistift.
Sie hielt es für angebracht, so schnell wie möglich zu notieren, was ihrer Erzieherin am Herzen lag, und es dann sorgfältig aufzusetzen.
Eine kleine Weile später öffnete Mademoiselle Antigny die Augen.
„Linetta, ich sagte dir bereits, daß Marie-Ernestine ein sehr nettes Mädchen ist. Ich hatte mich ihrer angenommen, bis ihre Mutter sie nach Paris kommen ließ."
Sie seufzte etwas.
„Arme Marie-Ernestine! Aus lauter Verzweiflung darüber, das Landleben aufgeben zu müssen, versteckte sie sich in ihrer Dachkammer. In einem ihrer Briefe berichtete sie mir über die Klosterschule, die sie auf Veranlassung eines guten Bekannten ihrer Mutter besuchte. Seither schrieb sie mir zu jedem Weihnachtsfest."
„Ja, ich erinnere mich daran, wie sehr Sie sich immer über diese Briefe gefreut haben", sagte Linetta.
„Es scheint, als hätte Marie-Ernestine eine gute Anstellung in Paris gefunden, fuhr Mademoiselle Antigny fort. „Worum es sich dabei handelt, hat sie mir nicht erzählt, aber ihre Mutter arbeitete als Näherin und auch als Hausdame für etliche vornehme Familien. Der letzte Weihnachtsgruß trug eine neue Adresse: Avenue de Friedland.
Mademoiselle Antigny schloß erneut die Augen, als ginge dies alles über ihre Kraft.
„Bitte, schreib jetzt den Brief, mein Liebes", sagte sie, und Linetta entsprach ihrem Wunsch.
Dieser Brief war der einzige Schutz für sie, als Mademoiselle gestorben und das Haus verkauft worden war, in dem sie und ihre Mutter seit ihrer Kindheit gelebt hatten.
Linetta wußte, daß alle Hinweise und Ratschläge von Mademoiselle auf einer reichen Lebenserfahrung beruhten. Sie konnte tatsächlich unmöglich allein leben. In Paris, sagte sie sich, würde Marie-Ernestine irgendeine Arbeit für sie finden, und dann hätte sie wenigstens auch eine Freundin, mit der sie reden konnte, wenn sie eines Zuspruchs bedurfte.
Linetta fand es bedauerlich, daß sie außerhalb des Lebenskreises ihrer Mutter und ihrer Erzieherin kaum einen Menschen kannte.
Ihr Heimatdörfchen Oakley lag tief in einer einsamen Landschaft, wie abgeschnitten von der übrigen Welt. Dort hatte ihre Mutter seit ihrer Heirat gelebt.
Linetta erinnerte sich, daß ihre Mutter nie den Wunsch geäußert hatte, nach Oxford zu fahren.
Sie hatten keinerlei Bedürfnisse, denn sie waren vollauf zufrieden in ihrem kleinen Haus mit dem wunderschönen Garten, den Mrs. Falaise ohne Unterstützung eines Gärtners mit liebevoller Hingabe pflegte.
„Vielleicht liegt es an Mamas französischer Herkunft, daß sie so wenige Engländer kennt", dachte Linetta häufig.
Aber sie wußte, daß ihre Mutter grundsätzlich allen fremden Menschen aus dem Weg ging. Sie hatte sich der Einsamkeit verschrieben, bis zu dem Zeitpunkt, als Mademoiselle Antigny, ihre Lehrerin, zu ihnen zog. Damals war Linetta elf Jahre alt.
Das war eine überaus glückliche Fügung. Nach jahrzehntelanger Unterweisung von Kindern französischer und englischer Adelsfamilien hatte Mademoiselle sich in ein winziges Häuschen im Dorf zurückgezogen, das ihr von ihrem letzten englischen Dienstherrn zur Verfügung gestellt worden war.
Als sie Linetta zu unterrichten begann, wurde sie gelegentlich noch von ihren ehemaligen Schülerinnen besucht.
Doch im Lauf der Zeit blieben die Besucherinnen nach und nach aus. Um so dankbarer war Mademoiselle Antigny für die häusliche Gemeinschaft mit Mrs. Falaise.
Linettas Mutter und Mademoiselle hatten sich immer in der französischen Sprache miteinander unterhalten, doch beide hatten großen Wert darauf gelegt, daß sie die englische Sprache ebenso vollendet beherrschte wie die französische.
„Dein Vater war Engländer, pflegte Mrs. Falaise zu sagen. „Er hatte eine wundervolle Stimme, und seine Aussprache klang wie Musik.
„Erzähl mir mehr von Papa",
