Entdecken Sie mehr als 1,5 Mio. Hörbücher und E-Books – Tage kostenlos

Ab $11.99/Monat nach dem Testzeitraum. Jederzeit kündbar.

Des Königs bester Mann
Des Königs bester Mann
Des Königs bester Mann
eBook371 Seiten4 StundenHistorical

Des Königs bester Mann

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Obwohl er ihr Ärgster Feind ist, handelt Rosalind Barlow ausgesprochen ehrenhaft. Sie rettet Lord Nicholas Spencer, dessen Schiff vor der Küste ihres Dorfes kenterte, und nimmt den engen Vertrauten von Heinrich VIII. in ihrem Haus auf. Liebevoll pflegt sie den schwarzgelockten Adligen gesund, obwohl sie weiß, wie gefährlich er ihr werden kann. Rosalind hat ihr Herz an den Mann, der sie gefangen nehmen soll, verloren ...

SpracheDeutsch
HerausgeberCORA Verlag
Erscheinungsdatum1. Juli 2015
ISBN9783733765040
Des Königs bester Mann
Autor

Caryn Cameron

Caryn Cameron ist das Pseudonym von Karen Harper, die Autorin vieler Elizabeth I Romane. Sie lebt in Colymbus, Ohio, Florida und Neapel.

Andere Titel in Des Königs bester Mann Reihe ( 30 )

Mehr anzeigen

Mehr von Caryn Cameron lesen

Ähnliche Autoren

Ähnlich wie Des Königs bester Mann

Titel in dieser Serie (100)

Mehr anzeigen

Ähnliche E-Books

Romanzen für Sie

Mehr anzeigen

Verwandte Kategorien

Rezensionen für Des Königs bester Mann

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    Des Königs bester Mann - Caryn Cameron

    Caryn Cameron

    Des Königs bester Mann

    IMPRESSUM

    Des Königs bester Mann erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

    © © by Caryn Cameron

    Originaltitel: „King’s Man"

    erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto

    Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

    © Deutsche Erstausgabe 1993 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

    Abbildungen: Harlequin Books S.A.

    Veröffentlicht im ePub Format in 04/2015 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

    E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

    ISBN 9783733765040

    Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

    CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

    Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

    BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY, CORA CLASSICS

    Alles über Roman-Neuheiten, Spar-Aktionen, Lesetipps und Gutscheine erhalten Sie in unserem CORA-Shop www.cora.de

    Werden Sie Fan vom CORA Verlag auf Facebook.

    PROLOG

    22. September 1539, in der Küstenstadt Deal, England

    Ruhe jetzt, alle! flüsterte die zierliche Person. Percy ist heute Abend in der Stadt, und ich möchte nicht, dass wir ihm in die Falle gehen! Bringt schnell die Waren in Sicherheit!"

    Sieben stämmige Männer, die Schultern tief gebeugt unter ihren Lasten, beeilten sich, dem Befehl zu gehorchen. Innerhalb einer Viertelstunde waren Kisten, Fässer und Bündel vom Strand verschwunden und in dem dunklen, verborgenen Geheimgang verstaut. Selbst bei Tageslicht war sein Eingang hinter dem Gestrüpp in der kleinen Senke, die sich am Ende des Gartens des einzigen Gasthofes der Stadt erstreckte, nicht zu entdecken. Im Innern des Tunnels entzündete der Anführer eine Laterne und wies die Stellen an, wo die Waren gestapelt werden sollten. Bald darauf erschien ein hagerer Mann mit der Nachhut und bahnte sich einen Weg durch die Enge.

    "Sacre bleu! Du bist die einzige Frau mit dem Mut eines Löwen, die ich kenne, Rosalind! Er ging zum Französischen über, da er wusste, dass seine Gesprächspartnerin die Einzige aus der Schar war, die ein wenig seine Muttersprache beherrschte. So zart und charmant, und doch ein so vorzüglicher Feldherr für unser kühnes Unternehmen! Wer anders als du würde es wagen, direkt unter der Nase des Zolleinnehmers ein ganzes Lager französischer Waren zu verstecken! Oh, ich bewundere dich!"

    Nun, mein Freund Pierre, erwiderte Rosalind mit strengem Ton, ich habe dir doch gesagt, dass wir Freunde sind, und nicht mehr. Sie schüttelte warnend den Kopf, der unter einer Kapuze verborgen war.

    Was will der denn? Ein groß gewachsener Mann mit hängenden Schultern trat näher. Etwa mehr Wolle oder bessere Bezahlung für seine Sachen hier?

    Nein, nein, Wat, alles ist in Ordnung. Er machte uns nur Komplimente, dass wir es wagen, vor den Augen von Master Putnam unseren Handel zu treiben.

    Wat schnaubte verächtlich. Haben keine andere Wahl, Pierre. Außerdem, wir fürchten uns nicht vor Putnam, diesem Wichtigtuer. Nur die große Burg unten am Strand, die König Heinrich bauen lässt für den Fall, dass ihr Franzosen uns überfallen wollt, die stört uns. Man sagt, Seine hohe und mächtige Majestät werden vielleicht einen Lord Lieutenant herschicken, um uns zu überwachen. Das fehlte uns noch, dass der hier herumschnüffelt.

    Wir werden schon fertig werden damit, wenn es so weit ist, nicht wahr, meine Liebe?

    Rosalind wandte sich lächelnd den Männern zu. Dabei glitt die Kapuze herab und enthüllte ihr blondes Haar, das im Licht der Laterne glänzte wie pures Gold.

    Mit dem Versprechen, dem König selbst und jedem seiner Vasallen ein Schnippchen zu schlagen, verabschiedete sich die Schar und kroch vorsichtig aus dem Versteck. Doch als Rosalind ihren Leuten folgen wollte, packte der Franzose sie am Handgelenk.

    Sei auf der Hut, Rosalind. Kaum hörbar kamen die Worte von seinen Lippen. Wenn in den vergangenen drei Jahren auch alles vortrefflich für uns gelaufen ist, könnte ein gerissener Gefolgsmann des Königs das Ende für uns bedeuten.

    Ich versichere dir, Pierre, dass ich dem zu begegnen wüsste. Kein hochmütiger Lord Lieutenant, den König Heinrich, der Schreckliche, uns schickt, wird je den Sieg über mich davontragen!

    Im Übrigen wusste sie nur zu gut, dass sie den Handel ohnehin nicht aufgeben konnten. Dieser heimliche Warenaustausch bedeutete Leben oder Tod für den kleinen Fischerort Deal. Manche nannten es Schmuggel, aber der Gewinn daraus füllte ihnen weder Truhen noch Beutel. Voll gestopfte Truhen und fette Geldkatzen kannte man in Deal nicht. Ohne Marktrecht war der verbotene Handel in diesen schweren Zeiten eine Frage des Überlebens für den geplagten kleinen Ort. Aber aus sehr schmerzlichen persönlichen Gründen war der Schmuggel gleichzeitig Rosalinds Auflehnung gegen den habgierigen, verhassten Monarchen Heinrich VIII. Sie, Rosalind Barlow, die Wirtin des Gasthofes Rose und Anker, war die treibende Kraft hinter den geheimnisvollen Aktivitäten der Schmugglerbande.

    Seit dem Tode ihres Vaters und ihres Ehemannes waren die Lebensumstände sehr schwierig für sie geworden. Zwar mühte sie sich redlich ab, um alles im Griff zu behalten, bei Tag den Gasthof und in so mancher Nacht die heimlichen Handelsgeschäfte. Der Besuch von Percy Putnam, dem königlichen Steuerund Schankkonzessionseintreiber, hatte sie zu größerer Vorsicht gezwungen, wie freundlich er auch immer zu ihr war. So holten sie ihre Waren jetzt nicht mehr von dem weit entfernten Hafen Le Havre, sondern aus der nahe gelegenen Stadt Boulogne-sur-Mer, nur 30 Meilen über den Ärmelkanal. Auf diese Weise konnten sie die Ladung bei einem kurzen Besuch in Frankreich beschaffen und waren dabei nicht länger unterwegs, als sich im Allgemeinen Fischer auf See befanden. Doch wenn Pierre, ihr Mittelsmann auf beiden Seiten, die Güter selbst anlieferte, war es natürlich noch einfacher. Das bedeutete aber nicht, dass Rosalind bereit gewesen wäre, mehr in ihm zu sehen als einen guten Freund – weder in ihm noch in irgendeinem anderen Mann, seitdem sie ihren geliebten Murray verloren hatte.

    Dann werde ich mich also auf den Weg machen. Pierre beugte sich über ihre Hand und drückte seine Lippen darauf. Er sah ein, dass jeder weitere Versuch selbst in dieser abgeschiedenen, lichtlosen Umgebung aussichtslos sein würde. Ich bleibe … in Verbindung mit dir, liebe Rosalind, sagte er lächelnd und wandte sich zum Gehen. Zum Abschied rief er ihr das Losungswort, einen alten törichten Kinderreim, über die Schulter zu. "Ring-a-ring of rosies."

    "Pocket full of posies", erwiderte Rosalind. Sein leises Lachen erreichte sie, noch ehe er am Ende des geheimen Ganges in pechschwarzer Nacht untertauchte.

    Rosalind schaute noch einmal zurück, um sicher zu sein, dass die Männer das Buschwerk vor dem Eingang wieder geschlossen hatten. Sie wusste, dass Wat und Alf im Tal und am Strand alle Spuren sorgfältig verwischen würden, sobald Pierre und seine Leute das Land verlassen hatten. Dann ging Rosalind wieder tiefer hinein in den Höhlengang, die verhängte kleine Laterne in der Hand. Die junge Frau war erschöpft, aber dennoch sehr befriedigt über den reibungslosen Ablauf. Das half ihr, all ihre Sehnsüchte zu vergessen, die Gedanken an Rache und ungezählte schlaflose Nächte.

    Beim Umschauen bemerkte sie, dass sich die Leinwandhülle um einen Ballen von scharlachrotem Seidenstoff gelöst hatte. Sorgfältig stopfte sie ihn wieder in den Ballen, so gut es ging. Nichts durfte beschädigt werden, bevor in der nächsten Nacht ein Packzug Maultiere mit umwickelten Hufen all die Dinge zum Verkauf fortbrachte.

    Vorsichtig strich Rosalind über ein noch hervorlugendes Stück des feinen Stoffes. Wie aufregend musste es sein, ein Gewand aus solch kostbarem Material zu tragen! Sie stellte sich vor, es zu einem Ball anzulegen oder einem Festmahl, bei dem sich die Tafel unter der Last der Speisen bog. Sie wünschte sich, damit zu Hofe zu fahren, um dem schrecklichen König Heinrich zu sagen, was sie von ihm dachte und von dem Unglück, das er über sie alle gebracht hatte.

    Mit einem heftigen Kopfschütteln befreite sie sich von diesen törichten Fantastereien. Mistress Rosalind Barlow führte ihren Krieg in Deal und nicht bei Hofe. Sie stieß den Ballen mit dem Fuß beiseite, als wäre er der König selbst. Verflucht sei Heinrich VIII. von England für das, was er ihr angetan hatte und ganz Deal! Und verflucht sei jeder gemeine, niederträchtige, widerwärtige Vasall des Königs, der ihm diente.

    Mit Tränen in den Augen wandte sich Rosalind zu der Leiter, die zu einer in ihrem Schlafzimmer verborgenen Falltür führte, löschte das Licht der Laterne und begann emporzuklettern.

    1. KAPITEL

    Nicholas Spencer liebte sanfte Frauen, die lieblich, wohlgestaltet und vor allem fügsam waren. Just in diesem Augenblick hielten drei angehende Hofdamen nach ihm Ausschau. Man konnte nicht sagen, dass sie sich besonders zurückhaltend benahmen, aber sie erregten sein Wohlgefallen in hohem Maße.

    Lord Spencer! riefen sie ihm von dem Uferweg entlang der Themse zu. Nicholas nickte ihnen galant zu, als er unter dem schattigen Sonnensegel der königlichen Barke hervortrat und geschmeidig ans Ufer sprang.

    Wir haben Euch schmerzlich vermisst! Wo hattet Ihr Euch versteckt, Ihr böser Bube! rief eine von ihnen und kicherte hinter vorgehaltener Hand. Sie winkten ihm zu, und die hellen Schleier, die von ihren eng anliegenden, reich bestickten Hauben im italienischen Stil herabhingen, bewegten sich in der leichten Brise, die vom Fluss herüberwehte.

    Nick erinnerte sich nicht an ihre Namen, erkannte in ihnen jedoch die jüngst eingetroffenen Neuankömmlinge. Die Blonde hatte für kurze Zeit das Lager des rastlosen Königs geteilt. Einmal, so erinnerte sich Nick, hatte er die Einladung der Damen, sie zu begleiten, nicht abschlagen können. Heute aber hatte er anderes im Sinn, hing doch seine Zukunft gleichsam in der Schwebe, und so winkte er lediglich zurück, während er den Kiesweg hinauf zu dem weitläufigen Backsteinbau des Palastes von Whitehall schritt.

    Wenn Seine Majestät König Heinrich VIII. befahl, war Nick sofort zur Stelle. Seit seinem neunten Lebensjahr, als der Monarch ihn in seine Obhut genommen hatte, hatte sich Nicholas Spencer ausschließlich den Anliegen des betriebsamen Tudor-Herrschers geweiht.

    Aus diesem Grunde verbrachte Nick nur wenig Zeit in seinem eigenen Hause flussaufwärts in Greenwich. Diesmal hatte ihn der König bereits nach zwei Tagen wieder zurückbeordert. Dabei war Nick erst vor einem Monat von einer Mission aus der französischen Hafenstadt Calais zurückgekehrt, die von den Engländern besetzt und daher von größter Wichtigkeit war. Von Frankreich und Spanien drohten derzeit tief greifende Gefahren, und er hatte geahnt, dass seines Bleibens nicht lange sein würde und der König wieder seiner bedurfte.

    Nicholas verlängerte die Schritte, als er die großen Gärten des Königs durchmaß und die Wache am Flusstor des Palastes passierte. Dann eilte er die halbdunklen Korridore entlang zum Empfangssaal, wo Höflinge auf eine Audienz warteten, obwohl zweifellos die wenigsten den König selbst zu Gesicht bekommen würden, sondern den mächtigen Großkämmerer Thomas Cromwell.

    Schließlich betrat Nick den holzgetäfelten Audienzsaal und nickte den farbenprächtig gekleideten Hauptleuten, die dort Wache hielten, freundlich zu. In diesem Augenblick erschien Cromwell höchstpersönlich. Bei seinem Anblick musste Nick immer an einen schwarzen Raben denken, der am liebsten alles und jeden in seinen Krallen gehalten hätte. Cromwells scharfe dunkle Augen musterten Nick. Er hob leicht den Kopf. Eine Schar von Gehilfen und Lakaien hinter sich, eilte er durch den Raum und rief Nick zu: Spencer! Sein Bein bereitet ihm Schmerzen. Er ist angestrengt und überlastet, beschimpft alle. Behandelt ihn mit Vorsicht!

    Nick wollte noch eine Frage stellen, aber Cromwell war bereits verschwunden. Was die Warnung anbetraf – er, Nicholas, ließ ohnehin immer die gebotene Achtsamkeit beim Umgang mit dem König walten. In diesen letzten fünf Jahren, in denen sowohl das Alter als auch der Umfang des Königs zugenommen hatten, war Nick immer darauf bedacht gewesen, den König nicht in solchen männlichen Beschäftigungen wie Kegeln, Bogenschießen oder Ballspielen zu schlagen, selbst wenn das für ihn ein Leichtes gewesen wäre.

    Die letzte Reihe der Wachen hielt ihre Hellebarden zur Seite und öffnete das Portal zu dem prächtigen, wenn auch nicht allzu großen Kabinett, in dem der König alle nicht offiziellen Besucher empfing. Nick nahm sein flaches Samtbarett ab und verneigte sich tief vor dem Monarchen, den er nicht nur als seinen Herrscher verehrte, sondern ebenso als seinen Lehrer und Pflegevater.

    Nick, mein guter Mann! Henry Tudor war überaus kostbar gewandet und neigte zur Begrüßung leicht das Haupt.

    Es war noch nicht lange her, dass der König bei solchen Gelegenheiten mein Junge oder mein Bursche gerufen hatte, aber inzwischen war Nick dreißig Jahre alt geworden. Dennoch erschien es ihm immer wieder genauso wie in den ersten herrlichen Tagen. Damals hatte hier in Whitehall der stämmige rothaarige Monarch den hoch aufgeschossenen, schmalen schwarzhaarigen Jungen ausgewählt, weil er in bewundernswerter Weise mit der Lanze immer wieder die hölzerne Stechpuppe getroffen hatte, an der beim Turnierkampf geübt wurde. Zwar war die Zeit vorbei, da Ritter diese Kampfweise noch in der Schlacht gebrauchten, doch als höfische Vergnügung wurden Turniere immer beliebter. Damals hatte sich Nick so verlassen gefühlt am Hofe, denn seine verwitwete Mutter war wieder eine Ehe eingegangen und nach York gezogen. Er war nur einer unter vielen in der Schar der Pagen gewesen, bis er die Gunst des Königs erworben hatte.

    Aber die Erinnerung verblasste, und auch das Bild jenes Königs war dahingeschwunden. Jetzt mischten sich graue Haare in den roten Schopf, und das berüchtigte Temperament der Tudors hatte sich bei dem Monarchen gefährlich gesteigert. Dennoch verehrte Nick diesen Mann nach wie vor.

    Ein paar Schritte ging Nicholas auf den König zu, ehe er sich nochmals verneigte. Henry Tudor saß an einem Tisch und signierte Dokumente. Sein krankes Bein lag auf einem mit Kissen ausgepolsterten Schemel. Er schob die Papiere beiseite und winkte die beiden Schreiber, die ihm diensteifrig zur Seite standen, hinweg und richtete wie üblich in vertrauter Weise das Wort an Nick, als sei niemand weiter anwesend.

    Ich kann mich nicht dafür entschuldigen, dich von deinem kleinen Besitztum in Greenwich zurückgeholt zu haben, begann er und hob seine mit kostbaren Ringen geschmückte Hand. Ich brauche dich nämlich wieder.

    Und ich bin bereit, Majestät.

    Um genauer zu sein, die Festungen, die ich an der Küste von Kent gegen einen Überfall der Franzosen bauen lasse, brauchen dich, insbesondere die in Deal. Ich habe den Obermeister meiner Steinmetze, Franklin Stanway, dort mit ungefähr fünfhundert Bauleuten, aber sie schaffen es mir nicht schnell genug, mit dem Bau voranzukommen.

    Nick schlug das Herz schneller. Er war noch nie in Deal gewesen. Es sollte ein ziemlich schäbiges Dorf sein. Bei Hofe war man verwundert darüber gewesen, dass der König eine neue, stark befestigte Burg an einem Ort errichten ließ, den er noch nicht einmal des Marktrechtes für würdig erachtete. Doch Nick wusste, dass Deal an einem langen, steinigen, ungeschützten Strand lag, der des Schutzes gegen die Franzosen jenseits des Ärmelkanals bedurfte.

    So wünscht Ihr also, dass ich mich dorthin begebe, um etwas Feuer dahinter zu machen, Majestät?

    Viel mehr als das. Nick, mein guter Mann, du hast endlich ein eigenes Kommando verdient. Ich ernenne dich hiermit zum Lord Lieutenant der Veste Deal mit unbegrenzten Vollmachten für die ganze Grafschaft, um unsere Küste dort zu schützen.

    Stolz richtete sich Nick auf. Der König ächzte, als er sein bandagiertes Bein vom Schemel hob, und scheuchte die Bediensteten, die ihm beim Aufstehen helfen wollten, wie lästige Fliegen weg. Mit beiden Armen zog er sich an der Tischkante hoch und schlurfte auf Nick zu, um ihm die Hände auf die Schultern zu legen. Er überragte Nicholas um mehr als eine Handbreit, obwohl dieser größer war als die anderen Edlen bei Hofe.

    Du hast mir immer Anlass gegeben, stolz auf dich zu sein, mein Junge, hob der König an. Ich brauche in Deal eine starke Hand, einen Mann voll Treue und Ergebenheit, wie du einer bist. Aber es gibt noch mehr für dich zu tun. Cromwell hat mir berichtet, dass eine Bande von Schmugglern dort mit den Franzosen schachert. Sieh dich um, wenn du am Ort bist. Schon in Friedenszeiten missfällt mir der Schmuggel, aber bei den jetzigen Feindseligkeiten können solche Verbindungen nach Frankreich sehr leicht für Verrat ausgenutzt werden. Die Franzosen werden es sich etwas kosten lassen, Näheres über die neuen Burganlagen zu erfahren. Entdecke die Schuldigen und mache sie unschädlich. Der König hob die schweren Schultern. Es ist keine großartige Aufgabe, verglichen mit anderen. Du musst einfach nach den stämmigsten und skrupellosesten Burschen Ausschau halten. Als Schmuggler muss man kräftig rudern und viel schleppen können.

    Gewiss, Majestät. Nicks Stimme war klar, obwohl er die Ehre, die ihm der König hatte zuteil werden lassen, noch nicht fassen konnte.

    Lord Lieutenant der Veste Deal! Der König hatte seinen besten Steinmetzmeister ausgesandt, um sie zu erbauen. Nun schickte er Nicholas Spencer, um das Kommando zu übernehmen! Und man gab ihm uneingeschränkte Macht zum Schutz seines geliebten Vaterlandes und seines Königs. Und nebenbei – in seinen freien Stunden – sollte er auch noch eine Schmugglerbande zerschlagen, ein Auftrag, der gewiss recht schnell zu erfüllen war. Der König würde bald merken, dass er den rechten Mann ausgeschickt hatte und keine Rede mehr sein konnte von geheimen Verbindungen der Untertanen in Deal zu den Franzosen.

    Die königlichen Sekretäre kamen herbeigeeilt und überreichten Nick eine schriftliche Bevollmächtigung mit dem Siegel des Monarchen. Nicholas sicherte Heinrich zu, bereits am nächsten Tag mit einem königlichen Kriegsschiff in See zu stechen. Dann besprachen sie noch ein paar allgemeine Angelegenheiten und brachten schließlich gemeinsam einen Toast aus mit dem Lieblingswein Seiner Majestät, dem Malvasier.

    Auf deinen schnellen Erfolg und Englands ewigen Ruhm!

    Auf Euern endgültigen Sieg, mein König! Nieder mit Euren Feinden und mit allen Schurken, die es wagen, heimlich Handel mit ihnen zu treiben!

    Heinrich wischte sich den Mund mit dem Rücken seiner großen Hand. Seine blauen Augen schauten Nick eindringlich an, der den Blick des Königs fest erwiderte. Aber um ehrlich zu sein, Nick, ich würde am liebsten den Handel mit den verwünschten Franzosen wieder aufleben lassen. Dieser Wein hier und auch die anderen gallischen Importe fangen an, verdammt knapp zu werden. Ich kann es indes nicht zulassen, dass solches Schmugglergesindel den königlichen Zollanordnungen trotzt und das Zeug insgeheim heranschleppt, noch dazu, wenn das wenigste davon bis zu mir gelangt, außer dem, was meinen Zolleinnehmern in die Hände fällt.

    Der König brach in lautes Gelächter aus und schlug derb auf Nicks Lederwams.

    Zumindest, so dachte Nick, ist die gute Laune Henry Tudors nicht ebenso dahingeschwunden wie seine Gesundheit und die Frauen, die er geheiratet hat. Er verbeugte sich vor dem König. Ich werde Euch nicht enttäuschen.

    Das hast du nie getan. Oh, mir fällt ein, du wirst nun wohl deine Hochzeit mit Lady Penelope etwas länger aufschieben müssen. Ein verrufenes kleines Nest mit fünfhundert Bauleuten und dreckigen Schmugglern, die nachts die Gegend unsicher machen, ist nichts für eine Frau.

    Nick verneigte sich erneut und verließ rückwärts das Gemach. So schnell wie er gekommen war, entfernte er sich auch wieder von dem Schwarm der flüsternden Höflinge. Er gehörte nicht zu denjenigen, die es verstanden, durch geheime Machenschaften voranzukommen, noch konnte er den Geruch heimlicher Verschwörungen ertragen. Er war ein aufrechter Mann und verabscheute Intrigen.

    Aber was ihn jetzt bedrückte, war die Tatsache, dass er keinen einzigen Gedanken an seine Braut verschwendet hatte, bis der König selbst sie zur Sprache brachte. Ebenso wie seine erste Ehe hatte der König diese Verbindung anbefohlen, und diesem Wunsch musste gehorcht werden. Weder er noch Penelope hegten dabei romantische Illusionen. Als eine Frau von Stand war vor allem Lady Penelope an dieser Heirat interessiert, denn sie würde auf diese Weise teilhaben an den Vorteilen, die einem Günstling des Königs gewährt wurden.

    Nick wünschte insgeheim, Penelope möge ihm mehr bedeuten, dann jedoch würde er sie vermissen, wenn er in Deal war. Er konnte keine Schwierigkeiten mit einer Frau gebrauchen, wenn er die Aufträge des Königs dort erfüllte. Im Augenblick hielt sich Lady Penelope Wentworth bei Verwandten in Suffolk auf, so dass er sich nicht einmal von ihr verabschieden konnte. Er würde ihr einen Brief hinterlassen. In den wenigen Tagen, die sie seit seiner Rückkehr von Calais beisammen gewesen waren, hatte er ein gewisses Gefallen an ihr gefunden. Sie stammte aus guter Familie, war elegant und – Gott sei's gedankt! – fügsam.

    Seit Nick hatte mit ansehen müssen, wie sein König von der schlauen, hinterhältigen Anne Boleyn hereingelegt worden war, hatte er sich in Liebesdingen sehr zurückgehalten. Nun konnte er es sich einfach nicht mehr erklären, wie es diesem Weibsbild gelungen war, den König zu ködern und all die Jahre zu umgarnen. Während der Werbung Heinrichs VIII. um sie, hatte sie ihn nach allen Regeln der Kunst zappeln lassen, erinnerte sich Nick, als er zur Anlegestelle der Barke schritt. Und da sie schließlich nachgegeben hatte, war alles noch verworrener geworden. Hölle und Teufel! schwor sich Nick, eher werde ich zum Verräter, als dass mir je so etwas passiert.

    Schließlich, nachdem sich Anne selbst ins Verderben gestürzt hatte, schloss König Heinrich die Ehe mit der zarten Jane Seymour, die ihm nun endlich auch einen legalen männlichen Thronfolger schenkte, Prinz Edward. Doch Königin Jane war im Kindbett gestorben, und der König hielt nun mit Unterstützung seines Großkämmerers Cromwell Ausschau nach seiner vierten Frau. Zweifellos kam dafür nur eine von den protestantischen deutschen Fürstenhöfen infrage, da sich die Feindseligkeiten mit den katholischen Ländern Frankreich und Spanien weiter zugespitzt hatten. Diese Heirat sollte nun endlich eine politische Entscheidung werden, ohne Liebe und Leidenschaft, und dafür gebührte dem Allmächtigen Dank.

    Nick vertrat die Überzeugung, dass Liebe bei Eheverbindungen eine große Gefahr bedeutete. In seinem Leben gab es keinen Platz für andere Leidenschaften als den Dienst für den König und damit die Treue zu seinem Land. Die kurzen Techtelmechtel mit Hofdamen waren kaum dazu geeignet gewesen, in ihm große Emotionen auszulösen.

    Als er in das wartende Boot sprang, atmete er tief die frische Luft über dem Wasser ein. Eine leichte Brise streifte seine Stirn. Der Fluss schien aus Glas zu sein, so ruhig war er heute, ruhig wie Nicks Leben. Niemand würde jemals über ihn befehlen, außer dem König. So sollte es auf ewig bleiben.

    Die Königin war in ihrer Schatzkammer und zählte all ihr Geld … Tante Bess summte dieses alte Kinderlied vor sich hin, als sie einen Krug mit dem in Deal gebrauten Bier und einen Teller mit Brot und Käse für Rosalind hereinbrachte.

    Rosalind jedoch hob kaum den Kopf von dem Wirrwarr auf ihrem Tisch, an dem sie gerade Münzen zählte. Es sollte besser heißen, der König zählte all sein Geld, und die Königin isst hartes Brot, Tante Bess. Wenn man diesen schurkischen König kennt, der über uns herrscht, weiß man, dass er den Gewinn seiner überhöhten Steuern zusammenrechnet und außerdem überlegt, ob er seine nächste Frau hinrichten oder im Kindbett sterben lässt.

    Meine Güte, die arme süße Königin Jane! Mit einem Mann wie König Heinrich verheiratet zu sein! Tante Bess schüttelte mitleidig den Kopf, auf dem eine schwere leinene Haube thronte. Aber Franklin Stanway ist nur der königliche Steinmetzmeister und aus gutem Holz geschnitzt. Weißt du übrigens, Rosalind, dass er Margaret gefällt?

    Rosalind wurde hellhörig. Seitdem ihre Mutter kurz nach der Geburt ihrer Schwester Margaret gestorben war, fühlte sie sich für die Jüngere verantwortlich. Aus ihren dicht bewimperten graugrünen Augen, die hell aus dem zart getönten ovalen Gesicht leuchteten, schickte sie einen aufmerksamen Blick zu ihrer Muhme.

    Allerdings, liebe Tante, weiß ich nur zu genau, dass Margaret ein Auge auf den königlichen Steinmetzen geworfen hat. Und ich vermute, dass sie dich vorgeschickt hat, damit ich seine Werbung gutheiße. Wenn sie diesen Handlanger des Königs unbedingt will, mag sie mit ihm zur Hölle gehen!

    Tante Bess faltete die plumpen Hände. Du hast das Temperament deines Vaters, wenn ihm das Blut zu Kopfe stieg. Das ist nicht gut für eine Frau, wenn es auch ein hartes Leben für dich war, seit wir ihn und Murray verloren haben.

    Trotz dieses sanften Vorwurfs erhob sich Rosalind und schloss ihre Tante in die Arme. Ich wollte nicht unmäßig sein, liebe Muhme. Es ist nur alles so schwierig geworden, seitdem der König hier diese bedrohliche Festung bauen lässt …, sagte sie.

    Die wir indes brauchen werden, wenn die Franzosen, mit denen du glaubst, ganz vergnügt Handel treiben zu können, eines Tages unsere Küste überfallen!

    Ja, natürlich, räumte Rosalind ein. Aber, Sakrament, wir pfeifen darauf, dass des Königs Männer ihre Zelte auf unserm Strand aufschlagen, so willkommen uns ihre Münzen in unseren Schatullen sind.

    Tante Bess schob Rosalind auf Armeslänge von sich weg und betrachtete sie eindringlich. "Ich muss dir sagen, dass die Seemannsflüche, die du aufgeschnappt hast, mir sehr missfallen. Du verschaffst unserem Gasthof und auch den Männern das tägliche Brot. Doch solltest du dein Temperament zügeln und deine Zunge hüten. Der Lord Lieutenant Seiner Majestät wird niemandem

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1