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Krimi Doppelband 173
Krimi Doppelband 173
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eBook436 Seiten5 Stunden

Krimi Doppelband 173

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Über dieses E-Book

Dieser Band enthält folgende Krimis:
(349XE)




Trevellian, das Callgirl und die Mafia (Pete Hackett)

Trevellian und die tödlichen Blüten (Pete Hackett)















Die geheimnisvolle QVP legt sich mit der New Yorker Unterwelt an, um die Stadt zu kontrollieren. Die Fäden, die die Verbrecherorganisation zieht, sind blutig und lang; sie reichen bis in die Gefängnisse von Rikers Island und Sing-Sing. Die FBI-Agenten Trevellian und Tucker hinken zunächst hinterher, wobei die freundliche Hilfe eines Stadtverordneten sich eher als Hindernis erweist.
SpracheDeutsch
HerausgeberCassiopeiaPress
Erscheinungsdatum21. März 2023
ISBN9783753208534
Krimi Doppelband 173

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    Buchvorschau

    Krimi Doppelband 173 - Pete Hackett

    Pete Hackett

    Krimi Doppelband 173

    UUID: 37acdbc0-c051-4611-b614-bf2cedf3f353

    Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

    Inhaltsverzeichnis

    Krimi Doppelband 173

    Copyright

    Trevellian, das Callgirl und die Mafia: Action Krimi

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    Trevellian und die tödlichen Blüten

    Krimi Doppelband 173

    Pete Hackett

    Dieser Band enthält folgende Krimis:

    Trevellian, das Callgirl und die Mafia (Pete Hackett)

    Trevellian und die tödlichen Blüten (Pete Hackett)

    Die geheimnisvolle QVP legt sich mit der New Yorker Unterwelt an, um die Stadt zu kontrollieren. Die Fäden, die die Verbrecherorganisation zieht, sind blutig und lang; sie reichen bis in die Gefängnisse von Rikers Island und Sing-Sing. Die FBI-Agenten Trevellian und Tucker hinken zunächst hinterher, wobei die freundliche Hilfe eines Stadtverordneten sich eher als Hindernis erweist.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    © dieser Ausgabe 2023 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    Trevellian, das Callgirl und die Mafia: Action Krimi

    Krimi von Pete Hackett

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.

    Jesse Trevellian und Milo Tucker, zwei Ermittler in New York, versuchen gegen das organisierte Verbrechen vorzugehen. Es geht um illegale Waffengeschäfte und Rauschgift. Die Gangster schrecken vor nichts zurück. Aber den Gangstern passieren in ihrer Gier nach Macht und Geld diverse Fehler und da setzen Trevellian und Tucker an...

    1

    Wir waren ganz dicht an Richard Mercer dran. Einer seiner >Streetworker< war in ein Gebäude in der Clinton Street, Lower East Side, geflohen. Wir hatten den Kerl vor dem >Shark< erwischt, als er Heroin verkaufte. Als wir zugriffen, entkam er uns. Jetzt aber saß er wie eine Ratte in der Falle. Einige Kollegen von der City Police, die wir angefordert hatten, bewachten den rückwärtigen Ausgang und die Haustür, Milo und ich stiegen die Treppe empor.

    Es gab insgesamt sechs Apartments in dem Gebäude. In einem davon steckte der Bursche. Die Apartments im Erdgeschoss und in der 1. Etage hatten wir überprüft. Jetzt befanden wir uns in der 2. Etage. Da war ein kleiner Flur, an dessen beiden Enden sich Wohnungstüren befanden. Ich klingelte an der linken Tür. Eine Frau öffnete mir. Ich schaute in ihr Gesicht und wusste Bescheid. Eine eisige Hand griff nach mir...

    »FBI, mein Name ist Trevellian«, stellte ich mich vor. »Sind Sie alleine in der Wohnung?«

    Die Augen der Frau flackerten. Ich blickte in einen Abgrund des Schreckens und der Angst. In ihren Mundwinkeln zuckte es und sie musste zweimal ansetzen, ehe sie antwortete: »Nein. Meine Tochter Sandy...«

    Ich begriff. Milo stand neben mir. Er atmete scharf ein. Laut sagte ich: »Vielen Dank, Mrs. – äh...« Ich brach ab und schaute auf das Namensschild bei der Klingel. »...Mrs. Baldwin«, vollendete ich dann.

    Ihr Blick war flehend auf mich gerichtet. Es war, als wollte sie mich hypnotisieren. Ich nickte ihr zu, griff kurzer Hand nach ihrem Arm und zog sie schnell aus der Wohnung. Milo übernahm die Frau. Ich griff zur SIG, glitt in das Apartment und befand mich im Livingroom. Die Hand mit der Pistole beschrieb einen Halbkreis, als ich in die Runde sicherte.

    Der Gangster war nicht zu sehen. Er hatte die Frau vorgeschickt, damit sie uns abwimmelte. Sicher hatte er ihr angedroht, ihrer Tochter Leid zuzufügen. Aber bei ihr waren die Angst und das Entsetzen ausgeprägter als die Schauspielkunst. Sie hatte sich mit jedem Zug ihres Gesichts verraten.

    Einige Türen führten in die verschiedenen anderen Räume; Küche, Bad, Schlafzimmer... Eine weitere Tür führte wahrscheinlich ins Kinderzimmer. Eine dieser Türen wurde plötzlich aufgezogen. Eine heisere, belegte Stimme rief:

    »Ich habe das Mädchen, Bulle! Verschwindet. Oder ich lege die Kleine um. Das wollt ihr doch nicht, wie?«

    Der Bursche hatte wahrscheinlich bemerkt, dass sein Plan fehlgeschlagen war. Aber er schoss nicht, sondern drohte nur. Ich konnte diese Sorte einschätzen. Er würde wohl auch nicht schießen. Diese Kerle waren keine Mörder. Er wollte uns nur einschüchtern und unsicher machen.

    Ich entspannte mich und senkte die Hand mit der SIG. »Es hat keinen Sinn, Mister«, sagte ich. »Das Haus ist von Polizei umstellt. Sie kommen nicht hinaus. Also lassen Sie das Mädchen frei und ergeben Sie sich. Machen Sie alles nicht noch schlimmer.«

    »Einen Dreck werde ich!«, fauchte der Gangster. »Ich werde jetzt mit der Kleinen hinaus kommen. Denk nur nicht, dass ich spaße. Ich erschieße das Girl, wenn ihr mir Schwierigkeiten macht.«

    Ich lauschte der Stimme hinterher. Ich glaubte einen verzweifelten Unterton aus ihr herausgehört zu haben. Dieser Bursche wusste, dass er verloren hatte. Er wolle es nur noch nicht einsehen. Die Drohung, das Mädchen zu erschießen, war das letzte Aufbäumen, der letzte verzweifelte Versuch, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden.

    Der Gangster zeigte sich. Vor sich hielt er ein etwa fünfjähriges Mädchen. Seine Linke umkrampfte die Schulter der Kleinen. Mit der Rechten hielt er die Pistole gegen ihre Schläfe.

    »Leg deine Waffe auf den Fußboden und geh zur Seite, Bulle!«, knirschte der Gangster. Er schob das Mädchen vor sich her durch die Tür.

    Das Kind schaute mich aus großen blauen Augen verwirrt an. »Mama!«, rief es. »Wo ist meine Mama?« Die dünne Stimme klang kläglich. Der Anblick schnitt mir ins Herz. Blonde Haare rahmten das Gesicht des Mädchens ein. Es drückte mit beiden Armen eine Puppe an sich. Wahrscheinlich begriff es noch gar nicht richtig, was sich hier abspielte.

    Ich wollte nichts herausfordern, legte die Pistole auf den Boden und trat zur Seite. Mein Blick kreuzte sich mit dem des Gangsters. In seinem Gesicht arbeitete es. Er war noch nicht alt. Höchstens 25 Jahre. Bekleidet war er mit einem Jeansanzug und einem karierten Hemd. Auf seinem Kopf saß eine Wollmütze. Darunter lugten braune Haare hervor, die bis in seinen Nacken reichten. Sein Gesicht war schmal und stoppelbärtig.

    »Sie verbessern Ihre Situation damit nicht«, gab ich zu verstehen. »Im Gegenteil. Geiselnahme ist kein Kavaliersdelikt. Nach einer Verurteilung wegen Rauschgifthandels wären Sie nach wenigen Jahren wieder in Freiheit. So aber...«

    Ich brach viel sagend ab.

    Der Gangster richtete die Pistole auf mich. »Um mich einzusperren, müsst ihr mich erst einmal haben. Mit dem Girl habe ich ein gutes Faustpfand, meinst du nicht? Ich werde jetzt hinuntergehen. Wenn sich mir auch nur ein einziger Bulle in den Weg stellt, stirbt die Kleine.«

    Er ging mit dem Mädchen an mir vorbei, ließ mich dabei nicht aus den Augen. Das zeitgeschaltete Licht im Treppenhaus war erloschen. Kein Geräusch war zu vernehmen, außer den tapsenden Schritten des Gangsters und seiner Geisel.

    Er drehte sich mir zu, hielt mir das Kind wie ein lebendes Schutzschild entgegen.

    Hinter ihm war Finsternis. »Mach Licht!«, gebot er dem Mädchen. Das Kind aber reagierte nicht. Fluchend nahm der Gangster seine Hand von der Schulter des Mädchens. Sie tastete sich um den Türstock herum.

    Und dann ging alles blitzschnell. Ich konnte mit den Augen kaum folgen. Plötzlich lag der Gangster am Boden. Das Mädchen wurde von ihm weggerissen. Der Kerl brüllte auf. Ein Schuss krachte. Dann sah ich Milo. Er beugte sich über den Geiselnehmer und drehte ihm den Arm mit der Pistole herum. Wieder schrie der Bursche gequält auf.

    Und dann handelte ich. Mit drei langen Schritte war ich bei der Tür. Zugleich nahm ich die Handschellen, die unter meiner Jacke am Gürtel hingen, zur Hand. Milo hatte dem Gangster die Pistole entwunden. Die Handschellen klickten. Dann machte Milo Licht.

    Mrs. Baldwin und ihre Tochter standen in der Ecke neben der Tür. Die Frau hatte beide Hände auf den Schultern des Mädchens liegen. In ihrem Gesicht zuckten die Nerven. Ihre Lippen formten tonlose Worte.

    »Alles ist gut«, sagte ich. »Kommen Sie.« Ich hob das Mädchen auf meinen Arm und nahm die Frau bei der Hand. Milo zerrte während dessen den Gangster auf die Beine. »Stell dich nicht so an«, hörte ich meinen Freund und Partner sagen. »Eben warst du auch nicht so zimperlich.«

    Ich führte Mrs. Baldwin in die Wohnung. Auf der Treppe trampelten Schritte. Stimmen waren zu vernehmen. Dann kam Milo in die Wohnung. »Er hat tatsächlich geschossen«, gab er zu verstehen. »Ich habe angeordnet, dass er ins Stadtgefängnis gebracht wird. Sind die Frau und das Mädchen in Ordnung?«

    Mrs. Baldwin taumelte zu einem Sessel und ließ sich hineinfallen. Ich setzte ihr das Mädchen auf den Schoß. »Ja«, sagte ich. »Zumindest körperlich haben Sie keinen Schaden davon getragen. Ich denke aber, dass sich ein Polizeipsychologe um sie kümmern muss.«

    2

    »Wie lautet Ihre Name?«, fragte ich den Geiselnehmer. Wir befanden uns im Vernehmungsraum des City Prison. Der Gangster saß an einem Tisch. Der Raum war in helles Neonlicht getaucht. Milo stand hinter ihm. Ich hatte mich vor dem Tisch aufgebaut.

    »Craig Swanton.«

    »In wessen Auftrag verkauften sie vor dem >Shark< das Heroin?« Ich stemmte beide Arme auf den Tisch und beugte mich ein wenig nach vorn. Mein Blick hatte sich am Gesicht Swantons festgesaugt.

    »Ich habe es in eigener Regie verkauft. Denn ich brauche Geld. Die Sucht...«

    »Sie sind also süchtig?«

    »Ja.«

    »Was sagte Ihnen der Name Richard Mercer?«

    »Wer soll das sein?«

    »Der Mann, in dessen Auftrag sie gedealt haben. Der Mann, der das Drogengeschäft in Südmanhattan kontrolliert. Raus mit der Sprache, Swanton. Wir haben keine Märchenstunde.«

    »Ich kenne diesen Mann nicht. Lasst mich in Ruhe.«

    »Von wem haben Sie das Rauschgift erhalten?«, fragte Milo.

    »Ich habe es in Harlem gekauft. Und was ich nicht selbst brauchte, wollte ich vor dem >Shark< mit Gewinn weiter verkaufen.«

    »Sie hatten Heroin im Wert von 15.000 Dollar bei sich. Erzählen Sie mir nicht, dass Sie es gekauft haben.«

    »Denkt, was ihr wollt.«

    »Sie haben geschossen, als Sie mein Kollege überwältigte. Das wird Ihnen als Mordversuch ausgelegt. Sie wissen, was darauf steht. Wir könnten es aber auch so deuten, dass die Pistole versehentlich los ging. Sie würden sich eine Reihe von Jahren sparen.«

    Wir mussten ihm die Sache ein wenig schmackhaft machen. In seinem Gesicht regte sich nichts. Wahrscheinlich hatten meine Worte bei ihm nicht den geringsten Eindruck hinterlassen. »Die Pistole ist tatsächlich versehentlich losgegangen«, sagte Swanton. »Gegenteiliges werdet ihr mir kaum beweisen können.«

    »Sie haben gedroht, zu schießen. Sie hielten die Waffe an den Kopf des Kindes. Und als mein Kollege sie überwältigte, fiel der Schuss. Weiterer Beweise bedarf es nicht.«

    »Ich lasse es auf mich zukommen.«

    »Sie haben Angst, nicht wahr?«, knurrte Milo.

    »Vor wem sollte ich Angst haben?«

    »Vor der Rache der Mafia, der Sie angehören und die Richard Mercer leitet. Sie befürchten, dass der Arm der Mafia bis hinter die Mauern des Stadtgefängnisses und von Rikers Island reicht. – Wo wohnen Sie?«

    »Upper West Side, 78. Straße, Nummer 341. In meiner Wohnung werdet ihr nichts finden.«

    »Wir werden sehen. Haben Sie sich schon einen Anwalt besorgt?«

    »Nein. Das tue ich heute morgen. Und zwar werde ich den besten konsultieren.«

    »Womit wollen Sie ihn bezahlen?«

    »Das lassen Sie nur meine Sorge sein.«

    »Ich sage es Ihnen«, knirschte ich. »Sie bezahlen den Anwalt gar nicht. Das macht Mercer.«

    »Mercer, Mercer, Mercer!«, blaffte Swanton. Er schob das Kinn vor und zeigte die Zähne. »Ich kann den Namen nicht mehr hören. Ich weiß nicht, wer Mercer ist.«

    »Mercer würde zum Beispiel niemals zulassen, dass Sie ihm ins Handwerk pfuschen«, stieß ich hervor. »Wenn Sie in eigener Regie vor dem >Shark< Stoff verkauft hätten, wären Mercers Leute vor uns dort gewesen, um Ihnen die Hammelbeine lang zu ziehen. – Okay, Swanton. Sie wollen nichts sagen. Wir erwischen gewiss den einen oder anderen von Ihren Kollegen. Und sicherlich ist einer dabei, der versucht, für sich das Beste rauszuholen. Dann ist es für Sie zu spät. Sie werden dann die nächsten 25 Jahre im Zuchthaus verschwinden.«

    »Oder bis zum Ende Ihres Lebens«, fügte Milo hinzu. »Rauschgifthandel, Geiselnahme, versuchter Mord... Man wird Ihnen eine ziemlich saftige Rechnung präsentieren.«

    Swanton atmete stoßweise. In seinen Augen wob eine jähe Unsicherheit. Fahrig strich er sich mit der linken Hand über das Gesicht. In seinen Mundwinkeln zuckte es. Plötzlich zog er die Unterlippe zwischen die Zähne und kaute darauf herum.

    Wir starrten ihn an; durchdringend, zwingend, mitleidlos. Entgegenkommen durfte er nur erwarten, wenn er sich kooperativ zeigte. Bis jetzt aber brillierte er uns gegenüber nur mit seiner trotzigen Sturheit.

    In seinem Gesicht arbeitete es jetzt. Er blinzelte, sein Blick irrte ab. Plötzlich begann er, seine Hände zu kneten. Und dann sagte er: »Okay, okay. Ich habe im Auftrag Mercers das Heroin vor dem Shark verhökert. Wenn in Manhattan mit Drogen gehandelt wird, dann steckt immer Mercer dahinter. Er lässt sich hier die Wurst nicht vom Brot nehmen und kontrolliert den Drogenhandel zu 100 Prozent.«

    »Nicht nur den Drogenhandel«, erklärte ich. »Auch die illegale Prostitution und das illegale Glücksspiel.«

    »Das weiß ich nicht.«

    »Stand Mercer direkt mit Ihnen in Verbindung oder bekamen Sie das Rauschgift über einen Mittelsmann?«

    »Es war Mercer selbst, der uns versorgte.«

    »Wer hat noch für ihn gedealt?«

    »Ich kenne nur Jim Belknap und Jacob Utley. Belknap verkauft vor dem >Club Andalusien<, Utley vor dem >Bluebird<.«

    »Wir werden uns erkenntlich zeigen und ein gutes Wort bei der Staatsanwaltschaft für Sie einlegen«, murmelte ich, dann rief ich den Wachtmeister, damit er Swanton in seine Zelle zurück brachte.

    3

    Es war Mitternacht vorbei. Richard Mercer und Gina Shirland, das Callgirl, das für ihn arbeitete und das er sich an diesem Abend in sein Bett geholt hatte, waren nackt. Mercer lag auf dem Rücken. Gina hatte ihren Kopf auf seinem Leib liegen. Er spielte versonnen in ihren blonden langen Haaren.

    Mercer war 56 Jahre alt und seine Haare waren schon grau. Er verfügte über ein scharfgeschnittenes Gesicht, das von einem Paar stahlblauer Augen beherrscht wurde. Sein Mund war dünnlippig und wies einen brutalen Zug auf. Sein Kinn war eckig, was Durchsetzungsvermögen und ein hohes Maß an Energie verriet.

    Gina Shirland war 26. Sie war eine sehr schöne Frau; schlank und trotzdem wohlproportioniert, ihr Gesicht war schmal und dennoch fraulich weich, ihre Augen waren grünlich und standen etwas schräg, was diesem Gesicht einen exotischen Ausdruck verlieh.

    Sie hatte Richard Mercer nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Das erwartete er allerdings. Er hatte Gina nicht das erste Mal mit in sein Haus in Bergen Beach genommen, was zum Ausdruck brachte, dass er mit ihren Leistungen, ihrem Service, zufrieden war. Mit durchschnittlichen Menschen gab sich Mercer nicht ab. Er erwartete von seinen Leuten Überdurchschnittliches. Egal, ob es sich um die Huren handelte, die für ihn arbeiteten, die Spieler oder die Dealer...

    Jetzt war er ziemlich ausgepumpt. Bevor sie das wilde Liebesspiel fortsetzen konnte, musste Mercer sich erholen. Er nahm seine Hand aus Ginas Haaren und strich über über ihre Brust. Ihre Haut war weich wie Samt. »Du bist Spitze«, sagte er. »Dir kann kein anderes der Mädchen das Wasser reichen.«

    »Und du bist ebenso erstklassig«, erwiderte Gina. »Von dir kann sich so mancher Jüngere eine Scheibe abschneiden.«

    »Du schmeichelst mir. Ich bin 56...«

    »...mit dem Leistungsvermögen eines 40-Jähigen«, lachte Gina. Sie hob den Kopf, setzte sich auf, beugte sich über ihn und küsste ihn auf den Mund. Dann suchten sich ihre Lippen einen Weg nach unten. Sie fuhren über seinen Hals hinweg, über seine Brust, hinterließen auf seiner Haut eine feuchte Spur. Dann kniete sie über ihm...

    Da ertönte im Livingroom ein Geräusch. Es war ein leises Klirren, das aber im nächsten Moment in der Stille versank.

    Richard Mercer hatte den Kopf erhoben und lauschte angespannt. Dann schob er Gina von sich. Er schwang die Beine vom Bett und richtete sich auf, ging zur Tür und löschte das Licht. Langsam zog er die Tür auf, glitt in den Livingroom – und erstarrte. Denn eine höhnische Stimme sagte:

    »Ich habe dich vor der Mündung, Rich. Heh, schläfst du immer nackt? Geh zum Sessel und setz dich hinein. Vorwärts, mach schon!«

    »Du, Will? Was soll das? Wieso dringst du in mein Haus ein. Willst du mich bestehlen? Bezahle ich dir nicht genug?«

    »Es gibt jemand, der mehr bezahlt als du, Rich. Er zahlt mir 5.000 dafür, dass ich dich in die Hölle schicke. Ein guter Preis, nicht wahr?«

    Mercer schluckte trocken. Er konnte die schemenhaft Gestalt gut sehen. Sie stand an der Wand neben der Tür, die ins Schlafzimmer führte. Mercer entging auch nicht die Pistole, die in der Hand des Mannes lag. Im vagen Licht, dass durch die beiden Fenster ins Rauminnere drang, schimmerte der Stahl matt.

    »Wer schickt dich?«

    »Walker.«

    »Dieser Hurensohn. Ich zahle dir 10.000, wenn du...«

    »Keine Chance, Rich. Die 5.000 sind mir sicher. Von dir bekäme ich kein Geld, sondern ein Stück heißes Blei. Ich weiß, wie du mit Leuten verfährst, die nicht nach deiner Pfeife tanzen. Was machst du erst mit Männern wie mir und Walker, die dir in den Rücken fallen. Fahr zur Hölle, Will.«

    Es gab ein Geräusch, wie wenn ein Korken aus einer Flasche gezogen wird. Der Killer benutzte einen Schalldämpfer. Richard Mercer sah das Mündungsfeuer und spürte den Einschlag. Er hatte das Gefühl, als fände in seiner Brust eine Explosion statt. Dann kam das Schwindelgefühl. Alles um ihn herum begann, sich zu drehen. Er glaubte abzuheben. Schließlich versank er in undurchdringlicher Finsternis – eine Finsternis, aus der es keine Rückkehr gab. Der Tod griff mit gebieterischer Hand nach ihm.

    Richard Mercer spürte den Aufprall am Boden schon nicht mehr.

    Der Mörder stieg über die reglose Gestalt hinweg und ging ins Schlafzimmer. Er sah das zerwühlte Bett, brummelte etwas in seinen Bart und machte kehrt. Er sah nicht das Girl, das auf der Tür abgewandten Seite hinter dem Bett am Boden lag, an Leib und Seele zitterte und sich kaum zu atmen wagte.

    Im Livingroom flammte das Licht auf. Der Killer durchsuchte Boards und Schränke. Einige Schübe riss er heraus und verstreute den Inhalt über den Boden. In einem Sekretär fand er in einer Stahlkassette, in der der Schlüssel steckte, einige hundert Dollar, die er an sich nahm.

    Dann verließ er das Haus auf dem selben Weg, auf dem er es betreten hatte. Durch die Vordertür. Er hatte sie mit einem Montiereisen aufgesprengt. Er verschwand in der Dunkelheit, die im Garten herrschte...

    Gina Shirland erhob sich, als sie sich sicher war, dass der Mörder das Haus verlassen hatte. Sie ging in den Livingroom. Der Killer hatte das Licht brennen lassen. Am Boden lag Richard Mercer. Seine Brust war voll Blut. Er hatte die Augen im letzten Schrecken seines Lebens weit aufgerissen.

    Ginas Hals war wie ausgetrocknet. Angst und Fassungslosigkeit würgten sie. Eine Gänsehaut rann ihr den Rücken hinunter. »Großer Gott«, keuchte sie. Wild hämmerte ihr Herz gegen die Rippen. In ihren Ohren rauschte das Blut.

    Nur weg von hier!, durchfuhr es sie. Nichts wie weg!

    Siedend rann es durch ihre Adern. Total konfus zog sie sich an. Es war nicht mehr ihr Wille, der ihre Handgriffe bestimmte. Jeglichen Gedankens, jeglichen Willens beraubt erfolgten ihre Handgriffe automatisch. Zuletzt ergriff sie ihre Handtasche.

    Dann machte sie das Licht aus und verließ das Haus durch die Vordertür. Die Tür ließ sich nicht mehr schließen. Das Schloss war aus dem Türfutter gebrochen worden. Auf der Straße vor dem Garten stand Ginas Wagen. Es war ein BMW Z 3. Mit zitternder Hand versuchte sie, den Zündschlüssel ins Zündschloss zu schieben. Sie musste dreimal ansetzen. Dann heulte der Motor auf. Sie ließ die Kupplung kommen und gab Gas. Der Wagen vollführte einen Satz und der Motor starb ab. Erst beim zweiten Versuch gelang es Gina anzufahren...

    4

    Milo und ich fuhren am Morgen nach Bergen Beach. Von Manhatten aus mussten wir zuerst nach Brooklyn. Wir benutzten den Brooklyn Battery Tunnel, der sich am südlichsten Zipfel Manhattans befindet, drüben befuhren wir den Gowanus Expressway, dann den Prospect Expressway, es ging zwischen Prospekt Park und dem Greenwood Friedhof hindurch und dann wandten wir uns nach Osten, um zur Jamaika Bay zu gelangen.

    »Der alte Schuft wird Augen machen, wenn wir ihm erklären, dass er verhaftet ist«, meinte Milo voller Vorfreude. »Wie lange sind wir hinter dem Kerl eigentlich schon her? Ein Jahr, zwei Jahre?«

    »Freu dich nicht zu früh«, antwortete ich. Ich musste bremsen, weil eine Ampel auf gelb umschaltete und der Verkehr vor mir ins Stocken geriet. Dann kam rot und die Autokolonne stand. Wir hatten es nicht eilig. Richard Mercer lief uns nicht davon. Er hatte ja keine Ahnung, dass wir im Anmarsch waren. Auch ich war zufrieden. Wir waren hinter dem alten Mobster schon eine ganze Weile her. Mit der Verhaftung Swantons hatten wir endlich einen seiner Lakaien erwischt, der den Mund aufmachte. »Mercer hat sicher die besten Anwälte an der Hand. Sie werden schon eine Hintertür finden, durch die sie ihren schwerreichen Mandaten auf freien Fuß bekommen.«

    »Das ist nicht mehr unser Problem«, meinte Milo schnoddrig. »Beweise und Zeugenaussagen auszuwerten ist Sache des Staatsanwalts. Er muss dem Haftrichter genug Material präsentieren, damit Mercer festgehalten werden kann.«

    Ich schaute Milo von der Seite an. »Das ist doch nicht dein Ernst. Du bist doch frustriert bis in die Knochen, wenn jemand, den wir verhaftet haben, gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wird. Und ich denke, gerade bei Rich Mercer würde es dich bis ins Mark treffen, wenn ihn der Haftrichter laufen ließe.«

    Milos Brauen hoben sich. »Wie gut du mich kennst, Partner.« Er zeigte ein angedeutetes Grinsen. »Ich würde mich wahrscheinlich in den Hintern beißen, wenn die Aussage Swantons nicht ausreichen würde, um den alten Schuft hinter Schloss und Riegel zu bringen.«

    Die Ampel schaltete wieder auf grün um. Die Autos vor uns rollten an. Wir befanden uns bald mitten in einem Wohngebiet. Zu beiden Seiten der Straße waren schmucke Einfamilienhäuser mit kleinen Gärten davor zu sehen. Kinder spielten. Eine Gruppe Frauen stand auf dem Gehsteig und unterhielt sich. Hier war die Welt noch in Ordnung. So schien es zumindest...

    Wir erreichten die Flatbush Avenue und hier war das Verkehrsaufkommen wieder lebhafter. Irgendwann bog ich nach links ab und wir gelangten nach Mill Basin, einem Ortsteil, bei dem es sich ebenfalls um ein Wohnviertel handelte.

    Südlich von uns erhoben sich die Bäume und Büsche des Marine Parks, östlich befand sich Bergen Beach, eine bevorzugte Wohngegend des Geldadels, der sich hier - fernab von Verkehrslärm und Stress - an der Jamaika Bay teure Häuser erbaut hatte.

    Es waren Villen, die in großen, parkähnlichen Gärten lagen, die mit hohen Hecken wie Mauern umgeben waren. Wir fanden das Anwesen Mercers auf Anhieb. Ich stellte den Wagen an den Straßenrand. Milo und ich stiegen aus. Das große, schmiedeeiserne Tor, hinter dem die Zufahrt zur Villa lag, war verschlossen. Vor der Garage stand ein schwarzer Oldsmobile. An einer der Säulen, die die Gartentür säumten, war eine Klingel mit Gegensprechanlage. Parallel zur Zufahrt verlief ein gepflasterter Fußweg, der bei einem Rondell vor dem Haus endete, das mit Blumen bepflanzt war und aus dessen Mitte ein Springbrunnen mit einem Neptun als Brunnenfigur ragte.

    Hier war alles pompös und vom Feinsten.

    »Wird dem alten Gangster nicht leicht fallen, all das gegen eine nüchterne Gefängniszelle einzutauschen«, freute sich Milo.

    »Ganz sicher nicht«, pflichtete ich bei und legte den Daumen auf den Klingelknopf.

    Nichts rührte sich.

    Ich läutete noch einmal.

    Nichts!

    Milo versuchte, ob sich die Gartentür öffnen ließ. Sie schwang lautlos auf. Wir betraten das Grundstück. Linker Hand wurde der Fußweg von einer immergrünen Hecke gesäumt. Rechts, jenseits der Zufahrt, war ebenfalls eine Hecke, hinter der sich Bäume und Sträucher erhoben.

    Ich schaute mich um und war überzeugt davon, dass der Eingangsbereich in das Grundstück videoüberwacht war. Wahrscheinlich sogar der gesamte Garten. Allerdings konnte ich nirgendwo eine Kamera entdecken.

    Wir schritten den Fußweg entlang und erreichten die Haustür.

    Sie war nur angelehnt.

    Mir fiel sofort auf, dass die Tür beschädigt war.

    »Himmel«, kam es von Milo. »Sieht aus, als wäre die Tür aufgebrochen worden.«

    Ich stieß sie auf, sie schwang nach innen. Wir betraten das Haus. Vor unseren Blicken lag das Wohnzimmer. Am Boden lag ein nackter Mann auf dem Teppich. Seine gebrochenen Augen starrten zur Decke hinauf. Seine Brust war blutbesudelt. Auf den ersten Blick sah ich, dass er erschossen worden war.

    »Das ist Rich Mercer«, stieß Milo hervor. »Heiliger Rauch! Wer ist uns da zuvorgekommen?«

    Ich hatte schon das Handy aus der Tasche genommen und holte die eingespeicherte Nummer der Zentrale auf das Display. Gleich darauf hatte ich einen Kollegen an der Strippe. Ich bat ihn, die Mordkommission zu verständigen. Der Kollege sagte es mir zu.

    Wir warteten, bis die Kollegen erschienen...

    5

    Die ballistische Analyse des Geschosses, mit dem Richard Mercer getötet worden war, ergab, dass es sich um ein Projektil vom Kaliber 40 Smith & Wesson handelte. Ein viel gebräuchliches Kaliber. Eine Übereinstimmung mit bereits registrierten Geschossen war nicht festzustellen.

    Im Haus Mercers wurden Fingerabdrücke gefunden. Auch sie waren nicht registriert.

    Wir hatten nicht den geringsten Anhaltspunkt, der uns auf die Spur des Mörders geführt hätte.

    Wir fuhren zu Alfred Mercer, dem Sohn des Gangsterbosses. Seine Wohnung befand sich in Manhattan, Clinton, 54. Straße. Eine rothaarige Frau ließ uns in die Wohnung. Alfred Mercer zeigte sich uns geknickt und voll Trauer. Er trug sogar zu Hause ein weißes Hemd und eine schwarze Krawatte.

    Er forderte uns auf, Platz zu nehmen. Mir fiel die Ähnlichkeit auf, die er mit seinem Vater hatte. Seine Haare waren allerdings dunkel. Er setzte sich ebenfalls. Auch die rothaarige Lady ließ sich nieder. »Darf ich Ihnen einen Drink anbieten?«, fragte Alfred Mercer.

    Wir lehnten dankend ab.

    »Sie ahnen sicher, weshalb wir zu Ihnen gekommen sind«, begann ich.

    »Es ist wegen des Mordes an meinem Vater«, antwortete Mercer. »Haben Sie schon Hinweise auf den Mörder gefunden?«

    »Die Ermittlungen führen nicht wir, sondern die Mordkommission«, versetzte ich. »Uns interessiert mehr die Zeit vor dem Tod Ihres Vaters. Wussten Sie über seine Geschäfte Bescheid?«

    »Er betrieb einen privaten Geldverleih. Natürlich wusste ich das. Dad verdiente gut

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