Spiel des Tigers: Der exzellente Butler Parker 130 – Kriminalroman
Von Günter Dönges
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Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht!
Josuah Parker fühlte sich ausgesprochen gestört, als die Bombe hochging. Immerhin war er vom Ort der Explosion nicht sonderlich weit entfernt. Und die Glassplitter, die ihm um die Ohren pfiffen, konnten seinen aufsteigenden Unmut nicht dämpfen. Hinzu kamen etwa 8 Quadratzentimeter Deckenputz, die dicht vor seiner Nase vorbeirauschten und dann aufklatschend in der Suppe landeten, die Parker gerade zu sich nehmen wollte. Parker hatte sich das gemeinsame Essen mit seinem jungen Herrn erheblich anders vorgestellt. Doch Mike Rander, der junge Anwalt, hatte zur Zeit keine Möglichkeit, sich mit seinem Butler über diesen Punkt auszutauschen. Von der Druckwelle der Explosion erfaßt, saß Rander auf dem Fußboden und schüttelte verwirrt den Kopf. Er war leicht benommen und wußte im Grund noch gar nicht, was sich zugetragen hatte. In dem Restaurant, in dem die Bombe vor anderthalb Sekunden hochgegangen war, herrschte erst mal eine fast absolute Stille. Doch diese Stille wurde jetzt von einem schrillen Versuchsschrei unterbrochen. Diesem Schrei, der einwandfrei aus einem Frauenmund stammte, schlossen sich weitere Schreie an, die grell und spitz gegen die durchlöcherte Decke emporstiegen. Dann brüllten die ersten Männer auf und leiteten damit das allgemeine Tohuwabohu ein, das sich sehen und hören lassen konnte. Unter dem Vorzeichen einer Panik rannte und stürzte man zu dem Ausgang und zwängte sich nach draußen. Was nicht ohne einige Prügelszenen und Ruppigkeiten vor sich ging. Es dauerte aber nur eine Minute, bis das Restaurant leer war. Wenn man von Rander und Parker einmal absah – und dem Personal, das sich in Richtung Küche drängte. »Ich fürchte, Sir, daß wir bei der Auswahl des Restaurants keine sonderlich glückliche Hand hatten«, sagte Parker, als er seinem jungen Herrn auf die Beine half. »Das war doch 'ne Explosion, oder?« Rander wischte sich über die Stirn und schüttelte benommen den Kopf.
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Spiel des Tigers - Günter Dönges
Der exzellente Butler Parker
– 130 –
Spiel des Tigers
Günter Dönges
Josuah Parker fühlte sich ausgesprochen gestört, als die Bombe hochging.
Immerhin war er vom Ort der Explosion nicht sonderlich weit entfernt. Und die Glassplitter, die ihm um die Ohren pfiffen, konnten seinen aufsteigenden Unmut nicht dämpfen.
Hinzu kamen etwa 8 Quadratzentimeter Deckenputz, die dicht vor seiner Nase vorbeirauschten und dann aufklatschend in der Suppe landeten, die Parker gerade zu sich nehmen wollte.
Parker hatte sich das gemeinsame Essen mit seinem jungen Herrn erheblich anders vorgestellt. Doch Mike Rander, der junge Anwalt, hatte zur Zeit keine Möglichkeit, sich mit seinem Butler über diesen Punkt auszutauschen. Von der Druckwelle der Explosion erfaßt, saß Rander auf dem Fußboden und schüttelte verwirrt den Kopf. Er war leicht benommen und wußte im Grund noch gar nicht, was sich zugetragen hatte.
In dem Restaurant, in dem die Bombe vor anderthalb Sekunden hochgegangen war, herrschte erst mal eine fast absolute Stille. Doch diese Stille wurde jetzt von einem schrillen Versuchsschrei unterbrochen. Diesem Schrei, der einwandfrei aus einem Frauenmund stammte, schlossen sich weitere Schreie an, die grell und spitz gegen die durchlöcherte Decke emporstiegen. Dann brüllten die ersten Männer auf und leiteten damit das allgemeine Tohuwabohu ein, das sich sehen und hören lassen konnte.
Unter dem Vorzeichen einer Panik rannte und stürzte man zu dem Ausgang und zwängte sich nach draußen. Was nicht ohne einige Prügelszenen und Ruppigkeiten vor sich ging. Es dauerte aber nur eine Minute, bis das Restaurant leer war. Wenn man von Rander und Parker einmal absah – und dem Personal, das sich in Richtung Küche drängte.
»Ich fürchte, Sir, daß wir bei der Auswahl des Restaurants keine sonderlich glückliche Hand hatten«, sagte Parker, als er seinem jungen Herrn auf die Beine half.
»Das war doch ’ne Explosion, oder?« Rander wischte sich über die Stirn und schüttelte benommen den Kopf.
»In der Tat, Sir – und sie muß nach meinen bescheidenen Erfahrungen von einer erstaunlich großen Menge Sprengstoff ausgelöst worden sein.«
Parker hatte sich inzwischen vergewissert, daß die Explosion keine Opfer gefordert hatte; wenn er vom Inhaber des Lokals einmal absah, der aus einigen kleinen Rißwunden blutete.
Dieser Mann, Enrico Rassetti, ein beleibter Italiener, stand wie versteinert neben der langen Arbeitstheke und sah auf die Trümmer seines Restaurants. Er hatte sich mit Hingabe der Pizzas gewidmet, für die er berühmt war. Nun blieb ihm nichts mehr übrig. Das Lokal glich einer Wüste, durch die ein mittelschwerer Wirbelsturm gezogen war.
Rassetti sah Parker aus leeren Augen an, als der Butler sich ihm näherte.
»Kann ich etwas für Sie tun?« erkundigte sich Parker.
»Nichts – Nichts …« murmelte Rassetti und senkte den Kopf. Über seine lustig aussehenden dicken Hamsterbacken rannen Tränen.
»Sachwerte lassen sich ersetzen«, meinte Parker, »ich darf Ihnen mitteilen, daß irgendwelche Opfer erfreulicherweise nicht zu beklagen sind.«
»Sie werden wiederkommen«, murmelte Rassetti und wandte sich ab. Mit schweren Schritten, die hölzern wirkten, ging er hinüber zur aus den Angeln gerissenen Pendeltür, die in die eigentliche Küche führte. Parker sah dem Mann nach, blieb aber zurück. Er konnte sich sehr gut vorstellen, daß Rassetti jetzt allein sein wollte.
*
Etwa um die gleiche Zeit ereignete sich im Garagenbetrieb eines gewissen Marty Owen ebenfalls eine Explosion.
Die Sprengladung, die hier detonierte, setzte insgesamt sechs Autos in Brand, die bis auf das Stahlblech ausbrannten. Als die Feuerwehr eintraf, war nichts mehr zu machen. Sie konnte sich darauf beschränken das angrenzende Wohnhaus Owens gegen das wütende Feuer abzuschirmen, was nur unvollständig gelang. Als die Feuerwehren nämlich abzogen, bestand dieses Wohnhaus nur noch aus einem traurigen Rest.
Owen hatte die Brandbekämpfung übrigens nicht abgewartet. Er saß, als die Wehren abzogen, bereits in einem Wagen und preschte im Höllentempo aus der Stadt. Er hatte vor, erst mal auf dem flachen Land zu bleiben und etwas für seine Gesundheit zu tun.
*
Diese Zeit fand Charles Effort nicht mehr.
Er war um diese Zeit bereits tot und wurde von dem in seinem Haus weilenden Polizeiarzt untersucht.
Dieser Polizeiarzt stolperte förmlich über die Todesursache.
»Blausäure«, sagte er lakonisch zu Detektiv-Sergeant Small, der aber alles andere als klein war. Small, ein untersetzter und korpulenter Mann von etwa 45 Jahren, saß in einem tiefen, bequemen Sessel der Wohnung des Toten und nickte zerstreut. Er schien die Arbeit seiner Leute zu übersehen, die den Tatort sicherten und nach Spuren suchten.
»Ziemlich ungewöhnlich«, sagte der Polizeiarzt und streifte sich seine dünnen Untersuchungshandschuhe ab, »Blausäure hatten wir hier in Bloomington schon seit Jahren nicht mehr.«
»Sieht so aus, als sollten Sie sich mal wieder Ihre Fachbücher vornehmen«, erwiderte Small langsam, »in nächster Zeit werden Sie viel zu tun bekommen.«
»Wieso?«
»Warten Sie’s ab«, sagte Small und stand auf. »Hier scheint einer von der Kette gelassen zu sein.«
»Wer ist der Tote?« fragte der Polizeiarzt.
»Charles Effort«, wiederholte Small, »Reporter beim Bloomington-Star – Gerichtsreporter und zuständig gewesen für die Klatschspalte.«
»Hat er zuviel geklatscht?« fragte der Polizeiarzt.
»Im Star stand seit Wochen nichts Wichtiges«, entgegnete Small, »wenn er was auf Lager hatte, so hat er nicht darüber geschrieben.«
»Vielleicht wollte man ihn daran hindern, jetzt zur Sache zu kommen.«
»Sieht so aus«, erwiderte Small.
»Aber wer hinderte ihn daran?«
»Sagt Ihnen der Name ›Tiger‹ etwas?«
»Nicht unbedingt!«
»Warten Sie ein paar Tage oder Wochen ab, dann wird Ihnen dieser Name ein Begriff sein.«
»Ich verstehe immer nur Bahnhof«, sagte der Polizeiarzt.
»Nicht mehr lange.« Small drückte seine Zigarette aus, »wenn wir nur etwas Pech haben, können Sie den Begriff Bahnhof bald gegen Hexenkessel austauschen – Mein Wort darauf!«
Ohne sich um den erstaunten Gesichtsausdruck des Polizeiarztes zu kümmern, ging Small anschließend aus dem Wohnraum. Er kümmerte sich nicht weiter um den Toten.
Sein Gang war schwerfällig wie der eines alten Mannes, der ein unförmiges Gewicht zu tragen hat.
*
Josuah Parker hatte seinen jungen Herrn im Hotel abgesetzt und saß jetzt in seinem hochbeinigen Spezialwagen, um Randers Sekretärin abzuholen.
Sue Weston hatte aus Gründen der Eitelkeit auf das gemeinsame Essen verzichtet und sich zu einem Coiffeur begeben. Vor der Rückfahrt nach Chikago wollte sie sich ihr Haar pflegen lassen. Sie schien die jähe Unterbrechung des Essens irgendwie vorausgeahnt zu haben.
Weit hatte Parker es nicht.
Schon nach wenigen Minuten war das Friseurgeschäft erreicht. Parker stellte seinen Wagen am Straßenrand ab, knapp hinter einem auffallenden Sportwagen italienischer Herkunft, dessen Polster mit echten oder imitierten Tigerfellen bedeckt waren. Ein ins Auge springender Wagen, der gewisse Rückschlüsse auf den Besitzer zuließ.
Parker, der aber keine Veranlassung sah, darüber zu meditieren, betrat das Geschäft und nickte der mittelalterlichen Dame zu, die erstaunlich nervös und betreten neben der Kasse stand, seinen Gruß kaum beantwortete und intensiv nach hinten ins Geschäft horchte.
Was Parker ihr abguckte, denn der hatte das sichere Gefühl, die Stimme von Sue Weston gehört zu haben. Ihre Stimme klang energisch, fast wütend. Sie schien irgendwelchen Ärger zu haben.
»Bleiben Sie lieber hier, Sir!« sagte die Dame neben der Kasse und sah den Butler jetzt fast beschwörend an.
»Ich möchte Miß Weston abholen«, erwiderte Parker, der aus Gründen des Takts keineswegs die Absicht hatte, tiefer hinein ins Geschäft zu gehen. Doch die Dame neben der Kasse schluckte und schien ungemein erregt zu sein. »Gehen Sie lieber!« sagte sie.
»Es scheint mir wirklich angebracht, nach Miß Weston zu sehen«, gab der Butler schnell zurück. Er hatte plötzlich das Gefühl, daß er dringend gebraucht wurde. Und nur zu gern gab er diesem Gefühl nach.
*
Der Mann im hellen Anzug sah ordinär aus.
Das hing einmal mit der Helligkeit seines Anzugs zusammen, zum anderen aber auch mit seinem Gesicht, das an das eines listigen Ebers erinnerte.
