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DIE VERFÄNGLICHE ANNONCE
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eBook221 Seiten2 StundenHistorical

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Über dieses E-Book

Mit größtem Erstaunen liest die ebenso schöne wie vermögende Lady Julia die Gesellschaftsneuigkeiten: Es heißt, Hugo Devenish, Marquess of Rostherne, beabsichtigte, mit einer reichen Dame eine Zweckehe einzugehen. Um ihren Vater zu beruhigen, der befürchtet, sein einziges Kind werde nach seinem Tod schutzlos und vereinsamt dastehen, gibt Julia vor, sie sei die Dame, von der in der Annonce die Rede ist. Wie kann sie auch ahnen, dass diese süße Lüge aus der Verschwiegenheit des elterlichen Herrschaftssitzes tatsächlich Hugo zu Ohren kommt? Dermaßen kompromittiert, muss Hugo, der Julia vor Jahren, auf einem glanzvollen Ball in seinen Armen gehalten hat, einen Heiratsantrag machen. Und schon bald beginnt er zu spüren, dass seine betörende Gattin tatsächlich zärtliche Gefühle in ihm weckt, denen er aber auf keinen Fall nachkommen darf. Denn der Ehevertrag der Vernunftheirat schließt eheliche Pflichten bis auf weiteres aus…

SpracheDeutsch
HerausgeberCORA Verlag
Erscheinungsdatum16. Dez. 2013
ISBN9783954467785
Autor

Sylvia Andrew

<p>Sylvia Andrew wollte eigentlich nie ein Buch verlegen lassen, bis sie Mills &amp; Boon ihren ersten historischen Roman zukommen ließ. Als dieser sofort angenommen wurde, war sie überrascht, aber glücklich. "Perdita" erschien 1991, und sieben weitere Bücher folgten. Auch Sylvias eigene Liebesgeschichte ist sehr romantisch. Vereinfacht gesagt hat sie den Jungen aus dem Nachbarhaus geheiratet, weil seine Mutter es so wollte. Aber es ist etwas komplizierter: Ihre zukünftigen Schwiegereltern waren ihre Nachbarn und stellten den Kontakt zu ihrem Sohn her, als Sylvia einen Job in Cambridge annahm. Simon war dort Lektor. Er kümmerte sich ein wenig um sie, zeigte ihr die Stadt, und daraus wurde schließlich mehr … Heute – 40 Jahre später – leben sie mit Hund und Katze in Somerset. Ihre Tochter Catherine ist in London verheiratet. Simon ist im Stadtrat von Crewkerne aktiv und in der Gegend sehr bekannt, Sylvia dagegen ist gerne mal allein, weshalb sie ihr Mann mit dem Spitznamen "verkappte Einsiedlerin" aufzieht! Die beiden haben eben ihre Eigenheiten: Simon ist Rekordhalter, wenn es darum geht, möglichst schnell Unordnung zu schaffen, Sylvia wiederum kann keinem Schnäppchen widerstehen, ob nützlich oder nicht. Die beiden besitzen auch ein kleines Haus in der Normandie, wo sie so viel Zeit wie möglich verbringen. Sie erinnern sich gerne an Sylvias spitzen Schrei, als sie hier in einem Supermarkt das erste Mal eines ihrer Bücher entdeckte!</p>

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    Buchvorschau

    DIE VERFÄNGLICHE ANNONCE - Sylvia Andrew

    1. KAPITEL

    Blendende Helle durchflutete Lord Carterets großes Schlafgemach. Im Raum war es unerträglich warm, doch Seine Lordschaft hatte darauf bestanden, das Feuer im Marmorkamin zu schüren und keine der Kerzen verlöschen zu lassen.

    „Mich wird früh genug Dunkelheit umfangen, hatte er gesagt und seine Tochter grimmig angelächelt. „Ich möchte das Licht so lange wie möglich genießen.

    Er hatte die Bitte vor dem zweiten Schlaganfall geäußert, doch seither achtete Julia darauf, dass die Kerzen schon beim ersten Schwinden des Tageslichtes angezündet wurden und bis zum Morgengrauen brannten. Sie saß am Bett des Kranken und fächelte sich mit der Zeitung, die sie gelesen hatte, ehe er eingeschlummert war, Kühlung zu. Sie vermochte nicht, sich davon zu überzeugen, er sei auf dem Wege der Besserung, konnte sich ein Leben ohne ihn jedoch auch nicht vorstellen. Sie hatte die Mutter schon in Kindertagen verloren, und seither war er ihre Bezugsperson gewesen. Er hatte mit ihr gespielt und sie weitaus mehr gelehrt als die Gouvernante. Und seit der verhängnisvollen Saison in London war er ihr Freund und Vertrauter gewesen. Sie schluckte, als die Gefühle sie zu überwältigen drohten. Er würde es missbilligen, wenn sie ihnen nachgab und weinte. Sie war froh, dass sie sich beherrscht hatte, denn er regte sich und schlug die Lider auf.

    „Julia?", flüsterte er leise und kaum verständlich.

    „Ich bin hier, Papa."

    „Das dachte ich mir."

    Er schwieg, und nur sein schwerer Atem war zu vernehmen.

    „Hast du einen Wunsch, Papa?", erkundigte sie sich besorgt.

    „Nein. Ich habe nachgedacht. Wie alt bist du eigentlich, Julia?"

    Sie unterdrückte einen Seufzer. Seit einer Woche stellte er ihr immer wieder dieselbe Frage und schien das stets aufs Neue zu vergessen. Geduldig antwortete sie: „Sechsundzwanzig, Papa."

    „Ich begreife nicht, warum du nicht geheiratet hast, mein Kind."

    „Ich habe nie jemanden gefunden, mit dem ich mich so gut hätte unterhalten können wie mit dir", erwiderte sie lächelnd, obgleich sie wusste, dass diese Erklärung ihm ebenso wenig genügen würde wie alle anderen Begründungen, die sie ihm früher gegeben hatte.

    Er krauste die Stirn und murmelte: „Was wirst du tun, wenn ich nicht mehr bei dir bin, Julia? Du solltest heiraten und einen Gatten haben, der dir beisteht, und Kinder. Die Gecken, die dir in London über den Weg gelaufen sind, hatten ja keine Ahnung, welch wertvoller Mensch du bist. Roderick Marchant, Earl of Carteret, schwieg und schüttelte leicht den Kopf. Ich hätte auf meine Schwester hören sollen, fuhr er mit schwacher Stimme fort."

    Julia musste sich vorbeugen, um ihn zu verstehen.

    „Sie hatte mir geraten, dir mehr Zeit zu lassen, damit du dich im ton bewegen lernst. Ich hingegen war anderer Ansicht. Ich meinte, jeder müsse mit halb geschlossenen Augen sehen, welch wunderbare Tochter ich habe. Doch deine Verehrer, diese Hohlköpfe, suchten nur ein hübsches Gesicht und eine Frau, die Gefallen an leeren Komplimenten findet. Der Teufel soll diese Trottel holen! Ich hätte wirklich Alicias Empfehlungen folgen sollen. Deine Tante ist zwar in allem anderen eine dumme Person, aber sie weiß, wie man sich auf gesellschaftlichem Parkett zu benehmen hat. Ich hätte doch mehr Geduld aufbringen sollen. Mit zitternden Fingern ergriff Roderick die Hand der Tochter. Verzeih mir, dass ich dir die Zukunftsaussichten zunichtegemacht habe.

    Er verstummte und schien entweder eingeschlafen zu sein oder erneut das Bewusstsein verloren zu haben. Julia traten die Tränen in die Augen, und mit verschwommenem Blick schaute sie auf die Zeitung. Das Problem, dass sie bisher nicht verheiratet war, beschäftigte den Vater in jedem wachen Moment. Die Angst, er trage die Schuld daran, ließ ihn innerlich nicht zur Ruhe kommen, obwohl er in seinem geschwächten Zustand den Seelenfrieden dringend nötig hatte.

    Julia fragte sich, was sie tun könne, um ihm zu helfen. Die einzige Antwort war, sich zu vermählen, doch das würde sich nicht bewerkstelligen lassen. Es war ihr schon im Verlauf der Saison in London nicht gelungen, einen Heiratsantrag zu erhalten; wie sollte sie dann ausgerechnet in Surrey, noch dazu, wo sie durch die Krankheit des Vaters ans Haus gebunden war, jemanden finden, der sich für sie interessierte? Selbst wenn es einen Verehrer gäbe, würde er gewiss nicht den Vorstellungen entsprechen, die der Vater sich von ihm als ihrem zukünftigen Gatten machte.

    Einmal hatte es einen Gentleman gegeben, in den sie verliebt gewesen war. Sie lächelte trocken, als sie an die fast zehn Jahre zurückliegende kurze Bekanntschaft mit Hugo Devenish dachte. Es war nicht verwunderlich gewesen, dass sie sich, damals noch ein siebzehnjähriges scheues Mädchen und nur an die Gesellschaft des vom Wesen her nüchternen, sachlichen Vaters gewöhnt, Hals über Kopf in den charmanten, weltgewandten jüngeren Sohn des Marquess of Rostherne verliebt hatte.

    Zu jener Zeit hatte der Marquess noch gelebt. Lord Hugo Devenish war erst kurz zuvor aus Griechenland zurückgekehrt und genoss das Aufsehen, das er im ton erregte. Warum auch nicht? Die wenigsten Damen, gleich welchen Alters, konnten sich der Ausstrahlung des hochgewachsenen, kräftigen, sonnengebräunten und attraktiven Gentleman entziehen, den immer noch der Ruf eines Aufsehens erregenden Gesellschaftsskandals umgab. Doch dank des Reichtumes seiner Familie, seiner noblen Herkunft und untadeligen Manieren neigten die Mütter heiratsfähiger Töchter dazu, seine Vergangenheit zu übersehen und ihn mit Wohlwollen zu betrachten. Schließlich hatte man ja nie etwas Genaues über die Umstände des Skandals erfahren, und zudem war Lord Hugo Devenish seinerzeit noch sehr jung gewesen.

    Julia hatte ihn gänzlich unerwartet kennengelernt, als sie bei einem von Lady Godfrey veranstalteten Ball aus dem Saal geflohen war. Sie hatte sich einsam gefühlt, Sehnsucht nach dem Vater gehabt und sich in den Wintergarten zurückgezogen. Plötzlich war Cousine Sophie, ein lebhaftes blondhaariges Mädchen mit blauen Augen und zartem Teint, in den Raum gekommen, begleitet von zwei Kavalieren. Der eine war Lord Mersham, ihr treuester Verehrer, gewesen, doch den anderen, etwas größeren Herrn hatte Julia nicht gekannt.

    Sie war froh gewesen, dass man sie nicht sogleich hatte sehen können, und hatte vorsichtig um die Palmen gelugt, um den Mann erkennen zu können. Erschrocken war sie erstarrt, als er in ihre Richtung schaute, und hatte innerlich aufgeatmet, weil er sie nicht bemerkt zu haben schien und das Gespräch mit Sophie und ihrem Bewunderer fortsetzte. Es hatte sie nicht erstaunt, dass die Aufmerksamkeit der Cousine eher ihm denn ihrem Verehrer galt, obgleich Sophie mit Lord Peter Mersham schäkerte.

    Plötzlich war Maria Cunliffe in den Wintergarten gekommen und hatte der Freundin mitgeteilt, sie und Cousine Julia würden von Sophies Mutter gesucht. Sophie hatte gelacht und erwidert, sie könne sich nicht vorstellen, dass irgendjemand Julia vermissen würde. Auch Peter hatte gegrinst, sein Bekannter hingegen die Stirn gerunzelt. Sophie hatte die Begleitung der Herren ausgeschlagen und war mit Maria Cunliffe in den Ballsaal zurückgekehrt.

    Lord Peter Mersham hatte eine hingerissene Bemerkung über Sophie gemacht, von seinem Hugo genannten Freund jedoch nur zur Antwort erhalten, sie sei zwar hübsch, aber überheblich, weil sie sich so abfällig über die Cousine geäußert habe. Peter hatte entgegnet, Julia Marchant habe zwar einen reichen Vater, sei aber ansonsten hochmütig, langweilig, unselbstständig und fad. Hugo hatte daraufhin gemeint, in seinen Augen sei Sophie Aston wahrlich kein Ausbund an Intelligenz und so dumm wie hübsch. Peter hatte sich geärgert und war zu den anderen Gästen zurückgegangen. Hugo hatte sich auf eine Bank gesetzt, eine Weile geschwiegen und dann plötzlich, ohne sich umzudrehen gesagt: „Nun können Sie das Versteck verlassen, Madam. Ich glaube nicht, dass Sie den ganzen Abend dort zubringen möchten."

    Julia hatte sich noch tiefer in den Winkel zurückgezogen und erschrocken gefragt: „Woher wussten Sie, dass ich hier bin?"

    „Ich habe Sie sofort bemerkt, als ich den Wintergarten betrat. Nun zeigen Sie sich endlich und gewähren Sie mir die Gunst eines Tanzes."

    „Das geht nicht!, hatte Julia bestürzt erwidert. „Wissen Sie denn nicht, wer ich bin?

    „Sie sind Lady Julia Marchant, Sophie Astons Cousine, wenn ich mich nicht sehr irre, hatte Hugo geantwortet. „Und ich bin Hugo Devenish.

    Sie hatte nicht gewagt, sich ihm zu nähern.

    „Es tut mir leid, wenn Sie sich durch das, was Sie belauscht haben, gekränkt fühlen", hatte er nach kurzem Schweigen geäußert.

    Julia hatte ihm widersprochen und enttäuscht hinzugefügt, sie hätte sich das Leben in London gänzlich anders ausgemalt. Natürlich habe sie sich auf die Bälle, Theaterbesuche und sonstigen gesellschaftlichen Amüsements gefreut, dann jedoch feststellen müssen, dass sie durch ihre Unbeholfenheit und Gehemmtheit offenbar nicht imstande sei, auf die Leute einen gewinnenden Eindruck zu machen. Sie sei eine schlechte Tänzerin, und jeder mache sich hinter ihrem Rücken über sie lustig. Selbst Sophie und Peter hatten das noch vor wenigen Minuten getan. Natürlich bemühe sie sich, nicht zu zeigen, wie sehr das Verhalten ihrer Umgebung sie kränkte, aber es ließe sich nicht leugnen, dass sie zutiefst verletzt sei.

    „Das ist verständlich, hatte Lord Devenish erwidert. „Jedem würde es so gehen. Doch nun vergessen Sie die Hemmungen, und tanzen Sie mit mir. Ich werde Sie so geschickt führen, dass Sie nicht befürchten müssen zu stolpern.

    Zögernd war sie aus dem Versteck gekommen und hatte den Mann, der unbedingt mit ihr tanzen wollte, misstrauisch angeschaut. Er war aufgestanden, und sie hatte bemerkt, dass er sie um Haupteslänge überragte und ungemein gut aussah. Er hatte ihr den Arm gereicht, und innerlich immer noch widerstrebend war sie mit ihm in den Ballsaal gegangen. Er war indes ein wundervoller Tänzer, und der aufmunternde Blick seiner nussbraunen Augen hatte ihr jedes Gefühl der Unsicherheit genommen und sie die Umgebung vollkommen vergessen lassen. In der Pause, als das Souper serviert wurde, hatte er ihr einen Teller voller Köstlichkeiten gebracht und sich mit ihr in einen stillen Erker zurückgezogen. Durch seine charmante, herzliche und lustige Art war ihre Befangenheit schnell geschwunden. Sie hatten viel gelacht, bis sie unversehens von ihm leicht auf den Mund geküsst worden war. In ihrer Bestürzung hatte sie unwillkürlich die Lippen geöffnet und ihn erschrocken angeschaut. Er hatte ihr noch einen Kuss gegeben, der viel zärtlicher und gefühlvoller als der erste gewesen war, und sich dann zu ihrer Überraschung stirnrunzelnd erkundigt, wie alt sie sei.

    „Siebzehn."

    „Erst? Ich habe Sie älter geschätzt."

    „Wahrscheinlich, weil ich so groß bin. Ich werde oft für älter gehalten."

    „Dann wird es Zeit, dass ich Sie zu Ihrer Tante zurückbringe. Ich darf Sie nicht länger dem Gerede der Leute aussetzen." Er hatte sie zu der Countess of Thornton geleitet, sich mit einem bedauernden Lächeln vor ihr verneigt und sich unter die Gäste gemischt.

    Im weiteren Verlauf des Abends war sie in einem Zustand seliger Benommenheit gewesen und hatte die neugierigen Blicke, die man ihr zuwarf, nur am Rande wahrgenommen. Nachts hatte sie Stunden wach gelegen, ihr Glück nicht fassen können und von einer wundervollen Zukunft in Lord Hugo Devenishs Armen geträumt. Durch ihn hatte sie plötzlich das Gefühl bekommen, schön und begehrenswert zu sein. Und der Umstand, dass er kein zweites Mal mit ihr getanzt hatte, war auch schnell erklärt. Er hatte Rücksicht auf sie genommen und vermieden, dass man über sie klatschte.

    Am nächsten Abend hatte sie sich eingeredet, es gäbe gewiss eine vernünftige Erklärung dafür, dass er tagsüber nicht zu Besuch erschienen war. Vielleicht hatten wichtige Geschäfte ihn ihr ferngehalten. Schließlich hatte er nicht wissen können, ebenso wenig wie sie, dass er bei Lady Godfreys Ball sein Lebensglück finden würde.

    Eine Woche lang hatte Julia sich etwas vorgemacht, sich dann jedoch eingestehen müssen, das für sie die Welt von Grund auf verändernde Erlebnis sei für ihn vollkommen bedeutungslos gewesen. Möglicherweise hatte er sich sogar über sie amüsiert.

    Erbittert hatte sie bei Ausfahrten im Park verstohlen nach ihm Ausschau gehalten, um ihn dann hochmütig zu ignorieren, und bei allen gesellschaftlichen Veranstaltungen, die von ihnen beiden besucht wurden, war es nicht anders gewesen. Irgendwann war ihr dann aufgefallen, dass der gesamte ton sich über ihr Verhalten belustigte, doch es hatte sie nicht gestört. Eine Art wütender Besessenheit hatte sie befallen, den Mann, den sie inzwischen als ihren Feind betrachtete, zu verfolgen und zu bestrafen, koste es, was es wolle.

    Und bald fand sie sich, gänzlich unerwartet, in ihrem Urteil über Lord Hugo Devenish bestätigt. Eines Tages hatte sie sich im Hause der Tante im Salon hinter den geschlossenen Portièren auf die Erkerbank gesetzt und sich wilden Wunschvorstellungen hingegeben, irgendwann einen reumütigen, vollkommen verzweifelten Lord Devenish voller Verachtung zurückweisen zu können.

    Durch den Klang ihres Namens war sie jäh in die Wirklichkeit zurückgerissen worden, und erstaunt hatte sie vernommen, dass die Tante äußerte, sehr um sie besorgt zu sein.

    „Seit Lord Devenish sich so auffallend um Miss Strangway bemüht, Lady Crichel, hatte die Tante gesagt, „ist Julias Benehmen noch schlimmer geworden. Ich habe bereits an meinen Bruder geschrieben, doch leider weilt er im Moment nicht in Downings Castle. Die arme Julia ist so unglücklich.

    Lady Crichel hatte verächtlich erwidert, Julia sei ein törichtes Kind und Lord Devenish ein unverbesserlicher Roué, der sogar mit seiner Schwägerin ein Verhältnis gehabt habe. Auf den Einwand von Julias Tante, etwas vorsichtiger mit solchen Äußerungen zu sein, denn schließlich gäbe es keinen Hinweis, dass dieses Gerücht der Wahrheit entspräche, hatte Lady Crichel spitz entgegnet: „Und was, meine Liebe, soll man von einem attraktiven Burschen denken, der ständig mit der Frau seines Bruder zusammen ist, nach einem in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streit mit ihm plötzlich ins Ausland reist und dem dann, kaum einen Monat später, seine erst ein Jahr verheiratete Schwägerin folgt? Sie wissen so gut wie ich, meine Teure, dass John Devenish seither ein gebrochener Mann ist, der Vergessen beim Spiel und im Alkohol sucht. Sein Vater musste ihm mehr als einmal aus der Patsche helfen. Er hätte diese Thérèse de Lachasse nie heiraten dürfen! Eine Ausländerin! Es gab genügend hübsche und begüterte englische Mädchen, die stolz darauf gewesen wären, sich mit dem Erben des Marquess of Rostherne zu vermählen."

    Julia hatte genug gehört. Ihre Meinung über Lord Devenish war also doch nicht falsch gewesen. Er war ein hemmungsloser Frauenheld. Vermutlich hatte er inzwischen das Interesse an seiner Schwägerin verloren und war nach England zurückgekommen, um neue Eroberungen zu machen. Es hatte Julia geärgert, dass sie durch ihn bei Lady Godfreys

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