Parker und die weichen Killer: Butler Parker 167 – Kriminalroman
Von Günter Dönges
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Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht!
»Ich habe das untrügliche Gefühl, von Ihnen ausgesprochen provoziert zu werden.« Josuah Parker sah mißbilligend auf den Revolverlauf, dessen Mündung auf seinen schwarzen Zweireiher gerichtet war. Der Butler schüttelte verweisend den Kopf. Der Mann, der den Revolver auf ihn richtete, grinste jetzt etwas verlegen. Er hatte wohl Entsetzen, Angst und Panik erwartet, auf keinen Fall aber diese barocke Ausdrucksweise, die ihn unsicher werden ließ. »Flossen hoch ...!« kommandierte der etwa dreißigjährige kompakte Mann und beging den taktischen Fehler, sich noch näher an den Butler heranzuschieben. »Ich hoffe doch nicht, daß Sie meiner bescheidenen Wenigkeit turnerische Übungen dieser Art zumuten?« Parkers Stimme wurde eisig. »Würden Sie mir freundlicherweise erklären, was diese Bedrohung bedeuten soll?« »Wer ... wer sind Sie?« erkundigte sich der Mann, dessen breites, grobes Gesicht Kraft und Brutalität verriet. »Wie kommen Sie hierher?« »Ich war so frei, meinen Privatwagen zu benutzen.« »Wer sind Sie? Verdammt, antworten Sie schon!« »Mein Name ist Parker, Josuah Parker«, erklärte der Butler höflich, aber nach wie vor eisig. »Darf ich jetzt Ihren Namen erfahren?«
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Parker und die weichen Killer - Günter Dönges
Butler Parker
– 167 –
Parker und die weichen Killer
Günter Dönges
»Ich habe das untrügliche Gefühl, von Ihnen ausgesprochen provoziert zu werden.«
Josuah Parker sah mißbilligend auf den Revolverlauf, dessen Mündung auf seinen schwarzen Zweireiher gerichtet war. Der Butler schüttelte verweisend den Kopf. Der Mann, der den Revolver auf ihn richtete, grinste jetzt etwas verlegen. Er hatte wohl Entsetzen, Angst und Panik erwartet, auf keinen Fall aber diese barocke Ausdrucksweise, die ihn unsicher werden ließ.
»Flossen hoch ...!« kommandierte der etwa dreißigjährige kompakte Mann und beging den taktischen Fehler, sich noch näher an den Butler heranzuschieben.
»Ich hoffe doch nicht, daß Sie meiner bescheidenen Wenigkeit turnerische Übungen dieser Art zumuten?« Parkers Stimme wurde eisig. »Würden Sie mir freundlicherweise erklären, was diese Bedrohung bedeuten soll?«
»Wer ... wer sind Sie?« erkundigte sich der Mann, dessen breites, grobes Gesicht Kraft und Brutalität verriet. »Wie kommen Sie hierher?«
»Ich war so frei, meinen Privatwagen zu benutzen.«
»Wer sind Sie? Verdammt, antworten Sie schon!«
»Mein Name ist Parker, Josuah Parker«, erklärte der Butler höflich, aber nach wie vor eisig. »Darf ich jetzt Ihren Namen erfahren?«
»Benny Witney«, antwortete der Kompakte prompt, um sich Sekunden danach fürchterlich zu ärgern. Er hatte sich überlisten lassen und seinen wirklichen Namen verraten, wie sich später herausstellen sollte!
»Nun, Mister Witney, ich bin keineswegs erfreut, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben ... Wenn Sie mir jetzt, bitte, den Weg freimachen wollen. Ich werde drüben im Haus erwartet.«
»Bei Crestings ...?«
»Ihr Wissensdurst übersteigt das erträgliche Maß«, tadelte Josuah Parker und hob seinen altväterlich gebundenen Regenschirm blitzschnell an.
Die Spitze des Regenschirms kam dabei in unglücklichen Kontakt mit dem Handgelenk des Mannes. Darauf verlor er seinen Revolver, der auf dem Boden landete.
Benny Witney war völlig verdutzt. Mit dieser blitzschnellen Reaktion hatte er nicht gerechnet. Er starrte zuerst auf den Revolver, dann auf Parkers Gesicht und schließlich wieder auf den Revolver. Als er die Tatsachen erfaßt und innerlich verarbeitet hatte, entschloß er sich zu einem konzentrierten Angriff. Er warf sich auf den Butler und ... flog ins Leere. Dort, wo Parker gerade noch gewesen war, befand er sich nicht mehr.
Der Butler hatte es vorgezogen, sich ein wenig zur Seite zu begeben.
»Verdammter Gauner«, hechelte Witney, als er sich abgebremst hatte und zu einem neuen Anlauf ansetzte, »ich nehm dich auseinander ...!«
Parker war peinlich berührt. Er schätzte keineswegs die rüde Sprache des Angreifers. Schon gar nicht Auseinandersetzungen auf physischem Gebiet.
»Sie sollten sich einer etwas feineren Sprache befleißigen«, tadelte Parker und legte den bleigefütterten Bambusgriff seines Universal-Regenschirms auf die Stirn des Angreifers.
Witney blieb wie angewurzelt stehen. Ein Zittern ging durch seinen Körper. Dann schloß er fast nachdenklich die Augen und faltete sich zusammen. Bruchteile von Sekunden später lag er zufrieden und entspannt auf dem Boden und hatte den Butler vergessen.
Parker legte sich den Griff seines Schirms korrekt über den linken Unterarm und schritt vondannen. Er hielt auf den Landsitz zu, der breit und behäbig weit hinter den hohen Sträuchern und Büschen zu erkennen war. Er kam keineswegs unangemeldet. Ein anonymer Telefonanruf vor knapp einer halben Stunde hatte ihn veranlaßt, Mister Crestings aufzusuchen.
Parker blieb nicht auf dem asphaltierten Weg, der zum Haus führte. Sein Kontakt mit dem eigenwilligen Mister Witney hatte ihn gewarnt. Er mußte damit rechnen, daß sich in dem Landhaus dort drüben Dinge abspielten, die erst einer vorsichtigen Prüfung bedurften. Der Butler betrat also den weichen, kurzgeschnittenen Rasen und erreichte die Rückseite des Hauses. Hier blieb er hinter einem mannshohen Strauch stehen, und orientierte sich.
Die dreiflügelige Terrassentür stand weit offen. Stimmen und Zurufe waren zu hören. Für wenige Sekunden erschien hinter der Tür ein Mann, der einen hellen Sommeranzug trug.
Hatte er es mit Mister Crestings zu tun? Handelte es sich um seine Gäste? Oder um Besucher, die dort im Haus nichts zu suchen hatten? Parker hatte sich gerade entschlossen, den Dingen auf den Grund zu gehen, als er den Motor eines schnell näher kommenden Wagens hörte. Wenig später quietschten Bremsen.
Aus der Terrassentür kamen zwei Männer, die es ungemein eilig hatten. Einer von ihnen trug den bewußten hellen Sommeranzug. Er mochte fünfundvierzig Jahre alt sein, war groß und schlank. Er trug eine Sonnenbrille, die ihm das Aussehen eines Filmstars verlieh. Sein Begleiter war wesentlich kleiner und schmaler und erinnerte in seinen ganzen Bewegungen an einen verschlagenen Marder. Diese beiden Männer rannten auf das nahe Buschwerk zu und verbargen sich hier. Ganz wie Parker, der sich selbstverständlich nicht zeigte, sondern weiter abwartete.
Drüben im Haus waren nun erneut Stimmen zu vernehmen. Ein zweiter Besucher- und Gästeschub schien das Haus besichtigen zu wollen. Parkers Verdacht, daß Crestings darauf schon keinen Einfluß mehr hatte, verstärkte sich verständlicherweise.
Um Ordnung in die Dinge zu bringen, entschloß der Butler sich zu einem etwas unfreundlichen Akt.
Er holte sein abgewetztes Etui aus der Innentasche seines Zweireihers und entnahm eine Zigarrenspitze, die er geschickt auf das Sechsfache der ursprünglichen Länge zog. Er besaß jetzt ein fast perfektes Blasrohr mit gleichbleibendem Durchmesser, denn die Zigarrenspitze war darauf abgestellt worden. In dieses Blasrohr führte er einen kleinen Pfeil von der Länge einer mittelgroßen Stopfnadel, richtete das Blasrohr auf den Mann im Sommeranzug und holte tief Luft.
*
Der Mann im Sommeranzug beugte sich etwas vor, um besser beobachten zu können.
»Das muß Hank Storm sein«, sagte er dann leise zu seinem Begleiter, der wie ein Marder aussah, »wir warten, lieber, bis sie sich verzogen haben!«
»Was ist denn?« fragte der Marder, als der Mann im Sommeranzug plötzlich zusammenzuckte und ihn entgeistert anschaute.
»Ich ... ich ... eh ... ich bin gestochen worden«, stöhnte der Mann im Sommeranzug und faßte nach seiner schmerzenden Kehrseite.
»Wird ne Wespe gewesen sein«, sagte der Marder und grinste schadenfroh, »das Zeug schwirrt ja überall ’rum.«
»Das ... das ist ... keine Wespe!« Der Mann im Sommeranzug hatte den Kleinstpfeil gefunden und hielt ihn entgeistert hoch.
»Was ... was’n das?« Der Marder schluckte und rieb sich anschließend die Augen.
»Das ... das is’n Pfeil«, stellte der Mann im Sommeranzug jetzt fest.
»Indianer!« stöhnte der Marder, »seit wann gibt’s hier Indianer? Das kann doch nicht wahr sein! Das muß ... Au ...!«
Er zuckte zusammen, sprang etwa einundzwanzig Zentimeter hoch und steil in die Luft und faßte ebenfalls nach seiner Kehrseite. Er fand einen Pfeil, der dem ersten zum Verwechseln ähnlich war.
Der Mann im Sommeranzug war nicht mehr in der Lage, diesen Fund zu begutachten. Er schwankte mit geschlossenen Augen wie ein Rohr im Wind, ringelte sich zusammen und legte sich auf dem weichen Rasen zu einem kurzen, erholsamen Schlaf nieder.
Der Marder verdrehte die Augen.
Ein seltsam schwaches, aber nicht unschönes Gefühl breitete sich in ihm aus. Er fühlte ein dringendes Schlafbedürfnis und beeilte sich, neben seinem Partner zu Boden zu gehen. Parker, der die Wirkung des von ihm entwickelten »Pfeilgiftes« kannte, war bereits näher getreten und sah auf die beiden Schlafenden hinunter.
Er stellte die Pfeile sicher, schob sein Blasrohr zur harmlos aussehenden Zigarrenspitze zusammen und barg alles im Etui. Dann kümmerte er sich um die beiden Männer, die nicht merkten, daß Parker sich für den Inhalt ihrer Taschen interessierte. Auf diese Art und Weise fand er heraus, daß der Mann im Sommeranzug Joe Halten und der Mann, der einem Marder glich, Mike Stirton hieß. Parker prägte sich weitere Details ein, was Adressen und Arbeitsverhältnisse anbetraf. Dann steckte er die Unterlagen zurück in die Taschen der beiden schlafenden Männer und widmete sich wieder dem Haus, in dem jetzt ein Abbruchkommando tätig zu sein schien.
Möbelteile krachten und splitterten, Glas ging zu Bruch, Bücher und Akten schienen mit größter Wucht auf den Boden gefeuert zu werden.
Vandalismus dieser Art schätzte der Butler
