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Männerphantasien - Hochhausromantik: Vierzehn Geschichten aus dem Hier und Heute
Männerphantasien - Hochhausromantik: Vierzehn Geschichten aus dem Hier und Heute
Männerphantasien - Hochhausromantik: Vierzehn Geschichten aus dem Hier und Heute
eBook234 Seiten3 Stunden

Männerphantasien - Hochhausromantik: Vierzehn Geschichten aus dem Hier und Heute

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Über dieses E-Book

Geschichten von Menschen, die im Hier und Heute leben, von sonderbaren Begegnungen, problematischen Beziehungen und unerwarteten Wendungen und das alles nicht in exotischen Gefilden oder in einer fernen Vergangenheit, sondern in diesen Wochen und direkt in der Nachbarschaft. Hier ein paar Beispiele

HOCHHAUSROMANTIK: Alles läuft schief, der Beruf, die Ehe. Es findet nur Trost im Hochhaus, auf der roten Couch bei Jessica. Aber da ist auch noch Naomi, ihre Mitbewohnerin, und die ist eigentlich viel attraktiver, auf den ersten Blick zumindest. Und was ist mit Sweet Cherry in Thailand?
DER FAHRSTUHL: Er traf sie jeden Morgen im Fahr­stuhl und schien sie krampfhaft zu ignorieren. Ihr entging je­doch nicht, dass er sie trotzdem heimlich und geradezu lüstern anstarrte. Sie schien es zu genießen, denn sie versuchte nichts zu verbergen.
ABWEGE: Wo war denn hier nur der Zigarettenautomat? Er stierte in die Runde. Die werden den doch nicht ins Frauenklo gehängt haben? Er öffnete die Tür. "Du Spanner, mach das du raus kommst" kreischte die Frau am Waschbecken. "Tschuldigung, ich wollte nur…". Dahinten war ja noch eine Tür, mit dem Hinweis "Privat". Vielleicht war er dort?
GEFÜHLTER FISCH: Als Mitternacht vorbei war und sich noch immer kein weiterer Gast hatte sehen lassen, sagte die Frau mit schwerer, schleppender Stimme, dass sie jetzt diesen Scheißladen dichtmachen würde und dass sie vorschlüge, sich jetzt sofort mit einer Flasche Schampus auf sein zu verziehen, um es sich dort genial gemütlich zu machen.
KAFFEE TOGO OHNE NEGERKÜSSE: Warum gibt es in der Backfactory Kaffee Togo, aber keinen Kaffee Kamerun und muss man künftig Afrikanerküsse statt Negerküsse bestellen.
AUSSEN VOR Vielleicht kam der Besuch tatsächlich ungelegen. Aber musste man die Gäste gleich in den ersten Stock verbannen, nur weil der Chef mit Gattin und Töchterlein zu einem die Karriere fördernden Essen eingeladen worden war?
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum29. März 2018
ISBN9783746712383
Männerphantasien - Hochhausromantik: Vierzehn Geschichten aus dem Hier und Heute

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    Buchvorschau

    Männerphantasien - Hochhausromantik - Yupag Chinasky

    Männerphantasien

    Hochhausromantik

    14 Geschichten aus dem Hier und Heute

    von Yupag Chinasky

    Impressum

    Yupag Chinasky

    Männerphantasien - Hochhausromantik

    Copyright © 2018 Udo Pagga

    epubli GmbH Berlin www.epubli.de

    Inhaltsverzeichnis

    Übersicht

    Hochhausromantik

    Orangensaft

    (Unbenannt)

    Konkurrenz

    (Unbenannt)

    Desaster

    (Unbenannt)

    Neue Hoffnung

    Der Fahrstuhl

    Abwege

    Gefühlter Fisch

    Kaffee Togo ohne Negerküsse

    Außen vor

    Der Balkon

    Der grüne Punkt

    Fußballfieber

    Die Erscheinung

    Falsch verbunden

    Die Tangotänzer

    Der Coup

    Jacuzzi

    Übersicht

    Geschichten von Menschen im Hier und Heute, von sonderbaren Begegnungen, problematischen Beziehungen und unerwarteten Wendungen und das alles nicht in exotischen Gefilden, sondern direkt in der Nachbarschaft.

    HOCHHAUSROMANTIK: Alles läuft schief, der Beruf, die Ehe. Es findet nur Trost im Hochhaus, auf der roten Couch bei Jessica. Aber da ist auch noch Naomi, ihre Mitbewohnerin, und die ist eigentlich viel attraktiver, auf den ersten Blick zumindest. Und was ist mit Sweet Cherry in Thailand?

    DER FAHRSTUHL: Er traf sie jeden Morgen im Fahr­stuhl und schien sie krampfhaft zu ignorieren. Ihr entging je­doch nicht, dass er sie trotzdem heimlich und geradezu lüstern anstarrte. Sie schien es zu genießen, denn sie versuchte nichts zu verbergen.

    ABWEGE: Wo war denn hier nur der Zigarettenautomat? Er stierte in die Runde. Die werden den doch nicht ins Frauenklo gehängt haben? Er öffnete die Tür. „Du Spanner, mach das du raus kommst kreischte die Frau am Waschbecken. „Tschuldigung, ich wollte nur…. Dahinten war ja noch eine Tür, mit dem Hinweis „Privat". Vielleicht war er dort?

    GEFÜHLTER FISCH: Als Mitternacht vorbei war und sich noch immer kein weiterer Gast hatte sehen lassen, sagte die Frau mit schwerer, schleppender Stimme, dass sie jetzt diesen Scheißladen dichtmachen würde und dass sie vorschlüge, sich jetzt sofort mit einer Flasche Schampus auf sein zu verziehen, um es sich dort genial gemütlich zu machen.

    KAFFEE TOGO OHNE NEGERKÜSSE: Warum gibt es in der Backfactory Kaffee Togo, aber keinen Kaffee Kamerun und muss man künftig Afrikanerküsse statt Negerküsse bestellen.

    AUSSEN VOR Vielleicht kam der Besuch tatsächlich ungelegen. Aber musste man die Gäste gleich in den ersten Stock verbannen, nur weil der Chef mit Gattin und Töchterlein zu einem die Karriere fördernden Essen eingeladen worden war?

    DER BALKON: Die Affenhitze machte den Aufenthalt in der Wohnung zur Qual. Er war nicht der Einzige, der es vorzog, die Nächte auf dem Balkon zu verbringen. Da war auch noch diese Frau im roten Kleid auf dem Balkon schräg gegenüber.

    DER GRÜNE PUNKT: Die Begegnung zwischen den beiden dauerte höchstes eine Sekunde, hinterließ aber eine bleibenden Eindruck bei ihm, weil sie eine kleine Unregelmäßigkeit an sich hatte.

    FUSSBALLFIEBER: Für ihn zählte nur Fußball, sonst nichts. Sie war mehr an anderen Dingen interessiert. Es kam, wie es kommen musste, aber am Ende bedauerten es beide.

    DIE ERSCHEINUNG: Sie betrat das Opernfoyer und die Blicke all dieser Spießer und Etablierten richteten sich auf sie. Es lag nicht nur an ihrem Outfit sondern auch an dem etwas unangemessenen Verhalten.

    FALSCH VERBUNDEN: „Hallo, ist dort Max? „Nein. Hier gibt es keinen Max. Sie sind falsch verbunden. Der Satz mit Max ist verdammt kurz, reicht aber aus, um ihn zu elektrisieren. Nicht der Inhalt, aber diese Stimme: dunkel, rauchig, geheimnisvoll. Nur vier Worte, aber sie lösen einen Schauer bei ihm aus. Unglaublich.

    DIE TANGOTÄNZER: Tango, schöner, guter, romantischer Tango, der beruhigt und zugleich elektrisiert. Diszipliniert und unermüdlich drehen die Paare ihre Kreise, die Damen schmiegen sich eng an ihre Partner, suchen Körperkontakt. Dance or die – tanzen oder sterben.

    DER COUP: Er hat seit kurzem eine Freundin und braucht Geld und er weiß auch, wie er beschaffen kann im Dschungel des Internets. Alles scheint zu funktionieren, der große Coup läuft hochpräziese ab, doch im Keller ist ein Feind am Werk, der alles und auch sich selbst zerstören wird.

    JACUZZI: Die Auberge lag einsam im Wald, hatte aber eine gute Küche und der Wellnessbereich war mit Sauna und Jacuzzi ausgestattet. Er traf Kleityn nur an zwei Abenden, aber die hatten es in sich.

    Hochhausromantik

    Orangensaft

    You want to fuck me? Die Frage (oder war es eine Feststellung?) war eindeutig und kam unvermittelt. Sie saßen auf der großen Couch mit der roten Überdecke, aßen Chips, tranken warmen Riesling und schwitzten. Es war stickig warm in dem Zimmer, aber das Fenster blieb zu, denn von draußen wäre an diesem Hochsommernachmittag noch mehr Hitze herein gekommen. Die Frage überraschte und verwirrte ihn. Er starrte sie an, ohne eine Antwort zu geben. Sie lachte, sagte an seiner Stelle „yeah", stand auf, stellte sich vor ihm in Positur, knöpfte langsam die hellgrüne Bluse auf und zog am Reißverschluss der engen, verwaschenen Jeans. Dann begann sie, sich langsam um die eigene Achse zu drehen, wackelte dabei sanft mit dem Hintern und streifte zugleich die Bluse über die Schultern und die Jeans Zentimeter für Zentimeter die Hüfte hinab. Nach einigen Umdrehungen war sie völlig nackt, sie trug keine Unterwäsche, nur ein kleines Kreuz an einem goldenen Kettchen um ihren Hals, das sich deutlich von der dunklen Schokoladenhaut abhob. Ihre Figur war mädchenhaft niedlich, die Hüfte schmal, die Taille eng, der Busen klein, wenn auch etwas schlaff, dafür war der Po um so straffer und genauso wohl geformt, wie die etwas kurz geratenen Beine. Sie genoss offensichtlich die Überraschung, die sich in seinem Gesicht spiegelte, und verharrte ein Weilchen in einer herausfordernden Pose: Eine Hand stützte sich auf die abgewinkelte Hüfte, die andere vergrub sich in ihren Haaren. Der Busen und das Becken waren vorgereckt. Ein Schmollmund und ein lasziver Schlafzimmerblick vollendeten den Eindruck, den sie vermitteln wollte, den einer erfahrenen Verführerin. Dann setzte sie sich mit einem Kichern wieder auf das Sofa, rückte ganz nahe an in heran und begann seine Kleider auszuziehen.

    Er hatte sie im Supermarkt kennengelernt, als er am Weinregal stand, die Brille hochgeschoben, eine Flasche Rioja in der Hand, deren Etikett er aufmerksam las. Ein leiser Aufschrei hinter ihm, „oh, shit! ,veranlasste ihn, sich umzudrehen und die junge Frau fragend anzusehen, die bei den Obstsäften stand und in einem Portemonnaie kramte. Ihre Blicke trafen sich. Sie fühlte sich ertappt und sah ihn verlegen lächelnd an. Er wollte sich schon wieder seinem Wein zu wenden, als sie ihn unvermittelt fragte, ob er ihr fünf Euro leihen könne. Sie habe nicht genug Geld dabei und brauche unbedingt Orangensaft. „Es ist so heiß, so very hot, und ich viel Durst, very thirsty, you know, fügte sie entschuldigend hinzu. Erst wollte er unwirsch abwinken, er war keiner, der anderen bereitwillig etwas gab, aber dann rührte ihn dieses verlegene, hilflose Lächeln und der auf ihn gerichtete Blick irritierte ihn, ein Blick aus Augen mit tiefbrauner Iris und nachtschwarzer  Pupille in dem weißen Oval der Augäpfel.

    Kleine Menschen, sagt man, erregen eher Mitleid als große und hübsche Menschen, besonders hübsche Frauen, erregen Aufmerksamkeit. Sie war klein und zierlich, reichte ihm vermutlich gerade mal bis an die Schulter und sie war alles andere als hässlich. So war es nahezu zwangsläufig, dass er sie nun doch genauer in Augenschein nahm. Auf den zweiten Blick fand er sie sogar richtig attraktiv. Das Gesicht mit den großen Augen, die ihn so unschuldig anschauten, fand er richtig sympathisch. Es war auffallend schmal, die Nase und die Lippen zeigten eher nubisch-ägyptische als negride Züge. Attraktiv fand er auch die Farbe ihrer Haut, ein schokoladenfarbenes Goldbraun und ihre Haar, diese dichten, buschigen, schwarz-glänzenden Haare, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren. Es waren, wie sie ihm später sagte, Fremdhaare, die sie alle vier Wochen erneuern musste und die nicht mit Wasser in Berührung kommen durften, „sonst Frisur kaputt und ich wieder zu Frisör and Frisör very expensive. Jedenfalls las er nicht weiter das Etikett, sondern legte den Rotwein in den Einkaufswagen und kramte in seiner Hosentasche nach einem Fünf-Euro-Schein. Sie sagte „Thank you so much, Danke scheen. I give you back, be sure, noch bevor er ihr das Geld zureichte.

    Selbst etwas verwundert über seine Großzügigkeit, das Geld würde er sicher nie mehr zurück bekommen, nickte er ihr freundlich zu und murmelte „no problem. Dann drehte er sich, den Blick nur zögerlich von ihr lassend, wieder dem Weinregal zu und suchte einen Riesling, der herb und zugleich süffig war. Das war eine nicht ganz einfache Angelegenheit, aber er hatte Glück und war rasch fündig. Nun ging er weiter zu den Milchprodukten, griff nach einem Viererpack Joghurt ohne Geschmack und einem Kefir. Auf dem Weg zur Kasse packte er noch zweit Tüten Kartoffelchips mit Zwiebelaroma in den Einkaufswagen. An der Kasse sah er sie wieder. Sie hatte schon bezahlt und wartete offensichtlich auf ihn. Als er sie bemerkte, lächelte sie ihm dankbar zu. In ihrem Wagen lag nicht viel, ein paar Tüten und Dosen, eine Plastikflasche mit Wasser und zwei Tetrapack mit dem besagten Orangensaft. Es war aber doch so viel, dass sie sich schwer tat, alles auf ihren Armen zu verstauen, als sie den Wagen zurück in die Reihe stellen wollte. Er sah, wie sie sich abmühte, und bot ihr scherzhaft an, ihre Sachen vielleicht lieber in seiner großen Einkaufstasche unterzubringen. Doch sie nahm das Angebot für bare Münze und ging sofort darauf ein. „Danke für Hilfe. Habe Geld und Tasche vergessen, wie dumm ich bin. Auf seine Frage, warum sie nicht einfach eine Plastiktüte kaufen würde, meinte sie bedauernd „No more money. Alles weg. I’ve spent all, you know. „Nicht einmal die paar Cent für eine Plastiktüte, fragte er erstaunt. „No. No penny any more. Bei diesen Worten fühlte er sich an Auslandsreisen erinnert, wenn er vor dem Rückflug im Duty-free stand und seine letzten Münzen zusammen kramte, um noch einen billigen Kaugummi oder eine Tafel Schokolade zu erstehen. Aber das war eine völlig andere Situation. Er wollte ihr gerade anbieten, eine Tüte zu kaufen, als sie ihm zuvor kam. „Wenn Sie helfen tragen, ich gebe Geld zurück. Come with me to my place, you know. Sie wohne ganz in der Nähe, in dem Hochhaus da drüben, das man von hier aus sehen könne. Im achten Stock, fügte sie hinzu, als sie ihre Sachen in seine Tasche packte. Dann ging sie hinaus auf die Straße und er folgte ihr.

    Das Hochhaus machte denselben verkommenen Eindruck, wie das ganze Viertel. An den Wänden prangten Schmierereien, im Flur standen Fahrräder und Kinderwagen. Zum Glück gab es einen Aufzug, klein und quietschend und ebenfalls mit Graffiti verschmiert. Als er die Tür aufzog, schlug ihm ein undefinierbarer, unangenehmer Geruch entgegen. Abgestandene Pisse vermutete er. „Achter Stock, sagte sie, „aber das weißt du ja schon. Sie war spontan zum Du übergegangen, bisher hatte sie in ihrem schlechten Deutsch Sie gesagt. Er nahm die Gelegenheit wahr, seinen Namen zu nennen. „Jessica, sagte sie darauf, „my name is Jessica. I am from Ghana. Call me Jessi. It is anyway not my real name. My real name is difficult for you. You can it neither pronounce nor remember.

    Im kleinen Flur der Wohnung herrschte ebenfalls Unordnung. Jede Ecke war belegt, mit Schuhen und Umzugskartons, mit einem prall gefüllten Mülleimer, mit Kleidern und Jacken, die an der übervollen Wandgarderobe hingen. In dem großen Spiegel begrüßte ihn das Bild eines verschwitzen, älteren Mannes mit Brille, schütteren Haaren und deutlichem Bauchansatz, der sich einen Moment neugierig selbst anschaute, dann weiter seine Umgebung musterte. Die Tür zum Bad stand offen und er sah auch dort dasselbe Chaos. Auf dem Fußboden Kleidungsstücke und Handtücher, in der Badewanne ein Wäscheständer voller Unterwäsche. Als Jessi sah, wie er einen freien Platz für die Einkaufstasche suchte, sagte sie entschuldigend „Freundin nicht ordentlich, große Schlampe, und ergänzte, dass sie als Untermieterin, sie kannte das Wort, bei ihre wohne. Sie heiße Naomi und käme ebenfalls aus Ghana. Er solle die Sachen in die Küche bringen und irgendwo hinstellen, sie wolle rasch das Wohnzimmer aufräumen. In der Küche waren alle Ablageflächen mit Tellern, Tassen, Besteck, Resten von Lebensmitteln, Tüten, Konserven und allerlei sonstigem Kram belegt. Er musste einige Teller aufeinanderschichten, um den Einkauf zu deponieren. Jessi rief ihm derweil aus dem Wohnzimmer zu: „You have time for an orange juice or is mummy waiting for her darling? Sie lachte über ihren Witz, er auch, wenn auch etwas gequält und rief zurück „Ja klar, aber wenn schon, dann lieber ein Glas Wein".

    Er nahm die Flasche Riesling und die Chips aus der Tasche und ging in das Wohnzimmer. In der Tür stehend sah er zu, wie Jessi die letzten herumliegenden Gegenstände unter die Couch schob. Es war eine überdimensionale, blutrote Couch, die das kleine Wohnzimmer dominierte und nur wenig Platz für die dunkelbraune Schrankwand mit dem großen Fernseher in ihrer Mitte und den kleinen, gläsernen Couchtisch ließ. „Also dann trinken wir einen Schluck, sagte er und fragte, ob es hier einen Korkenzieher gäbe. „Wir trinken nicht Wein. Wir brauchen keine, wie hast du gesagt, Krockenzieher. Er war einen Moment ratlos, aber es gibt auch andere Möglichkeiten, eine Flasche zu öffnen, ein spitzes Küchenmesser tut es auch. Der Riesling war warm, dazu schwammen Korkreste auf der gelblichen Flüssigkeit. Die Gläser, die sie aus der Küche geholt hatte, waren absolut unpassend, Kindergläser mit Mickymaus Dekor. Aber das alles war in diesem Moment nicht wichtig, obwohl er sonst ziemlich etepetete war und Wert auf Stil legte. Viel wichtiger war, dass diese seltsame, kleine Frau ihn gebeten hatte, noch zu bleiben und dass sie jetzt zusammen auf der Couch saßen und dass er seit einiger Zeit ein seltsames, leises Kribbeln im Bauch spürte, das um so stärker wurde, je näher sie sich kamen. Obwohl, von wirklicher Nähe konnte keine Rede sein. Sie saß an dem einen, er an dem anderen Ende und um anzustoßen, mussten sie ihre Arme gehörig ausstrecken. Aber das irritierende Kribbeln war da und um sich abzulenken und weil er Durst hatte, leerte er das erste Glas mit dem warmen Riesling auf einen Zug. Sie nippte nur. „Great. „Der ist zu warm. No problem. Er schenkte nach und riss die Tüte mit den Chips auf. Ich mag Chips. „Me too. „Trink doch, der Wein ist sehr gut, das kannst du mir glauben. War auch nicht ganz billig. „I prefer orange juice." Sie stand auf, holte sich eine der Packungen aus der Küche und ein weiteres Mickymausglas und goss die gelbe Brühe hinein. Das Gespräch plätscherte noch eine Weile dahin, ein Austausch von Belanglosigkeiten und Nettigkeiten, eine Aneinanderreihung von nichtssagenden Anmerkungen. Für eine ernsthafte Unterhaltung war es einerseits zu heiß und andererseits, was hätten sie auch ernsthaft miteinander reden sollen, es gab ja so gut wie keine Gemeinsamkeiten. Doch dann kam unvermittelt ihre Frage.

    Danach lagen sie dicht nebeneinander auf der Couch, tranken die Flasche Wein leer, eigentlich trank nur er, aßen die Chips auf, eigentlich aß nur sie. Sie hatte den Fernseher eingeschaltet und verfolgte Videoclips. Er war nach dem Akt erschöpft und träge, döste vor sich hin und betrachtete den spärlichen Nippes in den Fächern der Schrankwand, ein paar afrikanische Skulpturen, ein Aschenbecher aus schwarzem Holz. Vor allem aber wanderte sein Blick immer wieder zu dem großen Bild, das hinter der Couch hing. Es war ein billiges Stück von der Art, wie sie in Kaufhäusern angeboten werden, jedoch kein röhrender Hirsch im Morgenrot und auch keine farbenprächtige Zigeunerin. Frauen waren jedoch schon abgebildet, zwei nackte, schwarze Frauen mit hochgetürmten Haaren und spitzen Brüsten, die sich gegenübersaßen und ihre Hände auf seltsame Weise ineinander verschränkt hatten. Das Bild war scheußlich, die Farben kitschig, die Situation total gekünstelt, die Gesichter und besonders die Hände höchst dilettantisch gemalt. Aber es erregte sein Interesse und nicht nur das. Er musste immer wieder hinschauen, besonders auf die spitzen Brüste. Nach einer Weile des stillen Herumliegens meinte Jessi, es sei besser ihre Freundin anzurufen und ihr zu sagen, dass sie noch ein Weilchen wegbleiben solle. „Dann haben wir mehr Zeit zusammen and we can do something together", sagte sie als Begründung in ihrem witzigen Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch. Auf seine Frage, ob es nicht ärgerlich für die Freundin sei, dass sie in ihre eigene

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