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Commissaire Marquanteur spielt den Waffenhändler: Frankreich Krimi
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eBook288 Seiten3 Stunden

Commissaire Marquanteur spielt den Waffenhändler: Frankreich Krimi

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Über dieses E-Book

Dank eines V-Mannes ist es gelungen eine illegale Waffenlieferung abzufangen. Leider sind die Drahtzieher nicht gefasst worden. Um sie ausfindig zu machen, gibt der Marseiller Commissaire Pierre Marquanteur sich in der Unterwelt als Waffenhändler aus. Angeblich erwartet er eine größere Lieferung und sucht jemanden, der sie für ihn weiter vermarkten kann. Ein Millionengeschäft, das mehr als einen Verbrecher reizt.

 

SpracheDeutsch
HerausgeberBEKKERpublishing
Erscheinungsdatum4. Jan. 2025
ISBN9798230101444
Commissaire Marquanteur spielt den Waffenhändler: Frankreich Krimi

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    Buchvorschau

    Commissaire Marquanteur spielt den Waffenhändler - Peter Haberl

    Commissaire Marquanteur spielt den Waffenhändler: Frankreich Krimi

    von Peter Haberl & Chris Heller

    ––––––––

    Dank eines V-Mannes ist es gelungen eine illegale Waffenlieferung abzufangen. Leider sind die Drahtzieher nicht gefasst worden. Um sie ausfindig zu machen, gibt der Marseiller Commissaire Pierre Marquanteur sich in der Unterwelt als Waffenhändler aus. Angeblich erwartet er eine größere Lieferung und sucht jemanden, der sie für ihn weiter vermarkten kann. Ein Millionengeschäft, das mehr als einen Verbrecher reizt.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Bathranor Books, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author 

    © dieser Ausgabe 2024 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen 

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

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    Alles rund um Belletristik! 

    Kapitel 0/1: Der Schatten der Rue Castellane

    Es war ein grauer Dienstagmorgen in Marseille, und der Nieselregen hüllte die Stadt in einen tristen Schleier. Der Wind zog durch die Straßen, als ich, Commissaire Pierre Marquanteur, zusammen mit meinem Kollegen François Leroc die Rue Castellane entlangfuhr. Die noblen Villen, die sich anmutig an den Hang schmiegten und einen atemberaubenden Blick auf die Promenade boten, waren an diesem Morgen weniger einladend als üblich. Ein gewisses Unbehagen schlich sich in meine Gedanken ein. In dieser feinen Gegend passierte selten etwas Schlimmes, und das machte mich stets besonders misstrauisch.

    Als unser Dienstwagen vor der stattlichen Villa hielt, die mit ihren hohen Fenstern und dem aufwendigen Stuck wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten wirkte, spürte ich, dass wir an einem Ort angekommen waren, an dem das Ungewöhnliche geschehen war. Die Polizeiabsperrung war bereits eingerichtet, und das rot-weiße Flatterband zappelte im Wind wie ein warnendes Zeichen.

    »Hier ist es also«, murmelte François, der neben mir saß. »Schau dir das an, Pierre. Ein Mord in der Rue Castellane. Das ist nicht gerade der Alltag für uns.«

    Ich nickte nachdenklich. »Was hast du gehört?« Ich kannte François gut genug, um zu wissen, dass er immer gut informiert war.

    »Eine Angestellte hat den Toten gefunden. Er lag in der Bibliothek.«

    »Wollte er was lesen?«

    »Besser umgeben von guten Büchern sterben, als auf dem Bahnhofsklo wie die Drogentoten.«

    Geschmackloser Humor, der in schweren Situationen oft ein wenig Licht spendete, glitt über Lippen, die sich keineswegs amüsiert fühlten.

    Wir stiegen aus dem Wagen, und ich zog meinen Mantel enger um mich. Der Regen hatte nachgelassen, aber die Kälte war gnadenlos. Vor der Villa stand bereits Monsieur Marteau, sein grimmiger Ausdruck unterstrich den Anblick der eleganten Kapelle, die trotz ihrer Schönheit bedrohlich wirkte.

    »Pierre, François! Schön, dass ihr da seid. Der Bereich wurde bereits gesichert«, erklärte er, während seine Augen über die Fassade der Villa wanderten.

    François und ich nickten synchron, während wir uns auf den Weg durch die großzügigen Hallen der Villa machten. Die Räumlichkeiten waren geschmackvoll eingerichtet, dunkles Holz und edle Tapeten gaben dem Ganzen eine Atmosphäre von Wohlstand und Macht. Das Bild eines in sich gekehrten, aber dynamischen Lebens schien durch die Kunstwerke zu wehen, die die Wände schmückten. Aber all das konnte nicht die Kälte vertreiben, die ich spürte, als wir uns dem Tatort näherten.

    In der ersten Bibliothek wurden wir von einem Kriminalbeamten empfangen. »Der Leichnam ist da drüben«, sagte er und deutete mit einer knappen Geste auf einen massiven Holzsessel.

    Ein Aufschrei blieb mir im Hals stecken. Monsieur Noyau lag in einem Kommodensessel, das Gesicht war bleich, er starb ein durch einen unerklärlichen Schock. Elektroschocker oder stumpfe Gewalt. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ein Mensch, der so lebendig und energisch wirkte, so plötzlich aus dem Leben geschieden sein konnte.

    »Er sieht nicht so aus, als hätte er sich selbst umgebracht«, bemerkte François leise, seine Worte unterschwellig voller Ehrfurcht.

    Ich nickte, analysierte die Szene und suchte nach einem Hinweis – einem Grund, der diesen Mord erklären könnte. Auf dem Tisch zwischen dem Sessel und dem Kamin lag ein aufgeschlagenes Buch, die Seiten zerknittert und vom Feuer verbrannt. Ein geduldiges Notizbuch mit Notizen, die in einer präzisen Handschrift verfasst waren. Was hatte er dort entdeckt? Und wer hatte das Bedürfnis, ihn zum Schweigen zu bringen?

    »Was weiß man über Monsieur Noyau?«, fragte François und brach meine Gedanken.

    »Soweit ich informiert bin, war er ein erfolgreicher Geschäftsmann, der in der Immobilienbranche tätig war. Einige sagen, er hätte einige Feinde. Aber wer hätte das gewagt?«, entgegnete ich und wandte mich wieder dem Leichnam zu.

    »Das ist es, was wir herausfinden müssen«, sagte François und schaute auf die Fenster, durch die der schüchterne Nebel langsam die Villa umhüllte. »Wer ist der Letzte, der ihn lebend gesehen hat?«

    Wir mussten Antworten finden – nicht nur für uns, sondern für die Stadt, für die die Rue Castellane ein Symbol des Wohlstands war. Ein Mord in dieser Umgebung war wie ein Schatten, der über das Licht der Stadt fiel. Und ich wusste, dass wir schnell handeln mussten, bevor dieser Schatten weiter wuchs.

    Ich trat einen Schritt zurück, um das Bild vor mir besser zu erfassen, und atmete tief durch. Der Raum war nicht nur mit Büchern und Erinnerungen gefüllt, sondern auch mit einer Stille, die den Tod nahezu greifbar machte. Mein Blick fiel auf die Wand, die mit Familienfotos geschmückt war. Sie zeigten einen Mann, der in verschiedenen Lebensphasen lächelte und grinste, mit Freunden lachte und stolz mit seiner Familie posierte. Wer von diesen Menschen war bereit, ihm das Leben zu nehmen?

    »Wir sollten die Angehörigen benachrichtigen«, schlug François vor und knetete nervös seine Hände. »Wahrscheinlich werden sie mehr über die letzten Tage seines Lebens wissen.«

    »Ja, das ist eine gute Idee. Aber vor allem müssen wir erst einmal die Angestellte finden, die ihn entdeckt hat. Das könnte die entscheidende Aussage sein«, entgegnete ich und wies mit einem Nicken in die Richtung des Kriminalbeamten, den ich vorhin gesehen hatte.

    Wir suchten sofort die Angestellte auf, die den Leichnam gefunden hatte. Sie saß in der Küche, ihre zarten Hände zitterten, während sie versuchte, einen Schluck heißen Tee zu nehmen. Ihre Augen waren rot von den Tränen, und ich konnte sehen, dass die Bilder des Grauens noch immer lebhaft in ihrem Kopf waren.

    »Madame Petit, ich bin Commissaire Marquanteur, und das ist Commissaire Leroc. Wir müssen Ihnen einige Fragen stellen«, begann ich, wobei ich versuchte, meine Stimme so sanft wie möglich klingen zu lassen.

    »Ja ... Ja, natürlich«, stammelte sie und senkte den Blick. »Es tut mir leid ... ich kann nicht glauben, dass er tot ist.«

    »Wir verstehen, dass das sehr belastend für Sie ist. Allerdings ist es wichtig, dass Sie uns erklären, was geschehen ist. Wie haben Sie ihn gefunden?«

    Ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen, während sie sprach. »Ich ... ich kam heute früh wie immer zur Villa. Ich habe ein neues Buch für Monsieur Noyau gebracht. Er sagte, er wollte sich etwas zurückziehen, um nachzudenken. Ich habe geklopft, aber es kam keine Antwort. Also bin ich einfach reingegangen ... und dann habe ich ihn gesehen.«

    »Hatten Sie das Gefühl, dass etwas nicht stimmte? Etwas Ungewöhnliches?«, fragte François.

    Madame Petit blickte zwischen uns hin und her, dann schüttelte sie den Kopf. »Nein, er war ganz normal. Genoss gerade seinen Lieblingstee ... aber ... es gab da etwas. Er hatte oft Angst, dass seine Geschäfte nicht gut liefen. Er sprach von Drohungen. Aber ich dachte, das wäre alles nur Stress.«

    Drohungen. Ein weiteres Puzzlestück, das wir aufnehmen mussten. François und ich wechselten einen Blick. Es gab also mehr als nur die Gourmetküche und die eleganten Feste der Rue Castellane.

    »Von wem hatte er Drohungen bekommen? Wissen Sie das?«, bohrte ich weiter.

    »Ich habe keine Namen gehört, aber ... es gab Gerüchte über einen bestimmten Investor, der versucht hat, seine Geschäfte zu übernehmen. Monsieur Noyau wollte das nicht. Er war sehr stolz auf sein Unternehmen.«

    »Danke, Madame Petit. Ihre Informationen sind sehr wichtig. Wenn Sie sich an etwas erinnern, rufen Sie uns bitte umgehend an«, sagte François und ließ ihr eine Visitenkarte da.

    Wir verließen die Küche und machten uns auf den Weg zurück in die Bibliothek. Ein Blick aus dem Fenster zeigte uns, dass der Regen nachgelassen, aber das Grau der Stadt blieb. Ich lehnte mich an den Türrahmen.

    »Was denkst du, Pierre? Glaubst du, dass wir hier in ein Netz aus Intrigen eintauchen?«, fragte François, während er über unsere Notizen nachdachte.

    »Es sieht danach aus. Wir sollten mehr über diesen Investor herausfinden. Ich habe das Gefühl, dass das der Schlüssel zu diesem Fall ist«, antwortete ich.

    »Dann sollten wir zunächst ein paar Nachforschungen anstellen. Ich werde ein paar Anrufe machen und sehen, was sich über diesen potenziellen Verdächtigen herausfinden lässt«, schlug François vor, die Entschlossenheit in seiner Stimme ließ mich aufhorchen.

    »Mach das. Ich werde mich in der Zwischenzeit mit Monsieur Marteau treffen, um ihn auf den neuesten Stand zu bringen und das weitere Vorgehen zu besprechen«, entgegnete ich und machte mich auf den Weg durch die Villa, zurück zur Empfangshalle.

    Wieder draußen, blies mir der Wind frisch ins Gesicht. Ich schloss die Augen für einen Moment und holte tief Luft. Die Kälte schien mir neue Energie zu geben. Hier, in der Rue Castellane, war nicht nur eine illustre Fassade zerbrochen worden – es war ein Leben ausgelöscht worden. Und ich war entschlossen, die Wahrheit zu finden, koste es, was es wolle.

    Ich wusste, dass wir alle Hände voll zu tun hatten. Marseille war eine Stadt voller Geheimnisse, aber ich hatte kein Problem damit, in die Schatten einzutauchen, um das Licht der Gerechtigkeit zurückzubringen. Und ich war bereit, alles zu riskieren, um diesen Fall zu lösen.

    Wir begannen mit unseren Ermittlungen.

    Wie immer gingen wir systematisch vor.

    Die letzten Tage von Monsieur Noyau waren von einer zunehmenden Anspannung und einer besorgniserregenden Veränderung in seinem Verhalten geprägt. Als wir tief in die Ermittlungen eintauchten, eröffneten sich uns viele Facetten seines Lebens, die auf den ersten Blick harmlos erschienen, aber bei näherer Betrachtung alarmierende Hinweise enthüllten.

    Monsieur Noyau hatte in den Tagen vor seinem Tod seine gewohnte Routine verändert. In der Vergangenheit war er bekannt dafür gewesen, seine Tage mit geschäftlichen Besprechungen und gesellschaftlichen Veranstaltungen zu füllen. Doch in der Woche vor seinem Tod hatte sich diese Routine gravierend verschoben. Seine Geschäftspartner berichteten, dass er immer häufiger absagte oder Termine auf die nächste Woche verschob, während er nach und nach die Einladungen zu gesellschaftlichen Anlässen ausließ.

    Die Angestellten der Villa erzählten, dass Monsieur Noyau in den Tagen nach dem letzten großen Firmenevent, das er noch mit Bravour gemeistert hatte, zunehmend in sich gekehrt war. Er verbrachte lange Stunden in seinem Arbeitszimmer und ließ sich, wenn möglich, von niemandem stören. Oft wurde er in der Bibliothek oder in der kleinen, liebevoll gestalteten Teestube im Erdgeschoss gesehen, wo er allein saß und Anrufe entgegennahm, die häufig mit einem besorgten Gesichtsausdruck verbunden waren. Sein fester Gesprächspartner schien immer wieder ein Investor zu sein, dessen Name jedoch nicht erwähnt wurde.

    Eine der letzten Einladungen, die Monsieur Noyau abgelehnt hatte, war ein Treffen mit seinen engsten Freunden zu dessen Geburtstag. »Es passt mir momentan nicht«, hatte er über einen Nachrichtendienst geantwortet, eine Nachricht, die seine Freunde beunruhigte. »Ich muss ein wenig nachdenken.« Dieser Satz schwang laut in den Gesprächen seiner Freunde nach; sie ahnten, dass es mehr hinter Noyaus Rückzug gab als nur das Drängen des Alltags.

    Ein weiterer Hinweis, den wir entdeckten, war ein anonymer Brief, den Monsieur Noyau in den Tagen vor seinem Tod erhalten hatte. Der Brief war ohne Absender und enthielt vage Andeutungen, die auf wachsende Unruhe und Bedrohungen hindeuteten. Noyau hatte den Brief in seiner Schreibtischschublade aufbewahrt, was wir in der zweiten Woche nach seinem Tod entdeckten. Darin hieß es:

    »Es scheint, als ob Ihr Unternehmen auf wackeligen Beinen steht. Seien Sie vorsichtig, wem Sie vertrauen. Ich kann helfen, aber möglicherweise nicht auf die Art, wie Sie es sich wünschen.«

    Dieser Brief, zusammen mit den Drohungen, die Madame Petit erwähnt hatte, deutete darauf hin, dass Noyau entweder in unmoralische Geschäfte verwickelt war oder jemand dabei war, seine Kontrolle über sein bestehendes Unternehmen zu destabilisieren. Wir waren uns einig, dass es in Noyaus letzten Tagen um viel mehr ging als nur um finanzielle Belange – es schien, als sei sein Leben selbst gefährdet.

    Als wir schließlich mit seinen Freunden sprachen, äußerten diese Verwirrung und Besorgnis über Noyaus Verhalten. »Er war nicht mehr der alte Noyau, den wir kannten«, sagte einer von ihnen, der sich in den letzten Tagen sehr um ihn sorgte. »Er fühlte sich plötzlich so verletzlich, und es war, als ob er jemanden hinter sich spürte, der ihm auf den Fersen war.«

    Je mehr wir über Noyaus letzte Tage herausfanden, desto klarer wurde uns, dass er in einem Spiel gefangen war, das weit über seine Kontrolle hinausging. Und während ich über all diese Informationen nachdachte, wurde ich mir erneut bewusst, dass wir nicht nur einen Mord aufzuklären hatten. Wir ermittelten in einem Netz aus Betrug, Macht und möglicherweise einem gut geplanten Verbrechen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Schlinge enger wurde, und ich wusste, dass wir schnell handeln mussten, bevor es auch andere Opfer forderte.

    Als wir tiefer in die vergangenen Geschäfte von Monsieur Noyau eintauchten, stießen wir auf den Namen eines Investors, der in der letzten Zeit häufig in Verbindung mit ihm genannt wurde: Victor Lapointe, ein umstrittener Geschäftsmann, der in der Immobilienbranche tätig war. Lapointe hatte sich einen Ruf als raubeiniger, aber genialer Investor erarbeitet, der kein Problem damit hatte, in gefährliche Gewässer einzutauchen, um seine Ziele zu erreichen.

    Lapointe war nicht nur für seine risikobehafteten Investitionen bekannt, sondern auch für seine Gerüchte über aggressive Geschäftspraktiken. Es hieß, er wäre bereit, jeden zu übervorteilen, der seinen Plänen im Weg stand – und da Noyau in den letzten Jahren ein blühendes Immobilienunternehmen geleitet hatte, das in direkter Konkurrenz zu Lapointes Geschäften stand, waren ihre Wege unweigerlich miteinander verwoben worden.

    Die beiden Unternehmen waren in einen erbitterten Wettkampf verwickelt, der nicht nur finanzielle, sondern auch persönliche Dimensionen annehmen sollte. Viele in der Branche waren der Meinung, dass Noyau mit seinem Unternehmen Noyau & Cie kurz davor war, ein großes Projekt im Hafenviertel zu realisieren, das Lapointe mit seinem eigenen Projekt Lapointe Èvolution in direkter Konkurrenz stand. Die Spannungen zwischen den beiden Unternehmern hatten sich in den Monaten vor Noyaus Tod so stark verschärft, dass es schließlich zu einer öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung gekommen war.

    Doch Lapointe war nicht nur ein schlichtes Opfer von Konkurrenzkämpfen. Er hatte einen guten Teil seiner Geschäfte unter dubiosen Bedingungen gestaltet. In den letzten Monaten hatte er, angefeuert von einem blitzenden Vertrauen in seine Strategie und seine Machtposition, begonnen, sein Imperium aggressiv auszubauen. Dabei war er nicht nur in den Fokus von Noyau gerückt, sondern auch ins Visier von Behörden. Gespräche über illegale Praktiken und Vermischungen mit kriminellen Geldgebern machten die Runde. Das war nicht die beste Voraussetzung für Noyaus Vorhaben.

    Aber was fanden wir noch über ihn heraus? Lapointe hatte ein Netzwerk von Einflussreichen und Einflussfreien, denen er alles versprach – gäbe es nur genug auf den Tisch. Das machte ihn unberechenbar, aber auch gefährlich. Es gab Berichte über Menschen, die in den letzten Monaten drohten, hinter Lapointe wirtschaftlich aus der Bahn geworfen zu werden. Ein Augenzeuge, der anonym bleiben wollte, berichtete von persönlichen Drohungen und einer Atmosphäre der Angst rund um Lapointes Geschäfte: »Niemand sprach über ihn, ohne ein mulmiges Gefühl zu haben. Es war nie klar, wer wirklich in der Nähe war und welche Maske er trug.«

    In den sozialen Medien und den Online-Foren, in denen Branchenexperten diskutierten, war Lapointe oft das Thema. Der häufig zitierte Satz »Wer mit Zorn tut, geht über Leichen« umschrieb treffend die Meinung vieler über ihn. Und während wir seine Geschäfte weiter beobachteten, wuchs in mir die Überzeugung, dass Noyau in einer Falle gefangen war, die Lapointe mit Perfektion geschmiedet hatte.

    Aber Lapointe war noch nicht das einzig Ungewisse in diesem Fall. Relativ spät in unseren Recherchen stießen wir auf eine Verbindung zu einer Beraterin namens Liane Pecheur. Sie hatte mit beiden Männern gearbeitet und war bekannt dafür, mittlerweile enge Beziehungen zu Lapointe unterhalten zu haben. Man munkelte, sie habe entscheidende Informationen besessen, die Noyau möglicherweise ins Wanken hätten bringen können. Hatte sie vielleicht ihre Loyalität gewechselt?

    In der nächsten Zeit war es unerlässlich, sowohl Lapointe als auch Pecheur ins Visier zu nehmen. Je mehr ich über ihre Hintergründe erfuhr, desto mehr wurde mir

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