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Väterchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin: Erster Band: Geburt bis Jeschowtschina
Väterchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin: Erster Band: Geburt bis Jeschowtschina
Väterchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin: Erster Band: Geburt bis Jeschowtschina
eBook245 Seiten2 Stunden

Väterchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin: Erster Band: Geburt bis Jeschowtschina

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Über dieses E-Book

Die Vorfahren Stalins waren Osseten. Rein sprachlich sind die Osseten Nachfahren der Alanen, eines iranischen Volkes, welches als Teilstamm der iranischen Sarmaten, für den es Belege bereits aus dem 1. Nachchristlichen Jahrhundert gibt, etwa im 6. Jahrhundert in den Kaukasus einwanderte und sich zum Christentum bekannte.
Bereits im Jahre 921 entstand hier ein alanisches Erzbistum. Durch militärische Einfälle der Tartaren und der Mongolen kam es im 13. Jahrhunderten zur Zerstörung des im Kaukasus gelegenen Reiches der Osseten.
Die überlebenden Alanen zogen sich in die Berge des Kaukasus zurück, wo noch heute Verteidigungs- und Wehrtürme von ihrer Siedlungstätigkeit aus jenen Tagen künden.
Seinerzeit bildete sich im Kaukasus das moderne Volk der Osseten heraus.
Sie siedelten vor allem nördlich des Hauptkammes des Kaukasus. Etwa seit dem 16. Jahrhundert begann ein großer Teil des ossetischen Adels damit, sich zum muslimischen Glauben zu bekennen.
Der ossetische Adel verband sich eng mit dem Adel der Kabardiner, einer Siedlungsgruppe der Tscherkessen und mit dem balkarischen Adel, einem der Turkvölker des Kaukasus.
Bereits im Jahre 1774 trat ganz Ossetien aus freien Stücken dem Zarenreich bei.
Von 1817 bis 1864 tobte der Kaukasuskrieg, von 1877 bis 1878 der Russisch-Türkische Krieg. Beide Auseinandersetzungen führten dazu, dass ein erheblicher Teil des muslimischen ossetischen Adels aus dem Nordkaukasus in das Osmanische Reich auswanderte.
Auch viele Abchasen, Tscherkessen und Tschetschenen wanderten aus dem Zarenreich aus und in das Osmanische Reich ein.
Als das Zarenreich in der Oktoberrevolution zerfiel, kam es von 1918 bis 1920 zum Georgisch-Südossetischen Konflikt, der sich überwiegend im Gebiet von Südossetien abspielte. Im Verlaufe dieser Konflikte verloren zwischen 5.000 und 18.000 Osseten ihr Leben. Annähernd 20.000 von ihnen wurden aus ihrer kaukasischen Heimat vertrieben.
Stalins Urgroßvater hieß Sasa Dschugaschwili.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum30. Juni 2014
ISBN9783847696056
Väterchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin: Erster Band: Geburt bis Jeschowtschina

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    Buchvorschau

    Väterchens Misstrauen. Die Welt des Josef Stalin - Ralph Ardnassak

    I

    „Sei versichert, dass meine Hand nicht zittern wird."

    Aus einem Brief Stalins an Lenin, 1918.

    Wer ich bin, spielt gar keine Rolle! Dies soll aus zwei Gründen bereits vorweg gesagt werden. Einerseits möchte ich unerkannt bleiben. Aus alter Gewohnheit und weil es sich so sicherer lebt in unserem Land und im Rest der Welt.

    Andererseits geht es hier nicht um mich, sondern um die Person jenes Mannes, der sich selbst der Stählerne nannte. So wie ein Schauspieler oder ein Schriftsteller, der sich ein Pseudonym wählte, weil er mit dem eigenen Namen und bestimmten Eigenschaften seiner Person nicht zufrieden war, aus der er nun heraus treten konnte, um in jene Rolle zu schlüpfen, die wie eine Maske hinter jenem Pseudonym verborgen wurde.

    Ich habe ihn gut gekannt, jenen Mann, von dem es hieß, er habe das Töten von Menschen als das simpelste und vermutlich älteste Instrument der Politik und der Herrschaft wiederentdeckt und verfeinert.

    Ich bin beileibe nicht sein Freund gewesen. Darauf lege ich Wert! Sagen wir einfach, ein sehr guter Bekannter. Vielleicht ein Vertrauter. Den Wert der Freundschaft schätzte er selbst stets gering ein. Freundschaft setzt Vertrauen voraus. Und sein Charakter und die Zeiten, in denen er aufwuchs und die ihn prägten, ließen es nicht zu, dass dieses schüchterne Pflänzchen in dem harten Boden seiner Seele Wurzeln schlagen und wachsen konnte. Immer wieder wurde es ausgerissen oder mit schmutzigen Stiefeln zertreten.

    So wurde er ein misstrauischer, ein machtbewußter Mann, der das Misstrauen als die elementarste Voraussetzung begriff, um am Leben und vor allem an der Macht zu bleiben. Vermutlich gab es überhaupt nur einen einzigen Menschen auf der Welt, dem er vertraute. Das war er selbst.

    Geboren wurde er in Georgien. Dieses Georgien oder auch Grusien oder Grusinien, ist ein Land in Vorderasien. Es liegt im Süden des Gebirges Großer Kaukasus, welches die Grenze zu Russland bildet und im Osten des Schwarzen Meeres.

    Während Georgien im Norden an Russland grenzt, liegen Armenien und die Türkei hinter seiner südlichen Grenze. Aserbaidschan bildet den östlichen Nachbarn des Landes.

    Damit befindet sich Georgien also exakt an der Nahtstelle von Eurasien.

    Den Balkon Europas, so nennen die Georgier gern ihre in Vorderasien liegende Heimat.

    Beinahe 90 % der Oberfläche Georgiens, welches in seiner Größe ungefähr Bayern entspricht, machen Vorgebirge und Gebirge aus, von denen der Große Kaukasus die höchsten und mächtigsten Gipfel und Ketten beisteuert, die von ewigem Schnee und Eis und gewaltigen Gletscherzungen bedeckt sind. Georgien ist Gebirgsland.

    Ganz im Norden dominiert die sogenannte Südabdachung des Großen Kaukasus. Im Süden ragen die westlichen Rücken des Kleinen Kaukasus empor, der an Armenien, Aserbaidschan, die Türkei und Georgien gleichermaßen angrenzt. Ebenfalls im Süden ragt der Rand des vulkanischen Hochlands empor, welches bis zum 17. Jahrhundert fast vollständig unter osmanischer Herrschaft stand.

    Im Westen Georgiens erstreckt sich die Kolchische Tiefebene. Benannt nach der antiken Landschaft Kolchis, die vom Kaukasus bis an die Küsten des Schwarzen Meeres reicht und die in antiker Zeit ein eigenes Königreich bildete.

    Das alte Königreich Kolchis ist der Gegenstand der Argonautensaga und die Heimat der zauberkundigen Medea, Tochter König Aietes von Kolchis, der an der Ostküste des Schwarzen Meeres residierte. Das Königreich Kolchis war auch das Ziel des Argonautenzuges unter Jason, Sohn des Aison, des Königs von Iolkos, der in das Reich von Kolchis gezogen kam, um hier das Goldene Vlies zu suchen. Viele Sagen und Legenden handeln vom Königreich Kolchis. So auch jene, wonach alle verstorbenen Männer von Kolchis auf dem kirkäischen Feld in Stierfelle eingenäht und dann in den Kronen der Weidenbäume aufgehängt wurden, während man die Frauen einfach in der Erde bestattete.

    Ganz Kolchis, so heißt es, soll einst ein Garten voller Heilpflanzen und giftiger Kräuter gewesen sein, aus denen König Aietes, ein Magier und Giftkundiger, mit seiner Tochter Medea wundersame Tränke zuzubereiten wusste.

    Uralt sind antike Quellen und Berichte über diese wundersame Landschaft. Sie stammen von den Urartäern, von den Griechen, von Herodot, von Pindar und Hippokrates.

    Während die Kolchische Tiefebene den Westen Georgiens zwischen dem Großen und dem Kleinen Kaukasus bedeckt, findet sich im Osten des Landes die Transkaukasische Senke, die sich in die drei Gebiete der Innerkarteli-Ebene, der Unterkarteli-Ebene und der Alsasani-Ebene unterteilen lässt.

    Die Transkaukasische Senke ist ein ausgedehntes Tieflandsgebiet, welches sich zum Kaspischen Meer hin öffnet und teilweise bereits unterhalb des Meeresniveaus liegt.

    Zahlreiche Flüsse durchschneiden die Transkaukasische Senke, von denen die Kura der bedeutendste Strom ist. Über 1.000 Kilometer frisst sie sich durch das Tiefland, wobei zahlreiche Nebenflüsse aus ihr entspringen.

    An der Küste des Kaspischen Meeres schließlich, finden sich die Erdöllagerstätten, die immer wieder aufs Neue Begehrlichkeiten weckten.

    Von Nord nach Süd verläuft der Lichi-Gebirgszug durch ganz Georgien, so dass er das Land in West- und in Ostgeorgien trennt.

    Der Schara, erstmalig im Jahre 1888 über seinen Nordost-Grat hinweg von John Garford Cockin, Ulrich Almer und C. Roth bestiegen, bildet mit seinem schneebedeckten und wolkenverhangenen Gipfel, der bis in 5.068,9 Meter aufragt, den höchsten Berg in Georgien. Die Kura, von den Einheimischen stets nur Mtkwari genannt, ist mit 1.364 Kilometern der längste Fluss des Landes. Sie durchzieht Georgien von ihrem Oberlauf im Süden, am Fuße des Kleinen Kaukasus gelegen, bis weit in den Osten hinein. Weitere bedeutsame Flüsse werden durch den Alasani, den Rioni und den Enguri gebildet.

    Auf 2.073 Höhenmetern liegt der größte See Georgiens, der Parawani, mit fast 38 Quadratkilometern Wasserfläche. Umgeben von 3.000 Meter hohen imposanten Berggipfeln, misst die tiefste Stelle des Parawani lediglich 3,3 Meter.

    Nahe am Ufer des Sees liegt noch heute das georgisch-orthodoxe Foka-Kloster, errichtet im 11. Jahrhundert. Die Heilige Nino soll an jener Stelle, an der sich das Kloster befindet, einst das Christentum nach Georgien gebracht haben. Ein Weinrebenkreuz erinnert in dem von Nonnen bewohnten Kloster an sie.

    Tbilissi, Kutaissi, Batumi, Rustawi, Sochumi, Sugdidi, Gori und Poti sind die wichtigsten Städte des Landes.

    Das Klima Georgiens ist mild. Der Kaukasus bildet eine natürliche Barriere gegen die von Norden her heran strömenden Wellen kalter Luft. Diese Barriere ist so wirksam, dass es das Schwarze Meer stets vermag, das Land Georgiens zu erwärmen.

    Im Westen des Landes herrscht subtropisches und feuchtes Klima vor. Im Osten hingegen trockenes und gemäßigtes kontinentales Klima.

    Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im subtropisch warmen Westteil des Landes bei etwa 15 Grad Celsius. Im Osten bei 11 bis 13 Grad Celsius. Im Westen gibt es ergiebige Niederschläge, während der Ostteil deutlich trockener ist.

    Georgiens Frühling ist stets kurz und von abrupten Schwankungen des Klimas bestimmt. Die Sommer sind sengend heiß. Im Herbst ist es sonnig und warm und die Winter bringen nur wenig Schnee.

    Die oftmals vollkommen abgeschlossenen Täler Georgiens kennen viele Pflanzen und Tiere, die nicht selten nur in einem einzigen dieser Täler vorkommen.

    Beinahe die Hälfte des Landes ist mit Wald bedeckt. Oft handelt es sich dabei um Urwald.

    Besonders in den Bergen Georgiens erweckt der Wald den Eindruck, als sei er so jungfräulich, wie der Allmächtige ihn einst schuf.

    In den Wäldern am Fuß der Gebirge herrscht der Laubwald mit Eichen und Buchen vor. In den höheren Lagen dominiert der Nadelwald. Hier gedeihen Fichten, Tannen und sogar Nordmanntannen.

    Über der Baumgrenze finden sich alpine Wiesen.

    Bevor der Mensch das Tiefland Georgiens besiedelte, um es zu kultivieren, war es Steppenland.

    Die Wälder Georgiens sind reich an Wild. Darunter Braunbären und Wölfe, der Kaukasische Leopard, Luchse, Fischotter, das Kaukasus-Birkhuhn, Eidechsen und zahlreiche Arten von Spinnen.

    Das Flachland ist so sehr von der Landwirtschaft geprägt, dass der deutsche Politiker Karl Kautsky das Land im Jahre 1921 eine sozialdemokratische Bauernrepublik nannte. Die Industrialisierung Georgiens kam erst mit Stalin.

    So vielfältig und Artenreich, wie die Flora und Fauna Georgiens, ist auch das Völkergemisch im Lande.

    Besonders im Osten des Landes stellen die Georgier traditionell die größte Volksgruppe. Vor allem im westlichen Teil finden sich Aserbaidschaner, Armenier, Russen, Osseten, Abchasen, Aramäer, Pontos-Griechen, Lasen, Kurden, Juden und andere Nationalitäten, von den während der Jahre von 1918 bis 1921 und auch während des Großen vaterländischen Krieges nicht wenige verfolgt und diskriminiert worden sind.

    Stalin selbst ließ im Jahre 1941 insgesamt etwa 40.000 Kaukasiendeutsche deportieren und 1944 die Mescheten ganz aus Georgien vertreiben.

    Nicht minder bunt als das Gewimmel der Völker Georgiens ist die Vielfalt ihrer Sprachen und Religionen.

    Amtssprache ist das Georgische, welches ein eigenständiges Alphabet besitzt und bereits seit dem 5. Jahrhundert belegt ist, obwohl es vermutlich noch weitaus älter ist. Wie viele andere Dialekte der Region auch, so gehört das Georgische zur südkaukasischen Sprachfamilie.

    Neben dem Georgischen kennt das Land jedoch 23 weitere Sprachen, die sechs weiteren Sprachfamilien zugeordnet werden können.

    Die wichtigsten Sprachen hiervon sind das Aserbaidschanische, das Armenische, das Abchasische, das Ossetische und schließlich das Russische.

    Georgien ist ein christliches Land, in dem das Christentum bereits 337 zur Staatsreligion erhoben wurde.

    Seit dem frühen Mittelalter dominiert jedoch der orthodoxe Glaube.

    Die meisten georgischen Christen gehören der autokephalen Georgischen Orthodoxen Apostelkirche an, eine östlich-orthodoxe und altorientalische Kirche mit einem eigenen Patriarchen als Oberhaupt.

    Immer schon hatte diese Kirche in der Geschichte Georgiens eine überaus bedeutende Rolle gespielt, indem sie zur Bildung der Nation beigetragen hatte.

    Bereits während des 1. bis 3. Jahrhunderts soll es christliche Gemeinschaften in Georgien gegeben haben, wie beispielsweise Irenäus von Lyon, Bischof im gallischen Lugdunum, erwähnt, indem er auf christliche Gemeinden im Süden des Kaukasus verweist.

    Die georgisch-orthodoxe Kirche selbst sieht ihren Ursprung jedoch in der Missionstätigkeit der Apostel Andreas, Matthias und Simon Zelotes in den beiden georgischen Königreichen von Kolchis und von Iberia.

    Verbürgt ist hingegen die Teilnahme des aus dem Westteil Georgiens stammenden Bischofs Stratophilos von Pityounta am Ersten Konzil von Nicäa, im Jahre 325.

    327 wurde das Christentum offizielle Staatsreligion im nahen Königreich Iberia.

    Johannes wurde Patriarch im Königreich Iberias.

    Auch byzantinische Historiker, so Prokopios von Caesaraea, nannte die Iberier im 6. Jahrhundert fromme Christen.

    Seit dem 4. Jahrhundert stand der Bischof Iberiens im Range eines Katholikos, was einem Patriarchen entsprach.

    Als sich Georgien im 11. Jahrhundert staatlich einigte, wurde dem kirchlichen Oberhaupt offiziell der Titel des Patriarchen zuerkannt. Seither nennt sich das kirchliche Oberhaupt Georgiens Katholikos-Patriarch von Gesamt-Georgien.

    Jahrhundertelang war das Land Georgien durch fremde Heere besetzt. So durch die Perser, durch die Araber, die türkischen Seldschuken, die Choresmier und Mongolen. Besonders während des Mittelalters erlangte der christliche Glaube damit identitätsstiftenden Charakter für die georgische Nation.

    Der Kampf für die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit Georgiens verschmolz dabei mit dem Ringen um die Wahrung der georgischen Orthodoxie.

    Als 100.000 fromme Georgier sich im Jahre 1226 in Tbilissi weigerten, ihre eigenen Ikonen zu bespucken und dann mit den Füßen zu treten, ließ sie der choresmische Schah Dschalal ad-Din kurzerhand köpfen.

    Im Jahre 1811 schaffte die zaristische Regierung Russlands die eigenständige georgische Orthodoxie sowie das Patriarch der georgischen Kirche per Gesetz einfach ab. Die georgische Kirche galt fortan dem Heiligen Synod der Russischen Orthodoxen Kirche unterstellt, wobei Russland den Exarch von Georgien ernannte.

    Michail Sabinin, Mönch, Historiker und Maler, widersetzte sich von 1870 bis 1880 besonders der Russifizierung der georgischen Kirche. Er bereiste alle Landschaften Georgiens, besuchte und studierte die Bauten ihrer christlichen Architektur, sammelte georgische Manuskripte, zeichnete georgische Legenden auf und kopierte Ikonen und Fresken. So geriet er in Konflikt mit dem Exarchat von Tbilissi, weil er die Eigenständigkeit der georgischen Kirche betonte.

    Am 12. März 1917 erklärte sich die georgische Kirche schließlich für unabhängig und eigenständig.

    Es kam zum vollständigen Bruch mit der russischen Orthodoxie, seitdem im September 1917 wieder ein eigenständiger Katholikos-Patriarch von Gesamt-Georgien gewählt wurde.

    Als die Rote Armee jedoch Georgien besetzte, wurden die Kirchen zunächst geplündert und dann enteignet. Dies brachte die georgische Kirche in die Rolle einer Wortführerin innerhalb der Opposition und des Widerstands gegen die kommunistische Partei in ganz Transkaukasien.

    Dieser Widerstand ging so weit, dass die georgische Kirche im Jahre 1922 in einem offiziellen Memorandum gegen das sowjetische Regime protestierte.

    Ambrosius I., Patriarch der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche, wurde daraufhin 1923 verhaftet, in einem Schauprozess als Spion des Westens angeklagt und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, an deren gesundheitlichen Folgen er 1927 starb.

    Auch Stalin selbst näherte sich in seinem Alter wieder der georgischen Kirche an. 1943 erkannte das Moskauer Patriarchat die Unabhängigkeit der georgischen Kirche offiziell an. Von Stalin weiß ich, dass er zwischen 1941 und 1948 insgesamt viermal die Beichte vor einem georgisch-orthodoxen Priester ablegte.

    Viele Georgier besitzen Vorfahren, die früher, als Georgien unter osmanischer Herrschaft stand, dem sunnitischen Islam angehörten. Etwa 10 % aller Georgier sind Muslime.

    Sie sind Adscharen oder gehören der großen schiitischen Minderheit der Aseris an.

    Die übrigen Georgier sind Mitglieder der Armenischen Apostolischen Kirche, der Katholischen Kirche, der Armenisch-katholischen Kirche, huldigen dem Römischen Ritus, hängen der Chaldäisch-katholischen Kirche an, sind Protestanten, Baptisten oder Anhänger der Pfingstbewegung, Jesiden, Juden oder Zeugen Jehovas.

    Zu einem Land mit solch vielfältigen Landschaften, die von einem bunten Völkergemisch bewohnt werden, gehört eine nicht minder bunte und reichhaltige Geschichte.

    So deuten menschliche Überreste aus Dmansi bereits auf eine steinzeitliche Besiedlung Georgiens hin.

    Antike Autoren hatten oft die Meinung vertreten, die Vorfahren der Georgier seien einst aus Spanien eingewandert.

    So meint Flavius Josephus die Vorfahren der Georgier in den Iberern zu sehen, die wiederum direkte Nachkommen des in der Bibel erwähnten Tubal, eines Sohnes Jafets seien, der wiederum einer der drei Söhne Noahs war. Andere wiederum sehen die Georgier als die direkten Nachfahren Meschechs, des Sohnes Jafets und Enkels Noahs.

    Nach der Meinung der Georgier, stammen sie selbst von

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